Ausgabe 
8.6.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 181

Seneral-Anzeiger für Gberhefsey

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wegen wandern, dürfen wir tnel-

, , _ . Glück, daß es so kam. Wahrscheinlich

wären sonst die meisten jener älteren Bauwerke den Bauten selbstbewußter und anspruchsvollerer Nachfolger -um Opfer gefallen, wenngleich man sie auch so schon öfters als billige Steinbrüche benutzt hat.

Dienstag 8. Juni 1909

Rotationsdruck und Verlag der vrühNchen UnrversitätS - Buch- und Stemdruckerei.

R. Lang«, Dießen.

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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaktion:e^l 12. Tel.-Adr.:AnzeigerGreßen.

Die ^Gießener ZamiNen^latter" werden dem ,Anzeiger^ viermal rvochen lich beigelegt, boS Krdsblatt für deo Krti Slehen" »roennal wüchenllich. DieLaudwirtschafMchell Leit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

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schwestern für die deutschen Schutzgebiete soll nach einem Anträge der Abteilung Stuttgart ein Betrag von 30 000 Mk. ausgeworfen werden. Für eine Enzyklopädie des Islam wünscht die Abteilung Hamburg eine Bewilligung von 1000 Mk. Endlich beantragt Kontreadmiral D. Strauch als Mitglied des Vor­standes: Ter Vorstand wolle beschließen, seitens der Gesellschaft eine Petition an den Reichstag zu richten, die den Ausbau des Hafens von Tanga fordert.

Erst im dreißigjährigen Kriege wurde der Wohl­stand gebrochen, Gelnhausen nach und nach eine arme Land­stadt. Von unserm Standpunkt aus, die wir dorthin der Denkmäler alter Kunst wegen wandern, dürfen wir viel­leicht sagen, es war ein Glück, daß es so kam. Wahrscheinlich

sich schließlich auf den Boden folgender Resolution: .Die ver­bündeten kaufmännischen Vereine weiblicher Angestellter fordern eine gleichmäßige Ausbildung beider Geschlechter, erkennen eine praktische Lehrzeit auch sür Kontoristinnen als notwendig an und wünschen die Ausstellung von Lehrkontrakten, die eine vielseitige Ausbildung des weiblichen Lehrlings verbürgt.

Zur Fortbildungsschulfrage stimmte die Hauptversammlung einer Resolution zu, wonach der Verband kaufmännischer Vereine für weibliche Angestellte dafür eintreteu wird, daß der § 120 der Reichsgewerbeordnung zwingendes Recht erhalte.

lieber das Thema: Tas Wahlrecht der Frauen zu den Kauf­mannsgerichten sprach dann Frl. Tr. Bernhard (Frankfurt a. M.). Die Versammlung stimmte schließlich folgender Resolution zu: TeriZweck der Kaufmannsgerichte neben schneller und billiger Rechtsprechung eine sachverständige Entscheidung durch die Mit­wirkung in kaufmännischen Berufen Tätiger herbeizuführen kann nicht als erfüllt angesehen werden, so lange die Frauen Beisitzer, denen sie Vertrauen entgegenbringen, nicht wählen dürfen. In anbetracht des Umstandes, daß die Zahl der im Handel tätigen Frauen stetig wächst und die lveiblichen Handlungsgehilfen nach den Ergebnissen der neuen Berufszählung bereits mehr als die Hälfte der männlichen beträgt, fordern wir für die Frauen das aktiv uni) passive Wahlrecht zu den Kaufmannsgemchteu. Da ferner das jetzt für die Wahlen vorgeschriebene Aller eine große Zahl von Handlnngsgehilfinnen, die schon über wertvolle Berufs­erfahrung verfügt, von der Beteiligung ausschließt, fordern wir die Herabsetzung des Alters für das aktive Wahlrecht von 25 auf 21 und für das passive Wahlrecht von 30 auf 25 Jahre.

Nach einem Bericht von Frl. v. Roy (Königsberg! über die Arbeit des Verbandes kaufmännischer Vereine für weibliche An­gestellte in Sachen der staatlichen Pensionsversicherung, die weiter­hin Gegenstand der Beratungen des Verbandes bleiben soll, er­reichte dann die Tagung ihr Ende.

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ling. Kirchenreform auf dem Konzil zu Basel von Prof. Tr. Haller in Gießen. Ter Wormser Dom und seine Geschichte von Geh. Oberbaurat Prof. Hofmann in Darm­stadt. Die früheren An- und Umbauten des Wormser Doms von Regierungsrat Dr. Kranzbühler in Darmstadt. Spät­gotische Kunst am Mittelrhein von Museumsdirektor Back m Darmstadt. Zeichen fortdauernder oder neuauflebender Kulturentwicklung in der zweiten Hälfte des dreißigjährigen Krieges von Stadtpfarrer T. Dr. Diehl in Darmstadt. Auch für die Abteilungssitzungen sind schon eine Reihe wich­tiger Vorträge in Aussicht gestellt. Sanitätsrat Dr. Koehl: das römische Worms; Museumsdirettor Prof. Dr. Müller aus Frankfurt: Die Gräber im Wvrmser Dom; Staats­archivar Prof. Dr. Dieterich in Darmstadt: Hessische Politik Lur Zeit der französischen Revolutton: Joseph aus Frankfurt: die Münzen der Stadt Worms; Museumsdirektor Pros. Dr. Lauffer aus Hamburg: die Totenkronen. Für Sonntag den 12. Sept, ist ein Ausflug nach Lorsch und ein Besuch der römischen Steinbrüche am Felsenmeer des Felsberges in Aussicht genommen.

Ueber die Eröffnung des Kurtheaters in Ems lesen wir in der Ems. Ztg.: Tie Eröffnungsvorstellung vor nahezu ausverkaustem Hause war ein Triumph der neuen Tirektion Herr Sleingoetter hat seine Versprechungen, die Bühne mit neuer AusUattung und neuen Dekorationen zu versehen, glänzend wahr gemacht. Wie schmerzlich Halle man es empfunden, daß unter der letzten Direktion die beiten Aufführungen oft wirkungslos blieben, weil die Mangel der Ausstattung gar zu graß hervor- traten. Um so freudiger mar man überrascht, als am Dienstag abend sich zum erstenmal der Vorhang vor der erheblich vergrößerten Bühne hob, um als erste Tat dec neuen Direktion einer Huldigung Tür Ems Raum zu geben. Im öintergrunbe der Bühne erschien die wohlbekannte Landsck>aft unserer Badestadt, vom Strahl der Morgen,onne verklärt. Und zu diesem aus Künstlerhand hervor- gegangenen Bilde paßt trefflich der von Tirettor Steingoerter arrangiertL szenische Prolog, der uns zur Bäderlai führt, in die Arbeitsstätte der sagenumwobenen Heinzelmännchen und zu den Omellennymphen, die den kostbaren Schatz der Berge hüten, die Svllern^en2fen;< 3U einer auf dem Felsgestein sitzenden Nymphe (Frl Erna Güldener) gesellt sich die heitere Muse (Frl. Scholz) und bietet ihre Hilfe an. Während die Schwestern den Leidenden den Helltrank reichen, will sie durch ihren Frohsinn aus Seele und Gemüt der Gäste wirken, die den Segen der <ni sich

bürg, Haina, die Ritterorden der Deutschherren und Jo­hanniter besaßen Höfe in Gelnhausen, die kaiserlichen Burg­mannen, meist aus reichen Adelsfamilien, hatten ihre Häuser in der Stadt. Bon alledem sind noch zahlreiche Zeugen der verschiedenen Jahrhunderte erhalten.

Und vor allem schlingt sich noch heute die alte Befesti­gung in stattlichen Resten um die Stadt, der Zug der Mauer mit Toren und Türmen.

Gelnhausen.

Der Oberhessische Geschichtsverein unternimmt am Sonntag, dem 13. Juni, einen Ausflug nach der alten Reichs­und Kaiserstadt Gelnhausen. Gelnhausen liegt tn| wunder­schöner Landschaft. Am südlichen Abhang des Büdinger Waldes, dort wo sich das Tal der Kinzig zur Ebene ver­breitert, unweit der letzten Ausläufer von Vogelsberg und Spessart baut es sich malerisch auf, beherrscht und bekrönt von der vieltürmigen Marienkirche. Als an dieser ge­baut wurde, war Gelnhausen trotz seiner Jugend schon eine reiche und auch politisch kräftige Stadt. 1170 hatte Barbarossa den neuen Ort Gelnhausen neben der alten Grafenburg und einer älteren Ansiedelung gegründet und sich bald darauf in den Besitz der Dynastenburg gesetzt. An deren Stelle evstand um die Wende des 13. Jahrhunderts ein Neubau, der mit der Marienkirche zu den vornehmsten Beispielen spätromanischer Kunst in Deutschland gehört. Er nag in frischer Vollendung geglänzt haben, als Philipp von Schwaben dort 1207 die Hochzeit seiner Tochter Maria mit Heinrich von Brabant gefeiert hat. Bis zu Ludwig bem Bayern waren die Kaiser öfters in der Burg. 1363 itnirbe sie zum ersten mal beschädigt und ist seitdem immer nehr verfallen. Aber trotzdem ist die Burg von Gelnhausen heute noch die am vollständigsten erhaltene und -architektonisch reichste der romanischen Äaiserburgen des 12. Jahrhunderts. Und '.weit sie von den Händen schlechter Restauratoren verschont geblieben ist und der Schmuck üppiger Dege- iiation sich um und über sie legt, gehört sie zu den reiz­vollsten Ruinen unserer deutschen Heimat. Sie ist, und ebenso die Kirche, in einer Zeit erstanden, da die deutsche nomMiische Kunst reif und sicher geworden war, und sich zu echt deutschem malerischem Reichtum entwickelt hatte.

Für die Wohlhabenheit der jungen Stadt im Mittel- «lter zeugen neben den reichen Kirchenbauten auch die be­häbigen Profanbauten, die meistens was selten war im damaligen Deutschland massiv in Stein ausgeführt troren. Das von Ludwig Bickell wieder aufgefundene roma- »ijche Hans, ist, wenn es das Rathaus war, wohl das Llveste erhaltene Rathaus in Deutschland. Die Klöster Arns-

Der Gesamtverern der deutschen schichts- und Altertum sv ereine wird diesjährige Hauptversammlung gleichzeitig .....

dem neunten deutschen Archivtag am 8. September in Worms abhalten. Prof. Dr. Weckerling wird über das Wormser reichsstüdtische Archiv, Lic. Oberlehrer Hermann in Darmstadt über ote für die Ordnung der Archive der evangelischen Pfarreien von dem Großh. Konsistorium in Aussicht genommenen Einrichtungen berichten. Die Tagung des Gesamtvereins wird drei Tage dauern. Als Vorträge für die allgemeinen und öffentlichen Versammlungen sind bereits folgende sicher in Aussicht gestellt: .Hauptwendepunkte in der Geschichte der Stadt Worms von Prof. Dr. Wecker-

Hauptversammlung der Deutschen ttolsnialgesellschaft.

S. u. H. Dresden, 7. Juni.

Unter Teilnahme des Königs Friedrich August von Sachsen, des Staatssekretärs der Kolonien Ternburg und des Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg trat heute die Deutsche Kolonialgesellschaft zu ihrer diesjährigen Hauptversammlung zusammen. Tie Verhandlungen tourben mit einer Begrüßung der Teilnehmer aus Kgl. Belvedere (Brühllche Terrasse) eröffnet.

Zur Verhandlung steht zunächst der Geschäftsbericht des Präsi­diums, dem zu entnehmen ist, daß der Voranschlag für 1909 und 1910 mit 309 500 bzw. 312 400 Mk. balanciert Die Mit­gliederzahl beträgt zurzeit 38 434 und ist gegen das Vorfahr um 1040 gestiegen. Zur Beratung stehen eine große Reihe von An- träaen. Ein Antrag der Abteilung Idar verlangt, daß in Deittsch- Südwestaftika die Umwandlung der aus den verschiedene u ©in* geborenensprachen herrührenden Farmen- und Ortsnamen in deutsche Namen durchgeführt werde. Auch AbteilungWest­liche Vororte Berlins" hält es für erforbcn A daß in den deut­schen Schittzgebieten die deutsche Sprache zur Staats- und Verkehrssprache wird. Tie Abteilung Berlin hat sich diesem An­träge angeschlossen. Sie wünscht, daß in den deutschen Schutz­gebieten der deutschen Sprache der Charakter als Staatssprache gewahtt imb daß ihr als Verkehrssprache mindestens vor jeder lmdercn europäischen Sprache der Vorzug gegeben wird. Von großem Interesse ist ein weiterer Antrag Berlin, der dahin geht: Im Vertrauen darauf, daß die Regierung berechtigten Wünschen der Bevölkerung nach Möglichkell entgegenkommt, erklärt die Deutsche Kolonialgesellschaft, daß sie die in Deutsch-Südwestafrika eingeführte Selbstverwaltung grundsätzlich als einen geeigneten, den derzeitigen Verhältnissen entsprechenden Anfang betrachtet und fordert die Bevölkerung in Deutsch--Südwestafrika auf, durch tätige Mitarbeit einen baldigen weiteren Ausbau "r Selbstverwaltung iu ermöglichen. Ten

Eid der (Eingeborenen

behandelt ebenfalls ein Antrag der Abteilung Berlin, in dem der Staatssekretär gebeten wird, seine in der Reichstagsrede vom 2. März d. I. ausgesprochene Absicht, die Eingeborenen der Schutz­gebiete zum Eide zuzulassen, nicht zu verwirklichen und es bei dem bisherigen Zustande zu belassen. Tie

Waldwirtschaft in den Kolonien

behandelt ein Antrag der Abteilung München. Es heißt in diesem: Ehe in den deutschen'Kolonien an umfangreichere Waldausnützungen und Waldneuanlagen (getreten wird, bürfte es sich empfehlen, zuerst eingehender die naturgesetzlichen Grundlagen in den lloplschen und subllovischen Waldungen einerseits und in den Steppengebieten andererseits zu untersuchen, um die Mißerfolge zu vermeiden, welche andere Nallonen in der Lösung des Waldproblems in ihren Kolonien zu verzeichnen haben. Zu diesem Zwecke verlangt der Antrag die Einsetzung einer Kommission, die entsprechende Unter­suchungen anstellen soll. Unter anderem soll sich die Kommission mit der Frage beschäftigen: Welche und wie große Gebiete sollen als nationales Eigentum der deutschen Nation, als National­park von jeder Besiedlung und jeder Ausnutzung ausgeschlossen werden) um ein unberührtes Bild einer natürlich typischen Land­schaft mit ihrer Flora und Fauna der Nachwelt zu erhalten? Auch ein Antrag der Abteilung Bremen beschäftigt sich mit der Waldwirtschaft. Er verlangt, daß in Kamerun beim Gouverne­ment schleunigst ein der Bedeutung der Forstwirtschaft entsprechen­des Forftarnt errichtet werde, welches in der Hauptsache dem Stu­dium der Kixia-Kultur in den dazu geeigneten Bezirken der Kolonie seine Aufmerksamkeit zuwende, damit solche als Eingeborenen- Bolkskultur unverzüglich in die Wege geleitet werde. Ein Antrag der Abteilung Westliche Borotte Berlin ersucht die Mög­lichkeit der Niederlassung eines Rechtsanwalts in Togo dadurch zu ermöglichen, daß einem die nötigen Voraus­setzungen erfüllenden Juristen die Notariatsgeschäfte übertragen werden. Tie Abteilung Königsberg i. Pr. beantragt, den Präsi­denten aufzufordern, von neuem im Sinne der Resolution 3 des Kolonialkongresses 1905 bei den Regierungen der Bundesstaaten wegen Errichtung von Professuren für sinologi­sch e S t u d i e n an den deutschen Hochschulen vorstellig zu werden. Neben diesen Anträgen, welche in der Hauptversammlung beraten werden, steht auch ein sehr interessanter Antrag der Abteilung Berlin zur Debatte, der die Vorstandssitzung beschäftigen soll. Danach soll der Vorstand der Deutschen Kolonialgesellschaft dem Frauenbünde der Deutschen Kolonialgesellschaft zur Errichtung eines Mädchenheims Keetmanshoop einen Beitrag von 40 000 Mk. bewilligen, wozu die Mittel den Zinsen des aus der Wohlfahttslotterie stammenden Kapitals zu entnehmen seien. Auch dem deutschen Institut für ärztliche Mission in Tübingen zur Ausbildung von Missionsärzten und Krankew-

Uufere Stadt Gießen liegt inmitten der herrlichsten Kunststätten Deutschlands und daher ganz außer­ordentlich günstig für Genuß und Studium unserer, den meisten ach, so wenig bekannten deutschen Kunst. Diese Gunst der Lage auszumrtzen sind die Aus­flüge des Oberhessischen Geschichtsvereins da. Und so darf ber Vorstand des Vereins hoffen, daß recht viele am 13. Juni seinem Rufe nach Gelnhausen, an eine der vornehmsten Stätten alter deutscher Kunst Folge leisten werden.

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Deutscher Ledertag.

S. u. H. Hamburg', 6. Juni.

Unter Beteiligung von Vertretern des LederhandeLs aus gastj Deutschland trat im Festsaale des hiesigen Patriotischen Gebäudes derZentralverband Deutscher Leberhändler" zu seiner dirS- jährigen Generalversammlung zusammen. Der Vorsitzende Brauer (Berlin) berichtete einleitend über die heutige geschäftliche Lage im deutschen Lederbandel, die mit Rücksicht auf die schweren Sorgen, welche Handel uno Industrie bedruckten, nicht günstig sei. Die neuen Steuervorlagen erschienen auch für den deutschen Lederhandel verhängnisvoll und der Verein habe sich deshalb der kürzlich ge­bildeten Organisation zur Vertretung der Interessen von Handel und Industrie bei der Abwehr der Steuervorlagen angeschlossen. Demgemäß werde sich der Verband auch an der großen Protest­versammlung gegen die neuen Steuer vor lagen in Berlin beteiligen. Kräftige Worte gegen die Lauheit, in der gewisse Handels- und Jndustriekreise noch immer gegenüber den auf ihre erneute Be­lastung hmzielenden Steuerbeschlüssen der Finanzkommission an den Tag legen, fand der Verlleter der Hamburger Handelskammer in seinen Begrüßungsworten an den Kongreß. Er wies daraus hin, daß die Arbeitnehmer in allen industriellen- und handelsgewerb­lichen Betrieben schon längst große und wirkungsvolle Organi­sationen geschaffen hätten. In muftergiltiger Weise hätte sich auch die Landwirtschaft zufammengesästossen Auch die Angestellten des Kaufmannstandes seien geeinigt. Nur die selbständigen Kauf­leute dachten noch immer nicht an eine einheitliche Organisation. Der deutsche Kaufmann sei stolz darauf, daß Wagemut und Streben ihm $n einer erstklassigen Stellung in der Well verhalfen hätten, aber er merke anscheinend nicht, daß in den ausschlaggebenden Körperschaften, vor allem im Reichstage die organisierten In­teressengruppen das entscheidende Wort sprächen, während der Kauftnaunftand ohne bewährte Organisation und Führung schweigen müsse und deshalb auch zurückgesetzt werde. Er hoffe, daß die gegenwärtig zutage tretenden Bestrebungen auf ein gemeinsames Vorgehen von Handel und Industrie in Sachen der Reichsfinanz­reform zum Segen des deutschen Kanfinannstandes äusschlagen möchten. (Lebh. Beifall.)

Den Bericht der Rechtskommission erstattete Rechtsanwalt Dr. Hagen (Leipzig), den Bericht über die Tätigkeit dec Zollkom- Mission der Vorsitzende des Hamburger Nnterverbandes Müller (Hamburg). Die Versammlung beschloß, eine Zollkom­mission zum Schutze der Interessen des deutschen Lederhandels einzusetzen und ferner auf Antrag des Kom­merzienrats Sußmann (Leipzig) die an den Reichstag int vorigen Jahre wegen des Veredelungsverkehrs gerichtete Petition sämtlicher deutscher Bundesregierungen zu übermitteln. In dar Debatte wurde allgemein hervorgehoben, daß die deutsche Leder­industrie von dem Veredelungsverkehr keinen Schaden habe. Kom­merzienrat Sußmann legte dar, daß man ihn unter allen

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Deutscher pnvat-Bcamtenverein.

S. u. H. Dr esden, 6. Juni.

Unter zahlreicher Beteiligung von Delegierten aus allen Teilen des Reiches, Die insgesamt 15 736 Mitglieder repräsentierten, trat hier im großen Saale des Gewerbehauses die alle zwei Jahre statt­findende Hauptversammlung des Deutschen Privat-Beamten-Ver- eins zusammen. Nachmittags erfolgte die Gründung der Waisen­kasse des Verbandes. Der dazu erforderliche Garanttesonds von 100 000 Mark war von den Mitgliedern nicht allein aufgebracht, sondern sogar überzeichnet worden.

Die Hauptversammlung wurde heute morgen 9 Uhr eröffnet. Kaufmann D i e tz e (Leipzig) nimmt dann zum ersten Punkt der Tagesordnung:Abwehr der von einem früheren Mitgliede in Kasiel gegen den Vorsitzenden gerichteten persönlichen Angriffe" das Wort und begründet folgende von den Vorsitzenden mehrerer Bezirksvereine im Verttauensmänner-Ausschuß beantragte Reso­lution, die mit aller Entschiedenheit die fortwährenden, durchaus ungerechten und böswilligerweise gegen die Verwaltung und gegen den Vorsitzenden des Verwaltungsrates gerichteten Angriffe des Unser Privatbeamter" verurteilt. Nach längerer Diskussion gelangte diese Resolutton mit 448 gegen 45 Stimmen zur Annahme.

Ueber die Geschäftsberichte der Jahre 1907 und 1908, die beide mit Überschüssen abschließen, referiert Direktor Schmelzer (Magdeburg). Ter Mllgliederbestand beträgt nach dem Geschäfts­bericht zurzeit 25 1 64. Im Jahre 1908 wurden neu gegründet 13 Zweigvereine und 20 Verwaltungsgruppen, so daß der Verband letzt 183 Zweigvereine und 200 Verwaltungsgruppen zählt. Für Unterstützungszwecke wurden im Jahre 1908 insgesamt 22 000 Mark verwendet. Tie Rechtsschutz-Abteilung hat 67 Falle be­handelt.

Nach kurzer Besprechung wurde beschlossen, die Ueberschüsse aus den beiden Wirtschaftsjahren 1907 und 1908 im Gesamtbeträge von 59 398 Mark wie folgt zu verwenden: an den Rentenzuschuß- fonds der Pensionskasse 25 000 Mark, an den Rentenzuschußsonds der Witwenkasse 5000 Mark, an den Agitationsfonds (Bereitstellung zu besonderen agitatorischen Maßnahmen) 20 000 Mark, an den Fonds zur Begründung eines Erholungsheimes ober zu ähnlichen Zwecken 5000 Mk., zu Abschreibungen für das Jahr 1905 748 Mk., für das Jahr 1906 1666 Mk. Zum Vottrag auf neue Rechnung sollen gelangen 10 884 Mark. Sodann wurde beschlossen, den Bettag des Kinderversorgungskassenzuschußfonds mit 1656 Mk. an ben Rentenzuschußfonds ber Pensionskasse, sowie die dem Konto Lungenheilstätte" auf Grund des Beschlusses ber Hauptversamm­lung bes Jahres 1899 zugewiescnen 3260 Mark bem neuen Konto Fonbs zur Errichtung eines Erholungsheims" zu überweisen.

Einstimmig wird ein Antrag angenommen, baß ber Verein bic Verzinsung ber Schulbverschreibungen, bie für den Gründungs- fonds ber Waisenkasse in Höhe von 100 000 Mark ausgegeben worden sind, mit 5 Prozent übernimmt. Ter Haushaltsplan für 1910 wird festgesetzt mit 268 600 Mk. Einnahmen und 248 500 Mark Ausgaben, der für 1911 mit 280 600 Mark Einnahmen und 268 500 9)larf Ausgaben. Als Ort für bie nächste Tagung wurde auf Anregung des Vertreters des Berliner Zweigvereius Berlin gewählt.

Die auf drei Tage bemessenen Verhandlungen wurden hierauf auf Montag vormittag 9 Uhr vertagt.

Hauptversammlung der deutschen kaufmännischen vereine weiblicher Angestellter.

S. u. H. Braunschweig, 6. Juni.

Ter Verband kaufmännischer weiblicher Angestellter, dem 31 Zweigvereine in allen Teilen des Reiches mit über 15 000 Mit­gliedern angehören, hielt gefteni und heute hier seine diesjährige ordentliche Hauptversammlung ab. Zum Thema Kaufmannskam­mern referierte Frl. v. Roy (Königsberg). Sie verlangte für das ganze Reich kaufmännische Standesverttetung in Form von paritätischen Kaufmannskammern als selbständige Jnstttutionen.

Tie Vorschläge der Rednerin sollen auf Beschluß der Haupt­versammlung den Zweigvereinen zur Stellungnahme dazu über­mittelt werden. Ueber die großraufmännische Lehrkonferenz in Leipzig, welche dort vor kurzem unter Anteilnahme des Verbandes kaufmännischer Vereine für weibliche Angestellte getagt hat, be­richtete Frau Wäscher (Kassel). Tie Hauptversammlung einigte

Zweites Blatt 159. Jahrgang

Erscheint Ui-Nch mit Ausnahme des Sonntags. Ä A a a a

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