Ausgabe 
13.4.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 85

General-Anzeiger für Gberhesien

bei her gewaltsamen Unter-

irmHammcrnbat Latifundien des Fürsten von Thum und sein imb eine Aufteilung dieser Latifundien würde für die mehr bedeuten als jede anher e Nlaßtcgel. Außer diesem ßischen Thronlehen sollten die im Kreise Samter gelegene schäft des Herzogs von Sachserr-Kolmrg-Gotha, die beiden

(Äc- etnc und

schäften des Gwßherzvgs von Weimar: Racot im Kreise Kosten und Chmielnik im Kreise Posen-West, die zusammen writ über 20 000 Morgen Landes, fast durchweg Acker und Wiesen, um­fassen, toth einige andere Latifundien im nationalen Interesse aufgetcilt und ht Gntsbezirkc und Bauerngemeindcrr umgewandelt werden.

DieEtehener ZamlNenblätter" werden dem Anzeiger' viennal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Krds Tiehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Taxis Stadt vreu-- Äwr-- Herv-

rt,licbäfl

Dis StäMe der Gstmatt im Kampf um das Deutschtum.

Heber die politischen und wittschaftliclnn Verhältnisse der deut­schen Ostmark, die mit dem Völkerkampfe Zusammenhängen, kann man nicht dicke Bücher int trockensten Regisrrierstil schreiben. Oder man kann es vielleicht, aber es würde dann kaum ein Mensch sie lesen. Daher wird man es wohl nicht tadeln können, das; Professor Lud­wig Bernhard, als er vomVerein für Sozialpolitik" mit

der Herausgabe von Schriften überPreußische Städte im biete des polnischen Nationalitätcnkampfcs" betraut wurde, ihm eingereichte unpersönlich gehaltene, wesentlich historische

Innerpolitische Schwierigkeiten in Ungarn.

Der Konflikt mit Serbien hat die innervolitischcn Fragen in Ungarn bisher zurücktreten lassen; nainentlich war cs die Frage der von Ungarn gewünschten Banktrenuung von Oesterreich, die angesichts eines drohenden Krieges zurückgestellt wurde. Jetzt, nach Beilegung des Konfliktes mit Serbien treten die inner- politischen Fragen wieder in den Vordergrund und die Schwierig­keiten ihrer Lösung werden täglich größer, zumal Oesterreich von einer Banktrennung nichts wissen will. Der ungarische.Handels­minister Kossuth hat dieser Tage nun in einem Zeitungsartikel: die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage deutlich genug ge­zeichnet. Es heißt darin, in der Koalition, die der nationale Kampf zustande gebracht habe, machten zerstörende Kräfte ihre Wirkung geltend. Die Regierung verfüge über eine große Ma­jorität, sie werde aber trotzdem wahrscheinlich demissionieren, ob­wohl sie in ihrer Gesamtheit auch jetzt die große Mehrheit der Nation vertrete. Die toalierten Parteien würden aber ausein­ander geben, denn der natürliche Zustand der ungarischen Nation sei nicht das Zusammenhalten, sondern die Zersetzung. Kossuth konstatiert mit Besorgnis, daß die wichtigste Aufgabe der Koa­lition, die Schaffung eines Wahlgesetzes, ungelöst bleiben werbe. Er habe fein Ministerportefeuille übernommen, damit diese Re­gierung die große Frage des Wahlrechts, von dem die ganze Zukunft der Nation abhänge, lösen könne. Heute bilde die Schaf­fung der Kartellbank das Programm der gesamten Koalition, aber er habe nur wenig Hoffnung auf Erfolg dieser Verhandlungen mit Oesterreich, denn nach österreichischer Auffassung sei das, was für. Ungarn gut sei, schon deshalb für Oesterreich schlecht. In Oesterreich schmiede das Hervortreten jeder ungarischen natio­nalen Sache sofort alle Parteien zusammen, während es in Ungarn genüge, eine nationale Sache anzuschneiden, um die Parteien in streit zu bringe». Wenn in Ungarn Einigkeit vorhanden wäre

Aber der Maestro ließ es bei diesem' Beweise seiner politischen Gesinnungstüchtigkit twch nicht bewenden: aus der österreichi­schenVielka" wurde in Paris unter Mitarbeit Scribes ein irtmle du Nord" (Nordstern,, und nun mußte natürlich vor Frankreichs Grenadieren alles ebenso das Hasenpanier ergreifen, fiy.e imFeldlager" vor Preußens, inVielka" vor Oesterreichs Grenadieren.L'etoile du Nord" kam endlich auch in Rußland jtir Ausführung, wo dann selbstverständlich gesungen wurde:

Bor Nutzlands Grenadieren

Muß alles retirieren!"

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schut- straße 7. Expedition und Verlag: e=@5L Redaktion: 112. T el.°Adr.: Anzeiger Gieße»

Main LnintMMÄl dcncörMmttr .'icbigim, oraiimnnÄr ielmiti'. @g. q. Wck. anfiuttcr sir.

77 Bücher für Kranke. Die bekannte Deutsche Dichter- Gedächtnis-Stiftung, deren gemeinnütziges Unternehmen das Ziel bat, den hervorragendsten deutschen Dichtern durch möglichst große Verbreitung ihrer Werke ein ^Denkmal im Herzen des deutschen Volkes zu setzen, und ,bcr Schundliteratur entgegenzuar'beiten, hat )idj vor Jahresfrist auch die ganz neue Aufgabe gestellt, ge­eignete Bücher für Kranke und Genesende auszuwählen, und in einen besonders für diesen Zweck angefertigten abwaschbaren und leichten Einband nnb in einer Form, die das Halten der Bücher! ohne Ermüdung ermöglicht, an Krankenhäuser und Heilstätten zur Verteilung zu bringen. Die erste derartige Verteilung hat gegenwärtig begonnen. Sie umfaßt 28 sorgfältig ausgewählte, wlide und geschmackvolle Bände. Von bekannten Dichtern sind u. a. Georg Freiherr von Ompteda, 'Peter Rosegger, Heinrich >Leidel, Wilhelm Raabe, Gustav Frehtag, Friedrich Spielhagen usw. mit Werken vertreten, die bewnberS dem Zustande eines Kranken oder Genesenden Rechnung tragen und hie geeignet sind, heitere und freundliche Stimmungen in dem Leser äuszulösen. Die jScbmgungen, unter denen diese erste Bucberverteilung «fzu- näckßt nur an Krankenhäuser und Heilstätten) seitens der Stif­tung erfolgt, sind für Interessenten bei der Abteilung für Kranken- Haus-Bück^reien der Deutschen Dichtcr-Gedächchtis-Stiftung in Hamburg-Grvßborstel zu erfragen.

Professoren mangel in Rußland. Die Mos­kauer ZeitungGolos Moskwy" hat sorgfältige Erhebungen über die Zahl her unbesetzten Lehrstühle in Rußland angestellt. 2r. V i e r h u s f - Moskau berichtet hierüber in derDeutschen Medi­zinischen Wochenschrift": Am schlimmsten steht es in Warschau, wo schon vor der Schließung (1905) wegen Mangels an Kandidaten mehrere Lehrstühle, hauptsächlich in der juristischen und mathe­matischen Fakultät, unbesetzt waren. Ihre Zahl ist jetzt auf 20 gestiegen. Die Universität ist im August wieder eröffnet worden, doch konnte wegen des Professorenmangels in sämtlichen Fakultäten nur her erste Kursus (1. Lehrjahr) eröffnet werben. Neben eme­ritierten Professoren lesen stellvertretend Professoren vom Poly­technikum und vom lanowirtschaftlichen Institut aus Neu-Alexan- brien. Als besondere Ursache liegt das Fehlen von polnischen Lehr­kräften vor, die sich nicht zur Llbhaltung von Vorlesungen in russischer Sprache verstehen An her Universität Jurjew (früher Dorpat) sind unbesetzte Lehrstühle eine chronische Erscheinung, nachdem die Regierung die blühende Universität Dorpat in der zweiten Hälfte der 90 er Jahre in eine russische Hochschule zweiter Güte umgewanbelt hatte. Die an Stelle her deutschen Professoren ernannten russischen Lehrkräfte waren zum Teil dermaßen minder­wertig, daß russische Gelehrte von belferen Qualitäten mit ihnen

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Mogiliww, Janowitz, Briesen, Schönsee und zum Teil auch Won- growitz und Wreschen bebente die Einkreisung geradezu den Anfang einer neuen Aera. Eilt Allheilmittel sei die Einkreisung freilich auch rricht, es müsse unter Umständen städtische Änfiedlungs- polilik und städtische Gewctbepolitik hin zukommen, um zu ver- hitlhern, daß der Aufschwung den Polen zugute kommt.

In dem Kampfe zwischen Großgrundbesitz und Bauern, den neuerdings durch den Besuch einer Deputation des Bundes bed Landwirte beim Reichskanzler und durch eine Protestversaiumlnng von Baueriransiedlern zu bellen Flammen entfacht ist, sucht Bern­hard nach beiden Seiten gerecht zu sein. Schließt er sich denen an, die den wirtschaftlichen. Wert der Bauermansiedlung int allge­meinen dem d.'s Großgrundbesitzes vorziehen der Großgrund­besitzer bezieht seinen Bedarf aus der Ferne, der Bauer kauft und vertäust in der nächsten Stadt so will er dochunermüdliche und umsichtige deutsche Rittergutsbesitzer" in seinem Krriie des Kampfgebietes wissen. Mit Bestimmtheit aber fällt er das Urteil, daß die riesigen deutschen Latifundien, deren Herren fern von der Provinz wohnen, national schädlich seien. Diese Latifundien seien so gut, wie polnisches Land. Bon ihnen aus würde das Land und die durch sie umschlossenen Städte polonisiert. Wenn die deutsche Bevölkerung des Kreises Krotoschin 35 Prozent betrage, so betrage die deutsche Bevölkerung des preußischen Thronlehens Krotoschin (im Besitz des Fürsten von Thum und Taxis) nur 16 Prozent. In früheren Jahren Bismarck habe itod) so gedacht seien polnische Arbeiter vielleicht weniger gefährlich gewesen: heute seien sie mit dem Mittelstand zusammen hie Träger der polnischen Macht in Preußen. Daß die Stadt Krotoschiir unaushaltsam der Pvlonisierung verfällt, bibrfte wesentlich eine Wirkung der sie

^ahre feinen Nachwuchs schaffen, so daß sich der Niedergang ebenw natürlich wie rasch vollzog. Erst in den letzten Jahren hat lief) mit Anbruch der liberalen Aera eine geringe Wendung zum logen, io daß lieh die Schwierigkeit in der Besetzung dieses Lehr­stühle unbesetzt, darunter ein medizinischer. Das noch heute in den baltischen Provinzen geltende Provinzial recht wirt) seit zehn Zähren überhaupt nicht gelesen, für altklassische Philologie und .lrchaologie hat man nicht einmal einen temporären Stellvertreter jinhen können. In Rußland gibt cs wenig altklassische Philo­logen, so daß sich die Schwierigkeit in her Besetzung des Lehr- stuhles nicht fo bald beseitigen lassen wirb, während auf eine Besetz­ung des Lehrstuhles für baltisches Provinzialrecht so lange wird verzichtet werden müssen, bis sich das Ministerium zur Ernennung einer baltiichen Kraft verstehen wird, da dieses Fach außer in Dor- bat nirgends gelesen wurde. Diese Tatsachen sind bloß als ein .P^.nes Eharakterlitikiim dafür erwähnt, wie die Negierung die Univerntat Dorpatreformiert" hat. In Kiew ist unter an* heren ber Lehrstuhl für Physiologie frei, in Charkow diejenige^ jur Anatomie, Physiologie, Pharmazie, Pharmakognosie und Pharmakologie, Medizinische Diagnostik, spezielle Pathologie ope­rative Chirurgie, Hygiene, Geschichte der Medizin, Euzyklopäbic An der Odessaer Universität sind 17 Lehrstühle unbesetzt in Kami, von o6 ebenfalls 17, in Moskau 1 t. Eine alleinige! Ausnahme macht Petersburg. Die Ursache des Professorenmanqels und des fehlenden Nachwuchses liegt in erster Linie in der schwie-. rigen materiellen Lage her Privatdozenten. Infolge von Mai'gel an freier Zeit kommen auch die mit der Stellvertretung von Promfloren beauttragten Privatdozenten nicht zur Erwerbung des zur ordentlichen Prowllur notwendigen akademischen Grades Das neue Umeenitäteflatut mit feinen noch schwierigeren $«1 s fm Mhtlle «chafien. zumal in Anbetracht

d" Kolleg,-ngelder und des sie ersegenden Go- hgl.es (300., Jinbel rur den Extraordinarius und 4000 Rubel äL^° Xn°,vU- mit cm7 Erhöhung um je ein Viertel d-ss Gehalts nach tun, und zehn Jahren) das Entgelt gering ist. Neben den allgemeinen unelen auch lokale Ursachen eine Stellt unter dielen die Politik, welche die Prosessorenschast in zwei emanber IWig bekänipsende feindliche Lager trennt, was bei i>er Besetzung o° freien Lehrstühlen insofern eine Rolle spickt als den Kandidaten der feindlichen Parte, ümderM- m d« Weg gelegt werde«, .....

Ölcijeiicr tfe

1uiJ W gegen g ncju^l

<!ll.3li;3cboie evfiittc in !> der. (üicijcner Sitijetr

Das Vaterland über der Partei.

Die Zuspitzung unserer iunerpolitischen Lage ist nicht in letzter Linie darauf zuriickzuführen, daß die Parteien sich verschiedentlich noch nicht immer dazu verstehen können, Prinzipienreiterei und den Standpunkt der Jnteresfen-Ver- tretnng aufzugeben, selbst dann, wenn es sich um Dinge handelt, bei denen das Wohl des gesamten Vaterlandes auf dem Spiele steht. Eine solche Frage ist die Reichs­finanzreform, die durchaus eine nationale ist, weil es sich darum handelt, die Finanzwirtschaft des Reiches endlich wieder in gesunde Bahneri zurückzuführen, so daß man bei einer derartigen Angelegenheit nicht Parteigrundsätze voranstellen darf, sondern die Rücksichten auf das allgemeine Wohl voranstellen muß. Gewiß mag es den Parteileitungen nicht leicht fallen, Prinzipien, die sie feit Jahren und Jahrzebnten vertreten haben, gelegentlich einmal untreu zu weroen. Kein objektiv Denkender wird darin aber Cha­rakterlosigkeit erblicken, sondern diesen momentanen Stim­mungswechsel sehr hoch einschätzen und zu bewerten wissen. Gerade aber in der Frage Reichsfinanzreform hat man es verschiedentlich an den großen Gesichtspunkten zuweilen doch fehlen lassen und zwar ist dabei sowohl von Rechts wie von Links gesündigt worden. Gewiß muß zugegeben werden, baß man teilweise einiges Entgegenkomnren auf beiden weiten gezeigt hat, sehr zu bedauern ist aber die Haltung der Konservativen in Sachen der Erbschaftssteuer; dem Zentrum kann man es nicht verargen, wenn es sich unter i>em jetzigen Kurse abseits hält, und es der Regierung und oen Blockparteien überläßt, die Sache allein auszu- iechben. Aber die Mitglieder der Rechten dürften sich ihrer­seits nicht derartig auf den Standpunkt einer Vertretung -von Sonderintercssen stellen, wie es zum Teil geschieht. Allerdings wird diese Haltung, welche aus her Rücksicht nir die Landwirtschaft hcrvorgeht, in den Reihen der eigenen "Kartei selbst nicht allenthalben gebilligt, man erkennt 2ort sehr wohl, daß eine starre Negierung die Partei -schädigen kann. Die Freikonservativen nnd die Wirtschaftl. Bereinigung haben sich bereits von den Dentscbkonservativen in dieser Frage getrennt, und die gesamte sächsische Landes- «rganisation hat gleichfalls in einer Resolution einen von der Berliner Parteileitung abweichenden Standpunkt ein» geschlagen. Auch in der konservativen Reichstagsfraktion selbst gibt es eine Reihe von Stimmen und zwar nicht die schlechtesten, welche einer Erbschaftssteuer das Wort reden. 'A'au zählt 12 bis 14 derartige Mitglieder, darunter den (Grafen Schwer m-Löwitz, der bezeichnender Weise Präsident des Deutschen Landwirtschafisrats ist. Bemerkenswert ist c5 auch, daß das Hauptorgan der schlesischen Konservativen, dieSchlesische Zeitung", dieser Tage einen Leitartikel beachte, worin es heißt:Man braucht kein Freund eines Ausbaues der Erbschaftssteuern zu sein und vor den ihr anhaftenden Bedenken die Augen zu schließen, aber man raufe doch zugestehen, daß hier der Fall vorliegt, wo die offenbare Not gebietet, die Bedenken zurückzustellen und das Bessere nicht zum Feinde des Gnten werden zu lassen. Denn es handelt sich um die Rettung des Reichs aus den flinan znöten, also um eine hochwichtige nationale Aufgabe, der fidi ungestraft keine bürgerliche Partei entziehen kann." Diese Ausführungen follten in der konservativen Partei c°m Echo wecken und die widerstrebenden Elemente bewegen zu einem Einlenken. Vor allem sollte man nicht riufecL- Acht lassen, daß durch den neuen Zolltarif für die Landwirtschaft in ausreichendem Maße gesorgt worden ist, unb daß sie jetzt wobl in der Lage ist, die keineswegs enorm bemessene Last einer Erbschaftssteuer zu tragen, zumal 5,loeifellos noch gewisse Kaute le getroffen sein würden, die teer Landwirtschaft Schutz gewähren. Die Osterpause wird f .cherlich zur politischen Agitation benutzt werden, wobei

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die Reichsfinanzreform den Hauptgegenstand der Erörte­rungen bilden dürfte. Es wäre an der Zeit, wenn mit Rücksicht auf den nationalen Gesichtspuntt seitens der Wähler den Abgeordneten das Gewissen geschärft würde.

nichlöfagende Darstellung vor dem Druck zu bewahren suchte. Die Gottesgabe des Temperaments und des Willens ist für gewisse Stadien auch der wissenschaftlichen Arbeit kaum zu entbehren. So hat denn her gut deutscheVerein für Sozialpolitik es nicht für unrichtig gehalten, sogar hie Darstellung eines Polen zu ver­öffentlichen. Rechtsanwalt Karpinski, einer her Führer her Polen in Gnesen, hat in einer allerhings nur kurzen Schrift gefchilhert, was er an her Entwicklung unh hem Zustanhe Gnesens für bas Entscheihendc hält. Umfangreicher ist hie Arbeit von Bürger­meister Z i tz 1 a f f - Marienwerber über hie kleinen Stabte und die Arbeit bes Generalsekretärs hes Deutschen Ostmarken-Vereins, V o s b e r g , über die Stabt Gnesen, hie als heutsches Gegenstück zu her Schrift Karpinskis zu betrachten ist; endlich gehört in diese ui eilte das schon neulich erwähnte Werk von Ataritz Jaffe über hie Stadt Pofen (sämtlich im Verlag von Duncker u. Humblot, Leidig, 1909).

Die Tendenz der vier Arbeiten ist nicht identisch. Ludwig Bernhard fern versucht, eine Art Resultante zu ziehen, oder mit andern Worten: er Ijat noch seine eigene Ansicht hinzugegeben, her wir in folgendem nachgchen wollen, lieber den Beruf der Stadt- genitinbeit für die Nationalitätenfrage gibt es auf deutscher Seite hauptsächlich drei Ansichten. Nach der Meinung der einen müssen die Gemeinden, ha sie Organ bes Staates sind, auch in dieser Frage bem Staatsganzcn unmittelbar bienen; hie kommunale Selbstverwaltung bars habet nicht mißbraucht werben, um hie preußische Polenpolitik zu burchkreuzen; has läßt sich mit Sicher­heit nur erreichen, wenn die Polen aus her stähtischcn Verwaltung ausgeschaltet werben. Nach her Meinung einer andern Gruppe soll man hie st Mischen Angelegenheiten von ben Fragen her Staatspolitik fernhalten unb oie nationale Frage überhaupt nicht m-aßgebenb werben lassen. Nach her brüten Auffassung ist gerabe hie kommunale Mitarbeit her Polen ein Mittel, um sie von her politischen Agitation weg- unb der rußigen Vermaltrmgstätigkeit zuzusührcn. Es kann feinem Zweifel unterliegen, daß Bernhard sich her dritten Auffassung anschließt. Und nachdem er eine Streif­sahr t durch die Haurientwicklmigsmsglichkeiterl unb Entwicklilirgs- fatloren gemacht hat, kommt er auf hiejen Gedanken zurück. Dabei steht er natürlich im scharfen Gegensatz zu den Ansichten Vosbergs und des Ostmarkenvereins.

Wir können ihm auf diesen Weg nicht folgen, dagegen durste manches aus feinen übrigen Darlegungen dem Leset einleuchtend erscheinen. Als wesentliche Faktoren glaubt er der Fülle her Er­scheinungen entnehmen zu tonnen: 1. Die Abwanderung der Juden, die das Deutschkicm schwäche, 2. das Emporwachsen eines polnischen Bürgertums, und 3. bas Vorbringen her preußischen Beamtenschaft. Offenbar steht Bernhard^dem Vordringen der pteußifchen Beamten­schaft mit einer gewissen Skepsis gegenüber unb würbe die Erhaltung und Stärkung eines feshtnsässigen beutschen Bürgertuins für wert­voller halten. ES darf aber hoch wohl batait erinnert werden, daß gerade von den Kritikern der Ostmarkenpolitik her Regierung der Kastengeist her Beamten oft als ein Krebsschaden bezeichnet worden ist; wenn nun die Beamten ihren burecruktatisch.cn Geist oblegen, unb an ben Sorgen des Bürgertums unb am Schicksal der Stadtgemeinden teilnehmen wollen, so müßte das doch wohl von jenen Kritikern zunächst mit Anerkennung begrüßt werden.

Lebhaftem Ingresse dürften die Darlegungen Bernhards über ben Zusantmenl)a,ng her Agrarpolitik mit her beut üben Gesinnung in ben Stabten begegnen. Bernhatb lobt bic sogenannte Ein­kreisung der Stähle bitfcb beutsche Bauern-Ansieblungen, wie sie her geniale Präfibent her Ansiedlungskommissioit Rudolf von Wittenburg geplant unb cingcieitet habe. Für bic vier Stäbte:

KUtitcs SerLMeton.

- Der Ä'iongrcfe für Theaterästhetik, der int wachsten Jahre im Anschluß an.die Theaterausstcllung in Berlin

I liegen wirb, hat dem V. T. zufolge auch die Besprechung künst­lerischer Bühnettdewrationeu auf sein Programm gesetzt. Es han- IiwTt sich im wesentlichen bar um, Den ProvinzbüHncn bic Möglich- k'ät zu geben, sich für ihr unverhältnismäßig gvotzcs Reperwir einen rutsprechend billigen unb doch geick-mackvolleil Dekorationsfunbus Wlzuschafseu. Richt jede Proviitzbühne kann sich nun einen Künst- !(t für Ausstattungen engagieren, wie es die Berliner Bühnen r'um Teil tun. Eine große Zahl klassischer unb moberner' Stücke «cht aber alljährlich über viele Provinzbühnen. Hier läßt sich mit Berücksichtigung bet primitiveren Thcatetmaschinetie der Pro- w.nzbühncit eine Art 9:ormalbeforation schaffen, die leicht auf die werfchiebenen Gtäßcnverhaltnisfe zu übertragen ist. In der Er- Fimhiiö, baß diese Entwürfe gleichzeitig dem literarischen wie heut dekorativen Geschmack dienen müssen, haben sich Berliner Literaten, Malet unb Architekten zusammengetan, um den Ge- iontfm einet künstlerischen Bühnendekoration in die Tat imizu- sätzen. Die Aufgabe dieses Vereins ist die Prüfung der ein» begangenen Entwürfe unb die Zusmnmenstellung eines entsprechcn- toat Dekorationsrunbus. sowie bic spätere Uebermachung bei? AuS- ^chrmtg. Die Leitung dieses Vereins befindet sich in den Händeit des Architekten B. T? A. Rofffus vom Rhin und, deS Schriftstellers Sr. Wilhelm Mießnet.

Die politische Over. Mcyerbeers OperTer Norb- stlern" wurde urspnänglich zur Einweihung des Berliner Opernhauses (1844) komponiert. Selbstverständlich war her Text voll Lovcs- e^hcLungeit für Preußen unb fein Heer. Eine Stelle ,^Jm Feldlager Schlesien", so hieß die Oper damals, war besonders geeignet, d°e preußischett Garbeleutnants zu entzücken, deren Herzen bölxr schlugen, wenn die Garde Friedrichs II. den Chorus anstinnnte:

Vor Preußens Grenabiercn Muß alles retirieren!"

Solche unb ähnliche Verse, ja ganze Szenen wollten jedoch, so forcibt bicHilfe", nicht mehr passen in hieVielka", unter trieftet Firma bic Oper mit Jcirny Lind und unter persönlicher Aitung Mcyerbeers in Wien aus die Szene gelangte. Die Wiener Choristen sangen natürlich:

Vor Oesterreichs Grenadieren Muß alles retirieren!"

18 « M iVPOigel gcjudil. ArL n. 02544 (i. d. 9;.

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Zweites Blatt ISS.Jahrgang Dienstag 13. April 1909

Erscheint täglich mtt Ausnahme des Sonntags. a. A /k aka SSotattonSbaicf und Verlag der BrühNch«

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