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15.9.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 21«

Zweites

Blatt

159.5s

Mittwoch 15. September 1909

Erscheint tikgllch mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gberheßen

ia

DieEichener ZamillenblStter" werden dem .Slnjcifler* viermal wöchentlich beigelegk, das Kttisblalt für öen Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. TierandwirtschastUchcn Lett» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Julius Wolff, der in Charlottenburg lebende berühmte Dichter, Veriasser des »Wilden Jäger* und des »Ratten'änger von Hameln", begeht am Donnerstag, 16. ds. Mts., seinen 75. Geburtstag.

ralvberst wurde er glcichzeing mit diesem. Erbprinz von 2Deiningen hat feinen Ruf als Befehlshaber eines größeren Truppenkörpers sich wahrend seiner langjährigen Stellung als 1'ommMidierendcr General des 6. Armeekorps erworben, an dessen Spitze er von 1895 bis 1903 gestanden hat. Seitdem ist er Ofen er al Inspekteur bet II. Armeeinspcktron. Großherzog Friedr-ich von Baden hat nicht so lange an der Spitze eines Armeekorps gestanden. Er wurde 1897 kom- niandierender General des VIII. Armeekorps, 1902 aber auf sein Ansuchen von diesem Posten enthoben. General- Inspekteur der V. Armeeinspektion ist er erst seit dem Tode seines Vaters im Jahre 1907.

Rotationsdruck und Verlag der Vrühk*schen Universitäre - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: es© 51. Redaktion:«-^ 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

Lm lleberfall auf den lerdischen Minister Des Aeutzern.

Herr Milowanomitsch, der in diesem Sommer durch seine Katastrophcnpolitik die Welt in Aufregung versetzt hat, wurde vor einigen Tagen von einem Schauspieler überfallen. AuS Belgrad wird gemeldet: Auf den Minister de§ Aenßeren, Milowanomitsch, wurde am Montag von einem entlassenen Schauspieler des Belgrader NationaltheatcrS namens Stojkowitsch ein Ueberfall versucht. Stojkowitsch erwartete den Minister, als dieser das AmtLgebäude verließ, und forderte von ihm, daß er die Wiedereinsetzung deS Schauspielers in sein Engagemcick durchsetze. Als der Minister erklärte, daß er diesbezüglich nichts tun könne, hob Stojkowitsch die Faust gegen den Minister. Dieser flüchtete in ein HauS, wo er ohnmächtig zusammcnftel. Acrzte brachten ihn wieder zu sich, und verordneten ihm strenge Ruhe, da ein Schlaganfall be­fürchtet wurde.

Ob das Belgrader Nationaltheater: vom auswärtigen Ressort abhängig ist? '

Eindrücke von den Berliner wrightflügen veröffentlicht Oskar Blumenthal, der bekannte ~ i * IsPieLichter und Feuilletonist, in einem längeren uxruei

'London, 14. Sept. Die schottische, von Dr Druce : geführte arktische Expedition ift auf der -

giieror", von Spitzbergen kommend, in Lerth emgetrosfc

hat. Noch ist er uns aber die letzte seiner Kraftproben schuldig geblieben. Noch hatte ihm der Kampf gegen den Winddruck nicbt gestattet, das Höhensteuer voll auszunutzen. Endlich aber Durfte er es wagen, und nun flog er ferjen* gerade wie eine Lerche höher und immer höher. Es war wie ein Emporklettern an unsichtbaren Seilen ein Aw­blick von gespenstischer Unwahrscheinlichkeit. Doch ehe man noch mit der Frage fertig wurde, wo Orville Wright landen wolle, hatte er mit einem raschen Schrägslug jäh und plötzlich die Feldsohle berührt, und eine Luftfahrt, die fast eine ganze Stunde durchdaucrt hat, mit einer betäubenden Ueberraschung beendet. Tas Märchen von Ikarus war widerlegt worden. Diese Flügel schmelzen auch in der Sonne nicht. So habe ich ihn fliegen gesehen. Aus tausend und aber tausend Kehlen schwoll ungestüm der Jubel empor. Vielen anderen aber hat die Bewunderung den Atem geraubt und die Kehle zusammengeschnürt. Zu den Schweigsamen habe auch ich gehört. Stumm und dank­bar habe ich diese Stunde des Staunens in meine Erinne­rung eingebettet und eine tiefernste Mahnung mit mir nach Hause genommen. So laßt es uns dock, endlich ver­lernen, gar so überklug zu zweifeln und zu lächeln, wenn uns Tinge verkündet werden, die wir mit der Spannweite unserer Erkenntnis noch, nicht umfassen können! Ihr rnüßtet unheilbar verschlossene Ohren haben, wenn ihr nicht aus den Wundern dieser Tage die Gewißheit heraushorchtet, daß es für die Flugkraft des Menschenwillens fein Unerreich­bares gibt."

(Eine neue Erklärung Yearys.

M Der redelustige Peary fährt fort, fernen Rivalen crn- i' zuschwärzen. Immer wieder versichert er, er fei der einzige »Entdecker des Nordpols, aber er könne vorwufrg noch nicht jgrait Einzelheiten aufwarten. Uns dünkt, dann sollte er »liLerhaupt schweigen, bis die wifsenschaftliche Unter)ud>ung beginnei^funn.? einer Unterredung mit

R dem Vertreter der Asfoeiated Preß in .Battle Harbour er- WklLrte Peary: Ich bin der einzige Mensch, der »den Nordpol erreichte. Ich bin bereit, es zu bcwerfen, * lehne es aber ab, mich in Diskustionen über Ä^lhetten s'cinzulassen; diese werden später an die Qe^sentlrchtert kom- Hbten. Ich habe festgestellt, daß ^r. (T _. \

I» erreichte und ich besitze exakte 2>ew^e für ^^^WeNung^ Die ganze Geschichte wird voraussichtlich in sechs Monaten «der Oefsentlichkeit bekannt werden. Es wäre

den mir gehandelt, wenn ich mich zurzeit rn einen Kamps tau Meinungen einließe, i>cnu ich wurde t£t 3nfor> vmtwnen bekannt geben, von Denen anderwerttg Gebrauch gemacht werden könnte. Ich beabsichtige, auf Seröffentlichung zu warten, dann werbe ich werne ^n fonnattonen herarrsgeben, worüber Mn

i Sttte das Urteil gefällt werden wrrd. Dann wird von .Tsoks Beweisen nichts übrig bleiben.

ßccr und Flotte.

Die neuen Generalfeld mar schalle. Wie schon kurz mitgeteilt wurde, finb der Prinz Bernhard von Sachsen-Meiningen und Der Groß Herzog Friedrich von Baden zu Generalfeldmarschälleu be­fördert worden. Ihre Ernennung wird jetzt imMilitür- Wochenbl." amtlich bekannt gemacht. Vor noch nicht einem halben Jähre erhielt in denn König Karol von Rumänien die preußische Armee ihren letzten Feldmarschall. Außer ihm bekleiden der Prinz Leopold von Bayern, v. Hahnke und Graf Haeseler, die sämtlich am 1. Januar 1905 General feldmarschälle wurden, diesen Rang, so daß wir jetzt sechs Feldniarschälle haben. Erbprinz Bernhard von Sachsen- Meiningen, der Generalinspekteur der II. Armee-Inspektion, war seit dem 15. September 1905 Generaloberst. Er ist 1867 Leutnant geworden, hat also jetzt eine militärische Laufbahn von 42 Jahren hinter sich. Ter Großherzog von Baden ist erst am 9. Juli 1875 Offizier geworden. Seine Beförderung stand bis zum General stets mehrere Jahre hinter dem Erbprinzen von Meiningen zurück. Erst Gene-

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in der Wiener Neuen Freien Presse. Wir entnehmen dem Aufsatz, in dem Blumenthal seiner Begeisterung über die Flugvorführungen lebhaften Ausdruck gibt, nachstehenden Auszug:

Ein Tromperensignal. Das Flugschiff ist zur Fahrt bereit. Wie ein Pfeil, der vpm -Zogen abgeschnellt wird, so blitzgeschwind gleitet es über die Anlaufschicnen und schwebt nun frei über dem Sandboden des Feldes. Zunächst nur wenige Meter hoch. Man muß an den Tiefflug der Schwalben denken. Mühevoll und langsam schnobt es im Kampf mit einem rauhen und böigen Wind allmählich höher. Wie zur Erprobung feiner Kraft macht es einige Windungen und Schleifen, bis es endlich in ruhiger Sicherheit das Feld umkreist und überquert. Mit einem scharfen Glas beob­achtet man den kühnen Piloten, der auf seinem Lenkersitz in der Mitte seines Flugschiffes, mit den Händen an den Steuerhebeln, die wachsamen Augen auf den Motor geheftet, mit der ganzen ruhigen Ueberlegenheit des Meisters immer weitere und höhere Flüge wagt. Plötzlich spannt sich ein Regenbogen über das Feld, als wollte er dem verwegenen Flieger eine Brücke durch den Aethcr spannen. Kurze Zeit darauf streut die untergeqenbe Sonne ihre huschenden Lich­ter über die Wolken. Bald sehen wir ein zackiges, glut­rotes Band den Horizont umflammen. Gegen den abend­lichen Himmel hebt sich wunderbar das weiß-graue Luft­schiff ab, das schneller und immer schneller das weite Feld umkreist, als wollte es Furchen in Die Luft graben. Auf dem Bahndamm gegenüber erscheint jetzt ein Stadtbahnzug. Orville Wright lenkt sein Fahrzeug in die Nähe der Eisen- bahn und gefällt sich eine Minute lang in einem fröhlichen Geschwindigkeitskampf mit der Lokomotive. Ein wunder­liches Wettrennen zwischen Stahlroß und Flugmaschine be­ginnt, in welchem Orville Wright siegt, nrie er will. Man erkennt an der kleinen Episode, daß der Wann auch Humor

Klagen aus der Schohwareubranche.

Der Verband deutscher Schuhwarenhändler hat un§ eine Broschüre zugesandt, in der Klagen des Detailhandels gegen die Tetailbetriebe der Fabrikanten behandelt werden. Das Publikum wird in diese Verhältnisse durch die eigenen Bedürfnisse wohl selbst hinreichend Einblick genommen haben, um die nachstehenden Ausführungen zu verstehen und zu beurteilen, die der erwähnte Verband mit der Zusendung der Broschüre an uns gerichtet hat:

Tie aus verschiedenen Kreisen des Detailhandels oft verlautbare Klage, daß die Produktion durch direkten Absatz der Erzeuguisie an die Konsumenten den Zwischen- handcl auszujchalteu sucht, hat im Schuhhandel ihre ganz besondere Berechtigung. Hier entstehen in forlschreiiendem Maße von Fabrikanten unterhaltene Dtailb et riebe, die durch Aufwendung großer Reklame beim Publikum die nickst zutreffende Auffassung Hervorrufen, als ob die Käufer bei ihnen vorteilhafter als in den Gkfd>äftcn des regulären Kleinhandels bedient werden. Einzelne Schul)- fnbrifen vertreiben außerdem ihre Ware nach amen- konischem Neuster zu niedrigen Einheitspreisen in eigenen Läden, was einen preisdrückenden Einfluß auf die hoch­wertigen Artikel der sogenannten Sortimentsgefchäfte aus- üben muß. In der genannten Schrift geben die Organi­sationen des Schuhdetailhandels in knappen Zügen eine Darstellung der angedeuteten Entwicklung und ihrer Grünbe unter gleichzeitiger Hervorhebung der vom Schuh- detailhandel zu' ergreifenden Abwehrmaßregeln. Diese werden vernünftigerweise wicht von außen her erwartet, sondern in einer den Anforderungen des modernen Ver­kehrs entsprechenden Ausgeftaltt'.ng und Führung des Geschäftes gesuck)t. Gleichzeitig fei das Publikum darüber aufzuklären, daß auch der detaillierende Fabrikant alle Spesen des Detaillisten zu tragen habe und daß bei Schuh­waren genau wie bet allen anderen Artikeln Preis lyib Qualität im ursächlichen Zusammenhang stehen/'

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So3ialöemoiratiiä)er Parteitag.

4 Leipzig, 14. Sept.

Die Beratungen des heutigen zweiten VerhaudlungS- tages wurden um ^10 Uljr vom Vorsitzenden: Paul Singer eröffnet. Der Parteitag nimmt zunächst den

parlamentarischen Bericht

entgegen, dm der Reichstagsabgeordnete Ledebour erstattet. Er führt aus: Im Mittelpunkte der Beratungen des Reichstages stand die fogenannte Reickjsfinmizreform, die ihren Namen aber völlig zu unrecht trägt, da sic nur eine Volksausbeuttmg darstellt. Im engen Zusammenhänge mit der Reichsfntanzrcform standen die Vcrfassmigsanträgc, die durch diese in ein neues Stadium gerückt worden sind. (In diesem Augenblick erscheint, von tosen­dem Beifall unb ftirrntifdien .Hochrufen begrüßt, August Bebel mit seiner Frau, die schon bei ihrer Anfahrt vor dem BolkS- hause von bei dort harrenden Mensck/emncnge begeistert begrüßt worden waren. Nur allmählich legen sich die Zurufe, so daß Ledebour fortfahren kamt.) Tie bürgerlichen Parteien hätten die Sozialdemokratie einfach int Stich gelassen.

Der praktische Erfolg

habe infolge der jämmerlichen Haltung der bürgerlichen Porteieir namentlich der Liberalen gefehlt. Freilich hätten sie ihre Anträge so gestellt, daß diese mit dem Hottentottenblock zusammen mit dm Konservativen angenommen werden tonnten. Aehnsich sei es mit dem AbrüstungSan trage gegangen. Tie Siiuaiwn sei so günstig wie nie zuvor gewesen, aber die Sozialdemokraten, seien allein geblieben. Je stärker die sozialdemokra- llsche Partei im Reichstage werbe, desto weniger praktische Erfolge könne sie erzielen, weil bann für die bürgerlichen Par­teien die Gefahr vor Äugen tritt, daß die Sozialdemokratie die Oberhand gewinnen fönne. Sollte irgend jemand Ausstellungen gegen unsere Haltung im Reichstage zu machen haben, bann bitte ich den, hier liervorzntrcten. (Heiterkeit.! 'Der .Hottentoltcnblock bedeutete eine Unterstützung der Junker durch die Liberalen, der Schnapsblock eine solche der Junker durch Zentrum und Polen. Ter neue Block ist nicht wie beim .Hottenbottenblockl eine reine Ehe, wenn auch mir zwischen Kaninchen und Karpfen, sondern ein ein Verhältnis, bei dem noch ein Dritter gesucht wird, also

eine Art Triolen-Verhaltnis,

mit dein mrf Grund einer Zeitungsannonce gesuchten perversen Trittm. (Große Heiterkeit.) Unsere Pflicht ist es, schärfste Oppo­sition gegen dieses System zu machen; nichts wäre törichter, als wenn wir unsere Cwofition gegenüber den Liberalen etwa zurück- stellcn wollten. Was dos Z u s a mme ug ehe n be i de n Wah- len anlangt, so ist es eine Frage, ob sich/etwas hier ändern würde. Es wird von Fall zil Fall entschieden werden müssen: daß nur auf die Aufstellung eigener Kandidaten zugimsten der Liberalen verzichten sollen, ist eine Forderung, die keinen Widerhall hier in dieser Versammlung finben wird. (Zustimmung.)

Darauf beginnt die Debatte.

Gradnauer (Dresden) begründet einen Eintrag des ö.säch­sischen Kreises:

Die Reichstagssraktion ist zu beauftragen, den Antrag auf gleichmäßige Einteilung der Reichstagswahlkreife so oft als irgend angängig einzubrmgen. Bei Reichstagswahlen ist bei Unrersbützung eines bürgerlichen Kandidaten dernfelben mit zur Pflicht zu machen, für diese unsere fyorbenntg cinuitreteir. Im Falle seiner Weigerung ist ihm von der Parteileitung unsere Unterstützung zu versagen.

Kampf (Dresdm) begründet einen Antrag des 4. sächsischen Kreises: Ter Parteitag solle beschließen, unsere Frattion tut Reichstage zu beauftragen, einen Antrag einzubringen, in welchem die Herabsetzung der fünfjährigen Legislaturperiode auf die ursmünglich'dreijährige gefordert wird. Müller (Ham­burg) begründet eine langatmige Resolution, in der eine durch­greifende Revision der Seemnnnsorbnung, Einführung eines Reichs- schiffahrtsanttes und staattiche Aufsicht sämtlicher Schisfahrts--Be- triebc gefordert wird.

In der Diskttsfion nimmt zunächst Stadthagen das Wort, dessen Ausführungen keinerlei Interesse bei den Delegierten er­wecken, so daß teilweise starke Unruhe herrscht. Bezüglichper Erbschastssreuer führt der Redner aus, daß

Gin deutsch-russischer Zwischenfall.

In Sibirien und der Mandschurei scheinen noch! recht tzerwornene Berhälttiissc zu l>errscheu. yn Charbin hat hch ein Vorfall ereignet, der für uns Deutsche von großem tzntcresse ist. Diestöow. Wremja" berichtet barüber:

^Wie verwirrt in Charbin alle Verhaltnisie sind, erhellt ai,S Mgenbem russisch-deutschen Zivischentall. .Ain dritten Tage, nach, lern über dem deutschen Konsulat in Charbin bie deutsche Flagge gehißt worden war, hatte der deulsehe Koniul schon Gelegenheit, cnntlich einzngreisen. Da gleich den Chinesen sich auch die Deutschen neigern, städtische Abgaben zu zahlen, so b e j ch l a g n a h m l e Oie Polizei das Eigentum deutscher Kaufleute und versiegelte unter anderem auch das 2iagazin von Heil- Hann & Auerhammer, die sich iolort bei ihrem Konsul, Dr. Dau- -nüller, beschwerten. Dieser erschien auch sofort in Ibcm Gcschäüs- >2113 der Firma, entfernte eigenhändig die offiziellen Ziegel in Gegenwart der russischen Polizei und erklärte das Oeschä't wieder flir eröffnet. Aus den Protest des russischen 'Polizeibeamten hin erwiderte der Konsul, daß er in Charbin feine -ujsische Regierung, wohl aber eine chinesische kenne. Falls die Bussen aber den Deutschen gegenüber Gewalt anwendcn wollten, ic würde er deutsche Soldaten senden, die sich als Schildwachen »er dem GeschcsitShause postieren würden. (?) Er würde im i'zdrigen zunächst einmal in Erfahrung zu bringen suchen, ob die iauflentc überhaupt verpflichtet seien, derartige städtische Abgaben >A entrichten. Falls sie nun wirklich verpflichtet wären, solche 'Abgaben zu leisten, unb e5 dennoch nicht freiwillig tun würden, |e müsse sich die Stadt an ihn, den Konsul, wenden, ü'lan hätte aber in keinem Falle das Recht, mit Umgehung des Konsuls Rc- pressalicn gegen deutsche Staatsbürger auszuüben.*

Der deutsche Konsul scheint uns ganz recht gehandelt s» hcrbeu, und sein Standpunkt ist offenbar richtig. Wenn l-ie Deutschen in Charbin in ihrer Gesamtheit russische fVaßnahmen nicht für ordnungsmäßig hielten und dem­gemäß Wiberstand zeigten, mußten die rufsischen Behörden juh an Iben deutschen Konsul wenden. Daß dieser in Charbin (in so energischer, unerschrockener Her-r ist, ist sehr erfreulich. Wir könnten im Ausland vieler solcher Männer braudyen, t<nn nur zu oft wär von unseren anrtlichen Vertretern ioi Auslande das Gegenteil von energischem Eingreifen gemeldet worden.

Die deutsche Flagge im Ausland.

lieber bte deutsche Flagge in den außerdeut- :n Häfen werden in dem Bande 199 der Statisttk des tfchen Reichs Ueberfichten veröffentlicht.

Wenn die Bedeutung der deutschen Seeschiffahrt richtig tzcwürdigt werden soll, muß neben dem Anteile der deut- fdfen Flagge am Seeverkehr des eigenen Landes auch ihr Altteil am Seeverkehr der außerdeutschen Länder in Betracht gezogen und mit dem anderer Staaten ht Vergleich gestellt utrben. Zu diesem Zwecke ist in den Ueberfichten bei i-er Darstellung des Seeverkehrs der einzelnen Länder ober xßesitzunaen und ihrer wichttgsten Häfen der Anteil der Mgge oes betreffenden Landes, der der deutschen Flagge bnd der der am Seeverkehr überhaupt am stärksten be­teiligten britischen Flagge gegeben. Um die Entwicklung i>es Seeverkehrs während einer Reihe von Jahren verfolgen gu können, werden die erforderlichen Zahlen, soweit es möglich war, für die Jahre 1895, 1900 und sodann für ibtt letzten drei Jahre geboten.

Aus der Veröffenllichung geht hervor, daß em be­deutender Teil des Weltseeverkehrs auf die deutsche Flagge entfällt, die von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewinnt. i(yic stand an erster Stelle im Verkehr mit den Bochama- Inseln, mit Dänisch Westindien (St. Thomas), Haiti, Brttisch Cftafrifa, Zanzibar unb mit den deutschen Schutzgebieten Den zweiten Platz behauptete sie u. a. im Verkehr nut Rußland, Großbritannien, Belgien, Portugal, im Verkehr [her Vereinigten Staaten von Amerika mit Europa, im Kerkehr mit Chile, Algerien, Britisch Westaftika, Kapland, ;Latal, Brittsch Indien, Ceylon, Hongkong und dem Austra- IHeben Staatenbunde. Vor der deutschen befand sich hier ^all nur die britische Flagge. In der Schiffsbewegung derschiedener anderer Länder hatte die deutsche Flagge den dritten Platz inne. Uebertroffen wurde sie außer von der I Londes flagge in Schweden von der dänischen Flagge, in IMncmart von der schwedischen, in den Mederlanden, m Krantrerd), in Spanien, in Brasilien, in Niederländisch I Indien und in Japan von der britischen und in Uruguay bon dieser und der argentinischen Flagge.

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