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14.1.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 11

Erscheint tLgNttz mH t>e9 TomiiagS.

TieGirhener FamtNendtStter" werden dem .Anzeiger" oterma! wöchentlich bergelegt, das ..Ureirblcrtt füt den Kreis Cietzen" -wennal wöchentlich. DieLandwirffchciftttchtn Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

159. Iahronng

DontterStag. 14 Januar 1909

GemM-AnZeiger für OverhchM

RotattonSdruck and Verlag der VrKhl^chea Unwersträts - Buch- und Stembruderet.

ÖL Lange, Gießen.

Nedaktion. Exvedition und Druckerei: Sck>u!»

ftrnne 7. ErvedrUon und Verlag:

Redaktion: 112. Tet.-LldruAnzeigerGießen.

BKW

sollte die Forde - Die Ausgaben für den Pensionen der

Man sollte den ReiKsverwaltnngen zur Pflicht machen, Etatsuberschreitungen im nächsten Jahre durch oeringere Aus­gaben wieder gut zu macken. Dann würden die Herren schon vorsichtiger mit dem Gelds umgehen.

Generalmajor v. Lockswt

Die Miliiarverwaltimg ist bestrebt, fick cm die Voranschläge zu halten. Freilich ist es niefrt immer möglich, die Ausgaben so ut gestalten, daß sie mit den Anschlägen auf Heller und Prenma übcreinstimmen. Zwischen den Pensionen der Offiziere und denen der Mannschaften besteht kein innerer Zusammenhang. Jeden­falls werden die Mannschaften nicht benachteiligt.

Dbg. RoSke (Sog.):

Ich ölelbe dabei, daß die Militörverwaltung rstatSstber- sckreitimgen vorbereitet. DaS beweist doch der Umstand, daß sie stets die Nemontepreise zu niedrig ansetzt. Warum ist man auch so schnell mit der Pensionierung von Offizieren bei der £anb? Jährlich werden Hunderte in den Zivilrock gesteckt, ohne daß sie den geringsten Wunsch danach haben.

Generalmajor v. Lochow:

Wenn wir die Nemontevreise hoher in den Etat einstellen wurden, so würden die Marktpreise sofort steigen. Tie Militär- verwaltruig svart soviel sie kann, aber sie läßt auch den Mann­schaften ihr Recht werden.

Tie Vorlage geht an die R e ch n u n g s k o m m i s s i o n.

Bei der ersten Beratung der Ueb erficht en der Ein­nahmen und Ausgaben der Schutzgebiete Kiautschou für 1907, der anderen Schutzgebiete für 1908 be­mängelt

f*arlamaxtavifd?c$»

Die Rei ch s t ags k o mm 11 j i o n für die Gewerbe* orbnungsnoueltc hat den § 1201 der Regierungsvorlage mit den Zusätzen der Freisinnigen und des Zentrums angenommen, der Vorsicht, daß nicht nur der Bundesrat rote bisher den sanitären Maxunalarbcrtstag verordnen kann, sondern auch dre Landes- zenlralbehorden und die zuständigen Polizeibehörden. Der Absatz 3

hatte, mehr für Licht und Luft zu sorgen. Mir selbst ist die Kostenüberschreitung sehr unangenehm, lieber die anderen be­mängelten Etatsüberschreitungcn werden die Chefs der Reichs­verwaltungen in der Kommission Auskunft geben.

Dbg. NoSke (Soz.)e

Bei der trostlosen Finanzlage des Reiches must fede Marl mehrmals umgedreht werden, ehe man sie ausgibt. Alle Mahnun­gen zur Svarsamkeit scheinen' aber in den Wind gesprochen zu fein. Was nützt unS unser ganzes Budgetrecht, wenn die Herren von der Regierung doch so viel ausgeben, wie eS ihnen gerade paßt? Das können wir uns nickt länger bieten lassen. Dem Kriegsministerium und dem Militärkabinett predigt man mit der

Deutscher Reichstag.

183. Sitzung, Mittwoch, den 13. Januar.

Am Tische deS BundeSratS: Dr. Sydow, Dernburg, Tw eie.

planmäßig EkatSüberfchreitungen vor; sie Verschleierungen zu schulden kommen. Tag montepreise. Tie Remontekommission rungen der Agrarier einfach nickt bewilligen, die Pension der Offiziere werden erhöht, bei Mannschaften aber spart man wieder.

Abg. Hug (Zentr )k

£arlamcnt$mfd?cs aus Hebers.

R.B. Darmstadt, 13. Jan.

Der JmanzauLschuß der Ziveiton. Kammer hat heute bei 7wt> ßitzung der GtatsberattiNg zunächst die attgenceine Bespreuung Wer die Kap. 3034, betr. die LoLal^ und Polizcivcr- Ra l tun g s'kv sten des Aimifteriums des Innern, erledigt. Kap. Holizeidirektioncn und Kreisumter erfordert bei einer Gesamt- crusgabe von 956 995 lOiarE einen Staatsznschusi von 633 J8u Mark, Kap. Geudarmerio 600 09-1 Mark, Kap. Polizei 117 85J DSlax t und Kap. Polizei fassen 157 960 Mark, während beim Kap. Arbeitshaus 2 ieburg die Einnahme 29 260 Mark und die Aus- gebe 70 016 Aürrk betragt. Bei Kap. 35, Kärchen, werden, wie im Vorjahr, 483 221 Mark, nämlich als Beittag zum toang. Zentralkirci>ensonds 310 OOü Marl, für die kalholilche Kirche L?1372 Mart und für die Alttatholische Gemeinde ui ^ssertoach 1849 Marksng-esordert. Beim Kap. 36, Landes it n i verfrtä t, über das ebenso, wie über die vorgettanntcn Kapitel Abg. Brauer iwd Referat erstattete, entipann sich eine leb Haire Erörterung, per oifannreid'." Etat dieses Kapitels weist eine Gesamte in nähme von 502 696 Mark und eine Gesamtausgabe von 1516 833 Pcari <aif, so daß eüt Zuschustbedars von 1014137 Mark -- aJ^O/ Mark mchr, als im Vorjahr, erforderlich csh. Bei oer Bcsprea,mtg

standigkeit sein.

Abg. Dr. Mayer-Kaufbeuren tZenir.) wünscht die Erwetterung der Vorlage auch auf dauernde Unter­stützungen, wenn sie geringfügig sind, und auf jede dauernde un­verschuldete Unterstützung.

Abg. Graf Westarp (Kons.) erklärt das Wohlwollen auch seiner Freunde, glaubt aber, daß die Vorlage, die über den seinerzeitigen Antrag Ablaß hinauSgeht, schon etwas zu weit gehe, da Die wirtschaftliche Unabhängigkeit in manchen Fällen gegenüber der die Unterstützung zuerkenuenden Behörde verloren gehe.

Abg. Everling (Natl.)t

Wir begrüßen die authentische Interpretation des Begriffes Armuf mit großer Freude, weil wir glauben, daß verschiedene Härten, die bisher schwer empfunden worden sind, dadurch be­schrankt und abgestellt werden. Jedenfalls werden die Hauptmiß­stände beseitigt. Freilich ist es schwer, die Frage zu lösen, was verschuldete und was unverschuldete Anmut ist. In Belgien be­steht schon ein ähnliches Gesetz, aber seine Form^reizt nicht zur Nachahmung an. Einen berechtigten Wunsch möchten wir noch vorbringen, nämlich den, daß diese Bestimmungen, die nur auf Reichsgesehe jetzt Einfluß haben, auch gegenüber LandeS- g e sehen zur Anwendung kommen möchten. Las wird freilich sehr schwierig sein. Aber trotzdem sollte der Reichskanzler sich bemühen, daß in allen Bundesstaaten die Wirkungen auf b a 5 Wahlrecht gleichmäßig geregelt werden. Es macht sonst einen peinlichen Eindruck, wenn derselbe Mann, der zum Reichstag wählen kann, seines Wahlrechtes für den heimischen Landtag verlustig geht. Recht viel wird es auf die Auslegung und Anwendung des Gesetzes ankommen. Solange das große Ideal einer Arbeitslosenversicherung der Verwirklichung noch nicht näher gerückt ist, muffen wir möglichst weitherzig sein und die Armen und Acrmstcn nicht noch durch die Entziehung bürger­licher Rechte bestrafen. Eine Kommissionsberatung halten wir nicht für notwendig. (Beifall.)

Abg. Kempf (Freff. Qp.)^

Wir begrüßen das Gesetz mit Genugtuung. Auch wir haNe» eine Ausdehnung dieser Bestimmungen auf die LandeSgesetzgcbung für angebracht. >

Weiterberatuna Donnerstag, 1 Uhr, äußerem: MarkrpreiS- feststellung für Vieh, sonstige kleine Vorlagen, Petitionen.

Schluß 6 Uhr. __________________________________________

üon 435 426 Mark ergibt, 146 287 Mark mehr als im Vorjahr, "lucb int Kap. 38, Gymnasien usv , hat sich die Summe aller ' »n 2 733 883 Mark a-f 2 921226 Mark, also um 187 343 Mark erhöht, während die Eil- "ahme nur um 61 000 iDcarr, itäntlid) «ruf 1706 927 Marl gestiegen ist. Mcni ist sich im Aus­schuß darüber einig, daß für bieje steigenden Zuschüsse Ersatz ; geschaffen werden müsse, wenn z. B. von jedem der etwa 10 000 höheren Schüler je 10 ÄLark mehr Schulgeld erhoben würde oder vergl. und hegt sogar die Hoffnung, daß bei entsprechenden Mehr- cinnalnncn aus dec Fvrstoerwaltnng und möglichster Steigerung der ttinnahmen ans den vorerwähnten Kapiteln etwa eine M i l l i o n Mark mehr zur Bestreitung der rwtwendigen Aus­gaben gewotrnen werden könnte, lieber diese Frage gedenkt sich , Der Finanzausschuß demnächst eingehend mit den Vertretern der Jtcgicntng zu unterhalten.

wurde von verschiedenen Mitgliedern auf das W Anwachsen der Ausgaben hm gewiesen und der Ausschuß bereinigte )td? ichlteßltch zu folgender Resolution: Ter 0*81x111^1^1 chluß beianuot, ein Ersuchen an die Regierung zu richten, eine ölvimntNwn Kur Untersuchung dec Frage einznsetzen, tn welcher Weise die Einnahmen an s der Landesunivcrntat uno ihren staatlichen Einrichtungen gesteraert werden kön­nen. Zn dieser Kommission wären ein L-achverstandiger von einer anderen Universität, zwei Mitglieder des Sinanzaussaiusws der Zweiten Kamircec und zwei Mitglieder des Finanzausichuiie^ der Ersten Kammer, sowie Vlitglieder der Regierung zu berusst.

Eeine eingehende Erörterung ianv im Ausschuß auch dec Etat der Technischen $)0 d> 1 d) 111 e, Map. ui und der ctad der Gymnasien, Realghmnaften. Oberreal- undRcal- f ch u len (Kap. 38i. Ter Etat der Techrruchen Vod)w)ulc weist diesmal infolge der vom Wintersemester 190//08 ab emgetretencn kAbnahme der Frequenz für allgemeines unterrrchrugeld : Stu- oierenoeu und Hospitanten hu re cneErn na hm e von 2o00U 0 Mark gegen 390000 Mark tm ._->ahre 1908 auf Sitfofn sind im Etar and) die Gesmmnnnahmen von 469096 Mark für 1908 aus 313 060 Mark »uindgegaitgen. Tie Zumute aller Äusgaoen kamt dagegen nur um 9749 Mark reduziert werden und stellt sich auf 748 486 Mark, so daß sich ein Zuschuvbedarf

Präsid-nt Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min.

Die Kontrolle dcö ReichshauLhaltS.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste und zweite Be­ratung des Gesetzes über die Kontrolle des ReichshauShaltS usw.

Abg. Dr. Mugdan (Fr. Vp.):

DaS Gesetz über die Konttolle des ReichShaushaltS ist bisher immer debattelos angenommen worden. Die Regierung legt schon gar nicht mehr eine Begründung bei, und sehr selten ist ein Ab­geordneter so kühn, zu dieser Sache zu sprechen. Ich kann es aber nicht begreifen, daß das Reich 38 Jahre nach seinem Bestehen noch einer geordneten Instanz zur Kontrolle seiner Rechnungen ent­behrt. Warum haben wir noch keinen deutschen Rech­nungshof? Durch die preußische OberrechnungSkammer wird er nicht erseht, denn diese beruht auf einer KabinettSordre aus absolutistischer Zeit. Da? ist doch deS Reiches nicht recht würdig. Jetzt bei unserer schwierigpn Finanzlage muß alles geschehen, damit nicht eine Mark unrichtig aufigeaeben wird. Es fehlt auch ein Gesetz über die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben. Die Frage der Etatsüberschreitunge« muß endlich einmal geregelt werden,

Abg. Dr. GSrcke empfiehlt eine Resolution auf Vorlegung eines Gesetze? über die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben deS Reiches und eine» Gesetzes betreffend die Einrichtung und die Befugnisse eines Rechnungshofes des Deutschen Reiches.

Der Gesetzentwurf wird inersterunbzweiterLesung erledigt, die Resolntisu angenommen.

Dir Eirmahw«» und AuSgab«» von 1907.

kS folgt die erste Beratung der Nebersicht der Reichsausgaben und -Einnahmen für das Rechnungsjahr 1907,

Abg. Dr. GSrcke (^atl.):

Weim die fortwährenden Etatsüberschrei­tungen nicht endlich ein Ende nehmen, so haben unsere ganzen Beratungen gar keinen Zweck. Besonders die Manöverkosten gehen weit über die Anschläge hinaus. Man sollte die großen Kavallerieattacken einstellen und die Naturalien en gros ein­kaufen. Auch an Tagegeldern und Reisekosten laßt sich viel sparen. Unnötige Kosten verursachen auch die fortwährenden Versetzungen innerhalb deS Gesandschaftspersonals. Immer wird jetzt vom Sparen geredet, ttotzdem hält sich aber die Regierung nicht einmal an die Voranschläge.

Mg. t^zberger (Zentr.):

Wenn die Herren von der Regierung Geld brauchen, dann sind sie im Reichstage vollzählig zur Stelle. Wenn sie aber Rech­nung legen sollen, dann finden sich nut ein paar Kommissare ein.

Der Kritik des Dr. Görcke kann ich mich säst durchweg an­schließen. Auch der Vorsitzende der Vudgetkommission, Herr von Gamp, hat vollkommen recht mit seinen Angrisfen gegen die Wirt­schaft der Postverwaltung. Wir müssen von nun an von den Ver­bündeten Regierungen einen der Wirklichkeit entsprechenden Etat verlangen. Es ist ein schlechtes Zeichen für di- jetzt s0 viel ge­rühmte Sparsamkeit, wenn bloß für die Instand- setzung der Wohnung des Staatssekretärs des Innern 130000 Mark ausgegeben werden. Einen Nachtrags­etat in dieser Hohe hätte niemand bewilligt. Die Staatssekretäre sollen in der Sparsamkeit mit gutem Beispiel vorangehen. Wir können nicht länger auf das Etatbewirtschaftungsgesetz warten. Der Reichstag hat übrigens ein einfaches Mittel, mit den einigen Etatsüberschreitungen Schluß zu machen: er braucht bloß von seinem Budgetrecht Gebrauch zu machen; er braucht es bloß den Herren Staatssekretären zu überlassen, die Etatsüberschreitungen selbst aus ihrer eigenen Tasche zu bezahlen. Im Etat des Auswärtigen Amtes waren von 153 Titeln unserer diplomatischen Vertretung im Jahre 1906 26 Beamte beurlaubt, 22 Stellen unbesetzt, 73 kommissarisch verwaltet da merkt man, wo die hohen Reisegelder und Tagegelder Herkommen. (Sehr gut!) Im Jahre 1907 waren bei 158 Titeln nur 40 vollständig besetzt vielleicht geben diese Zahlen auch Aufschluß darüber, warum wir so ungeheure Erfolge in der auswärtigen Politik haben. (Sehr gut!) Eine große Etatsüberschreitung dep Militärverwaltung wird, begründet mit der vermehrten Einberufung der Reserve­offiziere zu Hebungen, die auf die Einführung der zweijährigen Dienstzeit im Jahre 1893 zurückgeführt werden! Da wird man vnS in der Kommission doch wohl mit einer anderen Begründung kommen müssen. Eine Etatsüberschreitung von 45 Prozent bei den Manövem darf sich der Reichstag nicht bieten lassen. Bei der Marineverwaltung ist der Fonds für die Jndiensthaltung um 2 Millionen, den achten Teil, überschritten. Das Revuegeschenk wird den Mannschaften gegeben, ohne daß die Marineverwaltung dazu durch den Etat befugt ist. Auch in der Koloniakverwal- tun g finden wir allerlei Ctatsüberschreitungen. Man merkt von dem kaufmännischen Geist des Staatssekretärs noch nicht gerade viel. Aber er kann mildernde Ilm stünde für sich in Anspruch nehmen, da eS sich um den ersten Etat handelt, den er zu bewirt­schaften hatte. Hoffentlich wird aber der Geist der Sparsamkeit nun auch in die Kolonialverwaltung einziehen. (Beifall.)

Staatssekretär von Bcthmann> Hollweg:

Es sind die hohen Kosten bemängelt worden, die für die Instandsetzung der Wohmmg im Reichsamt des Innern ausgegeben worden sind. Ich begreife vollkommen, daß der Reichstag über die Höhe der Kosten erstaunt ist. Ich möchte aber mitteilen, fcafi für die Wohnung feit 20 Jahren nichts geschehen ist, und daß in dieser ganzen Zeit keine Reparaturen vorgenommen worden sind, daher gestaltete sich die Renovation ziemlick kostspielig. Es handelte sich dabei vornehmlich um Arbeitsräume, weil die bisherigen sehr beschränkt waren und ich die Bitte ausgesprochen

Staatssekretär Dernburg:

Die Vorwürfe des Abg. NoSke wegen der Einziehung der Gelder von den Eingeborenen sind unberechtigt, denn der Reichs, tag hat selbst früher beschlossen, daß die Eingeborenen zum Er­satz der von ihnen verursachten Schäden nach Möglichkeit heran« gezogen werden sollen. Es ist dabei auf ihre Erwerbsverhält­nisse und ihre ganze wirtschaftliche Lage gebührend Rücksicht ge­nommen worden. Auf Grund der angeiichteten Sckäden ist ein Verteilnngsplan aufgestellt worden, nach dem verfahren worden ist. Gänzlich verfehlt ist die Kritik über die Rechnungslegung für Südwestafrika. ES sind dort tatsächlich Ersparnisse gemacht worden, indem weniger ausgcgeben worden ist. als veranschlagt wurde. Das ist im budgetrechtlichen Sinne eine Ersparnis. Herr NoSke meinte, ich verstehe die Sache nicht. Da mag er recht haben. Ich will darüber nicht streiten. (Heiterkeit.) Tie Rech­nungslegung ist sobald wie möglich fertig gestellt worden. Herr Noskc sollte sich nicht hier hinstcllen und zum Fenster hinaus der Stolonialbcrfnaltung di« größten Vorwürfe machen, die gänzlich unberechtigt sind.

Tic RechmmgZubersichten gehen an die RechnungZ- k 0 mmissi 0 n.

Die Wechselstempelnovelle.

Bei der ersten Lesung der Novelle zum Gesetz betreffend die W e eh s e l st e m p e l st « n e r, die einige Milderungen der Strafbestimmungen bringt, sowie eine zweckmäßi­gere Gestattung der Verjährungssristen, richtet

Dbg. Dove (Fr. Vg.) an die Verbündeten Regierungen die Frage, ob die, wie ht dieser Vorlage, so auch in dem seit kurzem in Kraft befindlichen Gesetze über die Vereinfachung des Wechselprotestes vorgesehene Bundes- iat§tiernrbnung über Die Gleichstellung des Nachbar- ortsverkehrs mit den Platzanweisungen in bal­diger Aussicht stehe. Bei der rapiden Entwicklung der Vororte bestehe hierfür ein große? VerkehrsbedürfniS.

Direktor Kühn:

Dor Bundesrat hat darüber schon Beschluß gefaßt; die Ver­öffentlichung steht unmittelbar bevor.

Damit endet die erste Lesung. Kommissionsberatung wird nicht beantragt

Lrmenunterstühung und Wahlrecht

Es folgt die erste Beratung des auf Grund einer vor­jährigen Resolution des Reichstags eirigebrachten Gesetzentwurfs über di- Einwirkung von Armenunterstützung auf öffentliche Rechte. Nach diesem Gesetzentwurf sind, soweit in Reichsgesetzen der Verlust öffentlicher R e ck t e von dem Bezug einer ?lrmen'mtcrstützung abhängig gemacht wird, als Armenunter­stützung nicht anzusehen: 1. die Krankenunter st ützung; 2. die einem Angehörigen wegen körperlicher oder geistiger Ge­brechen gewährte Anstaltspflege; 8. Unterstützungen -um Zwecke der Erziehung oder der Ausbildung für einen Beruf; 4. sonstige Unterstützungen, wenn sie nur in der Form vereinzelter Leistungen zur Hebung einer augen­blicklichen Notlage gewährt sind; 5. Unterstützungen, dre erstattet sind.

Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg erläutert die sozialpolitische Bedeutung der Vorlage. Grund­legend für die Entziehung des Wahlrechts und der sonstigen politischen Rechte muß der Verlust der wirtschafllichen Selb.

Abg. Erzbergsr (Zentt.) die verschiedenartige Rechnungsführung für die einzelnen Kolo­nien, die den Vergleich erschwere. Man könne an die Kolonien nicht den strengen heimischen Maßstab anlegen, sondern müsse der Verwaltung Bewegungsfreiheit lassen; immerhin komme auch hier eine Reihe Etatsüberschreitungen vor, die vermieden wer­den können. Z. B. bei den Pensionierungen; das ist wahr­scheinlich auf zu leichte Zuerkennung dec Tropendienst-Unfähig­keit zurirckzuführen; hierin muß strenger vorgegangen werden.

Staatssekretär Dernburg:

In der Kommission wird auf all die Fragen befriedigender Aufschluß gegeben werden können. Der Staatssekretär macht gegenüber einer von Erzberaer angezogenen Blätterm-ldung über bestialische Mißhandlung Kameruner Häupt­linge durch Angehörige der Sckutztruppen darauf aiifmcTffam, daß es sich um farbige Schutztruppen handelt. Wenn man sie losläßt, benehmen sie sich manchmal ebenso wie die, gegen die man sie loZgelassen hat Die Leute sind schwer besttast worden.

Wg. Noske (Soz.):

TaS ist doch keine Entschuldigung. Warum hat man sie Io5» gelassen? WaS ist mit dem Offizier geschehen, der sie losge- lassen hat? Recht sonderbar ist cs, daß die Negierung von den Eingeborenen nach dem Aufstand in Deutsch-Ostafrika im Jahre 1905 noch 191 000 Mark eingezvgen hat, obgleich die farbige Be­völkerung sich in einer trostlosen Sage befand. Das sollte wohl gar eine A r t Kriegsentschädigung sein. Mit den Ko­lonialzulagen wird in unv.'rantwortlicker Weise gewüstet. Herr Jesko von Puttkamcr saß ein ganzes Jahr in Berlin und bezog trotzdem eine Kolonialzulage von 16 000 Mark. Die Ab - rechnungvon Südwestafrika ist geradezu unerhört. Der Schcchsekretäc scheint die Sache nicht recht zu verstehen.

Abg. Dr- Arning (Ratl.):

Etatsüberschreitungen in den Kolonien muß man mit milde­rem Blick betrachten als im Mutterlande. In Kamerun scheinen also tatsächlich Itohciien von selten farbiger Soldaten vorgekommcn zu sein. Daraus kann man aber doch dem vorgesetzten Offizier keinen Vorwurf machen. Man kann die Neger nickt im Hand­umdrehen zu gesitteten Menschen erziehen, solche Ausschreitungen werden daher immer Vorkommen. Den deutschen Kaufleuten müssen wir e» hoch anrechnen, daß sie mit Gefahr ihres Lebens den weiteren Mißhandlungen Einhalt geboten haben. Die Spar­samkeit darf man bei den Zulagen für Beamte in den Kolonien nicht zu weit treiben, sonst wird sich bald niemand mehr finden, der hinaus gehen will.

Abg. Erzberger (Zentr-):

Herr Arning sollte seine Freude an der Kolonialvcrwaltung in der Budgetkommission bei der Bewilligung von Mitteln &um Ausdruck bringen. Hier aber sollte er einmütig mit uns allen dafür einstehen, daß das Budgettecht des Reichstags gewahrt wird.

Sparsamkeit tauben Lhrcn. Tie Militärvcrwattnng bereitet gcrni läßt sicb Eiats- beweiscn bi* Re-