Ausgabe 
4.12.1909 Sechstes Blatt
 
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Nr. 285 Sechstes Blatt

159. Jahrgang

Samstag 4. Dezember 1909

E^cherni täglich mtf Ausnahme des Sonntag».

DeSiebener ZamtltendlöNer- werden dem ,91nA#tflcre viermal wöchentlich beigelegt, da» *Kreisblnti fLr den Kreis Sieben zweimal wöchentlich DierandwirtfchaftltHev Seit» fragen*' erlchemen monatlich zweimal.

Siebener Anzeiger

Geneml-Anzeiger für Oderhesjen

Rotationsdruck and Verlag der vr üblich« Unioeriudt5 - Buch- and BtembmdeteL 9L Lange, Gießen.

Redaktwn. Trvedilian und Druckerei: Schal* ftraee ?. Ervedilion and Vertag 6L Redaknon:«-sK 112. ZeL-Slötu AnzeigerGießm»

es wohl nicht richtig, wenn

Meteorologische Beobachtungen der 5tation Gießen.

.Molinen

C7,

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Höchste Temveratur am 2. bis 3. Dezember = 4* 11,0 0 0.

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Dr. Richter, Franklarter Stra-se 4 IL

5500 not. be«L Zeugnisse von Aerzten il Vrioaten beweisen, bafc .ftfliicrs SrnHarmncHen mit den drei Tannen

Becker in Belter'-bam.

Cheschlietzungen.

Anaust Rolb, Siauimann, mit Kuniaunds Anna beide ui (Öieücn. Heinrich Hühn, Vizeteldroebel,

ierfah en ans, ba« in einigen Bundesstaaten migewandt werde, lic Erfahrunaen, die man dort gemacht habe, hätten die Regierung - lanlaßt, sich diesem Stiftern zuzuwendcn.

Abg. Mv l t h a n (Zentt. ist für den Antrag Osann. Ter intrag Tamm sei Ai»ar eine Verbesserung, bleibe aber aus halbem i-tßc stehen. Tie Einführung des romanischen Wahlrechtes würde :t Volke nicht verstanden. Auch sei

= Kennzeichen des echten Kathreiners Malzkaffee:

1. geschlossenes Paket,

2. SchutzmarkePfarrer Kneipp*,

3. Firma:Kathreiners Malzkaffee-Fabriken*.

ID*/»

Bandonions. Zithern etc. etc.

tSeorg Bernhardt

Auszug a. d. Ztanderamtsreglftern der Staöt Sieben.

Aufgebote.

Nov. 26. «Gustav Pachale, (Micntmhiiarbciter in Wanne, mit Marie Synotezick in (Äiencu. 29. Wilhelm Lud, Bahnarbeiier, hüt ftathavine Heck, be.de in Gießen. 30. Christian Becker, Uanalaibeiter, mit Ratharme Tvinf, geb. Munzert, beide in Gießen. - Heinrich Schmidt, Babnai beiter, mit Marie Schmidt, beide in Inheiden. Dei. 2. Ernst Ruckelshauß, Krankenpsteger in Gießen,

Löchel, beide in Gienen. Friedrich 'Müller, Metalldreher in Klein-Linden, mit Linse Wilhelm in Gießen.

Geborene.

Nov. 2». Dein Bäcker Bruno Louis Christner ein Sohn. Bri,no Otto. 22. Dem Schuhmacher Theodor Eiß'eller eine Tochter, Ottilie Caroline Friederike. Dem Jngenieiir Karl 'Martin em Sohn.

24. Dem Fliesenleger Konrad Spies eine Tochter, Elsa Katbarme. Tem Schreiner Christian Friedrich Reinhardt eine Tochier, Marie Christine. 25. Tein Fuhrmann Friedrich Kreutzer eine Tochter, Katharina Elise. Dem Fuhrmann Georg Bachmann em Sohn. 2'1. Dem Portier Friedrich Bruckbräu eme Tockuer. 27. Dem Eifendreher Friedrich Wilhelm Bechthold eine Tochter, Emma Liiise 'Margarete. 28. Dem Installateur Atax Greiner em Sohn, Wilhelm. Tem Postboten Heinrich Habich! eine Tochter, Katharine. 29. Dem Kaufmann Ludwig Herbert eme Tochter, Mathilde. 30. Dem Bürstenmacher Ernst 'Richard Bräutigam eme Tochter Marie Johanna Luise Ailguste. Dez. 1. Tem Schlosser Emil Weriher ein Sohn, Emil Adolf.

Gestorbene.

Nov 26. Elisabeth Pielffer, 4 Jahre alt, Steinstr. 50. 27. Katharine Weil, 25 Jahre alt, Erdkauterweg 40. 28. Johannes Reed, Umversitäls-Kanzleidiener i. P-, 80 Jahre alt, Asterweg 41. - Sophie Walther, 79 Jahre alt, Johamiesstr. 7. 29. Ellriede Althaus, 13 Jahre alt, Steinstr. 23. 30. Theodor Wemhardt, Bureaugehili'e, 23 Jahre alt, Schloßqasse 10. - Friedrich Freiherr Scheiick zu Schiveinsderg, Großh. Forstmeister i. P., 74 Jahre alt, Löberstr. 19. Dez. 1. Willi Hachenburgr, 2 Jahre alt, Linden- qaffe 12. 2. Karoline 'Marie Luise Volk, Nile, alt, Bis- marckstr. 16. 3. Samuel Bär, Privatier, 89 Jahre alt, Große Blülilgasse 37.

togrApparate.

ihnen. Zieh-Harmonikas. 1

Was alles im Theater liegen bleibt,

Ööö ist nicht zu sagen. Natürlich am meisten Pompadours. Und was meinen sie nun, was wir neulich in zehn solcher « G. Dinger gefunden haben, die an einem Tag liegen ge- 8r A blieben waren' Bonbonnieren, mit Fays achten Sodeuer H ®a Mineral-Pastillen gefüllt: Das ist uns ein Beweis daiür 9 h gewesen, daß die Damen doch wirklich alles Gute zu schätzen t| wissen und nun können wir uns auch erklären, warum

am unsere Dorstellungen jetzt gar nicht mehr durch Husten und B* 8 Räuspern gestört werden. Das machen eben Fays ächte tatttsü» Sodener, die man überall für 85 Psg. haben kann.

hessische Zweite Kammer.

R.B. Darmstadt, 3. Dez.

Änt Regickrungstische: Staatsminister Tr. Ewald, Geh. Jaatsral Krug v. Nidda, Ministerialrat Lorbacher, Ober^ ^ierungsrat Tr. Weber.

Es wird sofort mit ber

Spezia beratung der Wahlrechtßvorlagc

vtgesahren. Attilel 52 lautet:Als Abgeordneter gewählt ist qeniae, wvlchrr in einem Wahlkreis mehr als die Hälfte der iLqegebenen gültigen Stimmen erhalten hat. Hat sich eine solche "ebibeit nicht ergeben, so ist ein zweiter Wahlgang anzuordncn, dem derjenige als gewühlt gilt, auf welchen die. höchste. Zahl ,-c abgegebenen gültigen Stimmen gefallen ist. Bei Stimnien- Kfchhert entscheidet das von dem Wahlkommissar zu ziehende Los." erw beantragt der Ausschuß Annahme.

Abg. Tr. Osann brachte den Antrag ein, hier das Stichwahl- iem des Reichstags einzuführen: nach dem Anträge des Abg. emm sollte derjenige als gewählt betrachtet werden, der im geeiten Wahlgange die relative Mehrheit erreicht.

Slaatsminister Tr. Ewald spricht sich für das romanische

Die nach- A sind am Sonntiiffdem 5.Dezember,

»teilenden mvIuIv nur von 1- h* mittags bis 12 Lhr

Vermischtes.

* Die Entdeckt! irgdesVaradies es. Die ottomanische Regierung hat mit der Ausarbeitung der Pläne für die Bewäs­serung Mesopotamiens den berühmten englischen Aegyptologen Sir William Willcocks beauftragt, der sofort sein Werk begann und dabei eine Fülle außerordentlich fesselnder Beobachtungen machte, die gewichtige Anhaltspunkte zur Jdentijizierung der Deutlich- leiten des alten Testamentes bieten. >L>ir William nennt das innere Mesopotamien eine unerschöpfliche Fundgrube zur Erklärung und Ergänzung der althebräischen Berichte. Im Bezirk Hairlah, etwa 250 Kilometer nördlich von Bagdad, an den. Ufern des Euphrat, will er die genaue Oertlichkeit des Paradieses entdeckt haben. Es ist eine üppig grünende Oase inmitten einer riesigen öden Ebene. Zwischen schattigen Bäumen murmeln hier die Wasser, der Euphrat durchauert das Ganze und hier trennen sich auch die vier Flüsse des irdischen Paradieses. Unter den Bäumen herrscht die Dattel, der biblisckie Lebensbaum, vor. In der Urgeschichte dieses Landstriches sieht Willcocks die legendenhafte Verdichtung der einzelnen Kämpfe, die sich zwischen den Hirten und den Acker- bautreibenden abgespielt haben und die in einem Streit um die Bewässerung des Landes gipfeln. Der Kampf zwischen Kain und Abel ist der legendäre Ausdruck für alle Streitigkeiten zwischen den Bauern, die die Ufer des Flusses bebauten und den Hirten,

die besondere Bewässerungsanlagen brauchten, um ihre weiten Wiesen und Weiden zu erhalten. Ließ man den Fluß in feinem Bette, so hatten die Bauern den größten Nutzen, leitete man ihn ab, so gewannen die Hirten. In diesem Kampfe siegte Kain, der Ackerbauer, über Abel, den Hirten: was auch dem Entwicklungs-- gong aller Gemeinschaften entspricht. Die Sintflut gewinnt in der Betrachtung von Willcocks bescheideneren Umfang. Nach seiner Ansicht ereignete sich Folgendes: Tie gewaltigen Dämme, die den Euphrat und den Tigris einengten, wurden niedergerissen, die Flüsse traten' über die Ufer und die ganze Umgebung wurde, nach der Bibel, sieben Meter tief unter Wasser gesetzt, wobei die ganze Bevölkerung Mesopotamiens zugrunde ging. Noah, der vorher ivahrgrnommen hatte, daß die Widerstandskraft der Dämme erschöpft war, erbaute die Arche, die dann von den Fluten in der Richtung, auf den persischen Golf abgetrieben wurde und in der Nähe des Meeres an einer kleinen Hochebene landete, dio Argrat heißt. Der andere Ararat, der in den Karten genannt wird, hat seinen Namen erst viel später erhalten.

Aufklärung.

Viele Malzkaffee-Fabriken haben die Packung des echten Kathreiners Malzkaffee so täuschend wie nur irgend möglich nachgeahmt. Ein altes Sprichwort sagt:Die Nachahmung ist die beste Empfehlung/6 Das gilt auch hier. Denn wenn die Konkurrenz die Verpackung von Kathreiners Malzkaffeenachahmt, dann gibt sie damit selbst zu, dass Kathreiners Malzkaffeenachahmenswert ist; ihn selbst kann man nicht nachmachen und deshalb ahmt man seine äussere Packung nach, um auf diese Weise das Publikum zu täuschen. Man achte darum beim Einkauf genau auf die

i in zweiten Mahlgange neue Kandidaten aus der Versenkung ;iitaudrtcn, denen womöglich, ohne daß sie die Wahlwiderwärtig- '.um durchacmacht hätten, die Siegespalme winke.

Aba. Wolf (Bbd.) bittet ebenfalls um Annahme des Aw- Osann. Das Verfahren der Neichötaasstichwahl führe zu eiter Versöhnung der Parteien und schwäche manche Verbitte- trug ab.

Abg. Dr. Fulda (Soz.) bezweifelt, daß die Erfahrungen, die em in anderen Bundesstaaten mit dem romanischen Verfahren huunf/t habe, gute waren und empfiehlt Annahine des Antrages Lcnn.

Abg. Dr. Osann (Natl.) spricht nochmals für seinen Antray, >e verhindern solle, daß in den zweiten Wahlgang neue Kandi- .tm hineinLunman. Man habe mit dem ReichLtagswahlrecht ; te Erfahrungen aemackt.

Abg. Reh (Freis.) stimmt in erster Linie für die Regierungs- [oclage, in zweiter Linie für den Antrag Tamm, in dritter Linie vi: den Antrag Claim.

In der folgenden Abstimmung wird der Ausschußantrag sowie !< Antrag Tamm abgelehnt, der Antrag Osannaus ®in» -i brung des Reichstagswahlrechtes bei denStich. «rhlen 3 um Landtage einstimmig angenommen.

Artikel 53 trifft nähere Bestimmung über den 2. Wahlgang: h Artikel 51 hatten der Ausschuß und Dr. Fulda AbänderungK» kirräße gestellt, die jedoch abgelehnt werden. Das Haus nimmt kauf den Artikel nach der Regierungsfassung an, welcher lautet: LT er Gewählte ist von der auf ihn gefallenen Wahl durch den k-ahlkommissar schriftlich zu benachrichtigen und zur Erklärung lec deren Annahme aufzufordern. Annahme unter einer Der- »hrung ober einem Vorbehalt, sowie das Ausbleiben der Er- linmg binnen acht Tagen von der Zustellung der Benachrichtigung, htk als Ablehnung. Nack Eingang ter Erklärung oder nach Hcuj der achttägigen Frist sendet der Wahlkommissar die Wahl- uen an das Staalsministerium."

Abschnitt 5 der Vorlage behandelt die allgemeinen Bestim- umgen. Artikel 55, ter bestimmt, daß jeder Abgeordnete $u |ite Zeit ohne Angabe von Grünten die Wahl ablehnen oder sein ternbot ni^ertegen kann, wird debattelos angerwmmen, ebenso 1:titel 56, wonach ein Llbaeordneter nicht gleichzeitig mehrere preiie vertreten kann. "Artikel 57 bestimmt, daß die Zweite Kammer L i die Gültig teil der Wahlen und die Legitimation der Ge- khlten zu entscheiden trat. Artikel 58 wird zunächst auSgesctzt, h» Artikel 59 angenommen, welcher bestimmt, daß die Kammer >/ Regierung um Anstellung von Erniittelungen über Tatsachen Ix ter Wahl ersuchen kann. Eine längere Debatte entspinnt sich Itxn bei Arittel 60, in welchem bestimmt wird, daß die Ab- Iordneten auf die Tauer non 6 Jahren gewählt werten. Es rnd jedoch die Zweite Kammer alle 3 Jahre in ter Weise teib» 'l ise erneuert, daß von den 58 Abgeordneten alle 3 Jahre die fchide austritt und durch neue Wahlen ersetzt wird. Hierzu

L ein Aittrag v. Brenrano vor, der jedoch lediglich bedingt ist jbcch die beschlossene Streichung der privilegierten Städte. Ein liilrag Dr. Fulda verlangt, daß. alte drei Jahre eine Gesamt- I üKucrung der Zweiten Kammer stattfinden solle. Beide Anträge pcDen jedoch vom Hwise abgelchnt und der Ausschußantrag mit liien gegen 6 Stimmen angenommen.

Art. 58 lautet: Die Wahl ist ungültig, wenn weientliche Vor- Iteilten für das Wahlverfahren unbeachtet geblieben sind, weder ric nachträgliche Ergänzung möglich noch nachgewiesen ist, daß Ikivh die Nichtbeachtung der betreffenden Wahlvorschnst das Er- der Wahl nicht beeinttächtigt werten konnte.

Außerdem ist die Wahl ungültig, wenn ter Gewählte zur Beil der Wahl nicht wählbar war. . ,

Hierzu wird auf Vorschlag des ^taatsimmsters rolgenter gemacht:

Wahlbeanstandungen sind irnowett nicht zu teruckiichttgen, |L3 sie sich darauf stützen, daß die nach Art. 25 abgeichlostene I-Werliste unrichtig fei. es sei denn, daß bei der Aulstellung IteD Führung der Wählerliste Handlungen vvrgekommen und.

die im Wege des gerichtlichen Sttafverfahrens zu verfolgen sind oder eine im Wege des Disziplinarverfahrens zu verfolgende Ver­letzung ter Amtspflicht enthalten. Art. 58 wird mit tem Zusatz- antragc einstimmig angenommen.

Art. 25, der zurückgestellt worden war, behandelt den Ab^ schluß der Wählerliste: er wird einstimmig angenommen. Art. 61, Neuwahl eines Abgeordneten bei Mandatsni derlcgung oder Tod wird einstimmig angenommen, tesgl.. Art. 62, eventuelle 9teu* wähl eines Abgeordneten nach seinem Gintritt in die Kammer betreffend. Art. 63 behandelt das Erlöschen eines Mandates^ Art. 64 die Ausübung des Sttmmrechtes durch einen Stell­vertreter : beide Artikel werten einstimmig genehmigt, ebenso Art, 65, der von den Kosten bei den Wahlen spricht, und Art. 66, nach welchem die Bestimmungen einer Reihe von Artikeln als Bestandteil der Versa,lungsnrlunde anzusehen sind.

In Art. 67 sollte nach Absatz 1 des Negierungsentwurfs das Gesetz mit dem Schlüsse des gegenwärtigen Landtags in Kraft treten. Die Kammer beschloß tedoch folgende Fasjung: Dieses Gesetz tritt gleichzeitig mit dem Gesetz betr. die Bildung ter Wahlkreise in Kraft. Ferner wird die Bestimmung ter Regie­rungsvorlage angenommen, daß die GZetze bett, die Land stünde vorn 8. November 1872, vom 5. Mai 1875 und vom 6. Juni 1885 außer Kraft treten.

Abg. Dr. Osann beantragt hieraus die Annahme einer Resolution: Die Kreisämter sollen angewiesen werden, alljährlich neu zuziehente Einwohner darauf aufmerksam zu machen, daß die Angehörigen anderer Bundesstaaten erst dann in Hessen wahl­berechtigt zum Landtag werden, wenn sie neben dem dreijährigen Wohnsitz auch drei Jahre hessische Staatsangehörigkeit besitzen. Ferner soll darauf hingewiescn werden, daß mit dem Erwerb ter hessischen Staatsangehörigkeit ein Verzicht auf früher erworbene staatsbürgerliche Rechte nicht gegeben ist.

Abg. Dr. Osann begründet kurz seinen Anttag und er­klärt, er bezwecke damit, daß alle Wahlberechtigten auch für die Ausübung ihres Wahlrechts interessiert werden sollen. Die Sozial­demokratie sorge schon in ihrer Presse dafür, daß die Zuziehenten auf die Notwendigkeit zum Erwerb der Staatsangehörigkeit hin- gewiesen werden und das sei auch um so empfehlenswerter, als sein Anttag auf Herabsetzung der Staatsangehörigkeit auf ein Jahr abgelehnt worden sei. Sein Antrag sei aoer nicht im Interesse einzelner Parteien, auch nicht der Nationalliberalen, sondern im Interesse aller Wähler gestellt.

Abg. Ulrich bemerkt, seine Partei werde für den Antrag stimmen, er erkläre aber, daß er ihn als den Ausdruck des bösen Gewissens befrachte, das durch den Mund Dr. Osanns wegen der beschlossenen dreijährigen Staatsangehörigkeit spreche.

Abg. v. Brentano meint dem Vorredner gegenüber, daß der Anttag gerade von denen gestellt worden sei, die eine Ver­kürzung der Staatsangehörigkeit auf ein Jahr nicht erreichen konnten. Das Verlanaen Dr. Osanns sei durchaus berechttgt und er hoffe, daß dasselbe von ter Kammer einmütig ange­nommen werde. . ,

Abg. Dr. Osann erklärt, er habe durchaus kein böses Ge­wissen, sondern gerade mit dem allerbesten Gewissen den Antrag gestellt, weil er wolle, daß alle Wähler gleichmäßig ihr Wahlrecht ausüben sollen. _ t

Abg. Ulrich bleibt dabei, daß der Anfrag das bo,e Ge- wissen derjenigen verrate, die für die reaktionären Beitimmungen der Vorlage gestimmt hätten.

Der Antrag Dr. Osann wird darauf einftimmia angenommen, ebenso der Schlußartikel 68 und Einleitung und Ueberschrift.

Damit ist die erste Lesung der Wahlrechts- vorlagebeendet. . .

Abg. v. Brentano fragt noch die Regierung, wie sie sich zu den vom Plenum beschloßenen Abänderungen stelle, worauf Staatsminister Ewald erwidert, die Regierung werde an dem Privilegium der drei kleineren Städte festhalten. Der Antrag Weber betr. das Pluralwahlrecht sei ja abgelehnt, man brauche sich also nicht weiter damit zu beschäftigen.

Damit ist die Tagesordnung erledigt und das Haus ver­tagt sich auf Dienstag früh 10 Uhr. Die zweite Le,ung der Wahlrechtsvorlage erfolgt am M11twoey.

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1909

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