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(ötcßcner etvaftammcr.
)( Gießen, 5. März.
Tie Uhr des Taubstummen.
In Schlitz hat sich ein Taubstummer in einer Wirtschaft so betrunken, daß er nach Hause geschafft werben mußte. Wahrend des Transports kam der wegen Diebstahls bestrafte Maurergeselle K. B. dazu und half den Betrunkenen befördern. Nachher wurde die UTji des Betrunkenen vermißt' trotzdem mehrere Tage danach geforscht wurde und B. sie im Besitz hatte, lieferte er sie nicht ab, bis die Gendarmerie die Sache in die Hand nahm. Da die Uhr nach dem Befund gewaltsam losgerissen war, waren die Angaben des 'Angeklagtem, der sie gefunden haben wollte, sehr unwahrscheinlich, weshalb das Schöffengericht Diebstahl annalM und ihn zu 1 Monat Gefängnis verurteilte. Auch in der Berufungsinstanz stützte er sich darauf, daß er die Uhr auf ter Straße gefunden habe. Es sprachen aber alle Umstände dafür, daß er die Uhr auf dem Wege des Diebstahls erlangt hat, weshalb feine Berufung zurüchgewiesen wurde.
Diebstähle.
In Vilbel und Umgebung wurden in der letzten Zeit eine Reihe von Diebstählen ausgefüihrt, ohne daß man die Täter ermitteln konnte. Als nun kürzlich ein Radfahrer von Vilbel auf dem Wege nach Frankfurt zwei Verdächtige wahrnahm, die etwas selweres trugen, ntadjte er in Frankfurt unter Beschreibung ter Verdächtigen einem Schutzmann Mitteilung. Dieser nahm den .Knecht Ed. (5. aus Wiesenbach und den Tapezier K. F. H. aus Offenbach, die einen zerschnittenen kupfernen Kessel und einen Bteiblock bei sich trugen, in Empfang und sagte ihnen auf den .Kopf zu, daß sie die Sachen gestohlen hätten. E. gab zu, den Kessel aus der Waschküche des Krankenhauses zu Vilbel gestohlen zu haben, dagegen wollte H. den anderen unterwegs getroffen haben und bestritt die Beteiligung an den Diebstählen. Im Laufe der Untersuchung stellte es sich heraus, daß E. auch Kleider trug, die im Krankenhaus zu Vilbel gestohlen worden waren: auch fand man Stiefel und zwei Pferdeteppiche bei ihm, die einem Landwirt gestohlen Worten waren. Den Bleiblock hatte E. einem Spenglermeister entwendet. Ter Waschkessel eines Land- Wirts zu Vilbel wurde zerstückelt bei einem Althändler in Frankfurt aufgefunden; doch in diesem Fall reichte ter Beweis zur Ueberführung des (5. nicht aus. Von 6 unter Anklage gestellten Fällen wurde E. in fünf für überführt erachtet. Ta es sich nm einen Menschen handelt, der die größte Zeit seines Lebens im Aesängnis oder Zuchthaus zugebracht hat, war Milde nicht mehr angezeigl. Für den schwersten Fall wurde 1 Jahr 3 Monate und für jeden anderen Fall 6 Monate Zuchthaus angesetzt, was eine Gesamtstrafe von 3 Jahren 3 Monaten Zuchthaus ergab. Weiter wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf > Jahre abgesprochen und auf Zulässigkeit der Polizeiaufsicht erkannt. H. lomtte trotz hohen Verdachts die Mittäterschaft an ben Tiebstählen nicht nachgewiesen werten; doch bestand kein Zweifel, daß er bei dem Transport wußte, daß es sich um ge- ioljlene Sachen handelt, weshalb er wegen Begünstigung verurteilt 1 (»erben mußte. Trotzdem er mit seinen Vorstrafen seinem Korn- ilizen nicht nachsteht, kam er mit 4 Monaten Gefängnis durch.
Im Krankenhau e.
Die im Alsfelder Hospital untergebrachten (Meleute Schneider .y. K. leben mit den übrigen Bewohnern in ständigem Streit. £ic Fran fyat gegen die Ehefrau des K. St. eine Reihe von nicht »ieterzugebenden beleidigenden Aeußerungen gebraucht, worauf Liefe Privatklage wegen Beleidigung erhob. Um endlich einmal :iuhe zu schaffen, erkannte das Schöffengericht aus eine Ge- ^rngnisstrafe von 5 Tagen. Tie Angeklagte verfolgte Berufung, "item sie angab, die Aeußerungen hätten keinen Bezug auf die Drau gehabt, vielmelw habe es sich um ein Gespräch mit ihrem -Wann gehantelt. Tie Prüfung der Sache ergab, daß das Schöffengericht Art und Höhe der Strafe richtig bemessen hat, was die Bestätigung des Urteils zur Folge hatte.
(RcrtcbfsiaaL
Standgericht. Am Donnerstag nachmittag tagte in der alten Kaserne das Standgericht, das aus Major Rücker als Vor> s itzendem, Hauptmann Volley und Oberleutnant v. Boelzig als Beisitzer gebildet war. Tie Anklage vertrat Gerichtsoffizier Leut nant Möller. Es handelte sich um 3 Fälle wegen K'ontrolkver- istumnis. Der Ersatzrefervist Will). Ed. Demuth von Siegen, ter u. o. eine Reihe von Vorstrafen wegen Bettelns, Land streichens iiitb Obdachlosigkeit verbüßt hat, ist bereits wegen Kontrollent- ^lehung dreimal bestraft. Trotzdem hat der Manu seit 1*2 Jahren Och bei keiner Ko ntr oll Versammlung mehr gestellt. Er crllärtc i-mc feien die Vorschriften über seine Pflichten als Ersatzrefervist wicht bekannt gewesen und will seinen Militärpas; bei seinem Wanderleben verloren haben. Temuth ist, weil er sich in den 12 Jähren überhaupt nicht gemeldet hat, bereits mit 8 Tagen Äaft bestraft. Wegen ter Nichtgestellung bei den Kontrollver- i jmmlungen wurde auf !' Tage Mittelarrest erkannt, wobei nilternb ins Gewicht fällt, daß Temuth nicht aktiver Soldai nar und daher auch nicht so eingehend wegen seiner Pflichten be- ' f)rt fein kann. Ter Wehr mann Baltasar W alter von Gießen Ä Zweimal wegen Kontrollversäumnis und dreimal wegen Nichtz Befolgung eines Gestellungsbefehls militärisch vorbestraft. Er hatti ii.egen einer dieser Strafen 8 Tage Haft zu verbüßen und wurte Mertelb ztveimal auf das Bezirkskommando bestellt, ohne aber brat Befehl Folge ju geben. Walter weist darauf hin, das; er -rby Soldat seine Schuldigkeit getan und keine Stunde Arres schalst hat. Er Will nicht absichtlich gefehlt haben, er habe gerade ‘V.rbiit bekommen; als er das erstemal den Gestellungsbefehl er-- Iinlten tet und er sei daher nach außerhalb gegangen. Den zweiten Äesehl hat seine Wirtin erhalten. Obschon der Ankläger 14 Tag. slirengen Arrest in Antrag brachte, ließ das Gericht auch hier Milde walten und erkannte auf 11 Tage mittleren Arrest. Grsatzreservist Leonhard Goettmann von Gießen ist wegen >.ontrollvergehens Wiederholt vorbestraft. Er hat sich 6 Ja ho. hierdurch bei der Frühjahrskontrolle nicht gestellt, und entschuldigt ich damit, daß er seinen Militärpaß verloren und bei seinem Wanderleben den Aufenthaltsort oft gewechselt Hal. Auch habe <”r sich in sckstechter Kleidung befunden und sich geschämt, so zur ontroUterfammbmg zu kämmen. Tas Gericht erkannte ans 11 Tage mittleren Arrest. Ter Vorsitzende erklärte den Leuten test sie unter allen Umständen, selbst wenn ihnen der Militärpas rt-banten gekommen ist, und wenn sie längere Zeit hindurch ans ter Wanderschaft sich befinden, sich auf einem Bezirkskommante melden müssen. Dort würde ihnen Bescheid erteilt, wie sie sich M verhalten haben.
Wandern und Reisen.
Gesellschaftsreisen 1 909. Unter diesem Titel oer affentlidit ter Verlag von Eduard R o e t h e r in Darmstadt ein Verzeichnis der von deinschen Reisebureaus von März bis Dezembe> IJ909 veranstalteten Gesellschaftsreisen, auf das wir Interessenten chmveifen.
DcrmifcbM.
* Militärisches W e t t k o ch e n. Vom 26. März bk- w Avril findet im Tiilleriengarteu in Varis eine große Kochklinst- misstellunq statt. 2)1 tt der Ausstellung ivird ein Preisbewerb fü to:e Regirneinsköche des französischen Heeres verbunden sein. Der Wettstreit findet zunächst unter den Regimentsköchen der einzelne. Armeekorps flau. Tic aus diesen Vorkämpfen hervorgegangenen Sieger werden dann unter sich um den vom KriegSministernm Afvendeten kostbaren Ebrenpreis streiten. Auch zahlreiche Geld {reife stehen für diesen eigenartigen Wettbewerb zur Beringung.
'Ein Schwabenstreich. In Mühlacker bei Augsburg war ein Alarm damit beschäftigt, ein großes Wenftaß z> pitzen/ als der Deckel ins innere fiel. Vergeblich ruar das Be miühen, ihn in seine frühere Lage zu bringen. Da hatte bei fiebere einen guten Einfall. Er nahm feinen kleinen Sohn fackle ihn neben den Teckel in das Faß und hieß den Sprößlino bin Deckel dann nach oben drücken. Und siehe da, es gelano Luder hatte die Sache einen Haken, denn gerade, als der Gui- N-ach getaner Arbeit sich einen „wohlverdienten Schoppen" ge
nehmigen wollte, riet der ooroBlmg ihm durchs Spundloa; nach; „Babbe, wo soll i eßet usi?"
* Einen originellen Brief an den Kaiser hat ein in Hechingen in Hohenzollern wohnender Schüler gerichtet. Er lautet: „Sehr geehrter Herr Kaiser! Schon oft habe ich in bei; Schule von Ihrer Gute und Liebenswürdigkeit gehört, und 'ies gibt mir den Mut, mich an Sie zu wenden. Ich möchte nämlich Lehrer werden, mit aller Gewalt. Aber meine Mutter ist Witwe und hat noch neun Kinder zu ernähren. Drei davon sind Dienstboten, und die wollen mich von ihrem Lohne studieren lassen. Aber das reicht bei weitem nicht aus. Deshalb bitte ich Sie, geehrter Herr Kuiser, mir zu helfen, daß ich Lehrer werden kann. Es grüßt Sie und die übrigen Hohenzollern Ihr N. N." Rach acht Tagen erhielt der Bittsteller 150 Mark als Beitrag zu seinen Studienkosten.
* Krankes Fleisch aus Amerika. Das aufsehenerregende Buch des sozialistischen Sck)riftftellers Upton Sinclair „The Jungle", das, im Sommer des Jahres 1906 erschienen, die schauderhaften, gesundheitswidrigen Zustände in den Schlachthöfen von Packingtown in Ehikago enthüllte unb eine furchtbare Anklage gegen den Fleischtrust war, ist wohl noch in allgemeiner Erinnerung. Wiewohl Sinclairs Werk bie Ursache war, daß sich die öffentliche Meinung Amerikas zum Proteststurm erhob und die Regierung amtliche Erhebungen über bie Praktiken der „Packers" einleitete, scheint sich nicht gebessert zu haben und die Fleischverarbeitung in Amerika noch immer allen Geboten der Hygiene Hohn zu sprechen, denn in einem Bericht des Samtätsbeamlen für den Hasen von London Über die Untersuchung von geschlachteten Schweinen, die in gefrorenem Zustande, und von Fleisch, das in Büchsen in den letzten Monaten aus den Vereinigten Staaten eingeführt worden ist, wird dargelegt, daß ein beträchtlicher Prozentsatz von kranken Tieren stammte, obwohl alles den amtlichen Stempel des amerika- inischen Inspektors trug. In dem Bericht wird vorge- .chlagen, diese Tatsache zur Kenntnis des amerikanischen Botschafters zu bringen und ihn darauf aufmerksam zu machen, oelche Gefahr daraus entstehen könnte.
* Zartfühlend. „Ich glaube, der Meiuhofer Sepp ist auch schon nervös, denn bei der letzten dtauferei hat er's gleich gemerkt, als ihm ein Ohr abgerissen Wurde."
* „Ter Regenschirm, den Sie da haben, gehört mir, mein Herr!" — „Sehr -möglich. Ich habe ihn in einer Pfandleihe gekauft."
Z^anöcl imO Verkehr, Volkswirtschaft.
** Gewerbebank. Tem Bericht des V o r st a n d e s entnehmen wir nachstehende, die Allgemeinheit interessierende An gaben. In der Gestaltung tet Geldverhältnisse und Zinssätze, oeren Stand naturgemäß auf unser Geschäft große Wirkung ans üben und in dem Gewinnergebnis ihren Ausdruck finden, hat sich im Berichtsjahre ein scharfer Unttchwung eingestellt. Die Geldknappheit und Geldteuerung, die das Jahr 1907 beherrschten unb die sich auch noch weit in das Jahr 1908 erstreckten, haben besonders in der zweiten Hälfte des Berichtsjahres einer starken Geldflüssigkeit Platz gemacht und damit ein slitzessives Herunter gehen des Zinsfußes verursacht. Tie Reichsbank hat ihren bisher noch nicht erreichten Wechseldiskontsatz von 7Vs Proz., der seit 8. 9co vember 1907 in Kraft war, am 13. Januar 1908 auf 61/2 Ptoz. ermäßigt. Am 25. Januar, 7. März, 27. März, 4. Juni und 18. Juni folgten dann weitere Ermäßigungen von je V2 Proz., so daß vom letztgenannten Termine ab ter Reichsbank-Tiskom 4 Proz. betrug. Auf diesem Satze blieb er alsdann bis zum Schluffe des Berichtsjahres bestehen, bis er auf die weiter zunehmende Geldflüssigkeit im neuen Jahre hin am 16. Febrnai abermals um 1/2 Proz. ermäßigt wurde. Tiefe auf dem allgemeinen Geldmärkte eingetretenc Erleichterung machte sich and bei uns bemerkbar und fand besonders in dem ziemlich erheb licheu Anwachsen der Kontokorrent-Guthaben unserer Kunden Aus druck. Wir waren dadurch in die Lage versetzt, wie bisher stets allen berechtigten Kreditansprüchen unserer Mitglieder zu ent sprechen und dabei unsere in der vorjährigen Bilanz erschieiwnc Bankschuld abzutragcn und dafür ein entsprechendes Bankguthabei unzusammeln. Trotz dieser auch bei uns in Erscheinung getretenen größeren Geld flüssig kett müssen wir cs uns doch iwd ebenso wie im Vorjahre versagen, Baugelder und Baukrediti jii gewähren. Ein Mangel an Wohnungen ist auch jetzt, nachdem Die Bautätigkeit bereits schon jcit einem Jahre erheblich ein geschränkt wurde, in unserer Stadt noch nicht zu verzeichnen' und wir glauben daher im Interesse unserer soliden Bauunter nehmer und Bauhandwerker zu handeln, wenn wir das unser> oazu beitragen, daß die Verhältnisse im Baugewerbe geordnet, jleibcn. Nachfrage und Angebot muß auch hier in entsprechendeir Verhältnis zueinander stehen, damit wir nicht in jene unsolider Zustände, wie dies in benachbarten Großstädten vorgekommei. ist, bincingeraten und die dann sowohl den Bauunternehmeru und Bauhandwerkern als auch den Hppothekenglänbigem oft seh: erhebliche Verluste verursachen. Wie wir schon eingangs erwähnten, üben die Geldverhältnisse und Zinssätze erheblichen Einfluß au: unser Geschäft aus und finden im Reingewinn ihren Ausdruck Getreu unserem obersten Grundsätze, unseren Mitgliedern möglia: billiges Geld zu verschaffen, haben wir unsere Sätze für Aus- .eif,ungen in den ersten noch t.uren Perioden des Jahres untei Den Reichsbanksätzen und später bei ten billigeren Sätzen ans gleicher Höhe wie diese gehalten. Die ZinsvergüMng für die bet unserer Bank angelegten Einlagen hatten wir bereits im Vor- lahre dem Vorgehen anderer hiesigen Banken und Geldinsntme folgend auf 3v> Pro;., 33, Proz. und 4 Proz. erhöht. Wir konnten unS nicht entschließen, diese Sätze sofort wieder zu ermäßigen, als die größere Geldflüfsigkeit uni) die damit ver- onndene Geldbilligkeit eintrat. Wir haben damit auch teiijenigen unserer Mitglieder und Geschäftsfteunden, die unsere Bank nicht jiir Befriedigung ihrer Kveditansprüche, sondern als Anlagesteltt ihrer Kapitalien benutzen, Vorteile geboten, die sie an anderen Stellen nicht genießen konnten. Unter all diesen Umständen tonnte naturgemäß der Reingewinn die Höhe ter vorjährigen Ziffer nicht erreichen; immerhin gestattet uns der Nettoertrag mit Mk. 86 917,99 die Verteilung ter gewohnten Dividende von 61 ■ Proz. neben reichlichen Ueberweifungen an die Reservefonds in Vorschlag zu bringen. Der Gesamtumsatz betragt 59,6 Millionen Mark nnd weist also im Vergleich zum Vorjahre eine Steigerung von rund 1 Million Mark auf. Ebenso erhöht sich die Endsumme Der Bilanzziffer von 4,5 Millionen auf 5,3 Millionen. Das .‘igene Vermögen unserer Bank stellte sich ohne Berücksichtigung >es diesjährigen Gewinnvertcilungsvorschlages an Geschäftsgut haben Mark 1023 956,34, an Reserven Mark 437 118, ins gesamt Mark 1 461074,34, tem an fremden Geldern (Spar- inlagen, Kontokorrent-Guthaben usw.) Mark 3 630 697,53 gegen- rberftanben. Das Verhältnis des eigenen Vermögens zum fremden Kapital beträgt somit 40 Prozent. Wenn auch die außerordentliche günstige Verhältnisziffer des Vorjahres von 45 Proz., -urch die stärkere Zunahme der fremten Gelter einen Rückgang nähren hat, so überschreitet sie aber doch nod; die nach genossen schaftlichen Grundsätzen zu erstrebende Minimalzifser von 33Vs Lroz. ganz erheblich. Auf unseren eigenen Essektenbesland hatten wir diesmal im Gegensatz zu ten beiden Vorjahren einen Kurs gewinn von Mk. 3952 zu verzeichnen, den wir vorweg direkt >em Effekten-Reservefonds zuführten. Ter am 31. Tezembep 1908 vorhandene eigene Effektenbestand setzt sich zusammen aus Mk. >8 800 Tresdener Bankaktien, Mk. 40 800 3V> proz. Hessische tenteshypothekenban^-Pfandbriefe, Mk. 9000 diverse deutsche Staatsanleihen, Mk. 3100 diverse deutsche Städteanleihen, Mk. 1200 diverse Losanleihen mit einem Kurswert von Mk. 138 028,80. Tie bei unserer Bank angelegten Spareinlagen weisen mit 2,3 Millionen gegen das Vorjahr eine kleine Erhöhung! von noub Mk.
100 000 auf. Sce |uu> uns uactiafien um 'jkl 14uu uuu gegen l/i jährliche Kündigung, Mk. 881800 gegen ganzjährige Kündigung. Tie Giroverbiiidlidft'eitcn aus weiter begebenen Wechseln betrugen Ente 1908 Mk. 206 294. Die Zahl der Mitglieder betrug 1710.
t Friedberg, 7. 'März. Der Vorschuß- und Kredit- verein bat soeben seinen Geschäftsbericht für 1908 heraus- aeqebeu. Nach demselben beläuft sich der Gesamtumsatz auf Äst. 37 967 654 gegen Mk 38 712 122. Ter Reingewinn steüt sich auf 9)lf. 66 999 gegen 65 719 im Jahre 1907 Tie Bilanzziffern haben sich von Aik. 3 590 282 auf Mk. 3 727 500 erhöht. Tie Mil- alieber;nhl betrug 1908 — 1236 gegen 1252 voriges Jahr; mit Gienehnuqung der am Donnerstag, 11. März stattfindeuden Geueralveisamniluiig soll eine Dividende von 7 Proz. ziir Verteilung kommen. Tie Kredilbasis bleibt eine äußerst günstige; denn die gan;en Aktiva des Vereins belaufen sich aut Mk. 3 727 500, daun folgen Reseiven nut Mk. 361 000; das Geschäitsguthaben der •lUitglieber ift 'DIE. 562 042 und die Haftsumme der 1252 Mitglieder — Mk. 3 708 000.
Cinacfandt.
Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Ein Appell an die Menschlichkeit.
In Gießener Bürgerkreisen ist die Ansicht verbreitet, daß das Fleisch geiebäefneter Tiere haltbarer und wohlschmeckender sei, al? das von Tieren, die nach vorailsgegangeiier Betälibnug geschlachtet ivorden sind. Daraus resultiert die bedauerliche Tatsache, daß ein unglaublich hoher Prozentsatz von Schlachttieren im hiesigen Zchlachthaus rite aelchächtet werden, d. h Kälber werden an ben Hinterbeinen anfgehängt. erwachsene Tiere werden au '-Buben ge- ivorien unb warten in bieser Lage, bis ber bas Schächtamt Aus- übeiibc ihnen ben Hals bmchichneitet. Dian sehe nur bie Todesqualen dieser im Vollbesitz ihres Bewußtseins befindlichen Tiere, man nehme bie Uhr in bie öanb unb vergleiche bie Taner bet Prozebnv bis zur letzten Zuckung bei solchen unb bei betäubten Tieren. Hier nur wenige Zuckungen unb Streckungen, bis ein allmählich ersterdenbes Zittern ben eingetretenen Tob anfünbigt, bort ein Bäumen unb Rmgeu in ben Fesseln, ein tlmheriverfen bes 9ovfes, ber mit bunwem Krach jedesmal auf den Steinboden auf- chlägt, bumpie Schnierzenslaute und jammervolles Llngeiirollen, bis enblich mit bem entschwinbenben Lebenssaft bas Bewnßtfem ichwinbet. Tie Wlssenschast hat längst bargetan, baß, wenn bas Zentrum für Herz- und Atembewegimgen nicht verletzt, sondern mir Bewußtsein unb Emvfinbunq geraubt wirb, bie AuSblutung eine bmchaus vollkommene ist, somit eine Beernflusiung des Fleisches aiisziischließeii ist. UebcrbicS iverden sänitliche echmemc üov b-r Schlachtnng betäubt, ohne baß man über bas Fleisch tiagt Will man in bieser Beziehung ben Anhängern ber israeliti- eben Religion Recbnnng trggen - nicht wie in Sachsen, ivo bas Lebächteii als Gransamteit uollftänbig untersagt ist — so sollte man wenigstens Verfügungen treffen, bie bas Schächten bem Be- '»avfe nach regulieren. Jeber 'Bürger kann für sein Teil ein humanes Wert tun, iiibem ev buveh Ablehnung pon Fleischstücken leschäcbteter Tiere -seine Fleischlieieranten veraiilaßt, ben Schlacht- iteren bie Wohltat einer weniger qualvollen Tobesart zuteil werben ;it lassen.
Hoffentlich verhallt bieser Apell nicht ungehört. B.
Meteorologische Beob.ichtnngen
der Station Gießen.
März
1909
Barometer au' 0° reduziert
Temperatur der Luft
Absolute Feuchtigkeil
Relative Feuchtigkeil
Wiiidrichtiiiig
Windstärke
Wetter
7. 2«
735,2
4,6
3,5
55
8
2
Sonnenschein
7. 9,s
747,5
— 0,2
4,4
94
ENE
2
Bew. Hirnnrel
8. 7’6 ;
736,4
0,3
3,8
81
NE
2
Aed. Himmel
Höchst
e Tem
ueratur
am k
. bis
7. Mär
6 —
4,9 ° C.
Niedtigste
•
- 6. „
7. ,
- 0,7 6 C.
Telefonische Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen.
Frankfurter hör- uärz, 1.15 Uhr.
31/2°/o Reichsanleihe. . . 96.25 3°/; do. ... 88.9' 3'/,% Konsols .... 96.3!
3°/0 do.....86.9i
3'/,"/^ Hessen.....95.7;
372°IO Oberhessen ... —.
4% Oesterr. Goldrente . . 98.30 4Vs0/» Oesterr. Silberrente. 98.40 4°/0 Ungar. Goldrente . . 94.00 4° 0 Italien. Rente . . . —.
3°/0 Portugiesen Serie I . 58.50 3°/0 Portugiesen „ III . —
4 72% russ. Staatsan 1. 1905 98.40 47j°/o japau. Staatsanleihe 95.30 4°/0 Conv.Türken von 1903 93.90 Türkenlose . ... 145.9«
4°/0 Griech. Monopol-Anl. . 50 2< 4°/0 äussere Argentinier . 87.20 3°/0 Mexikaner .... 65.1 • 47,% Chinesen . . . . 99,15
Aktien:
Bochum Guss.....217.00
Buderus E. W.....110.00
Tendenz: ruhig.
Berliner Börse, Canada E. B......170.20
Darmstädter Bank . . . 128.90 Deutsche Bank . . . 245.40 Dortmunder-Union C. . . — Dresdner Bank .... 150.25 Tendenz : schwacher.
Elektriz. Lahmeyer . . . 118.75 Elektriz. Schuckert . . . 119.00 Eschweiler Bergwerk . . 181.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 183 40 Hamburg - Amerik. Paketf. 109.60 Harpener Bergwerk. . . 186.70 Lanrahütte . . . . . 191.00
Nordd Lloyd.....87.60
Oberschles. Eisen-Industrie 04.80 Berliner Handelsges. . . 172.50 Darmstädter Bank . . . 129.00 Deutsche Bank .... 245.70 Deutsch-Asiat. Bank . . 138.00 Diskonto-Kommandit . . 186 90 Dresdner Bank .... 150.00 Kreditaktien.....198.20
Baltimore- und Ohie-
Eisenbahn.....107.50
Gottbardbahn.....—
Lombard. Eisenbahn. . . 17 50 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.20 Prince - Henri-Eisenbahn . —>—
6. März. Anfangskurse.
Harpener Bergwerk . . . 183.20
Lanrahütte......192.20
Lombarden E. B. . , . . 17.40 Nurdd. Lloyd • • • « . —.— Türkenlose . ••••«’
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