1 LV. Jahrgang
Erstes Blatt
Mittwoch 12. Mai 1NVS
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Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; s Feuilleton und „Vermischtes" K. Neurath; für „Stadt u.Land" und „Gerichts-
Nr.llv
Der Eietzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich Siehener§amilienb!ät1er; zweimal wöcheml.Areir- blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitsragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, „ _
'ZLS General-Anzeiger für Oberhefsen bis vörnstttags"^"uhr^ Rotattonröruck ANd Verlag der vruhl'schen Univ.-Vuch- «nd StemdruSerek R. Lange. Redaktion, Erpedition und Drudereh Lchulstratze 7. A°zeigenteü?'H.^BÄ
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Vie Monarchenbegegmmg von Brindisi.
Heute findet in Brindisi eine Begegnung zwischen dem deutschen ft'otferpaare und dem italienischen Königspaare statt. Der Begegnung wohnen der italienische Minister Tittoni und der neue deutsche Botschafter in Rom, v. Jagow, sowie der deutsche Militär- und der Marineattacho bei. Eine gründliche politische Aussprache ist somit wahrscheinlich. An Stoff KU einer solchen Aussprache fehlt es ja keineswegs. Italien ist nun einmal im Dreibund das enfant terrible, das ich die „gewagtesten Extratouren" leistete und solche als ein gutes Recht in Anspruch nahm. Das Liebeswerben von seiten Frankreichs und Englands ist manchen Leuten im Lpenninenreiche zu Kopse gestiegen und ment möchte von dieser Seite nun am liebsten Deutschland einen Eselstritt versetzen. So leicht ist das aber nicht, es gibt doch immer noch Leute, die sehr wohl wissen, welche Vorteile Italien ms Dreibundverhältnis gebracht hat, da es in dieser Zeit in wirtschaftlicher Hinsicht völlig gesunden konnte, nachdem ftas Land jahrzehntelang in finanzieller Hinsicht ganz und *qar darniederlag; der Spatz in der Hand ist besser als die Daube auf dem Dache, und wer kann wissen, was aus der Freundschaft mit England und Frankreich herausschauen kivird.
Eine italienische Zeitung „Vita" gibt in einem Artikel :-ber die Zusammenkunft in Brindisi dem Wunsche Ausdruck, »laß die Beziehungen beider Völker die frühere, vertrauensvolle Intimität lviedergewinnen mögen. Kaiser Wilhelm sei ein wahrer Vertreter des großen Volkes, dessen berühmtste Schriftsteller Italien liebten und diese Liebe den achkommenden Geschlechtern einpflanzten. Kaiser Wilh.lm Rönne daher auch fernerhin nur ein Bündnis mit dem Lande üinschen, dem Goethe glühende Begeisterung entgegenge- Lirad)t habe.
Freilich wird die Zahl derer, die so denken, in Italien _ inner geringer, die Volksstimmung ist eine andere, und i ie wird durch gewisse Elemente in dreibundfeindlichem (Änne unablässig genährt. Allerdings ist es nicht so sehr die Abneigung gegen Deutschland, welche die italienische Politik diese Richtung einschlagen läßt, vielmehr ist es wohl rächt in letzter Linie der Gegensatz zwischen Oesterreich und Italien, der die ganze Stimmung beeinslußt. Man würde e:; am liebsten sehen, wenn alle Gebiete Oesterreichs mit ital. Bevölkerung das Schicksal der früheren nord italienischen Provinzen Oesterreick)s teilten und an das „Mutterland" Helen; daher denn das Märchen von den ,geknechteten" Stammesbrüdern in der Donaumonarchie, daher auch die läufigen Zwischenfälle, bei denen zumeist eine gewissenlose Agitation die Hand int Spiele har. Dazu kommt auch ein Wwisser Gegensatz in der Ballanpolitik beider Länder. Ob- nwhl die Interessen beider Länder int Grunde genommen l°<mm tangieren und beide Länder sehr gut nebeneinander inirken könnten, wird dies verhindert durch die anmaßende Aspiration Italiens, die ohne jeden Schein Rechtsansprüche mif österreichische Gebietsteile erhebt und sich mit rein wirtschaftlichen Vorteilen nicht begnügen möchte. So kam es tomr auch, daß Italien in dein österreichisch-serbischen Konflikt Oesterreich gegenüber eine mehr als laue Haltung amnahm, während sogar England und Frankreich alles daran petzten, einem bewaffneten Konflikte vorzubeugen. Es ge-
inemes LerrMeton.
— In München ist der bekannte Mitarbeiter des „Simplizissimus", Kunstmaler Ferdinand v. Reznieek, trat den Folgen einer Magenoperation gestern gestorbe n. Mit Rezniceks Tode ist eine neue empfindliche Lücke in den Mitarbeiterkreis des Simplizissimus gerissen worden, der man seit knapp ■> i Fahren den Tod des dritten seiner eis ogften Förderer betrauert. Reznieeks Hauptgebiet war die vornehme Welt, die er mit seinen flotten und sorgfältig abgewogenen Zeichnungen vortrefflich schilderte. In der letzten Zeit flachten seine Bilder, auf denen er gern Zwielicht- ssimmungen darstellte, etwas ab.
— Ein unbekanntes Spinoza-Bildnis aus den ZugeNdjahren des Philosophen verössentlicht 'Ernst A l t k i r ch im frühest von „Wester m aNns Monatshescen". Es stellt Lpmoza anbers dar, als Man ihn nach den bisher bekannten Bildern kennt: mit krausem kurzem Haar und Schnurr- unb Backenbart. Es ist das einzige Bildnis, das den gesunden Spinoza umd zwar rnt besten und kräftigsten Jünglingsalter zeigt. Die BattlosiZkeit des Philosophen aus den übrigen überlieferten Por Mts _IäEt sich so erklären, daß er sich in seiner Krankheit, als ttn Haar aussiel oder doch struppig und glanzlos wurde, den '3art abnahm. An der Hand seines neuen Fundes nimmt All
ferner an, daß das lang herabsallende Haupthaar Spinozas aus späterer: Bildern nicht sein echtes Haar zeigt: er üug vielmehr, als sein Leiden, die Schwindsilcht, ihm den Scheitel Plichten begann, der Sitte der Zeit folgend, eine Perücke. Der Se^orragenbe Kenner Spinozas, Constantin Brunner, ist mit rAtrrrch der Meinung, daß hier ein echtes, aus dem Jahre 1600 iianrmendes Porträt des großeir Denkers vorliege. Mil Recht W er hervor, daß es mm .erst möglich wird, das wahrhafte, rArb-rdeale Aussehen Sviiwzas zu bestimmen und ein Porträt wnr rhm zu schaffen, wie es noch 'keines gibt, denn sein Bildnis "2tß gans, bis in ben kleinsten Zug, von der edelsten, heroischen Gesundheit sein, wenn es dem geistigen Wesen des Mannes ent- smechen soll. Hier liegt also eine Ausgabe vor, die ein echtes ^rftlerberz zum Nachschaffen begeistern könnte, und die jetzt erst im Anschluß an ine historische Wahrheit recht zu lösen ist.
— Dentsche Schauspieler an russischen kühnen. Die Rechtlosigkeit, die ans verschiedenen Ge- beeten im russischen Reiche herrscht, ist auch beim dortigen THeatcr anzutreffen. In Ri g a, das srüher eine bedeutende Kolle in der Theaterwelt des Dcntschttims spielte, und itr dessen Stadttheater auch jetzt noch hin und wieder bedeutende Kräfte aus Deutschland Mitwirken, ist es neuer d'ings verlchiedentlich vorgekommen, daß der Engagements- tontraTt durch den Theaterdirektor in Mberechtigter Weise
hört nicht sehr viel dazu, vorauszusehen, daß über kurz oder lang Italien der Schwenkung seiner Politik, die schon seit langem eingetreten ist, auch äußerlich in irgendeiner Form Ausdruck geben wird, unb daß anläßlich der jüngsten Begegnung König Eduards mit Viktor Emanuel grundlegend? Besprechungen in dieser Hinsicht stattgefunden haben. Nunmehr ist auch Kasier Wilhelm mit dem König von Italien Aufammengetroffen, zu einer Aussprache, die trotz des kurzen Aufenthaltes in Brindisi wohl ziemlich gründlich ausfallen dürfte.
Wahrscheinlich möchte Italien am liebsten zwei leisen im Feuer haben, aber es kann auch leicht dahin kommen, daß man sich zwischen zwei Stühle fetzt. Deutschland hat es nicht nötig, von Italien am Gängelband geführt zu werden. Deutschland selbst ift stark genug um ohne die fragwürdige Unterstützung Italiens austornmen zu können, zumal das Verhältnis zwischen Oesterreich und Deutschland noch an Innigkeit zugenommen hat, soweit dies überhaupt mog- lich war ____________________
jpslMscbe gaaesfebem«
Ausstand der französischen Postbeamten.
Tie französischen Postbeamten haben heute nacht in einer im Saale des Hippodroms in Paris abgchaikenen Versammlung be schlossen, in den Ausstand zu treten. Ferner wurde beschlossen, den Verbandsausschuß auszulösen und ihn durch einen Streik- ausschnß zu ersetzen. Die Namen der Mitglieder dieses Ausschlisse? werden geheim gehalten. Ferner ivurde beschlossen, daß über die Wiederausnahme der Arbeit nur durch die Generalversammlung entschieden iverden kann. Schließlich ivurde eine Tagesordnung angenommen, in der es heißt: Tie Beamten, Unterbeamlen und Arbeiter, die sich versammelt haben in demselben Gefühl der Un- abhängigkeit und der Gniyörung über die Illoyalität der Regier- ling, die ihrem Versprechen dadurch untreu geworden ist, daß sie gegen kämvsende Postbeamte vorgegangen ist, weil diese frei ihre Meinung äußerten, verpflichtell sich, die Arbeit niederzulegen unb zu kämpfen, bis ihnen vollstäildige Genugtuung geworden ist; sie fordern laut das Syndilatsrechl, das sie um jeden Preis erlangen iverden, rufen dem Postbeamlenverbande ihren Gruß zu :»ld trenne» sich unter dem Rufe: „Es lebe der Aus st and!" — Turch einen zwischen ben belgischen und französischen Handcls- fnnnnern organisierten Kurierdienst sollen nun während des Pariser Poststreiks die Handelsbeziehungen zwischei: Frankreich, Belgien und Detitschland möglichst vor Schaden gewahrt werden.
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Die französische Geschiitzfabrik von Schneider u. Ereusot gerät immer mehr in Mißkredit, seitdem eine französische Unter- suchnngskommlssicm die mangelhaften Arbeiten dieser Firma fest- gestellt hat. Auch Serbien hat schlechte Erfghrungen mit Schneider u. Ereusot gemacht. Tw nut der Prüfung der oon Schneider Ereusot gelieferten Geschütze beauftragte serbische Militär-Kommission stellte fest, daß die Geschütz-Verschlüsse mangelhaft üinktionierteii und schlecht gearbeitet sind, sowie daß,die Muntticm völlig unbrauchbar ift. Wohl i'.tfolge dieser Feststellung hat nun auch das bulgarische Kriegsminisleriun: eine Untersuchung des von Schneider u. Ereusot gelieferten Kriegsmaterials aiigeordnet.
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Ein Polizeichef vor Gericht.
Vor einem besonderen Gerichtshof für politische Verbrechen unter dem Vorsitz des Senators Warrwarin 'und unter Teilnahme Don Vertretern der Stände, darunter das Stadthaupt von Riga, hat gestern vormittag in St. Petersburg der Prozeß Lopuchin begonnen. Von den Zeugen sind eine große Anzahl nicht erschienen. Lopuchin, der frühere Direktor des Polizei' depattements, der einstige Schulsieund und Duzbruder des russischen Ministerpräsidenten Stolypins, ist des schwersten Staatsverbrechens angeklagt: der Teilnahme an einer revolutionären plötzlich gelöst wurde. Auch der Appell des geschädigten Schauspielers an der: ordentlichen Richter war fruchtlos. Mit Rücksicht auf diese beklagenswerten Zustände tvill dic Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger endlich ein Machtwort sprechen. Sie batte Bereits vor langer Zeit die Theateragentttreu ersucht, keine Verttäge mehr für deutsche Schauspieler nach Ritßland abzuschließen, weil eben die Verpflichttlngen in vielen Fällen von den Theaterdirel- toren tiicht inne gehalten würden. Trotzdem ist es viel sach zu neuen Engagements für russische Buhnen gekommen, die nach wie vor zum Teil wenig Sinn für Recht!ick:leit eigen. Die Rechtsschutzstelle der Genossenschaft wird jen. mit stärkeren Mitteln auf eine Beseitigung dieser Zustande hin wirken. Zu diesem Zweck wird sie an sämtliche Theater agenten Bekanntmachungen senden, in denen mit dem Boy- totl für den Fall gedroht wird, daß die Agentur Verträge mit Rußland abfchließen fotlte. Hoffentlich wirkt diese scharfe Drohnng und verhindert, daß in Zukunft deutsche Künstler ein Spielball der Lannen russischer Theaterleiter werden.
— Durchquerung Arabiens im Automobil Tw arabische Halbinsel ist zum erstenmal von einem Automobil durchquert, und zwar in der Zeit von neun Tagen Der kühne Fahrer heißt David Forbes. Für die eigent- ltche Fahrt hat er nur 60 Stunden gebraucht, die übrige Beit wußte er meist an den Flüssen warten, bis Floße Viin Uebersetzen gebaut waren. Tie Reise begann in Ällexan 0rette und führte über Aleppo nach Bagdad. Die Araber verhielten sich keineswegs feindlich, sondern sehr zuvor- :ommend. Offenbar ist auch bei ihnen das Bedürfnis für wneHcre Beförderung erwacht, denn sie begrüßten Forbes ats Bahnbrecher. Ihre Karawanen brauchen zu der Reise 24 Tage. Das Automobil war ein Argyl von 40 Pferde- fraften mit Dunlop-Pneurnaiit. Schon vor Anttitt der Fahrt waren Depots für Oel in Deir und Anahl ein- gcndüct worden, so daß das Auto mit nur 50 Gallonen Petroleum in den dafür eigens eingebauten Behältern ab 'ohren konnte. Es war eine Fahrt durch ein ivegeloses 2and, auf weite Strecken nichts als Wüstensand. Die Ein geborenen, die nie ein Automobil gesehen hatten, benahmen ich oft wie närrisch vor Freude. Die Behörden gedenken -■cm ihnen von Forbes gegebenen Wink zu folgen und eine Auiomobttposi zwischen Bagdad, Damaskus und Aleppo einzurichten. vv
Gesellschaft, die sich den Umsturz der Staaksverst'5ung zur Ausgabe gestellt bat. Der Prozeß Lopuchin erreg! natürlich nicht nur in Rußland, sondern in der ganzen gebildeten Welt ungeheures Interesse, einmal wegen der Stellung, die Lopuchin früher bekleidete, und dann namentlich, fveil der Prozeß allgemein in Rußland als ein Gericht über die politische Polizei unb das ganze System des Kampfes gegen dic Revolution betrachtet wirb.
Deutsches Reich.
Beisetzung bes Geheimrats Holstein. Gestern mittag ist nach einer Trauer feier im Augustw- Hofpital in Berlin ber verstorbene Geheimrat v. Holstein zur letzten Ruhe bestattet worben. Au der Spitze ber Leib- tragenöen war, von feiner Gemahlin begleitet, Reichskanzler Fürst Bülow erschienen, ber einen Kranz nieberlegtc.
Die Vorlage wegen Aufbesserung der M an n sch a s t s lo h n e um 8 Pf. pro Tag unb wegen Uebernahme der Kosten für Putzzeug und Reinigungsmittel auf die Reichskasse ging dem Reichsschatzainte aus dem Kriegsministerium zu. Sie gelangt demnächst an den Bundesrat.
AsisLattS.
Keine russischen Kohlen st ationen? Die Nachricht von einem angeblichen Uebereinkommen Bulgariens mit Rußland bette ff end die Errichtung russischer Kohlenstationen in den $)äfen von Verna und Burgas wird von der Agence Bulgare als vollständig unbegründet erklärt.
Exyräsident Castro wurde in Caracas wegen ber willkürlichen Bewohnung des Palais Miva Flores, des Besitztums der Witwe des früheren Präsidenten Crespo, gerichtlich verurteilt, Schadenersatz zu leisten.
Nachrichten aus Fez zufolge sollen sich dic Beni Mter einem Schwager Muley Hafids unterworfen haben, oer Hierher kommt, um eine Verständigung mit dem Sultan anzubahnen.
Die neue ©ememöeffeueroorlage.
Tie treue soeben .den Ständen eingereichte Vorlage ist ber irmgearbeitete Gesetzentwurf bes 32. Landtags; sie bringt inr wesentlichen die gleichen Grundprinzipien wie der frühere Entwurf, weiter sieht er noch als „Sondergewerbefteuer" vor die Steuern von Warenhäusern, von Fälialgeschästen und vvm gewcrösmäßigrir Handel mit ländlichen Grundstücken.
Als direkte Steuern sollen die Geineindett erheben Steuern vvin Grundbesitz, vom Gewerbebetrieb, vorn Einkommen und vorn Kapitalvermögen der Steuerpflichtigen.
Die Grundsteuer sind alle in der Gemarkung der Gemeinde gelegenen Grundstücke unb Gebäude, das Bergwerkseigen-' tirnt an in ber Gemarkung der Gemeinde gelegenen Grundstücken; Jagd- und Fischcrcirechte im Gebiete der Gemeinbegcmarkung unb Rechte auf Ortsbürgernutzungen; die Rechte, mit denen in der Gemarkung der Gemeinde gelegene Grundstücke ober Gebäude belastet sind mit. Ausnahme der Hypotheken, Grund- rind Rentew- schulden ber Besteuerung unterworfen. Sic wird nach dem ge- meinen Wer: der einzelnen ihr unterliegenden Gegenstände und Rechte erhoben. Als gemeiner Wert von Grundstücken, die wesentlich ber HAMwinnung dienen unb unter Forstschutz stehen, gilt ber 333/3 fache Betrag des Jahres-Reinertrags, der bei normaler : jrftniäSiger Wirtscliaft von ihnen zu ziehen ist. Ein Abzug von Schulden oder sonstigen persönlichen Saften nnbet nicht llatt.
Der allgemeinen Gewerbe st euer sollen unterworfen lein, die sämtlichen einem stehenden Gewerbe, einem bergbaulichen Betriebe, einem land- und forstwirtschaftlichen Betriebe einschlicw ltck ber Viehzucht, bes Wein-, Obst- und Gartenbaus daucrutt gemibmeteit ober bienenben Gegenstände und Rechte, die einen in Geld abfchätzbaren Wert haben. Sie.soll in der Gemeinde erhoben werden, in der das Gewerbe betrieben lvird. Eine Reihe von Unternehmungen sollen von der Gememdesteucr ausgenommen lein, so die öffentlichen Sparkassen, eingetragene Genossenschaften Stoniunweretne, deren Geschäftsbetrieb nicht über den Kreis ihrer Mitglieder hinausgeht; jedoch sollen solche rechtsfähige Konsumvereine unb eingetragene Genossenschaften der Steuer unterlieorn tie den gemeinsamen Einkauf von Lebensrnitteln oder Gegenständen des hausw:rtschaftlichen Bedarfs zunt Zivecke des Wiederverkaufs :m Kleinen betreiben, wenn ihr Geschäftsbetrieb sich unter gleich oder ähnlichen Formen und Einriäftungen vollzieht wie in Klein- handclsbctrkeben mit den ^nämlichen ober gleick-attigen Waren. ^ic Steuer soll nach bem mittleren Jährcsstand des in bem Betriebe innerhalb ber Gemeinde arbeitenden Anlage- und Be- triebskapitals erhoben werden. Jeder- Gewerbetreibende ist zur Hvfung eines Gewerbescheines verpflichtet, der vor Beginn icdcs «teuenahres neu einzuholcn ist. '
Durch Lrtssatzung einer Gemeinde faitn dic Einfüürmta der Warenhaussteuer und der Filialsteuer beschlossen werden. Die War en I) a ns ft c u e r kann cingcsührt werden: in (Seinemfanr bis. zu 10 000 Einwohnern: für Geschäfte mit cineÄ Umsatz von mindestens 80 000 Mk., in Gemeinden von 10 0R) und meyr Einwohnern: für die Geschäfte mit einem Jahresstuffatz oon mindestens loOOOO Mk Zur Zahlung der Steueni EömiS Ijerangejogcn iverden gewerbliche Unternehmen, die den frleiS ^ndel mit Waren verschiedener Gattungen nach Art der War«:- h auf er, Grotzbaiaren, Abzahlungs-, Versteigerungs- und Versandü- geid)aTte ,m großen betreiben; die Steuer wird alä Zuschlags 2001 SS'e'Ä“9' m,nbeftEnS 25 undhöLs
Gewerbetreibende, die im Gemeindebezirk — ohn» in ihren Wohnsitz ober Hauptbetriebssitz zu haben — Vcr?autsste!w^ oder Lager unterbalren, von denen ans Waren zum Vertans'w^ gegeben werden, sind »nr Zadlnng einer btzvnderm GewNen» ber Fi l tatst euer, verpflichtet. ^eioeroe,teuer,
Durch Kreissatznng kann für ben Bezirk eines K-rciws
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