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Nr. 83 Erstes Blatt ISS.Jahrgang Donnerstag 8. April 1909
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iBüWl^Qvilvl ^llljvlUvlss?= MM General-Anzeiger für Oberheffen MZM ^i-nihme von Anzeigen I I 7 1 u.Land" und „Gerichts-
®s wÄ’Tubn Rotatiön$6rn» und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vach- enö Steindruckerei B. Lang«. Btdattion. «rpedition NN» vrnckerei: Schulftraße 7.
Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.
Ein politischer Mord.
Ueberraschend schnell hat die Türkei sich aus einem orientalischen Despotenlanoe in einen modernen konstitutionellen Staa.t umgewandelt. Das 8>auptverdienst hieran fällt den sogenannten Iungtürken zu, die sich namentlich in der Armee, im Offizierkorps, finden. Nun aber, wo das Ziel, die Einführung einer wirklichen Konstitution, erweicht ist, wollen die Iungtürken ihre Macht offenbar nicht fahren lassen. Sie maßen sich an, ob mit Recht oder Unrecht, auch fernerhin einen Diachtfaktor im türkischen Staate zu spielen, und bekanntlich ist auch der vorige Großwesir den Jungtürken geopfert worden. Der jetzige Großwesir schien sich bisher nur durch die Gunst der Jungtürken halten zu können.
Das Unhaltbare dieser Jage wird nun jäh durch einen Mord beleuchtet, der sich am Dienstag nacht in Konstantinopel ereignet hat. In dieser Nacht wurden' auf den (L h e f r e d a k t e u r d e r Zeitung „Serbe st i", Hassan Fehmi, auf der Brücke nach St'ambul von einem Mann in Offiziersuniform mehrere Schüsse abgegeben. Fehmi starb kurz darauf. Der Täter ist entkommen. Da Fehmi ein Gegner des jungtürkischen Komitees war, wurde gleich vermutet, daß es sich um einen politischen Mord handele. Biel bemerkt wird, daß der Mörder auf der von beiden Seiten mit Posten besetzten Brücke entkommen konnte. Das Attentat wird in Zusammenhang gebracht mit dem vom Serbesti organisierten morgigen Meeting zugunsten der Preßfreiheit.
In Konstantinopel hat die Ermordung Hassan Fehmis großes Aufsehen erregt. Der „Serbesti" vertrat die Ideen der liberalen Vereinigung und richtete seine heftigsten Angriffe gegen das jungtürkische Komitee, wiederholt auch gegen die Armee. Die öffentliche Meinung beschuldigt das jungtürkische Komitee der Anstiftung des Mordes; der Mörder soll ein Kavallerieoffizier sein. Der Begleiter des Ermordeten lvurde bei der Mordtat verwundet. Nachmittags veranstalteten über 1000 Hochschüler eine Protestkundgebung vor der Pforte. Sie verlangten, daß der Mörder ausgeforscht und gehängt würde, was der Großwesier dann auch versprach.
Die Kammer nahm gestern nach 'lebhafter Debatte trotz der Opposition einiger Jungtürken den von fünf Abgeordneten der liberalen Bereinigung eingebrachten Antrag an, den Großwesir wegen bc*- Ermordung Hassan Fehmis zu interpellieren.
Gestern am späten Abend kursierten hier Gerüchte, der Präsident der Kammer habe wegen der letzten Vorfälle fein Amt niedergelegt. Die Anhänger des ermordeten Chefredakteurs des „Serbesti", Hassan Fehmi, verdächtigen den Präsidenten der Mitwissenschaft. Während der Demonstration vor dem Parlament wurden zahlreiche Schmährufe auf den Präsidenten laut. Die Leiche des Ermordeten wurde in der Redaktion des „Serbesti" aufgebahrt.
Die Erregung über die Ermordung Hassan Fehmis ist, wie weitere Meldungen bestätigen, überall sehr groß. Die Straßen werden militärisch bewacht. Die Anhänger des jungtürkischcn Komitees bestreiten, daß dem Morde politische Motive zugrunde liegen. Die Gegner bereiten für die heutige Beerdigung große Demonstrationen vor.
Bei dieser großen Erregung der öffentlichen Meinung ist es keineswegs ausgeschlossen, daß schon die nächsten Stunden oder Tage ernste innere Konflikte in der Türkei zeitigen werden.
Zur Beruhigung der erregten Gemüter wird es wohl auch keineswegs beitragen, daß England, das sich in neuerer Zeit als türkenfrenndlich gab, jetzt eine Schwenkung vollzogen hat und bereit ist, für eine Autonomie Albaniens einzutreten, Seite an Seite mit Rußland.
Die traurige Lage der Ruhestandsbeamten und Hinterbliebenen
findet in einer Denkschrift des Berliner Zentral-Berbandes deutscher Reichs- und Staatsyensionäre eine eingehende Darstellung. Wie uns mitgeteilt wird, hat diese Denkschrift in den gesetzgebenden Körverschaften volle Beachtung gefunden. Allerdings hat sich der Reichstag mit Rücksicht auf die ungeklärte Finanzlage nock) zu keiner für die Pensionäre günstigeren Beschlußfassung veranlaßt gesehen. Leider besteht bei der Reichsrcgierung wie auch im preußischen Ministerium gegenüber der Notlage der Pensionäre eine ganz eigenartige Auffassung. Während man nämlich mit Rücksicht auf die Teuerungsverhältnisse den aktiven Beamten Gehaltserhöhungen zugebilligt hat, glaubt man im Reiche und in Preußen, daß die im Ruhestand befindlichen Beamten trotz der eingetretenen Geldentwertung für den Staat abgefunden sind. Die Härte, die hierin liegt, wird für die Pensionäre und Beamten- Witwen, die heute schon unter einem Notstände leiden, besonders dadurch druckend, daß sie die Last der neuen direkten und indirekten (Steuern mitzutragen haben werden. Einzelne Bundesstaaten, so .z. B. Sachsen und Sachsen-Weimar, und viele Gemeinde-Verwaltungen haben bereits jetzt die Notlage der Pensionäre und Beamten- Hinterbliebenen anerkannt und Erhöhungen der Pensionen und Reliktenbezüge beschlossen. Dem Berliner Zentral-Verbande ist es gelungen, eine über ganz Deutschland sich erstreckende Vereinigung aller im Ruhestande befindlichen Beamten zu schaffen, deren Ailitgliederzahl fortgesetzt wächst. Auch die von dem Verbände herausgegebene Zeitschrift, die „Allgemeine deutsche Peir- sionär-Zeitung" in Berlin wies in einer Reihe von Artikeln nach, daß der Staat nicht nur eine moralische, sondern auch rechtliche Verpflichtung habe, den Pensionären und den Beamten- Hinterbliebenen in der gegenwärtigen Zeit der Teuerung durch gesetzgeberische Maßnahinen zu helfen. Auch die besondere Lage der Unfallpensronäre, die namentlich durch einen neuen Erlaß des Herrn Eisenbahnministers eine wenig rücksichtsvolle Behandlung finden, behandelt die Zeitung auf Grund der gcsetzlick)en Bestimmung und der Rechtssprechung in so bemerkenswerter Weise, daß maßgebende Kreise davon Kenntnis nahmen. In gleick)er Weise wurden und werden fortgesetzt von feiten des Berliner Zen- tral-Verbandes und der Berliner Allgem. Pensionär-Zeitung die Verhältnisse der ehemaligen Privat-Eisenbahnbeamten erörtert, denen unter anderem die Pensionserhöhungen für Kriegsteilnehmer unter einer eigenartigen Verrechnung genommen wurden, die der Reickistagsabgeordnete Gothein die Umkehrung der Gesetzgebung durch die Verwaltung nannte,
4poltf$fdbc Sagesycrian.
Für und gegen die Nachlaßsteuer.
Ter Kanrps um die Nachlaßsteuer wogt noch immer bin und her. Wie man aus Danzig meldet, hat die wcstpreußische Land- wirtschaftskammer gestern unter dem Widerspruche des Oberpräsi- tenten v. Jagow eine Resolution gegen jede Besteuerung von Erbschaften von (Regatten und Deszendenten gefaßt. Man meldet uns ferner aus Dresden: Die Kund-- gebung des sächsischen konservativen Wahlvereins bat in den hiesigen politischen Kreisen, insbesondere aber bei der Regierung das größte Aussehen erregt. Man spricht bereits von einer Sprengung des Bundes der Landwirte. Aus Berlin berichtet man uns endlich nachstehendes: Zu einer Kundgebung der Bc- amtenschast zugunsten der Nach laß st euer kam es in einer Versammlung der Vorstände der Beamten-Verbände Groß- Berlins in den Germaniasälen. In scharfen Worten verurteilten die Redner die Haltung der Konservativen und Agrarier, die das Wohl des Vaterlandes kleinlichen persönlicheic Vorteilen opferten. Tie Beamtenschaft hätte bisher stets in ihrer übeüuiegenben Mehrheit treu zur konservativen Partei gestanden, lasse diese aber die Regierung in der Frage dev Nachlaßsteuer im Stich und verbünde sich mit deren Gegnern, um alle Steuern der breiten Masse des Volkes aufzubürden, so würden die Beamten sich von ihr abwenden. Tie Versammlung beschloß, den 18. April eine öffentliche Versammlung aller Beamten-Vereine Deutschlands nach Berlin einzuberufen, um zur Frage der Reick>sfinanzreform, insbesondere zur Nachlaßsteuer, Stellung zu nehmen.
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Veteranenbeihilfen.
Herr Reichstagsabgeordneter Behrmrs teilt uns mit, daß in der Budgetkommission die Frage einer besseren Regelung der Ge
währung von Veteranenbeihilfen eingehend besprochen nwrden ist. Ter Erfolg dieser Besprechung ist 'die Annahme eines Gesetzentwurfes aewesen. Bei der Ivetten Beratuttg bcd. Etats int Reichstage führte der Berichterstatter bei Titel „Kriegsteilnehmerbeihilfen" folgendes arcs: „Ter Etat enthält hier eine Summe von 22 724 000 Mark für die Gewährung deu Veteranenbeihilfen. Die Budgetkommission läßt das hohe HauS bitten, in diesem Moment in eine Besprechung der Veteranenbeihilfen nickst eintreten zu wollen, da in der Kommission bereits ein Gesetzentwurf übep aitderweitiae Regulieruna dieser Frage angenommen ist, und deshalb die Materie alsbald noch den Osterferien beschäftigen wird." Ter Reichstag entsprach dieser Bitte der Kommission. Die Summte wurde debattelos bewilligt.
Ein Exlragefchenk.
Der „Vorwärts" behauptet, so schreibt die „Nordd. Mlg. Ztg.", das Reich wolle den Trägern der UnfallversicherrcTtg durch eine anderweite Regelung der vom Reiche vorschußweise zu zahlenden Entschädigungen ein Extrageschenk von 100 Millionen Mark in den Schoß luerfen. Diese Äuftassmrg beruht auf einer Verkeimung des Sachverhältnisses. Um die Reichshauptkasse trott den Entschädigungsrenten zu befreien, ist vorbehaltlich der Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften in Aussicht genommen, daß die Berufsgetwssenschasten künftig dem Reiche Vorschüsse in der Höhe das mutmaßlichen Rentenbedarfs zahlen, wozu sie bisher nicht verpslichtet waren. 1910 würde die Rückzahluitg der Schuld für 1909 mit den für 1910 neu zu leistenden Vorschüssen sufammentfallen. Zur Milderung der Härte, die hierin liegen würde, soll für die alte Schuld eine zwanzigjährige Tilgungsperiode vorgesehen werden. Zur Tilgmtg der Verzinsung sind jährlich 11,6 Millionen Mark erforderlich. Aus der gegenwärtig dem Reiche obliegenden gesetzlichen Verpflichtuttg zur vorschußweisen Zahlung der Entschädiguirgsrenten ist. in den Jahren 1904 bis 1905 eine Ausgabe von durchschnittlich 4,4 Millionen Arark für das Jahr entstanden. Diese Ausgabe imirde bei dem fort» gesetzten Steigen der UnfaUrenteii von Jahr zu Jahr wachsen. Um nun den Berufsgenossenschaften die Rückzahlung der alten Schuld 511 erleichtern und gewißermaßen seine bestehende Vorschuß- Pflicht abzulösen, beabsichtigt das Reich, diese 4,4 Millionen Mark und weitere 1,4 Millionen Mark, im ganzen also hie Hälfte der Jahrrsquote, zur Tilungsverzinsung der alten Schuld beantragen; während die Berufsgenossenschaften die andere Hälfte der erfordestlichen Mittel mit ebenfalls 5,8 Millionen Mark zu tragen haben. Durch die geplante Regelung wird die Vorschußleistung allmählich herabgemindert, die übermäßige Begebung von Schatzamveisnngen entsprechend eingeschränkt und audi der Allgemeinheit ein erheblicher wirtschaftlick)ev Dienst geleistet werden, ohne daß eine unbillige Belastung der BerufsvenossenschaftkU eintritt.
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Französische Arbeitskammern.
Seit dem 27. März 1907 besitzen die französischen Frauen! das aktive Wahlrecht zu den „Conseils de Pimdhommes" ebenso wie zu den Handelsgerichten, und von diesem Augenblick an schien ein wirkliches Argument für Ausschluß derselben vom pa-siven Wahlrecht in den gleichen Grenzen nickt mehr zu bestehen. Tab- sächlich wurde ihnen auch^ dieses passive Wahlrecht vom französischen Parlmnent am 25. November 1908 gewährt und zun^ Gesetz erhobest. Die allgemeine Stimmung von Regierung, Volksvertretung und Bevölkerung in Frankreich geht eben dahin, der Ar au in allen Beziehungen der Industrie, wo sie die gleiche Tätigkeit wie der Mann ausübt, auch gleiche Rechte zu verleihen. In der Tat sind die „Conseils de Prudhommes" ja Körperschaften mit rein technischen Aufgaben: Sie entscheiden über Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hinsichtlich Art und Ausftihrung der Arbeit, Zahlung bet Löhne, von ihren Mitgliedern werden ganz spezifisch rein fachliche Kenntnisse gefordert. Warum sollte man von ihnen Personen mit unleugbarer Sachkenntnis ausschließen, die gerade weiblichen Geschlechts sind? In ricleit Gewerben, besonders in der französischen Textilindustrie gibt es Werkfuhrerinnen, ja 'Direktorinnen. Ihnen obliegt die Anwendung der Lvhntarife, Beurteilung der Arbeitskraft der einzelnen Arbeiterinnen, sie bringen ihr Gutachten über das Geleistete zur Geltung. Da die Frauen hier nicht oerfagt haben, konnte man ihnen die neue Stellung als Mitglieder der „Arbeits'kammepn" Kglich nicht gut verwehren.
Kleines Feuilleton.
— Tchä ch e r. Wir sprechen immer von den beiden Schächern, die mit Christus gekreuzigt wurden. JInb doch steht, wie wir in der Sprachecke des Allg. Deutschen Sprachvereins lesen, in der Lntherschen Bibelübersetzung nirgends etwas von Schächern, sondern im Matthäus-Evangelium souwhl wie int Markus-Evangelium ist von zween Mördern die Rede, bei Lnkas von zween Uebeltätern, und bei Johannes überhaupt nur von zween anderen. Da wir das Wort aber sozusagen nur noch in dieser Verbindung kennen, muß cs doch seit alters so gebraucht worden sein; und das kommt daher, daß Luther das Wort, wenn auch nicht in der Bibel, so doch "in anderen seiner Schriften gebraucht hat, so z. B. einmal vvm Schächer am Kreuz zur rechten Seiten spricht; und ferner daher, daß es vielfach in den Kirchenliedern für die mit Christus gleichzeitig gerichteten Verbrecher gebraucht wurde. Sonst kommt es wohl nur noch in gehobener Rede in der Dichtung vor; so heilst es z. B. in Wagners „Parsisal" im ersten Aufzug vom Heldcu: Ja, Schächer und Riesen traf seine Kstaft. In Hebbels Nibelungen antivortet Hagen rmch Siegfrieds Ermordung auf Dank- warls Jrage, was man sagen solle: „Sprecht von Sckäck-ern, die ihn im Tann erschlugenund im' gleichen Zusammenhänge wird das Wort harnt noch vierntal dort verwendet. Sehen wir bei Simrock iwch, so finden wir den gleichen Misdruck auch dort an derselben Sielte: und er sowohl wie Hebbel haben damit wörtlich das MittelhochdeutsHe übersetzt, denn im Nibelungenliede heißt es: daz in slüegen schächaere. Hier haben wir also die ältere Form des Wortes; dieses kommt auch schon im LllthocIKwutschen vor (scähbäri > und gehört da zu dem Hauptwort scöh (Raub, Räuberei , über dessen Herkunft wir leider ganz im dunkeln sind. Das Wort kommt auch in anderen germanischen Sprachen vor: so heisst im Holländischen schaak Mädckenraub, Entführung: im Mtsriesisck-en hieß skäk die Beute, und im Altenglischen sceäcere — also ganz unserm Schächer entsprechend - der Räuber. Auch ins Französische ist das Wort eingedrungen: dort gibt es neben dem Hauptwort echec, das wie unser Sckach aus dem Persischen ilomint, ein zweites gleichlautendes, das früher Raub bedeutete, setzt Verlust, Schaden, Stoß, und nichts anderes ist als unser altdeutsches seäh. Es gibt aber auch noch eine zweite Bedeutung öes Wortes Schächer, die abgeblaßte nämlich, in der wir es im bemitleidenden Sinne von einem erbärmlichen ober bejammernd werten Menschen gebrauchen, wenn wir von ihm als einem „armen Schächer" 'brechen. Hier ist die Urbedeutung von Schächer genau I jo geschildert, wie es die »on L-cbelut ist, wewrr Vir jemand einen ।
„armen Schelm" nennen: denn Schelm bedeutete zunäckstt das Aas, den toten Körper, bann eine ansteckende pestartige Seuche, und aus der ersten von diesen Bedeutungen entwickelte sich erst der Begriff „verworfener Mensch, Diieb, Verräter", der aber ebenso wie die ersten beiden heute kaum noch oder höchstens mundartlich und in gewissen festen Verbindungen vvrkommt, wie: Schelme und Diebe: an jemand^um Schelmen werden, ich will ein Schelm sein, wenn . . .; ein Schelm gibt mehr, als er hat: auf groben Klotz ein grober Keil, auf einen Schelmen anderthalbc. Ja, dc'p Schelm hat sich gar iwch lireitcr abgemildert als der Schächer, so daß man von verliebten Schelmen und von schelmischem Lächeln spricht, neckische Menschen als lose Scheltwe bezeichnen darf, und eine Mutter gar ganz harmlos und rein kosend ihr Nesthäkchen einen süßen kleinen Schelm nennen kann.
— Sonnenthals Testament ist vorgestern eröffnet worden. Es ist vonr Jahre 1902 datiert. Das Vermögen fällt zu gleichen Seiten an die vier Kinder Sonnenthals. Eine Bronzestatuette, die den Äünftter als Homilet dar stellt, und die ihm zu seinem Jubiläum gewidmet wurde, erhält das Burgtheater. Die Dose Devrtents wurde Thimig vermacht, der sie weitergeben muß. Soimenthal nninscht ein jüdisches Begräbnis. Testamentsvollstrecker soll der Direktor der Bodenlreditgcsellschast Julins Herz •tetn. Blumenspendcn an seinem Grcchc hat sich Sonnenchal verbeten: nur ein Palmen zweig von den Kindern ist ihm ertvünscht. Das Testament schließt mit einem Lebewohl für das Burgtheater.
— Spielplan Wünsche. In Elberfeld hatte der Theaterverein Wunsck^ettel ausgegeben, um den literarischen Geschmack des Publikums kennen zu lernen. Darauf sind gegen 300 Zettel eingegangen. Gewünscht werden darin: 1. nach Werken: Faust erster und zweiter Teil 83 mal, Richard III. 46 mal, Erde 46 mal, Siabenfteincrin 35 mal, Julius Cäsar 32 mal, Narziß 32 mal, König Lear 32 mal, Braut von Niessina 26 mal, Versunkene Glocke 25 mal, Gespenster 25 mal; 2. nach Autoren: Shakespepre 165 mal, Goethe 128 mal, Hauptmann 69 mal, Sudermann 67 mal. Schiller 61 mal, Ibsen 50 mal, Schönherr 46 mal, Grillparzer 42 mal, Wildenbruch 42 mal, Hebbel 40 mal.
— E i n probates Mittel. Aus Heilbronn, 5. April, wird uns geschrieben: Die Direktion des Stadttheaters hatte zum Schluß der Saison am Palmsonntag die Verträge einiger alter Mitglieder, die dem Ensemble schon seit Jahren angehören, nicht wieder erneuert. Um diesem „Revirement" nicht auch zmn Opfrx zu fallen, was er nach verschiedenen Kritiken fürchten auchte.
| bat der Komiker des Ensembles, Benno Nord, zu einem höchst einfachen, aber desto wirksameren Mittel gegriffen und gibt dieses in einem Inserat in den hiesigen Blättern wie folgt bekannt: „Um umherlaufenden Gerüchten zu begegnen, teile ich meinen Bekannten mit, daß ich durch Entnahine eines größeren Vorschusses für die nächste Saison wieder engagiert werden mußte."
— Der Jffland-Ring. In unserer Zeitung brachtest wir unter der Ueberschrist: „Dieser Ring dem Würdigsten" eine Notiz über den sogenannten „Jffland-Ring", den Jffland Ludwig Devrient hinterließ mit der Bestimmung, daß er ihn dem Schauspieler testamentarisch vermache, den er für den Würdigsten halte. Wir erzählten nach dem „Roland von Berlin" loci ter, daß der Ring jetzt im Besitz von Friedrich Haase sei, der ihn Mattowskp zudachte, und der jetzt, nach Matkowskps Tod, es gewiß nicht leichi habe, den Würdigsten für diesen Ring zu finden. Nun ist das törichte Gerücht aufgetaucht, als wolle Friedrich Haase eine Art Rundfrage veranstalten, wem der Ring zugedacht iverden solle. Herr Friedrich Haase bittet uns mitzuteilen, daß er garnicht barmt denke, irgend jemanden deswegen zu „befragen". „Wer den Ring bekommen soll, werde ich mir erlauben, zu bestimmen'. Ich werde es aber nicht das Resultat einer sogenannten Rundfrage sein lassen, von der ich nichts weiß."
— Eine Antwort. Tolstoi traf kürzlich in Moskau auf der Straße, so erzählt der Gil Blas, einen Polizisten, der einen Betrunkenen absührte und seinen "Arrestanten dabei grob behandelte. Drolstoi nähert sich dem Beamten: „Kannst du lesest^" ,<Jawobl". „Hast du das Evangelium gelesen?" „Natürlich" „Nun gut, im Evangelium steht, du sollst deinen Nächsten nicht belcibtgen und verfolgen " Der Polizeimann ist empört, daß ein unbekannter Passant es wagt, ihm Vorwürfe zu madjen und er wendet nch nun fcnterfeits an Tolstoi: „Kannst du loten1-"' ,Ja-
.Mt Tolltor ruhig. „Hast du die „Jnsttuktion für die oolrzeilrche BLbandlung von Trunkenbolden auf der Straße" gc- c " "^ann gehe hin und lese sie: wenn du damit
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Klein e C h r o n i l aus K u n st u n d Wissenschaft-
^kannte Wiener Architekt und Baurat -OÄar Mar- m o re E hat nch in einem Anfalle von Geistesstörung erschossen.
Kunsthistoriker, Univevsitätsprofessor Franz Wickhofk arrs Witzn ist gestern in Venedig gestorben.


