Ausgabe 
11.11.1909 Erstes Blatt
 
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159. Jahrgang

Erstes Blatt

Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Univ.-Vuch- und Zleindruckeret H. Lange.

Die heutige Nummer umfafct 12 Seiten.

n

Oefterreichischc Lisenbahnsragen.

Wien, 10. Nov. Bei der Verhandlung des Eisenbahn^ ausschnsses über den Bericht des Subkomitees betr. die Tarife erhöhung auf der Südbahn bemerkte der Eisenbahnminister Wrba, die Frage der Verstaatlichung der Südbahn sei jetzt ni<Ä aktuell. Die gegenwärtige Tariferhöhung sei mir ein provi­sorischer Ausweg. Die Regierung werde in der nächsten Zeit mit der Südbahn wegen weiterer Sanierungsmaßrcgeln in Verhand­lung treten, wobei sich vor allem ein entsprechendes Entgegen­kommen der Obligationenbesitzer als notwendig erweisen werde. Für die angeregte Verstaatlichung der Buschtiehrader Aussig- Teplitzer Bahn sei der gegenwärtige Zeitpunkt nicht geeignet. Rach längerer Aussprache wurde der Bericht des Unterausschusses ange­nommen, desgleichen eine Reihe Entschließungen.

Im Eisenbahn-Ausschuß erklärte Eisenbahn Minister Wrba auf eine Anfrage wegen Einführung einer dritten Schnell­zugsverbindung vonWie nüber Prag undGeorgs^ walde nach Berlin, daß, so sehr er die Notwendigkeit einer solchen Verbesserung anerkenne, die Frage der Fahrtbetriebsmittel, sowie die Kostenfrage einer dieser Züge koste eine Million

Nr. 265

Ter 6W*tx »xzri-er erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich LlehenerZaniili<nblc>Ner; »weunal roocbcutl.KmS: ilati für btnKt(b sieben (Trenswg und Freitag); zweimal monatl. Land­wirtschaftliche oeitstagen sterusorech-Amchlüsse: iüt die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschenr «uzetger «ießen.

Annahme von Anzeige» für die Tagesnunimer bU vormittags 9 Uhr.

Die deutsch-englischen Beziehungen.

London, 10. Nov.Pall Mall Gazette" schreibt: Unsere Beziehungen zu unserem großen Rivalen auf dem Gebiete des tzandels und der Schiffahrt jenseits der Nordsee gegen das Vorjahr sind b e s s e r geworden. Wir hoffen, daß Staatssekretär Ternburg die Ueberzeugung nach Dause nimmt, daß es nicht Englands Schuld sein wird, wenn der deutsch-englische Wettkampf jemals anders als friedlich war.Westminster Gazette" führt aus: Die Beilegung des deutsch-englischen Zeitungshaders t|t ein großer Segen: die beiden Länder fielen einander auf die Nerven. Es war hohe Zeit, daß sie zur Ruhe kamen. Wenn die Ruhe lange genug anhält und wenn die Staatsmänner die Zett des Waffenstillstandes ernsthaft ausnützen werden für Fragen, welche die beiden Länder trennen, dürfte manches Schreckgespenst und mandjcr Argwohn vertrieben werden.

Paris, 10. Nov. TerTemp s" beschäftigt sich mit den englisch-deutschenBeziehungen; er stellt fest, daß eine unleugbare Abnahme der Spannung eingetreten sei. Dieser Ent- spammng stehe auch nichts im Wege. In Wirklichkeit beständen zwischen Deutschland und England mehr Vorteile als widerstrebende Interessen. Die beiden Staaten werden in gutem Einvernehmen leben, sals sie sich darein ftnden, daß ihre korrekten Beziehungen mit ihrerWürde" vereinbar sind. Diese Frage sei gegenwärtig mehr pshchologischer und moralischer, als handelspolitischer und militärischer Natur. Es ist nicht Sache Frankreicl>s, sich in bat Angelegenheiten feiner beiden Nachbarn zu mischen, aber Frank­reich, welches selbst ftiedlich und ohne Schwäche ist, wünscht auf­richtig, daß alte, welche den Frieden wollen, sich im Geiste des Friedens betätigen. Das können Deutschland und England tun; unsere Wunsche begleiten sie dabei. '

Rom, 10. 920.). DieÄgenzia Srejani" dezeta)net die von vielen italienischen Zeitungen wiedergegebene Mel­dung eines Pariser Blattes, daß m Racconigi xit* toni und Iswolski ein Abkommen unterzeichn n et hätten, das der italienische und der russische Botschafter zu Paris und London der französischen und der englischen Regierung mitteilten, als völlig un­zutreffend. .

Rom, 10. Nov. Wie dieÄgenzia Stefant beritte tigend mitteilt, stammt die von ihr dementierte MeLung über die Unterzeichnung des Abkommens in Racconigi burch die Minister Tittoni und JHwolski nur von einem italie Nischen Blatt, dem sie von Paris aus übermittelt wurde.

Soll man nun, da eine amtliche Berichtigung aus­blieb, annehmen, es sei wirklich ein förmliches Abkommen abgeschlojfen worden?

Donnerstag 11. November 1909

öejuflöpceu;

Lollar, 11. Novt Im Schillerjahre 1859 wurde zur Feier des 100 jährigen Geburtstages Schillers unter reger Teil­nahme des Kirchspiels Kirchberg ein Erinnerungsbaum ge pflanzt, der nahe dem Eingänge zur Kirche in Kirchberg steht. Ai der fünfzigjährigen Linde wurde nun aus Anlaß des 150 jährigen Geburtstages Schillers auf Beschluß des Kirchenvorstandes eine gußeiserne Gedächnistafel angebracht, um auch späteren Ge­schlechtern die Bedeutung dieses Baumes zu vermitteln.

Grünberg, 10. 9cov. Eine würdige Schillerfeier begingen die hiesige höhere Bürgerschule und die Volksschule. Zn den neuen Anlagen desDainkopf" wurde eine Linde ge­pflanzt. Um 11 Uhr wurde die Pflanzung vollzogen. Nach einem Liede der Schüler schilderte Lehrer K o h l b a ch den Lebens­lauf und die Bedeutung des Dichters. Scküler trugen hierauf Gedichte Schillers vor. Lehrer Roth hielt dann eine Deihe- rebe und übergab das Bäumchen der Obhut des Verkehrsvereins^ Ter Vorsitzende dieses Vereins, K. D. Jäckel, übernahm das Bäumchen. Mit dem LiedDeutschland über alles" schloß die

Lin Nachspiel zur bosnischen $rage.

Gießen, 11. November.

Zwischen Wien und Petersburg ist neuerdings ein in­teressanter Federkrieg entbrannt, und zwar um die bos- rrische Frage. Der russische Minister des Auswärtigen, Is­wolski, ist noch immer erbost über die österreichische Poli­tik und läßt in Zeitungsmeldungen Stimmung gegen das ßiener Kabinett machen. Tie LondonerFortnightly Re­view" hatte kürzlich geschrieben, daß die russische Regie­rung dem Wiener Kabinett seinerzeit nicht nur die Annexion Bosniens und der Herzegowina, sondern auch des Sand­schaks von 9tovibazar angetragen haben soll. Das ließ Iswolski in derPetersburger Telegr. Agentur" alsbald dementieren. Er verwies dabei auf das geheime Me- moire der russischen Regierung vom 19. Jrm 1908, in welchem nach Mitteilung der russischen Tele- araphen-Aaentur zwar auch die Frage der Annexion Bos- mens und oer Herzegowina behandelt worden fei, in welchem aber Rußland erklärt habe, daß es diese Frage für eine europäische halte, welche durch ein Sonderabkommen zwischen Lesterreich und Rußland nicht gelöst werden könne.

Damit hat der russische Diplomat verraten, was die Welt noch nicht gewußt hat, nämlich, daß Rußland schon im Juni 1908 von den Plänen Oesterreichs bezüglich der ilnuexion Bosniens und der Herzegowina in Kenntnis ge­setzt war und schon damals mit dem Wiener Kabinett da­rüber verhandelt hat. Welches srnd nun die Einzelheiten dieser Verhandlungen? Was wollte Rußland als Gegen­leistung und in welchem Falle und unter welchen Be­dingungen wollte es dem Frhrn. v. Aehrenthal in der bos­nischen Frage entgegenkommen? Es stellt sich also heute heraus, daß die Niederlage der russischen Diplomatie größer loar als man bisher angenommen hat, denn die bosnische Frage wurde schließlich ohne Rußlands Mithilfe und Zu­stimmung gelöst. Tas läßt auch die Reise des Zaren nach Racconigi und den dabei eingeschlagenen Umweg in einem neuen Lichte erscheinen. Das bekannte deutsch-feindliche Petersburger Blatt, dieNowoje Wremja", will offenbar nun alle Hebel in Bewegung setzen, um die Einzelheiten der vorausgegangenen österreichisch-russischen Verhand­lungen zu erfahren, und Herr Iswolski wird in der Duma einen schweren Stand haben. Tas genannte russische Blatt hat den ungewöhnlichen Schritt getan, sicb direkt an den Setter der österreichischen Politik zu toenoen, und dieser scheint in der angeregten Frage ein besseres Gewissen und größere Zuversicht zu haben als sein Petersburger Kollege. Darüber unterrichten uns heute folgende Meldungen des Wolff'schen Bureaus:

Wien, 10. Nov. Der Herausgeber der Petersburger NowojeWremj a" 'hat sich an den Minister des Aeußern Grasen Aehrenthal mit folgender telegraphischer Anfrage gewendet:

Exzellenz hoben sicherlich von dem Artikel im letzten Heft derFortnightly Review" Kenntnis erhalten, in dem die Vorgänge, die der Annexion Bosniens und der Herzegowina vorangingen, behandelt roerben. Der Artikel erläutert die Vorgänge, indem er sich auf den Standpunkt des Wiener Kabinetts stellt. Die Meinung der politischen Kreise geht dahin, daß diese Darlegung als Antwort auf einen seiner­zeit in derselbenReview" erschienenen Artikel dienen soll, m dem der österreich-ungarischen Diplomatie der Mangel an Loyalität in der erwähnten Angelegenheit dem Peters­burger Kabinett gegenüber zum IVorwurs gemacht wird. Die Nowoje Wremja" fühlte sich verpflichtet, statt eines jeden Kommentares die beiden Arttkel unparteiisch wiederzugeben. Unser Blatt hat den Wunsch ausgesprochen, daß die russische

schlichte Feier.

Darmstadt, 10. Nov. "3um Gedächtnis Schillers sand am Dienstag abend im städtischen Saalbau eine Schillerfeier statt, .die von der Großherzoglichen Bürgermeisterei Darm­stadt, dein Darmstädter Journalisten- und SchriftUellerverem- der Deutschen Schillerstiftuna, Ortsgruppe Darmstadt, und dem Verein für Verbreitung von Voltsbildung veranstaltet worden war. Tie Feier wurde mit Goethes Epilog zu SchülersGlocke" eingeleüet. Nach einem Lied des Lehrervereins sprach Professor Dr. Karl Berger überSchiller im Urteil derNach- w e l r". Hierauf folgte badLieb von bei Glocke". Ter Vortrag von Josef ReitersTobestrost" durch ben Sängerchor des Lehrer- Vereins beschloß ben Abend.

Mainz, 10. Nov. In der Liedertafel fand Ijeirte abend eine vom Schriftstellerverein veranstaltete Schillerfeier statt, bie von Theaterbirektor Hofrat B e h r t n b geleitet wurde. Ge­dichte Schillers wurden von Mttgliedern des Stabttheaters vor­getragen, mehrere in Musik gesetzte gesungen. Die Feier im Theater wird deS Symphonietonzertes wegen erst morgen, Don-

Schillerftiern.

Der Turnverein Gießen hat gestern vormittag art der Schillerlinbe, bie vor 50 Jahren auf seine^ Veranlassung gepflanzt würbe, einen Lorbeerkranz mit rotweißer Schleife nieber- legen lassen. Die Schleift trug die Inschrift:Dem Dichter der deutschen Einheit und Freiheit. Der Turnverein Gießen".

machte aus dem wortreichen Egoisten eine tief ergreifende Gestalt, einen Menschen, der in der erzwungenen Einsam­keit seines Thrones alles Menschliche weit hinter sich ge­lassen hat. Zum eigentlich tragischen Helden erhob er sich am Schluß, wo ihm der Verrat Posas das bißchen auf­keimende Menschenwürde «riebet ganz zerstört. Seiner Gattin, her besten Schillerschen Frauengestalt, lieh Fränzi Koch bie liebenswerten Züge einer eblen, außergewöhn­lichen Frau, aber ihr Gesichtsausdruck schloß sich mit ihrem klugen Spiel nicht immer zu einheitlicher Wirkung zu­sammen, aud} sprach sie mitunter zu leise. Karl Marx war als Don Carlos besonders im letzten Aufzuge von beseelter Kraft, auch im Auftritt mit dem König hatte er sehr schöne Stellen, doch wäre es wünschenswert, wenn er sich in seinen Gesten mehr beschränkte und nicht jedes Wort durch eine Gebärde erläuterte. Gertrude Bau­rn e i st e r-Felsegg übernahm sich als Eboli einigemal, rundete aber den Charakter der Prinzessin zu einer wuch­tigen, leidenschaftlichen Fülle. Als Marquis Posa über­hastete sich Ferry Taub al anfangs zu sehr, obwohl gut überleat, und erreichte mit dem Abschied von der Königin eine ansehnliche Höhe iünstterischer Darstellung. Seine Stimme klang hier, so lange sie etwas hoch genommen war, weich unö schmiegsam. Rolf Gunolt vermochte die Heldengestalt Albas nicht auszufüllen: derb ist der Herzog, aber nicht plump. Recht hübsch gab Karl Volck den Lerma. Tem Domingo gab Hermann Norden einen leichten Stich ins cynische, während Edgar Pauly ben hochbedeutsamcn Austritt als Großinguisitoe in vorzüg- ticber Maste zu außerorbentlicher Wirkung brachte. Von ben übrigen finb noch Clly Gühne als Lberhofmeisterin, Wolfgang Leßler als Admiral und Paul Urban als Leibarzt zu erwähnen.

Bei der Besprechung von Wilhelm Tell habe ich mir den Schwur markiger gewünscht. Um einem Irrtum vor- rubeugen, sei bemerkt, daß damit nicht der Schwur am Schlüsse der Rütt'szene, sondern bie Worte: Jyr seidt's durch dies Gesetz I gemeint waren. K. N.

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< polilijchen Teil: August

General-Anzeiger für Oberhessen WW

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Zchillerseier im 5tadttheater.

Don Carlos.

Bon Schiller.

Wenn sich eine Bühne wie unsere an die Aufführung des Ton Carlos wagt, dann ist das eAin Unternehmen, das rückhaltlose Anerkennung verdient, denn der Schwierig- ieiten sind so viele, daß sich selbst sehr große Bühnen nur zögernd zu einer Aufführung entschließen. Eines der größten Hindernisse liegt in der außerordentlichen Länge des Stückes, wodurch z. B. Reinhart in Berlin bewogen wurde, das Gedicht auf zwei Abende zu verteilen. Das ist aber lein erfreulicher Ausweg. Mau wird sich eben darauf be­schränken müssen, das lvesentlichste aufzrnsühren und alles Beiwerk auszuscheiden. Eine strichlose Aufführung, lute man sie in München gewagt hat, ist sowohl für die Zuschauer, als auch für die Darsteller zu anstrengend, um im tiefsten Sinne einen vollen künstlerischen Genuß zu bereiten.

Hier hatte man den Mittelweg eingeschlageu und er­rang damit einen schönen, nachhaltigen Erfolg, der durch bie lange Dauer ber Vorstellung (nahezu fünf stunben) wohl nur wenig beeinträchtigt wurde. Daß man ben Groß­inquisitor nicht geopfert hatte, verdient besondere Aner­kennung, aber schön wäre es gewesen, wenn man den Zu­schauer auch in das Ränkespiel Albas, Dorningos und der Eboli einaenxibt hätte.

Die Vorstellung wurde mit einem begeisterten, klang­schönen Festgedicht, das Direktor Steingo e 11 er ver­faßt hatte, von Gertrude Baum eiste r-Felsegg eröffnet, die das Gedicbt zu tiefer Wirkung brachte.

Tie Aufführung selbst wurde großen Ansprüchen nur bedingt gerecht, obwohl z. T. sehr schöne Einzellezsmngen zu verzeichnen lvaren. Man spielte mitunter zu sehr an­einander vorbei und konnte ben Einbruck der Ermüdung nicht immer ganz vermeiben, was in Anbetracht der gegenwärtigen Anstrengungen gewiß nicht verwunderlich ifl. Ter ehrliche Fleiß errang aber dennoch einen schönen Erfolg

Kürt Gühne, wie immer in ausgezeichneter Maske,

Geielljcyaft, bie sich mit Recht für eine jede, bie Ballan- halbinsel berührende Frage lebhaft intereffiert, endlich von maßgebender Seite über die der Annexion vvrcmaegangenen Pourparlers aufgeklärt werde. Heute bekämpft die Peters­burger Telegraphen-Agentur, deren Charakter Eurer Ex­zellenz nicht unbekannt ist, auf das Kategorischste die Aus­einandersetzung berFortnightly Review". Ein Bors^lag des Kaiserlichen Kabinetts, welcher bie "Annexion Bosniens unb der Herzegowina oder gar des Sanbsck)aks suggerierte, habe niemals bestanden. Diese Behauptung sei nur auf eine irrtümliche Interpretation des geheimen, aber zum Teil entljüritcn Memorares vom 19. Juni 1908 zuruck- zuführen. Um nun unsere Gesellschaft in den Stand zu setzen, selbst über diese, sie so nahe berührende Frage un­parteiisch zu urteilen und um dazu behilft ich zu sein, das Vertrauen zwischen den beiden Ländern wie­der h e r z u st e l 1 e n und gleichzeitig einer Polemik ein Ende zu machen, bie ben guten Beziehungen zwischen Ruß- lanb unb Oesterreich-Ungarn äußerst abträglich finb, erlauot sich dieNowoje Wremia", diesen sonst nicht üblichen Weg einzuschlagen, siel; direkt an Eure Exzellenz mit der Bitte zu loenben, uns, soweit es für möglich erachtet wird, bei der Lösung der Aufgabe, Die wir uns gesetzt haben, unter­stützen zu wollen.

Die Antwort das Grafen von Ae brenthal. hatte den folgenden Wortlwot: Ich bitte Sie, der Reserve Rechnung zu tragen, zu welcher ich in Anbetracht von Ver­handlungen zwischen den Kabinetten verpfliä)tet bin _uno mir zu erlauben, daß ich mich darauf beschränke, festzu- j teil en, daß das in Petersburg erschienene Kommunique die Sprache beftätigt, die ich in den Delegationen geführt habe. Ein freundschaftlicher Gedankenaus­tausch mit Rußland ist der Annexion Bos- niensundder Herzegowina vorausgegangen. Ich wäre nicht in der Lage, in meinen Mitteilungen weiter zu gehen, so lange die Kabinette Wien und Petersburg es nicht für angezeigt evaLlften, ihre auf diese Frage bezüg­liche Korrespondenz zu veröffentlichen. Ich bin aufrichtig dankbar für die Motive, d-ie Sie zu Ihrem Telegramme veranlaßten. ,

Petersburg, 10. Nov. DieNowoje Wremia bemerkt zu dem an sie gerichteten Telegramm des Grafen Aehrenthal, Graf Aehrenthal habe sich darauf be­schränkt, ben allen bekannten, von niemandem geleugneten Umstand zu wiederholen, daß ein fteundsckaftlicher Mei­nungsaustausch vor der Annexion statrgefunden Hobe. Der Graf habe jedoch gleichzeitig nicht denjenigen Teil des ruf j sich en Kommunique in Abrede gestellt, in dem behauptet wird, daß das Petersburger Kabinett sich in weitestem Sinne für die Notwendigkeit der Erhaltung des Status quo ausgesprochen und feine Anschauung bestätigt habe, baß bie Frage Bosniens, der Herzegowina unb des Sanb- schaks europäischen Eharalter trage. DieNowoje Wremja" spricht dabei bas Bedauern darüber aus, daß Graf Aehren­thal die Bedeutung der ihm durch die diplomat.schen Zurück­haltung auserlegten Werpftichtung zu hoch gefchätzt habe, wodurch infolge einer durch einen Vertreter der österreich. Diplomatie gelaneuen Indiskretion diplomatische Grheim- nifse in vorsätzlich entstellter Form in die europäische Presse gedrungen seien. Der Artikel schließt mit dem Ausdrucke ber Hoffnung, Graf Aehrenthal werbe nicht auf halbem Wege stehen bleiben, sondern werbe feine Gegner entwaffnen, bie ihm gerne jesuitische Taktik vorwerfen.

Auch über die Begegnung in Racconigi werden : unklare Behauptungen in die Welt gesetzt. Die offiziöse Agenzia Stesani" hat die Welt mit einem wohl absicht- . lid) zweideutigen Dementi eines förmlichen Abkommens : zwischen Rußland und Italien überrascht: