Ausgabe 
8.10.1909 Erstes Blatt
 
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stets betätigt haben. Ten Bestrebungen, wie denienigen der Rechtspartei, welche übrigens im Lande nur ganz vereinzelt, am S?ofe aber niemals geltend gemacht wor­den sind, ist stets auf das Entschiedenste entgegengetreten worden. Hierin ist auch in neuester Zeit kein Wandel eingetreten.

2!us Statt rrnd Land.

föieucn, 8. Oktober 1909.

DaS Großherzogspaar bei Zeppelin. Am Mittwoch morgen gegen 11 Uhr begaben sich der Groß- herzog, die Großherzogin, Prinz und Prinzessin Heinrich von Prell ßen und die Prinzessin Dorothea zu SolmS-Lich mit der Hofdame Fräulein von Oertzen an Bord deS Z III, stiegen um II Uhr 15 Mm. auf und landeten nach etwa 3 stündiger Fahrt. In den Gondeln befandeil sich noch Geheimrat Friedländer anS Berlin. Geheimrat Müller aus München, Graf Zeppelin sen., Ober­ingenieur Dürr, Kapitän Lau und vier Monteure. Das GroßherzogSpaar ist am Donnerstag vorniittag 8 Uhr 40 Minuten von Friedrichshafen nach Jagdschloß Wolfs­garten abgereist. Der König von Württemberg gab seinen Gästen daS Geleite zum Bahnhofe. Auch Prinz Heinrich von Preußen hatte sich zur Verabschiedung auf dem Bahnhöfe eingefunden. Er selbst verließ kurze Zeit darauf Friedrichshafen im Automobil.

Ordensverleihung. Se. Königs. Hoh. der Großherzog hat dem Oberpostschaffner Hch. Gerbig in Gießen daS Allgeineine Ehrenzeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" verliehen.

Lehrerpersonalien. Der Großh erzog hat dem Lehrer Konr. Wahl zu Arnshain au§ Anlaß seiner Nlihestandsoerschung die Krone zuni Silbernen Kreuz deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Stolberg-Wernigerode- Gedern auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ranstadt präsentierte Lehrer Georg Lehr daselbst. Ueber- tragen wurde dem Schulamtsaspiranten Otto Lack aus Dorheiin die zweite Lehrerstelle an der Geineindeschule 311 Ettingshausen. Erledigt sind: Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Heusenstamm. Dein zu ernennenden Lehrer können die Funktionen eines Haupt­lehrers gegen besondere Vergütung übertragen werden. Je eine Lehrerstelle an den Gemcindeschulen zu AngerSbach und zu Maar.

Vom Gießener Konzertverein wird un§ ge­schrieben : Indem wir auf unser nunmehr veröffentlichtes Winterprogramm und die Abonnements-Einladung Bezug nehmen, gereicht es uns zur ganz besonderen Freude, alle Freunde guter Musik darauf Hinweisen zu können, daß es nach sehr- schwierigen Verhandlungen insbesondere gelungen ist, Prof. Henri Marteau zusammen mit Prof. Max Reger zu einem gemeinsamen Konzerte zu verpflichten. Das Konzert findet bereits am 14. November 1909, nachmittags ö1/^ Uhr, in der neuen Aula der Universität statt. Marteau, der erste Geiger der Gegenwart, Nachfolger Josef Joachims an der Berliner Hochschule für Musik, vereint sich hier mit seinem Freunde Max Reger neben R. Strauß, dem bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten Deutschlands, zugleich einem Klavierspieler allerersten Ranges. Reben unseren Klassikern werden unS Kompositionen Max RegerS geboten werden, deren Klavierpart der Komponist selbst ausführt.

** Stadtt Heater. Zum Gesamtgastsviel Adele Sand- rock mit einem Ensemble Berliner Bühnen Künstler am Mitt­woch, 13. Oktober, wird aus Berlin geschrieben:Gabriele d'Annunzio, dessenGioconda" ihm durch die berühmte italienische Tragödin Eleonore Tuse die Bühne eroberte, ist ein gewaltiger Sprachkünstler und glühender Sinnenmensch. Er sieht farbig und löst diese ^arbeit in musikalische Klänge aus, die vvn berau- jchender Wirkung sind. Sv geschah es, daß Eleonore Düse selbst vor einem Publikum, das fein Wort italienisch verstand, dennoch eine tiefe ergreifende Wirkung auszuübeu vermochte, daß der Dichter zu Menschen zu sprechen vermochte, denen seine Laute fremd waren. Wie viel stärker ist aber die Wirkung, wenn diese innere Klangmunt in der Dichtung durch eine deutsche^Künstlerin vom Range der Dnse zum Ausdruck kommt. Adele Sandrock ist in Wesen und Ausdrucksform der Düse durchaus ebenbürtig mrd wird daher vielfach diedeutsche Tuse" genannt."

** Alice Schule Der Unterricht beginnt in allen Abteilungen am Montag den 11. Oktober morgens 8 Uhr. Weitere Anmeldungen an den Kursen können noch am Sams­tag im Schulhonse, Kirchstr. 20 (Oswaldsbergl, bei Frl. Möser und im Schulhaus, Stcinstraßc 10, bei Frl. Deutsch erfolgen, andere auf Oswaldsberg von den Teilnehmerinnen an den K'nrsen für nwibliche Handarbeiten und für Hand­arbeitslehrerinnen, dagegen in der Steinstraße von solchen, die die Koch- lind Haushaltungsschltle besuchen, oder sich speziell zu Haushaltnngslehrerinnen ansbilden wollen. Für diese Kurse liegen bereits zahlreiche Anmeldungen vor, ein Beweis, wie notwendig ihre Einrichtung war.

Turnerisches. Die Turnvereine in Ebsdorf, Her» monnftein, Münchholzhausen und Burlhards sind dem ©au Hessen beigetreten.

Zur .Parseval".Landung werden wir um die Mitteilung ersucht, daß noch Karten zum Einlaß in den LandungSraum zu 60 Pfg. ausgegeben werden, die in den bekannten Vorverkaufsstellen unb am Sonntag auf dem Trieb zu haben sind.

Die Sonntagsverkaufszeit. Am nächsten Sonntag ist wegen der ,Parseoal"-Landung die Verkaufszeit für daS Handelsgewerbe ausnahmsweise auf die Zeit von 2 bis 6 Uhr nachmittags verlegt worden.

* * Eine allgemeine K aninchen - A u s st e l lang findet vom 911. Oktober auf der Liebigshöhe statt, &u der von nah und fern und and) aus dem Ausland den Niederlanden und der Schweiz zahlreiche Anmel­dungen ergangen sind. Alle Arten von Kaninchen wer den vertreten fein und in einer besonderen Abteilung wird gezeigt werden, was alles ans den Kaninchenfellen ge­macht werden kann. Bei der 'wachsenden Ausdehnung und Bedeutung der Kuninchen.uicht kann ein Besuck) der Aus ftcUung bestens empfohlen werden.

-t- Lang Göns, 7. Oki. In den Gemeinden unseres Landwirischaitstammerbezirks fand eine Prämiierung von Zuchtrindern irnd Zuchlschweinen statt. J-n Gruppe Zucht schweine erhielten Preise: L. K'. Lich- Lang-Göns und W Weber Lang vwns 20 Mk. K I. Düringer-Oberhörgern Mk., W Weil Lang Göns 15 Mk., A K'. Stoll Lang Göns und A. Müller Lang Göns 12 Mk.: in Gruppe Rindvieu (10- 20 Tierei: 1. Preis, 40 MI . Bürgermeister Holler Oberhörgern, 30 Mt, PH. Müller und >?. c^oriadp Oberhörgern, 3., je 20 Mk., S?. Wen Holzheinc und K. Wald

schmidt-Leihgestern; in Gruppe Rindvieh (59 Stück Lieb : 1. Preis, 30 Mk., H. Lotz-«Oberhvrgern, 2., je 20 Mk., G. Langsdorf 3.-Leihgestern und K. I. Düringer-Oberhöraern, 3., je 10 Mk, W. Alles-Oberhörgern, Joh. Heß 21. Leih­gestern, G. Will 5.-Leihgestern, K. .H. Knöpper-Dorsgill und W. Seipp-Oberhörgern.

- Lich, 7. Okt. Forstmeister Schwörer ist auf seinen Wunsch von Lrch nad) Jagersburg versetzt worden. Eine Deputation des hiesigen Gemeinderats begab sich heute in die Wohnung des Forstmeisters Schwörer, um ihm für seine in hohem Maße der Stadt Luch in entgegenfommenber Weise geleisteten ersprießlichen Dienste den Dank der Gemeinde -u übermitteln. Daran schloß fid) eine Abschieds sei er, wozu sich sämtliche Bürgermeister der £berförfierei Lich im Hol­ländischen Hof versammelt hatten. Bürgermeister Börmer von Lich hielt eine Ansprache, worin er im Auftrage der Bürgermeister dem scheidenden Forstmeister für seine um die Gemeinden in ganz besonderer Weise erworbenen Ver­dienste, dankte. Forstmeister Schwörer dankte und emp­fahl den Bürgermeistern, ihren Waldungen, als ihrem haupt­sächlichsten Vermögen, auch ferner die äußerste Aufmerksam­keit zuzuwenden. Ter Weggang des Forstmeisters Schwörer wird in Lich und den anderen beteiligten Orten lebhaft bedauert.

L. Rieder-Wöllstadt, 7. Okt. Bei der gestern hier vorgenommenen Bürgermeisterwahl wurde der lang­jährige Bürgermeister H. Weith IV. mit 135 Stimmen einstimmig wiedergewählt.

Rennerod (Westerwald), 7. Okt. Bei einem nächt­lichen Wortstrelt auf der Landstraße schnitt der 20jährige Grubenarbeiter Ernst Molsberger au§ Bretthausen dem 45jährigen Maurer Jung den Hals ab. Der Ermordete war Vater von acht unmündigen Kindern.

Worms, 7. Okt. Die Kreiswohnungsinspektorin für den Kreis Worms, Frl. Dr. Conrad, hat n. d. Frif. Ztg. ihr Amt wegen ihrer bevorstehenden Verehelichung niedergelegt.

Dutenhofen, 7. Oft. Unser Hauptlehrer Eber­hardt, der fast seine ganze Lehrertätigkeit in unserer Gemeinde verbracht hat und seit Mitte der 60 er Jahre hier wirkte, ist in oen Ruhestand versetzt worden. Er blickt aus eine fast 50 jährige Amtstätigkeit zurück.

s. Marburg, 7. Okt. Am 15. Oktober beginnt das Wintersemester an der Universität und gleichzeitig neh­men auch oic Immatrikulationen ihren Anfang. Tie Einführung des neuen Rektors für das Amtsjahr 1909 10, Prof. Dr. M a a ß, findet am Sonntag, 1. Okt., in der Aula der Universität statt.

Frankfurt a. M., 7. Okt. Abends kürz nach 7 Uhr brack) auf der Reuen Zeil Rr. 21 Gr 0 ßfeuer aus. Tas Feuer tarn in dem im Hause befindlichen Spielwarenlager zum Ausbruch und fand durck) die leicht brennbaren Zelln loid- und Gummiwaren, sowie den vielen Karlonnagen reidp liche Nahrung sand. Ter Brand wurde mit sechs T am pst spritzen betämpft und die Feuerwehr tonnte des Feuers erst einigermaßen Herr werden, nad)bcm der Dachstuhl und die beiden übrigen oberen Stockwerte eingestürzt waren. Ta die Feuerwehr bei Beginn ihr Hauptaugenmerk auf die Rettung der Nachbarhäuser richtete, konnte das Feuer sich nicht weiter ausbreiten. Die Löschungs- und Aus räumungsarbeiten werden die ganze Rächt in Anspruch nehmen.

Wiesbaden, 7. Okt. Eine ungewöhnliche Anerken­nung hat die A u s st e l l u n g s l e i t u n g der Presse zuteil werden lassen. Sie hat sämtlichen Zeitungsredak­tionen, die das Unternehmen unterstützt haben, Ehre n- diplome verliohen. Es ist dfts wohl der erste Fall saldier Anerkennung journalistischer Tätigkeit, der umso bemerkens­werter ist, als eine amtlidie Körperschaft, die Handwerks­kammer, die die jetzt geschlossene Ausstellung arrangierte, der Presse dies Zugeständnis macht.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Rad)barstaaten. Bei der Posthilfstelle in Bannerod ist eine Telegraphenanstalt mit- öffentlicher Fernsprechstelle und Unfallmeldestelle eingerichtet worden, Der Beigeordnete H. Reuning in Götzen ist zum Bürgermeister gewählt und be­stätigt worden. Gustav Mols E Wald zu Ass en he im wurde zum Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt und bestätigt. Im Mainzer Krematorium sanden im 3. Quartal 1909 83 Einäscherungen statt. Von diesen waren 34 aus Wies­baden, 16 aus Mainz, 8 aus Köln, 3 aus Düsseldorf, je 2 aus Bonn, Elberfeld und Gießen usw. Der Religion nach waren 55 evangelisch, 15 katholisch, 1 freichristlich, 7 israelitisch, 4 Dissident und 1 Atheist.

Itirdie und Schule.

"Eine Konferenz positiv g e s i u u t e r R e l i g i 0 n s - lehrer aus Oberhessen, soll am 27. Oktober zn Friedberg begründet werben. In der an diesem Tage stallfindenden Versammlung werden Vorträge halten P'arrer Liz. Tr. Dieckmann aus Rodheim (Was ivir wollen) und Mehrer Debus aus Ruppertsburg (Tie einheitliche Gestaltuug des Religionsunterrichts).

Geriebt-saal.

M ünster i. W., 8. Okt. Tie Strafkammer verurteilte die Radbodwitwe Dora wegen Falscheides bei der Ablegung des Ofsenbarnngseides 51t 10 Wochen Gefängnis. Ter Staals- airwalt hatte 9 Monate beantragt.

Schwere Lisenbahnunsälle.

Der gestrige Donnerstag hat mehrere, schwere Eiscnbahn- unfälle aitszuwcisen, bei denen zum Teck sehr schmerzliche Folgen zu verzeichnen sind. Zwei Unfälle, von denen enter für das Zugpersonal verhängnisvoll wurde, werden allem aus Bayern gemeldet.

München, 7. Okt. Ter Schnellzug TrieftBerlin ist bei Reum ar kt an der Rott in Oberbayern gestern infolge Nicht­beachtung des Aussahttsignals einem Gütcrzug in b i c Flanke gefahren. Vier Dagen des Güterzuges entgleisten: die Maschine des Schnellzuges wurde so schwer beschädigt, daß sie ersetzt werden mußte. Ter Schnellzug erlitt eine Verspätung von 11-2 Stunden. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Bedeutend schlimmer gestaltete fid) der zweite Unfall, über den folgende amtliche Meldung vorliegt.

Würzburg, 7. Olt. Heute früh stieß in der Station Karlstadt ein Güterzug auf einen anderen Güterzug Der Zugführer Gebhardt wurde tödlich, der Bremser Biber schwer und der Bremser Vitzmann I c id) t verletzt. Der Materialschaden ist erheblich. Tie Ursache des Zusammenstoßes ist noch nicht mit Sicherheit festgestellt

Tazu wird ims von anderer Seite noch gemeldet, daß von dem einen Zug die Maschine und 12 Wagen entgleisten und zum Teil zertrümmert wurden.

Ungleich sckiverer gefialtetc fick) ein Unfall auf der Strecke Halifax Montreal, bei dem mehrere Eisenbahnbeamten getötet und etwa 20 Aabrgäite durck) biejn Brand geratenen krümmer erheblich verletzt wurden. Das Schicksal einer großen Anzahl weiterer Fahrgäste ist noch unbekannt: man fürchtet, daß sie den Tod in den Flammen gefunden haben. Folgende Einzelheiten liegen bis jetzt vor.

New York, 7. Okt. Einem von Halrsatz nach Montteal lährenben Personenzug kam am der Strecke ein mit Schnellzugs geschiriudigLit strhrvnder Sonderzug entgegen. Bevor eurer der

beibat Lokomvtivfuhver bremsen vermochte, prallten die beiden Maschinen zusammen. Tie vor besten Wagen wurden voll­ständig ineinandergeschoben. Tie beiden Zug» hrer und Heizer waren aus der Stelle tot. Ebenso wurden die Begleitbeamten der Gepäckwagen ge­tötet. Bevor noch fcx Passagiere wußten, was geschah, fing einer der Wagen Feuer, und in kurzer Zeit brannten beide Züge lichterloh. Zwanzig Passagiere haben schwere Brandwunden erlitten. Tie Ausräumungs- arbeiten haben unter der immer noch glimmenden Trümmermasse noch nicht begonnen werden können. Man fürchtet, daß dreißig bis vierzig Passagiere verbrannt sind.

vermischtes.

* Ein pflichtvergessener Briefträger. In der Wohnung des Landbriefträgers Isidor Meurice bei Armen- tieres, wo man schon lange über schlechten Postdienft geklagt hatte, wurden 900 Kilogramm unbestellter Postsachen in wüstem Durcheinander gefunden. Vier Zimmer waren mit Briesen, Druck­sachen und Zeitungen angefüllt. Ter Briefträger, der festgenommen wurde, er Härte, er habe den über mäßigen Mißbrauch der Poft durch die Briefschreiber nicht unter­stützen wollen. Bon den Postsachen war vielxs durch die Hühner, Kaninchen unb Hunde des pflichtlosen Beamten stark beschädigt worden. Was noch eine leserliche Aufschrift trug, stammte teckweise aus dem Jahre 1900. Die Poft ließ es sich angelegen fein, diese Sendungen den Adressaten nachträglich zu bestellen.

* Die internationale Konferenz zur Bekämp­fung des Mädchenhandels nahm eine Entschließung an, nach der sich die Nationalkomitees vervflichtrn, eine Sammlung aller in Gesetzen und Verordnungen ihrer Staaten enthaltenen, sich auf den Mädchenhandel beziehenden Besttmmungen Zusammen zustellen. Tie nächste Zusammenkunft findet im Mai 1910 in Madrid statt.

* Das Schwurgericht inDortmund sprach am Mitt­woch im Wiederaufnahmeversahren den Kaufmann Karl Rosen­kranz aus Bochum von der Anllage der versuchten Notzucht frei, nachdem er vor sechs Jahren zu vier Jahren Zucht baus verurteilt worden war, die er bereits verbüßt hat.

* Der verbotene Schornstein Eine verwaltungs- gerichtliche Entsck)eidung, die im Großherzogtum. B a de n gesollt wurde, ist für die Heimatschutzbewegung von großem Interesse. Ein Fabrikant, der BesitzLr einer sehr schönen Sck.loßruine, die bat Stolz und die Zierde der ganzen Gegnid bildtt, batte die Absicht, dich» daneben einen 45 Meter hohen Schornstein für seine Fabrik ?.u errichten. Tie Erlaubnis hierzu wurde ihm von der Bau- bcl.ördc verweigert mit dem Hinweis auf die im Orte qd tenten baupolizeilichen Vorschriften, denen zuiolge die Erlaubnis zu einem Bau, dec oas künstlerisch. Owsamtbild der Ofcgcnb störe, verweigert werden könne. Der Fabrikam gab sich hierinit nidtf zufrieden, sondern wandte sich an den badischen Denvaltungs- gerichlshof. Das Bcrwckltti.ngsgericht schloß sich aber der Auslegung der OttsbcHürde an. Diese Enn'dxidung ist die erste ihrer An und von roritretd/enber Bedeutung, weck zum ersten Riale Fünft» lerischä ft hietischeRück sicht en aufossizielkem Wege den Sieg über rein industrielle Interessen davon- getragen haben.

Kleine Tnaeschronit.

Ein Lehrling der Firma H i l l g ä r t n c r in Pankow ver­lor auf dem Wege nach Hanse sieben Weck)i?l im Werte von 1000 Matt, die alle aus den Namen Westfalen lauten. Tas Äüvett, in dem sie sich befanden, wurde zerrissen unb leer aus' gesunden.

Ter in Wien durch Selbstmord aus dem Leben ge­schiedene Millionär Albert Pulitzer hatte bet bei Westminster- Bank in London unb bei einer Wiener Bank onberthalo Mil- lwnen. Alles, was nach Auszahlung des Legates an seinen als Publizisten in Amerika lebenden Sohn und Niger anderer Legale übrig bleibt, erhält die R e 11 u n g s - G c s e l l s ck a s 1 in Wien.

Unter den Acrzten der Wiener Spitäler macht sich wegi-n der schlechten Z a h l n n g s - Be d i n g u n g e n eine starke Bewegung geltend. Falls ihre Forderungen nicht bcnnllifu werden, wollen sämtliche Svitalürzte am 13. November kündigen , so baß dann am 15. T lember alle Wiener Spitäler ohne Aerzte sein würben.

Ter C h e s d e r R e g i e r u n g s g e st u t e im Gouvernement Charkow, General Baron Baggo Huv Wudd, ein persönlicher Bekannter unb Günstling des Gr 0 ßsü r st e n T i- m i t r i Konstantinowitsch, itnir bc wegen bcbcutcnbrr Unterschlagungen verhaftet. Eine Revision ergab einen jährlichen Fehldcttag von 300 000 Rubel, der in die Taschen BaggoS gewandert war. Tie beruntreute Summe beläuft sich auf einige Millionen.

(EittgcfaitöL

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion ocm Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Als ich kürzlich nach längerer Pause wieder einmal Gießen besuchte, sah ich zu meinem großen Erstaunen, daß man eben daran ist, das Universitätsgcbäude zn verputzen, eeiner» zeit hat man den bedeutenden Alchraulwand, den die Bleiidsieini bedingen, nicht gescheut, um der steten Reparaturen überhoben zu sein, die der Verputz mit sich bringt; setzt wird das kostspielige Vlaucrwett hübsch übertüncht. In 25 Jahren, wenn sich der Ge­schmack wieder geändert hat, kratzt man sicherlich den Verputz wieder ab. So betätigt man in Hessen die Sparsamkeit, deren man dce Steuerzahler immer wieder versichert! D.

Gießenco Wetterdienst.

Boranöftchtlichc Witterung für Hessen am SamStag dem 9. Oktober: Fortdauernd trüb und regnerisch; kühl.

Griginal-vrahtmeldungen.

Reutlingen, 8. Ockt. Vermntlid) durch Infektion durch die Wasserleitung tritt hier der Typhus in erheb­lichem Umsang auf.

Petersburg, 8. Ott. Ta die Pforte in der Frage derDurchfahrtrusfischerKriegsschiffe durch die Meerenge absolut kein Eittgegcnkommen zeigt, tvirb, wie im Ministerium des Aeußern mitgeteilt wird, die Rrije des Zaren auf dem Landwege, unb zwar über Oesterreich, erfolgen. In der Begleitung des Zaren wird sich Is­wolski befinden. Der italienische Hof nmrde bereits von den veränderten Reise-Dispositionen des Zaren in Kenntnis gesetzt.

Livad 1 a, 8. Ott. Gestern abend empfing der Kaiser die türkisck)c Sondcrgesandtschast m feierlicher Audienz.'

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