Ausgabe 
11.10.1909 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Montag 11. Oktober 1909

159. Jahrgang

Nr. 288

Zweites Blatt

Erscheint iggNch mti Ausnahme der Sonntag?.

Arbeiterfürsorge in -en hessischen Staatsbetrieben.

der

der

t j:a Begrüt technischen

regung des Kriegsministeriums an der Technischen Hochschule in Wien eine Lehrkanzel für Flugtech- nik errichtet werden.

holt zu verstehen gegeben, daß er sich von Berlin wegsehne. Tie repräsentative Stellung eines Botschafters behalt ieden- salls seinem Naturell mehr, als die ost heikle Kleinarbeit, die dem Staatssekretär des i>luswärtigen Amtes zur Erledi- aung bleibt. Wie weit sich aber heute diese persönlichen Wünsche Herrn v. Schoens mit den ihn in Berlin zurück­haltenden Verpflichtungen vereinbaren lassen, sei eine offene Frage.

SlotattonSbmcf und Verlag der Brühi'sche» UniversüätS - Buch» und ©tetnbruderei.

R. Lange, Gießen.

DieGießener ^amilienblätter** werben dem «Anzeiger* viermal wöchentlich beigeleg' oas Kreisblatt fär den Kreis Sietzen" zwennal wöchentlich. DieLandwirtschaftlich«» Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Arrs Stadt und Land.

Gießen, 11. Oktober 1909.

In Audienz empfangen wurden von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog am SamStag u. a. Krcisamtmann Dr. jur. Probst von Schotten; Landgerichtsrat Reuß und Direktor Doering von der Bezirkssparkasse Gießen.

** Aus dem Militär-Wochenblatt. Die nach­benannten türkischen Offiziere wurden als Leutnants ä la suite der Armee angestellt und vom 1. Oktober ab folgenden Truppenteilen überwiesen: Hauptmann Hussein Hussni dem Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.)

Redaktion, Expedition und Druckerei Schul­straße 7. ExpediNon und Verlag 5L Redaktion:d-^112. Tel.-Ad ruAnzeigerLteßen.

Forscher nach Stockholm weiter.

Dor neue Tanz von Paris. Wir lesen in

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger ffir Sberheften

Kölnischen Zeitung": Paris besänftigt sich in diesem Augen­blick, ivo die Wintersaison beginnt und die Salons sich von neuem öffnen, mit einem neuen Tanz, von dem sich die Verehrer Terpsichores einen großen Erfolg versprechen. Wird er einer der klastischen Tänze der dritten Republik werden, wie der viel- becufene Matchiche, wie der nationale Cancan oder wie der eingeführte Cake Walk? Das weiß man noch nicht, aber zeit­gemäß ist er jedenfalls. Ter neue Tanz beruht auf dem all­gemeinen Interesse an den Flugmaschinen, und er führt den poetisäien vkamenAer«nette". Getanzt wird er aber in vier Figuren folgendermaßen: Erstens: Tie Tänzer treten an wie zu allen Rundtänzen und machen im lebhaften Zweitakt einige Galvpptempi vorwärts, so gleichsam das Rollen des Acroplans nachalmumd. Zweitens: Der ?leroplan beginnt zu fliegen. Die Tänzer machen in diesem Augenblick eine Armbewegung von unten nach oben, die den Vogelflug markiert; hierauf machen sie einige Leine Marschschritte. Drittens: Ter Aeroplan schwebt in der Luft. Einige ganz leichte schwebende Schritte, wobei inan die Arme leicht hin 'und her wiegt; dies stellt den Aeroplan dar.

von einem Fuß auf den anderen werfen und den Kopf leicht vornüber neigen. Hoffentlich wird der neue ,,Aeroplan-Tanz" nur auf einem Gelände aufgeführt, wo die Abstürze unmöglich sind. Dieser Tanz ist von Herrn Lesart, dem Vorsitzenden der Pariser Tanzmeister-Akademie, dem hohen Kollegium vorgelegt (wie wir vermuten: vorgetanzt) worden und hat dessen einstimmige Billigung gefunden. Zu seiner Empfehlung soll man besonders seine dezente Haltung und seine Gesellschaftsfäh-igk-eit angeführt haben. Andere Zeiten, andere Sitten! Wenn diese Empfehlung dem neuen Tanze bei seiner Karriere nur nicht fd*abet!

Eine Bibliothek in der Sahara. Ter franzö­sische Oberst Gaden, der imlängst eine Expedftion nach dem süd­westlichen Saharagebiet unternahm, hat bei dieser Gelegenheit im Besitz dos Scheich Sidia, eines der mächtigsten Fürsten der Gegend eine größere Bibliothek gefunden, über die «n letzten Heft derRevue du Monde Muselman" berichtet wird. Die Bibliothek ist zwar nach unseren Begriffen sehr klein, denn sie enthält nur 683 Bücher und 512 Handschriften, ist aber sowohl als ein Beweis dafür, wie das Bedürfnis nach Büä>ern selbst die äußersten Vorposten der mohammedanischen Gesittung ergriffen hat, wie auch megen ihrer Zusammensetzung nicht ohne Interesse. Die Bücher lunfassen etwa 30 Gruppen, darunter besonders Lrra- nische Wifsensck>aft, Glaubenslehre, Geschichte, Mystik, Rechtskunde, Sprachenkunde, Dichtungen in Vers und Prosa, Reiseberichte, Eheleben, magische Rezepte, Traumdeutung und Astrologie. Sie trägt also einen durä)aus rechtgläubigen Charakter, was sich namentlich auch durch das Fehlen von Büchern aus verbotenen Gebieten wie Philosophie und Naturwissenschaften hmbgibt; aber schon das Dasein gedruckter Bücher, deren Herstellung bekanntlich dem strengen Wortlaut des Koran durchaus zuividerläuft, beweist, daß die Umwälzung in der Buchbestellung, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Stambül begonnen, bann vor etwa 40 Jahren durch den Truck billiger Bücher in Kack' wieder auft- genommai wurde, heute in der ganzen islamitischen Wüt Bürger­recht erlangt hat une daß in absetz er Zeit auc. in bieieaH Kulturkreis das gedruckte Buch 'bu1'. oic Buchhandschrift vÄlig in pea Hiutersrunü gedrängt haben .. ;rb.

Kleines Feuilleton.

Der selige Donpinel, Alexander Bisson's geschickter Schwank, qtitg gestern nachmittag in einer sehr guten Darstellung über unsere Bühne. Rudolf-Goll war eürt prächtiger Duperron und fand in Lore Scholz als sarner hübschen Gattin eine ausaezeichnete Gegenspielerin. Ferry Daubal stellte mit Gluck einen trotteligen Kom- Mristen dar. Erna Güldener als seine Frau hätte viel- l«cht ein wenig mutwilliger sein dürfen. Ein famoser Kapi- tim war Kurt Gähne, der auch die Leitung sehr geschickt führte, uttd Edgar Pauly brachte den verwöhTtten Diener schr wirkungsvoll in Erscheinung.

Ein Leonardo da Vinci für das Kaiser- Fried ri ch-Museum in Berlin. Durch einen glück- ckchen Zniall ist Geheimrat Bode in Berlin in den Besitz esnec tv* großen Wachsbüste einer Fran gekommen, die teer Generaldirektor der Berliner Museen für ein Werk Leonardo da Vincis hält.

Eing en es en er Künstler. Der seit z weinn d- z,wanzig Jahren roa (; n f in nig c Bildhauer Ge - mito in'Rom, der seither niemals einen Fuß in sein Melier gesetzt, scheint Plötzlich wieder zur Vernunft gzckommen zu sein. Aus Mitleid mit dem armen großen Künstler hatte die H e r z o g i n vonAofta den Kranken be- ftcht und ihn bei der Arbeit geftinden. Nun hat der Mnstler dem Herzogspaar beit Besuch erwrdert und eine wundervolle Stattwtte eines Fischerknaben überreicht. Man fcifft, daß Gerrrito der Kunst zurückgegeben ist.

Der deutsch-russische Zwischenfall in Lharbin.

Der Charbiner Zwischenfall ist dnrck) gegenseitige Er- bärnngen beigelegt worden, deren wichtigste die Anerken- mng der Exterritorialität der fremden Untertanen in ' -Pearbin durch Rußland ist. ZurKlärung" der Verhält- itiffe tritt die russische Regierung mit einem Rundschreiben ierbor, das nack) dem B. T. u. a. wie folgt lautet:

Tie Vertreter einiger Mächte haben Zweifel über das Ver- -i g u n g 5 r e ü) t geäußert, das von feiten der Stadtvernmltung rm Chardin ausgeüvt wird. Sie versuchten festzustellen, daß einzelne Paragraphen des am 10. Mai dieses Jahres in Peking unter- iSichneton Sei:traget den ihren Reick-sangchörigen durch die Trak- Ldle mit China 'eingeräumten Exterritorialrechten Ab- ixud) tun, daß ferner einige von der Verwaltung Charbins ge- j troffenc Maßregeln sich, in Widerspruch befinden mit der Ord- röntg bvr internationalen Konzession, die ihrer Meinung nach i tun der letzten Zeit in Cl-arbin festgestellt fei. Es ist leicht nach- yjtoeiie.n, daß ein derartiger Standpunkt auf einem Mißverständnis osrulst. Tie Ex territorial echte, soweit sie durch Traktate ge» ii,d)ert sind, begreifen aussck^ießlich das Recht jedes Auslänbers 1 in sich, von feinem eigenen Konsul gerietet zu werden, befreien ihn aber keineswegs von der Verpflichllmg, Stadt- imb andere 'Äebülnen zu entrichten und sich der eingeführten Ordnung zu rügen

Den auf dem Territorium her Ostbahn befindlichen Orten Vt die chinesisch Regierung durch Konzessionsvertrag oom

Der Finanzausschuß der Zweiten hessischen 'Kammer hat, wie schon berichtet, den Antrag des Äbg. Ul­rich betr. die Arbeiter- und Hilfsangestellten in den Staats- teetrieben für erledigt zu erklären beschlossen, ebenso wie ranen gleichlautenden Antrag, auf dem vorigen Landtag. Tie Regierrmg hat sich diesmal in ihrer Antwort auf ihre i üheren ausftihrlichen Darlegungen beschränkt, in denen jrie erklärt:

Gegen die Einführung des acht stündigen Normal- mrbeitsta a es machten sich erhebliche technische und praktische Bedenken gclicnb. Nicht nur die Verschiedenartigkeit der Be- triebe, auch die Abhängigkeit der Arbeitszeit von der Jahreszeit unib der Wi. erung in zahlreichen Fällen lasse eme generelle | itbeschränkun uf acht Stunden nicht zu. Die Slegienmg weist t auf die Arbeitseinteilung in den staallichen .üben, wie Bad-Nauheim, Grube Lud- ,i n g hin, bei denen sich die tägliche Arbeitszeit

MH. ScDwestertiii ßieaMD.

anfm. Verein w

Dienstag den Ofi* Verems-Abena.

xienötagdcnU Uv-

MM

ß___

Giessen. ifW Hermann S*

...

Die fremde, Frt SrKre«®! säst S"1'""4*

L iscw"'1

Aaß«r ^ Erhoiit^' rhöhte

j GastsP

. .. gaiidro^

lischt emröglichen.

Was die dritte Forderung des Antrags Ulrich Zusicherung fefter Alters und Pensionszulagen betrifft, so verweist die Surgicnrng ai'f verschiedene Wohlfahrtseinrichttrngen, die be- r.fts in ein. Reil)e staatlicher Betriebe eivgeführt sind. Die Bewährung von Prämien an solche Arbeiter, bic etne 8 -wisse Reihe von Jahren in staatlichen Betrieben beschäftigt mren, bilden den Gegenstand wefterer Erwägungen der Neaie- i.mgsbehörden. Ferner wirb hinfichttich der gewünschten Er­richtung von Arbeiter-Ausschüssen barauf hinge- oefen, baß diese nur bei ständigen Arbeitern in Betracht kommen;

: wo sich in den geschlossenen staatlichen Betrieben mit ständigen Arbeitern ein Bedürfnis hierfür geltend gemacht hat, fei dem i? unsche bereits willfahrt worden. Eine Beschränkung des Koalr- msrechts der Arbeiter habe in den staallichen Betrieben nicht

ftliihlttmifo

-tubmm bet Ao!i» oiuerte von: Seoh Mösohn, Bruch, & vaqanini,

iectQODen, Saint=Säte JdjaifomSli, GJolbmarf ti6niemb(tibiel W rteilt iöüb. Schöttler, "uitllehret, Ülotitr.filE

Der Südp o larforsch er Shakleton ist am Samstag in Kopenhagen angekommen. Er wurde vom König empfangen und erhielt das zlHmmandeurkreuz vom Dannebrog. Abends hielt der Forscher einen Vortrag in der Geographischen Gesellschaft, dem die ganze Königliche Fa­milie, außerdem Königin Alexandra von England und die Kaiserin-Witwe von Rußland, beiwohnten. Als Vorsitzen­der der Geographischen Gesellschaft dankte der dänische Kron­prinz Shakleton für seinen Besuch und überreichte ihm die Goldene Medaille der GLsellschaft. Heute reist der

D!e Lage in Oesterreich.

Die Parlamentszeit in Oesterreich kündigt sich drtrch leb­hafte Kundgebungen an. Tic Berhandlunaen des böhmi­schen Landtags sind gescheitert, doch außerhalb werden die Erörterungen fortgesetzt:

Wien, 9. Ott. Tas kaiserliche Patent, mit dem der Reichs rat für den 20. Oktober zur Wiederaufnahme seiner Tätigkeit einberufen wird, ist bereits erschienen. Ab­geordnetenhaus und Herrenhaus haben bereits für den 20. Oktober die Eröffnungssitzungen an beraumt, in denen der Ministerpräsident Bienerth Erklärungen abgeben wird. Der böhmische Landtag ist heute vertagt worden. Eine offizielle Veröffentlichung besagt, daß im Laufe dieses Jahres noch ein letzter Versuch unternommen werde, um dem böhmischen Landtag die Arbeitsfähigkeit nftederzugeben.

P r a g, 9. Okt. Der Vorstand des D e u t s ch e n B o l k s- rates für Böhmen hat an den Statthalter Grasen Couden Hove einen offenen Bries gerichtet, in dem es mit Bezug auf die Wiedereröffnung der Hochschulen heißt:

Seit Jahren sind untere Prager deutschen Studenten vvgeb- frei. Jahraus, jahrein müffen sie für ihre Farben bluten. Jahr­aus, jahrein gehen die Täter straflos aus. Und schon mehren sich die Zeichen, daß unsere Gegner auch Heuer bereits jn.it den Vorbereitungen begonnen haben, um bny alte blutige Spiel zu eröffnen, wir aber hören und sehen nickst, daß auch Eure Exzellenz schon Vorbereitungen treffen, diesem Treiben von frontberem die Spitze abzubrechen. Was wir Tentsckten kommen sehen, müssen auch Sie ko armen sehen, und wir imubcn uns darum in dieser Sache an Sie, Exzellenz! Und unser Ruf nach Schutz für unsere deutschen Studenten in Prag, er erfolgt rechtzeitig. Wir kommen nicht mit Bitten, wir kommen nicht mit Beschwerden. Wir for­dern! Wir fordern, was unser Recht ist, wir verlangen von Ihnen, daß unfern Studenten rechtzeitig Schnitz mtb ausreichende Sicker- Heft geboten werden! Tie Deutschen in Böhmen müßten andern- falls die Kvnseguenzeii ziehen. Ties für Heuer unter erstes und unser tetzt-es Wort. Trebnitz, am 6. Otto der 1909. lieber ein­stimmigen imb allgemeinen Beschluß vom 1. Oktober und im Auftrage des Vorstandes: Dr. Titta m. p., derzeit Vorsitzender des Dättschen Volksrates für Böhmen."

Laibach, 9. Okt. Im krainischen Landtage kam es nach einer Meldung der I. Z. beim Anträge auf Annullierung zweier liberaler Mandate zu ungeheuren Lärmszenen zwischen den Slovenisch-.ülerikalen und den Slovenisch-Liberalen. Die Liberalen Türk und Supancie warfen Stinkbomben in den Saal, die einen atem- beklemmenden Gestank verbreiteten. Der Landeshauptmann " war außer stände, die Octmung herzitfrellen. Er berief den Disziplinärausschuß ein, der beide Wgeordnete von drei Sitzungen ausschloß. Diese weigerten sich jedoch, den Sitzungssaal zu verlassen, woraus der Landeshauptmann eine geheime Sitzung anordnete und Diener aufforderte, beide Abgeordnete aus dem Saal zu führen. Die Diener wurden von den Klubgenossen zurückaedrängt. Der Landes- liauptmann drohte mit strafgerichtlicher Verfolgung und Intervention der Polizei. Die Liberalen ratschten und trompeteten toeiter. Es wurden noch drei liberale M- geordnete vor den TisziplinarMtsschuß geladen, die jedoch Abbttte leisteten. Auf Zureden der Krubgenossen verließen die beiden M'sgeschlossenen Abgeordneten endlich den Saal, , woraus wieder Ruhe eintrat.

Aus Anlaß des 15 0. Geburtstages Schillers tarrb die Stadt Wien im Festsaale des neuen Rathauses eine besondere Feier veranstalten, bei der Bürgermeister _____

{Er. Lueger die Festrede halten wird. x I wie er in bvr Höhe strebt- die Bewegung wftd mehrere Male

Der erste Lehrst uch l s u r F l u g t e ch n r k. 3m fartgefeut Viertens, zur.. Schluß: Ter Abstieg des Aeroplans, Dichsten Jtchft wird. Wie dasN. W. T." meldet, auf Au-l p«r dm 7äu^» ör ber Weise vorgetzchrt, daß ste sich ledhajt

28. Ai^ust 1896 und durch Uebereinkommen vom 10. Mai 1909 der China-Ostbahngesellschast Berwaltungsrechte als Vrivat-Kon-- zefsivnär übertragen, so daß die Gesellschaft bei der Ueberwachnng der Verwaltung Charbins und anderer Punkte als Organ ber chinesischen Regierung handelt.

Ein anderes Mißverständnis gab augenscheinlich Veranlassung zu der Behauptung, Chardin fei unlängst in eine internationale Konzession umgewandelt worden. Die vertragschließenden Parteien hatten jedenfalls niemals eine derartige Absickst. Die infolge einer Unttarheit des sechsten Paragraphen des Balmkonttattes entstan­denen Mißverständnisse haben auf dem Territorium der China- Osttahit eine äußerst unstabile Lag e geschaffen, welche die russifche ebenso wie die auslärwische Bevölkerung hinderte, sich dasetbst fest niederzulassen und ernste kommerzielle Interessen an- zubahnen. Infolgedessen liegt es im Interesse der auswärtigen Mächte selbst, zum allerschleunigsten Abschlüsse der Mischen Ruß­land und China sckMebenden Verhandlungen bei^utragen und deren regelrechten Laus nicht zu hemmen, was gleichbedeutend damit ist, daß sie dem Eingreifen vollkommener Unori>nung in den an der Bahnlinie entstandenen Ortschaften entgegenarbeiten. Andern­falls würde auch die Bahngesellsck)aft unter solchen Verhältnissen Ausgaben für eine befriedigende Organisation der Ortschaften vermLiden."

In dieser Veröffentlichung liegt das Eingeständnis, daß das verbriefte Recht den Russen keineswegs zur Seite steht; sie scheinen vielmehr nur ein freundschaftliches Entgegen- lommen beanspruchen Ku wollen, was aber ihrer gewalt- tätigen Handlungsweise nicht entspricht. Endlich ist' «uch eine deutsche Darstellung erschienen, die aber sehr unvoll­ständig ist und ai;-? der lediglich das Bestreben hervortritt, denharmlosen Vorgangs ruhig zu behandeln:

Charbin, 9. Ott. Nach Ermittelungen des aus Mukden hier eingetroffenen deutschen Konsuls haben sich die Vorgänge bei der Zwangsvollstreckung gegen die BrauereigesellschaftCharbin" folgendermaßen abge­spielt: Gegen die Brauerei war ein russisches rechtskräf­tiges Urteil ergangen. Die deutschen Mitinhaber der Brauerei erbaten gegen die Vollstreckung dieses Urteils den Schutz des deutschen Konsulats. Der deutsche Vizekonsul legte darauf gegen die Zwangsvollstreckung Protest ein, indem er von der Annahme ausging, daß die Brauerei nicht den Charakter einer russischen Gesellschaft habe, sondern daß zwischen den deutschen und russischen Besitzern der Brauerei nur das Verhältnis des Miteigentums bestehe. Er gestattete den beteiligten Deutschen auf ihr Ersuchen, die deutsche Flagge aufzustecken, verbot ihnen aber, den Maß­nahmen der russisc^n Behörden attiven Widerstand ent» aegenzusetzen. Ms darauf mit polizeilicher Hilfe die Zwangsvollstreckung vollzogen wurde, sollen zwei Deutsche Widerstand geleistet haben. Die Foststellungen des zur Auf­klärung der Angelegenheit entsandten Konsuls haben nun ergeben, daß der Gesellschaft tatsächlich der Anspruch auf deutschen Schutz nicht zustand. Sie hat bisher stets den russischen Schutz beansprucht und erhalten. Unter diesen Umständen ließ der Konsul den Protest zurück ziehen und ordnete selbst die Herun^ernalftne der deutschen Flagge an. Wegen des behaupteten Widerstandes zweier Deutscher wurde bei dem deutschen Konsul, dessen Gerrchtsbarkeit über die beteiligten Reichsangehörigen auft) von russischer Seite als zustänoig anerkannt wird, Straianrrag gestellt. Soweit bisher feftgeftellt ist, scheint es sich dabei nicht um grobe Ausschreitungen, sondern um ziemlich harmlose Vor­gänge zu handeln. Der ganze Vorfall wird hier ruhig Gehandelt.

Es ist doch eine Verdunkelung des Tatbesttrndes, wenn hier festgestellt wird, derGesellschaft" habe ein An- spruck) auf deutschen Schutz nicht zugestanden. Das hatte auch kein Mensch behauptet, und die Streitfrage war ja, ob die Deutschen als solche und Miteigentümer der Brauerei­gesellschaft gewalttätig behandelt toerden durften. Im Aus­wärtigen Amt in Berlin scheint man so schwierige Verwick­lungen überhaupt nicht zu lieben, und auch aus diesem Vorfall kann die Frage aufgeworfen werden, ob Herr von Schön der rechte Mann dort am Platze sei. Er schien immer nicht gerade mit £iebe an seinem Posten als Staatssekretär zu hängen. Von der Amtsmüdigkeit des Staatssekretärs des Auswärtigeti v. Schoen ist auch in den letzten Tagen ntehrfach die Rede gewesen, während von anderer Seite die Nachrichten von dem Rücktritt des Herrn v. Schoen, sowie von sonstigen größeren Veränderungen im Auswärtigen Amte als chlsch bezeichnet wurden. DieTägl. Runsch." behauptet nunmehr, Herr v. Sck>oen habe allerdings wieder-

*less3ll

^otMUtlQ3

""-kMe 91

'"M am N8tor.8tICMt

Wits» Abends si/ m «chutz '** be§ r\ _ et.tn « 6. Ich 1 1908, ü6(t * tsehlanc ^Vorstand.

MM.W chrifck. Allgedole unter 1 rieMchailsMed.Gitz! >er,;. Äügtcrin nimmt Äi: er üem raufe an.

i erfr. Ncueutoca 31L wmtsäif ttres Tawmitraft i._

tochen durchaus tiruM 4 Sicher Stiag.

lidttgcfunben.

Der Ausschuß pflichtete in seiner Mehrwert rm allge- netuen der Stellungnahme der Regierung bei. Ein Teil Anregungen des vorliegenden Antrags sei nach der Re- lierungsantwort bereits verwirllicht, ein anderer Teil aus «triebstechnischen Gründen unausführbar. Dor allem be­grüßte es der Ausschuß, daß die Regierung feftstellen konnte, chciß eine Beschränkung des Koalitionsrechts s ber Arbeiter in den speziell hessischen Staatsbetrieben nicht i rjolgt ist. Er gab der Erwartung Ausdruck, daß auch, für = >>ie Folge dasselbe gegen jegnche Beschränkung ge- bleibt.

eitere Tarne sindei bei L n Ehepaar dauernde e chrijrl. Angebote unter k >en tzieftner Anzeigern iHonf erteilt anert gr. ,aeni NM.inall.Stt christl Angebote unter: den Giegener Anzeiger t:

Iwigshoj 1 i n g bin, ber denen ftd) die taglrche Ardettszert ' vischen acht bis zehn Stunden bewegt und wo die Eigenart I beä Betriebe eine gleichmäßige Arbeitszeit geradezu ausschlteßt.

. n den geschlossenen staatlick;en Betrieben, in denen es möglich l mar, sei eure tägliche achtstündige Arbeitszeit bereits 1 e i n g e f ü l) r t, so für die Bergleute auf Grube Ludwigshofftrung.

ft^as die Festsetzung eines Minimallohnes anlangt, so lasse b*e Eigenart der Bettiebsverhältnisse, beispielswetse üt der Forst- I v^waltung, eine solche nicht zu. Dort handele es sich vftlsach um

kurze Arbeitspcrioden mit Stücklohnverdienst. Die Forftverwaltung (Weibe bemüht, einen ungünstigen Stücklohnverdienst auf eine an- | g-anessene Höhe zu bringen. Bei der Abhängigkeit ber Lohnsätze

tmn so vielen und verschiedcnarttgen Gesichtspmckten lasse sich Einführung eines Minimallohnes auch für Taglohnarbett