Ausgabe 
8.10.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. S36

Zweites Blatt

158. Jahrgang

Freitag 8. Oktober 1909

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DreSlehener FamttienblStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Areirblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderheffen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expeditron und Verlag: e^51. Redaktion: 112. Tel.-2ldru AnzeigerGießen.

Au; dem Zinanzaurschutz der zweiten hessischen Kammer.

R. B. Darmstadt, 7. Okt.

In der heutigen Sitzung des Finanzausschusses Iber Zweiten Kammer beschäftigte man sich in Gegenwart des Herrn Staats- und Justizministers Dr. Ewald zu­nächst nochmals mit der Frage der Errichtung einer Str a s- !amnr er in Offenbach. Der Minister wies darauf 'hin, daß nach dem Entwürfe des Gerichtsverfassungs- qesetzes eine ganze Reihe von Delikten, die seither den 'Strafkammern zugehörten, dem Schöffengericht überwiesen werden würde, so z. B. Diebstahl und Betrug im Rück- 'äll und die Strafverfolgung Jugendlicher. Er legte ober weiter dar, daß auf Grund der schon jetzt bestehenden lieb er= Weisungsmöglichkeit, die im Jahre 1905 vom Reiche ein- zeführt wurde, ein beträchtlicher Rückgang der Offenbacher Strafsachen an der Darmstädter Strafkammer zu konsta­tieren sei. Von den 387 an der Strafkammer II verhandelten Sachen im Jahre 1908 seien nur 83 Offenbacher Fälle gewesen. In Offenbach hatten sich die Schöfsengerichtssachen nm Jahre 1908 von etwa 900 auf 1100 vermehrt. Die Er­richtung einer Strafkammer würde aber auch eine Richter- .Vermehrung von mindestens drei Richtern erforderlich nnachen, und es würde auch mindestens ein Staatsanwalt, tvahr scheint ich aber, zwei staatsanwaltliche Beamte not- noenbig sein. Gegenwärtig eine Aenderung der Verhältnisse «ckntreten zu lassen, sei nicht rötlich.

Angesichts dieser Darlegungen des Ministers war der Antragsteller selber der Auffassung, daß die Entscheidung iber seinen Antrag zurückgestellt werde, bis die Aende- -jungen im Gerichtsverfassungsgesetz ein klares Urteil über Sie ganze Sachlage gestatten.

Der Ausschuß genehmigte dann den vom Abg. Brauer erstatteten Bericht über die Regierungsvorlage, betr. den »'-eländeerwerb resp. Geländeaustausch für die Landes- »iniversität Gießen. Der Antrag Roack, betr. die Witwen- und Hinterbliebenen-Versorgung der Zivilstaats- Viener, soll erst im 'Ausschuß zur weiteren Ver- Landlung kommen, toeny von der Regierung genaue Aus­tunst über die finanzielle Lage des Landes gegeben worden ist. Abg. Dr. Frenay, welcher zur Verhandlung über Feine Anträge, betr. Güteranschlußgeleise bei Finthen und iie Beförderung von frischem Obst, zur Sitzung hinzuge­zogen worden war, ersuchte, die Entscheidung nochmals aus- Hetzen, da noch Verhandlungen schwebten: dies geschah. Der Ausschuß nahm schließlich noch die Abstimmung über hm Antrag' Pagenstech er - Schmitt betr. Vergütung der Gemeindesteuer an die hessischen Beamten der Eisen bahngemein schäft vor. Die Abstimmung ergab tue Ablehnung des Antrags bei Stimmengleichheit. Dieser Gegenstand hat dadurch wesentlich an Bedeutung verloren, daß, wie schon gelegentlich der gestrigen Beratung des An­trags erwähnt wurde, neuerdings auch in Preußen die Beamtenschaft zu den Gemeindesteuern bis zu einem Maxi- ijialsteuerauLschlag von 125 Proz. herangezogen worden ist und darnack) nur den Beamten ein Zuschuß seitens der lHerneinschaft gegeben wiro, in deren Wohnsitz der Steuer­satz von 125 Proz. überschritten wird. Es könnte sich also hei dem Antrag Pagenstecher-Schmitt auch nur um Zu­schüsse an hessische Staatsbeamte in Orten mit einem <&> tAeindesteuerausschlag mit mehr als 125 Proz. handeln, und diese sind in Hessen glücklicherweise sehr selten. Der Ausschuß wird voraussichtlich seine nächste Sitzung erst am L9. Oktober halten.

Der Wahlprüfungs-Ausschuß stellte in seiner gestrigen Sitzung die beiden Berichte der Abgg. Pennrich und Breidenbach fest, wonach der Ausschuß beschlossen hat, die Wahl des Abg. Senßselder für gültig, die Wahl des Abg. Dr. Freu ah dagegen für ungültig feu erklären.

Der Petitions-Ausschuß hielt heute unter Vor­sitz des Abg. Stöpler eine längere Sitzung ab, die sich eingehend mit dem Antrag Frenah, betr. Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit, beschäftigte. Der Anttag wurde ' schließlich angenommen. Er verlangt zur Bekämpfung der : derzeitigen Arbeitslosigkeit, die im Winter in verstärktem Maße auftreten wird, 1. daß die zur Ausführung vorge­sehenen Arbeiten schleunigst in Angriff genommen und, i »weit erforderlich, durch Notstandsaroeiten Arbeitsgelegen- tzeit geschaffen werde, 2. daß die Kreisämter angewiesen werden, ihren Bedarf an L-traßendeckmaterial durch Er­richtung von Steinklopfbuden und Beschäftigung von Ar- i beitslosen zu decken, 3. daß bei staatlichen Ar bei s en u erster Linie inländische Arbeiter beschäftigt wer- i den und 4. daß bei allen staatlichen Unternehmungen und Ärbeitsvergebungen nach Möglichkeit die ortsangesessenen Geschäftsleute berücksichtigt werden und diese möglichst orts- Qirgesessene Arbeiter beschäftigen. Die Anttäge, betr. staat­liche Mobiliar Versicherung und unentgeltliches Desinfek- tionsversal)ren wurde besprochen, aber noch nicht endgültig erledigt.

poLrtische Lagesschan.

Zum Fall Treme!.

In einer am SonntgA in Thurnau bei Bayreuth ab- i^eholtenen liberalen Versammluiig machte der Vorsitzende des jungliberalen Vereins Bayreuth Reallehrer Winsauer Mitteilungen über den letzten Akt des Dramas Tremel, die, so schreibt dieF. Z.", umso interessanter sind, als die ihnen zu Grunde liegenden Tatsachen voraussichtlich den Gegenstand einer Interpellation im daher. Landtag bilden werden. Der von Pfarrer Tremel seiner- zi-it von München aus an Erzbischof v. Adert gerichtete Dries erregte damals großes Aufsehen, da man eine psli- tische Unterwerfung darin zu sehen glaubte. Nach den ge­machten Mitteilungen war das^jedoch nicht der Fall. Pfarrer Tremel war von einem wohlwollenden 'hochgestellten kathol. Geistlichen nach München berufen worden mit der aus- t>:ücklichen Versicherung, er brauche keinen Gang nach Ca­nossa zu machen, auch in polittscher Beziehung sollten ihm feine Zugeständnisse abgez-wungen werden, wremel ging, mit ihm ein angesehenes politisch freisinniges Mitglied d rs katholischen Vereins ^Nächstenliebe" in Nürnberg, der Augen- und Ohrenzeuge aller in München getroffenen Ab­

machungen war. Während der Verhandlungen traf bie | Meldung von einer Verschlimmerung im Befinden des Erz­bischofs ein und Tremel schrieb auf Anregung den bekannten Brief, worin er dem Erzbischof seines priesterlichen Ge- iwrsams versicherte und dergleichen. Ein Zugeständnis poli­tischer Art war weder bedangt noch gemacht worden. Nach Abfertigung des Briefes erhielt Tremel ohne jede weitere Bedingung .. jm päpstlichen Nuntius in München die bündige Versicherung, daß nunmehr die über Tremel verhängte Kirchenstrafe in allerkürzester Zeit aufgehoben sein werde. Die Aufhebung erfolgte aber nicht, und erst nach weiter unternommenen Schritten erfuhr Tremel, haß der Erzbischof die suspensio nur dann ausyeben werde, wenn Tremel sich zu einigen Versprechen herbeilasse. Auf die Anfrage Tremels, welcher Art Die Bedingungen seien, kam aus Bam­berg die Kunde, Tremel müsse urkundlich versprechen, aus dem jungliberalen Verein Bayreuth auszutreten und in keinem liberalen Verein mehr zu reden, unter dem Druck der suspensio a divinis und mit Rücksicht aus seine schwer in Mitleidenschaft gezogene Familie unterschrieb Tremel, und tags daraus wchr er wieder in Amt und Würden. Offiziell aber erhob Tremel unter Hinweis auf die unerhörte Ausbeutung der Zwangs- und Notlage, in Der er sich be­funden habe, Protest gegen die Entrechtung, verlangte die Rückgabe der Urkunde und die Anerkennung seiner Staats­bürgerrechte. Das Ordinariat antwortete, mau habe seinen Protest und sein Gesuch dem Erzbischof zur Zeit (und auch heute noch) nicht vorlegen können. Einem Ersuchen des Jungliberaken Vereins Bayreuth wurde die gleiche Ant­wort zuteil. Pfarrer Tremel ging aus der Diözese. Er hat einen neuen Posten erhalten und den zuständigen Stellen ausdrücklich erklärt, daß er vorderhand wohl auf politische Betätigung verzichten, nicht aber seine politische Ueber- zeugung wechseln werde.

Nunmehr wird wohl der Fall Tremel bald weitere Erörterungen nach sich ziehen.

Schleswig-Holstein im Herrenhanse.

Die Vertretung Schleswig-Holsteins im Herrenhause ist neuerdings Gegenstand der Erörterung. Den Anstoß dazu gab die Landwirts chaftskamm er in Kiel, deren Vollversammlung einstimmig beschloß, bei der Staatsregie­rung zu beantragen, daß die Verordnung vom 12. Oktober 1854 über die Bildung der Ersten Kammer in sinngemäßer Form auf die Provinz Schleswig-Holstein ausgeoehnt werde. Es sei eine ungerechtfertigte Benachteiligung, daß die Prä- sentattoiisrechte der Verbände der Grasen und des alten und befestigten Grundbesitzes, die den alten Provinzen zn- stehen, auf Schleswig-Holstsin nicht ausgedehnt würoe. Die Kammer wünschte, daß zum minbeften das Präsentations­recht der Ziitterschaft in Schleswig-Holstein übertragen werde.

Eine unverbürgte Meldung, daß Mitglieder der Ritter­schaft der Provinz durch das Vertrauen des Königs in Stellen des Herrenhauses, die jetzt durch Tod erledigt sind, berufen würden, erregte, so wird der K. Z. geschrieben, die äußerste Linke nicht wenig. Die Landwirtschaftskammer kümmere sich nach ihrer Behauptung nur um Adel und Großgrundbesitz, nicht um Bauern und Arbeiter.

Deutsches Resch.

Der Kaiser empfing am Atittwvch in Sabinen den neuen Bischof von Ermland Dr. Augustinus Blud au in Audienz und hörte nachmittags den Vorttag des Chefs des Zivilkabinetts, Wirklichen Geheimen Rats v. Valenttni.

Der Reichskanzler empfing am Mittwoch den ita­lienischen Botschafter Pansa.

Am Donnerstag vormittag 1/2U Uhr wurde in Stutt­gart nach einer geschlossenen Sitzung des Zentralausschusses die zweite Hauptversammlung des 3 5. Kongresses für innere Mission durch D. Spiecker in Gegenwart der Herzogin Wera von Württemberg eröffnet. Von dem Kaiser und der Kaiserin waren Telegramme einge­laufen, in denen der Arbeit des Kongresses Gottes reicher Segen und Erfolg gewünscht wird. Einen Vortrag hielt Professor D. Seebers- Berlin über alte und neue Moral. Um 1 Uhr wurde der Kongreß mit einer Ansprache D. Spieckers geschlossen. Um 4 Uhr wird in der Stiftskirche ein Schlußgottesdienst abgehalten, wobei Konsistorialrat Lahusen predigt.

Ärrslnnd.

Aus Athen wird gemeldet: In der Kammer wurde am Donnerstag Justizminister Roma mit 119 von 161 abgegebenen Stimmen zum Präsidenten gewählt, Dra- gumis erhielt neun Stimmen. Roma sprach dem Hanse für die Wahl seinen Dank aus und hob hervor, daß der Patriotismus der Deputierten der Krise, welche durch das Land gehe, Rechnung tragen und seine Pflicht zu tun wissen werde.

Aus Serres (Mazedonien) wird gemeldet: Aks am Dienstag der griechische Vize ko ns ul ein an das Konsulat angrenzendes Haus betreten wollte, wurden zehn Schüsse von einem Unbekannten abgefeuert. Man ist überzeugt, daß es sich um einen Anschlag gegen den Vize­konsul handelt. Nachforschungen blieben bisher ergebnislos.

Aus N e w y 0 r k wird gemeldet: Vizepräsident Sherman, Großadmiral v. Koester, Admiral Seymour und Kontre- admiral Schroeder waren am Donnerstag Gäste der Han­delskammer. v. Koester besprach die lumdelspolitischen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika. Der Präsident der Handelskammer Simmon wies auf Seymours Verdienste in China hin. Seymour er­widerte, daß er sich in China der Unterstützung aller Na­tionen' insbesondere der deutschen, erfreue.

Provinzial-Ansschuß der Provinz Oberheffen.

L. Gießen, 6. Okt.

Die chemische Fabrik F r i e d r i ch s h ü t t e besitzt eine Quelle, die ihren Abfluß nach der Horloff hat und deren Wasser sie gefaßt hat und wie das Wasser der Horloff zur Kühlung bei der Destillation von Holz benutzt. Gegen die Wasserentnahme erhob Müller Lind von Rupperts­burg Einspruch mit der Begründung, daß er durch sie in seinem Mühlenbetrieb geschädigt sei. Ebenso er­

hoben Einspruch die Gemeinde Hungen und Müller Johs. B ö ch e r von der Zellmühle bei Villingen unb bean­tragten Einleitung eines Konzesiionsverfahrcns. Tic Ver­waltung der Fabrik reichte darauf ein Konzessionsgcsuch ein, in dem erläutert wurde, daß das Wasser der Horloff wieder zugeführt werde, abgesehen von dem geringen Verlust, der durch Verdampfen entstehe. Der Kceisausschuß des Kreises Schotten erteilte der Fabrik, unter Verwerfung der Ein­sprüche die Genehmigung, nach Maßgabe der vorgelcgten Pläne und Beschreibungen bis zu 20 Kubikmeter Wasser in der Stunde ihrem in dem Bachbett der Horloff errichteten Brunnen zu Kühlzwccken zu entnehmen, unter der Bedin­gung, daß dieses Wasser, soweit es nicht etwa bei dem Kühlverfahren verdunste, der Horloff dirett oder durch den Hüttengraben wieder zugeführt werde. Gegen das Urteil des Kreisausschusses erhob die Bürgermeisterei Hungen Re­kurs, dem sich die beiden Müller anschlossen. Ter Pro­vinzial Ausschuß beschloß, die Entscheidung anszusetzen und vorerst Augenschein zu nehmen.

Zum Bau der elektrischen Bahn Heddernheim- Homburg v. d. H. ist Gelände des Landgrafen Alexarider Friedrich Wilhelm Albrecat Georg von Liessen in Gemarkung Meder-Eschbach erforderlich, über dessen Preis eine Ver­ständigung nicht zu erzielen war. Die Lotalkommission gab ihr Gutachten dahin ab, daß Entschädigungen von 1.50, 1.40, 1.30 und 1.20 Mk. für den Quadratmeter aus­reichend seien, während 5, 3, 2 und 1.50 Mk. gefordert worden waren. Der Provinzial-Ausschuß setzte du 'Preise entsprechend dem Gutachten Der Lokalkommission fest.

In der Sache: Klage des Ortsarmenverbandes Fried- b er g gegen den Ortsörmenverband Rödgen, Kr. Fried­berg ergab sich die Notwendigkeir der Vernehmung eines weiteren Zeugen, weshalb die Verhandlung beriagi wuroe.

Schließlich wurde noch die Enteignung von Gelände in den Gemarkungen Allend 0 rs a. Lahn und Heuchel­heim zur Errichtung einer Wegebrücke über den Klee­bach ausgesprochen.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 8. Oktober 1909.

*' Tageskalender für Freitag, 8. Okt.: S t a d t t h e a t e r: Im Klubsessel." Anfang 8 Uhr.

*

'* Eine Sitzung des Provinzial-AusschusseS findet am Mittwoch, 13. Oktober, vormittags 9 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Antrag auf Entziehung der dem Pfandleiher Johs. Horneck zu Gießen erteilten Konzession. 2. Rekurs des Müllers Ludwig Biesenroth zu Merlau gegen eine Verfügung Großh. Kreisamts Alsfeld.

** Für die elektrische Beleuchtung der Innenstadt sind int Interesse des kommenden Straßen­bahnverkehrs 12 Lampen vorgesehen. Sie werden ihren Platz erhalten: je eine Lampe am Treffpunkt der Bahnhost und Der Marktstraße und der Neustadt, zwischen den Häusern von Gebr. Scheel und Kuder u. Sonneborn in der Markt- sttaße, vor der Rittergasse, in der Marktstraße an der Wettergasse, am Marktplatz vor dem Kriegerdenkmal, in der Mäusburg zwischen dem Hause von Heinrich Noll und sdem Buch'schen Hause au der Einmündung der Wagengasse, am Kceuzplatz zwisa,'en Mäusburg und Sonnenstraye (Kan­delaber), am Treffpunkt des Seltersweges, der Kuplans- gasse und des Neuenweges, Marktplatz am Treffpunkt der Sck-ulstraße, Kirchenplatz in der Mitte vor der Stadt- kirche (Kandelaber), in der Hütte des Lmdenplatzes (Kandelaber), Walltorsttaße an der Einmündung der Zotzels- gaffe, Walltorstraße an der Einmündung des Asterweges. Da, wo keine Kandelaber vorgesehen sino, werden die Be­leuchtungskörper über die Mitte der Fahrbahn gehängt roeroen, um ihr Licht nach allen Seiten hin verbreiten zu können.

** W 0 n den Wandernden. Im September lehrten in der Herberge zur Heimat 499 Personen gegen Arbeits­leistung ein (682 im gleichen Monat 1908) und 661 Personen, die ihr Unterkommen bezahlten (748)., Die G.'samtsrequenz im vergangenen Monat beträgt somit 1123 Gifte 11430). "Jsm dritten Merteljahr logierten in der Herberge 4148 Gäste (4440 im gleichen Zeitraum 1908). Im September waren für den Stellennachweis 162 offene Stellen ange­meldet, von denen 42 zurückgezogen wurden. Von den verbleibenden 110 Stellen konnten 107 und zwar 28 mit Handwerkern und 79 mit ungelernten Arbeitern besetzt werden.

0 Freien seen, 7. Okt. Heute nacht wurde die Hof- re ite des Landwirts Eduard Rühl ein Raub der Flammen. Zwei Scheuern und die Hälfte des Wohnhauses liegen in Trümmern. Durch die Tätigkeit der um 12 Uhr nachts herbeigeeilten Feuerwehren gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der Gendarm Sch. aus Laubach ver­haftete den unfreiwilligen Brandstifter in Person des Knechts, der durch Zigarettenrauchen den Brand veranlaßt haben soll. An demselben Tage war in der Hofreite mittelst Maschinen gedroschen worden. Der Brand dauerte bis zum Morgen.

Vilbel, 7. Okt. Geh. Regierungsrat Fey-Friedberg hielt gestern hier int Rathause eine I n t ere s s en t e n - Ve r s a m in - tung ab, um die Wünsche und Beschwerden über den Bahnverkehr entgegenzunehnten. Regierungsrat Schwarz von der Eisenbahndirekticur Frankfurt hatte ebenfalls sein Erscheinen zugesagt, war aber leider verhindert. Geheimerat Fe» versprach alles zu tun, was in seinen Kräften stehe, um wenigstens den Arbeitervertehr am alten Bahnhof, dem ministeriellen Versprechen gemäß, aufrecht zu erhallen. Tann sprack-en noch der Bürger­meister vvn Heldenbergen und der Pfarrer van Büdesl>cim über die außerordentlich schlechte Berbindrmg der Linim Stackheim Vilbel. Man hofft, daß das Eingreifen der hesfischen Regi.rung eine Aenderung zum Bessern bringen wird.

Aus der Wetterau, 7. Okt. Die Kartoffel ernte ist beendet und hat ebenso wie die Getreideernte vorzügliche Er­träge eingebracht. Tas Wetter war ziemlich günstig, so daß die Ernte rasch beendet war. Ta es meist an Arbeitskräften mangelt, so werden die Kartoffelreihen ausgepflügt und die Knollezc gelesen, dos Aushacken erfordert viel Zeit. Tie verbreitetsten Kartosfelsarrelt sind jetzt Ella, Alice, Industrie, Kaiserkrone (früh) und Up to dale. Tie Industrie lieferte wohl die reichsten Erträge. Die früher verbreitetste Sorte Magnum bonum ist entartet und wird nickst mehr gepstauzt. Wahre Prachtexemplare von Kartoffeln