Ausgabe 
8.5.1909 Viertes Blatt
 
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Nr. 107 Viertes Blatt

ISS. Jahrgang

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGiehener Samiltenblärter** werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das KretsMatt für den Kreis Gießen" zwennal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für Oderhessen

Samstag 8. Mai 1909

Rotationsdruck und Verlag der BrühNch« UnwersilätS - Blich- und Stetndruckeret.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expeditwn und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion: 112. TeL-Adr.: AnzeigerGießen.

L Schmücker Nacht

Telephon 496

Marktstrasse 8

Politifdic Saacsfcbatt.

Die Besetzung des Posener Eribischofstuhles.

Sofort nach dem Ableben des Erzbischofs Dr. von Stablewski Ncrndte sich die Shtrie an die Verweser der Erzdiözesen in Posen- Änesen Weihbischof Dr. Litowski und Domherrn Torszewsli Gncsen m einem vertraulichen Schreiben um Feststellung der eigenartigen Verhältnisse in diesen beiden Diözesen. Auf (yrunb dieser amr- [1(1)611 Ergebnisse der Posener geistlichen Behörden sollte eine Grundlage für die Verhandlungen mit der Preußischen Regierung, bezüglich der Besetzung des Posener Erzbischofstuhles geschaffen uerden. Der Vatikan hatte gegen die am 18. Januar 1907 in Gnesen, seitens der beiden Domkapitel Gnesen, Posen festgelegtcn Kandidatenliste absolut nichts einzuwenden und lyat sogar bei der Lreußischen Regierung die Wahl des Regens des Gneseuer Priester- Seminars Domherrn Dr. Kloske, eines geborenen,Oberschlcsiers, >er der polnischen Sprache in Wort und Schirift mächtig i>t, »er Preußischen Regierung cmpsvhlen. In Berliner Regieruugs 'reisen hat man jedoch aus politischen Gründen sich diesem Kanöi- taten gegenüber zwar nicht ablehnend verhalten, aber eine Bee­ngung der Erledigung dieser hochwichtigen Angelegenheit, frnit Rücksicht auf den damals noch herrschenden polnischen Schulkinder lreik gewünscht. Ucberdies waren die Posener Zentral-Behörden irrt dem jetzigen Verweser der Diözesen Gnesen-Posen dem Weih- 'Usckwf Dr. Likowski in politischer Hinsicht durchaus zufrieden, ita derselbe durch sein taktvolles Verhalten und insbesondere durch Heine Erlässe an die polnische Geistlichkeit sich die Sympathie der deutschen Kreise im vollen Maße erworben hatte. Unter diesen Verhältnissen war die Preußische Regierung mit dem provisorischen Zustande zufrieden und hatte auch gar keine Veranlassung, eine * tenberimg dieses Zustandes durch die Besetzung dieses wichtigen 'testens zu veranlassen. Erst nachdem nunmehr 2Vr Jahre, seit ioent Tode des Erzbischofs Dr. von Stablewski verflossen sind, lend inzwischen sich das Amt des Gnesener Weihbischofs durch Len Tod des Bischofs Andrzejewioz erledigt morden ist, war es vat die kirchlichen Behörden in Rom ein dringendes Bedürfnis, .unmehr die Frage der Besetzung des Posener Erzbischofftuhles ochmals aufzurollen und selbständig neue Verhandlungen mit iber Preußischen Regierung anzubahnen. Nach 'dem bisherigen »Ergebnisse dieser Verhandlungen mit dem Preußischen Gesandten l ernt apostolischen Stühle von Mühlberg geführt, ist, wie die Deutsche Journalpost erfährt, alle Aussicht vorhanden, daß man ich doch noch auf die Wahl des Domherrn Dr. Kloske aus Gneien . tniaen wird, da die anderen von der Preußischen Regierungl it Vorschlag gebrachten Kandidaten, mit Rücksicht auf ihre geringe . ienntnis der Verhältnisse in der Erzdiözese Gnesen-Posen ividjt

*t Betracht kommen. Voraussichtlich wird es eine der ersten ' lmishandlungen des an Stelle Dr. »olles neu zu crnenneitben ultus-Ministers sein, den neuen Erzbischof der lange verwaisten Erzdiözese Posen-Gnesen in fein Amt einzuführen und damit der Wiener Dom-Insel einen neuen Herrn zu geben, die in poli- ; ischer Beziehung lange Jahre hindurch ein Pfahl im Fleische des Deutschtums gewesen ist.

Vörfen-Wochenbericht.

----- Frankfnr * a. M., 7. Mai.

Das Geschäft an der Börse, das in der Borwoch^ recht ftür- -nschen Charakter zur Schau getragen hatte, ist in ruhigere Bahnen eingelenkt. Spekulation und Publikum haben beit Mahnungen, die in der Presse sowie in den Stimmungsberichten

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der Banken zum Ausdruck gekommen sind, Gelstir geschenkt und vorerst Abstand genommen, bie__öausieeitgagemeists zu erhöhen. Lag der Stimmungswechsel z. T. auch in der Erkenntnis, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse keineswegs den stark hinousge- schraiibten Dm en vieler Jndustriepapiere entsprecl)en, so kam auch ist Betracht, daß die R e i ch s f i n a n z r e f o r m eine getoifje Beunruhigung erzeugt bat, die nicht ohne Einfluß geblieben ist. Bc an kann sich der <5Öffnung auf eine baldige Besserung der wirt- scl>aftlichen Konjunktur nicht ohne weiteres hingeben, wenn man die Reichsfinanzen in Nöten weiß und zudem mit der Eventualität einer Reickstagsauflösnng gerechnet lverden muß. Das Schlag­wort vom billigen Geldstandist ebenfalls etwas in den Hinter­grund getreten, nachdem die Reichsbank von einer Herabsetzung der Rate Abstand nehmen mußte. Dadurch, daß das Reich wieder 85 Millionen Mark Schadscheine begeben mußte, war die In­anspruchnahme der Reichsbank in der letzten Aprilwoche stärker als man erwartet hatte. Vor Mitte Mai dürste kaum auf eine Diskontermäßigung zu re ebnen sein, zumal die Bank durch die B ege bim g der neuen Anleihen des Reichs und Preußens stärker in Anspruch genommen werden wird. Der Privatdiskonto hat sich in den letzten Tagen ebenfalls etwas versteist, da die Geldgeber im xüitLlid' auf die bevorstehende Einzahlung auf die neuen An­leihen Zurückhaltung beobachten. Das Ergebnis der Zeichnungen ist recht befriedigend, wenn man bedenkt, daß auf die Gesamt­anleihen von 800 Millionen Mk. allein 474 Millionen Sperr- zeichmingen eingelaufen sind, die voll befriedigt werden und spekulative Zeichnungen kaum in Betracht kommen dürsten. Wäre die Reich-sfinanzreform bereits einer glücklichen Lösung zugeführt, Hütten die beiden Emissionen wohl imposantere Ergebnisse ßit verzeichnen gehabt. Es darf aber nicht vergessen werden, daß das ReÄ) und Preußen sehr spät an den Geldmarkt herangetreten sind; die anderen Bundesstaaten, die Kommunen und das Aus­land haben sich weit früher als das Reich und Preußen die Geldflüssigkeit zunutze gemacht. Wrnn trotz alledem 1500 Millionen gezeichnet wurden und der aufgelegte Betrag nach der Qualität der Zeichner zu beurteilen, als placiert gelten darf, so spricht das immerhin für eine nicht zu unterschätzende Kraft des deutschen Sparkapirals. Eine besondere Anregung vermochte die Börse aus dem /Zeichnungsresultat nicht 511 folgern, man beobachtete vielmehr auf fast allen Gebieten erhöhte Zurückhalttmg, zumal auch hie A u s l a n d s b ö r s e n , ausgenommen Wien, nicht melyr die zu­versichtliche Stimmung erkennen ließen, die unserem Markte seit­her eine Stütze geboten hatte. Größere Geivinnrealisationen fan­den in Montan wert en statt im Hinblick auf die wenig be­friedigenden Nachrichten aus der Industrie, die zu erlvartenben ungünstigeren Jahresabschlüsse der großen Montangesellschaften und Meldungen über eine Preisermäßigung des amerikanischen Stahltrustes. Für andere Jndustriepapiere war die Sttm- ntung geteilt, doch überwiegen Kursrückgänge die Avancen./ Banken blieben gut behauptet. Von Transvortan ft alten waren österreichische und italienische Werte begünstigt, ameri­kanische abgeschwächt. Niedriger stellten sich auch Hamburger Packetfahrt, während ddordd. Llvhd anzogen. Fest lagen auch heimische Fonds, während fremde Renten zur Schwäche neigten.

Privatdiskonw 2Vie Pvozntt.

Nennischtes.

* Neues Straßeupflaster. Wie das Kaiser­liche Konsulat in St. Louis berichtet, werden in St. Louis Versuche mit einem neuen Stvaßenpflaster gemacht, das

die Mitte zwischen dem Asphalt und dem in anderen Teilen der Vereinigten Staaten üblichen Miueralölaufgutz bildet. Die neue Mischung heißt Heißöl-Asphalt und besteht aus Asphalt und Petroleum. Eine von einem städtischen Straßenkommissar erfundene fahrbare Maschine, die die Mischung kocht und auch gleichzeitig den Ausguß besorgt, wurde in Indianapolis gebaut und kostete 5000 Mk. Der neue Straßenbelag ruht auf Makada und soll, während er den Staub festhält, an Festigkeit, Elastizität und Dauer- Hastigkeit dem Straßenasphalt nicht nachstehen. Das neue Pflaster ist nicht nur für die Stadt geeignet, sondern auch Landstraßen können damit belegt werden. Der Preis schwankt zwischen 7 und 14 Cents für 100 qcm, je nach der Zusammensetzung des Belages und der Unterschicl)t.

FarnilLen-Nachriebten.

Geboren. Herrn CH. Schweißguth und Frau in Grünberg eine Tochter. Herrn Konr. Hosmann und Frau in Schlitz ein "^V erlebt. Irl. Elisabethe Weiß in Liederbach, mit Herrn Konrad Becker in Billertshausen. Frl. Lina Wollrab mit Herrn Heinrich Reibling in Alsield. Frl. Maria Kelter mit Herrn Peter Bornm in Wetzlar.

® e ft 0 r b e n. Herr I. Klingt in Ockstadt. Frau Marie Weil, geb. v. Berg, in Butzbach. Frau Johannes Appel IX. Ww., geb. Röder, in Wol'erborn. Frau Katharina Kreuder Ww., geb. (Liiert, in Vadenrod. Herr Philipp Vollmöller in Lauterbach. Herr August Eckert in Büdingen. Herr Ludwig Emmel in Grün berg. Frau Elisabelhe Schmidt, geb. Kemmer, in Schotten. Herr Jakob Schönwolf in Kaichen. Frau Susanne Hansel, geb. Eltlmg, in Alsfeld. Frau Sophie Schneider, geb. Becker, in Ockershausen. Herr Emil Friedrich Graf in Wetzlar. Frau Ww. Margarete Berghäuser in Wetzlar-Niedergirmes. Herr Ernst Kreh in Oder-Rosbach.

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