Ausgabe 
9.10.1909 Drittes Blatt
 
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Samstag 9. Oktober 1909

Drittes Blatt

159 Jahrgang

Nr. 237

Gießener Anzeiger

E^chetnt ttfllid) mit AuSnahrn« des Sonntag«.

General-Anzeiger für Gberhesjen

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DieGietzener Zamiliendlätter" werden dem »Anzeiger^ vrermal wöchentlich beigelegt, das wKrei$blott für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ,^an-wirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

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Gießen, am 3. September 1909.

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Ich bescheinige hiermit, dass von der Finna Jonass & Co., W Berlin, innerhalb eines einzigen Hj Monats 4931 Auftrage von alten K Kunden, d. h. solchen, die schon M vordem von der Finna Ware be- Ä zogen habe unausgeführt worden sind. In der vorstehenden Zahl A -1931 sind nur die Ecstelhmccn enthalten, die der Firma brief­lich von den Kunden selbst R Überschrieben sind.

Berlin, 1. Februar 1909.

gez. L. Riehl beeidigter Bücherrevisor.

[fen Ranges.

mo#« Lunststlm.. rrfer Film. Murbild.

ich- cht bimtm ist. _ (bett, Humoristisch.

Redaktion, Eroedrtton und Druckerei: Schul­straße 7. Erveditton und Verlag: es© 5L Redaktion:e-4K 112. Tet.-AdruAnzergerlLießen.

GieHener Spaziergänge.

Man schreibt uns von geschätzter Seite: Gießen hat m den letzten zwei Jahrzehnten einen mächtigen Aufschwung genommen. Ins Innere der Stadt sind Licht und Luft ei. eingeflutet; zahlreiche neue Einrichtungen sind geschaffen, die dem Handel und Verkehr dienen, die Gesundheit fördern, Äe Behaglichkeit des Daseins erhöhen.

Im umgekehrten Verhältnis zu diesen Fortschritten steht die Förderung, die der Naturgenutz der Gießener erfahren ßot Hier sind fast nur Rückschritte zu verzeichnen. Die Irrenanstalt hat sich in den Wald eingedrängt und uns einen unserer schönsten Waldwege genommen. Das Bergwerk hat 3en Wald morgenweise niedergemäht und wiederum prächtige Wege zerstört. Der Wald wird mehr und mehr mit Gattern , inzäunt. DaS Klärbecken drängt uns vom Heslar ab, und Cic schönen Wiesen an der Lahn fallen teilweise der elektri- hen Bahn zum Opfer. Ganz neuerdings hat es den An- sihein und das ist der Anlaß, der uns die Feder in die dand drückt, daß einer der Zugänge, die den Bewohner der Südstadt zum Walde führen, gesperrt werden soll. Der ^fad, der vom Klein-Lindener Durchgang längs der Ost» Seite der Bahn nach dem Einschnitt führt.

Eine schöne Sache ist es um die Biebertalbahn. Ihr Jahrplan ermöglicht es, täglich 2 Stunden 10 Minuten im oberen Tale zu lustwandeln und vergönnt es unS sogar, > oährend ihres Aufenthalts auf Station Abendstern nach dem Windhof zu schlendern und dort wieder einzusteigen.

Man sehe einmal, was andere Städte für die Schönheit i mb Zugänglichkeit ihrer Umgebung tun. Von Freiburg will ich nicht reden. Aber z. B. von Göttingen: als ich vor Jahren dort studierte, war es ringsum wüst und leer; jetzt ^eht sich von den Toren der Stadt biS zu den nächsten Hügeln c m prächtiger Wald, der dem Oberbürgermeister Merkel seine Entstehung verdankt.

Mir ist, als ob es in Gießen einen Verschönerungsverein ^(ibe. Und es gibt sogar Stadtverordnete, von denen manch i ner für die Spaziergänger eine Lanze gebrochen hat. Es iwnre höchste Zeit, daß sie da und dort eingriffen, zumal mit t>em Aufhören des Omnibusverkehrs uns wiederum eine Ge­legenheit zu gesunder Körperdurchrüttelung geraubt wird.

Bh.

Nur echt mit dieser Murle-demFischer dem ©aranite- zeich:n bei, Scott- scheu Dersahrntül

Vermachter.

* EinMarmvrgrube auf dem Meeresgründe". S'rt der letzten Sitzung der Pariser Akademie der Inschriften hat soeben der Direktor der tunesischen Altertümer Merlin den ersten genauen! Bericht abgestattet über die glücklichen und überraschenden Erfolge, die die im Mai und Juni dieses Jahres durchgesührten Taucherarbeiten bei Mahdia gekrönt haben. In der Meerestiefe von nahezu 40 Metern wurden vor zwei Jahren an der Ostküste von Tunis die halbversandeten Ueberreste eines alten Seeschiffes gefunden, das mit einer reichen Ladimg griechischen Baumaterials und griechischer Kunstgegenstände hier gescheitert war. Die Ent­deckung, erregte seinerzeit lebhaftes Aufsehen: mit Hilfe mehrfacher Subventionen wurde die Erforschung und Bergung der Altertümer organisiert und nun in diesem Jahre durch Taucher begonnen. Ein reicher Schatz von Inschriften, Marmor und Bronzegegenständen und altgriechisckren Handwerksgeräten war die reiche Frucht der mühevollen Arbeft. Als erstes Stück wurde aus dieser unter» seesichen Marmorgrllbe eine große Säule cruA -weißem Marmor mit schöner mattgrauer Aederuug geborgen: sie lyat eine Lange von 3,95 Meter. Die Taucher konnten das Vorhandensein von nahezu 60 dieser Säulen feststellen, deren Bergung voraussichtlich im kommenden Jahre durchgefiihrt wird. Unter bert gehobenen Schätzen ragen eine Reihe schöngearbeiteter jonischer Kapitale hervor, die altgriechische Inschriften tragen; sodann zahlreiche Poterien, weitbauchige Vasen und mannigfache keramische Ar­beiten. Aber die Ausbeute war damit nicht erschöpft. Die Taucher brachten eine sehr schöne, kaum beschädigte Statue des Eros

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Kindern, die nicht essen, wie es sich gehört, verdrießlich und teilnahmlos sind, muß durch Verabreichung eines appetitverbessernden Nährmittels nachgeholfen werden. Wie wertvoll Scotts Emulsion in solchen Fällen ist, zeigt der folgende Brief:

Hamburg, Luruperweg 58, 30. März 1908.

An unserem Söhnchen Otto konnten wir, als es etwa 2'/, Jahre alt war, keine rechte Freude mehr haben, denn das Kind wollte nicht recht vorangehen. Ohne daß ihm etwas eigent­liches fehlte, war der Junge doch verdrießlich und schien nicht die geringste Widerstandsfähigkeit zu besitzen. Nach verschiedenen ver­geblichen Versuchen mit anderen Mitteln griffen wir aus Anraten unseres Arztes zu Scotts Emulsion, die das Kind sofort und gerne nahm. Obgleich wir ihm nur eine geringe Menge, nämlich täglich drei Kaffeelöffel voll gaben, zeigte sich die Wirkung doch bald, da der Junge sich zusehends kräftigte und eine blühende Gesichtsfarbe bekam." (gez.) Frau Otto Schramm.

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Oktober

Bdrserr-Wochenbericht.

= Frankfurt a. M., 8. Oft.

Es wär vorauszusehen, daß nach den Uebertreibungcn, die Mc letzte Hausseperiode gezeitigt hat, ein Rückschlag nicht werde rusbleibtn. Die ersten Anzeichen der Reaftion haben sich em- otritelü. War man seicher an den Bedeuten, bie sich der. über* ! i ebenen Preissteigerung in den Weg gestellt hatten, ckeicht vor- ,i. bergegangen, so hat sich jetzt ein Hindernis für die Fortsetzung I ger Aufwärtsbewegung ergeben': Der Geldmarkt bietet nicht mehr jene Berfasiung, daß man seiner ferneren Entwickelung noch weiterhin sorglos entgegensehen könnte. Die Ver<tetsung ift >i»ar an sich im Herbst nichts Ungewöhnliches, allem tne Borte ifr durch die lange Zeit des flüssigen Geldstaiches so verwöhnt morden, daß sie in diesem Punkt besonoers empfindlich ist, zumal mc Erfahrungen aus der letzten Geldftisis noch zu sehr in der s Erinnerung hasten. Es kommt hinzu, daß diesmal die Geldver-

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Reifung in einer besonders bemerkbaren und ungewöhnlichen Form in die Erscheinung tritt, nämlich in einer kaum je dagewesenen Anspannung des Status der Reichsbank, während dabei die Verhältnisse am offenen Getdmmarft relativ flüssig bleiben. Den Kreditbanken sind aus den Okwbereingängen so zahlreiche Mittel zugeflossen, daß sie diese im Augenblick nur in Diskonten verwenden können und ebenso benutzen die Hypotheken­banken ihre beträchtlichen Eingänge zu Anlagen amDisftmtenmarkt, so daß der Privatdiskont eher sinkende Tendenz verfolgt. Um die Herrschaft über den offenen Geldmarkt nicht zu! verlieren, wird die Reichsbank bald weitere Maßnahmen ergreifen müssen, zumal sich die Rückflüsse zu den Kassen der Bank nicht in dem er­wünschten Maße vollzogen haben. Es geht daraus hervor, daß die enormen Wechseleinrickstungen bei der Reichsbank zum Quartals­wechsel nur zum Teil der Befriedigung kurzfristigen Kredits ge­dient haben, zum anderen Teil mit größeren dauerndenVer­pflichtungen von Handel und Industrie zusammenhüngen dürften. Eine Steuerpflicht von 705 Millionen wie sie zuletzt bestand, ist selbst Ende 1907, im Jahre der wirtschaftlichen Hoch­flut und der Geldkrise, nicht erreicht worden. Eine weitere Dis­konterhöhung der Reichsbank wird raunt zu vermeiden sein, um­soweniger, als in dieser Woche auch die Bank von England ihre Rate von 2y2 Prozent auf 3 Prozent steigerte. An der Börse hatte man mit dieser Maßnahme seit einiger Zeit gerechnet, immerhin veranlaßte die Entwickelung der Geldverhältnisse viel­fache Positionslösungen und Gewinnabgaben, wo­durch ein Druck auf die Kurse ausgeübt wurde. Hand in Hand damit ging eine verstärkte Zurückhaltung der Kapitalistenkreise, sodaß das Geschäft wesentlich ruhiger tag als noch vor kurzem, zumal auch die Hoffnungen auf einen gründlichen Umschwung in der industriellen Konjunktur bisher nicht in einem den Erwar­tungen der Speftilation entsprechenden Maße sich verwirklicht haben. Montanpapiere erlitten Einbußen bis 5 Prozent, leitende Bankaktien verloren bis 2 Prozent. Jndustrie- papiere gaben bei wesentlich ruhigerem Geschäft meist stärker nach. Bahnen und Schiffahrtswerte lagen gleichfalls matter, ebenso fremde Renten und namentlich deutsche Fonds, in denen das Angebot durch den neuerlichen halbossiziösen. Hinweis auf den bevorstehenden Anleihebedarf des Reiches von 500 Mil­lionen Mark sich noch verstärkte. Privatdiskonto 33/s Prozent.

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