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11/09/1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 213

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« strahe 7. Expedition und Verlag: ey^51. Redaktion: 12. Tel.-2ldruAn-eigerTieben.

Zweites Blütt 159. Jahrgang Samstag 11. September 1909

Erscheint tSgllch mit Ausnahme des Sonntag?. . & ^AAA A. AA vrotationSdruck und Verlag der Brü Hachen

--------- h' ft Bn y g ^Tet UnlversitätS - Bilch- und Steindruckerei.

DieSlehener Lamiliendlätter" werden dem ff, W A B g M J7 g S g -A 6 Ä & 9 R. Lange, Ließen.

.Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das ti, p ui S 3L i&_, £L ^/W H fit SL^fc' 3L

Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal v KI W » V a V V

wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit« «p f e * w r

fragen" erscheinen monatlich zweimal. $6116101=2111361^ fUk 01)6^6^60

politische Lagesschau.

Berliner Techniker gegen Augsburger Uebergrisse.

Die maschinentechnischen Mitglieder deS Deutschen Techniker-Verbandes in Berlin waren am Mittwoch in sehr großer Zahl versammelt und nahmen nach einem Referat des Sekretärs Tischendörfer mit ausdrücklicher Billigung der Leitung deS Deiitschen Techniker-VerbandeS einstimmig nach, folgende Entschließung an:

.Die am 8. September veranstaltete Versammlung der Berliner Interessengruppe des D. T. B. für Maschinen- und Elektrotechniker orolesliert gegen die wiederholte Beschränkung staatsbürgerlicher liechte technischer Privatbeamten durch die Augsburger Maschinen sabrik und bedauert, daß die in Bet>acht kom­menden Angestelltenverbände gegenwärtig noch nicht in der Lage lind, derartige Uebergriffe zu verhindern. Ebenso befremdet sie, ) gege. letztere bisher noch kein nennenswerter Widerspruch aus )en Kreisen der Industrie hervorgetreten ist.

Die Versammlung fordert and diesem Anlaß sämtliche Mit­glieder des D. T. V. auf, sich eine zielbewußte sozial- oolitische Schulung anzueignen und mit vereinten Kräften dahin zu wirken, daß der T. T. V. baldigst in den Stand gesetzt werde, solchen und ähnlichen Vorkommnissen erfolgreich zu begegnen.

Zur Erfüllung dieser Aufgabe hält die Versammlung eine Reform der Verfassung des D. T. V. dringend erforder­lich, und bittet daher alle Vereine, dem Ausbau des Verbandes ihr lebhaftes Interesse zuwenden und in den größeren Städten gemein­same Ausschüsse zur Prüfung der Satzungeil des D. T. V. einsetzen zu wollen."

Heer und Flotte.

Dpenrade, 10. Sept. Die Felddienstübungen der Lochseeflotte fanden heute mit einem größeren Gefecht bei Bodum nördlich von Apenrade ihr Ende. Die vom Prinzen Heinrich befehligte blaue Armee war von Gjenner vorgerückt und die rote unter Führung von Kontreadmiral Grapow trat dem Gegner von Upenrade aus entgegen. Die Prinzessin Irene und Prinz Wal­demar waren, wie schon an den vorhergegangenen Tagen, mit im Manövergelände und kehrten mit den Truppen in die Stadt zurück. Heute abend findet großer Zapfenstreich in Apenrade vor den prinzlichen Herrschaften statt. Morgen früh kehrt die Flotte tiad) Kiel zurück.

...........' 1 -

Deutsches Reich.

Als Termin für die allgemein en Wahlen für die Zweite sächsische Ständekammer, die zum ersten Male nach dem neuen, geheimen und direkten Plural- system stattfinden, ist der 21. Oktober in Aussicht genommen.

Ausland.

In Glasgow sprach Lord Rosebery am Freitag nach- rnittag vor einem dichtbcsetzten enthusiastischen Hause gegen das Budget. Er erklärte, das Budget, wie es vorliege, sei eine Revolution ohne Mandat von feiten des Volkes. Die stärksten Interessen der Nation erheischten, daß das Budget nicht Gesetz werde. Seine unmittelbare Folge würde Vermehrung der Arbeitslosigkeit infolge Erschöpfung des Kapitals sein. Die Grundsätze, worauf die Besteuerung des Grundbesitzes aufgebaut sei, ließen sich logisch ebenso auf Konsols und auf alles realisierbare Eigentum anwen den. Die Borschläge der Regierung schädigten die arbeiten­den Klassen ebenso wie die Herzöge. Er lege Protest da­gegen ein, daß die Grundbesitzer mit Verbrechern in eine Nnhe gestellt würden und ',r zweifle nicht, daß eine Be­rufung an den Gerechtigkeitssinn der Nation nicht er- fi)lglos sein würde. Er glaube, die Politik der Regierung sei machiavellistisch und von der Absicht eingegeben, die Lords zu veranlassen, das Finanzgesetz zu verwerfen. Die Negierung bewege sich auf den Pfaden des Sozialismus.

vom Deutschen Anwaltrtag.

4. Rostock, 10. Sept.

Auf dem 19. Deutschen Anwaltstag, der am Donnerstag unter starker Beteiligung in Rostock zusammengetreten ist, referierte Justizrat Tr. S t r a n z über Gegenwart und Zukunft derPflicht- a n rv a 11 f d) a f L Nach längerer Aussprache wurde folgende Ent­schließung anaenommen:

Der 19. Deutsche Anwaltstag macht den Anwälten die Be­teiligung an dem sozialen Hilfswerk gemeinnütziger Belehrung für Unbemittelte, sei es durch Schaffung einer eigenen Organi­sation, sei es durch Mitwirkung bei den bestehenden staatlichen, kommunalen und privaten Einrichtungen zur Pflicht. In diesem Sinne ruft der Anwallstag die Anwaltschaft Deutschlands zu einer freiwilligen Pflichtanwaltschaft auf. Hinsichtlich der be­stehenden gesetzlichen Pflichtanwaltschaft empsiehlt der 19. Deutsche Anwallstag: 1. Die Aufnahme einer amtlichen Statistik für den Armenrechlsprozeß, die Anzahl dieser Prozesse, die Instanzen, die Höhe des Streitwertes, die Höhe des Auflagen« und Gebühren- soldes, den Ausgang dieser Prozesse usw. Erst eine solche Statistik wird eine sichere Grundlage dafür schaffen, ob ein Miß­brauch des Armenrechts vorliegt, und mit welchen Mitteln ihm zu steuern ist. 2. Tie Beibehaltung des bisherigen Rechts­zustandes der Gebühreiisreiheit, dagegen Ersatz aller Barauslagen. 3. Regelmäßige Anhörung des ©egnev6 der Armenpartet vor Bewilligung des Armenrechts.'

Dann referierte Rechlöanwalt Armer (Breslau) über den Entwurf der neuen Strafprozeßordnung unter beson­derer Berücksichtigung der Verteidigung. Ter Entwurf erfülle das Versprechen, die Stellung des Verteidigers au heben, nur unwesent­lich. Die Stellung des Verteidigers bleibe, von kleineren Ver­besserungen abgesehen, die alte, und der Entwurf stehe dem Ver­teidiger mit dem alten, unberechtigten Mißtrauen gegenüber. Aber trotz aller dieser Bemängelungen sei zuzugeben, daß man den Ent­wurf als Grundlage für die Gestaltung unseres Strafverfahrens wohl benutzen könne, insbesondere, da die Begründung die Mängel des jetzigen Verfahrens deutlich hervorhebe. Es muffe aber eine Umarbeitung des Entwurfs und die Beseitigung der im einzelnen gemachten Ausstellungen verlangt werden. Besonders müsse die Mitwirkung des Laienelements in der Berufungsinstanz verlangt, die Beschränkung der Beweiserhebung beseitigt, die Stellung des Beschuldigten und des Verteidigers im Vorverfahren energischer gehoben werden, und es müßten auch die nachteiligen Veränder­ungen des. Entwurfs für di« Rechtsmittel beseitigt werden.

In der Debatte über den Vortrag des Rechtsanwalts Armer erklärt Oberlandesgerichtsrat Dr. Schultze, er wolle als Vertreter der Reichsregierung nur in einigen Punkten den Entwurf des Reichsiustizamtes verteidigen. Das Recht des Ver­teidigers aus Akteneinsicht fei in weitgehendem Maße gewahrt. Ueberhaupt seien die Befugnisse der Verteidigung überall da, rno sie in Frage kommen können, wahrgenommen. Dieses sage er zur tatsächlichen Berichtigung, denn an der Diskussion selbst könne er ja nicht teilnehmen. Bezüglich der Strafpr'ozeßrewrm und ihrer Behandlung im Reichsjustizamt könne er nur versichern, daß die Reichsregierung den Wünschen der Rechtsanwälte in weitestem Maße Rechnung tragen möchte. Der Berliner Anwalts­verein habe einen eigenen Entwirrs zur Strafprozeßreform aus­gearbeitet: er bedauere nur, daß dieser dem Reichsjustizamt nicht jugegangen sei.

Ter Korreferent Rechtsawvalt Rosenthal (München) leitet fein Referat mit der Erklärung ein, daß der Berliner Anwalts­verein seinen Entwurf dem Reichsjustizamte nur deshalb nicht 1 eingereicht habe, weil er zu spät fertig geworden sei. Weiterhin

Sozialdemokratischer Parteitag.

4 Leipzig, 9. Sept.

Mit einer Konferenz der sozialistischen Frauen Deutschlands beginnen am Samstag hier die Verhandluitgen des diesjährigen sozialdemokratischen Parteitages, der allem Anschein nach ein Seitenstück zu dem Dresdener Parteitage der Sozialdemokratie vom Jahre 1903 werden wird. Wenn auch die von der Partei erreichten Erfolge bei den Nachwahlen in Neustadt-Landau und Stolberg-Schneeberg die Stoßkraft der Partei aufs neue deutlich erwiesen haben, so wird es doch nicht ausbleiben, daß die zahl- losen Zwischenfälle der letzten Zeit, wie derHofgang" der württembergischen Genossen, die Affäre Bernstein, das Ver­hältnis der Partei zu den sozialistischen Monatsheften, die Stellungnahme der anhaltinischen Genossen, der Maiseierstreik, die Haltung der Reichstagsfraktion bet der Reichsfi na nzreformi u. a. m. lebhafte Debatten zeitigten, die aufs neue den tief­gehenden Zwiespalt zwischen Radikalen und Revisionisten be- leuchten werden. Dazu kommt, daß der Parteitag diesmal in Leipzig tagt. Selbst der an einem schweren Herzleiden erkrankte Abg Bebel, der sich schon lange im Hintergründe gehalten, soll auf der Reise nach Leipzig begriffen fein, nachdem er am vorigen Sonntag an den Zeppelin Ausstiegen gelegentlich des Besuches des Reichstages und Bundesrates in Friedrichshafen teilgenommen hat. Selbstverständlich ist auch Eduard Bernstein und mit ihm der ganze revisionistische Flügel der Partei ev- frfnenen. Abhandlungen finden im großen Volkshause der Partei statt, das sich diese in der Zeitzerstraße 32, allerdings unter schwierigen Verhältnissen, erbaut hat. Hier wird am Sonntag Abend 7 Uhr die Eröffnung und daran anschließend die Kon­stituierung des Parteitages und die Festsetzung der Geschäfts-

rügt Rechtsanwalt Rosenthal die Einschränkung der Kvmpeienz der Schwurgerichte und spricht-allgemein den Wunsch nach einer Verstärkung der Reckte ber Verteidigung aus Nicht nur zur Verurteilung des Schuldigen, sondern auch zur Erlösuna des Unschuldigen sei die Rechtspflege da. Ter Verteidiger mühe das Recht haben, jederzeit mit dem Angeklagten zu verkehren : ober solle vielleicht der Grundsatz gelten, der Angeklagte dürfe nicht zu sehr verteidigt werden. Ter Rechtsanwalt sötte nicht nut dem Staatsanwalt und dem Vorsitzenden um jedes Stücfdxn geschrie­benes Recht kämpfen müssen. Rechtsanwalt Rosenthal pflichtet den Ausführungen des Rechtsanwalts Armer vollständig bei und schlägt noch folgende Grundsätze vor:

Die Hebung ber Stellung ber Verteidigung, welche die Begründung des Entwurfes selbst als notwendig bezeichnet. Der- langt eine Reform des Verfahrens nach folgenden Gesichts­punkten: 1. Ter Verteidigung muß die Stellung eines not­wendigen Prozeßbeteiligten eingeräumt werden. Ein Verteidiger muß in allen Fällen bestellt werden. Nur im amtS- gerichtlichen Verfahren kann bei gewissen Delikten von der Bestellung eines Verteidigers abgesehen werden, wenn der Be­schuldigte damit einverstanden ist. 2. Als Verteidiger können nur Rechtsanwälte und rechtskundige Personen, roeldye die Prü fung zum höheren Justizdienst bestanden und in diesem mindestens zwei Jahre gearbeitet haben, bestellt werden. 3. Die Auswahl ber Verteidiger erfolgt durch das Gericht aus der vom Vorstand der Anwalts karnmer ausgestellten Liste der Verteidiger. Ist die Bestellung eines Verteidigers aus der Liste nicht möglich, so kann ein Justizbeamter, welcher jedoch nicht Richter sein darf, als Verteidiger bestellt werden 4. Der Verteidiger soll un­beschränkten schriftlichen und mündlichen Verkehr mit dem An­geklagten haben. Bei allen weiteren Erhebungen sott er die gleichen Rechte wie die An klage de Hörde, namentlich das Recht der Einsicht in Protokolle, Urkunden und Akten besitzen, ö. Die Kosten ber zu stellenden Verteidigung tragen Staat, bezw. Gemeinde."

Rechts anwalt Dr. Siehr (Königsberg) warnt vor einer lieber- Kürzung in dieser Frage und bittet, bei der Strafprvzeßrefomi keine Revolution ni machen. Rechtsanwalt Auerbach (Berlin) spricht sich für Beibehaltung des Borei des jm Gesetz aus. Nach weiteren Ausführungen der Rechtsanwälte Heinemann (Bei - lin), Leonhard Friedmann und Justizrats Dr. v. Gordon werden die Aussührmtgen des ersten Referenten Armer einstimmig als Meinungsäußerung des Anwaltstages angenommen, desgleichen werden die Leitsätze des zweiten Referenten Rosenthal gebilligt.

Tie Tarifreform betrachte er als ein Hebel, den Sozialis­mus aber als Ende aller Dinge.

DieAgenzia Stefani" meldet aus Petersburg: In amtlichen Kreisen weiß man durchaus nichts davon, daß der Kaiser von Rußland auf die Reise nach Italien verzichtete. Die hierüber von auswärtigen Blättern verbreiteten Meldungen werden auf die nicht guten Nachrichten zurückgeführt, die über den Gefundheits- zustand der Kaiserin vorliegen. Man glaubt, daß der Ge­sundheitszustand der Kaiserin die Entscheidung bezüglich des Zeitpunktes der Resse verzögern, den Kaiser aber nicht hin­dern werde, sich allein nach Italien zu begeben.

Vie Rivalität der Nordpolsahrer.

Cook hat feine Parteigänger und Peary nicht minder. Dir bieten heute wieder einiges Material zu einer Charak fcriftif der beiden Nordpolforscher, ohne natürlich eine Ge­währ für die Richtigkeit geben zu können, die sich' wohl iann erst ergeben wird, wenn beide Forscher mit genauen Einzelheiten aufwarten.

lieber das Zeugnis der Eskimos im allgemeinen iinb der Cool-Begleiter Jtukisut und Avila im besonderen Ipricht sich der mit Cook gleichzeitig zuruckgekchrte Kolontal- derwalter Daugaard-Jensen aus Grönland tn sach- 3unbiqct Weise aus. Der Kolonialverwalter erklärt gegen- iber ber Behauptung Pearys, daß die beiden Eskimos bie -Angaben Cooks entkräfteten:Weshalb m aller Welt hat Seern? das nicht sofort gefügt? ?" Die Eskimos seren, so -fährt der Kolonialverwalter fort, an sich zuverlässige ~eute Sie nicht lügen, und sie ändern im allgemeinen auch nichts tm einem einmal erstatteten Bericht. Indessen, die Cvssmos tm ber Kap York-Gegend hätten vor Peary eine unsagbare Furcht; dieser Mann sei nicht populär unter chnen, wett <r sich stets hart und unfreundlich zu ihnen gezeigthab^ Es sei deshalb sehr wahrscheinlich, daß, wenn Peary mit ben Eskimos Jtukisut und Avila, Eook^^Beglettern, ge­sprochen habe, er sie leicht durch fein barsche^ Auftreten dayU veranlaßt habe, gerade die Worte zu reden, btt chnen Peary m den Miind legte; sie seien der Suggestion setten^ Pearys Ebenfalls leicht unterlegen, umsomehr, als ern Charaktedig bed Eskimos sei, das zu sagen, was dre Leute gernt boren vollen. Es sei sehr mertwurdig,,daß Pea^ ießt plötzlich ben Eskimoaussagen ein so großes Gewicht beilege, d er früher stets davor gewarnt habe, den Bekundungen der Eskimos irgendeine Bedeutung beizumeffen.

Knud Rasmussen werde dagegen von den Eskimos alseinen ihrer eigenen Leute" betrachtet; er fei ge - Grönländer und rede bie Kav-York-Sprache wie ein_ .

geborener. Tie Eskimos hätten zu Rasmussen da^ vollste Vertrauen, und es unterliege keinem Jweis' daß Vas bie Kap-York-Eskimos Rasmussen berichtet haben, genau mb wortgetreu basselbe sei, was ihnen die brndenE- Eskimos Jtukisut und Avila berichtet haben: die Eskimc gckrauchen nämlich, wenn sie einen Bericht imebergeb , stets dieselben Worte; sie umschreiben me etwas, wett iyre Sprache so t'arg sei. Wenn Knud Rasmussens '-^orte o ' jenigen Pearys hinsichtlich der Eskimp-Aussa^n wider- sprächen, müsse unbebinst auf die Mitteilungen Rasmussens

das größere Gewicht gelegt werden. Wenn deshalb, wiel festzustehen scheint, Rasmussen erklärt habe, daß er auf Grund der Aussagen der Eskimos und seiner Bekanntschaft mit Cook an der Richtigkeit von dessen Bericht nicht zweifle, so sei dies ein wichtiges Moment zugunsten Cooks!

Endlich erklärt der Kolonialverwalter, daß er selbst ein unbeschränktes Vertrauen zu Dr. Cook hege. Was insbesondere die westliche Route Cooks betreffe, so habe Cook diese gerade auf Grund der früheren Beriäste Pearys über das Treiben des Polareises in östlicher Richtung gewählt.

AnS Pearys Reisebericht.

DieNew-York Times" beginnt die Veröffentlichung eines ausführlichen Berichts Pearys, dem wir fol­gendes entnehmen:

Nachdem Pearys Schiss cm 5. September 1908 an der Mündung des Sheridanflusses geankert hatte, wurde ein Bretter- Haus am Lande gebaut, das entsprechend gegen die Kälte geschützt wurde Dann begannen die Schlittenfahrten nach dem Norden, um Proviantniederlagen zu errichten, so daß im Frühjahr nur noch die Hauptaufgabe zu erledigen war. Peary machte zwei längere Jagdaussluge mit Eskimos und brachte 60 Tiere heim. Professor Me Mülan machte einen Monat am Kap Columbia Beobachtungen über die Meeresbewegungen, Professor Marvin solche bei Kap Bryant.

Am 15. Februar setzte sich die Schlittenexpedition nach Norden in Bewegung: insgesamt sieben Weiße, 59 Eskimos, 140 Hunde und 23 Schlttten. Am 1. März war man dann bei Kap Columbia zur Hauptaufgabe gerüstet. Ein Eskimo und sieben Hunde waren erttunken. Peary nahm die sieben Mit- gtieder der Expedition, 17 Eskimos, 133 Hunde und 17 Schlitten mit- alles andere wurde als Reserve zurückgelassen. Es wehte ein sckarsei- Sstwind. Nach vier Tagen sand man ein,größeres offenes Gewässer, wo man bis zum 11. bleiben mußte. Am 5 März tauchte die Sonne als großer roter Ball zum eriten- nial seit Oktober auf einige Minuten über dem Horizont auf. Ein weiteres Vordringen war am .11. März möglich, indessen mit Sckwiengkeiten verbunden, da an manchen Stellen das Eis gerade genügend stark war, um den Uebergang zu ermöglichen. Am 14 wurde es fester: bie Temperatur betrug 59 Grad Fahren­heit Peary mußte M c Millan unter Eskimobegleitung nach dem Kap Columbia zurückschicken, da er die Füße teilweise erfroren hatte. Die Wassertiese bettug 325 Faden, das Eis begann fick zu bewegen. Boruv versank nebst seinem Schlitten, wurde aber gerettet. Peary sandte ihn am zehnten Tage unter ber Brette von 85 Gr. 23 Min. eine Strecke zurück, damit er eine Unterstützungs-Etappe zwischen ihm und dem Kap Columbia «bilde.

In dem Bericht heißt es dann weiter: Meine Reisegesell­schaft bestand noch aus 20 Mann, 10 Schlitten und 70 Hunden. Bartlett mit einem Teil Der Expedition bildete den Vortrab', der seine Märsche jetzt beschleunigte. Er machte an einem Tage 30 Kilometer. Wir waren jetzt 86 Gr. 38 Min., also nördlicher als Nansen und der Herzog der Abruzzen. Ich sandte jetzt Marvin zurück, damit er eine weitere Unterstützungs-Etappe bilde. Ich hatte jetzt noch neun Mann, sieben Schlitten und 60 Hunde. Es schien recht glatt, so weit das Auge reichte. Bald kamen wir in eine seltsame nebelhafte Atmosphäre, bann kam tiefer Schnee, der auf höckerigem Eis lag.

Nach äußerst kalten, eisigen Windstürmen wurde der Himmel dunkel. Wir kampierten, wurden aber aus dem Schlafe gerissen, als neben den Zelten das Eis auseinanderbrach und eine immer breiter werdende schwarze Flut enthüllte. Die Expedition floh. Bartlett wurde nebst dem Vortrab auf einer Eisscholle entdeckt, die sich indessen glücklicherweise an das Hauvteis anlegte. Bartlett kehrte zurück, um eine neue Unter- stützungsetapve zu hüben. Jetzt setzte ein heftiger Sturm ein, ber das Vordringen fast unmöglich machte. Am 1. April wurde eine Breite von 87 Gr. 48 Min. gemessen.

Die Fortsetzung des Berichtes will das Nemyorker Statt einen Tag später bringen.

Kopenhagen, 10. Sept. Aus Anlaß der Abreise Dr. Cooks hatte sich eine sehr große Menschenmenge im Hasen versammelt. Der DampferMelchior" hatte Flaggenschmuck an- Selegt, ebenso bie meisten im Hasen liegenden übrigen Schisse, m 4 Uhr traf Tr. Cook, begleitet von dem Kapitän Sverdrup, an ber Absahrtsstelle ein, von der Menge mit enthusiastischen Zurufen begrüßt. An Bord des DampfersMelchiote' wurde Dr. Cook vom Vorstand der Geographischen Gesellschaft, der Direktion der Vereinigten Dampsschissahrtsgesellschaft, dem ame­rikanischen Gesandten 6gan und anderen hervorragenden Persön­lichkeiten empfangen. Im Salon hielt der Präsident der Ver­einigten Dampsschissahrtsgesellschaft, Admiral Rickelien, eine Rede, in ber er Dr. Cook eine glückliche Heimreise wünschte und ihn bat, überzeugt zu fein, daß er in Kopenhagen nur Freunde hinterlasse, und daß niemand in Dänemark an seinem! Werke zweifle. Tr. Cook dankte mit wenigen Worten 44 Uhr machte der Dampfer los. Dr. Cook stand auf der Kommando­brücke. Die Menge brach in begeisterte Abschiedsrufe aus, bis das Schiss außer Sicht war.

Die Besserung im Befinden Björn st er ne Björn so ns machte, wie aus Chrisliania gemeldet wird, in der letzten Zeit ziemlich gute Fortschritte. Er verbrachte täglich sieben dis acht Stunden außerhalb des Bettes. In den letzten Tagen ist sein Besinden jedoch weniger be'triebigenb, so daß er das Bett hüten muß und sich mit feiner Arbeit beschäftigen darf.