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01/11/1909 Zweites Blatt
 
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Montag I. November 1909

Zweites Blatt

159. Jahrgang

Nr. 256

Erscheint täglich mit Ausnahme de? Sonntags.

SeneM-Anzeiger für Oberhesien

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Börse, 1. November, 1J5 Uhr.

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Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel

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94.30 \ Dresdner Bank . . .

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Rotationsdruck und Verlag der vrühl'lche» Unwersiläts Buch- und Etemdruckeret.

R. Lange, Gießen.

Berliner

Canada E. B. . - Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

LLirehUcye Nactzrichten.

Loangeil-che tyememoe.

Heute, Montag den 1. 9ioubr., abends 8 Uhr: Sibel- ft uude un Lukasfaale.Pfarrer B e ch t o l s h e i in e r.

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206.80

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Vertag: 5L

Redaktion: 112. Lek-AdruAnzergerGießen.

T,e ..«ietzener Familienblätter" werden dem ..Un eifitr* viermal wöchentlich beigelegt, das Jaretsblatl |ü: den Kreis Dietzen" zweimal robihenthd). TieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

;D, GIESSEN :

Nov. und folgende Tage ; KONZERTE | üländer Truppe.

sco Jannetti-

Anfang 8 Uhr. j gebenst ein

Wilk. Amend.

-4- 8,5°C.

4- 6,3°0.

Universitäts-Nachrichten.

Seinen 70. Geburtstag feiert am 2. November der Professor der Chirurgie an der Universität Marburg, Geb. Medizmalrai Tr. Ernst Küster. Ter ausgezeichnete Chirurg ist eil 1899 Vertreter der Marburger Universität im Herrenhause. Leit 1906 hat der Gelehrte die Leitung der chirug. Klinik aus­gegeben und ivohnt seitdeni in Cbarlottenbnrg.

Auf eine 2 5 j ä h r i g e T ä t i g k e i t als U n i v e r s i t ä t s- Professor kann am 1. November der Physiker Geh. Regierungs­rat Dr. pbil. Wilhelm Holtz an der Universität Greifswald zurück VUcteu. Ter Gelehrte steht i>n 74. Lebensjahre.

und Frankfurter 3'/,% Reichsanleihe. ..

ÄlLerroiologriche Beov schrnugeu

her Station Gießert.

GerichtssaaU

M annheim, 30. Eft. Ter Bauspekulant Artur Schwei­zer wurde nach derNeuen Badischen Landeszeitung" nach drei­tägiger Verhandlung tvegen betrügerischen Bankerotts unter Ausschluß, mildernder Umstände zu einer Zuchthausstrafe tron zwei Jahren unter Anrechnung von sechs Dtonaten Unter suchungsl>ast und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf sechs Jahre verurteilt.

Altona, 30. £ft. Nach sechstägiger Derl-andlung befand das Schwurgericht den früheren Hausvater derBlöhmeidien Wild­nis", Joachim Kalander, der Verleitung zum Meineide für schuldig. Ter Angeklagte wurde unter Anrechnung der gegen ihn in Jtzelwe erkannten Gesängnisstrase von acht Monaten zu 13 _> Jahren Zucht Haus und 3 Jahren Ehienverlust verurteilt. Sämtliche des Meineids angeklagte Mädchen wurden frei gesprochen.

Spieipian der vereinigten Sranfjurter Stadttheater.

(Opernhaus.

Dienstag, 2. Nov.'): ,La Boheme." Mittwoch, 3. Nov.: ,Tie Afrikanerin." Tonnerstag, 4. Nov.:Tie weiße Dame." Freitag, 5. 9top., geschlossen. Samstag, 6. 91od. : .Jessonda." Sonntag, 7. 91oü., nacbm. 3D, Uhr: »Die Fledermaus." Abends 7 Uhr: ..Carmen." 'Montag, 8. 9loo., abends 7% Uhr: .Orpheus in der Unterwelt." Tteustag, 9. tzlov.:Samson und Talila " Mittwoch, 10. Nov.: ,Tie Asrikauerui."

Schauspielhaus.

Dienstag, 2. Nov.*):peiinat. Mittwoch, 3. Nov.: »Die Räuber." Tonnerslag, 4. Nov, abends */,8 Ubr: »Fratt Wartens Gewerbe." Freitag, 5. Nov., */,8 Uhr: ^Tanlrts der Starr." Samstag, 6. Nov.:Tie Räuber." Sonntag, 7. Nov., nachmittags 37, Uhr: ,Ter Compagnou." Abends 7 Uhr:Tie Räuber." Montag, 8.Nov.:Tie zärtlichen Verwandten." Tienstag, 9. 91od.: .Kabale und Liebe." Aiituvoch, 10. 8lou., Schillers Geburtstag: Kabale und Liebe." (Sämtliche Plätze des Hauses sind vergeben.) Donnerstag, 11. Nov.:Die freinbe Frau."

*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

66.00 Gotthardbahn . .

98.80 Lombard. Eisenbahn

Gesten. Staatsbahn

4'/s0/0 Gestern Silberrente. 4° o Ungar. Goldrente . . 4° 0 Italien. Rente . . . 3°;0 Portugiesen Serie I . 3% Portugiesen III . 4/,% russ. Staatsaul. 1905 4' ,° 0 japan. Staatsanleihe 4° Couv.Türken von 1903 Tdrkenlose......

4"/0 Griech. Monopol-Ank . 4C,O äussere Argentinier . 3°/0 Mexikaner . . . . 4',,% Chinesen . . . .

Aktien:

Bochum Guss .

Buderus E. W. . . .

ßcrren und D®

unbedingt zur Deckung ihrer Ausgaben nötig zu haben. Wir Udten die Vermögensfteuer besonders für erstrebenswert, die be- -pnders die Besitzenden trifft. Da wurde die Erbfall- und Erbanfallsteuer vvrgeschlagen, und die Regierung erklärte, Hie Reform ohne diese Steuer nicht annehmen zu können, und Fürst Äülow betonte, die Reform nicht ohne die Liberalen machen zu Dollen. Tie Konservativen haben aus politischen Gründen lie Erbschasts steuer ab gelehnt und damit Bulow zu Fall ge- Iracht. Tas Z e n t r u in wollte Bülow stürzen wegen der Schmach hont Dezember 1906. Die bewilligten Steuern luerben den finan­ziellen Erfolg nicht haben, und die E r b s cha f t s - o b e r Nach­laß st euer wirb doch kommen müssen. Wir wollten die kleinen Nachlässe und Erbschaften freilafsen, in Hessen wären vielleicht bei unseren kleinbürgerlichen Verhältnissen nur 90 Prozent letrossen worden. Wir ftimmten gegen eine Reihe recht ernp- findlichen Steuern: Zündholz st euer,Talon-,Wechsel-, S ch e ck st e u e r, Erhöhung von Tee- und K a f s e e z o l l. lieber Liese in wenig Stunbeii gemachten Steuern ist ein Sturm der Entrüstung durchs deutsche Land gegangen, und viele Wähler sind abgeschivenkt ins Lager der Unzufriedenen. Der Wähler muß kühles Blut bewahren und nicht in dieser Weise seinem Unmut für 5 Jahre Ausdruck geben, wie es bedauerlicherweise in Koburg unb Landau geschehen. Tie Wahlen in Sachsen und Ba­den haben gezeigt, daß sich der Unmut nicht nur gegen Konser­vative und Zentrum richtet, sondern auch leider geg en bie Nationalliberalen und Freisinnigen. Tas deutsche Volk, einig und groß nach Außen, ist zersplittert im Innern. Es muß gelten, den Geist der Einigkeit zu pflegen unter den bürger- üichen und besonders den liberalen Parteien.

Der nationalliberalen Partei in Dessen, so fährt der Redner 1ort, stehen jetzt zwei große Aufgaben bevor: Die Wahl­rechtsvorlage und die Gemeinde st euerreform. Eine Erhöhung der Steuer um 20 30 Proz., wie die Re­gierung beabsichtigt, muß vermieden werben. Wir wollen lie Versöhnung der Klassengegensätze, den Ausgleich. Wir wollen für Hessen nicht das Reichstagswahlrecht haben, die Sleuer- leiftung ist in Betracht zu ziehen, der Wähler muß hessischer Staatsangehöriger sein. Die Steuerreform muß ausgebaui sein <uf dem Fundament der Ertragsfähigkeit des Vermögens. Ter Minderbemittelte Teil der Bevölkerung muß minder stark be­lastet werden, es muß das Prinzip der Leistung und Gegenleistung selten. Der Redner schloß unter lebhaftem Beifall mir den Worten: Wir müssen versöhnen und ausgleichen, arbeiten, nicht verzweifeln, arbeiten im Sinne der nationalliberalen Partei, nicht für diese, sondern für das Vaterland.

Rechtscurwalt Kaufmann teilte mit, daß sich eine natio- 7. al über aU Landtagswahlkrei Organisation ür Nidda gebildet habe. Ter Zweck ist ü. ^el'altung des Wahl-

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Dar 2!rbeitsprogramm der hessischen Landtags.

R. B. Darmstadt, 31. Okt. Die Zweite Kam m er der Stände ist nunmehr vom Vizepräsidenten, Aog. K o r e l l, auf Tienslag den 16. November, vorm. 10 Uyr, etnberufen mort en. Tie Tagesordnung umfaßt 53 Beraiungscsegen- stände, darunter eine Anzahl Vorstellungen, Anträge und Regierungsvorlagen. Von diesen erwähnen wir neben den Rechnungsnachweisungen früherer Jahre den Gesetzentwurs betr. die Abänderung über die Ausübung und den Schutz der Fischerei, über die Abänderung des Art. 2l/ bey P olize i- iirafgesctzes ,über die Oberrealschulen zu H-ePpen- heim und Alsfeld, über die abermalige Verlängerung des Einkommensteuergesetzes vom 12. Aug. 189J. Weiter steht als 29. Punkt die Wahlrechtsvorlage auj der Tagesordnung und eine Anmerkung dazu besagt, dav mit der Beratung des Wahlgesetzes am Mittwoch den 1,. Nov. begonnen werden soll. Gleich in der ersten Sitzung muß die Kammer auch die Wahl eines ersten Schri,Führers an Stelle des verstorbenen Mg. Schmalbaeg vornehmen; auch soll die Wahlprüfung über die beiden Mandate der M'gg. Dr. Frenay und Sen ß selber erfolgen. llationallibemle Wählerverjamm'.ungen im waWrcir

Giehen-Grünberg-Moda.

In Nidda uno Lich haben gestern dre National­liberalen Wählerversammlungen abgehalten, die auch von niitgliedern anderer Parteien und von Gegnern besucht wur­den. Verschiedentlich wurden den Nalionaltibera'.en die Zälle Alzey-Bingen und Heyl-Oriola vorgeha.ten, bie Ver­sammlungen verliefen jedoch ruhig, und bie Na-no- nanibeiuicn hatten, wie unser unparteiischer Gewährsmann meldet, durch ihr versöhnliches Austreten einen Erfo.g In Lich hat auch der sozialdentokratische Gießener Stadtver­ordnete Kr u m m sich an der Aussprache beteiligt und durcy seinen friedserrigen uno maßvollen Ton sich vortetthajl von der Allgemeinheit der sozialdemok.atiichen Versammlungy- redner unterschieden. Es wird uns berichtet:

Nidda, 31. Okt.

Im Saale zum Gambrinus hatte sich beute, Sonntag nach­mittag um 31/2 Uhr, eine stattliche Wählerversammlung aus alten Leiten des Wahlkreises eingefunden. Es ging eine natwncnliberate Vertrauensmänner Versammlung voraus, in der oertraulidje Ver­handlungen über die Wahlkreisorganisatwn slattfanden. Die össent- lidje Wähle wer s a inmlung leitete Rechtsanwalt Kausmann- 6) ießen. Reichstagsabg. Tr. Osann- 'Darmstadt, der Vor- ihende der natwnalliberalen Partei Hesscns, erstattete ein in: jährliches Referat über die Reichsfimmzresvrm, die Lage in dessen und d.e Stellung der Partei zur Gerne inoe steuer vor tage und die WahlrcostSvorlage. Er führte etwa folgendes aus: Es ist iae politisch schwere Zeit für die Partei gegenüber der Sozial- bemotratst. In Anbetracht ves Anwachsens der Svzialdemskretst rtuti es für jeden Politiker schwer fallen, noch Politik zu treiben. Wir wiisen nicht, was die nächsten Reiu)srags- unb LmrdtagswahLen bringen. Ter Redner rechtfertigt dann die Stellung der Partei zur Reichsfinmzresorm. Es gilt, eine eminent schwere Frage zu losen. Als 1906 die Regierung an das deutsche Volk appellierte, ta erwachte das nationale Bewußtsein, man eriatmte die 4!otwendig- t.it der Erhalmng der Kolonien. Tie Wahlen zeigten, daß des Zentrum nicht allein maßgebend sein sollte unb daß die sozial­demokratischen Bäume nicht in den Himmel wackren. An den »icichstag trat die Frage der Reichssinanzrewrm. Leider hat bie Negierung nicht die notwendige Energie gezeigt und die Konsequenzen gezogen, die Reform wurde anders, als man erstrebte. Aus nationalen Gründen galt es, Ausgaben zu decken, unb Schulden zu tilgen. Es war unmöglich, alle diese 500 Mil­lionen Steuern auf indirektem Wege auszubringen, direkte waren nötig, damit auch die besser gestellten Burger herangezogen würden zu den Entnahmen des Reiches. Auch die Freisitmigen waren der Ansickst, daß Die indirekten Steuern eine wesentUcl-e Rolle dabei spielen muhten. Doch dürsten sie nicht auf die notwendigen Lebensbedürfnisse fallen, sondern auf Artikel, die die Annehmltck)- leit fördern, aber nicht absolut nötig sind, wie Tabak, Brannt­wein und Bier. Wir verlangten eine Besteuerung des Besitzes. Von der Reichseinkommen- unb Neichsvermögens- i.eucr mußten wir nach mehr sack en Verhandlutrgen absehen, da .bie Buitde^stauten entschieden erklärten, diese Art der Besteuerung

kreises Nidda gegenüber dem Plan, einen Wahlkreis Ortenberg zu gründen, dem Nidda gugeteilt werden soll. In die zirkulierende Liste zur Organisation schreiben sich 27 Herren ein. In der Aussprache fragt Rechtsanwalt Metz- Nidda (freisinnig), warum die nat.-lib. Partei Leute in ihren Reihen behalte, die nicht für die Erbschaftssteuer stimmten, wie Frhr. v. Öeyl und Graf Oriola und nun allsonntäglich Versammlungen abhielten (Oriola) und gegen die Erbschaftssteuer sprächen. Dr. Osann erfiart, die nat.-lib. Fraktion des Reichstags habe von ihren Mitgliedern verlangt, sie dürften nicht gegen die Erbanfallsteuer stimmen, unb das hätten v. L>ehl unb 0!"af Oriola auch nicht getan So tag also kein Vergehen beider ior. Bei andern Parteien hätten aber Mitglieder gegen bie Grundprinzipien der Fraktion verstoßen und seien nicht ausgewiescrt worden. Blumenthal habe in Elsaß- Lothringen den Zentrumsmann unterstützt. Kalver und Schivvel seien immer nnaj in der sozialdemokratischen Partei. Frhr. £)cnl unb Graf Oriola stände.' weit rechts in der Partei,wir wollen sie nicht wegwgen in einer Zeit, da es heißt zusammenhalten". Die Entscheidung snttz: die Billigung der Tagung in Eisenach.

Ober!ehret Weber- Gießen meinte, die hessisck>en National- liberalen hött-n sich o'.5> unzuverlässig erwiesen in Alzeh- Bingen. Pfarrer Korell treffe in acht Tagen in Nidda und Düngen ein. Dr. Osann weist den Vorwurf der Unzuver­lässigkeit fmtkbicben zurück, er habe alles getan, damit bie Natio­nal lib er n lm für Korell eintreten sollten. Korell gab aber jeinerjei: in. Darmstadt bie Parole gegen d ic N a- t i o n a (l i b e r a l e n für bie Sozialdemokraten. Rechtsanwalt Metz erklärt, die Voraussetzungen für beide Wahlen in Darm­stadt unb Bingen-Alzey seien ganz verschieden gewesen, Dr. Osann sei rechlsnationalliberal. In Bingen batten die Liberalen ge­eint gegen bas Zentrum gestanden, trotzdem hätten die National- Itberalen dem Zentrum zum Sieg verholsen. Auf den Vorwurf, die Nationalliveralen hätten die fünfjährige Legislaturperiode geschaffen, betont Osann, daß auch Freisinnige, wie Bamberger, dasirr gewesen seien.

In fernem Schlußwort ermahnte Dr. Osann »um Zu­sammenschluß der bürge reichen Parteien, besonders der Liberalen, gegenüber bet Sozialdemokratie. Rechtsanwalt Kaufmann betont, daß man den Freisinnigen ihre Organisation nicht verarge. Tie letzte Niederlage in Gießen 1907 sei gerade nie Folge der schlechten Organiiation der beiden liberalen Par­teien gewesen, Einigkeit müsse das Endziel sein gegenüber dem gemeinsamen Gegner, l-.'-s Vaterland solle über der Partei stehen. Er schloß die Vrwsawmlung mit einem Hoch auf bas deutsche Vaterland.

Lich, 31. Okt. In Steins Garten zu Lich begann die Versammlung um S/4S Uhr. Sie war nicht so stark besucht ca. 80 Personen, da gl eichzeitig im §oeilandschen Saale eine ozialdemokratische Versammlung stattfand. Auch hier referierte Dr. Osann. Krumm-Gießen (soz.) kritisierte, daß die Nationalliberalen so leichterdings auf die Einkommen- und Vermögenssteuer verzichteten, unb daß die Partei den ausländischen Arbeitern, den Konkurrenten der in­ländischen Arbeiter, die Tore össnen fjcifc. Es müsse eine Grenze für indirekte Stenern geben, Sparsam!ei- müsse endlich eintreten, die Floltenagitarion astshören. Die einseitige agrarische Politik müsse a'lfhörcn. Ihre Siel!ung^rtabme Lei der Steuerreform hat den Nationalliberalen nicht geichabet,gegebenen Falles werden mir gegen Konserdat»-> e, Antisemiten, Bauernbund die Nationalliberalen als das kleinere U eb el in Stichwahlen wählen". Ter Redner forderte crne Grenze für bie Vermögensansammlungen. Das Vaterland solle so gestellt werden, daß es allen eine gute und gesunde Wohnstätte ist. (Beifall.)

Dr. Vogt-Gießen (freisinnig) steht auf dem Standpunkt, wir brauchten die Einigung des Liberalismus und hosit, daß auch die Sozialdemokraten immer liberaler werden. Er wendet sich dann gegen Frhm. v. Heyl unb Graf Oriola, mit denen er nicht zusammen arbeiten könne. Die Freisinnigen hätten in den letzten Monaten mehrere Hundert Mitglieder im Wahlkreis ge­worben, der Liberalismus schreite auch hier vorwärts. Nach einioen kurzen Erwiderungen verließ Dr. Osann die Versamm- lung, um abzureisen. Rechtsanwalt Kaufmann sprach noch seine Fre.rde über den Verlauf der Aussprache aus unb hofft gegebenenfalls auf ein Zusammengehen zwischen den liberalen Parteien. Auch hier schloß die Versammlung mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland.

Deutsche und österreichische Kriegerdenkmäler in Mainz.

N. Mainz, 30. Oktober.

Wie schon vor einigen Tagen angeiünoigt lv-urde, sand heute vormittag elf Uhr auf dem hiesigen Friedhof die Weihe und Einsegnung der den hier verstorbenen deutschen und österreick)ischen Krtegern errichteten Grabdenkmäler statt. Tie beiden kunstvollen Denksteine bilden zusammen mit dem schon früher enthüllten Franzosenstein ein Gejamtdenkmal, das, mit Efeu und Heidekraut geziert, in der Umrahmung von Taxus und Zypressen einen vornehm ernsten Eindruck auf den Beschauer macht. Kurz vor dem Denkmal teilt sich der Weg und umfaßt eine Grabstätte, die im Schatten vier hoher Zypressen liegt und mit dem Ehrenhof ein Ganzes von äußerst künstlerischer Wirkung bildet.

Drei Kompagnien des zur Trauerparade kommandierten Bataillons aus Kompagnien der hiesigen Infanterie- Regimenter zusammengesetzt hatten vor und y.nter dem­selben Aufstellung genommen. Die vterte, die drei Ehren­salven abzugeben hatte, stand außerhalb des Friedhofs. Um 11 Uhr erschien die Generalität und bie Spitzen der Beyörden. Es waren anwesend der komm. General des 18. Armee­korps, General der Infanterie v. Eichhorn, der Gouverneur der Festung, General v. Goßler; Generalmajor v. Grumb- kow, Generalmajor Frhr. v. Seckendorfs, der österreichische General Kotuiovic mit einigen Offizieren, Provinzialdircktor v. 5^ombergk zu Vach, Oberbürgermeister Dr. Göttclmann, u. a. m. Ein Choral der 88er Kapelle eröffnete die Feier; hierauf folgte die Einsegnung der Gräber durch die Geist­lichen. Alsdann präsentierten die Truppen unter den Klän­gen des ChoralsJesus meine Zuver.icht". Nachdem der Eyoral verhallt war, wurden die Gewehre wieder ge­schultert und die außerhalb stehende Kompagnie gab eine, dreimalige Ehrensalve ab. Nunmehr wurde ein Kranz des! Kaisers und des Großherzogs von General v. Eichhorn,! bezw. von Generalmajor v. Grumblow niedergelegt. Generals Kotutovie und Gouverneur v. Gos)ler legien je einen Kranz an beiden Grabstätten nieder, letzterer im Namen der Gar­nison. Tie beiden Kranze der 3iab: legte Oberbürgermeister Dr. Göttelmann mir einer größeren Ansprache nieder, in der er die Stürme und Kämpfe des Ic/ten Jahrhunderts un oic hohen Ziele, denen <. ie Verblichenen dienten, erwähntc Nach dieser Rede wur>. en noa.) mehrere Kränze niebergeleg unb unterdessen sang der Sängerchor: ,,Srill ruht die Erd:' Ter ChoralJa) bete an die Maryt der Liabe" schlog di ernste Feier.

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Äusaug 8 L bekannten Zfaarrengeschaslei. träumen täalidj ab 7/t tthi ichßnfeis.

Ifeit des hiesigen Anlschcn» relüou Aldert RMmaia

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