Nr.L14
Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags.
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Tic „Eichener Lamilienblätter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beiqelegt, daS „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschafr.'tchen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
normiert werden. Ter Redner nracht dann im einzelnen 2Sor- schlage, in meld)er Keise die Borschristen der Gebührenordnung abgeänderl werden ।ollen.
Tie Ausführungen des Referenten hatten den Beifall der Versammlung. Kierans beschästigte sich der Anwaltstag in ein- gehender Werse mit der Aendenmg der Satzungen des teiiticbcn Anwaltsvereins.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Echul- straßc 7. Expedition und Verlag: ^zK bl. Redaktion:«-^ 113. Tel.-Adru AnzeigerGießen.
Herr Crzberger in Dieburg.
Am gestrigen Sonntag sand in Dieburg in Dessen der Zentrums tag der Provinz Starkenburg statt, zu dem aus Dieburg und der Provinz etwa 800 Personen versammelt waren. Ter Zentrumstag war vom Landcsauöschuü der hessischen Zentrumspartei einberusen worden. Als Redner waren Reichs lagsabgeordneter Erzberger-Berlin und Landtagsabgeordneter Schmitt-Mainz gewonnen worden. Ta der als erster Redner vorgesehene Reichslagsabgeordnete Erzberger sich verspätete, so nahm zunächst Juslizrat Tr. Schmitt das Wort, um in längeren Ausführungen einige Streiflichter zu werfen über die gegenwärtige politische Lage im Reiche und in Dessen. Rcichswgsnbg Erzberger sprach dann über die Reichsfinanzresonn, die nötig geworden war durch die immense Schuldenlast des Reiches, mit her vorgerufen durch eine wahnsinnige Spekulation aus dem Gebiet der Kolonialpolitik.
E. gab zunächst einen historischen Rückblick über die Ent- Wickelung der Ereignisse in der Zeit der Blockpolitik. Der Block
in 21/2 Jahren nur negative Erfolge zu verzeichnen. Börsengesetz und das Vereinsgesetz zeigten jetzt schon unheilvollen Folgen. Das Beamtenbesoldungsgesetz trotzdem, daß der Block geradezu Verwüstungen auf Gebiet der Reichsfinanzen angerichtet habe, nicht be
friedigt. Das Zentrum habe immer auf Ordnung in den Reichsfinanzen gehalten und übertriebene Forderungen abgelehnt. So habe das Zentrum 16 Millionen beim Militäretat gestrichen und 117 Millionen bei dem Beamtenbesoldungsgesetz bewilligt an Stelle der verlangten 130 Millionen. Das sei keine Zurücksetzung der Beamten, denn der Staat bestehe nicht aus lauter Beamten, und das werktägige Volk müsse erst die Mark immer verdienen, welche die Beamten erhalten sollen 1908 wurde die Frage brennend: wer macht die Finanzresorm? Der Block versagte. Jeder Tag aber habe 1*» Millionen gekostet. Ta habe das Zentrum versucht, eine Mehrheit zu bilden und zwar mit den rechtsstehenden Konservativen, und zwar aus folgenden Gründen: 1. die Konservativen verzichteten auf die Verminderung der Zuckersteuer, 2. die Konservativen verzichteten auf die Maischbottichsteuer', 3. sie waren für die Fideikornmiß- fteuer. Tiefe dreifache Offerte habe dem Zentrum das Gehen nach rechts erleichtert. Die E r b s ch a f t s steuer habe das Zentrum abgelehnt, weil es an deren Stelle gerechtere Steuern gefunden habe, die das mobile Kapital trafen. Die 9t F. R. fei ein Werk, wie ein gleiches seit 1879 nicht mehr zustande kam.
In der Aussprache sprach der Zentrumsarbeitersührer Hasse- Frankfurt; er ermahnt zur Organisation. .Hieraus wurde gegen 7 Uhr die Versammlung durch Rechtsanwalt Lüft-Dieburg geschlossen.
Derr Erzberger hat auch in Dieburg nichts neues vorgebracht und wir können es uns ersparen, all feine Lobsudeleien auf diä Haltung des Zentrums zu widerlegen. Tas steht längst fest, daß das Zentrum als Hauptziel immer die Sprengung des Blockes vor Äugen hotte.
Der Abschied des Prinzen Heinrich von der Hochseeflotte.
Kiel, 11. Sept. Beim Einlaufen der Hochseeflotte nach der letzten gemeinsamen Fahrt unter dem Befehl des bisherigen Flottenchefs nahmen, die Schiffe Abschied vom Prinzen Heinrich von Preußen. Auf der Höbe von Friedrichsort dampften die Kreuzer und Linienschiffe in langer Kiellinie an der gestoppt liegenden „Deutschland" vorbei. Tie Mannschaften brachten drei Hurras aus. Die Flaggschiffe senkten die Admiralsflaggen zum Gruß und die Müpitkapellen spielten Präsentiermärsche. Der Flaggen- wechsel auf der „Deutschland" findet voraussichtlich erst znn 1. Oktober statt.
Kiel, 11. Sept. Graf Zeppelinist heute nachmittag in Begleitung des Professors Dr. Hergesell zum Besuch des Prinzen Heinrich hier eingetroffen. Prinz Heinrich War mit dem Adjutanten Kapitänleutant von dem Knesebeck am Bahnhof zum Empfang erschienen. Nach herzlicher Begrüßung bestieg der Prinz mit seinen Gästen das prinzliche Automobil, um sich nach Hemmelmark zu begeben.
Kiel, 12. Sept. Gras Zeppelin mit Professor Hergesell ist abends um 9 Uhr 8 Min. mit dem Hamburg-Kölner D.» Zug von hier abgereist.
Kiel, 11. Sept. Die Hochseeflotte ist heute nachmittag 2i/o Uhr nach Beendigung der Landungsmanöver bei Apenrade in den hiesigen Hafen eingelaufen.
vom Deutschen Anwaltrtag.
^Rostock, 10. Sept.
Am heutigen zweiten und letzten Tage der Verhandlungen des 19. Deutschen Anwaltstages beschästigte sich die Versammlung vorwiegend mit internen Angelegenheiten der Deutschen Anwaltschaft. Dr. Trucker behandelte das vom Ausschuß begründete Zeitungsuntemehmen, nämlich die „Rundschau über die wichtigsten Gesetzesvorlagen", die in einer Auflage bis zu 4000 Exemplaren verbreitet wurde. Reichstagsabgeordnete, Handels- und Gewerbekammern und mehrere hundert Zeitungen wurden damit bedacht. So konnten 70 gemeinverständliche Artikel über die Zivilprozeß- Ordnung in der deutschen Presse veröfsentlicht werden. Leider hatte diese Propaganda gegen die Novelle nicht den gewünschten Erfolg. Wenn das Gesetz nach dem Dafürhalten der deutschen Anwälte in seiner Form ungeeignet ist, so ist anderseits nicht &u verkennen, daß manche günstige Aenderung im Gesetz durch die Propaganda der Rechtsanwälte herbeigeführt "wurde.
Sodann sprach Rechtsanwalt Tr. Bloch I. (München) über die Revision der Gebührenordnung für Rechtsanwälte. Er führte aus: Ter Deutsche Reichstag hat in seiner Sitzung vom 27. April ds. Js. 2 Resolutionen angenommen, welche ihm seine 30. Kommission in Vorschlag gebracht hatte. In diesen Resolutionen wird der Reichskanzler um die Vorlegung einer Novelle erpicht, durch welche die Gebührenordnung für Rechtsanwälte einer Revision unterzogen wird. Ferner wird darin ein Gesetzentwurf verlangt, durch den die Verjährungsfrist für Forderungen gegen Rechtsanwälte verkürzt wird., — Seit dem Erlaß der Gebührenordnung vom Jahre 1879 ist durch das Sinken des (Geldwertes und die sich ständig erhöhenden sozialen Anforderungen ein völliger Umschwung im Wirtschaftsleben um'eres Vaterlandes eingetreten, der in der Verteuerung aller Lebensbedürfnisse zum Ausdruck kommt, zu einer Erhöhung der Gehälter und Löhne in allen Zweigen des Staats- und Wirtschaftslebens geführt hat und sich dem Anwalt nicht nur durch die Notwendigkeit der Ausbringung erhöhter Mittel zur Bestreiturrg des eigenen wesentlich gesteigerten standesgemäßen Lebensuriterl-altes fühlbar macht, sondern auch durch die im Vergleich zu früher außer allem Verhältnis gewachsenen Personal- und Realbedürfnisse seines Bureaus. Dazu kommt, daß ungeachtet der beträchtlichen lieberfüUung des An- waltsberuses sein Arbeitsgebiet seit 1879 durch die Gesetzgebung über Gewerbe- und Äauftnannsgerichte, die soziale Gesetzgebung ujw. bedeutend eingeengt wurde. Trotzdem sind die Gebühmisse der Anwälte nicht nur nicht erhöht, sondern durch die einschneidenden Bestimmungen des 9a das Gerichtskostengesetzes in nicht unerheblichem Maße noch gekürzt worden. Datei hat die Anwaltschaft ihren goldenen Boden verloren: große Gruppen dieses Standes kämpfen mit nnrtschastlichem Notstand und sind nicht entjemt mehx imstande, für Krankheit und Mer bescheidene Reserven zu fttTten. Tie Novelle vom Juni 1909 bringt feine wesentliche Veränderung in den Einkommensverhältnissen, jedenfalls keine Verschiebung nach oben. Man wird zweck- und sachdienlicher- weise an dem Charakter der Gebührenordnung als eines Gesetzes sefthalten müssen, durch welches die Entlohnung für die Tätigkeit eines Rechtsanwaltes in denjenigen Verfahren festgesetzt werten soll, iveldyc durch prvzeßreckstliche Gesetze des Reictes ihre Regelung ersabren haben.. Es ist nicht Aufgabe der Gebührenordnung, beschäftigungslosen Anwälten eine gesicherte Existenz zu verschaffen, es ist ober unbedingt dafür zu iargen, daß es dem beschäftigten Anwälte nicht an ausreichendem Auskommen fehle. Vorläufig ist es ein merkwürdiger Zustand, daß man von Staats wegen entern bestimmten Stande zumutet, für Hilfsbedürftige, die zugewiesen werden, und von denen man, lelbst wenn sie noch so unangenehm und schiürnös werten, fast nicht mehr loskommen kann, eine Fülle von Arbeit zu leisten und eine Menge von Ausgaben zu machen, ohne daß hierfür ter Staat ober ter Zwangs- dient irgend welche Zahlung leistet. Die Opfer, welche die deutsche Anwaltschaft in 91 rmerneuten bringt, geben jährlich in die Millionen. Was nun die Höhe der Gebühren anlangt, so wäre diese unter Berücksichtigung aller Verhältnisse gegen den heutigen Zustand um 25 — 50 Prozent höher anzusetzen. Die Mm- de st gebühr für jede anwaltliche Tätigkeit müßte auf 2 Mark
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politische Tagesschau.
Die Stellung der Sozialdemokratie znm Freisinn.
Genosse Franz Mehring polemisiert gegen den Antrag eines Berliner Wahlkreises, wonach die Sozialdemokratie dem Freisinn die entschiedenste Absage erteilen soll. Er macht dagegen geltend:
„Das heißt unseres Erachtens aber übers Ziel hinausschießen. Nicht als ob der Antrag dem Freisinn irgend zu viel täte und sachlich irgendwie unberechtigt wäre! Aber taktisch empfiehlt es sich nicht, d.rß der Parteitag sich in dieser Weise festlegt. In politischen Dingen soll man niemals aus noch so berechtigtem Zorn Entschlüsse fassen, die für eine Zukunft hinten, die sich heute noch nicht übersehen läßt. Sv, elend die freisinnige Politik sein mag und immer gewesen ist, so gibt es doch auch für sie eine zwar sehr roeit. ge|djobene, aber immerhin nicht ganz ins Blaue zu schiebende Grenze, wo sie dem Junkertum gegenüber Fuß beim Male halten muß, wie ja eben erst der Krach des Blocks gezeigt bat Wir wissen heute nicht, wie die Dinge bei den nächsten Reichstazswahlen liegen werden: wir wissen nicht, ob uns bann nicht wichtige Parteiinteressen gebieten werden, bei den Stichwahlen trotz alledem den Freisinnigen durc^uhelsen, was uc natürlich nicht als Bundesgenossen anerkennen, sondern in der immerhin bescheidenen <Sigenfd>aft als Kanonenfutter verschleißen heißt Auf dem "Parteitag in St. Gallen wurde ebenfalls bescchlossen, freisinnige Kandidaten in den Stichwahlen niemals zu unteritützen, und bei den nächsten Wahlen ergab sich doch die Notwendigkeit, diesen Beschluß zu behandeln, als wäre er nicht ergangen. Die Gesahr eines ähnlichen Fehlers zu laufen, wäre gewiß nicht wünschenswert."
Die Lords und die Gemeinen,
Es kamt wich den letzten Nachrichten kaum mehr einem Zweifel unterliegen, daß England einem fonititutionellen Konflikt entgegengeht, der nur durch einen Appell air das ganze Land, al>o durch Neuwahlen, sich entscheiden läßt. Den äupcrlicten Grund dafür bietet das Budget, das vom Hause der Gemeinen ohne tfrapc Angenommen werden wird, von dem aber das Oberhaus deshalb nichts wissen will, weil die zu seiner Balancierung notmenbigen und insbesondere durch 'die Ausgaben für die ^>ozialverucherun ; und Flottenreform bedingten Summen nach ten Vorschlägen oes liberalen Ministeriums Asquith durch eine Reche von steuern Mlfgebracht werten sollen, mit denen sich die ^ords um fernen Dreis befreunden können. Es handelt sich hierher bei onters um die Einführung einer Grundsteuer, die aber, da ihre cate u:i Verhältnis zu ten Einnahmen ter Lords aus ihren gewaltigen Latrnmdien nur gering sind, kaum für sie die Veranlanung bieten Könnte, die Finanzbill und mit ihr das Budget abzulehnen, >venn sie nicht hofften, bei ten dann notwendig wertenden flceuwaylen
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TicllsM de-ur.^,1 fiederbeginn der lässige^E^
öie Herrsckwft des Liberalismus zu brecheir und anstelle des letzrg^n hberaten ein konservatives Ministerium zu setzen.
_ cclbitneritänblid) steht dem englischen Oberhause als Revisions- mstanz bas Recht zu, alle vom Unterhaus? angenommenen (tesctze abz* ul ebnen. Aber es hat von diesem Rechte bezüglich des Budgets ia,-on icit Jahrhunderten feinen Gebrauch gemacht, eine Tradition, öie z. B. auch Darin zum Ausdruck gelangt, daß ter König in der -nnonrebe, sobald es sich um Budgetvorschlage handelt, sich nicht an ine Peers, sondern nur an die Gentlemen of tte House ot Eomons wendet. Und wenn inan auch trotzdem prinzipiell den Lords das Recht juerfennen muß, die Finanzbill und damit das gefamte Budget abzulehnen, so täuschen sic sich augenscheinlich über die Tragweite dieses Vorgehens. Nicht die Beilegung des Budgets dürfte bei ten kommenden Neuwahlen die Parole bilden, sondern ter Kampf gegen das Vetorecht des Oberhauses überhaupt, wie ihn schon der verstorbene Premierminister Campbell Banner- wann gelegentlich ter Schulbill proklamierte, und wie er in der Resolution des Unterhauses vom 26. Juni 1907 seinen Ausdruck sand. Freilich begegnet auch in liberalen Kreisen die durch ten streit um das Budget hervorgerusene Lage insofern konstitutionellen Bedenken, als mit dem Appell an das Land, mit ten Neuwahlen, eine Art Referendum eingeführt und damit ein .Präzedenzfall geschahen würde. Es könnte dann in jedem künftigen Falle seitens des Oberhauses die Entscheidung des britischen Volkes anqeruien werden, was naturgemäß zu einer Schmälerung ter Rechte des Unterhauses führen müßte. Teim das Oberhaus würde doch nur bann das Budget verweigern, roemt das Unterhaus, wie jetzt, in seiner Majorität liberal wäre, während ein von einem kom'er- vativen Unter Hause votiertes Budget ohne weiteres auch das Ober- l-aus passieren würde. Trotzdem werten sich die Liberalen über dies konl'titutwnelle Bedenken hinwegsehen, weil es sich eben bei dem jetzigen Streit gar nicht allein um die Finanz bill und das Budget des Jahres 1910 handelt.
Ter Ausgang dieses Kampses zwischen Oberhaus und Unterhaus kann nicht zweifelhaft fein. Zwar werden die Konservativen als Vorspann bei den Wahlen eine Reihe von GesetzesenUvursen tenuten rönnen, die, wie die Erhöhung der Brausteuer und ter Schaicklizenzen, in gewissen Kreisen tes liberalen Bürgertums nicht sonderlich beliebt sind. Auch deutet der Abfall Lord Roseberys von den Liberalen, denen er sein Lebenlang angehörte, daraus hin, das; biejenigeit liberalen Lords, btt* sich durch die in Aussicht genomnune Grunbstucksbesteuerung geschädigt fühlen, in das Lager der Konservativen übergehen werden. Ta aber anderseits das liberale Ministerium Asquith den Konservativen sowohl durch seine Sozialgesetzgebung, als auch durch die Verstärkung ter Flotte, die Reichsverteidigungskonferenz und eine überaus geschickte auswärtige Politik allen loeitcren Wind aus ten Segeln genommen hat, dürften die Verluste tes Liberalismus bei den Neuwahlen keine besonders großen fein., Ueberdies ist der gegen das Vetorecht ter Lords zu proklamierende Kamps eine so zündende Parole, daß nach den Neuwahlen sicherlich wieder eine liberale Majorität im Unter Hause einziehen wird. Vielleicht ivird sie nicht so groß fein, wie die nach den Neuwahlen von 190u, aber immerhin dürfte sie genügen, um die Rechte tes Obcrl>auses ganz wesentlich zu beschneiten, und England einen Schritt weiter zu bringen auf dem Wege des Ausbaus seiner liberalen Verfassung.
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Eine parteiertlärung über den Zchaä.
2ie deutschsoziale Parteileitung schickt uns eine gedruckte Verösseutlichung, in der in milder Form «um Ausdruck kommt, daß Schack geraten worden ist, eine Nervenanstalt aufzumchen. Schack scheint daher nicht selbst aus eigenem Entschluß das Reichstagslnandat niedergelegt zu haben. Tie Veröffentlichung der deutschsozialen Partei- leituna lautet:
„Die Angelegenheit Schack, über deren schmerzliche Einzelheiten unsere Parteifreunde wohl durch die Tagesoresse ausreichend unterrichtet sind, ist auch uns, den Unterzeichneten, erst am Dienstag, den 7. Sept., durch die Presse bekannt geworden Nach unserer langjährigen. genauen Kenntnis der Persönlichkeit Schacks und seiner Geistes-, Gemüts- und Charakteranlagen mußten uns die behaupteten Tatsachen zuerst alsvöllig unglaub lich und unmöglich erscheinen lassen. Inzwischen ist uns neues tatsächliches Material zugänglich geworden, was der Oeffentlichkeit bis jetzt noch nicht unter breitet i ft, das aber bei der gerichtlichen Behandlung der Angelegenheit zur Sprache tommen wird. Dadurch ist es uns zur traurigen Gewißheit geworden, daß unser Tyr tun > Schack von einem schweren psychischen Leiden befallen ist. Wir haben uns deshalb veranlaßt gesehen, seine Uebersührung in eine Nervenheilanstalt anzuraten und ihn ärztlicher Behänd- lung zuzuführen. Alle ernstdenkenden Kreise werden ihr eigenes Urteil über diese traurigen Vorgänge zurückstellen, bis die jetzt damit befaßten Aerzte und Richter ihr amtliches Urteil abgegeben häben. lieber die Schritte, die bezüglich tes Reichstagsmandats für den Wahlkreis Eisenach-Dermbach erfolgen sollen, wird eine Vertrauensmännerversammlung in den nächsten Tagen beschließen."
Das B. T. hatte bereits geheimnisvoll angebeutet, daß es schon seit Wochen im Besitz von „Material" gegen Schack sei. In der vorliegenden Erklärung wird auch wieder von bisher nicht veröffentlichtem Material gesprochen. Natürlich konnte die deutschsoziale Parteileitung die Entfernung Schacks nicht in schroffer Form vornehmen; es genügt, daß sie dem blamierten Abgeordneten den Besuch einer Nervenheilanstalt angeraten hat. Mit der Niederlegung des Man dats könnte der Fall für die Oeffentlichkeit eigentlich erledigt fein. Mer die bevorstehende gerichtliche Verhandlung scheint die Angelegenheit in ein neues, womöglich noch düstereres Licht setzen zu sollen, als es bisher schien.
2Xits Stadt und Land.
Gießen, 13. September 1909.
** Vom Manöver. Die 25. Division bat in diesen Tagen in der Gegend Montabaur-Meudt gekämpft Am Mittwoch hatten die 115er, 116er und 168er Ruhetag in ihren bisherigen Standquartieren. Donnerstag und Freitag waren Marsch- und Aufklärungsübungen, wobei den Offizieren praktische Aufgaben zuftelen. Das eigentliche Manöver begann am Samstag, nachdem am Freitag die Rcjer- visten eingetroffen waren. Die Kriegslage für das Samstagsgefecht war: Ein blaues Korvs ist im Anmarsch von Koblenz, Vallendar und Pfaffendorf, wo es den Rhein überschritt. Ein rotes Korps ist gegen sie aus der Gegend von Siegen im Anrücken begriffen, die Vorhut steht bei Westerburg. Die rote Partei stand unter dem Befehl des Oberstleutnants von Lindeguist, die blaue führte Oberst Hutier. Die Roten traten bei Dorndorf, südlich Westerburg, zusammen. Die Blauen wurden unterdessen von den Meldereitern und Radfahrern auf der Linie Mogendorf, Dernbach, Montabaur als im Anmarsch begriffen gemeldet. Rot rückte daraufhin über Roth, Salz, Herschbach nach Eisen bei Meudt vor. Auf dem Wege nach Dahlen erhält das Regiment Kaiser Wilhelm Beschst rechts abznschwenten und den Gegner östlich Meudt und Eisen anzugreifen. Die rote Artillerie — Regiment 61 — hatte inzwischen auf der Höhe zwischen Eisen und Ehringhausen eine gute Stellung besetzt und eröffnete das Feuer auf den feindlichen linken Flügel, der von Leuterod anrückte und dessen Artillerie — Regiment 25 —, die Höhe westlich Oberahr inne hatte. Allmählich rückte die blaue Schützenlinie von Leutenrod gegen Oberahr, Niederahr, Moschheim. Rot mußte sich über das Ahrtal zurückziehen, erhielt aber Verstärkung und ging dann abermals vor bei Dahlen und trieb den Gegner zurück gegen Boden. Es war ein interessantes Gefecht, dem Hunderte von Schlachtenbummlern folgten. Endlich als die Blauen — bestehend aus 115er und Teilen der 168er — in Mzug gegen Montabaur waren, ertönt das Signal „Das ganze Halt" von der beherrschenden Höhe. Alle Hornisten und Trompeter nahmen den Treiklang auf, das Schießen ver- stummte. Nach der Kritik rückten die Kompagnien in ihre Quartiere, die 168er nach Girod, Nentershausen und Holbach, die 115er nach Montabaur und Holler, die 116er nach Frickhofen, Thalheim und Dorchheim. Tas Gefecht dauerte von früh morgens bis fast 2 Uhr. Das bergige Gelände und die Sormenhche brachten es mit sich, daß mancher — besonders von den eingezogenen Reservisten — schließlich „abmachte" und seine letzte Zuflucht im weichen Straßengraben suchte. Der Musketier aber ist froh, daß er jetzt ein besseres Quartier hat, die Bewohner des Elbtals sorgen aufs beste für die Soldaten. Der kommandierende General von Eichhorn weilte am Samstag im Manövergelände, um den Uebungen der 117er und 118er beizuwohnen, die jetzt mit der Unteroffizierschule Biebrich bei Westerburg ein getroffen sind. Ter Korpskommandeur ist in Braunfels abgestiegen. Große Manöver-Proviantämter sind errietet der Willmerod, Rennerod und Selters. — Das Gefecht der 41. Brigade nach dem Ruhetag am Donnerstag begamt Freitag und dauerte bis Samstag mittag. Der Führer des blauen Korps, Oberstleutant von RauMaupt, sammelte gegen 7 Uhr seine Truppen bei Ebersgöns. Sie bestanden
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Zweites Blatt 159. Jahrgang Montag 13. September 1909
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Imwswi General-Anzeiger für Gberheflen


