Ausgabe 
8.2.1909 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 33 Zweites Blatt

Montag, 8, Februar 1909

Erscheint K-Nch ml! Ausnahme be8 TonatagI.

mufo.

Vizepräsident Tr. Paasche:

, *

Platze. (Beifall.)

Abg. Zaveil:

139. Jahrgang

Der Etat de4 NeichSamteS des Innern. (Dritter Tag.)

Abg. vrnh« (Ref.-P.f . i -

Neugestaltung der Reifeprüfung.

Dre preußlüiiL Unterrlchtsverwallmrg soll dem »Der!. Tagebl.

Am DundeSratstische' Wermuth,Twele.

KotottonSbrvck and Verlag der Wellbleches Ufltoerfuäts - äindh und 6tcinDrudctcu VL Senge, Siegen.

Vizepräsident Dr. Paasche:

Lch bitte doch, auf diese Tinge nicht einzugehen.

Abg. Zubeil:

Derr CarstenS hat sich ja auch in die Verhältnisse der Arbeiter gemischt und gefragt, was denn die Leute eigentlich mit ihrem Lohne anfangen. Ich beschäftige mich ja auch nicht mit Herrn CarstenS selbst, sondern mit seiner Firma, die einem Tauben­schlage gleicht, und wo cs bald einmal zu einer Explosion tommeu

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuld str-atz» 7, Expedition und Verlag: 51,

Redaktion: 112. Tel.-AdruAnjeigerDießel^

Die ..Gießener FamiliendlStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt. daS Krelsblati für de« KreU Ließen" zweimal wöchentlich. Di» ^tevdwlrtschastlichev Seit- fragen" erschemen monatlich zweinuU.

Deutscher Reichstag.

Zweihundertste Sitzung, Sonnabend, 6. ffc b t.

Ordensverleihung. S. K. H. der Gro ß h er z o g hciben dem Oberleutnant Hoffe im 2. Ober-Elsässischen Znsanteric-Negiment Nr. 171, seither im Infanterie-Leib- Regiment Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, und dem Oberleutnant Frciherrn v. D ö r n b e r g im Kürassier-Regiment von Driesen (Weslfälischen) Nr. 4, seither im Garde- Dragoner-Regiment (1. Großh. Heff.) Nr. 23, das Ritter- lreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Groß- müligen verliehen.

- In Audienz empfangen wurden von Sr. Kgl. Hoh. dem Großherzog am Samstag u. a. Major o. Roques, Bezirksofslzier vom Landwehrbezirk Gießen, dec Leutnant Riedesel Frhr. von Eisenbach vom Dragoner- Regunent Freiherr von Manteuffel (Rhein.) Nr. 6 und Direk­tor Dr. Müller von Lauterbach.

~ Pfarrpersonalien. Se. Kgl. Hoh. der Grog­herzog haben dein Psarrverwaltcr Theodor Schell mann zu Appenheim die evang. Psarrstelle daselbst übertragen.

Erledigt ist eine mit einer evang. Lshrecin zu be­setzende Lehcerinstelle an der Gcmeindeschule zu Pfungstadt.

** om Hess. Zentrum. Am Freitag tagte in Darmstadt da§ LandeSkomitee der hessischen Zentrums-

Sietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oherhessen

ES wird sich fa auch in diesem Hause Gelegenheil dazu fin­den. (Zustimmung der Soz.) Drei Tage vor dem Fest der Liebe wurde ein Arbeiter von Herrn CarstenS und seinem Bruder auf die Straße geworfen, bloß weil er es gewagt hat, die Behauptungen de- Herrn Carstens richtigzustcllen. (Hört, hört! bei den Soz.)

Abg. CarstenS (Fr. Vp.):

ES trifft sich eigenartig, daß ich gerade nach dieser Rede zu Dort komme. Ich werde Sic natürlich mit meinen Verhältnissen nicht behelligen. Mer wenn Herr Zubeil draußen öffentlich Abrechnung" mit mir halten will, er wird sich Wundern, wohin er mit seinen Ausführungen kommen wird. In unserem Betriebe herrschte absolute Ruhe; die Unruhe kam erst hinein, nachdem ich politisch tätig wurde und die verhetzende Tätigkeit der Sozialdemokratie begann. Ich habe im kommunalen Leben seit Jahren für Arbeitslosenunterstützung gesorgt, und wie haben die Sozialdemokraten mich deswegen angegriffen l Ich habe die Einrichtung von Volksküchen verlangt, um den Arbeitslosen gesunde und anständige Nahrung zu geben, und geantwortet hat man uns, man verbäte sich derartige V e t t e l s u p p en von uns Vorgesetzten. (Brummen Singers.) Ich weiß. Herr Singer, daß das Ihnen unböauem ist. Und wie steht es mit der Arbeitslosigkeit? In einem meiner Betriebe konnte ich keine Maler bekommen, weil die Malerei gesperrt war von dem sozialdemokra­tischen Verband. (Hört, hört!) Und erst, als ich erklärte, ich müßte zu meinem großen Leidwesen Hunderten von Arbeitern kün. digen, weil ich wegen dieser Sperre keine Beschäftigung für sie hätte, wurde die Sperre aufgehoben. So entsteht Arbeitslosigkeit durch die unerhörte sozialdemokratische Hetzerei. Die Behauptung, daß Herr Mugdan ft-oiwilli,ger Negierungs­kommissar sei, ist lvcdcr neu noch geistreich. Wir sind gesonnen, objektiv und neutral uns zu allen Maßnahmen dec Regierung zu stellen. (Lachen der Soz.) Leistet dir Negierung Vernünftiges, so werden wir daS anerkennen. Wir lehnen cs ab, mit fanatischem Haß wie Sie von vornherein alle Maßnahmen der Regierung zu kritisieren. Man konnte der rllede des Herrn Zubeil so recht die Beklemmung entnehmen, die die Herren da über die gestrige Rede deZ Staatssekretärs empfunden haben (Sadjen und Zurufe der Soz.) der doch, was er gesprochen hat, aus bollem Herzen gc- forschen, und was er geleistet, in ehrlicher Arbeit geleistet hat. Ihnen ist es natürlich uubeauem, tocnn seine Reden und Leistun­gen dazu beitragen, das Mißtrauen und die verhetzenden Ten­denzen in der Arbeiterschaft zu zerstören. Wollen Sie wirklich bchauvten, daß Sie heute noch unter eienm Ausnahmerccht stehen? Da fällt es mir wirklich schwer, Ihren guten Glauben an» zunehmen. (Zustimmung.)

Der Redner äußert sich zu einigen R esolutionen. Die Freisinnigen lehnen die Konzefsionspflicht für den F l a s ch e n b i e r h a n d e l ab, als Sckädigung einer großen Zahl mittlerer und kleinerer Gelverbetreibenden, wozu kleine Auswüchse nicht berechtigen. Die Glashüttenresolution der Sozialdemokraten kommt ia alljährlich wieder. Mich wundert, daß der Redner der wirtschaftlichen Vereinigung dafür gesprochen hat. Geht man der Sacke auf den Grund, so sieht sie doch anders au«. Die Unfallziffer in der Glasindustrie erreicht keine Höhe, die zu Bedenken Anlaß geben kann. Im Jahre 1907 kamen auf einen Arbeiter in der Glasindustrie 11,22 KrankbeitStage, bei der berliner Ortskrankenkaffe 22, bei der Berliner Jnnungskaffe 11,47 Tage. Die Lage der Glasarbeiter ist also normal. Die Verhältnisse m der Glasindustrie sind durchaus günstig unb fast immer günstiger als in der übrigen Industrie. Auch die Lohne sind in den letzten zehn Jahren um 35 Prozent gestiegen. Ucbri- gens tun die Glasfabrikanten alles, um die Lage der Glasarbeiter günstig zu gestalten. Tie sozialdemokratische Resolution ist freilich unannehmbar, denn durch die Einführung deS achtstündigen Ar­beitstages würde die Produktion um 25 Prozent verteuert werden. Deutschland würde auf dem Weltmarkt nickt mehr konkurrenzfähig fein. Das völlige Verbot der Sonntagsarbeit ist auch unS sym­pathisch. Die Sozialdemokraten sollten doch keine Anträge stellen, die undurchführbar sind und nur agitatorischen Wert haben. Ihre Glashüttenresolution ist aber zum großen Teil unbrauchbar. (Beifall.)

Das HauS vertagt sich. Montag 2 Uhr: Weiterberatung.

Schluß gegen 6 Uhr.

Sagesschau.

Reichstag und meckleubnrgische Verfaffuug.

Tie mecklenburgische Bersassungssrage wird von den liberalen Reichstagsabgeordneten Mecklenburgs, den Frei­sinnigen Gras Bothmer unb Tr. Pachnicke, sowie dem National­liberalen, Syndikus Linck, bei der nächsten sich bietenden Gelegen­heit im Reichstage zur Verhandlung und zur Abstimmung gebracht werden. Ter Antrag, auf Grund dessen die Verhandlung erfolgen wird, geht der New-StreliherLandeszeitung" zufolge dahin, hinter Artikel 3 der Neichsversassung folgenden Zusatz einzufügcn: ledern Bundesstaate muß eine aus Wahlen der Bevölkerung hervor- gegangene Vertretung 'bestehen, deren Zustimmung zu jedem Landes- vesetz und zur Feststellung des Staatshaushalts erforderlich ist." Dieser Antrag fordert also miltetbar bie Einführung einer par­lamentarischen Vertretung in Mecklenburg. Es handelt sich um den­selben Antrag, den die drei Reichstagsabgeordneten bereits bei Beginn der lausenden Session am 26. Februar 19U7 im Reichstage eiugebcacht haben, der aber auf ihren Wunsch damals zuruckgestelit wurde, weil wenige Tage später am 4. Marz desselben Jahres dre Großherzöae von Mecklenburg - Strelitz und Mecklenburg- Schwerin den Landräten die bekannte Kundgebung übermittelten, daß Jie entschlossen seien, selbst eine Verfassungsänderung herbei-

Martin-Stahlwerke und Puddelwerke unb über die Möglichkeit von staatlichen Maßnahmen zu ihrer Erhaltung und gedeihlichen Fort- entwickelns vorzulegen.

Abg. Dr. Strefcmann (Natl.)l

Mir begrüßen jebes Mittel zur Förberung be5 Gütercms- , tauscheS unb freuen uns deshalb über die Beteiligung an der ' 23 rüf feier Weltausstellung. Die Ausstellungsmübig- keit ist überwunden; speziell an biefer Ausstellung zeigt sich, besonders in den Kreis-n der weiterverarbeitenden Industrie, großes Interesse. Warum aber ist man auf offizieller unb kauf­männischer Serie so zurückhaltenb bezüglich des Gedankens einer deutschen Weitaus st el lung. Die deutsche Reichshaupt- ffabt hat sich doch wahrlich nicht vor ihren Schwesterstädten zu sckämen, sie überragt die anderen, undDeulschland ist doch industriell wahrlich so weit vorgeschritten, daß es doch einmal auch zu sich einlaben sollte. Bei einer Abstimmung in ben Kreisen oer säch- fischen Industrie haben sich kürzlich zwar 724 Firmen erklärt, ein direktes Interesse einer deutschen Weltausstellung nicht zu haben; aber 557 von ihnen wollen sich beteiligen, tocnn eine solche^ zu­stande komme, darunter 152 Textilfirmcn, 193 Maschinenfabriken. Da brauchen wir nicht imer nur als Gäste ins Ausland zu gehen.

Am portugiesischen HandelSvertraa wird aus wiffenden Handelskreisen scharfe Kritik geübt; da ist oer Wunsch des HandelsvertragÄxreinS berechtigt, den Vertrag so bald wie möglich im Wortlaute bekannt zu geben. Der Wunsch nach Her­stellung normaler Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Kanada wird in beiden Ländern immer stärker.

Der Redner setzt sich mit der freihändlerischen Auffassung be8 Abg. Gothein auseinander und erörtert dann die Frage des Ber» hältnifses der reinen Walzwerke zum Stahl- werksverband. Graf Kanih hat die Resolution Decker miß­verstanden; sie verlangt nicht eine Aufhebung der Roheisenzölle, sondern zollfreien BeredekungSverkehr für bieji >gen Werke, die ihn jetzt nicht besitzen, unb durch die Beschränkung auf die reinen Walzwerke wirb auch der von dem Grafen Kanitz gemeinte finan­zielle Effekt gar nicht erzielt. ES handelt sich bei diesem Kampf um eine industrielle Mittelstandsfrage. Es ist ein Kampf der Lieferanten und ihrer Abnehmer um die letzten Kun- den. Soll die Gesetzgebung diesem Existenzkampf tatenlos zusehen? Ist eS staatsweisc, diese Siegerländer Werke so ganz ohne Hilfe zu lassen? Versucht doch der Staat sogar Industrie in den Osten zu tragen, wo sie noch gar nicht besteht; und hier handelt es sich um die Erhaltung einer jahrhundertealten Industrie. Wir wün­schen eine Denkschrift über die Ergebnisse der Inspektionsreisen ins Siegerland unb der Düsselborfcr Konferenzen.

Die Pensionsversicherung für die Privat- ange ft eilten ist nun m absehbarer Zeit zu erwarten, ernsthafte Hindernisse gibt es da nicht mehr. Und ist dann auch bie Witwen- unb Waisenversicherung verabschiebet, bann haben wir den Abschluß und dieKrönungderSozial- re form der kaiserlichen Botschaft, vorbildlich für bie ganze Welt, zumal wenn es gelingt, die Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre herabzusetzen. Ter Redner begründet die Forderung nach Aufhebung beS § 34 des Unfallversicherungsgesetzes unb führt in einer Erwiberung auf bie sozialbemokratischen Auffassungen ben Nachweis, daß die Zahl ber kleinen Betriebe sich immer weiter vermehrt. 46 Prozent ber Bevölkerung gehört dem Mittelstand an. Und der neue Mittelstand ist ebenso wie der Arbciterstand im Ausstieg begriffen, im Zeichen unserer verständigen Sozialpolitik. (Beifall ber Natl.),

Abg. Zubell (Soz.)t!

_ Eine Partei, bie 12 Jahre lang unter bem Ausnahmegesetz gekämpft hat unb heute noch unter einem Ausnahmerecht steht, ist auf alles vorbereitet. Wir wünschen der Regierung recht viel Glück. Die gestern angekündigte Reich sversicherungs- orbnung sieht ja toieber recht nett aus. Was konnte man auch von biefer Negierung anders erwarten. Herr Mugdan spielte vor- gestern den freisinnigen Regierungskommissar, tote immer, wenn er die Tribüne des Reichstags betritt. Seit die Freisinnigen in den Bereich der kaiserlichen Sonne gerückt sind, sind sie noch viel frömmer getoorden als bie Regierungsvertreter. Herr Mugdan hat Deutschland als Musterland hingestellt und erklärt, Amerika sei nicht das gelobte Lano, als das es geschildert wird. Nun, die amerikanischen Arbeiter nähren sich wenigstens von Fleisch und Kartoffeln, unsere Arbeiter aber von Kartoffeln und Fleisch, bei uns kommt das Fleisch nur in zweiter Linie. Die Arbeitsverhält- niffe im Steinmetzgewerbe liegen noch sehr im argen. Tausende von Arbeitern sind hier schon an ihrer Gesundheit elend zugrunde gegangen. Für das gesundheitsschädliche Bl ei weiß hat man schon lange einen vollwertigen ungefährlichen Ersatz gesunden. Warum wird es dann noch immer weiter in den farbigen Staatsbetrieben gebraucht? Die Zustände in einzelnen Fabrikbetrieben sind -geradezu haarsträubend. In einem Betriebe in Schöneberg bei Berlin gibt es nur zwei Klosetts für 80 Arbeiter. Ter Gewerbeinspektor hat trotz wiederholter Beschwerde noch nicht Zeit gesunden, dorthin zu gehen. Die Arbeiter haben sich nun nicht anders zu helfen gewußt, als in einen Streik einzutreten. Nun zu dem Abg. Tr. Carstens, der mit seinem Bruder in Elmshorn eine Fabrik besitzt. Er spielt sich hier im Reichstage immer als sozialdenkcnder Mensch auf, und bei seiner letzten Rede stellte er sich ganz so, als tocnn er ben Sechsstunbentag für die ganze Welt einführen wollte. In feinem Betriebe herrschen aber die schlimmsten Zustände, ohne daß die Klagen der Arbeiter berücksichtigt werden.

Vizepräsident Dr. Paascher

ES ist bisher im Reichstage nicht Sitte gewesen, Privcckver- häktnisse einzelner Abgeordneter zur Sprache zu bringen.

Wg. Zubeil:

Ich will nur zeigen, wie eS in ben Betrieben des Herrn Carstens auSsieht. Ein Betrieb ist kein Privatverhältnis.

Ten Platz deS Präsidenten schmückt ein prächtiger Strauß <ni3 r)tosen und Flieder.

Präsident Graf Stolberg

eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Minuten: Die Herren Schrift, sichrer haben, liebenswürdig, wie sie immer sind, den Präsidenten- tisch mit diesem Bukett geziert. Ich sage ihnen dafür meinen Dank^ Wir haben feit bem 13. Februar des vorigen Jahres 100 Sitzungstage gehabt. Wir können also wohl sagen, daß ber R e i ch s t a g fleißig gearbeitet hat. Soweit es sich dabei überhaupt um ein Verdienst handeln kann, ist es natürlich nicht mein Verdienst, sondern unser aller gemeinsames Verdienst. Wenn diese Arbeit auch bisweilen nicht ganz leicht ist, so glaube ich doch, daß wir sie alle gern tun In der Hoffnung, daß sie dem Vaterlande zum Segen gereicht. (Lebhafter SöcifgQ.),

Ich kann zwischen ber Firma Carstens und bem Gehakt bc5 Staatssekretärs keinen Zusammenhang finden. (Weiterleit; Dr. Arendt (Np.) ruft: Schluß! AufhörenI).

Abg. Zubeil:

Ich rede so lange, wie es mir beliebt. Wenn ich über diesen Punkt nicht rcoen darf, so habe ich doch noch Material gv">g, daß ich noch eine ganze Stunde sprechen kann. (Entsetzensrufe.) Ich sage Ihnen nur, Herr Carstens: Geschenkt ist Ihnen die Sache nicht. (Heiterkeit.) Es wird doppelt unb dreifach mit Ihnen abgerechnet werden.

Vizepräsident Dr. Paaschc:

Wenn Sie diese private Abrechnung mkt der Firma CarstenS vornehmen wollen, so tun Sie es, hier ist das nicht am

forscht unter billiger Teilnahmslosigkeit deS HaufcS Über Ar- beiterkoutrolleure, Gastwirtsverordnung u. <u

Abg. Decker, Arnsberg (Zentr.):

Erfreulich ist, daß ber Staatssekretär entschieden bie Annahme mrrückgewiesen bat, als ob neue Ausnahmegesetze gegen bie Sozialdemokratie geplant werben. Mit der vom Staatssekretär geplante« Halbierung der Beiträge zu den Kran­kenkassen sind wir nicht einverstanden. Der Redner empfiehlt die Resolution feiner Partei, wonach den Inhabern von reinen Walz, werken, Eisen- unb Stahlgießereien, Martin-Stahlwerken und Puddelwerken bei der Ausfuhr ihrer Erzeugnisse Einfuhr­scheine zum zollfreien Bezüge des Einstandsmate- rials für ihre Auslands Produkte verliehen werden können. Da. durch sollen die mittleren und kleineren Betriebe gegen die Preis, treiberen der großen Roheisen-Kartelle geschützt werden. D i e Preispolitik der großen gemischten Werke geht auf die Vernichtung der mittleren reinen Betriebe hinaus. Die Taktik des Stahlwerköverbandes ist offensichtlich. Er verkauft das Rohmaterial an bie kleineren reinen Werke in Deutschlanb teurer als an bie auSlänbischen Abnehmer. Hier muß bie Negierung hel- fenb eingreifen. Gegen bie Synbizierung ber Rohmaterial-Pro- buktion muß ein Gegengewicht geschaffen werden, auch im Inter­esse der Arbeiter, bie man durch weitere Konzentration von der alten Scholle treiben will.

Abg. Graf Kanitz (Kons.):

Auch wir wünschen bringend, daß Mittel unb Wege gefunben werben, um der Notlage der kleinen und mittleren Werke aufzu. helfen. Bei ber Wichtigkeit ber Frag« müssen wir aber die Durchführbarkeit unb Wirkung ber vorgeschlagenen Maßregel erst sorgsam prüfen. Man forbert Zollfreiheit für Roh­rsen; das erscheint bedenklich. Das Roheisen-Syndikat ist ja in bte Lust geflogen, weil das S t e tt i n e r W e r k nicht mitmachte. E8 ist auch für die nächste Zeit gar nicht daran zu denken, daß ein neues Syndikat sich bildet. Denn es ist nicht wahrscheinlich, daß - i ~£^un0 des Stettiner Werkes demnächst eine Aendcrung eintritf. Durch den Zusammenbruch des Roheisen-Syndikats sind aber die Noheifenpreise so heruntergegangen, daß ausländisches Material jetzt bei uns gar nicht als Konkurrenz in Betracht lommt. Anders liegt es allerdings mit dem Halbzeug. Die Preispolitik des Stahlwerksverbandes verdient bie schärfste Kritik. Sa8 wird mich in ber Presse fast allgemein anerkannt. Er begün. sngt das Ausland unb schädigt bie deutsche In - dustrie. Das einfachste Mittel, um ben mittleren unb kleinen Werken zu helfen, wäre das, daß sie selbst Hochöfen und Stahl, werke anlcgcn. Der Versuch ist doch nicht strafbar. Unerhört ist bo-§ eiben des K o h l e n s h n d i k a 18, das die

Kodlen ins Ausland verschleudert, während unsere Industrie mehr als das doppelt« zahlen muß. Herr Gothein sagte gestern, die Schutzzölle waren ausschließlich der Großindustrie zugute ge. kommen. Wenn bas richtig ist, dann haben jebenfallS Hunbcrt- ^Usende von Arbeitern auch haben Nutzen gehabt. (Sehr gut! rechts.) Ich gehe sogar noch viel weiter: Unsere Zölle L1! noch zu niedrig. (Sehn richtig! rechts. Wider-

3- B. das SchuAnachergewerbe auf das empfindlichste geschädigt durch den Massenimport von kanrsch en Schuhen. (Sehr richtig! rechts.) Also Herr Gothein hat Unrecht (Zuruf rechts: Hat er immer! - Hei. terleit.) Gegen ein Reichsberggeseh haben meine Freunde nach wie vor die größten Bedenken. So wichtige Hoheits.

1 C rblirrfcn b£ Einzelstaaten sich doch nicht aus den Händen nehmen lassen. (Bc-fall rechts.) Der preußische Hanbelsminister M ?e.rPm°nn ?ulaß zu Klagen gegeben. (Lachen

E.) Der preußische Bergbau befindet sich gegenwärtig in den besten Händen. (Erneutes Lachen links.) Die Hauptsache

Cm65atU ^fcjSterSaltirng einer straffen Disziplin. . i?t^rabol Auch unter einem Reichsberggeseh wird eS Unfälle geben. In ber jetzigen Zeit ber Arbeitslosigkeit auch noch bie Eisenzolle fallen zu lassen, dazu vermag ich persönlich meine Zustimmung nicht zu geben. (Ledh. Beifall rechts.)

Inzwischen haben die Nationalliberalen solgenbe Resolution eingebracht: Den Reichskanzler zu ersuchen, möglichst noch in dieser Session eine Denkschrift über bie Lage der reinen Walzwerke, Eisen- und Stahlgießereien,

v. Dethmann-Hollweg,

zwolge bie Vorschriften für bie Rcnevrü'uiig an den höheren Schulen abgeändert haben. Hiernach sei bie Prüfung fortan als bestanden zu erachten, wenn das Gesamturteil in allen verbind­lichen wissenschaflllcheu Lehrgegenstäuden mindestens(Senüflenb" lautet. Es stehe jedoch der Prusungskommiision zu, nach pflicht- mäßigem Ermessen darüber zu entscheiden, ob und inwieweit etwa nicht genügende Leistungen des Schülers in einem Leyrgegenstande durch die Leistungen des Schülers in einem anderen Lehrgegcn- stande als ausgeglichen zu erachten sind. Hiernach können also zum Ausgleich auch Nebenfächer und nicht verbindliche Lehrgegen­stände berücksichtigi werden. In bezug aus die Ausstellung des Renezeuginsjes ist ferner verfügt worden^ daß auch für den natur­wissenschaftlichen Unterricht, falls der Schuler einen solchen auf ber Oberstufe erhalten hat, das auf Grund der Klassenleistiingen festgestellte Prädilat in das Zeugnis aufznnehmen ifL Tie Neu­gestaltung der Paüfnnysordmmg tritt bereits für die demnächst bc- ginnenden Iieifeprufungen zu Ostern b. I, in Kratt._______________

Aus Stadt und Land.

Gieren, 8. Februar 1909.

Gedenkt der htmgerudm vsgel!

Tageskatender für Montag, 8. Febr.: ü. Vor trag des Kausm. und des Ortsgewerbevereiiis: W i 11) c l ni V u s ch'- Abend von Fritzjchler-Lage. Abends 81/, Uhr in Sterns Saalbau.