Ausgabe 
12.2.1909 Erstes Blatt
 
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Nr* 36,/ ^^Erstes Blatt ISS.Jahrgang Freitag 12. Februar 1S0S

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Sonntags. - Beilagen: AW monatlich 75Ps., viertel-,

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für die Redaktion 112, 8F Verantwortlich

S General-Anzeiger für Oberhessen ZW

bis °7r^t°ag? s"uh^ Hotafionsörud und Verlag der vrühl'lchen Unw.Guch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei; Schulftrahe z. !L^ig°ni-n^

Di^heutige Nummer^mfatzt 12 Seiten.

Der englische Besuch in Berlin.

ffifrrin Eduard iwn England hat sich in Berlin infolge der rauhen Witterung eine leichte Erkältung zugezogen. Die be­handelnden Aerztc hatten beim 5Wnig angcratcn, das Zimmer zu Ichten, trotzdem ließ der König es sich nicht nehmen, gestern mittag den Königlichen Marstall zu besichtigen und dann den angesagten Besuch bei seinem Garde-Dragoner-Reginrent zu machen. Mittags 1 Uhr 15 Min. fuhr der König in einem kaiserlichen Automobil zur Dragoner-Kaserne. Vvm Torweg bis zunr Kasnw bildeten die Truppen Spalier und vegriißten ihren Chef mit einem drei­maligen Hurrah. Vor dem Kasino hatte das gesamte Offizier- Korps Aufstellung genommen. Nach herzlicher Begrüßung ge­leiteten die Dragoner-Offiziere ihren Gast in die geschmückten Kafino-RLmne, in denen sich der König mit seinen Offizieren beim Frühstück lebhaft unterhielt. Während der Tafel dankte der Kvrw- mandeur, Major v. Bärensprung, dem König ftir sein Ersck>einen und brachte ein dreifaches Hurra auf den König aus. Der König erwiderte in deutscher Sprache, er freue sich, bei seinem schönen Regiment zu sein, daS jederzeit, im Krieg wie im Frieden, sich so ruhmvoll hervorgetan >habe, und von dem er überzeugt sei, daß es seinem «allerhöchsten Kriegsherrn immer Ehre machen werde. Es sei sein besonderer -stolz, dieses Regiment von seiner JJcutter über kommen zu haben und er hoffe, daß auch seine ^Nach­folger Chefs des Regimentes sein würden Er trank auf das Wohl des Kaisers. Gegen Ende der Tafel erhob sich der König nockMals, um auf das Ofsizierkorvs zu trinken. Nach der Tafel ließ sich der König mit dem Offizierkorps auf der Veranda photographieren. Der Aufenthalt befolgte dem König so, daß er etwas über die festgesetzte Zeit blieb. Der König verlieh den Qfftzieren des Regiments Ordensauszeichnungen. Das vor der Kaserne versammelte Publikunr begrüßte den König lebhaft.

Von der Kaserne des ersten Gardedragonerregiments begab si ch^lönig Eduard nach dem Kaiser Friedrich-Museum, wo sich auch die Königin, die Kaiserin und der Kaiser einfanden. Geheimrat Bode führte die Majestäten und wies auf die Haupt- stzücke der Sammlungen hin. Das englische Königsvaar gab seiner Bewunderung Ausdruck über die eigenartig schöne Einrichtung der Säle und die Ausstellung der Kunstwerke. Heute abend 7 Uhr finbet bei dem Kronprinzenpaar Familientafel statt, an der das Kaiserpaar, das Königspaar von England und andere teil­nehmen. König Eduard Iverlich den Herren des Ehrendienstes Qrdensauszeichnungen. Generaladjutant v. Loewenseld und Oberst v. Bitter tmttbcn durch! wertvolle Geschenke ausgezeichnet.

Gestern abend fand Galaoper im kostbar geschmückten König­lichen Opernhause statt. Gegeben wurden Teile ans der historischen PantomimeS a r d a n a p a L". Das Haus füllten die geladenen Gäste und Fürsten (nrit ihren Gemahlinnen, das diplomatische Korps, die Botschafter, die Ritter des schwarzen Adlerordens und die höchsten Zivilbeamten und Militärs. Hm üh» Uhr erschienen die Majestäten in der großen Hofloge. Ter König in deutscher i'ldnriralsuniform führte die Kaiserin, der Kaiser in der Uniform seines englischen Dragonerregiments führte die Könignr. Die Majestäten verneigten sich dreimal vor der Gesellschaft An her Brüstung der Zöge nahmen die Kaiserin links neben der Königin Platz, zu deren Rechten der Kaiser. Links neben der Kaiserin ft önig Eduard, weiterhin die K ronprinzessin. Der Kron­prinz und die anderen Prinzen und Prinzessinnen des Kaiserhauses nahmen ebenfalls in der großen Hosloge Platz. Zn der Pause verließen die Majestäten die Loge nicht; nach der Verstellung hielten die Majestäten int Foyer Cercle.

U c b e r b i e Gespräche des Königs E d n a r d auf der englischen Botschaft mit einem Tiploinalen luitb der Neuen Freien Presse aus Berlin berichtet: Im Gespräch mit dem österreichischen Botschafter vonSzögyeny-

Kleine» Feuilleton.

Das Abtestieren der Vorlesungen an der Berliner Universität ist durch Erlaß des Unterrichts­ministeriums nach einem befürwortenden Bericht von Rekwr und Senat versuchsweise a u ß e r Kr a f t gesetzt worden. Tie "Aufnahme der Vorlesungen in das Abgangszeugnis ist von dem Nachweise der Abmeldung nicht mehr abhängig. Der Rektor verbindet mit der Bekanntgabe dieses Erlasses den ausdrücklichen Hinweis, daß durch Aufhebung der Abmeldungs-Testate nicht die in den allgemeinen Vorschriften begründete Verbindlichkeit zur Anwesenheit während des Semesters berührt wird. Ter von dem akademischen Senat nusgegangene Antrag auf Beseitigung der bisherigen Einrichtung sei ein Akt des Vertrauens in das Pflichwemußtsein der Studie­renden der Universität gewesen; von ihnen selbst und von dem Gebrauche der hierurit erweiterten Freiheit müsse es daher abhängen, ob die Unioersitätsbehörde den Verzicht auf die bisher geübte Kontrolle dauernd werde verantworten können. Sie nntrbe von dem Zeitpunkt an dazu Nicht weiter in der Lage sein, in' welchem als die Folge der Neuordnung eine gesetzwidrige, die wissenschaftliche Aufgabe dec Universität beeinträchtigende Kürzung der Semester zu beobachten wäre. Es wird den Studierenden daher in ihrem eigenen Interesse angeraten, jeden pflichtwidrigen Mißbrauch zu unterlassen.

(Sog lief in der Jüngere ist seinem älteren Bruder schnell ins Grab gefolgt! Wenige Tage, nachdem der berühmtere und bedeutendere Beuois Constant zur letzten Ruhe bestattet wurde, bringt der Telegraph aus Paris die Nachricht, daß sein um sieben Jahre jüngerer Bruder Ernst Alexandre, Coquelin cade's ge­storben ist. Unter glücklicheren Sternen als sein älterer Bruder- Hat der jüngere die Bühnenlaufbahn begonnen War der ältere noch genötigt, in jüngeren Jahren das väterliche Handwerk zu erlernen und sich am Backtrog wie om Backofen zu betätigen, so brauchte der jüngere nur den Spuren des inzwischen bereits zu künstlerischem Ansehen gelangten Bruders zn folgern Er »vor es auch, der ihn, deri taunr Zwanzigjährigen, der ersten Bühne Frankreichs,, der Comedie Frcmyaise zuführte, der der eben Heim­gegangene mit kurzer Unterbrechung jetzt gerade vierzig Jahre angehört hatte. War die klassische Komödie die Hauptdomäne des älteren Bruders, so war der jüngere im Reiche der Komik zu

Mar ich, den der König seit langen Jahren kennt, erkundigte sich König Eduard nach dem Befindeir des Kaisers Franz Josef. Die Pvlittk wurde in dieser Unterhaltung vom König nicht berührt. Hingegen machte er im Gespräch mit dem französischen Botschafter Jules Cambon interessante politische Aeuße- nmgen. Er sprach sich namentlich sehr lobend über das vvm Botschafter vorgestern unterzeichnete deutsch-französische Marokko-Abkommen aus und äußerte seine Befriedigung darüber, daß in Marokko die Unannehmlichkeiten zwischen Dentsch- land und Frankreich aus der Welt geschafft seien.

König Eduard hat dem Oberbürgermeister Dr. Kirschner den Rohal-Vietoria-Orden mit dem Stern verliehen und mit einem liebenswürdigen Handschreiben 100 Pfund Sterling für die Armen Berlins (übersandt. Bürgermeister Dr. Renke und Stadtverordnetenvorsteher Michelet erhielten den Royal Victoria- Orden am Bande. Fräulein Kirschner nmrde mit einer kostbaren Brosche beschenkt.

Rußland und die Gürtet

Als die Pforte den ersten russischen Vorschlag erhielt, war das erste Gefiihl das der Ueberraschung und sie suchte angesichts des in der Tat ziemlich verwickelten Planes Rat bei dem be­kannten englischen Finanzmann Sir Ernest Cassel. Bei den Besprechungen hierüber kam, wie die Köln. Ztg. erfährt, die Pforte zu der Ueberzeugung, daß der russische Vorschlag neben bedenklichen Punkten für die Türkei eigentlich nur Vorteile für Rußland enthalte und sie gelangte dann, ebenfalls unter der Mit- arbeit des genannten englischen Ratgebers zu einem Gegenvor­schläge, der den Gegenstand der letzten russischen Note bildet. In welcher Weise sich die Angelegenheit weiter entwickeln wird, ist nicht leicht voransznschen und nur eines scheint klar, daß bisher eine Beschleunigung der türkisch-bulgarischen Verständigung durch das russische Eingreifen nicht herbeigeführt worden ist, und daß man sogar eher von einer Verzögerung sprechen kann.

Inzwischen hat nun der russische Minister des Aeußern dem türkischen Botschafter in 'St. Petersburg die russische Antwort auf den Gegenvorschlag Iber türkischen Regierung betreffs des russischen finanziellen VcrmittelungsProjektes zwischen Bulgarien und der Türkei überreicht. In dieser Antwort begrüßt die russische Regierung die türkische Mitteilung, als den Ausdruck der prinzi­piellen Einwilligung zu dem russischen Projekt, die die Bahn zur entgültigen Regelung der Frage öffnet. Mas den Gedanken der Türkei über die gleichzeitige Liquidation der Kriegsentschädigung an Rußland betrifft, so ist die russische Regierung, beseelt von den freundschaftlichen Gefühlen zu der Türkei grundsätzlich bereit, in die Beratung dieser Frage einzui'.-'teu, selbst,ve.-sttiudlich unter der Bedingung genügender Garantien für die russischen Rechte unb Interessen. Jetzt aber ist es dringend nötig, Mittel zur sofortigen Entschädigung der Türkei für den ihn i»on Bulgarien zugefügten Schaden zu jinbrn. Seitens aller Mächte nnrd die Sympathie für das russische Projekt ausgesprochen und schwerlich könnten diese die Feststellung der Entschädigungssumme auf einen höheren Betrag als 120 bis 125 Millionen Franks begünstigen, andererseits könnte der Mschluß einer Anleihe durch Bulgarien angesichts der jetzigeir Sage des Geldmarktes nur unter sehr schweren Bedingungen stattfinden und große Verzögerung verursachen. Der russische Vorschlag befriedigt beide Teile und ermöglicht der Türkei die ihr zukoinmende Entschädigitng sofort zu realisieren. Daher macht die russische Regierung der türkischen Regierung, ohne int Prinzip die Prüfung der vollständigen Liquidation der Kriegs- entick ädigungsgetder abzulehnen, ben Vorschlag, aufs neue das russische Finanzprojekt zu prüfen, welches auf der Summe von 120 bis 125 Millionen Franks fußte, in die auch die von Bul- garieit zu leistende Entschädigung für die rnmalischen Ostbahnen einbegriffen ist. Tie russische Regierung schlägt ferner vor, un­verzüglich die Bedingungen der sofortigen Durchführung dieser Finanzoperation gemeinsam zu erwägen.

politische Tagesschau.

Chamberlain dementiert.

Wie dieBirmingham Daily SRail* meldet, dementiert Chamberlain aus Cannes die vomBerl. Tagebl/ gebrachte Nachricht, wonach Deutschland während des Burenkrieges Vorschläge gemacht tuorben seien, die auf den Abschluß eines deutsch-englischen Bündnisses und den Ausschluß Frankreichs aus Marokko hingezielt hätten.

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Das deutsch-französische Abkommen.

Mit Freuden hatte die deutsche und die ausländische Presse von dem deutsch - französischen Marokko - '.Mbfoiiuneit Kenntnis ge­nommen, weck man darin den ersten Schritt zu einer Anuähenmg Deutschlands an Frankreich und eine neue Bürgschaft des Friedens sah. Nun meldet aber derTag", daß dieses Abkommen m Ma­rokko selbst Verstimmung hervorgertlfen habe. In marokkanischen Kreisen in Tanger, die Anteil an dem Geschick ihres Vaterlandes nehmen, macht sich inwlge des deutsch-französischen A b k o m m e n s lebhafte Erbitterung gegen Deutschland bemerk­bar. Man kann gerade auch nicht behaupten, daß die Nachricht von diesem Abkommeii von den Deutschen in Tanger mit Jubel empfangen worden' wäre. Im Gegenteil! Niedergeschlagenheit und Unwillen über das Abkomme»! macht sich nut wenigen Aus­nahmen bemerkbar.Pellt Pansien" glaubt übrigens Mitteilen zu können, daß gleichzeitig mit den d c u t s ch - f r a »i z ö - s i f ch e ii V e r h a ii d l u n g c n Besprechungen stattgefunden Haven, üahingehend, auch über andere wirtschaftliche.Fragen eine Verständigung zu erziele»». DieseAebenDerljanb- lungen sollen auf die Entschlüsse der deutschen Regierung nicht ohne Einfluß gewesen fein. Es soll jetzt die Bildung euie§ aus französischen, deutschen, eiig tischen, spanischen und portugiesischen Finanzgrnppeu bestehenden Syn - dikats zur Ausbeutung der »narotkamschen Kohlengrubeii beuoi- stehen. Tas Unternehmen, das als höchst ergiebig bezeichnet wird, dürfe binnen kürzester Zett perfekt werden. Diesem Konsortium soll auch die Ausführung einer der geplanten Bahnlinien gewährt werden. Wie demMalin" aus Berlin telegraphiert wird, Hal die deutsche Reichsregierung infolge der nunmehr angebahnteu freundschaillicheren Beziehimgeii zu Frankreich, daS bereits im Druck befindliche Weißbuch über Marokko zürück° gezogen, weil cs einige Noten enthält, die die Franzosen im- cmgenehm berühren könnten.

Deutsches Reich.

Die diesjährigen K a i s c r m anö v e r zwischcii Stutt- gart-Eratlsheini-Heilbronn werden die größten sein, die Teutsckt- land gesehen Hal. Fast eilt Viertel des ganzen dcickschen Heeres, darunter bi: ganze bayerische Armee diesseits des Rheines, solle vor deni Kaiser »nanövrieren.

Tas Befinden des Königs v o ii Sachsen ist nach- einer guten Nacht ausgezeichnet. Eine gestern Vormittag im Gar > nisonslazarett üorgeuommenc Untersuchung mit Rvctttgenstrahlcn ergab, daß, wie schon vermutet wurde, ein Bruch des rechten zweiten und dritten Miltelhandllrochens ohne jede Komplikatioil vorliegt.

Ter, bekannte Reiter-General und ehemalige Flügeladjulauti des Kaisers, Heyden-Linden, ist in Marieirloh bei Pader­born infolge eines Herzschlages gestorben.

Z lv i s ch e n T e u t s ch l a n d u n d Japan solle»! nach Mel billigen ans Tokio Verhandlungen schiveben übet ein zwischen beiden herzustellendes Abkommen. Eine Bestätigung triefet} Meldung war bisher nicht zu erlangen.. Eingeweihte Kreise in! Japan zweifeln an ihrer Richtigkeit.

Tie F i n a n z - u n d S t e n e r k o »n m i s s i o n d e s R e i ch s - tag es lehnte gestern bei Fortsetzung der Beratung der Erb' sch afts steuer Novelle sowohl den freisinnigen Antrag auf* Einführung einer Ehegatten- und Toscendentensteuer ab, als auch sämtliche Anträge, die eine Erhöhung der bisherigen Steuersätzü bezwecken. Es bleibt also bei den bisherigen Bestimmungen der tieuerfreien Grenze von 500 Mark. Tagegen wollte ein Antrag der Sozialdemokraten die Grenze auf 2000 Aöark und bei Legaten

Hause, ein fpnidelnder Humor, von seltener Beweglichkeit der ausdrucksvollen Mienen und Gesten begleitet, von einer gewin­nenden Liebenswürdigkeit geadelt, zeichnete seine Darstellung aus. Ter jüngere Coquelin war in der Gesellschaft sehr beliebt, und als Veranstalter origineller Wohltätigkeitsvorstellungeu so ver­dienstvoll wie erfolgreich.

Catulle Mendös, der vielseitig begabte französische Dichter ist, wie wir schon kurz berichtet haben, in der Nacht vom Sonntag zum Montag bei einem Eisenbahnnnfall ums Leben gekommen. Ein reich bewegtes Leben hat hier einen tragischen Mschluß gefunden. Catulle Mendes hat ein Alter, von 68 Jahren erreicht. Er war am 22. Mai 1841 in Bordeaux geboren, kam früh nach Paris und erntete mit seinen ersten Dichtungen, mit den SammlungenPhiloinela" undHesperus" lebhafte Erfolge. Der Farbenreichtum und der Glanz der bilderreichen Sprache, der glatte Schliff der Verse, die Eigenart in der Betrachtung der Tinge lenkte ftüh eine besondere Aufmerksamkeit auf den jungen Poeten, der danach in einer Anzahl von Novellen, von Romanen und Erzählungen Phantasie uno Weltkenntnis wie seltene Be­herrschung der Form bewies. Insbesondere als Journalist, als Kritiker brachte es Ncendes z»l hohem Ansehen. Für uns kommt Mendes ganz besonders als eifriger und begeisterter Apostel der Wagner-Sache in Frankreich in Betracht. Mendäs gehörte zu den ersten Franzosen, die für Größe und Bedeutung des Wagner'schen Knustwerkes Verständnis zeigten Ein guter Kenner der deutschen Sprache und Literatur Mendes hatte in Heidelberg studiert versuchte er sich in ehr fach auch in der Uebersetzuug Waguer'scher Tichtungen. In öffentlichen Vorttägen, in Bwfchüreu, Zeitungsartikel»! trat er mit Eifer für Wagner ein und auch ihm zum guten Teil gebührt das Verdienst, daß das Richard Wagner-Kunstwerk in Frankreich so schnell unbedingte und allgemeine Anerkennung sich erobert hat Catulle Menoes war durch Jahrzehnte ein treu-kameradschaftlicher Freund der Sarah Bernhard, für die er auch einmal ritterlich ein Duell bestand. Ein französischer Schriststeller von gediegenem Wissen, von seltener Literäturkenntnis, ein Schriftsteller von Talent und Gesinnung Hal hier durch eine Encnbahnkatastrophe ein tragisches Ende gesunden.

. r-r- Eine frommeG. m. b. H." Tie Wiener Volksoper

hat ihrem Spielplan jetzt auch Audrans OperetteDie Puppe" eingereiht, die betänntliä in einem Mvnck)skloster spielt. Durch die unliebsamen Erfahrungen gewitzigt, die die Bühnenleiter be­sonders im deutschen Westen machen nmßten, hat Direktor Simons,, dar früher das Mainzer Stadttheater mehrere Jahre geleitet Hut, aus dem heiteren Textbuch alles entfernt, woran sich gläubige, Gemüter hätten stoßen können, und so las man denn an der Spitze, des Wiener Theaterzettels:Maximus, Vorsteher der Vereinigten^ Einsiedler, Genossenschaft mit beschränkier Haftung." (!) Auch in dem gut katholischen Prag, wo diePuppe" int Neuen Deutschen Theater mehrfach zur Aufführung kam, hat mau sich übrigens zn> helfen gewußt; damals mar Maximus nicht einer der dem Zensor! so mißliebigenKlosterbrüder", sondern einfachMitglied einer Vereinigung".

lieber bicA erostatio n" und andere Fremd­wörtergebilde auf dem Gebiete derAeronautik" macht fid)| Oskar Streicher ^Berlin mit Recht in der Zeitschrift des Allge­meinen Deutschen Sprachvereins lustig. Um der vielfach ver-! wirrenden Unklarheit zn steuern, gibt er eite lieber»icht guter deutscher Wörter, die dem Volksbegriff gewiß verständlicher sind. Ta tritt die Luftschiffahrt an Die Stelle der Aeronautik, und au*', dem Aeronauten wird ein Luftschiffer. Tie Aerodynamik und die gnn; besonders unsinnige Aviatik Dciiüanbcln sich in eine Flugschiffahrt, und der Aerostatik in eine Ballonschiffahrt. Auä> nach der Bauart lucrbcn gute deutsche 'Sporte unterschieden, so Schrauben flieget, Tracheuiiieger, Prall-Luftschiffe, Halbstarrlnft- und Starrluftschifs. Tas Wort Avürtik enthält den spaßhaftestes Unsinn. Aus die F-rage, was ein Aviatiker sei, kann man nichr gut ander-, antworten, als: einGroßmultcrsöhnchen" '.atna sla- teinischj gleich Großmutter.

Kleine Chronik a n S K u n ft n n d Wissenschaft.! In Greiss »va ld ist am 9. dS. der o. Pro', der demschei»^ Philologie Geh. Reg.-Rat Dr. Alerande^ R ei iicrscheid tut 62. Lebensjahre gestorben. Gestern fand unter großer Be­teiligung die Beisetzung Coqnelins des Jüngereir iitil © u r e d it e s bei Paris statt. GelMmrac Dr. Schwen­de n e r, der bekannte Berliner Botaniker, erhielt anläßlich seines 80. Geburtstages den Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Ächen- lau b.