Ausgabe 
15.1.1909 Drittes Blatt
 
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Nr. 12

Erscheint KgNch mti Ausnahme des Sonntags.

Die .»Gießener ZamNienblätter- werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich betgelegt, das Kreteblatt f&r den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DreLandwirtschastlichev Seit» fragen" erscheinen monatlich zweunaü

15$?. Jahrgang ^Freitag, 15» Januar IKON

RokalionSdntck und Verlag der D'rüb?schen Untversttärs - Buch» und Stembnidewu Lange, Gießen.

Nedaltion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Exvedltwn und Verlag: 5L

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Fräulein Josette meine Frau" mit 812, H. Bernsteins Der Dieb" mit 510 Aufführungen, aber auchHusaren- fieber" brachte es noch auf 615,Alt-Heidelberg" auf -177 Wiederholungen. Den größten Schauspielerfolg trug aber E. v. WildenbruchsDie Nabenstcinerin" mit 938 Aufführ­ungen davon. Und doch bedeuten diese Zahlen nur wenig gegen die alles beherrschende Operette. LeharsDie lustige Witwe erlebte 1778 Aufführungen,Ein Walzertraum" von O. Straus 1741, und schon winken mit drei erst kürzlich er­schienenen neuen Opperettcn, L. FallsDie Dollarpnnzessin" (547) undDer fidele Bauer" (406), sowie G. JarnosDie Förster-Ehrutl" (239), neue Rekorde. Bon den Opern er­zielte die größte Aufführungszahl G. VizetsCarmen" mit 479 Abendenden. Rur die 9ieuheitTiefland" von d.'Albert brachte annähernd soviel (463). Es folgt dannLohengrin" mit 395 Auflührungen, R. Wagner insgesamt mit der statt­lichen Zahl von 1936 Abenden, demgegenüber Mcyerbeer sich nut 152, Gounod mit 249 begnügen müssen. Verdi zählt 757, Mozart 471, Lortzing 654, K. M. v. Weber 325 Aufführungen, während Beethoven allein mit »Fidelio^ 219 mal und R. Strauß'Salome" 217 mal ausgeführ: wurde

Bismarck - Iahrhu. ndertdenkmal Eino Versammlung des geschäftsführenden Ausschüsse. und der Vorstände der übrigen Seniorausschüsse zur Errichtung eines Bismarck-Jahrhundertdenkmals am Rhein, deren Präsident der Reichskanzler ist, beschloß, in allen deutschen Bundes­staaten und größeren deutschen Städten mit der Gründung von Landesausschüssen und Lokalkomitees zu beginnen, um die Sammlung der notwendigen Gelder in die Wege zu leiten. Der Kunstausschuß wird im Lause des Jahres ein Preisausschreiben für die deutsche Künstlerschaft erlassen.

Kleine Chronik aus ft u n ft und Wissenschaft. Der Versasser von Eherlock Holmes, Sir Couau 2) o n Ux, muß sich auf icmem Landsitz bei London einet s ch w e r c n Opera­tion unterziehen. Sein Zustand gilt als ,b e j o r g n i v errege n d»

Deutscher Reichstag.

184 Sitzung. Donnerstag. 14. Januar.

Am Tische des BundesratZ: v. Schön, b. Bethmann- Hollweg, Wermuth.

Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten. 1

Der Handelsvertrag mit dem Freistaat El Salvador wird in erster und zweiter Lesung erledigt.

Armenuuterstiitznng und öffentliche Rechte.

Die Beratung des Gesetzentwurfs über die Einwirkung von Armenunterstützung auf öffentliche Rechte wird fortgesetzt.

Abg. Brühno (Soz.) 1

Wir erkennen gern an, daß der Entwurf wesentliche Ver­besserungen bringt. Freilich verschiedene Härten tonnten noch beseitigt werden. Wenn jemand unverschuldet in Armut gerät, so sollte inan ihn nicht noch mit der Entziehung öffentlicher Rechte bestrafen. Viel wird auf die Handhabung des Gesetzes an­kommen. Bisher hat man immer versucht, die Arbeiter des Wahlrechts zu berauben. Diese Methode muß endlich eingestellt werden. Unser ganzes Armenwescn sollte endlich einmal reformiert Werdern Die Unterstützung muß früher beginnen, nicht erst, wenn es schon zu spät ist. Der Redner beantragt lleberweisung be5 Enttuurfs an eine besondere Lwmmission von 13 Mitgliedern

Mg. Raab (Wirtsch. Vg.)r

Der Kommissionsberatung wollen wir nicht Widersprechen. Man sollte sich aber nicht in theoretischen Erwägungen verlieren. Dadurch, daß jemand Armenunterstützung erhält, wird er noch lange nicht politisch abhängig. Die Bestimmungen des Gesetzes bringen einen Fortschritt, sie sollten auch auf die einzelnen Bundesstaaten ausgedehnt werden. Die G e st a l t n n g unserer politischen Rechte muß sich allmählich unseren modernen Anschauungen anpassen.

Abg. Dove (Fr. Vg.):

Eine Kommissionsberaturrg wäre freilich nicht nötig ge­wesen; da sie aber gewünscht wird, sind wir nicht dagegen. Frei­lich werden wir Wohl nächstens die Zahl der Ä o g e ord­neten vermehren müssen, nur um die Kommissionen be­setzen zu können. (Heiterkeit.^ Bisher gab es hinsichtlich der Armenunterftützuim viele Härten. Das Kaiser Friedrich- Krankenchaus in Berlin soll zur Aufnahme von Kindern bei Epidemien dienen. Werden aber die Kosten für die Ausnahme eines Kindes gestundet, so wurde das als Armenunterstützung an­gesehen. Viele Väter nehmen daber ihre Kinder aus dem Krankenhairse, nm ihr Wahlrecht nickt zu verlieren. Ich will nicht, entscheiden, ob sie in diesem Konflikt der Pflicht,richtig ent­schieden haben, jedenfalls haben sie eine hohe Auffassung von chren öffentlichen Rechten. Wenn aber die Kranken nicht poliert bleiben, so wird ine Gesamtheit gefährdet. Die Vorlage bringt erhebliche Verbesserungen, einiges tann daran noch. geändert werden. Aber die Ausdehnung auf die Bundesstaaten ist dringend votwendig.

Abg. Brandys (Pole):

Auch wir begrüßen den Entwurf, beim er schützt die politi­schen Rechte der Staatsbürger besser als das bisher der Fall war. Bester wäre es gewesen, wenn wir nach dem Vorbilde Belgiens positiv erklärt hatten, daß gewohnheitsmäßige Vagabonden und Bettler für eine gewiße Zeit ihres Wahlrechts verlustig gehen.

läge sind die SanbcSregTcrungen ermächtigt, die Preisfeststellung nach Lebendgewicht vorzuschreiben. Die Sozialdemokraten beantragen: Werden Vorschriften über die Feststellung der Preise erlassen, so müssen sie sich auf das Lebend, und Schlachtgewicht erstrecken. Die Freisinnigen, Abg. Fischbeck und Ka­belt, beantragen: Vorschriften, durch welche die Feststellung von Preisen nach Schlachtgewicht verboten wird, dürfen auf Grund dieses Gesetzes nicht erlassen werden.

Abg. Fischbeck (Fr. Vp.)

empfiehlt den Antrag als ein kleineres liebel. Werde der Entwurf Gesetz, so bestehe die große Gefahr, daß nicht nur der Markthandel mit Schlachtvieh, sondern der gesamte Fleischhandel nach Lebend­gewicht vorgenommen werde. Die Fleischer seien doch auch ein Teil des Mittelstandes.

Abg. Scheidomaun (Soz.)?

Der Staatssekretär bezeichnet als einziges Ziel des Gesetzes, die Preisfestsetzung durchsichtiger zu machen. Sein guter Glaube ist nicht zu bezweifeln, er kann nicht alle Verhältnisse seines aus­gedehnten Ressorts beherrschen. Aber denen, die die Anregung gegeben haben, spreche ich den guten Glauben nicht zu, denn die Preisfeststellung nach Lebendgewicht ist gerade geeignet, irre zu führen. Sie nützt den Landwirten gar nichts und schafft nur für den Handel und das Schlächtergewerbe Belästigungen. Unser Antrag ist zweckmäßiger als der freisinnige.

Die Abgg. Graf Schwerin-Löwitz und Dr. Roes icke (Kons.) haben inzwischen folgenden Antrag einge­bracht: Vorschriften, durch welche die Feststellung von Preisen nach Schlachtgewicht verboten wird, dürfen, sofern diese Fest­stellungen auf tatsächlichen Unterlagen und nicht lediglich auf Schätzungen beruhen, auf Grund dieses Gesetzes nicht erlassen werden.

Slbg. Dr. Roesicke (Kons.)

führt gegen den Antrag der Sozialdemokraten an, daß dadurch unter Umständen der Handel nach Lebendgewicht vorgeschrieben werde, wo ein Bedürfnis dafür gar nicht vorliege. D i e Agra­rier sind wirklich nicht einseitig, sie wollen gar nicht ihre Taschen füllen, sic haben nie daran gedacht. (Ge­lachter links.) Der konservative Antrag kommt allen biUtaen Wünschen entgegen. Die Befürchtung wegen Schädigung Der Fleischer und Händler ist unbegründet: nach Lebendgewicht wird ja jetzt schon an vielen Märkten gehandelt, bei den Schweinen geschieht das ja ganz ausschließlich.

Abg. Wachhorst dc Weute (Rail.):

Unser Motiv zur Zustimmung zum Gesetzentwurf ist ledig­lich, eine bessere Statistik herbeizuführen und dem kleinen vieh­züchtenden Landwirt die Uebersicht zu erleichtern. Es hat uns vollkommen jedes agitatorische Interesse für Zeiten der Fleischnot ferngelegen. Wir sind nicht der Meinung, daß dieser Gesetzent­wurf den Qualitätshandel erschweren würde. Den Stand der Viehhändler und das Schlächtergewerbe wollen wir nicht im ge­ringsten schädigen. Der Antrag Scheidemann tvürde die Durch- führ'ung des Gesetzes nur komplizieren, sonst hätten wir nichts gegen ihn,

Abg. Gerstenberger (Zerckr.)':

Machen wir doch den Versuch; es soll ic^ nicht zwangsweise schon jetzt für alle Märkte das eingeführt werden. Wenn etwa in Zeiten hoher Fleischpreife von agrarischer Seite mit den Lobendpreisen pro Zentner agitiert werden sollte, so wäre das allerdings eine unverantwortliche Hetze, und' da soll die Presse aufklärend wirken. Dem Antrag Roesicke stimmen auch wir zu.

Petitionen.

Die Beratung über die Petition der Bauarbeiterschuh-Kom­mission in München auf Anstellung von Baukontrol. teuren aus dem Arbeiterstande wird fortgesetzt.

Die K o m m i s s i o n empfiehlt Berücksichtigung, ein kon - ferbafritier Antrag Uebcrgaug zur Tagesordnung.

Abg. Bömclburg (Soz.)

tritt für den Kommissionsantrag ein und bespricht als Vorsitzen­der des sozialdemokratischen Maurerveroandes die Frage vom Standpunkt der Bauarbeiter. Die elend e.n Verdächti­gungen gegen die Arbeiter seien mit Entrüstung znrückzulvci- sen.

Vizepräsident Kaemps:

Ich nehme an, daß diese Worte sich nicht gegen ein Mit­glied des Hauses richten, sonst müßte ich Sie zur Ordnung rufen.

Abg. Wälzt (Natl.):

Auch ich empfehle den Kommissionsantrag. In der Frage der Baukontrollenre kann Bayern als Mn st er land , gelten. Denn in Bayern und Württemberg haben wir diese Institution schon lange. Sic hat sich durchaus bewährt. Die Anfsichtsiätig- feit der höheren technischen Beamten wird dadurch nicht berühr'., denn die Baukontrollenre stehen tonen nur als Gehilfen zur Seite. Die Vorwürfe des Abg. Pauli sind ganz hinfällig, er stellt die Verhältnisse nicht richtig bar. Die Van auf seh er sollen gar nicht selbständig handeln, sondern nur gemeinschaftltch mit ihren Vor­gesetzten. Durch die Anstellung voit Bauaufsehern werden zahl, reiche Unfälle verhindert. Die Befürchtung, daß das Amt zu parteipolitischen Zwecken ausgenutzt werden könnte, ist nach den Ersahruitgen in Süddeutschland grundlos. Die Stellung des Kontrolleurs unter die Disziplin der Behörden gibt die Ga­rantie, daß das Amt nicht mißbraucht wird. Die Einrichtung der Baukontrollenre hat praktischen Wert, sie eignet sich zur allge­meinen Einführung. (Beifall.)

Abg. Irl (Zentr.) bekämpft den konservativen Antrag auf lieber gang zur Tages­ordnung und weist darauf hin, daß der Reichstag schon früher sich für Baukontrolleure ausgesprochen habe. Von solchen Vertrauens­posten darf man die Arbeiter nicht prinzipiell ausschließen, das wäre keine vernünftige Sozialpolitik. Wollen Sie solange luarten, bis die Unzuverlässigkeit der Unternehmer weiteres Unglück Der* ursacht? ,.

Abg. Wieland (Dtsck. Vp.):

Klagen gegen unsere Baukontrolle in W ürttem- berg sind nicht laut geworden. Die Lasten der Bauberufsgenossen- schäften werden immer größer. Daher hat man es mit der Ein­führung der ftontroUeurc nicht so eilig. Andererseits würden aber die Unfälle verringert werden. Zur .Kontrolle sind praktisch und technisch ausgebildete Leute nötig. Aber zur gutachtlichen Mitwirkung kann man auch Arbeiter heranziehen. Die Kosten iuerben nicht so bedeutend sein. Vielleicht läßt man zunächst die Arbeiterkontrolleure weiter in ihrem Beruf. Sie werden sich schon bewähren. Auch die Arbeiterbeisitzer bei den Gewerbe-, gerieten haben nicht enttäuscht. Ich empfehle die Petition zur Berücksichtigung.

Abg. Dr. Burckhardt (Wirtsch. Vg.)'!

In der Kommission hak leider der Regierungsverireter er­klärt, daß kaum Aussicht vorhanden ist, daß der Bundesrat der Petition zustimmt. Ich hoffe trotzdem,' daß den Wünschen der Arbeiter Folge gegeben wird.

Abg. Dr. Hoefsel (Rp.)r

Dir sollten die Materie einheitlich für das ganze Reick regeln und ferne Unterschiede zwischen den einzelnen Bundes, ftaaten zulassen. Hoffentlich werden sich auch die Gemeinden danach richten, denn der Verlust der bürgerlichen Rechte entsprach nt vielen Fällen durchaus nicht mehr unseren modernen sozialen Anschauungen. Jedenfalls begrüßen wir den Entwurf mit Genug­tuung.

Abg. BShle (Soz.):

Es sollte ein Unterschied gemacht werden zwischen allgemeinen Lffentlichen Mitteln und privaten Mitteln, die z. B. in erheblichem Maße in Straßburg i. E der Gemeirrde zu Unterstützungs­zwecken zur Verfügung stehen.

Die Vorlage geht an eine besondere Kommission.

Preisfeststellung beim Markthandel mit Schlachtvieh.

Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die Preisfeststellung beim Markthandel mit Schlachtvieh. Eine Kom» Missionsberatung hat hierüber nicht stattgefunden. Nach der Vor-

Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg erneuert die Erklärung, daß der Entwurf keinerlei grundlegende Aenderung bezwecke, sondern lediglich eine übersichtlichere Preis­notierung. Darum sind alle brei Anträge entoehrlich.

Abg. Kobelt (b. I. Fr.):

Der Entwurf erfüllt einseitige Wünsche der Landwirtschaft. Händler, Konsumenten und Fleischer bat man nicht gefragt. In Oesterreich hat man mit dem Lebendgewicht schlechte Erfahrun­gen gemacht. Preußen hat eine Kommission hingeschickt, oie das sestgestellt hat; wenn die Regierung daraus keinen Werr legt, hätte man das Fahrgeld sparen können. (Heiterkeit.). Unser Antrag verhütet wenigstens daZ Schlimmste. Ich beantrage Kom­mt ssionZberatung.

Abg. Vogt-- Crailsheim (Wirtsck. Vg.) _ unb Hilpert (Bayer. Bbd.) sprechen im Siicne des Dr. Roesicke.

Die Kommisfionsberatung wird abgel^hnt. In her zweiten Lesung wird unter Ablehnung der freisinnigen unb sozialdemokratischen Anträge der Antrag der Kon­servativen angenommen.

Abg. Pauli, Potsdam (Kons.):

Man soll nicht die Schuld an den Unfällen auf die Unter» nehmer abwälzen. Nach der Statistik sind nur 3.5 Proz. aller Un. fälle auf das Konto der Arbeitgeber zu setzen. Den Berufs- genoffenschaften liegt sehr viel daran,-die Unfallziffern herabzu« setzen. Sie haben durchaus das richtige Verständnis für die Unfall- Verhütungsvorschriften. Andere Behauptungen sind nur agita­torischer Natur. Ost weigern sich die Arbeiter geradezu, sich an die Schutzbestimmungen zu halten, weil sie ihnen unbequem sind. Die Sozialdemokratie will die ganze Sache nur parteipolitisch aus- nutzen, das hat einGenoffe" in einer Versammlung in Han- n o b e r offen zugegeben. Legen Sie dem Mittelstände keine neuen Lasten auf.

Damit schließt die Diskussion. -Die Petition wird unter Ablehnung des konservativen Antrags zur Berücksichti­gung überwiesen.

Das Hans vertagt sich.

Mchste Sitzung: Freitag 1 Ubr: Arbeitskammergesetz.

Schluß 614 Uhr.

haecke! und vrah.

Zu bent von beiden Seiten nicht ganz mit der nötigen Hochachtung geführten Kanrpf um dieretouchierten", oder gefälschten" Ernbryonenbilder Hneüels schreibt man uns:

leicht 6 oder 8 vom Hundert) wirklich (im Simie von Dr. Braß)gefälscht" sind alle jene nämlich, bei denen das dorliegende Beobachtungsmaterial so unvollständig oder un­genügend ist, daß man bei Herstellung einer zusanunenhäii- genden Entwiülungskette gezwungen ist, die Lücken durch

Schon im letzten Sommer erregten Erklärmlgen, die zwischen dem Jenenser Gelehrten Pros. Ernst Häckel uno dem Zoologen Dr. Braß ausgetauscht wurden, großes Aus­sehen. Dr. Braß hatte angedentet, daß Haeckel Bilder von Assenembryonen zurechtgestutzt hätte, um seine monistische Theorie zu stützen und zu beweisen, daß die Darwinsche Be­hauptung, der Mensch stamme vom Affen ab, durch die Er­gebnisse exakter Forschung sichergestellt sei. In der nunmehr veröfsentlichten Schrift des Dr. Braß, betiteltDas Afsen- problem. Professor Ernst.Haeckels neueste gefälschte Embryv- nenbilder" beweist Braß seine Anschuldigungen gegen Häckel, die darin bestehen, Haeckel habe in seiner jüngsten Schrift ^Das Menschen-Problem" Ernbryonenbilder des geschwänz-

Hypothesen auszufütlen und durch vergleichende Synthese die fehlenden Glieder zu rekonstruieren." Soweit Haeckel.

Er gibt damit zu, daß er in Werken, die den Ansprnrch auf Wissenschaftlichkeit machen, zeichnerische Phantasiegebilde veröfsentlicht hat. Wenn nun auch Prof. Haeckel sich die Entwicklungsphasen des Menschen so denkt, so hätte er als radikalerWahrhcitssucher", der sein zu wollen er bei keiner Gelegenheit zu betonen versäumt, diese Bilder, die er jetzt alsvergleichende Synthese" bezeichnet, schon vorher als solche mit genügender Deutlichkeit bezeichnen müssen, nicht aber Hypothesen, d. h. Vermutungen als. Ergebnisse der wahr- heitsuchenden exakten Wissenschaft hinstellen!

ten Makak-Affen von Prof. Seleuka zu solchen des unge­schwänzten Gibbon znrechtgestutzt. Damit kam eine Theorie, der Haeckelsche Monismus, ins Wmrken, die durch Wort uitb Schrift vielleicht nicht ganz mit Recht in die weitesten Kreise der Bevölkerung hineingetragen war. Ein sehr großer Teil der drei Spalten langen Erwiderung des Prof. Haeckel in derBerliner Volkszeitung" wird mit heftigen Angriffen gegen Dr. Braß und den Keplerbund ausgefüllt, Angriffen, deren Forin derjenigen der Angriffe des .uepler- bundes hinsichtlich desvornehmert" Tones lvahrlich nichts nachgibt! Eine Entkräftung der Braßschen Behauptungen gelingt dem Jenenser Professor nicht, denn er selbst, Haeckel, schreibt, und das dürfte den Kern seiner Entgegnungerr für seine Gegner bedeuten:

Die gefälschten Ernbryonenbilder." Um dem ganzen wüsten Streite kurzerhand ein Ende zu machen, wckl ich nur gleich mit dem reumütigen Geständnis beginnen, daß ein kleiner Teil meiner zahlreichen Ernbryonenbilder (viel-

Das deutsche Theater 1908. Der deutsche Bühnenfpielplan für 1907/08, der soeben im Berlage von Brecklops & Härtel, Leipzig, erschienen ist, ermöglicht wieder eine statistische Uebersicht über btc an den wesentlichen deut­schen Bühnen erfolgten Aufführungen. Bon unseren Klassikern steht wie immer Schiller an erster Stelle mit insgesamnn 1441 Aufführungen, wovon allein 292 aufWilhelm Telf entfallen. Goethe mit 705 Abenden (Faust I. Teil 213 mal) folgt erst nach Shakespeare, dessen Werke 945, Aufführungen erlebten. Davon derKaufmann von Venedig" 120. Lessing fand 376, Hebbel 409, Grillparzer 363, Möllere 185 Aufführungen. Von modernen Autoren wurde Suder­mann 1202 mal aufgeführt, Ibsen 876, Hauptmann 476 mal. Eine große Aufführungszahl ergeben die ständig wieder- kehrenden Repertoirestücke, so daß Blumenthal 1021 Abende, F. v. Schönthan 931, L'Arronge 684 auf sich verewigen können. Als Zugstücke erwiesen sich der französische Schwank