Ausgabe 
12.6.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

159. Jahrgang

Samstag 12. Juni 1909

Hotationsbrad und Verlag der vriihl'fchen Unlv.-Vuch- und Steinörudcrei H. Lange.

Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.

Bezugspreis: monatlich 75Pf., viertel­jährlich Att. 2.20; durch Abhole- tu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost DU. 2. oiertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. Feuille­ton undVermischtes" K. Neurath; fürStabt u. Land" undGerichts-

Reöattton, Expedition und Druckerei- Schulftratz« 7.

ietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Nr. 135

Der Slehener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntag?. - Beilagen: viermal wöchentlich Siebener,samilündlötter; zweimal wochenll.streir- blati füröcii Kreis Liehen (Ttensrag nndFreuag); z»vei>ual monatl. Land­wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse; für bie Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Annahme von Anzeigen für die Taqesnununer bis vormittags 9 Uhr.

Zur Lage in Persien.

Der Petersburger Telegrafenagentur werden ans Mesche!» große Unruhen gemeldet, die am 7. Juni damit begonnen hätten, daß Revolutionäre in dem Gebäude des Endschumen den Polizeichef ermordeten. In Mesched trieben Räuber ihr Wesen; ein Anschlag auf den Generalgouverneur, der sich aus dem Wege nach Mesched befindet, werde befürchtet. Beim Schießen in der Stadt flogen die Kugeln auch bis zum russischen Konsulatsgebäude Es herrscht völlige Anarchie. Den Europäern droht Gefahr. Mit derartigen alarmierenden Gerüchten, die sich nachher meist als unbegründet Herausstellen, will Rußland offenbar das weitere Verbleiben seiner starken Truppenansammlung in Persien mo­tivieren.

politische Lagesschau.

Sin englisches Urteil über Deutschland.

Die englischen Parlamentarier der Arbeiterpartei sind von ihrem Besuche in Deutschland zurückgekehrt und geben nun in der Heimat die Eindrücke wieder, die sie auf dieser Reise empfan­gen haben. Sv hat der Abg. Rarnsay Macdonald sich nach der Pall Mall Gazette" folgendermatzen über Deutschland ausge­sprochen:Wir sind erklärte er mit einigen der bedeutend-- iten Männer, mit friedlich g'efinnten und andern, in Berührung gekommen, und haben über alle möglichen Dinge, besonders aber über die Frage der Beziehungen der beiden Länder zu einander ge- Ivrochen. Was sich uns dabei vor allem aufdrängte, war die törichte Rolle, die imfer Land gegenwärtig in Deutschlands Augen spielt. Die Deutschen lachen einfach über unsere Schreckensanfälle, und die unmittelbarste Wirkung der Wühlerei in unjern Zeitungen i)t die Ueberjeugung der Militärpartei in Deutschland gewesen, daß wir nervös und ängstlich seien. Trotz unseres Geredes.von einer großen Flotte lächeln sie und weisen auf die Qualität unserer Marine hin. Die kindische Weise, in der wir uns benommen

Deutsches Reich.

c. k a i s erIi ch e JachtH o h e N z o l l e r n" ist gestern! trüb um 9 uhr von Stiel nach Danzig abgegangen, um dort den Kauer für seine Reise nach den finnischen Schären zur Begegnung mit dem Zaren an Bord zu nehmen. Die BegleitschiffeHanv bürg" undSleipner" folgen. Der PanzerkreuzerGneisenau" wtrd am Sonntag zur Kaiser-Flottille stoßen.

Aie H an d e l k o rn rn i s s i o n des preuß. Herrenhauses führte dte B e r g g e i e tz n o v e l l e, die mit Abänderungen an das Ab- geordnetenhaus zurückgeht, falls das Plenum den Kommissions­

gezeigt, daß es schwer genug ist, bei widerstreitenden Inter­essen einen Ausgleich zu finden. Vielleicht habenDie Grenzboten" recht, wenn sie meinen, daß es Kaiser Nikolaus nach allen Erfahrungen der jüngsten Zeit für angebracht gehalten hat, die Grenze der Ententepolitik zu zeigen und auszudrücken, daß er sich durch feine Stellung an der Seite Englands und Frankreichs in der europäischen Politik nicht lv-eiter drängen lassen will, als es das Interesse seines eigenen Landes gebietet." Im eigenen Lande gibt es nun allerdings weite Kreise, die lieber heute als morgen über Deutschland herfallen möchten. Die russische Regierung ist indessen besonnen genug, sich von solchen Strömungen nicht treiben zu lassen. Man kennt die eigene Ohnmacht zu gut, um ohne Not mit dem friedliebenden Deutschen Reiche Streit anzufangen.

Die Abreise unseres Kaisers nach den finni­schen Gewässern soll am Dienstag abend von Neufahrwasser aus erfolgen, die Begegnung mit dem Zaren Donnerstag abend ober Freitag früh. Im Laufe des Sommers will der Zar denn noch eine größere Reise nach den verschiedenen westeuropäischen Ländern unternehmen.

In der Donaumonarchie haben die innerpoli­tischen Sorgen während der Balkankrisis geruht, aber jetzt ist die Krisis aufs neue da. Die Ungarn wollen ihre eigene nationale Bank haben. Diese Forderung erscheint ihnen augenblicklich so wichtig, daß sie alles andere da­rüber vergessen. Nun will Oesterreich von einer Bank­trennung nichts wissen und Kaiser Franz Josef hat sich in gleichem Sinne schon des öfteren zu ungarischen Poli­tikern ausgesprochen, aber in Ungarn gab man die Hoff­nung trotzdem noch nicht auf, feinen Willen zu bekommen. Man begann nach einer neuen Parteikonstellation zu rufen, nach einem Systemwechsel und schickt Franz Kossuth, den ungarischen Handelsminister, zum Kaiser nach Wien, nm ihm die ungarischen Neformpläne zu unterbreiten, mit deren Hilfe mau die nationale Bank zu erlangen hofft. Tie Antwort, die der greife Monarch Franz Kossuth gab, war zu drastisch, als daß man sie übergehen könnte; sie lautete:Die Durchführung des Paktes hat im Jahre 1906 der Führer der Unabhängigkeitspartei H-rcmz Kofsuth garantiert; ich erwarte, daß Sie der damals übernommenen Verpflichtung Genüge leisten." Damit wollte der Monarch die ungarischen Heißsporne daran erinnern, daß sie erst den Pakt erfüllen, ihr Wort einlöfen und die Wahlreform .durchführen müssen, bevor sie neue Forderungen aufstellen. Nun ist gerade die Wahlreform eine sehr heikle Sache für die Ungarn. Richtig durchgeführt, fegt sie die bisherige magyarische Majorität hinweg. Was nun geschehen soll, darüber wird jetzt eifriger denn je in den Kreisen der un­garischen Politiker beraten. Noch weiß man keinen rechten Ausweg. Man nimmt an, daß die Lösung der Krisis bis zum Herbste vertagt tverden wird und daß das Kabinett Wekerle bis dahin die Geschäftsführung provisorisch bei- behält. E. A.

haben, wird von der militärischen Klasse als Beweis für unsere! Entartung angesehen, und es gereicht ihr nur zur Ermutigung, uns in diesem Lichte zu betrachten. Das trat besonders in Berlin hervor, und dort wird, falls es je zum Kriege kommen sollte, der Mittelpunkt seiner Quelle sein."Hegt man denn den Ge­danken fragte der Vertreter derPall Mall Gazette" daß cs zum Kriege kommen werde?"An einigen Stellen er­widerte Herr Macdonald und zwar infolge der Sprache, in der wir uns Luft gemacht haben. Ich für meine Person glaube nicht, daß eine Kriegsgefahr vorliegt, allein ich kann nur sagen, daß wir unbedingt verlacht werden, und daß diese Angstanfälle den Aussiclstcn des Friedens mehr Schaden tun als alle Klein- engländcrei. Im allgemeinen waren die Leute, mit denen wir in Berührung kamen, höchst ftiedlich gesinnt. Ihre Freundlich­keit uns gegenüber setzte uns fast in Verlegenheit. Mein Eindruck von Deutschland im gegenwärtigen Augenblick ist, daß es unferm Lande ähnlich ist, aber in der Zeit, als wir noch nicht in die Gewohnheit verfallen waren, uns in übertriebene Aufregung hinrin- Äuarbeiten." Hinsichtlich 'des industriellen An- und Ausblicks er­widerte dec Abgeordnete, Deutschland mache reißende Fortschritte. Die, englische Gesellschaft aber habe keinen einzigen Mann ge­troffen, der nicht geglaubt hätte, das Land könne unter Freihandel noch rascher forischreiten als unter dem Schutzzölle. Deutschland habe mächtige Hilfsquellen. Es werde aber gehemmt durch die Teurung des Lebensunterhalts und der Rohmaterialien. Der Arbeiterstand komme vorwärts durch seine Gewerkvereine, aber auch dadurch, daß der Staat im ganzen viel mehr dort für den einzelnen Menschen tue als in England. Herr Macdonald hat, wie man sieht, gut beobachtet. Hoffentlich bleiben seine Aus­führungen auch in den weiteren Kreisen Englands nicht unbeachtet.

Die englischen Geistlichen in Berlin.

Gestern mittag trafen die englischen Geistlichen, die eine Besuchsfahrt nach Deutschland unternommen haben, in Berlin ein und wurden auf dem Bahnhofe von dem Staatsminister a. D. v. Studt, dem Ehrenpräsidenten, und dem Generalsuperin- tendenten von Berlin D. Faber, Vorsitzender des zu ihrem Empfang gebildeten Berliner Komitees, begrüßt. Am Bahnhof ivaren u. a. anwesend auch der höchste Berliner katholische Geistliche Probst Kleinerdam von Skt. Hedwig, Staatsminister a. T. Moeller und 'Reichstagsabgeordneter Schrader. Die englischen Gäste be­gaben sich in über 50 Kutschen und Automobilen in ihre Quatiere. Abends fand in der Philharmonie ein stark besuchter Begrüßungs­abend statt, an welchem viele hervorragende Persönlichkeiten, darunter Staatsminister v. Studt und Staatsminister v. Moeller teilnahmen. Auf die Begrüßungsansprachen des Vorsitzenden des Empfangskomitees Spieker und des Generalsuperintendenten Faber erwiderte Allen Baker, die Friedensgrüße, namentlich der eng­lischen Arbeiter übermittelnd. Niemand in England, außer einigen Politikern und Journalisten, wolle Unfrieden mit Deutschland. Namens 'der Katholiken Deutschlands bewillkommnete Prälat Kleinerdam die Gäste, woraus Baptistenprediger White antiuoriris. Den musikalischen Teil, der beifälligst aufgenommen wurde, führte der Berliner Lehrergesangverein aus.

Apolitische Wochenschau.

Gießen, 12. Juni.

In Berlin haben die Finanzminister der Bun - desstaaten ihre Ansichten über die Reichsfinanzreform und die Beschlüsse der Finanzkommission ausgetauscht. Von den Ergebnissen der Konferenz erfährt man nur soviel, daß im Bundesrate jedenfalls keine Neigung besteht, zu allem Ja und Amen zu sagen, Mas die konfervativ-llerikal-polnische Rumpfkommission an neuen Steuern beschlossen hat. Tie Reichsregierung scheint insbesondere an der Erbanfallsteuer festhalten zu Mollen; für eine Reichswertzuwachssteuer ist menig Neigung vorhanden. Die Kotierungssteuer murde von der Konferenz, die natürlich nur die Meinung des Bundesrates wiederspiegelt, abgelehnt; ebenso die Mühlen- um satzsteuer und der Kohlenausfuhrzoll. Bezüglich der übrigen Beschlüsse der Finanzkommission Mill man erst die Entscheidung des Reichstages selbst abtoarten. Das ist vorläufig alles, Mas die Oeffent- lichkeit von der Konferenz der Finanzminister erfahren hat; mehr Mar auch kaum zu erwarten, denn selbstverständlich wird über die Verhandlungen Stillschweigen beobachtet, so lange der Bundesrat die Beschlüsse nicht offiziell und formell genehmigt hat. Wertvoll ist es auf jeden Fall für das Plenum des Reichstages, schon jetzt zu wissen, daß die Reichsregierung bisher festgeblieben ist.

Wie sich die Beratungen im Plenum des Reichs­tages, das zu Beginn der Woche wieder Zusammentritt, aostalten werden, läßt sich noch nicht übersehen. Es heißt, daß Fürst Bülow am Dienstag im Reichstage sprechen merbe. und dann wird es sich ja zeigen, ob sich die Kommission^ beschlüsse wirklich in vierzehn Tagen wie die konserva­tiven Agrarier meinen durchpeitschen lassen. Interessant ivird es vor allem sein, zu erfahren, inwieweit die konser­vativen und klerikalen Mitglieder der Finanzkommission eine Mehrheit aus ihren eigenen Parteien hinter sich haben. So wie die Lage augenblicklich ist, erscheint allerdings der Weg, den Professor Biermer an dieser Stelle vorfchlägt, fier einzige gangbare zu sein. Immerhin wird es in der Hauptsache doch auf die Haltung der Konservativen selbst ankommen, ob und inwieweit die Regierung und die Libe­ralen ihnen entgegenkommen können. Wie nun, wenn die konservativen starrköpsig bleibtzn und gar keine Dteigttng »erraten, die bargebotene Hanb zu ergreifen? Kann es "für ben Liberalismus nicht verhängnisvoll werben, wenn -tr sich gar zu bereit zu Konzessionen zeigt? Eine Antwort rfuf alle solche Fragen werden ja nun voraussichtlich die nächsten Tage geben.

Fürst Bülow, von dem es anfänglich hieß, daß er den Kaiser auf feiner Reise in die finnischen Schären begleiten und der B e g e g n u n g m i t d e m Z a r e n beiwohnen werde, Lleibt nun doch in Berlin. So wichtig unserem Reichs­kanzler auch eine Aussprache mit dem russischen Minister- Oräsidenten erscheinen mag, wichtiger ist ihm im Augen­blicke offenbar doch noch die persönliche Anwesenheit in Berlin wegen der Finanzkommission.

In politischen Kreisen hat man sich viel den Kopf darüber Zerbrochen, was denn eigentlich den Zaren veranlaßt haben mag, diese Begegnung mit unserem Kaiser zu suchen. Es siind hierüber bie mannigfachsten Ansichten vorgebracht wor­den. Die schlimmsten Deutungen hat bie Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und dem Zaren Nikolaus natürlich in Eng- Land gefunden. Man ist dort ein wenig verschnupft wegen dieser Begegnung, weil sie die schöne Harmonie der englisch- uirsfisch-französifchen Freundschaft zu stören droht. In Wirklichkeit ist diese Harmonie schon gestört. Der Ausgang des letzten Balkankonfliktes hat Rußland deutlich genug M Gemüte geführt, welchen Wert die englische Freundschaft tzat. Auch an anderweitigen Gegensätzen fehlt es nicht. Man denke nur an Persien. Dort hat es sich neuerdings wieder

Ernst von Postart.

Emst von Possart, dem München seine ganze Bedeutung als Hochburg deutscher Theaterkunst zu danken hat, der die alte Kunststadt an der Isar zu einem zweiten Bayreuth schoben hat, ist uns hier in Gießen ein lieber Gast geworden. Das bewies auch der gestrige Vortragsabend wieder, der m der neuen Aula ftattfanb und einen sehr starken Besuch cmfzuweisen hatte. Fast die ganze Schar der hiesigen Kunst- fireunde hatte sich versammelt, um sich an der außergewöhn- Lchen Vortragskunst des Mannes zu erfreuen, mit dessen Sangvollem Namen ein bedeutungsvolles Stück deutscher Th ectt er ge schichte aufs engste verknüpft ist.

Starker Beifall begrüßte ihn, aber es ist ein entscheiden­des Zeichen für die Gewalt, mit der Possart durch feinen Wortrag sowohl als auch durch seine Haltung den Zuhörer tont und beherrscht, daß ihn kein Beifall unterbrach.

Possart! Der Name zeichnet eine Welt für sich, er be­zeichnet den bedeutungsvollsten Vertreter der Zeit, die einen Bühnenkünstler nicht nur als Schauspieler, sondern vor allem ris Redner bewertete. Und diese Kunst der Sprache ist es neben seinem außerordentlichen Organisierungstalent, die iürn feinen Ruhm geschaffen hat. Nicht die Kunst der all- täcglichen Rede, die i d e a l e S p r a ch e ist feine immer wieder v rblüffende Kunst, die er mit einer geradezu bewundems- torten Meisterschaft wie spielend zu brauchen weiß.

Wie ein tiefer voller Celloton klingt das mächtige Organ, hon auch nicht die feinste Llbstusung Schwierigkeiten macht, ob er nun int grollenden Baß des Eisenmannes Wolf Reischto o8er in dem lauteren Sonnengoldton seines minnigen UScbterleins sprach, ob er ben nächtlich-schaurigen Einbruch im das Grabgewölbe leibhaftig vor uns lebendig machte, oler die zarte Scheu des zum Weibe erwachenden Kindes, immer hielt er die Zuhörer mit feinen glasklaren, anschau­lichen Darstellungen im Bann und riß sie mit sich fort zu euer Höhe, die sehr selten ein Vortragskünstler erreichen

kann. Hatte Possart mit dem Deutschen Recht von E. von Handel-Mazzetti, das bei JoS. Kösel in Kempten erschienen ist, einen außerordentlichen Erfolg dramatischen Vortrages, so errang er keinen geringeren als feinfühliger, zielsicherer Humorist. Er trug Gedichte Wilhelm Buschs mit einer solch liebenswürdigen lleberlegenheit, solch unge­künstelter Feinheit vor, wie ich es noch nie gehört habe. Das war so schlicht und so echt, ohne alles .Haschen nach derPointe", daß er eine unvergleichliche Wirkung erzielte und einen tiefschürfenden Eindruck machte. Mancher wird vielleicht Wilhelm Busch in Zukunft mit ganz anderen Augen ansehen und mit ganz anderen Herzen lesen als seither, und wird eine größere Freude an ihm haben. Daß Possart damit außerordentlichen Beifall fand, erübrigt sich zu sagen er ist eben der Vortragskünstler. K. N.

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Eine neue Klaviatur. Ein Australier, Herr (Eiuri fam, hat eine neue Klaviatur gebaut, die im Gegensatz zu dec bisherigen gcrabtüugen bogenförmig verläuft. Dadurch sollen dem Spieler die abliegenbeu Tasten nähergebracht und ihm die Möglichkeit gegeben werden, in derselben Stellung die ganze Klaviatur zu berühren. Ter Gedanke der bogenförmigen Klaviatur ift schon älter, die Art aber, wie Clutsam diesen Ge­danken verwirklicht, ist neu. Ec gruppiert die Tasten nicht in einen Bogen um ben in den Mittelpunkt gerückten Spieler, in richtiger Erwägung baut er um jeden Arm des Spielers einen besonderen Kreis, führt diese beiden Ausschnitte aber nach der Mitte ausgleichend zusammen. Auf diese Weise kommt er den Bedürfnissen der Hände aufs verständnisvollste entgegen. Aus dieser Veränderung folgert er noch eine Reihe von weiteren Neuerungen, so die Verlängerung der Ober- und Un­tertasten um 1 bis V 2 Zentimeter, die damit parallel lau­sende Verschmälerung aller Tasten, das schräge Ablaufen der Obertouen und das Abfallen dec ganjen Klaviatur von der Mitte nach den Außenseiten hin. Es sei betont, daß es sich aus­schließlich um eine Veränderung der Klaviatur und der damit direkt verbundenen Teile handelt, während der ganze Körper des Instrumentes unverändert bleibt. So wurde auch bei ben bisher

gefertigten Instrumenten lediglich die neue Klaviatur in die alten Flügel hmeingebaut. Der Berliner Vertreter der Firma Ibach, Herr Bauer, hat nach der Franks. Ztg. als erster die neue Idee ausgenommen und den Bau des ersten Flügels mit Bogenklaviatur di^chgejetzt Auf diesem Instrument wurden auch die ersten öffent­lichen Proben abgelegt, die bei ben Fachleuten einstimmige An­erkennung fanden. Der Pianist spielt sich in kurzer Zeit auf dmem neuen Instrument ein. Die Bogenklaviatur läßt infolge der Ver,chwalecung der Tagen oben und unten einen kleinen Spiel- raurn, auch nach rückwärts schneidet sie nicht so hart an dem ^ckel- ao Dre>e für das Auge beruhigend wirkende Erweiterung des Lpieltisches dürste nicht nur technisch, sondern auch psycho­logisch von gunltigem Einfluß sein; man hat eben hier nicht mehr das beklemmende Gefühl wie bei dec alten, so eng an das Ge­häuse angepreßten Klaviatur.

F7 Wie lange gibt es Menschen auf der Erde? Mvkena (Griechenland- hat etwa um E Jahr 15001060 vor Christus geblüht. In Aegypten war, ^e uns die Elfenbeinstgürchen von Abydos lehren, gegen 4306 9iSr- Ä 6*irroi<tote Kultur: erft rotit später, um 00 ^hr. eroauten die Pharaonen ihre Pyramiden Aber bie neuesten Ausgrabungen in Babylonien haben uns iwctz eine viel altere ebenso hochentwickelte Kultur kennen gelehrt.

ÄS* der riesigen Königsburg Nararn sins,

ms (bAO v.Chr.) das eingeebnete Trürnmer-

seld eines viel alteren Herrscher,itzes mit Ueberbleibseln einer Kultur entdeckt, bie, etwa um das Jahr 8000 v. Ehr mit der Einwanderung ber Sumerer einsetzt. Angesichts dieser historischen

ÄU 'Jd)mbieto^ntoiaifcbe Zeitrechnung, die auf r die Erschaffung der Welt anberaumt, s^^^rhalten. Den oben erwähnten Kulturen sind nämlich sehr lange Epochen des Hervorwach,ens ber Menschheit aus ihrer StP ti iphri nUo (d . <-* .. Die Paläontologie setzt

V?9r C Zur bas Atter des Menschengeschlechts auf H°qnn? nnZ toa^reS$L^r internationale Kongreß zu Paris ü?00) auf Grund geologischer und astronomischer Berechnung das r Menichengcichlechis gar auf 1 200 000 Jahre ver- t Entfache kann jedenfalls gelten, daß die vor- 90 -l 5.?>^iz em Alter von wenigstens,

20 000 wahren bean,pruchen dürfen.