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13.4.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

158. Jahrgang

Dienstag 13. April 1909

Nr. 85/4 Ter Gießener Hnzeivrr erscheint täglich, qiiw* Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SlekenerLamiNrilblätter; Lweirnal wöcheiul.ttreir» blattsürdenKreirSiegen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land­wirtschaftliche Zeitfragen Fern sprech- Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresle für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Zur Lage in Persien.

Wie das Reutersche Bureau aus ALuscbehr meldet, hat bet britische KreuzerFox" im Hinblick aus die dort zurzeit herrschende Unsicherheit Truppen gelandet. Bor der Landung der Trupven- abteilung des britischen Kreuzers Fox machte der britische Resident in einer Proklamation bekannt, daß Großbritannien sich zu dieser Maßregel genötigt sehe, weil es an jeder Autorität fehle, die die Sicherheit der Ausländer gewährleisten sonnte. Die Truppen wurden zurückgezogen werden, sobald die Sicherheit wieder­hergestellt sei. i

lichkeit eines russischen Revanche-Krieges. Die Annäherung des verbündeten England an den möglichen Gegner turn morgen dürste den Wert der englischen Allianz in Tokio wohl zweifelhaft er­scheinen lassen. Die Nachricht des Wiener Blattes wird in diplo- matischen Kreisen für glaubwürdig gehalten. Ans der Wiener javanischen Botschaft jedoch werden die Gerüchte von einer bevor- ftebenben Kündigiing des japanisch-englischen Bündnisses als der­zeit verfrüht bezeichnet. Zu einer solchen Kündigung liege ougeip blicklich keinerlei Grund vor.

-poLetssche Lagss-eha«.

Nachsteuer für Tabak.

Nachdem schon vor einiger Zeit ein Artikel in die Presse -p'langt ist, das: vom 1. April an eine Sperre für Tabakimporte st'ittsinden locrbe, macht jetzt eine 9cotiz die Runde, wonach eine ^achversteuernilg auch von Tabaljabrikaten stattsinden soll. Der Äeriuch, den Ursprung dieser Verlaut.barungeii festzustellen, führte, '< schreibt der Borstand deS Deutschen Täbakvereius, aus offiziöse Spuren. Es ist sehr bedauerlich, so heißt es in dieser Ber- riiifelltlichung weiter, daß mau daS Tabakgewerbe, welches nun jon seit Jahr und Tag durch die ilteuausrollung der Tabak­sti uersrage in Aufregung und Ungewißheit versetzt ist, auch noch l'!irch derartige Nachrichten quält. Selbstverständlich muß, falls t ne Mehrbelastung des Tabaks eintreten sollte, eine Nachversteue- i mg und Nachverzollung der Borräte an versteuertem oder ver- zulltem Rohtaoal und wohl auch an halb- und ganz entrippten itiib geschnittenen Eiulagelabaken stattsinden. Es ist nicht im (Äittercffe des Erwerbszweiges gelegen, daß einzelne spekulative Firmen ihre Kapitalkraft lollten benutzen können, um itad) Ein- t«itt der höheren Reichsabgaben aus dem Tabak noch in der Lage ja sein, den kapitolschwachen Firmen, welche nicht vorversteuern

Deutsches ReLch.

Der sächsische Staatsmini st er Hohenthal hat für den 1. Juli d. I. den erbetenen Abschied erhalten. Als Nach­folger Hohenthals ist der sächsische Gesandte in Berlin, Graf Bitz tum v. Eckst ädt, in Aussicht genommen.

Der deutsche Kronprinz wird, wie dieGrazerTages­post" aus bester Quelle erfährt, int Juli oder August den Kaiser Franz Josef in Ischl besuchen und den Hosjagden beiwohnen.

Die demokratische Bereinigung hat am Oster­montag in Berlin ihren ersten Delegiertentag abgehalten, her von etwa 150 Beauftragten besucht war. Dr. Barth sprach über die Notwendigkeit einer parlamentarischen Regierungsform. Im nächsten Jahre will man in Köln tagen.

General D i n g t s ch a n g , der neue chinesische Gesandte für Berlin, ist in der Reichshauptstadt eingetroffen.

Der Herzog von Arenberg in Brüssel hat, wie ver­lautet, die ihm vom Zentrum angebotene Reichstags-Kandidatur int Wahlkreise Lüdinghausen angenommen.

Die Tarisrevision der vereinigten Staaten.

i.

Die Bereinigten Staaten von Nordamerika, die in der glück­lichen Lage sind, bei der Ausstellung ihrer Zollsätze keine Rück­sicht aus andere Lauder nehmen zu müssen, haben jetzt einen neuen Tariseutwurs aufgestellt. Er ist bereits am 15. März dieses Jahres dem Kongreß unterbreitet worden.

Als biefer Tarifentwurf noch nicht bekannt war, hegte man namentlich bei uns in Deutschland die Hoffnung, daß er zahlreiche

Bülow und Tittoni.

Die Beziehungen Italiens zu Deutschland und Oester­reich-Ungarn sind neuerdings gerade in Italien zum Gegen­stände von mancherlei Erörterungen gemacht worden. Mau empfand es gerade in Italien selbst am besten, daß eine ge­wiße Kühle in diese Beziehungen infolge der jüngsten Eretg- niffe hineingekommen war. Unter diesen Umständen sah man mit besonderem Interesse dem Besuche des deutschen Reichs­kanzlers in Italien entgegen. In Venedig, wo Fürst Bülow das Osterfest verlebte, hat denn auch schon eine Begegnung zwischen ihm und dem italienischen Minister deS Auswärtigen. Tiltoni, stattgesunden. 9(m 1. Osterfeiertage, vormittags, traf Tittoni, begleitet von seinem Sekretär Don Livio Cactani, zum Besuch des Reichskanzlers Fürsten v. Bülow in Venedig ein. Um 1 Uhr fand bei dem Reichskanzler nn Hotel Britannia zu Ehren TittoniS ein Frühstück statt. Außer dem Fürsten und der Fürstin von Bülow nahmen daran teil: die Mutter der Fürstin Donna Laura Mingbetti, Herr Tittoni, Don Livir Caetani, Senator Blaserna, der Präfekt von Venedig Graf Nasalli Rocca, der Bürgermeister von Venedig Gras Grimani, der deutsche Konsul Rechsteiner mit Gemahlin und Tochter, Admiral Viotti, Gesandter v. Flotow und Haupt­mann v. Schwartzkoppen. Ter Reichskanzler und Tittoni hatten vor und nach der Frühstückstafel längere Besprech­ungen. Abends gab Tittoni zu Ehren bc3 Fürsten und der Fürstin v. Bülow ein Diner.

Zu dem Besuche des Ministers Tittoni beim deutschen Reichskanzler Fürsten von Bülow in Venedig schreibt die iribuna:Wie leicht vorauszusehen war, hat Minister iittoni eine angenehme Pflicht erfüllt und sich nach Venedig begeben, um den Fürsten von Bülow zu begrüßen, der feiner Ilpupathischen Gewohnheit gemäß auch in diesem Jahre feine kurzen Ferien in Italien verbringt. Die Zusammenkunft der leiden Staatsmänner ist durchaus intimer Natur. Sie ist «icwiß ein Beweis der zwischen ihnen bestehenden herzlichen '.riöulichen Beziehungen rind der sehr herzlichen Beziehungen, L'c Italien und Deutschland verbinden, sie ist aber nicht Ltivd) polnische Gründe veranlaßt und deshalb nicht be- 1 .mimt, politische Folgen zu zeitigen. DaS schließt von vorn­herein die von gewissen Blättern veröffentlichten Phantastereien !,insichtlich einer Verstärkung oder einer vorzeitigen Erneuerung Q"j Dreibundes aus. Der Dreibund hat nicht nötig, ver­markt zu werden und niemand hat jemals daran gedacht, i hn außer der Zeit zu erneuern.

''Rach dem Diner im Hotel Danieli reifte Tittoni gestern abenb nach Rom ab.

Äezugsp reis: monatlich 75Ps., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.viertel- jährl. ausschl, Beslellg. Zeilenpreis: lokal IbPs-, aufwärts 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuille­ton undVermischtes* K. Neurath; fürStabt u. Land" undGerichts-

KEemes FersMeton.

DaS Leichenbegängnis S o n u e n t h a l s hat am Donnerstag in Wien slatt'gefuuden. Im Trauerhaufe hatte sich der Fberslho'ineister Fürst von Montenuovo eiuqefunden. Unter deu Frauerpästen bemnb sich der diplomatische Agent von Bulgarien, cmvafuiv, in Vertretung des Fürsten von Bulgarien, Vizebüraer- nicifler Stierhammer, ' mehrere Herrenhausmitglieder, zahlreiche v.jcaterbirelkncn, Schauspieler, Vertreter von Kunst und Wissen- j">asl, von Literalnr und Presse. Ter Zug ging zuerst zum Burg- i-teaier, wo eine Komparserie und das Chorverjonal Sounenthal - e letzten Grüße darbrachten, und von liier nach dem Döblinger i". isdhoi^ Am Grabe sprachen Direktor Schlei,lher, Vizebürger- >! elfter Slierhammer im Namen der Stadt Wien, der Direktor der Wiener Hosoper, Weingartner, der Delegierte der Münchener Hof- lmhne u. a.

Rosegger und d i e Parteien. TerTürmer" IjMttc aus deinHcimgartcn" eine Aeußerung Roseggers mit- gwteift, die sich kurz iu den Satz zusammendrängen läßt, daß er Inin er unicrcr Pnrteieil angehöicn körnte.Auf diese Aenße- rung", schreibt nun Meister Rosegger selbst im letzten Heft seiner Zätschrist,ist imTürmer" warmherzig entgegnet worden, daß icriibc freie undhöherstehende" Menschen zu den verlotterten L irteieit hcrabsteigen müßten, um sie zu veredeln. Das ist schön dLb ideal gedacht, und manchem, der die richtige Haut dazu hat, n ;g'S wohl gelingen, eine verlotterte Partei günstig zu becin- lusscn, wenn er nicht früher hinausgeworfen wird. Gc Sehnlich pflegt derFreie", derBessere", der in einer Partei cii und bleiben will, die Farbe der Mehrzahl auzunehmen, sonst i'QTiic er ja zu keiner Gclcung. Die Partei wählt den Führer, c. ihr paßt, und sobald er nicht int Sinne der Parteiführt", oE:b cc abgesetzt. DaS wiederholt sich alle Tage. Wer Großes jc(, der tut am besten, eine neue Partei zu gründen, statt sich iner verdorbenen anzuschließen. Es ist dankbarer, Gleichgesinnte u sammeln und zu leiten, als eine wilde Menge von Quer Men zurechtriickcn zu wollen. Und wenn sie dir schon heute oLzt, morgen folgt sie einem andern- Ich gehöre ja gewiß auch

Ausland.

A n t i p a t r i o t i s ch e Agitation in Oesterreich. Gleichwie dieser Tage in Prag wurden auch in zahlreichen tsche­chischen Städten Mährens Hausdurchsuchungen bei den Vorstands­mitgliedern der tschechischen nationalsozialcu Organisationen vor­genommen. Wie verlautet, wurden dabei Schriftstücke antipatrio­tischen und antimilitärischcn Inhalts beschlagnahmt.

Streik. Die Angestellten der Straßenbahn-Gesellschaft und ein Teil der Angestellten der Mnnizipalbahn haben gestern in einer stark besuchten Versammlung in London beschlossen, sofort den allgemeinen Ausstand zu beginnen.

Das portugiesische Kabinett setzt sich endgültig wie folgt zusammen: Vorsitz und Krieg Sebastian Telles, Justiz Graf Eastro de Solla, Finanzen Soares Branco, Inneres Eabrol, Aeußeres Alareao, Oeffentliche Arbeiten und Handel Luis Eastro, Marine und Kolonien Cotinho.

Bombenexplosionen in Spanien. Madrider Blöt- termeldungen zufolge, explodierte Samstag nachmittag in Barce­lona in einer Kanalisationsröhre wieder eine Bombe, wodurch großer Schaden angerichtet wurde. Verletzt wurde niemand. Einige Blätter melden, cs handle sich lediglich um eine Petarde. In Barcelona platzte gestern abend wiederum eine Bombe, ohne jedoch jemand zu verletzen. Die Bombe gleicht denjenigen, die an den vorhergehenden Tagen explodierten.

Reichstagsersahwahl.

Bei der am 6. April im 18. hannoverschen Wahlkreis voll- zogenen ReichstcigSersatzmahl ivurben nach der amtlichen Zählung inSgesautt 22135 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf beit Hofbesitzer Dr. Vovve (natL) 6428, am den Arbeitersekretär Rhein «Sozialdemokrat) 5850, auf den Hofbesitzer Klcwemmm (Bund der Landwirte) 5059, am den Direktor Dr. Boehmert (freisinnig) 2418 und auf den Gutsbesitzer v. d. Decken (Welse) 2374 Stimmen: zer­splittert waren 11 Stimmen. Demnach bat Stichwahl slattzusmdeu zwischen Dr. Hoppe (natl) und Rhein (Soz.).

Wie Castro ausgcwicsen wurde.

In Fort dc France ist es dem ehemaligen Diktator von Vene­zuela, Eastro, sehr schlecht ergangen. Ihm wurde dort von den franzönschcn Behörden bedeutet, sofort loieber abzureisen, widrigen- salls er gewaltsam ausgewiesen werden würde. Ferner wurde ihm eröffnet, das; er bei Widerstand eventuell mit Gefängnis be­straft werden fönntc. Alles das hat Castro nun aber nicht aoge- hal.ten. Widerstand zu leisten. Castros Weigerung, abzureisen, weil er dazu unfähig sei, war so hartnäckig, daß der Gouverneur Foureau gestern wieder eine Untersuchung durch drei Aerzlc an- ordnete. Die Uiltersuchung ergab, daß bic Reise das Leben Castros nicht gesährden würde. Als Castro je inen Widerstand trotzdem sortsetztc, wurde die Anwendung von Gewalt bewhleu. Das Er­scheinen von Gendarmen int Hotel lockte eine tobende Menge an. Da Castro sich weigerte, sich anzukleioeu, wurde er aus seiner Mat-ratze in die Tragbalwe gelegt und eine Meile iueit nach dem Dampfer gebracht. Ter Transport schien il-m Schmerzen zu verursachen. Der DampferBerfaiUeS" mit Castro an Bord ging am Oftersonutag um 9 Uhr abends nach St. Nazaire in See. Die Pariser Moigenblätter melden aus St. Martinique: Castro fürchtet bei seinem Eintreffen in St. Nazaire in Haft genommen zu werden. Er wünjcht nach Spanien zu gehen und sich von dort nach Teneriffa zu begeben.

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Tie Biindnismiidigleit Japans.

Die Japaner sind schlaue Geschäftsleute und haben, wie es jetzt scheint, die innere Wertlosigkeit ihres heutigen Bündnisses mit England erkannt. Wie der Wiener Allgemeinen Zeitung aus Loudon gemeldet wird, sollen die Japaner die Absicht haben, das Bündnis mit England zu kündigen. Das japauisch^englische Blind- ms wurde 1905 out 10 Fahre abgeschlossen, kann aber jährlich gekündigt werden. Als Gnuid für die beabsichtigte Kündigung wird angegeben einmal der heftige wirtschaftliche Konkiirrenz- kampf Englands in China und dann djc Entente zwischen Eng'.and und Rutzland. In Japan rechnet man noch immer mit der Mpg-

Der Mangel an Marineärzten

ist bei den diesjährigen Bcihandlungen der Budgetkomwission deS Reichstages zur Sprache gebracht. Wie man uns schreibt, ist dieier Mangel darauf zurückzufülyten, daß seit der Trennung des Armee-L-amtätsofsizierkorps von dem der Marine eine Reil)« von Jahren kein Ersatz aus der Kaiser Wilhelnr-Akademie zugeslossen ist. Da der Ersatz aus den Aerzten deS BeiirlaiibteiistandcS der Marine nicht ausreichte, um die unbesetzten Stellen zu ergänzen, so ift die Mariuevei'waltuug seit bem Jahre 1007 wicbernm dazu übergcgaugeu, durch Studierende der Kaiser Wilhelm-Akadcmic ihr ^auitätSosfizierkorps zu verstärken, um den seit diesem Jalw erheblich gestiegenen Bcdars au Marineärzten zu decken. Es werden zu diesem Zweck halbjährlich je 0 Studierende in die Akademie eingestellt, so daß dort nunmei'yr ständig 60 Studierend« zum Eintritt in das Marincosfizierkorps vorbcrcitet werden.

oder vvrvcrzollen konnten, durch Osserten zu allen Preisen den Wettbewerb zu erschweren; deshalb muß Nachsteuer emtreten. Eine jolck)« ift auch vom Deutschen Tabakverein befürwortet, worden und im Antrag Dr. Weber-Mommsen entl>alten. Daß es ein Unsinn ist, außerdem noch ein Spcrrgesetz zu erlassen, liegt auf d/r Hand. Wenn das Reichsschatzamt nunmehr der Meinung ift, daß auch eine Nachversteuerilug und Nachvcrzollinig der Fabri­kate stallsinden soll, so muß von der größeren Rücksichtnahme auf gegebene Verhältnisse, die der Reichstag zu üben gewohnt ist, gehofft iverben, daß das Rcichsschatzamt mit einem solchen Ver­haben kein Glück hat. Zahlreiche Händler mit Taoaksabrikaten würden nicht in der Lage sein, den Nachsteuerbetrag aufzuöringeu und dadurch ruiniert werden. Außerdem würde beispielsweise eine JKadmerücucrung in der Schnupstabaksabrikatiou, in welcher der Fabrikaliousprozeß zum Teil jahrelcnig dauert, die allergrößte Ungercchligkett bedeuten, die man sich nur denken könnte.

kreisen noch heute erzählt. In bitterer Wiuterkälle ging der Prinz von Wales mit seinem Adjutanten zu Fuß durch die Straßen. Der Prinz hatte kalte Hände. Ta Farn ihm ein soudcrbacer Ein­sal! : an der Straßenecke stand einer jener kleinen .Händler, bic in London im Winter heiße Kartosseln zu verkaufen pflogen. Der Prinz kaufte zwei schöne große heiße Kartoffeln und bei? Adjutant folgte dein Beispiel. Man gab dem Händler seine paar Pence, steckte die KErtosfeln in die rechte und die linke Rock­tasche und hielt sie dort in den Händen, um sich zu wärmen. Der Händler hatte den Pnnzen ivohl erkannt, aber schweigend und ohne es zu zeigen seinen Kauflohn Eingenommen. Am nächsten Tage aber prangten an seinem Stand in leuchtender Flammenschrist bic Worte:Hoflieferant bcs Prinzen von Wales." Schließlich erfuhr auch ber Prinz bavou und lachenb wies er bem schlauen Handelsmann ein ansehuttches Geschenk zu, freilieb mit der Be­dingung, die schone lichte Reklmnc künftig zu entfernen.

Kleine Chronik aus K u n st u n d W i s s e n s ch a f t. Der Dichter Algernon Clmrles Lwinburue ist am. Samstag ge Kor beit. Ter MUöioe eröffnete aut 10. d. M. den archäo­logischen Kongreß in Kairo, zu bem 800 Teilnehmer erschienen waren. Caruso löste seine Newyorker Berlräge u. reist nach EurovN! ab, ;veil er sein« Stimme zu verlieren fürchtet. - Tie erste Aüs- ttchrung vonEines Engländers Hei m" führte int Neuen Theater zu Berlin am Owersonntagc zu einem großen Skandal intb zum Abbruch der Boritelluiig. Am Ostermontag war bei ber Wiederholung des Stückes das Theater nur schwach besetzt I'arin wiederbotte sich. Die Abfahrt von A in u u d s e n s ne7>.v Nordpol Exvedi tion soll nm 2. Januar 1910 erfolgen. xSiu Juni desfelben Wahres ipttl er in lyait Francisco fein, ynb der 9»e>t bcs Sommers sott dazu verwandt werben, eine nunitigc Oeffnung des Elf cs zu suchen. - - Die A nti-Duell- ~tga fetzt cinen Preis aus von 1000 Kronen für bic beste M- taublung über Die F-rago:Welckws sind die Ideen, nach welchen!

1111 ^'"'^^'U'üNck)>en <2inne erzogen werden fönntc9" Tic Arbeiten uumeii b.s Mi testens 31. Dezember 1909 bei bem üral Bitrean in Budapest einaeveicht werden. Arbeiten können in Deutsch, Französisch, Italienisch übec Englifch abgefatzt fein. 7

zu einer Partei, und zwar zur Partei der Parteilosen, wo her Richter, der Lehrer, der Dichter, ja selbst der König steht oder zu stehen hat. Wer etwas bewegen will, der muß außer­halb desselben stehen. Daö hat mir vor länger als zweitausend Jahren schon Archimcdcs nachgeschricben."

Anekdoten von König Eduard erzählt Henri Nieollc in einem neuen Bilche, das er jetzt unter dem Titel ,,Lcs Souverains cn pantousles" verössentlicht. Bor kinzcm, bei der Einweihung einer Ausstellung, mußte König Eduard eine Menschen­menge durchschreiten, durch bic bic Polizisten ihm nur mit Mühe einen Weg bahnen konnten. In der Menge bcsanb sich auch ein Hinkender, der in dem Eifer', schnell beifeite zu treten, seinen Krückstock fallen ließ. König Eduard bückte sich, I)cb den Stock auf, reichte ihn dem Manne mit ruhiger Selbstverständlichkeit und ging weiter. Die kleine Szene sollte ein Nachspiel haben: wenige Tage später empsiug der König von einem Auonmnus einen kost­baren Spazierstixk, iu bem das Datum des Vorfalles eingraviert war, und einige dankbare Widmungsworte. Ein anderer Vorfall geht aus das Jahr 1903 zurück, als Eduard VII. offiziell als König in Paris weilte. Bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Remien zu LongchampS verfolgte er, an ber Seite Loubels, mit gewohnter Spannung die SportSereiguissc. Plötzlich zieht ein Schatten über fein Gesicht; er läßt das Glas sinken und blickt mit unzufriedener Miene umher. Der Offizier, ber bei ihm Ehrendienst versah, wurde besorgt ^inid fragte den König nach der Ursache seiner Unzufriedenheit.Sehen Sip doch nur", sagte der .slöuig leise,sehen Sie, wie die Polizei diese arme Frau da unten l>el)audelt: Sie würden mir einen Gesallen tun, wenn Sie dafür sorgten, daß mau amhört, sie zu belästigen." Wenige Augenblicke später führte man di« erstaunte Frau, eine arme Händlerin, die sich aus dem Rennplatz wenig zuhause suhlte, aus die Tribüne und wies ihr einen Platz an. Der König war zufrieden und nahm das GlaS wieder zur .Hand, um das Rennen zu verfolgen. Er hatte geniertet und das Glück mar ihm günstig:Zar" ging als Erster durchs Ziel.Sehen Sie", fugte der König lächelnd,Zar" bat gewonnen uub ich kann eine hübsche Summe beim Totalisator abheben. Dün'c kleine gute Frau hat mir Gluck gebracht." Ein anderer Vorfall aus seiner Prinzenzeit wird in Londoner Hof-

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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