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09/02/1909 Erstes Blatt
 
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ISS. Jahrgang

Dienstag 9. Februar 1909

General-Anzeiger für Gberheffen

erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich GiehrnerKamilienbiätter; zweunatwöchentt.lircis- blalt färben Kreis Siehrn (Dienstag und Freilag); zweimal monatl. Land- Virlschestliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüße: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Nr. 33//f Erstes Blatt

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HSMüBa

Der vusuch der engUschen UömgLpaares in Berlin.

Am heutigen Dienstag ist das englische Königspaar zum Besuche in Berlin eingetroffen. Dieser Besuch trägt den Charakter einer offiziellen Staatsvisite, und infolge dessen ist das englische Königspaar von einem großen Gefolge begleitet.

Es ist das erste Mal seit seiner Thronbesteigung, daß König Eduard von England die deutsche Reichshauptstadt besucht. Die bisherigen Zusammenkünfte König Eduard mit unserm Kaiser in Wilhelms höhe oder Homburg erfolgten gewöhnlich auf der Turch- reise des Königs von England nach Marienbad, waren immer nur von kurzer Dauer und entbehrten des offiziellen Anstriclys'.

Es ist oft belyauptet worden, daß hmitzutage die Beziehungen von Staatsoberhäuptern zu einander für den Gang der politischen Ereignisse keine Bedeutung mehr hätten; dann ist aber König Eduard eine Ausnahme, die die Regel bestätigt. Es ist unleugbar, daß Differenzen zwischen Oheim imd Reffen nicht ohne Einfluß auf den Gang der englischen Außenpolitik geblieben sind. Mögen sm auch nicht in erster Linie maßgebend gewesen sein, so hat Eduard VII. sicherlich unter dem Druck seiner persönlichen Empfin­dungen Alles getan, um die antideutsche Richtung des Londoner auswärtiger: Amtes zu fördern und zu festigen. König Eduard ist ein sehr umsichtiger Politiker und es ist zivcifellos, daß er die aus­wärtige Politik des britischen Reiches mehr dirigiert, als es den Herren in der Downing-Street angenehm sein mag, aber ebenso ver­fehlt wäre cs, hinter jeder Aktion Englands König Eduard zu wittern und zu meinen, daß alle Maßnahmen Englands lediglich von dem Gegensatz zu Deutschland geleitet seien. Die Abneigung der Engländer gegenüber ihren deutschen Betterm läßt sich nun einmal nicht ableugnen, Man befürchtet gar zu sehr, durch uns auf wirt­schaftlichem Gebiete aus dem Sattel gehoben zu werden und Hot un- begrciflicherweise auch die lebhafte Besorgnis, daß wir uns eines Tages daran machen könnten, die englische Vorherrschaft zur See zu vernichten.

Tas ist natürlich eine sehr törichte Besorgnis, aber sie ist eS wohl hauptsächlich gewesen, die die engt. Diplomaten in das Lager der Gegner Deutschlands getrieben hat. Man scheint sich indessen auch in England selb st allmählich klar darüber geworden zu sein, daß es viel- lc^cht doch noch besser wäre, sich mit dem deutschen Reiche in irgcnd einer Form zu verständigen. Aus dieser Erwägung ist der famose Abrüstuugsvorschlag hervorgegangen, der den: Wachstun: der deutschen Flotte Einhalt tun sollte, während England nach wie vor im Besitz seiner kolossalen Uebermacht bleiben wollte. In Deutschland ließ man sich aber von den: überschlauen John Bull nicht übers Ohr hauen, was in London einige Berstinunung hervorrief.

Der Gegensatz zwischen beiden Nationen wird sich in absehbarer Zeit kann: überbrücken lassen, es wird höchstens nröglich sein, ihn Hi mildern, und hieraus ist ja auch das Bestreben Kaiser Wilhelms kurvorgegangen, das soviel Mißdeutung erfahren und ixe unlieb­samen Vorkommnisse gezeitigt hatte. Daran soll aber heute nicht erinnert werden, wo König Eduard mit friedlichen Absichten nach Berlin kommt tzikid es nicht ausgeschlossen ist, daß cs bei einigen Fragen, die zwischen beiden Länden: schweben, zu einer Verstau- digung kommt. ES ist nicht unbedingt notwendig, daß beide Na­tionen einander den Rcurg abzulaufen iudjen. Die Welt ist so groß, daß sie für beide Teile Platz hat und Deutschland denkt garnicht daran, Englmid verdrängen zu wollen; mir würden gern in die Land des Detters emschlagen, wem: diese nur aus ehrlichem Herzen entgegengestreckt würde.

Man wei ßsehr wohl, ivcldye ungeheuere Gefahren eine fort­gesetzte Einkreisungspolitik gegenüber Deutschland in sich birgt und möchte daher an der Themse gern, so weit es irgend cnrgeht, ein­lenken und am liebsten Deutschland in der einen oder anderen Form mit in eine Entente der Mächte hineinziehcn. Wir könnten uns das auch gefallen lassen, vorausgesetzt, oaß unsere Interessen dabei nirgends beschnitten würden; - freilich müssen wir in Deutschland dieses Mißtrauen stets haben und daher vor England doppelt auf der Hut sein. Wenn es gelingen sollte, in offener "Aussprache zwisdyeu den beiderseitigen Staatsoberhäuptern und deren hauptsächlichsten Ratgebern während der nächsten Tage diese Zweifel zu beheben, so lväre das eine herrliche Frucht des Berliner Besuches König Eduards.

Unter den Staatsmännern, die den englischen König begleiten, befindet sich der Kolonialminister Earlof Crewe, eine der interessantesten Gestalten unter den heutige:: englischen Staats­männern. Zu nennen ist ferner Sir Charles Harding. Er be­gleitet seinen König nicht zum ersten Male nach Deutschland als Vertreter des Londoner Auswärtigen Amtes. In dieses Amt wurde er 1906 als ständiger Unterstaatssekretär berufen, nachdem er schon in verhältnismäßig frühem Lebensalter mehrere Jahre lang Botschafter in Petersburg gewesen war. Lady Har dinge ist Hof­dame der Königin Alexandra. Als sogenannterGoldstick in Wai- ting", auf Deutsch:diensttuender Generaladjutant" des Königs fungiert der Feldmarschall L v r d G r e n f e l l, der, mit 68 Jahren, ans eine lange und ehrenvolle militärische Laufbahn zurückblicken tonn, die er größtenteils in Afrika zurücklegte. Tie britischen Streit­kräfte in Aegypten befehligte er zweimal und vier Jahre lang war er Generalgouverneur von Malta. In politischer Beziehung hat nie viel von sich reden gemacht. Er begleitet bem ökönig, nm die Armee zu repräsenticren. Außer dem Flügeladjutanten und Stall­meister Oberst Ponsonby, der zugleich der Privatsekretär des Königs ist, ist noch dessen Leibarzt, Sir James Reid, zu nennen.

Die Einkunft König Eduards und der Königin "Alexandra von England in Berlin erfolgte heute den 9. Februar, 11 Uhr vormittags .auf dem Letztster Bahnhof. Tort wurde das Königspaar durch den Kaiser und die Kaiserin, den Kronprinzen und tue Kronprin­zessin, sämtliche Prinzen inib Prinzessinnen des kgl. Hauses und des fürstlichen Hauses Hohenzollern sowie durch die in Berlin und Potsdam anwesenden Prinzen und Prinzessinnen aus regierenden deutschen Häusern empfangen. Tas Hauptquartter des Kauers sowie Generale und Admirale der Garnison Berlin waren dabei zugegen. Sodann erfolgte die Fahrt nach dem kgl. Schlosse mit Eskorte.

Auf dem Pariser Platz sand die Begrüßung durch die städtischen Behörden statt. Tie Weiterfahrt geschah auf den: Mttelwege der Straße Unter den Linden.

König Eduard nahm Wohnung in der Wilhelmschen Wohnung, Königin Alexandra in den Königskanunern.

Um liy4 Uhr fand int Garde-du-Corps-Saal Empfang unter großem! Vortritt statt; um 1 Uhr mittags findet int kleinen Speise- des Schlosses eine Fantilienfrühsttickstafel statt, der sich unmittel­bar Marschalltafel int Elisabethsaal anscküießt.

Um 8 Uhr abetkds findet Galatafel im Weißelt Saale statt. Ter Besuch des Rathauses durch die englischen Herrschaften erfolgt Mittwoch um 12 Uhr mittags. Um 1 Uhr schließt sich ein Frühstück in der großbritannischen Botschaft au. Ter Ball Ün kgl. Schloß beginnt um 9 Uhr abeuds.

Füc Donnerstag ist uni 10 Uhr vormittags eine Auto- vwdilfahrt nach Potsdam geplant zum Besuch des Mausoleums Les Kaisers und der Kaiserin Friedrich. Dieser Fahrt schließt

sich um Vs2 Uhr nachmittags ein Frühstück beim Offizierkorps des L Gardedragoner-RegimentSKönigin Viktoria von Groß­britannien und Irland" an.

Die Familientafel beim Kronprinzen und der Kronprinzessin beginnt um 7 Uhr abends, während im Garde- du-Corps-Saal des Cgi. Schlosses Marschalltafel ftattfindet. Beiden Tafeln folgt um V?9 Uhr eine Galavorstellung im kgl. Opernhaus. Zun Aufführung gelangt das Ballett Sardanapal.

Vor der Abreife des englischen Mnigspaares am Freitag nachmittag 5 Uhr werden am Vormittag Besichtigungen in der Stadt stattfinden und um 2 Uhr nachmittags eine Frühstückstafel im kgl. Schloß.

Stimmungsbild aus dem Reichstage.

Berlin, 8. Febr.

Ms acht Tage hat dar Seniorenkonvent den Etat des Herrn von Bethüimrn-Hvllweg kontingentiert. Einen oder zwei Tage davon wird man ja der Erörterung der Kapitel und Posittonen des Etats selber toibmen müssen, und ein Tag soll für die Aus­sprache über die Theaterverhältnisse in Aussicht genommen sein. Herr von Bethmmut-Hollweg wird also demnächst auf die Bc- willigung seines Gehalts rechnen dürfen. Der heuttge vierte Tag der sozialpolitischen Revue Eonnte diesen Wunsch nur verstärken, denn mit einer einzigen Ausnahme hätte alles, was heute gesagt wurde, ohne Minderung des Wertes dieser Etatsdebatte aus den stenographischen Protokollen des Reichstags fortbleiben können. Rur der letzte Redner, Dr. Pachnicke, brachte eine neue An­regung. Ohne viel Worte zu machen, empfahl er eine Unter­stützung des Verbandes deutscher Arbeitsnach­weise und erbat hierzu einen Nachttagsetat, um schon in die gegenwärtige noch nicht überwunoene Wirtschaftskrise eingreifen zu können. Aufmerksam wurde wie immer der Abg. Dr. Nau­mann der es erforderlich hielt,, gegenüber den Worten des Staatssekretärs über die Ucberspannung des KoalitionsbegriffS die andere Seite der Frage etwas zu unterstreichen. Die schon zur Genüge besprvdyene 2lngelogenheit der schwarzen Listen bot ihm hierfür bequemen Untergrund und düs' in der Presse erörterte Vorgehen der von Gieschescheu Grubenverwaltung in Oberschlesien gegen eine Anzahl ihrer Ingenieure war ihm Anlaß, die Praxis des Kvalitionsrechts in ihrer Beziehung zu den §§ 152 und 153 der Gewerbeordnung mit einem gewissen Pessimismus zu be­handeln. Herr von Bethmann-Hollweg ging, obgleich ihn Dr. Naumann persönlich interpellierte, auf den oberschlesischen 3aII nicht ein; er verhielt sich auch passiv, als der Konservative Vertreter von Breslau-Land, Graf vonCarmer-Osten, offen­sichtlich ^auf Grntid persönlicher 'genäner Information durch die Verwaltung des angegriffenen Werkes, eine andere Darstellung des Sachverhalts gab, bei der er den Spieß gegen die angestsltten Ingenieure mnkehrte. Die Mittelftändler aus dem Zentrum und der wirtschaftlichen Vereinigung Irl und Rieseberg hielten zum Teil polemische Vorträge über die Lage des Handwerks, und daneben hörte man eine .Polenrede des Abg. Kulerski, der zur Alnoechselung die russische Lvckspi tzelaffäre Asew in die Debatte brachte. Wenn die Objektivität des Herrn von Bethmann-Hollweg noch eines Zeugnisses bedurft hätte, so war ein solches in den Reden des Abg. Kulerski und des Freiherrn von Gamp zu finden; denn der polnische Redner beklagte-sich über zu großes, und der Sprecher der Reichspartei über zu ge­ringes Entgegenkommen gegen den Standpunkt und die Wünsche der Arbeitgeber. Von Seiten der Regierung griff nur der Ge­heimrat Dr. Fischer in ine heutigen Verhandlungen ein, um in seiner tordialen Art die Handhabung des Vereinsrechts durch seine sächsische Regierung gegen sozialdemokratische Eingriffe zu vertreten.

StimmungrbUS aus Sem preutz. Abgeordnetenhaus.

Berlin, 8. Febr. 1909.

Genau nach dem Rezept, das sich die Budgetkommission für die Heilung der finanziellen Gebrechen der Beamtenschaft aus- erfah, hat auch die Kommission für die Lehrerbesoldungs- Vorlage operiert: Auch in dieser Kommission haben die bürger­lichen Parteien ein Kompromiß geschlosjen, dem sich die Staats- regiertmg wohl oder übel anbequemt hat. So brachte denn auch die zweite Lesung des Lehrerbesoldungsgesetzes feine Sturmflut neuer Anträge und keinen hitzigen Redekampf. Aber aus den Plaidoyers der bürgerlichen Sprecher für das Kompromiß klang doch ein etwas anderer Unterton heraus als bei der Beamten- besoldungsdebatte. Zwar auch heute waren alle Redner auf den Grundton abgestimmt, daß man den Lehrern von Herzen gern mehr bewilligt hätte, wenns sich nur irgend hätte ermöglichen lassen. Aber wenn man beim Beamtengesetz die Zustimmung der Ersten Kammer zu den Beschlüssen der Zweiten sozialen als eine Selstverständlichkeit behandelt hatte, so lugte aus den Reden zur Lehrerbesoldungsreform an allen Ecken und Enden die Besorgnis der Komprommparteien und der Regierung hervor, das Herrenhaus möchte Späne machen und an den mit Mühe mid Not und in wirklich nicht geringer Selbstbeschneidung aller Beteiligten zustande gekommenen Einigungsbeschlüssen her- umzumäckeln. Kein Redner, der nicht mehr oder minder verbllimt an das Entgegenkommen des anderen Hauses appelliert hätte; vornehmlich Herr Schwartzkopj, des Kultttsministeriums eigentlicher Verweser, hat in dieser Beziehung ein Uebriges. Und noch in anderer Hinsicht unterschied sich diese Debatte in etwas von den Geleitsprüchen, die das hohe Haus der Beamtenvorlage mit auf den Weg gegeben hatte: Wurde dort immer darauf hin- gewiesen, daß auf daS Bearntenkomprorniß das ho.nerisck^Klein ist die Gabe, aber sie kommt von .Herzen" zuttejfe, so betonten l-ier namentlich die Redner Lor Rechten, aber auch dcr Na­tionalliberale Dr. v. Campe und die Freisinnigen Cassel und Ernst, daß diese auch von Herzen kommende Besoldungsgabe doch recht erklcÄlich sei: f)ü)ch kein Stand habe mit einem Schlage eine so getoattige Aufbesserung erfahren, wie sie der Lehrersäwft durch das Kompromiß zu Teil werde. Bis an die äußerste Grenze des Möglichen fei das Parlament gegangen, mehr zu geben sei ihm angesichts der mangelnden Tcckung nicht möglich gewesen. Man darf es den Herren glauben, denn daß auf allen Seiten wirklich die Neigung bestanö, den Lehrern tuxf) mehr entgegenzukommen, das lehrte die Erörterung mit überzeugender Kraft. Zu Ende kam man mit der Besprechung heute noch nicht; immerhin sind bereits die ersten fünf Paragraphen dos Gesetzes und zwar einstimmig genehmigt. Ein außer­halb des Kompromisses gestellter Polenanttag, die O st m a r k e n - zu lagen für Lehrer a b z u sch assen oder sie aut alle ostdeutschen Lefper auszudehnen, sand keine Gegenliebe, und das Haus vertagte sich auf Dienstag.

politifd?e Tagesschau.

Adolf Stöcker t.

In Bozen ist gestern mittag der frühere Hosprediger, ReichS- und preußischer Landtagsabgcvrdneter ^ldolf Stöcker an Herz­schlag gestorben. Stöcker war ^terzleidoud und batte sich daher kürzlich genötigt geseben, sein Mandat für den ReichstegÄvahl- kreis Siegen, Wittgenstein und Biedenkopf nicderzulegen. Mit Stöcker ist einer der eigenartigsten Persönlichkeiten unseres poli­tischen Lebens baljätt gegangen, ein Mann!, der von den einen: ebenso glühend verehrt wurde, wie ihn die anderen haßten. In den letzten Jalwen freilich zwang ihn fein Leiden, sich mehr und mehr vom politischen Leben zur,ück;uziel)en, zumal auch sein poli- tifdyer Einfluß allmählich zurückgegangen nxrr. In den 80 er Jahren war Stöcker einer der gefeiertsten Kanzelrcduer unbrauch als Politiker stand er damals auf seinem höchsten Gipfel. Schon im Jahre 1878 hatte er die christtick>-soziale Partei gegründet und sich an die Spitze der antisemitischen Bewegung gestellt. Unter seinen Gegnern befand sich auch Bismarck, und es kam damals zu manchen Irrten Zusammenstößen zwischen beiden Männern.^Bald nach dem Regierungsantritt Kaiser WillZelms II. verlor Stöcker allmählich feinen großen Einfluß. Stöcker war am 11. Dez. 1835 zu Halberstadt als Sohn eines Wacistmeisters geboren. Er stu­dierte in Halle und Berlin Theologie, war mehrere Jahre Haus- lehret in Kurland und wurde bann 1863 Psarrer in Seggerde bei Halberstadt, später iin Hamersleben, 1871 Tivisionspfarrer in Metz, 1874 Hof- und Domprediger in Berlüu Im Jahre 1890 nahm er seinen Abschied. Dem preußischen Abgeordneten hause gehörte er seit 1879 .an, dem ReickMige mit Unterbrech-ungen seit 1881,

Der abgelehnte Gegenvorschlag.

Von russischer Seite werden zum ttirkischen Gegenvorschlag über die gänzliche Ablösung der Kriegsschuld folgende Einwen­dungen erhoben: Die Jahresquoie von 350 000 P,und, welche die Türkei an Rußland noch 74 Jahre zahlen muß, stellt leineswego eine Rettte dar, welche aufgehoben werden, könne. Ter Berliner Kongreß habe die tttrkische Kriegsschuld auf ungefähr 700 Mill. Fr cs. gesckwtztt Aus Rüch'icht auf die schwierige Steuerlage der Türkei und um ihr einen Beweis des Wohlwollens zu geben, habe Rußland später vorgesehen, daß die Türkei zinssrei die Schuld in Jahresraten von erwa 8 Mill, abtragc. Auf diese Ein­wendungen hin ist nun der türkische Gegenvorschlag znrückge- zpgen worden. Man ist auch im Prinzip nicht altgeneigt, die Ver- l-airdlungen zur Liquidation an einem späteren Termin wieder aufzuuehvren. Wie der Botschafter Sinowejew dem Großvezir erllärte, lehnte Rußland es ab, neue Elemente in die Verhand­lung zu tragen.w Es sei von dem einzigen Wunsche geleitet, eine Versöhnung der Gegensätze herbei Zufuhren und den Frieden auf dem Balten zu erhalten und habe darum die Rolle eines Vermittlers A'bernommen. Tie Türkei müsse uitumwundeu er­klären, ob sie den Vorschlag Iswolskis annehme, im anderen Falle müsse Rußland die Vermittlung anderen überlassen.

Deutsches ReSeh.

Der Kaiser nahm gestern Vormittag,im hiesigen Schlosse Vortrüge des Handelsministers, des Staatssekretärs des Reichs- kolpnialamteS und b«.\> Chefs des Zivilkabinetts entgegen.

Staatssekretär von Schön ist, wie dieB. Ztg." am Mittag erfährt, vom Großherzog durch die Frei- herrnwürde ausgezeichnet worden. Schön ist betänntlid) Hesse, Et stammt von Worms.

Im oldenvurgischen Landtag obsttuierten die Agra­rier und das Zentrum. Sie verhinderten durch Verlassen des Sitzungssaales (b-en sicheren Fall des Plural-Wahlantrages. Tie Sitzimg wurde vertagt.

Ausland.

Auflösungder italienischen Kammer. Ter König hat gestern dias Dekret über die Auslösung der Kammer unter­zeichnet. Die Neuwahlen werden am 7. März, die Stichwahlen am 14. März stattsinden. Tas neue Parlament wird am 24. März zusammentreten. TerSecolo" idyreibt, die neue Kammer müsse sich vom Trcibuude lvssageu, den öffentlichen Vermal- tungsdienst reorganisieren, und den Sd;aden wieder gut machen, der durch das Erdbeben verursacht worben ist.

Die russische Reickysduma hat gestern einen Gesetz­entwurf betteffend die Besteuerung von Zigaretienhülsen und Zigarettenpapier angenommen.

Ter König und die Königin von England sind an Bord der Jacht Alexandra gestern Mittag 12 Uhr 45 Min. bei herrlichstem Wetter in See gegangen.

Tas Gerücht von. der Erkrankung W enelitZ bc* stärigt sich nicht.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 9. Februar 1909.

Tageskalender für Dienstag, 9. Febr.: Stadt­theater: »Tie Rabensteinerin.- (Volksvorsrellrtng.) Anfang 8 Uhr.

* Ordensangelegenhett. S. K. H. der Groß­herzog haben dem vortragenden Rat im Ministerium des Innern OberregieiungSrat Dr. Ernst Weber zu Darmstadt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm vom König von Preußen verliehenen Roten Kreuz-Medaille dritter Klasse erteilt.

* Gesellschaftsabend beim Herrn StaatS- Minister. Am Samstag abend fand beim Staaisminsster Dr. Ewald in den Räumen des Ministerhotels zu Darm­stadt ein Abendessen mit nachfolgendem Tanz statt, an dem etwa 170 Gäste teilnahmen. Der Großherzog und die Groß­herzogin, die Prinzessin Ludwig von Battenberg, sowie die Prinzessinnen Dorothea ztl Solms-Hohensolms-Lich imb Luise von Battenberg beehrten das Fest mit ihrer Gegenwart; die Vertreter des diplomatischen Korps waren mit ihren Damen ebenfalls der Einladung gefolgt. Das Fest hielt die Gäste, vorwiegend aus den jüngeren Ofstziers- und Beamtcnkreisen, bis gegen l1/, Uhr zusammen.

* Landtags-Ersatzwahl. Bei dcr gestrigen Ersatz­wahl zum Landtag für den Bezirk Hirschhorn-Beerfelden- Wimpfen wurde Bürgermeister Kredcl-Aerlenbach mit