Ausgabe 
8.11.1909 Zweites Blatt
 
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Montag 8. November 1909

159. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 263

Lrsthetnl ISgllch mit Ausnahme des Sonntags.

(Ein ziuchtiing von Casablanca.

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politische Lagesschau.

Kinderarbeit in den deutschen Fabriken.

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über die kolonialen Einrichtungen und die geleistete Ar­beit aus.

Lissabon, 7. Nov. Staatssekretär Dernburg ist heute abend hier eingetroffen.

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tieSiebener ZamMendlätter" werden dem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das LreirblaN für den Kreis -letzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Marine seiner Dienstpflicht nachgekommen war, Hatto das zweifel­hafte Glück, genommen zu werden. Berge voll Leid sollten aus den versprochenen goldenen Bergen worden.

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UnwersuätS - Buch- und ©tembruderet.

R. Lange, Dietzen.

Mittwoch den 10. Noto abends 9 Uhr (Sites.

Tagesordnuna.

1. Berichl des kontante b das verflossene Jahr.

2. Bericht und RechmM des Zahlmeisters. desselben, ,owie des «a

"ag,13.Nodemb.,abends8- |

Winterfest

Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul» stratze 7. ExvedlNon und Verlag: 5L

Redaktion:112. Tel.-Abru AnzeigerGießen.

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^ach den Berichten dec deutschen GewerbeaussichtS- »samten für das Jahr 1908 wurden in sämtlichen Fabriken g Deutschen Reiches im verflossenen Jahre 12 062 Kinder ntrt 14 Jahren beschäftigt. Gegen das Vorjahr ist eine bnahme um etwa 1000 Kinder (1907: 13 054) zu ver» .chnem Von den in Fabriken beschäftigten Kindern ent- mt fast ein volles Drittel (3933) auf Bayern, weil hier f e Schulpflicht bereits mit dem vollendeten 13. Lebensjahre -idet. 2)ht verhältnismäßig hohen Ziffern sind auch Württemberg (1246), Eljatz-Lothringen (1363) und Baden i ,48) vertreten. Jin industriereichen Sachsen ist die Zahl ,>r in der Fabrikarbeit stehenden Kinder fast ebenso hoch als '.m Preußen. Sachsen zählte 1908 2382, Preußen 2491 Fabrikarbeiter im Kindesalter. In allen anderen nord» und mutteldei.tschen Staaten ist die Fabrikarbeit der unter 14 Jahre alten Kinder nahezu beseitigt. In einer Reihe Wn Staaten (Mectlenburg.Schwerin, Mccklenburg-Stresitz, -achsen-Altenburg, Schwarzburg-Sondershausen, Schwarz» | i7l,rg.Rudotsladt, Lippe, Lübeck, Hamburg) wurden 1908 in Fabriken arbeitende Kinder überhaupt nicht gezählt. Rach - ,-n Berichten mürben 3986 Personen wegen Vergehen gegen I daS Kmberschutzgesetz verurteilt

im Tische befinden! v

Wer dieses frenetische Händeklatschen der Italiener und ihr ßefrrä* gehört hat, der weiß, wie tief der Deutschenhaß sitzt, ijjtb es war nicht etwa das gemeine Volk, sondern alles Leuce aus besseren Kreisen!" '

Der Reichskanzler mag sich 6et ]einem Besuch tn Rom über diese Dinge näher erkundigen und die Konsequenzen daraus ziehen. ____________

Die Reise Dernburgs.

ging 'Friedrich Naumann vor, als er das später wieder ein­gegangene Berliner TagesblattTie Zeit" gründete: er hat zuerst »en Gedanken einerZeirungsschau" über gegnerische Meinungen oerwirtlickst, und in durchaus vorurteilsloser Weise nur mit dorn einen Zwecke durchgeführt, über die Meinungen der Gegner zu unterrichten. Einige anständige Zeitungen verschiedener arteten haben diese Einrichtung von ihm übernommen und führen sic noch heute weiter. Sie verdient den weiteren Ausbau sehr. Aber natürlich nur, wenn sie nicht bevorzugt, was zum Herabfetzen der Gegner geeignet scheint, sondern was im Gegenteil das Gescheite, das mandrüben" sagt, kennen lehrt und damit das am meisten Kennenswerte. Solchem Ausbau widersetzt sich aber noch mehr als die Voreingenommenheit der Redakteure jene Torheit der Leserkreise, die allesaus der Seele gesprochen" wünschen."

Vom M ainzer Stadttheater. Man schreibt uns aus Mainz- Die Stadwerordneten stimmten in der letzten nicht öffenttichen'Sitzung dem Entwürfe des neuen Theater­vertrages zu. Direktor Behr end behält darnach bis zum 1 Mai 1912 die Bühne. Auch der beabsichtigten Erweiterung der Umbauarbeiten wurde zugestimmt, wodurch die ur­sprünglich vorgesehene Bausumme nicht unwesentlich erhöht wird. Die Bühne soll nvck mehr Derlieft und mit Aufzügen versehen werden Die Kosten des Umbaues steigen dadurch von 750 000 auf 800 000 Mark. Merkwürdigerweile ist in dem amtlichen Bericht nichts von der Bestimmung gesagt, wonach die Stadt künftighin am Gewinn beteiligt ist, wenn der Reingewinn des Direktors 20 000 Ml. übersteigt, erhält die Stadt ein Drittel des üb erschießenden Teiles und wenn er 25 000 Mk. übersteigt, die Hälfte Ter Reingewinn schwankte in den letzten Jahren zwischen 20 O00 und 3OOOO Mark.

Die Hundertjahrfeier der Berliner Uni­versität wird am 10., 11. und 12. Oktober des nächsten Jahres festlich begangen werden. Nach der Mitteilung desB. T." soll am 10. Oktober die Reihe der Feierlichkeiten mit einem Fest- gottesdienst im Dom eröffnet werden. Sodann werden Aula, Senatssaal und aubitorium maximum die Festgäste zu einer ersten Begrüßung auf'nehmen; den Abschluß dieses Tages soll ein Fackelzug bilden. Ten zweiten Tag wird eine Feier in der neuen, bis dahin vollendeten Aula in der früheren könig­lichen Bibliothek einleiten. An die Festrede des Rektors Erich Schmidt werden sich die Ansprachen der Abgeordneten an-

6. ordentliche Generalsynode.

4- Berlin, 6. Nvv.

In der neunten Sitzung der 6. Ordentlichen Gmeralsywode nahm die Versammlung zunächst auf Antrag des Evangelischen Kirchlichen Hilssvereins einen Antrag an, der derFrauenhilfe" Tank und Anerkennung für die geleisteten Dienste ausipricht um die Eener alsyno de bittet, Mitarbeiter für dieses Liebeswerk zu gewinnen. Der Entwurf eines Kirchengesetzes betr. die Ruhr gehälter der Organisten und Küster wird unverändert angenommen Der Bericht des (sfoneralsuperintendenten Jakobi (Magdeburg,

schließen. Ein Festessen wird sodann die Gäste mit den Ber­liner Professoren und einem Ausschuß der Studentenschaft ver­einen. Den Abschluß des Tages werden die Festauffüh­rungen der königlichen Hoftheater und Theatervorstellungen der Studentenschaft bilden. An die erste Feier in der neuen Aula wird sich am dritten Tage eine zweite anreihen. Den Nachmittag wird ein Gartenfest einnehmen; den Abschluß des Tages und damit der Feierlichkeiten überhaupt wird ein großer Fest­kommers bilden. Außerdem wird bereits im Juli n. I. auf der Grünauer Strecke eine akademische Regatta veraw- staltet werden.

Tie Heimstätte von Schillers Glocke. Ehe Schiller sein wundervolles Lied von der Glocke schrieb, besuchte er mit feiner Braut Charlotte Lengeseld und ihrer Schwester, Frau von Wolzogen, oft die Glockengießerei in Rudolstadt, um dort die Technik des Glockengusses genau kennen zu lernen. Zur Erinnerung an die Stunden, die der Dichter ht dem schlichten Hause zugebracht hat, ist an ihm eine Tafel angebracht, die folgende Verse trägt:

Steh' Wanderer still, denn hier entstand. Daß keine zweite möglich werde. Gebaut von Schillers Meisterhand, Die größte Glocken form der Erde."

Schiller und die Preußen. Der Dichter Schiller ist bei den Preußen nicht gut angeschrieben, da er für die EnA- landerMaria etuart", für die Franzosen dieJungfrau von Orleans", für die SpanierDon Carlos", für die Italiener Fieses", für die SchweizerWilhelm Tell" und für die Lester- reicherWallenstein" gedichtet hat, während für die Preußen mirT i e Räuber" abgesallen sind. So zu lesen imBaye­rischen Vaterland" vom 3. November 1909.

Gin Phrenologe über Schillers Schädel. Lud­wig August Frankl erzählt ein Erlebnis, das vor gerade 70 Jahren sich ereignete und einiges zu denken gibt. Ein berühmter ameri­kanischer Phrenologe wahrscheinlich Gambe) hielt in Wien, im russischen Botschafterpalais, Vorträge über seine Wissenschaft. An Herren und Tameii der Gesellschaft demonstrierte er seine Lehren und nach dem Urteil aller wußte er aus ihren Köpfen ihre seelischen Eigenschaften glänzend zu erraten. Da legte ihm ein Arzt einen ^hädclabguß vor, und der Phrenologe begann folgen­dermaßen zu spreL^n:Der Mensch, dem dieser Schädel angehörte, folgte stets einer idealen Richtung, in welcher all sein Tun und

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefien

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Man schreibt uns aus Metz:

Der 28-jährige Karl Gettmann ist vor kurzem aus der Fremdenlegion nach Nilvingen bei Diedenhofen zu seiner alten Mutter, einer Witwe, zurückgekehrt. Sein Schicksal in der Fremden­legion ist deshalb von besonderem Interesse, weil er zu jenen gehörte, die seinerzeit den vergeblichen Fluchtversuch von Casa­blanca unternommen haben. Mit der Halste der Teilnehmer kam Gettmann nachher in die Strafkompagnie. In der Sttaftomvagnsi gab es nach den für europäische Begriffe ganz unfaßbaren Marsch­leistungen, die man aus Erwins Rosen's Buche kennt, als ein­zige Nahrung die berühmte versalzene Suppe, tagaus, tagetn. Schon die Marschleistungen erregten einen ungeheuren Durst. Tsi versalzene Suppe hat den Zweck, diesen Durst bis zur Qual zu steigern, obwohl sie andererseits genügend Flüssigkeit bietet, um vor dem Verdurstungstode im allgemeinen zu bewahren. Ein, ungestörte Nachtruhe wurde den zu Tode Ersckfopften auch nicht gegönnt. Um sie zu quälen, erweckt: man sie alle halben Stunden durch Püffe und Schläge. Als G. im Halbschlafe einmal über die Störung Unwillen äußerte, wurde er an Fuß- und Armgelenken festgebunden und so wagerecht in freier Luft aufgehängt.

Es ist nicht wunderlich, daß diese Belwndlung ihn zu einem erneuten Fluchtversuch bewog. Als di: Kompagnie eines Tages in einem Tornendickicht nahe einem Flusse lagerte, wurde die Flucht von G. und noch drei anderen Kameraden beschlossen und in der Nacht ausgeführt. Sie gelang vollkommen. Di vier Leute schwammen über den Fluß und zogen die Kttider nach. Ein Fünfter, der mitgewollt hatte, blieb aus Furcht zurück. Nack mehrtägiger Wanderung fielen die vier, als sie sich zum ersten Male, um die Richtung auszukundschaften, während des Tag e auf den Marsch gemacht hatten, den Mauren indieHände Diese rissen ihnen die Kleider vom Leibe, zwangen die vier Nackten niederzuknien und begannen sie mit Steinen zu bewerfen. Es muß aber wohl ein Moment gekommen sein in dem die Mauren sich über die Kleider der Gefangenen stritten denn sie achteten nicht so genau auf die Gefangenen. Da er wachte in Gettmann noch einmal die letzte Verzweiselungskrast. Ei' sprang auf und durchbrach in rasendstem Laufe die Kette bei zirka 200 Mauren. Dann rannte er in Todesängsten weite, bis es Nacht wurde. Auf der ganzen Flucht hörte er hinter sich Schreien und Rufe, von denen er annahm, daß sie von seinen Ver- folgern herrührten. Als die Ruse verstummt waren, wandte er sich und sah zu seiner Freude, daß sein vermeintlicher Verfolger ein Genosse, ein Oesterreicher war, dem gleichfalls die abenteuerlich Flucht geglückt war. Die beiden anderen hatten sich vor ihrem unabweislichen Geschick, einem grausamen Tode durch die Mauren, nicht retten können. Vollständig nackt irrten nun die b.iden Entronnenen mehrere Tage lang in der wüsten Gegend umher. Sie litten heftig unter Hunger und Durst, da sie zum Glien nur grünes Johannesbrot hatten. Schließlich stießen sie halb ver hungert und halb verdürstet auf ein Lager der Spanier. Ties- gaben ihnen Kleider und zu essen, und mit deren Hilfe kamen sic nach dem spanischen Hafenort Melilla, wo sie Arbeit fanden und von wo sie an ihre Angehörigen schreiben konnten, die ihnen das Geld zur Heimreise nach Deutschland schickten.

Ter Lothringer Gettmann war vor seiner Meldung in die Legion Hüttenarbeiter in Nilvingen gewesen, was er auch jetzt wieder ist. Eines Sonntags, nach dem Zahlabend, unternahm er einen Ausflug nach Frankreich mit einem Kollegen. Tort tranken : sie allzu viel Wein und im Rausch meldeten sie sich zur Fremoen- legion, nachdem ihnen von Polizisten, von denen sie ungehalten > worden waren, goldene Berge in Ausftcht gestellt worden waren. Der Kollege hatte zu feinem Glücke eine zu schwache Körper- konstitutton, so daß er im Werbebureau abgewiesen werden mußte , - Gettmann aber, der übrigens in Deutschland regelrecht bet der

Anderz-enlende hören!

Im zweiten Oktoberheft desKunstwart" lesen wir folgende Ausführungen, die allgemeine Beachtung verdienen:

Jeder Redakteur einer Zeitung oder Zeitschrift kennt die Briefe, in denen Leser ihre Freude darüber ausdrucken, daß einen der oder jener Aufsatzaus der toeetc gebrochen lei so Laß sie ihn Wort für Wortunterschreiben konnten ^5st er fstlbst oder ist ein ständiger Mitarbeiter der Versa 11 er, so hat er ein Recht, sich über sie fiu freuen, berat ^bestätigen, daß er h gutem Einvernehmen mit seinen Lesern steht. er berommt eher natürlich auch Zuschriften, die ftch über den oder jenen Beittag beschweren. Tun sie das über unpassende Formen der ^leußerung oder über falsche Tatfachenangaben, so wird er, wenn <t seine Aufgaben versteht, aus ihnen lernen und lelblt über iie in Deutschland noch immer nicht ausgestorbene Taktlol ig- iit nur lächeln, die etwa mit Abonnementskundtgung droht, cls wäre der Redakteur kein Kulturarbeiter, iandern ein Schmock. Ernstere Bedenken werden ihm aufsteigen, wenn der Einlender la rüber empört ist, daß einer spricht, bet fachlich anders, der sachlich vielleicht entgegengesetzt schließt und anders urteilt, als tr selber. Llnb wenn er erklärt: dergleichen will ich nickt leien. Gerade solche Zuschriften aber sind bet ber Tagespreise und Sei zahlreichen Zeitschriften so häufig, baß sie ber Mehrzahl ihrer Organe ein Gepräge ber Aengstlichkeit vor ben ^efern « cufbrüden, das der Sachftinbige auch unter allen Masken der I Kraftmeierei erkennt. Millionen unserer Volksgenossen empftn- | den ffe als eine Beleidigung, wenn inifyrem Blatte ohne | ilbsprechenden, das heißt voreinnehmenden Zuiatz Meinungen zu 1 Vehör fommen, die sienicht unterschreiben können .

Wie sonderlich ist das eigentlich! Man follte doch meinen, vas einer selber dächte, bas wüßte er so ungefähr,, auch ohne \ - es ihm gesagt würde. Biel wichtiger asio mußte es ihm j äs Glied seines Volkes sein, zu erfahren, was nicht ujm, lonbern jerate seinen Gegnernaus ber Seele gesprochen" sm. Ww tonn i an ganzen Kulturleben die Entwickelung mit , Kämpfen, L^afstw- | Itillitänben, Kompromissen und Friedensschlüssen überhaupt ^vor- i rr-arts führen, wenn wir die Tinge immer, nur von irmerer eeue aus ansehen, wenn wir nie zuverlässig erfahren, was ber Gegner renkt und will?" r

Tas ist so klar, baß einsichtige Männer, fchon >ett lange darüber Nachdenken, wie die beutfem Leserschaft an ein Hören den Gegner gewöhnt werden Edirne. Kühn und weitherzig

London, 6. Nov. StaatssekretärDernburg stattete heute morgen in Begleitung des Reaierungsrates Dr. Busse bim Kolonialinstitut einen Besuch ab be: welchem pr duft, die verschiedenen Abteilungen, Laboratorien und Muster räume geführt wurde. Der Staatssekretär zeigte besonderes Interesse für die Untersuchungen, die für die afri- Eini dien Kolonien inbezug auf Baumwolle und Kautsckuk- angeftellt wurden Beim Abschied sprach Dernburg dem Setter des Instituts, Professor Dunsten, seine Anerkennung

noritanöeä.. .

3. Wahl zweier J ->* und deren

4 Borstandswabl und Lannernruove.

5 Berich! oom Gautag.

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'ND> GIESSEN j folsende Tage ' ^KONZERTE ^'länder Truppe.

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Anfang 8 Uh,, irgebenst ein

^'»h-Attend.

über die Ausführung des Gesetzes betr. die Verstärkung des vils^- fonds für lanbeskirckliche Zwecke, wo;u eine Denkschrift des Evan­gelischen Oberkirchenrats vorliegi, wird zur Kennwis genommen. In bet Denkschrift wird f'estgestellt, daß zur Zett 207 Gemeinde- tyclfer imb 8 -Helferinnen tätig sind. In ber Aussprackfc wurde die steigende Bedeutung der Gemeindehilfe und daneben ber Arbeitersekretäre im Interesse einer Erstarkung der nationalen christlichen Arbeiterbewegung betont In Uebereinstimmung mit einer Vorlage des Evangelischen Oberkirchenrats saßt die Gcneral- synode weiter einen Befck -!ß dahin, daß die Erhöhung des Guv- kommens der Hckssgeistli^ .u auf 2000 Mar? möglichst fd>on vorn! 1 Awil b I. ab in Kraft treten solle, zumal die vvrlfandeneft I«nds diese Erhöhung gestatten, lieber die Tenkscknift bc5 Evan- gclisck-en Oberkirchcnratä betr. die Entwickelung des Temsck^ii Evangelischen KirckenausschusseS referiert Sh nodale Winckler an ber Hanb eines Antrages, in dem die Arbeiten des Ausschusses anerkannt und ber Wunsch 'ausgebrückt wirb, baß in den Ausschuß M.ich so nodale Vertreter geroühlt werden möchten. Ter Antrag wird nach längerer Aussprache angenommen. Heber einen Antrag ber Shnode Halle-Lanb auf Aufhebung bet Begräbnis-- -ebühren an Geistlickn: unb Kirchenbeamte geht die Generalshnode >ar Tagesordnung über, in Anbetracht dessen, daß die B<-rwirklick>ung des Anttages bedeutende Geldmittel erfordern würde, die zur Zeit weder vom Staate zu erlangen wären und ebenfoivenig durch .-ine Erhöhung der Kirchensteuern aufgebracht werden könnten.

Line Bittjchrl t dcr höheren hessischen §laatrbeam!cn.

T»e Voisiände des Verbandes Großh. Hess. Oberförster, >-?S Vereins der nfab. Finanzbeamten bei den Großh. Fmanz- iintern', des Hessischen Oberlehrervereins, des Verbandes Großh. Hess. Staalsbaiibeamten und des Vereins Großh. Hesi. "iedizinalbeantten haben gemeinsam an das Großh. Hess. otaatSminifterium und die Ministerien deS Innern und der Finanzen eine Eingabe gerichtet, in ber gebeten wird, die Regierung möge für eine zeitgemäße Neuordnung dec Be- ioldung sorgen. In der Eingabe heißt es:

Nickt nur die genaueste Kenntnis der Lage der Beamten, son­dern ebenso sehr die bange Sorge für unseren Staat ueivflichtet ms, zu erklären, daß der Noilage unserer Beamtenscka't ohne icben Aufs ck u b gründ lick abge holten werden muß. stuch in den Kreisen der akademisck gebildeten Beamten sind die oermögeiv-losen Familien mit zwei, drei uuselbftäudigeii Kindern nhou längst trotz der größten Svarsamkeit am Ende ihrer finanziellen Kräsie angelanqt. Daher bitten die ehrerbietigst unterzetckneten ^eamtenvereine, den Landständen, nötigenfalls unter Streickung aller irgend vermeidbaren oder irgenb aufidiieb- >' aren Ausgaben, so'ort einen sick eng an die neue Gesetz- ehuna in enßen und im Reick anschließenden Gesetzentwurf für eine Neuordnung der D i e n st e i n k ü n f t e zu unter- ieiten und, zur ioiortmen Lmderung des augeublicklicken Not- uaudes, für die Zett bis zum 1. Avril 1910, dem Zettouukt des inkrafitretens der neuen Tiensteinkommensordming. der Beamlen- sckait eine Teuerungszulage von ausreichender Höhe zu .1 ernähr en.

Ans Staöt und Land.

Gießen, 8. Olooember 1909.

Ein Berkaufstag der Großherzogin in Mainz.

Aus Mainz, 6. Nov., wirb uns geschrieben:

Unter Andrang fand heute nachmittag ber Derkaufs- 'ag der Großherzogin in der Stadthalle statt. Hunderte von Menschen umorungten den rieftgen Bau, der trotz feiner doch außergewöhnlichen Große nicht alle Besucher auf­nehmen tonnte . So entstand vor den Eingängen ein mäch­tiges Gedränge. Hatte man nun auch glücklich die sich stauende Menge durchbrochen, so bedurfte es immerh.n noch langen Wartens, bis der ersehnte Eintritt in den Saal freigegeben wurde. Aber all diese Unbeguemtichkeiten waren bei dem Beschreiten des in märchenhafter Helle erstrahlen­den, farbenprächtig gehaltenen Verkaufsraumes vergesjen. Vertaufsstände in allen Größen und Farben der eine weiß, die anderen rot, lila, gelb in Gruppen von Lorbeer unb Palmen förmlich gebettet, boten dem Auge ein Bild volb überraschender Schönheit. Und was war in diesen Zelten nicht alles zu kaufen: Säuglingsslaschen unb Patentfeuer- eug, Laubfrösche und Schaukelpferde, Kanarienvögel und Eisbären, Spitzen, Bänder, Puppen, Gold- unb Silber­waren, Briefpapier und Edelsteine; kurz das reinste Waren­haus.

Den Hauptanziehungspunkt bildete der Berkaufs-

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ert, Eesaugsdorlrage, turntr Deutschenhaß in Italien.

rluWrmtsell, lebeade Bild« Der Wert des deutschen Bündnisses mit Italien wird 8 mnner mehr in Frage gestellt. Dem StuttgarterNeueti K Eagebla't" sendet ein Deutscher aus Neapel folgende I Entrüstungszuschrift:

Neapel befindet sich in einem Freudenrausch über den Be- ______ ijuh des französischen Geschwaders. Fest auf Fest folgt, und es 1- ein erlycb nbcr Anblick, die französischen und italie- »ischen Matrosen Arm in Arm m den Straßen gehen

? smeratcnteils eine« im Qc J : sehen Ja, vor lauter Verbrüderung werden sogar bie Mutzen ---um damit die innige Freundsclfaft anzuzeigen. -Lehr sinlich Lecüljtt es tedoch, daß dieser Besuch zu einer Beleidigung , i»>r Deutschen ausartete. Daß der Deutschenhaß m Italien ztem- ;; i grub ist, ist mir in meinem mehrjährigen Aufenthalt in Italien mußt geworden, jedoch in einem solchen Umfang habe ick ihn roch nie wahcgenvinmen. In einem K i n e m a to g r a ph e n I ivutbe ein ftanzösischer Film gegeben, ber die deutschen ^s o l- baten in ganz entehrender Weise bar iteHt Be- r .unfene Soldaten mißhandeln bie Bürger, hängen einen 12fahrlgen < naben an einer Telephimstange auf, und begeben sick dann zufällig i dessen Vattr, woselbst sie diesen alten Mann mißhandeln und irm ihm zu essen unb trinken verlangen. Einer ber eofoaten hat das Halstuch bes erhängten Knaben mitgenommen, bas ber T-ater erkennt. Gr sucht nun nach seinem Sohne, findet ihn unb bringt ihn beim, worauf mit großen Buchstaben zum Vor­schein kommt:Sie sollen krepieren, wie bie Ratten" (was einen Beifallssturm hervorbrachteHierauf vergiftet er bie Solbaten, fyringt bann seinen Sohn in bas Zimmer, legt ihn auf ben Tisch, stellt bann rechts unb lsitts von ihm zwei Kerzen auf. Die deutschen beten Soldaten werden bann mit Fußtritten bearbeitet und in 'M Stellung gebracht, baß sie sich knieub zu Füßen ber Leiche

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