Ausgabe 
14.10.1909 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 14. Oktober 1909

159. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 241

Erscheint täglich mit Ausnahme veS Sonntag».

ertragt.

tadelloser

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nerkannt.

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weifellos und drückte sich schon im Laufe drrfes Jahres durch

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Durch den Bau der Elektrischen

erhöhte Bautätigkeit aus.

bald die alten Häfen Braila und Galatz überflügelt haben. Der Personenverkehr geht aber selbstveritendlich über Eonstanza, das im internationalen Verkelir infolge der klugen Eisendahnvolrtik Rumäniens wir erinnern au die Sckstrsfung der Schnellver­bindungen Berlin-Constanza eine von Jahr zu Jahr wachsende Jiolle spielt. ,r.

Jetzt nach Fertigstellung des Hafens wird die rumänische Re­gierung wohl den langgehegten Plan tatkräftig aufnehmen, Eon- stanza durch 'eine regelrechte Linie mit einem deutschen Hafen, wahrscheinlich Emden, zu verbinden.

Dotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen UniversitätS - Brich- und 6temi>rudetel R. Lange, Gießen.

DieGtetzener ZamiNendlaNcr" werden dem. .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das ICrcisblatt für de« Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Lctt- tragen" erscheinen monatlich zweimal.

politische Cagessctrcrrr.

Die Großstädte des Deutschen Reichs nach der Berufszählung vom 12. Juni 1907.

Das soeben erschienene Heft 1 des Bandes 207 der Statistik des Deutschen Reichs enthält die grundlegenden Ergebnisse der Bevussstatistik für die Großstädte des Reichs insgesamt und für iedc der 42 Großstädte, d. h. der Gemeinden mit 100 000 und mehr Einwohnern.

Die Gesamtbevölkerung der 42 Großstädte des Reicks zu­sammen betrug 1907 11,79 Millionen gegenüber 7,03 Millionen bei der vorl>ergehenden Berufszählung 1895. Das ist eine Stei­gerung des Anteils der Großstädter an der Bevölkerung des Reichs von 13,58 vH. aus 19,11 vH. Bon den 11 792 019 Personen in den Großstädten waren 4 982 563 hauptberufliche Erwerbstätige nird 701 584 Berufslose, zusammen 5 684 147 Erwerbstätige und Berufslose, denen sich 6 107 872 Angehörige ohne eigenen Haupt­beruf und häusliche Dienende im Haushalt der Selbständigen angliedern. An Berufszugehörigen (b. h. Erwerbstätigen mit den vor: ihnen ernährten Dienenden und Angehörigen) entfielen in den Großstädten insgesamt nach der neuesten Zählung 6 089 282 Personen auf Industrie einschließlich Bergbau und Baugewerbe, 3 065 381 auf Handel und Verkehr, 1 142 230 auf die Klasse der Berufslosen, 1020 898 auf die den öffentlichen und freien Berufen cinschl. Heer und Flotte zugehörigen Personen, sodann 334154 auf Lohnarbeit wechselnder Art und als kleinste Gruppe 140 074 auf Landwirtschaft und Gärtnerei. Werden die großstädtischen Berusszügehörigen jeder Bcrufsabteilung in Beziehung gesetzt zu den Berufszugehörigen der einzelnen Berufs- abtcilungen im Reich, so zeigt sich, daß in Großstädten ermittelt wurden 23 vH. der von der Industrie ernährten Reichsbevöl- kerung, 37 vH. der vom Handel lebenden und 42 vH. der zur Lohnarbeit wechselnder Art wie persönlicher Dienstleistung ge­hörenden Personen. Für die Schicht der zu den öffentlichen und freien Berufen gehörenden Personen beträgt der Anteil der Groß­städte 30 vH., für die Klasse der Berufslosen 22 vH.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag; es© 5L $Rebaftton:e^ll2. Tel.-AdruAnzeigerGußen.

Gerrcbtrsaal.

Wichtig e Entscheidung für Lotteriespieler. Ein Bewohner von Groß-Gerau spielte bei einem hessischen Lotterie-Einnehmer ein Viertel-Los der preußischen Klassenlotterie. Als das Los in der vierten Klasse nicht gezogen war, tauschte er cs beim Einnehmer gegen eines der 5. Klasse um. Bei der Ziehung wurde betreffende Nummer mit 3000 Mark gezogen und der Einnehmer machte dem Mann Mitteilung. Als dieser aber sein Los besichtigte, merkte er, daß er bei dem Tausch seine alte

würde auch die Bahnhofsfrage gelüst sein und zwar zum Schaden des Staates, denn man würde nicht mehr den neuen entfernten Bahnhof aufsuchen. Auch das Bad Vilbel hofft auf vermehrte Frequenz.

? Wetzlar, 13. Oft. Nunmehr ist im Kreise Wetzlar für die Lehrerschaft der Wohnungszuschuß einheitlich geregelt. Während auf dem Lande eine Mietsenlschüdigung von 350 Mk. gewährt wird, kommen im Falle einer Ruhestandsoersetzung nach voller Dienstzeit sogar 580 Mk. Wohnungsgeld in Anrechnung, mithin 435 Mk. zur Auszahlung. Bisher waren diese Sätze in den einzelnen Gemeinden äußerst verschieden, es wurden nicht selten an verheiratete Lehrer nur 120 Mk. Wohnungsentschädigung gezahlt. Die gesetzlichen Nachzahlungen der Gemeinden sind iioch nicht erfolgt.

s. Marburg, 13. Oft. In der heutigen Sitzung der Stadt­verordneten wurde ein Entwurf eines Ortsstatuts zum Schutze der Stadt Marburg gegen Verunstaltung vorgelegt. Eine Kommission wird den Entwurf genau prüfen und dann iioch einmal zur Beschlußfassung vorlegen.

Srsrdt imb CcrnH.

Gießen, 14. Oktober 1909.

"HessischerGautagdertechnisch-industriellen Beamten. Am Sonntag, 17. d. Mts., findet zu Frank­furt a. M. der hessische Gautag des Bundes dec technisch- industriellen Beamten statt. Etwa 50 Vertreter der Orts­gruppen von Hessen und Hessen-Nassau haben ihre Teilnahme angekündigt. Auf der Tagung wird int wesentlichen die Agitation für den Bund in Hessen und Hessen-Nassau, sowie die Durchführung der kommunalpolitischen Forderungen des Bundes ztir Sprache kommen.

* lieber die Gewerbeordnungs-Novelle spricht auf Veranlassung der hiesigen OrtSgrtippe des Bundes der technisch-industriellen Beamten am nächsten Samstag abend Ingenieur F l ü g e r-Augsburg im Cafe Ebel.

4- Alsfeld, 13. Oft. Gegenwärtig findet auf Ver­anlassung der K'reisschulkommission wieder wie im vorigen Jahre ein Kursus für d i e Lehrer des Kreises statt, die in der Fortbildungsschule den neuen Unterrictz.s gegenstand, die landw. Raturkunde, zu lehren haben. Be­schäftigte sich der Kursus im vorigen Jahre mit der Boden­kunde, so ist Gegenstand des diesjährigen die landw. Pflanzenkunde, der dann als dritter Teil im nächsten Jahre die landw. Tierkunde enthalten wird. Ter Unterricht wird von einem Fachlehrer der Ackerbauschule erteilt. Dem landw. Unterricht tu der Fortbildungsschule liegt zu Gruitde der Leitfaden des Prof. Tr. Gisevius zu Gießen.

x Ob er-Ohm en, 13. Okt. Der neugewählte Bür­germeister hat jetzt seine behördliche Bestä-

Provirrzial-Ausschutz der Provinz Oberhessen.

L. Gießen, 13. Oktober.

Das Großh. Polizeiamt Gießen hatte Antrag auf Ent­zieh u ng der dem Pfandleiher Johs. Hör neck erteilten K o n - zessiou gestellt. Ter Provinzial-Ausschuß setzte die Ent.chet- dung ans, weil Horneck zum heutigen Termin nicht erschienen war.

Gegen den Müller Ludwig Biese nroth zu Merlau hatte das Großh. Kreisamt Alsfeld eine Verfügung erlasten, worin ihm aufgegeben ivnrde, das ihm und dem Müller Döhler gemeinsam gehörende Wehr ordnungsmäßig herznrichten. 2-cr Vertreter von Biesenroth rief hiergegen die Entscheidung des Provinzial-Ausschusses an, es wurde auch über die c-acke ver­handelt, die Entscheidung aber zwecks Vornahme eines Augen- Scheins ausgesetzt. Tieser hat inzwischen ftattgeiunben. In der heutigen Verhandlung führte der Vertreter des Kreisamts aus, daß einmal der Provinzial-Ausschuß in dieser Lache unzmtandtg sei, da es sich nicht um einen Polizeibesehl handle, zum anderen Biesenroth, zur Herstellung des Wehres verpflichtet sei. Der Ver­treter von Biesenroth begründete die Zuständigkctt des Provinzial- Ausschusses des näheren, rügte aber das Fehlen eines öifentlichen Interesses und behauptete weiter, daß Bieienrolh gar nicht Eigen­tümer des Wehres sei. Der Prooinzial-Ausschutz gab dem Recurs statt und entschied, daß der Polizeibesehl au >zuheben sci.

In einer seiner letzten Sitzungen hatte der Provinzial-Aus- fdürft entschieden, daß die Gemeinde Altenburg verpflichtet sei, eine Wasserleitung von dem sogenannten Mrrichrödcr Teick zu bauen. Damals war schon ein Gegenprojekt ausgetaucht, das bezweckte, eine Leitung von dem sogen.Homberg" zu bauen. Inzwischen bildete sich die Wassergenossergchast Altenburg-Ost mit der Absicht, das Homberg-Projekt zur Auschhrung zu bringen uiid suchte uni die Erlaubnis zur Benutzung der Kreisstraßen bei Legung der Leitung nach. Der Kreisausschuß des Kreises Als- (db verweigerte diese und so kam die Sache an den Provinzial- ^'lusschuß zur Beurteilung. Dieser wies den Rekurs der Gc- uossenschast kostenfällig ob.

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tigung und Verpflichtung erhalten. Damit ist aber keines­falls die Parteisvaltung in der Gemeinde über­brückt: sie klafft nad) wie vor weiter. Ta die seitherige Dampfdreschmaschine des Ortes nur Angehörigen der einen Partei gehörte, so haben jetzt solche der anderen Partei eine nagelneue Dampfdreschmaschine kommen lassen. (!) So wird auch das Getreide der Gemeinde getreu der Parteispaltung von zwei verschiedenen Maschinen gedroschen, hosfentlüch aber in einer Qualität.

§ Aus dem Vogelsberg, 13. Okt. Bei den Wand lungen, die sich aus allen Gebieten bemerkbar machen, mirb manches Alte beiseite gedrängt, ohne daß das Neue ersterem über wäre. Ja, manchmal ist rein das Gegenteil der Fall, und doch wird die Wandlung, der Mode zuliebe, vollzogen, bis dann die Einsicht das Bessere wieder aus dem Winkel holt. Eine solche Erscheinung zeigt sich bei unserer O b st k e 11 c r e i. Ihre alte, ursprüng­liche Form, wonach über die Keller ein Baum gelegt wurde, der vorn am Ende von einem mit Steinen beschwerten Brett stets unter Druck gehalten wurde, war längst den Schraubenpressen ge­wichen, nachdem die Keltern mit Winden die Zngkeltern abgelöst. Jetzt sieht man in den Ortschaften wieder die ganz alte Form der Obstkelter zu Ehren kommen. Ja, man läßt sogar ganz neue Keltern, auch solche von Stein, für diese Art unfertigen.

L. Friedberg, 13. Okt. Tie Sanität skolonne vom Roten Kreuz hielt am Güter bahnhof eine grüße re Hebung ab. Von Gästen waren erschienen Generalarzt Tr. Lindemann aus Darmstadt, Regierungsrat D. Gaßner als Vertreter des Kreisamts, Bürgermeister Stahl und einige Aerzte. Tr. L i n- bemann sprach sich über alles Dargeootene lobenswert aus. Tie Leitung hatte Lazarett-Rendant Gramlich-Friedberg. Geh. Oberschulrat Scheuermann, Tarmstadt, besuchte gestern das Lehrerseminar.

Vilbel, 13. Okt. Der Vertrag mit der Stadt Frankfurt, die Gaslieferung und den Bau der elektrischen Bahn betreffend, ist, n. d.Kl. Pr.", nun endgültig angenommen worden. Die Rohrlegung vom städtischen Gaswerk Heddernheim wird bald erfolgen und die Elektrische muß 1912 gebaut sein. Tie Bahnlänge wird acht Kilometer betragen. Es wird schon aus Konkurrenz­rücksichten der Eisenbahn gegenüber der kürzeste Weg gewählt werden. Vermutlich mündet die Bahn vor Berkersheim und in Vilbel. Preungesheim wird wohl angeschlossen werden. Auf diesem Wege könnte und würde der Vilbeler Berg in halber Höhe genommen und alle damit in Verbindung stehenden Schwierigkeiten beseitigt. Auch bietet die Gelände­erwerbung weiter keine Schwierigkeiten, da die Gebrüder Siesmayer das zur Bahn benötigte Gelände umsonst zur Verfügung stellen und weiter in der Bahnrichtuna ein Ge­meindeweg liegt, der ebenfalls kostenlos für diesen Zweck be­nützt werden kann. Daß der Abschluß dieses Vertrages einen Wendepunkt in der Geschichte unserer Gemeinde bildet, ist

Die russischen Finanzen.

Petersburg, 13. Okt. Der vom Finanzministerium aufgestellte Voranschlag für das Staatsbudget von 1910 beziffert die ordentlichen Einnahmen auf 2535.8 Millionen Rubel, die ordentlichen Ausgaben auf 2510 MM. Rubel, die außerordentlichen Einnahmen auf 10 Millionen und die außerordentlichen Ausgaben auf 120 Millionen Rubel; in dem letzten Posten sind 50 Millionen Rubel für Wirtschaftsoperationen des K'riegs-Ressorts und 64.8 Millionen für Ei s en b ah n b au t e n enthalten. Die außerordentlichen Ausgaben werden gedeckt durch den Ueberschuß von 25.8 Millionen der ordentlichen Einnahmen, durch 10 Millionen Rubel an außerordentlichen Einnahmen imb durch 84.2 Millionen, die durch Kreditoperationen be­schafft werden sollen.

M o s k a u, 13. Olt. Der P r ä s i d e n t d e s B ö r s en- ko m i t e e s, Kestronikosf, begrüßte den Finanzminister Kokowzow bei dessen Besuch in der Börse mit einer längeren Ansprache, in der er u. a. erklärte: Die russischen Finanzen hätten eine schwere Zeit hinter sich, die durch einen unglücklichen Krieg und innere Ursachen verursacht worden sei. Dank der glücklichen Leitung durch Kokowzow sei aber die Finanzlage Rußlands beinahe wieder­her g e st e l l t ; selbst die größten Pessimisten hegten keinen Zweifel an der Festigkeit der russischen Geldwährung. Dre Börsenkurse zeigten jetzt, daß der russische Kredit auf dem Weltmärkte wiederhergestellt sei und daß Rußland tu eine neue finanzielle Periode eintrete. Der Präsident aab der Hoffnung Ausdruck, daß der Finanzminister wahrend dieser Periode die Finanzen so leiten werde, daß Rußland in finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht keinem anderen Lande nachstehe. Der wirtschaftliche Aufschwung Rußlands sei jedoch unmöglich, wenn eine Ueberbürdung einiger Kreise der Vollstätigkeit durch Steuern eintrete; deshalb sei bei der Besteuerung äußerste Vorsicht empfehlenswert. _ Gegen Anleihen verhalte sich die öffentliche Mei­nung nicht mehr so bedingungslos ablehnend wie früher, jedoch sei es notwendig, daß die Anleihen ausschließlich den wirtschaftlichen Aufschwung bezweckten. Der Redner sagte dem Minister Dank für die rechtzeitige Eröffnung eines billigen Kredites während der diesjährigen überreichlichen Ernte, infolgedessen die Preise nicht übermäßig gesunken seien. Zum Schlüsse seiner Rede gab der Präsident dem Wunsche Ausdruck, daß die Reise des Finanzministers nach dem fernen Osten dazu führen möge, die russischen Gebiete Em fernen Osten mit dem übrigen Rußland durch feste wirtschaftliche Bande zu verbinden.

Deutsche Kolonien.

A uf Samoa hat sich ein recht bedauerlicher Vorfall ereignet. DieDeutsche Post" berichtet darüber:

Tie Pflanzer Gebrüder Schmidt erhielten in einer gleich­gültigen Angelegenheit eine Vorladung vor Gericht, zerrissen sie vor den Augen des zusiellenden samoanischen Polizisten und bc= schimpften ihn. Als das Gericht daranlhin eine zweite Vorladung durch einen chinelifchen Polizisten bestellen ließ, mißhandelten die Brüder Schmidt den Polizisten mit Knüppeln, jo daß er blutüber­strömt im öoipital ausgenommen werden inußte. Nunmehr wurde der Polizeiassistent Pofsin mit einer Zustellung der dritten Ladung betraut, gleichzeitig sollte er Beobachtungen anstellen, ob das Ver­hallen der beiden Pflanzer etwa auf plötzliche Geistesstörung zuruck- znfüyren sei. Poisiu wurde sofort nach Betreten des Halises 311m Verlassen desselben auigeforbert, worauf beide Brüder hinter ihiii herschosseii, doch traf glücklicherweise keiner der abgegebenen acht Schüsse. Beide Brüder siiid iiizwischen in Haft genommen worden, ohiie daß Unglückssälle oorgekomnien sind, und sehen ihrer Ab- urteihmg. entgegen.

Die Gebr. Schmidt scheinen es als eine Beeinträchtigung ihrer nationalen Würde empfunden zu haben, daß ihnen ein farbiger Polizist eine gerichtliche Vorladung überbrachte, und im Zorn darüber den Sanioaner und Chinesen unb schließ­lich auch den deutschen Beamten von ihrem Hof gejagt haben. Ihr gewaltättges Verhalten ging natürlich viel, zu weit, aber auch wir glauben, daß man den farbigen Polizisten Weißen gegenüber nicht zu viel Rechte und Autorität ge­währen sollte.

Sport in hessischen Schulen.

Schon seil langen Jahren besteht in England dre treffliche Einrichtung, den Unterricht durch Turn- und Spicl- stunden im Freien zu unterbrechen, um so eine geistig und körperlich gleichwertige Ausbildung sinnreich zu vereinen. Und daß ihnen beides nicht zum Nachteil gereicht hat, be­weist die Stellung, die die Engländer heute'in der Welt einnehmen. Man darf eben die körperliche Wohlfahrt nicht über der geistigen vergessen, und sollte deshalb dieser Ein­richtung die höchste Achinng zollen. Auch in Deutschland macht sich jetzt endlich eine gleiche Strömung bemerkbar, und besonders sind es Turnlehrer, die von der Trefflichkeit der Einrichtung überzeugt, ihr möglichst viel Freunde zu schaffen suchen. Und da' die Jugend einmal lieber körper­lich als geistig arbeitet, finben sie überall lebhafte Zu­neigung.

Um dieser Sache nun tatkräftigen Vorschub zu leihen, haben die Schüler des Mainzer Real-Gymnasiums, auf Veranlassung ihres Turnlehrers Heuser, einen Wander- pr eis gestiftet, und zwar wurde der bekannte Diskus­werfer des Myron ausgewählt. Um biefen Wanderpreis, der für die besten turnerischen Leistungen bestimmt ist, wurde in diesem Jahre zum erstenmale gestritten. Der Wettkampf fand zwischen sreiwilligen Spielern der Unter­prima und den beiden Obersekunden eben dieser Schule statt, und zwar an zwei Tagen. Als Wettkampf war Schlag­ballspiel festgesetzt und außerdem sollte bei einer Mehr­heit von weniger als 10 Punkten Eilboten-Wettlaus die Entscheidung geben. Am ersten Tage konnte der Wettlauf aber Wegfällen, da die Obersekunda I. in einem glänzend geführten Spiele (82 :29) über ihre Nebenklasfe Sieger blieb.

Am zweiten Tage entspann sich em zäher Kampf zwischen den einstweiligen Siegern und der Sptelmannschaft der Unterprima. Das Spiel des zweiten Tages war viel interessanter, als das des ersten, da beide Parteien mit der größten Anstrengung spielten. Doch die Ober- setünda I. blieb auch diesmal Sieger (45 :43). Allerdings mußte zum Schlüsse ein dreimaliger Eilboten-L8et<lauf gatt- finden. In dem ersten Laufe unterlag die Obersekunda, trug jedoch in den beiden letzten nach hartem Kampf den Sieg davon. Der Direktor, Geheimrat Tr. Kemmer, kielt nach dem Spiel eine Ansprache, worin er die Vorteile dieser Spiele hervorhob und zu lebhafter Beteiligung der übrigen Schüler auftorberte.dll

Die Eröffnung des Hafens von Cohstanza.

Aus Rumänien ist die Nachricht gekommen, daß am 10. Ok­tober' in Eonstanza in Gegenwart des Königs und der könjglichen Familie die feierliche Erötstrnng des Hafens von Cvnstanza statt­gefunden hat. Ties ersch.iitt angesichts der Tatsache, daß seit Jahren ein lebhafter Schiffsverkehr im Hafen Eonstanza statt- gefimixit hat, etwas verwunderlich: aber das große Werk, vor bald 15 Jahren begonnen, ist erst vor kurzem vollendet worden.

Als im Jahre 1878 Rumänien die Tobrudscha und damit etwa 200 Kilometer Meeresküste erhielt, faßte, so lesen wir in der D. T. Z., König Karol soforck den Plan, einen großen Aus­fuhrhafen zu fchaffen: leicht durchzupihren war er freilich nicht. Tas Donaukelda hat eine flache und sumpfige Küste; daran schließt sich das Bergtand der Dobnrdfcha, das steil zum Meere abfällt und feine einzige natürliche Hafenbucht aufzeigt. _9?ur bei dein Städtchen Küstendsche, dem heutigen Eonstanza, janb man eine kleine Bückst. Aus ihr ist in jahrelanger Arbeit mit Austoand großer Mittel ein Hafen ersten Ranges geschaffen worden.

Zwar aber galt es, eine Zufuhrstraße für Eonstanza zu schaffen; es wurde die Bahnlinie Bnkarest-Eonstanza in Angriff genommen und mit einem Kostenaufwand von 34 Millionen Franken die mächtige Donaubrücke bei Ezentaw-oda gebaut, die über das 20 Kilometer breite Ueberschwemmungsgebiet der Donau hinwegsetzt. Sie wurde 1895 eröffnet. Von diesem Jahre ab datieren die energischen Arbeiten am Hafen Eonstanza. Er hat jetzt nach dem völligen Ausbau rund 80 Hektar durch lange Molen geschützte Wasserfläche, eine Quaientwickelung von 5 Kilometern und ist mit allen modernen Entrichtungen oerselstn. Die Züge fahren bis an die großen und schönen Schiffe, die den Verkehr nach Konstantinopel, Smpma und Alexattdrien vermitteln. Der Bau des Hafens hat über 70 Millionen Franken erfordert; es ist aber auch ein Werk ersten Ranges gesck-affen. Besondere Be­deutung gewinnt der Hafen dadurch, daß er das gpnze Jahr eis­frei bleibt. Er ist in schneller Entwickelung begriffen und toirb

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für GberheKn

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