Donnerstag 11. November 1909
159. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 265
Gießener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Gberheffen
RotanonSdruck und Verlag der Brübl'ichen UnwerfitätS» Buch- und Sremdruckerei. R. Lange. Greben.
Die „Oiehener ZamilienblStter" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das 'xretsblatl für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Die „£an6a>irtfd}aftlid?en Seit- fragen" erscheinen monatlich zwermal.
Redaktion, Exveditron und Drrrckerer: Schul- straße 7. Exvedinon und Verlag: eo&L Redaktwwe^ 112. rel.-Adr^AnzergerGreben.
gekommen waren, erklärte sie, sie hätte von Imitationen besessen. Ter Vorsitzende hält Widerspräche in ihren Aussagen vor, diese ihrer alten Methode der Verteidigung damit ie emphatisch bittet, man solle sie nicht so
der Angeklagten die zieht sich aber nach aus der Affäre, daß guälen. Es werden
Die Hebung de8 deutschen Gemüsebaues.
Tie Einfuhr von frischen Gemüsen hat in diesem Jahre noch nicht die Höhe erreicht wie nn Jahre 1908. Die überaus reiche Gemüse-Ernte in Deutschland hat die Einfuhr etwas zurückge- brangt, doch ist wahrscheinlich mit Sicherheit zu erwarten, daß mr den Rest des Jahres die Einfuhr von ausländischen Gemüsen beträchtlich zuuehmen wird. Besonders spielt die Einfuhr des
Ein Konflikt zwischen dem italienischen Kriegsminister und dem Geucralstabschef?
Aus Rom wird geschrieben:
Seit einigen Tagen ist in den Zeitungen von einem angeblich «rischen dem Kriegsminister General Spingardi und dem General- ilabschef General Pollio ausgebrochencn Konflikt viel die Rede. Bisher handelte cs sich nur um leise Andeutungen, aus denen richt reckst zu ersehen war, ob die Gerüchte wirklich eine ernstere Grundlage habens Wie aber jetzt von gut unterrichteter Seite 'verlautet, sollen die Ansichten der beiden Generale tatsächlich besonders in zwei Puntten scharf auseinander gehen. Der General- 'tabschef hält einmal im Gegensatz zum Kriegsminister die von der Kammer für die Vervollständigung der Arttllerie votierten Rittet für nicht genügend. General Pollio ist ferner gegen die iweffährrge Dienstzeit im Heere, während General Spingardi Är dieselbe einttitt, ja, obgleich das Gesetz über die zweijährige Dienstzeit von den Kammern noch nicht angenommen worden ist, dieses gewissermaßen schon >im voraus zur Anwendung gebracht rat, indem er im letzten September von dem Jahrgänge 1886 >0—60 000 Mann und ebensoviele vom Jahrgange 1887 mit unbegrenztem Urlaub entließ, da eine eigentliche Verabschiedung geradezu ungesetzlich gewesen wäre. Tic mißlichen Folgen dieser Maßregel sollen sich namentlich bei den letzten Straßenkund- zebungen für Ferrer bemerkbar gemacht haben, da in mehreren näßeren Städten gerade ^duech den Truvpenmangel trotz aus der lftovinz herangezogener Verstärkungen Gewalttätigkeiten des Löbels nicht verhindert werden konnten.
In dem einen wie in dem anderen Falle sind für den Standpunkt des Kriegsministers polittschc und finanzielle, für den des Gcneralstabschcfs rein technische .Erwägungen maßgebend. Eine weitere Verschärfung der Gegensätze wird nur zu vermeiden sein, Denn ein Mittelweg gefunden wird, durch den sich die Forderungen des einen mit denen des anderen einigermaßen vereinigen lassen.
Stau Steinheil vor d-m Schwurgericht.
VI. (
•4 Paris, 9. Nov.
In den Verhandlungen handelt es sich zunächst um den Schmuck der Frau Steinheil, der nach ihren ursprünglichen Angaben am Ndordtage von den Tätern geraubt worden sein soll. Als im Laufe der Untersuchung verschiedene Schmuckstücke wieder auftauchten, erfand die Angeklagte immer neue Ausreden. Einmal behauptete sie, daß ihr der ganze Schmuck gestohlen worden
ei, dann wieder, es sei ihr nur ein Teil entwendet worden. Nach- )em später einzelne Stücke wieder bei Juwelieren zum Vorschein ihrem Schmuck auch
Gemüses im Frühjahr eine außerordentlich große Rolle. Es wäre daher, so schreibt die „Köln. VolkSztg.", endlich an der Zeit, daß man in Deutschland lernt, Gemüse in großen Mengen für die Frühjahrsmonate einzuwintern, damit wenigstens ein Teil des Marktes mit deutschem Gemüse versorgt werden könnte. Gemüsescheunen, wie sic in Holland zum Ueberwintern der verschiedenen Kopfkohlarten dienen, sind in Deutschland noch fast unbekannt. In den ersten neun Monaten dieses Jahres, von Januar bis September, wurden 3 723 977 Doppelzentner Gemüse im Werte von 38 766 000 Mark cingcführt. Von dieser Einfuhr entfallen allein auf die Niederlande 1 663 828 Doppelzentner, die rund 45 Proz. der Gesamteinfuhr ausmachen, während sich die übrigen 55 Proz. auf Frankreich, Belgien, Italien, Spanien, Gibraltar, Malta, Aegtzpien, Oesterreich-Ungarn, Dänemark und Rußland vert ilen. Die Größe von Holland beträgt etwa 3 255 300 ha, wovon ungefähr 72 300 la für Gartenbau benutzt werden, also etwa 2,22 Proz. Aber Dieses Gartenland wird außerordentlich intensiv bewirtschaftet, daher ift es möglich, bei dieser verhältnismäßig kleinen Fläche noch derartig große Mengen auszuführen. Der Gemüsebau ist in Deutschland zurzeit noch nicht aus der Höhe. Die gewaltige Einfuhr holländischer Gemüse müßte doch ein Ansporn sein, auch hier bahnbrechend vorzugchen. Es müßten Musteranftalten geschossen, neue Kulturmethoden und neue Sorten ausprobiert, Heber» Winterungsarten geprüft werden, um schließlich mit dem Auslände wettbewerbsfähig zu bleiben. Den landwirtschaftlichen Organi- sattoncn böte sich eine sehr dankenswerte Aufgabe, wenn sie sich in Zukunst mehr der Förderung und Hebung des heimischen Gemüsebaues annehmen wollten.
Ipolitifcbe Tagesschau.
Pfarrer Korell im Wahlkreis Gießen Trünberg-Nidda.
Im Anschluß an unseren Bericht vom letzten Montag fle6en ivir die folgende Zuschrift aus Nidda wieder, in der sich die Stimmung wiederzuspiegeln scheint, die dort nach Korells Auftreten sich bemerkbar machte. Die Zu tchrift lautet: _
Das allg emcin c Urteil nach Lchluß der Rede war: einen gewandten RÄm^r, der mit Leichtigkeit seinen Stott beherrscht und das rechte Wort dazu sindet, haben wrr noch leiten «hört, besonders sein Sarkasmus findet stets die rechte Stelle, ™ er treffen will. Aber eben dieser Sarkasmus hat wieder manche abgestoßen. Bon Versöhnlichkeit tvar in der Rede nicht viel zu spüren. Heber den Eindruck des Inhalts der Nedc äußerten sich viele, daß diese eigentlich keinen be,onderen Eindruck aus sie habe machen können, weil, was Korell tagte, schon oft von anderen gesagt war, lOth wert, was er flogt und beklagt, auch von anderen reichlich geklagt und beklagt Morden sei. Ob die vorgeschlagenen Maßregeln eine Aendcruug rii den Verlzälttrissen herbciführen könnten, sei abzuwarten. Ein Zuhörer meinte, heute sei ihm klar geworden, daßdie Pfarrer überflüssig seien; denn wenn ein Pfarrer (mögt er es in der Woche immerhin tun-, am ■Sonntag, statt seiner Gemeinde ton der Kanzel zu predigen, an allen möglichen Orten Wahlreden halten, so sei er doch in seiner Gemeinde überflüssig und, meinte ein anderer, die Behörde, die dazu schweige, müsse derselben Meinung sein. Ein dritter fügte hinzu, dann könne man an der 5ircl^ensteuer zu sparen anfangen, wenn es auch ohne Pfarrer gek. Ein letzter hielt dafür, daß es vielleicht gut wäre, wenn Pfarrer Korell den Posten eines Reichskanzlers entnehme unb seine Beisitzer har Posten der Staatssekretäre, dann gebe es Einigkeit und gewiß auch guten Erfolg. Wie lange sie ober aus ihrem Posten aushielten, sei eine andere Frage. Wenn SortH die Lage Bülows, falls er Kanzler geblieben wäre, in feiner Rede mit einem Manne verglich, der mit dem Hinterteil aus einem Reibeiien sitzt und mit den Füßen in einem Ameisenhaufen steckt — so wäre dann Korells Lage vielleicht umgekehrt mit einem Manne zu vergleichen, her mit dem Hinterteil in einem Ameisenhaufen sitzt und mit den Füßen auf einem Recheisen steht. Nur auf eine Probe käme es an.
über die Schmuckgeschichte verschiedene Juweliere vernommen, es gelingt aber nicht, Klarheit in die Sache hineinzubringen. Die Verhandlung gewinnt wieder ein lebhafteres Bild, als die Redakteure des „Matin" vernommen werden, die in bet Nacht des 26. November ein mehrstündiges Verhör mit der An geklagten anstellten und sie zu dem Geständnis brachten, daß der Sohn ihrer Köchin Wolf, Alexandre Wolf, bei dem Versuche zu stehlen, die beiden Opfer ermordet habe. Der Zeuge Redakteur Marcel Hut in schildert, in welcher Weise Frau Steinheil die Vorgänge in der Mordnacht dargestellt habe. Er habe ihr geglaubt, daß sie mit ihrer Tochter verwechselt werden könne, wenigstens ihrem Aussehen nach. Auf die direkte Frage, wer denn eigentlich der Mörder sei, habe Frau Steinheil den Namen Alexandre Wolf genannt. Frau Steinheil sei dann sehr aufgeregt geworden und habe erklärt, es sei das beste für sie, wenn sie sich das Leben mehme. Auch habe sie bad Schicksal der Frau Wolf, ihrer „armen Mariette", beklagt. Die Angeklagte gibt zu, zuerst den Namen Alexandre Wolf's als den des Täters genannt zu haben. Tie Journalisten hätten sie gequält, den Täter zu nennen, und da sei ihr der Name Alexandre Wolfs eingefallen, zumal dieser bereits am Morgen von dem vernehmenden Kommissar der Täterschaft beschuldigt worden war. Redakteur La Bruyere betätigt die Angaben Hutins. Frau Steinheil habe einen sehr aufgeregten Eindruck gemacht, das ganze Haus sei in jener Nacht nicht zum Schlafen igetommen. Als er mit seinem Bericht in die Redaktion ankam, bat ihn der Cl-efredakteur, dafür zu sorgen, daß Frau Steinheil sich in Schutzhaft begebe, denn sonst würde sie, wenn der Bericht bekannt würde, in ihrem Hause ihres Leberts nicht mehr sicher sein, die Menge würde das Haus stürmen. Als die beiden Redakteure am Morgen nach dem Geständnis der Frau Steinheil das Haus verließen, beauftragten sie ihren Kollegen Barby, dazvbleiben, damit nicht etwa die alte Frau M«lf aus Rache der Angeklagten ein Leid antue. Frau Stein heil hat Barby gegenüber Befürchtungen geäußert, das; Frau Wols und ihr Sohn sie verderben könnten; namentlich hegte sie Angst, Wolf könne angeben, er sei von ihr zu der Tat gedungen worden. Der Zeuge bekundet weiter, Frau Steinheil habe Gift von ihm verlangt, um ft eiwillig aus dem Leben zu scheiden. Später habe ihr Frau Wolf Tee gebracht und die beiden Frauen seien sich weinend in die Arme gesunken. Bei dieser rührenden Szene soll Frau Wolf gesagt haben, sie werde alles ableugnen, wenn man sie fragen wolle, wenigstens hat dies Frau Steinheil dem Zeugen gegenüber erklärt. Nachdem Frau Steinheil noch eine Unter* rebung mit der Frau Wolf gehabt hatte, äußerte sie ihre Bereit-' Willigkeit, freiwillig ins Gefängnis zu gehen. Ein Ehepaar Chabrier, das mit der Familie Steinheil verwandt ist, bekundet, daß Steinheil seine Frau zärtlich geliebt habe. Ob diese Liebe gegenseitig war, können die Zeugen allerdings nicht sagen. Frau Cbabrier war in der Nacht des 26. November in der Küche bei Frau Wolf. Diese habe einen Revolver in den Händen gehabt und Selbstmordgedanken geäußert. Auch mit Leuchtgas wollte sich die Frau vergiften, weil der Verbäckst ber Täterschaft auf sie und ihren Sohn Alexandre gefallen sei. Darauf wurden die Verhandlungen abgebrochen. *
Die heutige Verhandlung läßt sich ziemlich nüchtern an. Jist Einverständnis mit dem Staatsanwalt wird eine Reihe Zeugest entlassen. Tcum erscheint Frau Mariette Wolf als Zeugist im Saale, eine schon etwas gebücktgehendc Frau von 60 Jahren, mit faltigen Gesichtszügen, aber robustem Körperbau. Sie ist scbück.tern und sehr zurückhaltend mit ihren Äußerungen, namentlich soweit sich die Fragen auf das intime Leben ber Familie Steinheil beziehen. Tie Zeugin scheint ziemlich 'kurzsichtig zu zu sein, denn sie läßt verschiedentlich ihre Augen ausdruckslos auf der Angeklagten ruhen, bie ihrerseits den Aussagen der altert Vertrauten mit großer Aufmerksamkeit folgt. Bekanntlich wird vielfach angenommen, daß die alte Frau Wolf mehr Don dem Morde weiß, als sie bisher vor dem Untersuchungsrichter ausgesagt hat. Vorläufig ergeben ihre Bekundungen feine interessanten Tatsachen. Die Zeugin erklärt auf Befragen, daß sie feit 15 Jahren bei ber Familie Steinheil nn Dienste stehe und stets gut behandelt worben sei. Ihr monatliches Gehalt habe 60 Franks betragen. Frau Steinbeil habe ihr in der Wirtschaft ge^rlfen, sodaß ihr ber Dienst nicht schwer fiel. Daß ihre Herrin Liebhaber hatte.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 11. November 1909.
" Als Geschworene für die am 6. Dezember be- ' ginnende Schwurgerichlsperiode sind folgende Herren ausgelost worden: Kaufmann Otto Jost in Nidda, Ziegelei- bentzer Friedr. Vogt in Butzbach, Beigeordneter Kasp. Ludw. Hohler in Angenrod, Landwirt Hch. Henn. Bausch in Nieder- . Wöllstadt, Bürgermeister Gg. Knecht in Mittel-Gründau, Landwirt Alb. Knickei in Alt-Wiedermus, Kaufmann Adolf Simon in Schotten, Direktor Karl Scheffzick in Nieder-Obmen, Metzger Karl Christian Pröscher in Schotten, Kaufmann Herm. Aug. Christ in Grünberg, Bürgermeister Karl Reichardt in Rabertshausen, Landwirt Gg. Wilh. Rau in Stammhemi, Molkereibesitzer Wilh. Frey tn Lang-Göns, Landwirt Job. Quirin tn Harheim, Professor Johs. Biermann in Gießen, Hauptlehrer Ludw. Traber in Gießen, Kaufmann Nud. Guter- muth in Großen-Linden, Privatier Otto Alex. HöreS in Echzell, Kaufmann Friedrich Ohlemutz in Gambach, Metzger Beruh. Duchardt I. in Alsfeld, Metzger JohS. Hch. Rühl in Schotten, Oekonom Karl Heil II. in Butzbach, Landwirt Johs. Günther IX. in Meiches, Müller Theodor Stein in Grün- berg, Fabrikant Friedr. Zöller II. in Schlitz, Landwirt Hch. Stichler in Stumpertenrod, Landwirt Hch. Uhl in Eichels- borf, Beigeordneter Franz Karl Schweitzer in Nieder-Mörlen, Müller Hch. Konr. Zimmer in Grünberg, Gemeinderechner Hch. Bar III. in Groß-Karben.
** Fortschrittlicher politischer Bildunas- ü er ein. Man schreibt uns: Da in größeren Versammlungen eine gründliche Einführung in bie Bürger- tunbe und Politik nicht möglich ist, so hat der fortschr.-polit. Bildungsverem einen besonderen Arbeitsabend eingerichtet, an dem im Anschluß an die Lektüre einschlägiger Schriften grundlegende Kenntnisse und Aufklärung auch über elementare Fragen gewonnen werden sollen. Der Beginn ist auf heute abend 8i/2 Uhr im Kaiserhof festgesetzt. Herren und Damen, die teilnehmen wollen, rerben gebeten, sich in dem reservierten Zimmer im oberen Stock einzufinden. — .Freitag, 19. Nov., wird im Hotel Schütz die zweite M o n a t s v e r s a m m l u n g stattfinden, bei der Gäste herzlich williommen sind. Prof. Ur stad t wird über „bie Volksbewegung von 1 848 und ihre Bedeutung für die Gegenwart" sprechen. Im Januar 1910 wird der junge Verein zum erstenmal durch eine Volksversammlung an die Öffentlichkeit treten. Als Redner ist dafür Pfarrer Lic. Traub-Dortmund gewonnen.
** Wasserleitunasarbeiten. Die Arbeiten am neuen Rohrstrange der Gießener Wasserleitung, jenseits des .Hochbehälters an der Grünberger Straße, gehen ihrem Ende entgegen. Das schöne Wetter der letzten 14 Tage hat ihren Fortgang günstig beeinflußt. Tas Ausheben der Rohrschachte erforderte viel Mühe, denn es mußte der felsige Untergrunb auf längere Strecken mit Dynamit gesprengt werden.
= Großen-Linden, 10. Nov. Bei ber am 9. b. M. Dorgenommenen Wahl eines Rechners ber Spar- unb Vorschuß-Aklien-Kasse hier wurde Herr Johs. Luh IX an Stelle seines verstorbenen Vaters gewählt. Tie Wahl eines Beigeordneten für den verstorbenen Johs. Luh V. finbet am 18. November statt.
x Ehringshausen, 10. Nov. Unfere Gemeinbe- behörde hat sich zur Herstellung einer Wasserleitung entschlossen und dafür -Duellenschürfungsarbeiten im Distrikt „Alte Weiher" ausgeschrieben.
X Mücke, 10. Nov. Die benachbarten Eisensteinbergwerke zu Weitershain, Stockhausen unb Jlsborf haben eben tüchtige Förberung. Täglich geht eine ganze Reihe von Waggons ab. Tas ist em Beweis bavon, baß bie Eisenindustrie ihren jüngsten Tiefstand überwunden hat. — In N ieder-Ohm en geriet der dortige Bürgermeister und Mckihlenbesitzer Neeb mit der linken Hand in das Mühlengetriebe. Der Daumen ber linken Hand mürbe ihm hierbei abgerissen. _ _
n. Schlitz x9. Nov. Ter Bau bes stäb tisch en Elektrizitätswerkes geht bank ber günstigen Witterung der letzten Wochen feiner balbigen Vollendung entgegen. , Man hofft, schon Mitte Dezember das Werk in Betrieb scheu ;U können. Froh wird man dann darüber sein, wenn bie : Oellaternen, die doch nur ein kümmerliches Licht spendeten, ; von Den Straßen verschwinden, und elektrische Straßenbeleuchtung an ihre Stelle tritt — Das zu gleicher Zeit , eriwrijtp gräfliche Elektrizitätswerk soll nächste
Woche den Betrieb ausnehmen. Zirka 400 elektrische Flammen sorgen für bie Beleuchtung im gräflichen Schlosse, der Hallenburg.
§ Aus dem Vogelsberg, 10. Otoö. Die Kramche, )ie in diesen Tagen nach dem Süden zogen, sind Boten des 'ommenden Winters gewesen. Er ist ihnen auf dem Fluge gefolgt. 9hm hat endlich auch der Blattabfall ein' gesetzt. So spät bemerkt man selten den Wald in feinem Blättergewand stehen wie Heuer. Das soll nach der Meinung der Alten einen strengen Winter bedeuten. Dem letzt aber ein anderes untrüglicheres Zeichen entgegen, das )as Verhalten der Jniektenwelt abgibt. Ist ein strenger Winter zu erwarten, bann verharzen unb verkleben die Bienen alle Ritzen und Risse ihrer Wohnungen so stark, daß man nicht ohne Mühe bie abschließenden Fensterrahmen herausziehen kann. Die starke Verlsttrzung ist in diesem Herbste nicht bemerkbar. Den späten Wegzug der Kraniche, die man immer wieder fälschlich als „Schneegänse" bezeichnet, sieht man gleichfalls als Vorboten eines gelinden Winters an. \
w. Wetzlar, 10. Nov. Die Arbeiten am Bahu- h o f nehmen einen guten Fortgang. , Während die Unter* führung der Strecke Gießen-Kvln bereits vollendet ist, hofft man, die übrigen Unterführungen bis zum Februar fertig zu stellen. Auch der neue Güterschuppen ist in feinem äußeren Aufbau vollendet.
Die Arbeit des Reichstags.
Tas Arbeitspensum, welches den Reichstag in rr kommenden Session beschäftigen wird, wird nach der „Franks. Ztg." sich wie folgt gestalten: Gleich am Tage des Zusammentritts werden vorliegen: der deutsch-portugiesische Handelsvertrag, das Reichsbeamtenhaftpflichtgesetz, die neue Strafprozeßordnung und die 'Novelle zum Sttafgesetzbuch. Im Laufe des Dezember kommen hinzu: der Etat, der Entwurf über das deutsch-englische .^andelsprovisorium, ein Nachtragsetat zum Militär- (tat, ein Ütotgesetz über die Hinausschiebung bes Termins bes Inkrafttretens der Wttwen- und Waisenversicherung, eine Novelle zum Talonsteuergesetz. Für die Ntonate Januar und Februar werden bie (Httwürfe über die Reichsversicherungsordnung unb vielleicht auch das Arbeitskammergesetz zur Vorlage gebracht werden, doch stehen Beschlüsse über Art und Zeitpunkt der Einbringung noch au5.
Gegenüber den Erörterungen, welche sich an die Einbringung des Nachtragsetats im Bundesrate geknüpft haben, wftd von zuständiger Seite mitgeteilt, daß dieser Etat keinerlei andere Ansätze enthält als diejenigen, über welche in den Reichsfinanzgesetzen Bestimmung getroffen hrorben ist. Sein Einbringen war bereits im Sommer beim Auseinanbergehen des Reichstages zugesagt. Die einzelnen Posten, insbesotrdere die erhöhten Beamtenbesoldungen, die rückständigen Mattikularbeittäge und die Fehlbeträge der letzten Jahre sind der Oeffeittlichkeit seit längerem zahlenmäßig bekannt; namenttich lassen sich auch die ungedeckten Mattikularbeittäge für das Rechnungsjahr 1909 schon aus dem bauptetat dieses Jahres errechnen. Der Nachtragsetat bient so- tiit ausschließlich dem formellen Zwecke, eine etatsmäßige Gc- samtfeststellung jener Beträge herbeizuführen. Heber den Zeitpunkt und die Art der Begebung des im Nachttagsetat zusammen- gefaßten Bedarfs wird, wie bereits vor einiger Zett bemerkt Karde, erst später eine Entschließung getroffen werden.
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November d. Iß. an 8 u en auf bem Surgetmeiiic
jooember 1909. SU Burkhardsfelden.
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Jen der MW Gemarkung Giebeu links bei hung bringen wir fiiennc 1 'rmeisierei Wen, 'eiter, lchiiig.
BOifa 1909 to SÄ1 ür LllndivirtjMlt, öamll >n MbrreimgungSbrilckÜW insbaÄ und Ä'War tu 1
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