jedes Jahr ein paar Wochen in Karlsbad zur Mr sich aufhält. Justtzrat Ionas freute sich über Fuldas Nachbarschast und meinte zu chm: „Hoffentlich werden wir uns gut vertragen; Ihre Ruhe soll nicht gestört werden. Nur Eines müssen Sie mir gestatten: ich lasse mich jeden Morgen Mftig massieren, das Klatschen macht ent wenig Lärm, aber es dauert nicht lange." Fulda erwiderte: „Das stört mich durchaus nicht. Ich werde mir einbilden bei einem meiner Stücke im Theater zu sein und das Li latschen als A p p l a u s hinnehmen." Am nächsten Abend treffen der Dichter und der Justizrat wieder zusammen und der £e&tere fragt: „Sind Sie heute morgen durch das Klatschen gestört worden?" woraus Fulda erwiderte: „Ach, es war nicf)t so arg — ein mäßiger Achtungserfolg!"
— Eine besorgte Mutter. In Mecklenburg standen — wie man der Täglichen Rundschau erzählt — biä zum Jahre 1879 die minderjährigen Kinder oerswrbener Eigentümer ritter- schaftl'.cher Güter unter den Justizkanzleien, als Bormundschafts- gerlebten. Der großherzoglichen Justizkanzlei zu H. ftel es bei der Revision der vom Vormund einer solchen Kuratel eingereichten Jahresrechnung auf, daß unter den 20 Zuchtsauen des Gutes 19 mit Ferkeln, die eine dagegen ohne Ferteln aufgeführt waren. Der Vormund ward demgemäß zum Bericht darüber aufgefordert, warum diese eine Sau ohne Ferkel in der Rechnung aufgeführt fei. Bericht des Vormundes: Well die Sau (tote das übrigens vor- kommt) die Ferkel gleich nach der Geburt aufgefreffen habe. Hierauf erneute Aufforderung der Justiz la nzlci, zu berichte., wie es gekommen, daß die Sau die Ferkel aufgesrellen habe. Zweiter Bericht des Vormundes: Genau sei dies nicht zu ermitteln gewesen, wahrscheinlich aber habe die Sau die Ferkel aus dem Grunde aufgefressen, well sie gefürchtet habe, ihre Ferkel tonnten ebenfalls unter die Vormundschaft hoher grosjherzoglicher Justizkanzlei geraten.
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Zur oOUjäbugen Jubelfeier der leipziger Universität gibt der Preßausschuß der Jubiläumskommisston im Auftrage der Universität Leipzig eine Festschrift^ sowie eine in vier Nummern erscheinende Feslzeitung heraus. Ties sind, abgesehen von der ö bändig en Festschrift der Fakultäten die einzigen offiziellen Publikationen de. Universität. — Der internationale T u d e r k n l o s e n - K o n g r e ß ui S t o ck h o l in hat am Samstag jeme Scalaßntzung abgehalten. Nach Beendigiing der Vorträge wurden die lüiinuoutelegranune der Staatsoberhäupter auf die von dem Kongreß an sie abgegangene Telegramme verlesen und daran' der Bericht über die sZorlschritle der Bekämpfung der Tuberkulose m den verichiedenen Ländern erstattet.
Nr. 160 Erstes Blatt 159.Jahrgang Montag IS. Juli 1909
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.'ernsprech-Anschlüsse: NM KN _ verantwortlich
w die Redaktion 112, — * p> r<, < ** für den politischen Teil.
MW General-Anzelger für Oberhesfen WW ^Ä^Tc^esnmnmer ßofationsbriit! und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei H. Lauge. Redaktion, LxpedMon Md Druckerei: Schulstraße 7. Anzei'gen'te^?'y" Bech is vormittags 9 Uhr. ___
Die heutige Nummer umsuht 12 Seiten.
Vas Ende der Reichrfinanzresorm.
Berlin, 10. JuL.
Der letzte Akt. . . Die Szenerie ist di« gleiche wie an den Taaen ynror Voll das Daus und voll die Tribünen trotz der iimaawbnt frühen Stunde. Der Eckplatz des Kanzlers ist un- iesetzt — ehrenhalber, denn Fürst Bülow kommt nicht mehr in -en Reichstag. Aber heute hat die Rangordnung der Sessel ihre ^üerliclte Bedeutung: der Staatssekretär v. Bethmann-voll- i c q flibt als Stellvertreter des Reichskanzlers 2tne Erklärung ab, das Schlußwort der „verbündeten Regie- imaen". Zu seiner Selle sitzt Herr Sydow, der Verwalter der neder gefüllten Sck-atzkarnrner des Reiches, rmd hinter dem leeren 'tuMc des Reichskanzlers steht einem Schatten gleich, starr und 'Utrnm Herr v. Löbell, der der Junkerpartei deS preußischen Zbaeordnetenhauses entnommene Adlatus des Fürsten Bülow, «r von dem letzten Botengänge, den er am 12. April zu seiner -ippe getan, seinem Derrn und Meister wenig tröstliche Antwort ^irückbrachte. Auf der anderen Selle, der Bundesratsestrade 'cängen sich die Vertreter der Bundesstaaten.
Der Präsident erteilt dem Stellvertreter des Reichskanzlers »as Wort. v. Bethrnann-Hollweg bedient sich für die Erklärung, >ic er im „einstimmigen" Auftrage der verbündeten Regierungen |U geben hat, diesmal keiner Niederschrift. Der Inhalt ist kurz ilid bringt ferne Ueberraschung. Not bricht Eisen und die Finanz- tot bricht alle noch so feierlichen Erklärungen. Die verbündeten j Negierungen nehmen das Geld, das sie brauchen, rmd die Deform, die Sicherung gegen die Wiederkehr der Finanznot tiid den sozialen Ausgleich, sie vertagen sie auf eine bessere Jufunft. In den Worten der Erklärung liegt die Bewertung »er Mitgift, die die Negierung bei dem Bunde mit der neuen i Mehrheit erhält: kein Wort des Dankes für diese Art der Er- ebigung eines großen nationalen Werkes, statt dessen ein Recht- crtigungs^Entschuwigungsversuch für die Regierung. Lautlose xtillc roar im Saale, als v. Bethrnann-Holliveg zu sprechen anhub;
* in verhaltener Widerspruch von links mischte sich dann ein, | ,>veimal in einen mattilingenden Beifall der Recht»», und nur .mmal gab es ein lautes, kurzes Auflachen in den Banken der liationailiberalcn und Der Freisinnigen, als der Staatssekretär von
' >L-r Unsicherheit sprach, die auf den Finanzen, auf Hanbel und Zerkehr ruht, und damit die Zustimmung der Regierung zu )jeser Finanzreform mottvierte. v. Bethmann-Hollwea setzte
•' sich unter Bravorufen der Konservativen; das Zentrum schwieg.
Und dann ging eine Bewegung durch die Reihen der Ab- geordneten unb der Mitglieder des Bundesrats: der ungekrönte | ,-cönig von Preußen nahm das Wort. Abg. v. Heybeörand ß, knd der Lasa, der nur bei ganz großen politischen Ent- p cheidungen aus dem Hintergründe hervortritt, von wo er die »lonservativen in Preußen und im Reiche teilet. Ein winzig ^mächtiger Körper, nur gerade bis zur halben Höhe der Gestalt des Staatssekretärs hinanreichend, aber an politischer Verstands- schärse, Willenskraft und an fortreißender Beredsamkeit alle seine Parteigenossen in beiden Parlamenten um Haupteslänge über» j nagend. Auf der rechten Treppe zur Rednertribüne stehend, die J Hande in den Hosentaschen, mit halben Wendungen des ganzen Nörpers Zurufe der Linken abwehrend und ein Lob, das er der | Regierung erteilt, bekräftigend, zieht er in kurzen, schneidigen 1 Sätzen das Fazll der neuen Lage in der inneren Politik des i- -ieiches. Er beginnt mit einer Zensur an die verbündeten Re- .i gerungen und v. Bethrnann-Hollweg: das war ja das, was man I »3ii der aufmerksamen und fleißigen Regierung erwartet habe, damit könne man ja durchaus zufrieden sein. Und bann grenzt er das Lerhätmis der Parteien ab und gibt Aufschluß über Urgrund iinb Wesen der Politik der Konservativen, mit rücksichtsloser, ‘ hohnvoller Offenheit. Fürst Bülow mußte fallen, weil der Mantel, xr Block gefallen war. Und der Block mußte in Trümmer gehen, ■; weil er das Zentrum ausgeschaltet hatte, was er und seine Freunde »on Anfang an für einen Fehler gehalten und bedauert hätten.« Tas Zentrum, mit dem, wie v. Hertling hernach bestätigte, die ’lj Konservativen „eine alte Waffenbrüderschaft" verband. Und mit
dem Block mußte Fürst Bülow auf der Strecke bleiben, weil er liberale Polllik habe machen wollen — „ein liberales Regime in Preußen und im Reiche habe aufkommen lassen wollen", bekräftigte hernach der Vorsitzende der Fraktton des Zentrums. Ter Block mußte stürzen über der Erbschaftssteuer, well diese — v. Heydebrand sagte «s mit aufpeitschendem Hohne — nicht etwa den Familiensinn bedrohte oder den Besitz nur zum Teil erfaßte, wie neun Monate lang die Parteigenossen der Herren v. Hevdebrand und v- Herlling der ungläubigen Linken mit Biedermannsmienen versichert harten, sondern well die Erbsck-afts- fteuer die allgemeine Besitzsteuer ist und die Besitzsteuer, einmal in die Hand eines Parlamentes mit demokratischem Wahlrecht gegeben, auf die Tauer zu sehr ausgebaut werden würde. Und darum, aus dem gleichen Motiv, aus dem die Linke in der Erbschaftssteuer die Voraussetzung für das Zustandekommen der Finanzreform sah, haben die Konservattven sie verscharrt und „den Blockgedanken auf das richtige Maß zurückgeführt".
Und als bann v. Heydebrand „bem verdienten Kanzler" einen Nachruf widmete — aus den Tribünen und unten im Saale hatte man vielfach verstanden „dem liberalen Kanzler" — unb als er die verwunderte Frage tat: warum in aller Welt die Konservativen den Fürsten Bülow hätten stürzen sollen, da ging ein befreiendes Lachen durch die Banke der Linken, unb v. Löbell hob ben Blick zur Glas decke des Saales und vertiefte sich dort oben in die kunstvolle Ornamentik. Aber v. Heydebrand dachte nicht daran, etwas zu verschweigen ober zu leugnen: die Antwort auf bie rhetorische Frage gab er sofort von selcht. Unter stürmisch anschwellenbem Hört! hört!-Rufe ber Linken teilte er mit, baß Fürst Bülow ber konservattven Fraktion in aller Form habe sagen lassen, daß die Ablehnung ber Erbschaftssteuer seinen. Rücktritt bedeuten würde. Unb einen solchen Kanzler hätten wir stürzen wollen, bloß wegen ber Erbschaftssteuer, bloß, well er bem Liberalismus auch ein Plätzchen an ber Sonne habe gönnen wollen, wiederholte v. Heydebrand, und von rechts ertönte ein erstauntes: Sehr richtig! «
Das Verhältnis zum Zentrum und zu den Polen bildete den Schluß der Ausführungen. Man merkte es dem tonierbatioen Parteiführer an, daß er hier nach zwei Fronten eine Verteidigung zu richten hatte: ' eine Rechtfertigung vor den konservativen Wählern im Lande und zugleich vor bem Kaiser.
hey! und Oriola.
Freiherr v. Heyl hat nach der „Wormser Zeitung" ber nationalliberalen Reichstagsftaktion folgende Erklärung abgegeben:
„Wenn ein Mitglied der nattonalliberalen Reichstags- frattion, das feit einem Menschenalter die Ehre hatte, in deren Reihen zu wirken.und das ihr in guten und bösen Tagen treu ergeben war, sich heute verpflichtet sieht, bei der Reichsfinanzreform andere Wege zu gehen als die Fraktion, so müssen es schwerwiegende Grunde sein, die einen solchen Entichluß herbeifilhren. Daß der Finanznot des Reiches und der Einzelstaaten, des In- und Auslandes wegen, ein rasches Ende zu bereiten uud die Bewilligung der Gehaltserhöhungen der Beamten aus fundierten Reichs-- einnahmen ohne Säumen herbeizufuhren wäre, und daß dazu 400 Millionen Mark Verbrauchs- und 100 Millionen Mark Besitzsteuern erforderlich seien, sland bei allen Mitgliedern der Fraktton fest! Ihre Zustimmung zu der endgültigen Genehmigung dieser umfassenden Reichsfinanz- resorm hat die nationalliberale Reichstagssraktron nunmehr von der Bewilligung einer bestimmten Steuer abhängig gemacht, von einer Bedingung, die weder jetzt, noch in absehbarer Zeit erfüllt werden kann, weil bie Mehrheit des Reichstages Bedenken prinzipieller Art gegen diese Steuer aufrechterhalten hat, die auch aus den Reihen der national- liberalen Fraktion bei der Generaldebatte der ersten Lesung kraftvoll vertreten worden find. Die Tatsache, daß diese Bedingung gestellt worden ist, kann ich aber für mich als
I durchschlagenden Grund dafür nicht anerkennen, daß die dem Reicye jetzt dargebotenen, dringend nötigen Mittel zu versagen sind. Dies um so weniger, da ich in der Lage bin, die neuerdings vorgeschlagenen Besitzsteuern, welche sowohl den mobilen wie den immobilen Besitz zusammen mit über 100 Millionen treffen, anzunehmen. Da ich vor- aussetzen muß, daß der jetzt eingetrelene Fraktionszwang auch auf die Endabstimmungen über die Reichsfinanzreform ausgedehnt worden ist, so sehe ich mich zu meinem großen Bedauern genötigt, meinen Austrllt aus der Fraktion zu erklären, um mir die Freil)eit meiner Entschließung erhalten zu können. Den Vertrauensmännern meines Wahlkreises, die mich vor einiger Zeit schon zu einer 'selbständigen Entscheidung verpflichtet l)<llien, werde ich nach Schluß der Verhandlungen des Reichstages sofort die nötigen weiteren Erklärungen ab geben."
Der Vorstand des WahlvcreinS der bürgerlichen Parteien zuBadNauheim veröffentlicht folgende Ertlärung:
Der Vorstand des Wahlvereins oer bürgerlichen Parteien hat es mit größtem Bedauern bemerkt, daß unser Reichstagsabgeordneter Graf Oriola bei der entscheidenden Abstimmung über die Erbanfallsteuer im Reichstage gefehlt hat. Nachdem die Nachlaßsteuer von der Regrerung fallen gelassen war und in der Erbanfallsteuer etwaige Härten, die die Landwirtschaft Istllten treffen können, vermieden worden waren, mußten wir umsomehr annehmen, daß Gras Oriola für die Erbanfallsteuer eintreten würde, als ein Fraktionsbeschluß der nattonalliberalen Partei nach dieser Richtung vorlag und er als Mitglied dieser Partei unmöglich die Hand dazu bieten konnte, daß die Regie- r-ungsvorlage zum Sck)eitern gebracht wurde und unser verdienter Reichskanzler Fürst Bülow zur Demission gelungen wurde. Wir betrachten es daher als eine befreiende und erfreuliche Tatsache, daß Graf Oriola nunmehr die Konsequenzen seines Handelns durch Austritt aus der nationalliberalen Partei gezogen hat.
*
Welchen Einfluß das Ausscheiden der beiden hervorragenden Mitglieder der nationalliberalen Partei Hessens aus die Parteiverhältnisse Hessens haben wird, steht noch dahin. Beide waren das hauptsächliche Hindernis für ein Zusammengehen der hessischen Nationalliberalen und Freisinnigen. Man wird jid) noch erinnern, daß unter den Bedingungen für ein Zusammengel)en der beiden Parteien bei der litzten Reichstagswayi auch die war, daß die Frei- sinnigeu Heyl und Oriola wählen sollten. Sie leynten ab und die Entwicklung hat gezeigt, daß sie damals recht handelten. Tie Uebcreinjiimmiing beider liberalen Richtungen in der Reichspolitil und die Reinigung der yessischen nationalliberalen Partei von den ihr seither anhaftenden konservativen Elementen wird es ermöglichen, daß auch bei uns sich die )eül)er so oft feindlichen Bruder besser vertragen und wie im übrigen Deutschland gemeinsam kämpfen. —■ Der jetzige Schritt der beiden Abgeordneten ist nur der folgerichtige Abschluß einer politischen Entwicklung, die kommen mußte und auch von vielen hessischen Naiional- liberalen gewünscht wurde. Man darf erwarten, daß beide Herren, die als Nationalliberale gewählt mürben, nunmehr stach ihrer Loslösung von der Partei' ihre Mandate niederlegen und sich einer Neuwalu unterziehen werdeii. Die nationalliberalen Wähler unseres Nachbarwahlkreises Friedberg-Büdingen wenigstens haben keinen Zweifel darüber gelafsen, daß sie den Schritt ihres Abgeordneten und dessen Verhalten in der Frage der Reichsfinanzreform nicht billigen und auch von denen des Reichstagswahlkreises Worms-
Meines LensUeton.
— Eine Richard Wagner-Gedächtnishalle in Mainz. Zn dem von uns schon gemeldeten Projekt einer Nibelungen halle lli Mainz zur architektonischen und bildlichen Ver- btortidmng der Werke Rick>ard Wagners schreibt dieNe u deu t s che B a n z e i t u n g: „Die Entwürfe zu dieser Halle stammen von bem Architekten Paul Engler unb bem Maler Hermann Henb- ci cf), der, une bekannt, auch die übelberück)ttgte Sagenhalle in Mittelschreiber hau und bie Walpurgishalle auf bem Hexentan-- ! plap ausgemalt hat. Diese beiden Hallen sind im Stil altger- mantid>er Blockbauren gehalten unb reich mit archaisierenden Orna- ' nientfchnitzereien, Wotansköpfen unb Tierschädeln geziert. Ein paar rohe, unbehauene Feldsteine für die Treppenstufen und das Sockelmauertoerk besorgen die wilde Romantik' was sonst nod) an Stimmung sohlt, liefern die Henbrickychen Gemälde. Wer diese bauten im Harz unb im Riesengebirge gesehen hat, wird sich von ber Nibelungenhalle für Mainz am Rhein ungefähr ein Bild machen können. Dem Zeitungsbericht zufolge ist von ber SthbtüerorbnetenversammLung ber Entwurf mit Freuben angenommen worden, ja ber Cberbürgermeiner sprach dem Künstler, der Bau unb Ausschmückung solcher Hallen zu feinem Lebens- ijerl gemacht hat, herzlichen Dank aus. Peinlich berührt bie ler Nachricht beigefügte Bemerkung, baß das Gelb für Bau unb Hemälbe von Verehrern Richarb Wagners im ganzen Reiche -angebracht wirb." Es ist traurig, wenn ber lebhafte, in Deutsck-- 2anb besonbers rege Enthusiasmus für, Wagner dazu ausgenutzt Dirb, für eine künstlerisch wertlose Sache Gelb zu beschaffen. Da alle Pläne sck-on fertig sind unb mit bem Bau sehr bald begonnen werben soll, so ist es allerhöchste Zeit, bie Mainzer vor -einem Mißgriff zu warnen, ber geeignet ist, nicht nur ben Ruf ■ilyrcy Kunstverständnisses, sondern vor allem auch ihr schönes <5tabtbilb aufs schwerste zu schädigen.
. —, Eine schwarze Liste nicht empfehlenswerter Dienstherrschaften anzulegen ist vom Verbände der,Hausangestellten beschlossen worden. In einer in Berkin stattge- iinibencii allgemeinen Dienstbotenversammlung wurde über die Aechtlosigkeit der Dieniiloten lebhafte Klage gesührt. Um sich $ gegen Heber griffe seitens ber Dienstherrschaften zu schützen, mürbe beschlossen, baß fortan alle Beschwerben über schlechte Behandlung, schlechtes Essen, falsche Angaben bei der Mietung in Bezug . auf Arbeitszeit ufro. bem Vorstanbe übermittelt werben sollen. WDas. Material soll bann zur Aufstellung einer schwarzen Liste Vertoeiidung finden.
* —Ein Narur-Operettent Heater. Nun soll Deutsch
land noch um ein Natur-Operettentheater bereichert werden. Das 1 tu ber Gründung von Naturtheatern liegende Prinzip, nicht ine
Natur zu bekämpfen, sondern sie ber sommerlichen Kunst dienstbar zu machen, wollen auch Thüringer Theaterfteunde befolgen und auf klassischem Boden, unweit Ilmenaus, zwischen Friedrichroda unb Geelberg, am Schwarzenfels, ein Naturtheater grün» ben. Doch soll dort nicht bie tragische Druse euiherschreiten, man will vielmehr bie Operette pflegen. Eine Reihe Bürgermeister haben ihre Untersiützung zugesagt, so baß bas Untenrehmen schon letzt so gut wie gesichert i|"L Zur Bllbung bes En,embles ist man an solche Mllglieber ber Thüringer Hostheater herangetreten, bie zwar letzt an bieten Kunststätten nur im Schau- unb Lustftnel beschäftigt iinb, sich aber früher an großstäbtijchen Theatern schon in ber Operette betätigt haben. Da bie Hostheater ber Thüringer Kleinstaaten bnrchweg im Hochsommer schließen, so besteht reut Zweifel, baß ein anständiges Ensemble zusammengebracht wird. Als erste Operette ist bie Reinharbtsche „Sprubelfce" in Aussicht genommen.
— Eingebildete unb wirkliche Gefahren. Sehr viele Personen versichern sich, bevor sie eine Reise unternehmen, gegen bie Gefahr eines Eisenbahn- ober Schisssunglücks. Wie wenn sie bei solchen Reisen unbebingt ihr Leben aufs Spiel setzten. Diese Leute wissen eben nicht, baß man auf Deck eines Schiffes oder in einem Eisenbahnwagen weit sicherer ist als in seinem eigenen Hause ober auf ben Straßen ber Großstädte. Die Statistiken beweisen, baß 60 Prozent aller Unfälle fta) ereignen, währerch bie Opfer in ihrer Wohnung ober auf ber Lkratze sind. Die BersichcrungLgesellsck)asten wisien bas ganz genau unb zögern baher bei Eisnwahn- ober Dampferkatastrophen mir leiten mit ber Auszahlung ber Versicherungssummen, well berartigc llnglücksfälle nicht allzu häufig voriommen. Ein Mitarbeiter von „Wortbs Work" weist baraus hin, baß ein Mensch, ber am Reisen geht, alle Vorsichtsmaßregeln ergreift, um sich gegen mögliche Gcjahreii zu schützen, während ihn zu Hause ober auf den Straßen die ewige Gleichförmigkeit seiner Beichästigungen unb des Milieus oft sorglos unb verwegen macht. Die Straßen unserer Stäbte finb auf Schritt unb Tritt bicht besät mit Gefahren, aber wer von uns bcntt daran, sich su versichern, bevor er ausgeh:/ Unb doch kommt es wohl zchnnial am Tage vor, daß man nur wie durch ein Wunder ben Beinen eines Pserbes ober ben Rädern eines Automoblls entgeht. Eine Reise um bie Welt kann man sorglos antreten, sehr ooriichtig aber muß man sein, wenn man bie Treppen zu seiner Wohnung ijinaufflcigt ober einen verkehrsreichen Platz überschreiret.
— Ein hübsches Karlsbabcr Geschicktchen_, bas Lubwig Fu! ba zum Hetben Hai, erzählt bes „Pragei Tageblatt'. Fulda roobitte in Karlsbad im Hotel neben bem ihm befreundeten Berliner Justizrai Jonas, ber, roie ber Dichter,


