Ausgabe 
14.5.1909 Erstes Blatt
 
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Etat, betonierte: Am 13. Januar fei mit dem Zuge 7.28 Uhr bie Thamer nach Kronberg gefahren, er habe ihr eine Retourtarle nnd auf eine Mark ein 50 Pfennigstück und zwei Zehnpsemiigstücte zu rückgegeben. Bei der Leiche der Thamer ist nun weder Fahrkarte noch Geld gesunden worben. Hierauf wurde der- Privatdetektiv Walter vom Weltauskunite-bureauGlobus" in Wiesbaden Der nonimen, der vor 14 Tagen im Auftrage des Verteidigers Bickel beauftragt war, in Nieder Höchstadt nach den Avisen nt forschen, die in der Sache eine gewisse Rolle spielen. Gr war dann auch bei der Fran Burkhard. Frau Burkhard har nun gesagt, ihr Mann wäre am Mordtage zu Hause gewesen. Er har die Frau veranlagt, ein Schriftstück in dem Sinne zu unterschreiben. Frau Burkhard gab dies zu. Frau Burkhard, vom Präsidenten gefragt, warum sie dem Detektiv gesagt habe, ihr Mann sei zu Hanse gewesen, erwiderte:Ei er hat mir wieder leid getan." Bewegung. Ter Vorsitzende ermahnte hieraus die Fran nochmals, die Wahrheit zu sagen, da sie so ost mit ihren Angaben ob ihr Mann am Mord- taqe zu Hause war oder nicht, gewechselt, jagte sic:Ich möchte gar nichts mehr aussagen, ich verweigere meine Aussage." Der Gerichtshof beschlicht, den Detektiv nachträglich zu vereidigen. Der Zeuge S e e - Cronberg sagte aus, er habe am 13. Januar früh vor 8 Uhr in der Frankfurter Straße in Cronberg den älteren Burkhard gesehen. Ter Angeklagte erklärte, der Zeuge muß sich in der Zeit geirrt haben. Ter Fuhrmann Krüger hat den An­geklagten in der Frühe des Mordtagcs gegen 8 Uhr am Markt in Cronberg am Lohmannschen Hause gesehen. Burkhard erklärte, am Nachmittage in Cronberg gewesen, aber nicht an den Markt­platz gekommen zu sein. Iah. Adam von Cronberg hat den Angeklagten am 13. Januar kurz nach 8 Uhr vormittags an seinem Hause in Cronberg, Talweg 33, nach Königstein hin gehen sehen. Milchhändler Mich. Schmidt von Fischbach hat am Kilometerstein 0 bei Königstein, 400 Meter von der Mordstelle, einen Mamr mit weichem Hut, schwarzem Anzug, ohne lieber,^icfrer von Cronberg kommend an sich vorbeigehen sehen, es war 8" 4 Uhr am 13. Januar. Ob es der Angeklagte war tarnt er nicht sagen, möglich ist es. Andere Zeugen wollen den Angeklagten am Vormittage des Mordtages ebenfalls bei Königstein gesehen haben. Nach Feststellung verschiedener Oertlichkeiten und Ättfernungen wurde die Verhandlung 43,4 Uhr auf Freitag früh vertagt.

Vcrmijcbtes.

' Ein Gelegenheitskauf für Einbrecher- Vor einem Jahre beschlagnahmte die Berliner Kriminalpolizei bei einem Ingenieur namens Gorke ein Durressches Sauerstoff- g e b l ä s e, ein Verbrecherwerkzeug von höchster technischer Voll- enbimg, mit dessen Hilfe lautlos die stärkste« und dicksten Türen feuerfester Geldsehranke in wenigen Minuten geöffnet werden können. Dieser Ingenieur Gorke war einer der gewiegtesten Ein- brecher und Geldichraukerbrecher. Sein wichtigstes Rüstzeug war dieser Sauerstoffavvarat. Vor dem Prozesse gegen Gorke ersuchte die Staatsanwalischait das Polizeipräsidium uni Auslieferung des Apparates. Dem Ersuchen wurde selbstverständlich entsprochen. Gorke wurde im November v. Js. zu fünf Jahren Zuchthaus verur­teilt. Ta er die Gerichtskosten seines Prozesses nicht bezahlen konnte, kam das Gericht am die geniale Idee, das beschlagnahmte Sauerstoffgebläse im Psandhause versteigern zu lassen. An dem festgesetzten Tage wurde der Apparat, der sonst unter 800 Mk. nicht zu haben war, um 35 Mk. losgeschlagen. Als die Kriminal­polizei von dem Verkäme des Apparates erfuhr, bekam sie keinen geringen Schrecken. Es ivurden Erhebungen nach dem Käufer ein- geleuet. Zum mindesten liegt die Vermutung nahe, daß einer vom Fach" sich die Seltene Gelegenheit nicht hat entgehen loffen. Der Käufer konnte aber bisher noch nicht ermittelt werden. So muß es kommen.

E i n Racheakt. Daß sich jemand an einem Gegner rächt, indem er ihm zu Titel imb Würden verhilft, dürfte auch nicht zu oft Vorkommen. Dieser Fall hat sich aber jüngst, derVoss. Ztg." zufolge, in einem Tiroler Städtchen ereignet und er macht den Regierungsbehörden viel Kopfzerbrechen. Wurde da in einem Städtchen ein biederer Ortsinsane zum Bürgermeister gewählt. Ein Amt, um das sich sonst hitzige Kämpfe enlspinnen, weil der Be- werder mehr als genug sind. Ta geschah das Unglaubliche, daß der Gewählte bei der Bezirkshauplmannschast gegen seine Wahl eiiergisch protestierte, mit der Motivierung, man hätte ihn nuraus feindseliger Gesinnung" gewählt. Es sei nämlich in weitesten Kreisen nicht unbekannt, daß er weder lesen noch schreiben könne, zwei Dinge, deren Kenntnis das Gesetz bei jedem Bürgermeister voraussetzt. Mit seiner Wahl sollte er also dem öffentlichen Spotte preisgegeben werden. Ter Bürgermeister wider Willen dürfte so­gar gegen seine Wähler eine Ehrenbeleidigungsklage anstrengen, denn er glaubt die Urheber dieses komischen Racheaktes zu kennen. Ter heilige Bureaiikratius sieht die Sache von einer wenig heiteren Seite an, denn er steht da vor einem Fall, wie er sich noch nie ereignete. Daß einer nicht Bürgermeister sein will so etwas hat sich in Tirol bisher noch nie ereignet. So geht nun der von fremder Land geschriebene und mit einem eigenhändigen Kreuzlein unterzeichnete Protest des neuen Bürgermeisters an die Statt- Halterei nach Innsbruck, die sich mit demRacheakt" zu be° fassen hat.

* Der Tag der Mütter. Aus Newport wird berichtet: Der neue nationale Festtag der Amerikaner, der ursprünglich- von den zahlreichen Frauenklubs angeregte Tag der Mütter", ist am letzten Sonntag in den Ver­einigten Staaten überall mit großem Enthusiasmus be­gangen worden. Schon am Tage vorher trafen in Wagen­ladungen Berge von weißen Nelken in den großen Städten ein, denn es war die Losung ausgegeben, daß alle Ameri­kaner an diesem Tage zum Andenken an ihre Mütter eine weiße Nelke tragen sollten. Die Blumenläden waren trotz umfangreicher Vorbereitungen dem Ansturm nicht ge­wachsen. Auf den Straßen sah man nur Frauen mit großen Nelkenbuketts. Der eigenartige Feiertagsschmuck war je­doch keineswegs das Privileg der Jugend. Alte Mütter und Väter schmückten sich mit den weißen Blumen, um

so das Andenken ihrer Mütter zu ehren. Nicht nur m New-Aork trieb die Begeisterung hohe Wogen. Aus allen Bundesstaaten treffen Meldungen ein, die von gleichem« Enthusiasmus zu berichten tu inen. In Chicago soll ein großer Kongreß und eine Ausstellung veranstaltet werden^ die die Verherrlichung der Mutterschaft anstreiben: den amerikanischen Müttern großer Familien sollen dabei Me­daillen überreicht werden. Manche Frauenklubs, die an­fangs mit glühendem Eifer für den Tag der Mütter Pro­paganda gemacht haben, mögen mit dem allzu großen Erfolg nicht ganz zufrieden sein. Denn das große Festes­treiben gestaltete süh zu einem beredten Protest gegen die ertremen Ideen allzu fortschrittlicher Frauen und stellte ihren Bestrebungen die Ideale der Häuslichkeit und der Mutterschaft gegenüber. So haben die Frauenrechtlerinnen sich denn auch sichtbar zuriickgehalten und einige rigorose Vertreterinnen der Emanzipation machen ans ihrer Miße­st immung über die unerwartete Wendung der geweckten Festesfreude keinen Hehl.

Kleine TageSchronU.

Eine leichte Kollision der Kaisers achtHohen- vollem" hat sich vor Brindisi ereignet, und zwar mit dem ita­lienischen TorpedojägerRernbo". Sie erfolgte 10 Seemeilen vor Brindisi ohne Verschulden derHohenzollern", als diese bie Post an Bord nehmen wollte. Verletzt wurde niemand. DieNembo" wurde von zwei anderen Torpedobooten nach Brindisi geschleppt.

Donnerstag abend ist nach einer in Mülhausen i. Els. ein- getroffenen Biel düng der von dort um 10 Uhr abgegangene D = 3 u g in der Nähe von Herbigheim auf einen Güterzug au »gefahren und in Brand geraten. Man spricht von mehreren Toten.

Tie Blätter melden aus Lübeck: In Grammersdorf veruriachte ein ausgeicholtenes Dienstmädchen eine FenerS- bruil st. Z w e i D r 111 e l d e s T o r f e s sind abgebrannt. Biel.' Vieh ist in den Flammen umgefommen.

Erneutes Hochwasser des W eich s el stro m es hat in Thorn die Höhe von 5,68 Meter erreicht. Die Usereisenbahn ist größtenteils unter Wasser gesetzt, so daß der Schisss- und Umschlags­verkehr unterbrochen ist. In bin linksseitigen Thor «er Niederung, wo der Deich noch nicht geschlossen ist, sind weite Gebiete ooat Wiesen- und Ackerflächen überflutet und die Saaten vernichtet worden.

Bei einem Brande in der Mechanischen Weberei in Zell int Wiesental wurden 7 00 Webstühle zerstört; es kannten nur" 200 gerettet werden.

Märkte.

ff M a r b u r g, 13. Mai. Ter heutige Schweinemarkt stand unter dem Zeichen steigender Preise. Es kosteten 4 bis 6 Wochen alte Ferkel 4050 Mk., 23 Monate alte Läufer 70 bis 90 Mk. und größere Ware 100140 Mk. per Paar je nach Größe und Qualität. Zugefahren waren 773 Stück.

le. Frankfurt a. M., 14. Mai. Heu- und Strohmarkt. Angefahren waren 15 Wagen Heu und 3 Wagen Stroh. Bezahlt wurde für Heu Mk. 3.80.-4.20, Stroh Mk. 3.00-0.00. Die Zufuhr stammte aus Oberhessen und den Kreisen Dieburg und Gslnhausen, Geschäft stau, der Markt wurde langsam geräumt.

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Samstag dem 15. Mai: Wolkig, kühl, keine erheblichen Niederschläge. Nördliche Winde.

<DriginabDral)hnclOunßen«

S traßburg, 14. Mai. Ern Privattelegramm der Franks. Ztg. meldet aus Herlisherm: Heute nacht 10 Uhr 30 Miu. entgleiste der Schnellzug 161 BaselKöln auf der Station Herlisheim durch einen Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden entgleisten Güterzug. Der Postwagen und der erste Schlafwagen standen sofort in Flammen. Ein Postbeamter und ein ober zwei Passagiere verbrannten. Die Passagiere des zweiten Schlafwagens tonnten sich durch dir Fruster retten. Der ganze Zug ist verbrannt.

Straßburg, 14. Mai. Die bisherigen Feststellungen ergaben bezügl. des Eisenbahnunglücks: Aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache explodierte der Kessel der Lokomotive des Güterzuges 6040 aus freier Strecke. Der vordere Teil des Zuges entgleiste in demselben Augenblick, als der V-Zug auf dem anderen Gleis herankam. 2brch dieser entgleiste und beide Züge gerieten in Brand. Der V-Zug brannte vollständig aus, während der Güterzug etwa zum fünften Teil verbrannte. Tot sind der Lokomotiv­führer und Heizer des V-Zuges, ein Postbeamter und der Heizer des Güterzuges. Vier Reisende sind mittelschwer und vier leicht verletzt. Die Passagiere wurden samt den Ber» letzten in einem Sonderzug nach Kolmar befördert. Aerzt- liche Hilfe war rasch zur stelle.

Paris, 14. Mai. Ter Postbeamten-Ausstand ist in stetem Abflauen begriffen. Auch in der Provinz kehren die geordneten Verhältnisse mehr zurück. Die Streckenauf­seher der Post und Telegraphie haben sogar eine Tages­ordnung zugunsten des Unterstaatssekretärs Shmian ange­nommen. Dagegen macht sich unter den Organisatoren bet Ausstanbs-Bewegung eine große fftervosität bemerkbar. Einer ber Hauptführer, Pauron. erklärte, falls die Post­beamten einsehen würben, rhre Forderungen allein durch- zusetzen, würdet: sie sich an den allgemeinen Arbeiter-Ver­band wenden. Das sei gleichbedeutend mit dem Ausbruch der Revolution.

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Wenn auch dr« Einfülnnng vonSicherhei?smänrtern" in Bergwcrksbetrieben in Aussicht genommen ist, io find die Ver­hältnisse im Baugeiverbe doch andere. Die Gefahren im Bari- gewerkbetricb bringen leiber plötzliche Masscnunfälle, wie sie glück­licherweise im Baugewerbe nickt Vorkommen. Die Geialnen- Ursachen fiitd hier zumeist sichtbarer zu erkennen. Ferner 'ielst bie Novelle zum Berggesetz vor, baß nur bann Sicherheitsmänner frei ber Kontrolle Mitwirken sollen, wenn Belegickastcn von 100 Arbeitern vorhanden sind. Beim Baugewerbe kennen wir Belegschaften von 100 Arbeitern bei den einzelnen Bauten äußerst selten: es franbelt Sich meist um kleinere Banaussührungen mit oft ganz wenigen Arbeitern. Ans all diesen Gründen kann ich nicht in Aussicht stellen, daß dem Anttlag eine weitere Folge gegeben werben kann."

Es bürste diesen Worten des Ministers noch hinzuzufügen sein: Wenn die Baubetriebe erst einmal ber Sozialdemokratie ausgeliefert sind, dann gibt eS für bie anderen Betriebe überhaupt fein Halten mehr.

©olingen, 13. Mai. In dem Prozeß, betreffend den Solinger Bankkrach, wurde Direktor Becker zu vier Monaten Gefängnis und 1000 Mk. Geldstrafe, Fabrikbesitzer W e l ck er zu zwei Wochen Gefängnis und 200 Alk. Geldstrafe und Fabrikbesitzer Kehler zu 200 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Der Mord auf der Landstrahe.

(Fortsetzung.)

F.C. Wiesbaden, 13. Mai.

Trotz den gestrigen belastenden Aussagen der Frau Burkhatt) sah heute ber Angellagte, Burkhard sen., ebenso ruhig brcin, wie seither. Zuimchst wurde festgestllt, daß der Gättnerlehrling Äch. Nees, der sich nach dem 13. Januar erschossen bat, mit dem Thanierscheu Mord in keiner Verbindung steht. Der Prinzipal des Philipp Burkhard, Gärtnereibesitzer Hartmann in Klein- Schwalbach deponierte:Der junge Burkhard war, so lange er frei mir war, ein ordentlicher, fleißiger, bescheidener Junge. Am 12. Januar gegen 10 Uhr abends, als Burkhard Nachtdienst hatte, gab er aus dem! Revolver, ber in der Gärtnerei unter Verschluß lag, einen Schuß ab, da,, wie er sagte, verdächtiges Geräusch sich in der Gärtnerei hören ließ. Ich gab Anweisung, daß tzer Schlüssel zu dem Behälter umgeäubert würde, damit die Gärtner­gehilfen nicht mehr daran könnten. Damit war für mich die Sache erledigt Am 17. Januar kam ein Bekannter zn mir, der sagte:bie Thamer ist ja mit Ihrem Revolver erschossen worden, so sagen die Leute." Daraufhin sah ich nach dem Revolver, er lag an Ort und Stelle, ich besichtigte ihn und gewahrte, paß er zwei leere Hülsen, zwei Versager, eine leere Kammer unb eine leere frem.be Hülse enthielt. An bemselben Tage kamen auch Burkhard sen. und jenior.Nach Lage der Sache," sagte ich zn beiden,einer, bon Euch hat den Mord begangen". Der Vater B wurde sehr aufgeregt, er sagte:Wie kann man so was sagen usw." Der Sohn schwieg. Ter Lehrling H. Nees, der sich am 24. Jan. erschossen hat. war am Vormittag des Morbtages in der Gärt­nerei beschäftigt. Es ist ausgeschlossen, daß er an dem Mord be­teiligt ist." Obergärtner Rehn unb Gärtner Henrich be­stätigten die Aussagen Hartmanns. Henrich bemerkte, daß er int Dezember 1908 den Revolver von Hartmann bekam, mit 6; Patronen, geladen. Drei Schüsse hat er abgegeben, zwei Versag.n: teuren außerdem dabei, eine Patronenhülse hat er entfernt, als er am 17. Januar nachgesehen hat, sei eine fremde Patronenhülse aus Messing tm" Patronenlager gewesen. Burkhard sen. bemerkte: Mein Verbäckst, baß mein Sohn an dem Morde ber Frau Thamer beteiligt, kam mir bei ber Unterredung am 17. Januar mit Hartmann. Ich muß mol) bemerken, daß meine Frau mir sagte, ,id) sollte zu beiiu Gärtner Henrich gehen und ihm 20 Mark an- Bietern, damit er sage, ber Revolver sei am Morbtag an «Ort unb Stelle gewesen. Peter A b a m Niederhöchstadt sagte ans, er habe Ende Dezember 1908 Phil. Burkhard einen Revolver von 6 Millimeter zum Kans angeboten, unb ben Revolver wieder zurückbekommen, da er ihn nicht taufen durfte, seine Eltern hatten es Verboten. Tie sechs Patronen, mit denen ber Revolver ge­laden ivar, gab Philipp nicht zurück. Lehrer Schneider-Niedi'r- böchstadt bezeichnete die Jungen und den Vater B. als brave Leute, die Frau l>afre öfters "mit ber Wahrheit hinterm Berg gehalten, auch fand er es für nnangebraclst, baß bie Fran am Tag nach der Verhaftung des Burkhard zu einer Festlichkeit gegangen ist. Kaufmann S t ein- Cronberg bekundete, am 12. Januar habe em junger Mann in seinem Geschäft Patronen gekauft dieselbe Sorte, von der die Hülse im Hartmaimschen Revolver stack. Die Angeklagten waren nicht die Käufer. Wachtmeister Baumann- Cronberg bestätigte zunächst die Aussage des Gärt­nereibefitzers Hartmann unb äußerte sich über ben Hartmannschen Revolver. Waffenmeister O c ft c r r c i dj e r - Wiesbaden erklärte als Sachverständiger, der Hartmannsche Revolver sei ein 7-Mil fhnetci Revolver, bie fremde Patromm hülfeR. W. S. 320" be­zeichnet, befand sich, als ihm ber Revolver übergeben, darin, sie wir auch 7 Millimeter groß.. Der Schuß auf die Cxmordete ist aus unmittelbarer Nähe abgefeuert, die Waffe muß der Thamer direkt an ben Kops gesetzt worben sein. Sachverständiger P o pp-Frank­furt rr. M.: An den Kleidern unb Stiefeln fanden sich keine Spuren, die auf dei^Morb deuten. Die Tharnerschen Kleidern er­gaben auch keine Lpnren, die auf ben Täter hmwiesen. Im Kopfttich der Thamer saß die .lickgel. Die fragliche fremde Mes­singpatroneR. W. S. 320" ist 7 Millimeter groß, bas bebeutet 320. Ein Schuß aus dem Äartinannscken Revolver, ber ein alter englischer Polizeirevolver ist, mit der R. W. S.-Patrone, vermag einen Menschen zu töten.. Außerdem muß man airirehmeu, daß bie Morbkugel aus dem Hartmannschen Revolver gefeuert fern kann, ob die Kugel aus der R. W. S.-Hülse gefeuert worben ist, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen.

Die Lehrer Meurer von Ober-Höchstabt unb Hölzer von Nieber-Höchstadl gaben der Familie ein gutes Zeugnis: sie er­freute sich ber besten Achtung. Stationsdiener B r ü t m a n it von Cronberg, ber im Januar Dienst auf Station Nieber-Hüchstadt

Ketuninluuichiuig.

Letr.: Ausführung der Gewerbeordnung hier; Sonntags­ruhe in offenen Verkaufsstellen.

Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß auf Grund des Ortsstatuts vom 27. Juni 1892 am 16. und 23. Mai b. Js. als den zwei Sonntagen vor Pfingsten, die Beschäftigungszeit der Handlungsgehilfen usw. und die Verkaufszeit für das gesamte Handelsgewerbe bis 7 Uhr abends ausgedehnt werden tanu.

Gießen, den 10. Mai 1909.

Betr.: Neubefestigung ber Bahnhofstraße zwischen Wieseckbrücke unb Bahnhof.

Wegen Vornahme von Straßenarbeiten in der oberen B a h n - hofstraße zwischen Liebigsfr. unb Bahnhof, ist bis auf lveiteres das Befahren dieser- Sttaße nur in einer Richtung unb zwar mich dem Bahnhof zu gestattet. Die Rückfahrt vorn Bahnhof geschieht im Einverständnis mit ber Bcrhuverwaltung vor dem Eilgüterschnppen votbei über die Viehverladungsrampe nach der Liebigstraße.

Letztere Fahrt wird jedoch seitens der Eisenbahnverwaltung an den Viehnmrkttagen gesperrt.

Gießen, den 12. Mai 1909.

Großh. Polizeiamt Gießen. Reinhart.

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Bekauntriiüchung.

Wegen Vornahme von Straßenarbeiten wird ber Neuen­weg von Ntontag dem 17. Mai 1909 an bis aus 4 Wochen für jeglichen Fuhr- und Radfabrverkehr gesperrt.

Gießen, ben 12. Mai 1909.

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