Ausgabe 
8.6.1909 Erstes Blatt
 
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birura. Mai!

bil vorr^a^Tu^r! RotatisnsdruS und Verlag -er vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Stentöruderei H. Lange.

weiter erschweren würde, als eine ungeeignete wirtschaftliche Matz-! Guotk ist in der chirurgischen Klinik in Tübingen an den Folgen regel erscheinen. Außerdem bestände die Gefahr, das; das Aus-' einer Operation im Atter von 41 Jahren gestorben.

sagte doch der Teufel, als er Jesus versuchte?

A.

Der nationalliberale wütttem-

Gutspächter

LiczugSprei^: monatlich 75 Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Rtk.2. viertel- jährl. ausjchl. Beslellg. Zeilenprers: lokal IbPf., auswärts 20 Psenmg.

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f Feuille- ton und »VernlischtesE K. Neurath; für »Stadt u. Land" undGerichts-

ld)en Behörden unter großer Beteiligung aus allen Teilen Deutsch­lands vom Vorsitzenden des Vereins Geheimen Kommerzienrat Emil Jacob-Berlin eröffnet.

land seinerseits dem Beispiel folgte und Ausfuhrzölle auf Roll Materialien legte, auf deren Bezug die deutsche Industrie au gewiesen ist. Die Finanzreform dürfe nicht mit Bestrebungen bepackt werden, die bezüglich ihrer Wirkungen sehr bestritten und keinesfalls völlig geklärt seien. Was Deutschland zur Zeit ge­brauche, sei die Finanzreform, und je länger die Beschäftigung da

erst 1907 gelang es den Freisinnigen, ihn zurückzuerobern. Schmidt erhielt 1907 25 249 Stimmen, während sein sozialdemokratischer

S p e d i t e u r t a g. In Eisenach wurde gestern der 30. Spe- hiteurtag in Anwesenheit von Vertretern der Staats- und städti-

Retaftion, Expedition und DruSerel- Schuiftratze 7.

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mit dauere, desto mehr stelle sich Heraus, daß die ursprüng lich betretenen Wege die richtigen seien. Die Regierungen hätten sich nicht davon überzeugen können, daß an Stelle ihres Planes, den Besitz durch Besteuerung der Erbschaften heranzuziehen, etwas besseres gesetzt werden könne. Sie würden daher an ihrem Plane festhalten, eine progressiv gestaltete Erbschaftssteuer einzu- führen und auf sonstige Besitzabgaben nur insoweit zurückgreifen, als die Umgestaltung der Nachlaß- in eine Erbanfallsteuer die ur­sprünglich vorgesehenen Erträge vermindert.

-Wie nun die Kreuzztg. ja selbst zugibt, verkennen die Konser­vativen die Sachlichkert solcher Gründe gegen die Beschlüsse der Kommission, aber, wie wir gesehen haben, sind es ja gar nicht sachliche Gründe, die für die Kommission ausschlaggebend waren. Was die konservativ-klerikalen Herrschaften wollen, ist nur die Unterwerfung des Fürsten Bülow. Man will den Reichskanzler klein machen, damit er jedem pommerschen Junker aus "der Hand ftißt. Hat man Bülow erst so weit, dann wird er alles be­kommen, was er sich nur wünscht, selbst die Erbanfallsteuer. Wie

Deutsches Reich.

Der Zar beabsichtigt, den bevorstehenden Besuch Kaiser Wilhelms im Laufe des Sommers in Kiel z u erwidern.

Die einzelstaatlichen Finanzmini ft er treten am Donnerstag in Berlin zusammen.

Aenderung der Telegraphenordnung. Der Reichsanzeiger" veröffentlicht die Aerrderung der Telegraphen- orönung vom 16. Juni 1904, Die neuen Bestimmungen treten am 1. Juli in Kraft.

Zwei militärische Stiftungen. Das bayerische Militär-Verordnungsblatt veröffentlicht zwei Handschreiben des Prinzregenten Luitpold, wonach er im Namen des Königs Otto sowohl dem 4. Chevauxlegers-Regiment wie dem 4. Feldartillerie- Regiment eine Stiftung von je 25 000 Mk. vermacht, deren Zinsen zu zwei Dritteln gemeinnützigen Einrichtungen zu Gunsten des Offizier-Korps und zu einem Drittel zu Zulagen an Kapitulanten- Unteroffiziere zu verwenden sind.,

Todesfall. In Halle ist Montag früh der freisinnige Reichs- und Landtagsabg. Karl Schmidt im Alter von 55 Jahren an Herzschlag gestorben. Seit 1903 vertrat er den Wahlkreis Halle-Saalkreis im Abgeordnetenhause und seit 1907 auch im Reichstage als Mitglied der freisinnigen Volkspartei. Seit 1896 war der Wahlkreis in den Händen der Sozialdemokratie;

Ausland.

Zarenbesuch. Kopenhagener Hofkreise wollen wissen, der Kaiser von Rußlcurd besuche im August den dänischen Hof.

Die Frau des Generals Stössel soll zur Verant­wortung gezogen werden, weil sie während ihres Aufenthaltes in Port Arthur 15 000 Rubel Wohltätigkeitsgelder einkassierte, ohne über deren Verbleib Beläge beizubringen.

Rußland baut Dreadnoughts. In den nächsten Tagen findet auf den Ttaatswerften in Petersburg der Beginn des Baues von vier neuen Dreadnoughts statt, wozu der Reichsrat im Gegensatz zur Duma 15 Millionen Rubel votiert hat. Ferner bewilligte der Reichsrat 80 Millionen Rubel im Extraordinarium für KriegsUvecke.

Die streikenden eingeschriebenen Seeleute in Marseille haben sich für die Fortsetzung des Ausstandes entschieden, den Ausschuß aber beauftragt, die Vorschläge der Reeder in Marseille zu prüfen und zu beantworten.

erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich GiehenerZamlliendlätter; iweunal wöchentl.8rei5' latt für Öen Kreis (gieren (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- wittschaftliche Seitfragea Fern sprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Annahme von Anzeigen

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politische Tagesschau.

Buchdruckerverein.

Der zurzeit in Köln tagende Deutsche Buchdrmkerverein befaßte srch in seiner gestrigen Versammlung mit dem am 29. Januar vom Gutenbergbunde gestellten Anträge auf Mschluß eines Vertrages übtzr die Tarifgemeinschaft mit dem Deutschen Buchdruckerverein. Nach eingehender Erörterung entschloß sich die Hauptversammlung mit 65 gegen 29 Stim­men, einen Haftvertrag betreffend die Tarifgemeinschaft der deutschen Buchdrucker mit dem Guten bergVunde abzuschließen mit Gültigkeit vom 1. Oktober d. I. und znmr unter der Voraussetzung, daß der Gutenbergbund eine durchaus selbst­ständige, nach allen Seiten hin unabhängige Organisation ist uno bleibt, in der meder politische, noch religiöse Bestre­bungen verfolgt werden. Sodann faßte die Versammlung folgende Resolution: Die heutige Hauptversammlung des Deutschen Buchdruckervereins hat sich zum Abschlüsse eines Haftungsvertrages mit dem Gutenbergbunde in Sachen der Tarifgemeinschaft in dem festgesetzten Wortlaut ent­schlossen, um hierdurch ein weiteres erzieherisches Mittel zur Kräftigung der Lariftreue zu schaffen. Der Deutsche Buchdruckerverein ist überzeugt, daß der Verband der deut­schen Buchdrucker, dessen loyale Haltung in Tarifangelegen­heiten durchaus anerkantrt wird, in dem Abschluß dieses Ver träges nichts anderes erblicken kann, als eine Bemühung des Deutschen Buchdruckervereins zur weiteren Durchfüh­rung des auch von dem Verbände stets hochgehaltenen Grundsatzes der Hebung der Tariftreue. Als Ort der nächsten Tagung ist Stuttgart bestimmt.

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Hauptversammlung des deutjchen Llottenvereinz.

S. u. H. K i e 1, 7. Juni.

Im weiteren Verlaufe der geschäftlichen Verhandlungen der diesjährigen Hauptversammlung des Deutschen Flottenvereins regte Graf v. Dürkheim (Hannover) an, die deutschen Schulen aller Kategorien, Gymnasien, Real- und Volksschulen mehr als bisher für die Flottensache zu interessieren und vor allem durch Aus- bängung von Landtafeln über die Laufbahnen in der Marine das Interesse der Heranwachsenden Jugend für die Marinelausbahn anzuregen. Die Versammlung beschloß demgemäß. Ebenso gab sie gern ihre Zustimmung zu dem Vorschläge, die Lehrerfahttew an die Wasserkante weiterhin zu unterstützen. In diesem Jahre werden 300 Volksschullehrer die Fahrt nach Kiel und von hier aus durch t>en Nordostseekanal nach Helgoland und Wilhelmshaven unternehmen. Zum ersten Male wird diese Lehrerfahrt bis Wil­helmshaven, dem zweiten deutschen Reichskriegshafen, ausgedehnt werden, das bekanntlich mehr noch als bisher der Stützpunkt der deutschen Flotte in der Nordsee werden soll. Einen interessanten Beschluß faßte die Hauptversammlung noch inbezug auf die so­genannten Flottenmuloflope, indem sie die Mschaffung derselben genehmigte. Es hat sich, wie noch erinnerlich fein dürste, ein unangenehmer Zwischenfall an diese Mutoskope geknüpft, da die ausführende Firma in einigen Städten neben Flottenmanövern auch anstößige Darstellungen leichten Genres geboten hatte. Es kam hinzu, daß dem Deutschen Flottenverein nur sehr wenig Er­trägnisse aus den Mutoskopen zuslossen und die mit den Aiutoskopen verrichtete Aufklärungsarbeit gering erscheint gegenüber der sonsti­gen Tätigkeit des Deutschen Flottenvereins.

Im Anschluß an die geschäftlichen Verhandlungen fand bann ein Festmahl statt, auf dem zunächst der Flottenadmiral Prinz Heinrich das Wort nahm, der bekanntlich demnächst von seinem verantwortlichen Posten scheiden wird. Er hob unter Hinweis auf die Flotteevolution am Freitag, auf die bewunderungswürdige Leistung der Schiffskommandanten, Offiziere und Mannschaften be­sonders hervor, daß in allen die Liebe zum Kaiser, dem die Marine so außerordentlich viel verdanke, gemeinsam sei. Er schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Großadmiral v. Koester, der jetzige Präsident des Deutschen Flottenvereins, der demnächst sein 50 jähriges Marinejubiläum feiern wird, brachte dann allerlei Erinnerungen zur Sprache, die gelegentlich der Anwesenheit des Deutschen Flottenvereins Kiel und der gesamten Hochseeflotte im Kieler Hafen lebendig werden müßten. Im Herbst 1864 sei er als junger Seeoffizier von Bord der damaligen KorvetteViktoria" in das eben deutsch gewordene Kiel gekommen, in dessen Kriegshafen einige Zeit vorher die gesamte englisch-französische Flotte unter dem Admiral Napier während des Krimkrieges gelegen hatte. Der Gedanke, daß Deutschlands Flotte dereinst denselben Raum für sich in Anspruch nehmen könnte, erschien damals Natürlich ausgeschlossen, wenn auch der Gedanke an eine größere Flotte patriotische Herzen schon lebhaft beschäftigt habe, da der dänische Krieg unsere Ohmnacht zu Wasser und die dkotwendigkeit einer Abhilfe auf das schärfste vor Augen geführt hatte. Wie winzig untere Seemacht damals war, zeigt am deutlichsten die Tatsache, Daß die wenigen Korvetten- und Kanonenboote, über die wir ver­fügten, kaum dem Rairmgehalt eines Linienschisfes der Deutschland- Klasse gleichkam und daß ihre gesamte Maschinenkraft von der­jenigen eines modernen Torpedobootes übertroffen wurde. Lang­sam sei dann die Entwickelung vorwätts gegangen. Wenn der Reichstag besonders gut gelaunt war, fiel der Flotte auch kvohk ein Bröcklein in Gestalt eines Panzerschiffes zu. (öeiterfeüj Aber das System, die gleichmäßig fördernde Kraft fehlte. W war mehr ein Vegetieren, aber keine ständige Entwickelung. Erst mit dem Regierungsantritt Kaiser Wilhelms II. erstand der deutschen Flotte unter dem Jubel der Marine und weitblickender Männer ein neuer Tag. Was er versprochen, hat er gehalten. Neues Leben zog ein und mit ihm Arbeitslust und Arbeitskraft. Das Jahr 1895 brachte mit der Eröffnung des Kaiser Wilhelm-Kanals loieber den Anblick eines vollen Häsens. Aber nodj war die dnttfche Flagge unter der Zahl werter Gäste allzuschwach vertreten. Erst mit dem Inkrafttreten des Flottengesetzes Dank sei den Män­nern, die es geschaffen haben erfolgte endlich der Auffchwung, der sich darstellt in unserer heutigen prächtigen Flotte, auf ber Deutschlands Hoffnung beruht und in der mit Umsicht und Ge­schick gearbeitet wird, weil jeder Mann, sei er hoch oder nichtig, sei er auf einem Linienschiff oder auf einem Torpedoboote, über­zeugt von der Wichtigkeit der ihm zufallenden Aufgabe in Be­geisterung und Dienstsreudigkeit bestrebt ist, sich der ihm obliegenden Pflicht zu unterziehen, so schwer dieselbe ihm auch fallen möge. Der Redner feierte dann den Prinzen .Heinrich als den Führer dieses komplizierten, prompt chie ein Uhrwerk funktionierenden! Apparates, dem Deutschlands Flotte freudig folge, in dem Be­wußtsein, daß sie ein Wertzeug, bestimmt, den Frieden zu wahren, der uns noch lange erhalten bleiben möchte in ernsten Zeiten unter der Leitung ihres bewährten Führers zu einer schneidigen Waffe werden soll, die sicherlich besttebt sein wird, in ihren Leistungen nicht gegen die gewaltigen Taten zuttichu stehen, die ihrer älteren Schwester, unserer Armee, in den Kriegen, dre zur Einigkeit unseres Vaterlandes geführt haben, zu bleibender Ehre und Ruhm geworden siird. Deutschlands Flotte, möge sie weiter wachsen und gedeihen, möge sie stets von dem Geist beherrsch 'em, der allein Großes schafft! Ein scharfes Werkzeug in scharfer Hand!

Am gestrigen Sonntag schloß eine Dampferfahrt nach Svndev- burg und Flensburg die Tagung des Deutschen Flottenvereins ab.

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Sehr überraschende und interessante Geständniffe macht neuer- dings dieKreuzzeitung" und gibt damit selbst unverblümt zu, daß es nicht sachliche Bedenken gewesen sind, die für die Konser­vativen in der Reichsffnanzreform maßgebend waren, sondern lediglich parteipolittsche. Alle die schönen Worte vom Schutz des deutschen Bauernstandes und von der Untergrabung des deutschen Familiensinns waren also gelinde gesagt nichts als Heuchelei. Bei einer Besprechung über die innere Politik zitiert dieKreuz­zeitung" folgende Stelle aus derVossischen Zeitung":

So gering darf man bie Intelligenz der Rech­ten nicht einschätzen, daß man annähme, ihre Führer sollten nicht erkennen, ein wie geringer Teil der Landwirtschaft von der Erbschaftssteuer belastet würde, und wie leicht diese Last zu tragen wäre. Und auch so hoch darf man ihren gewiß nicht bescheidenen Eigennutz nicht anschlagen, daß sie die auf sie entfallende Lap­palie von Steuer nicht auf sich nehmen wollte, wenn sie sonst mit dem Gang der Politik einverstanden wäre. Sie ist aber nicht damit einv erstand en. Im Gegenteil, sie ist von tiefftem Mißtrauen erfüllt, seit in der preußischen Thronrede die Wahlreform als eine der dringendsten Aufgaben der Zeit erklärt worden ist. Um diese Reform wird es, wie Herr v. Wangenheim versichert, einen Kampf von ungeahnter Schärfe geben. Ter Kampf wird bereits geführt; in der Finanz­reform." Dieses Geständnis ist wertvoll. Es wird auch dem gut­gläubigsten Bauern die Augen darüber öffnen, was er in Wirk­lichkeit von seinen agrarischenFreunden" zu erwarten hat.

In derKreuzzeitung" heißt es dann weiter:Das frei­sinnige Blatt weiß wenigstens einigermaßen, um was es sich handelt. Aber das ist gerade für freisinnige Polttiker auch nicht schwer. Tenn sie sind es gewesen, die von Anfang an trotz aller Warnungen der Rechten die Finanzreform mit der preußischen Wahlreform verkoppelt haben. Sogar die süddeutschen Mitglieder der freifinnigen Fraktionsgemeinschaft haben kein Hehl daraus gemacht, daß sie neue Reichssteuern nur bewilligen würden, wenn ihnen vorher bestimmte Zusicherungen für eine Demokratisierung des preußischen Wahlrechts gemacht würden. Bekämpfen also die Konservativen was wir nie geleugnet haben schon bei der Finanzreform di? demokratischen Ansprüche, so tun sie es, weil der Kampf vom Freisinn begonnen wurde. Oder sollten sie sich etwa freiwillig ausschalten und dann auslachen lassen?"

Auf diese Anzapfung bleibt das freisinnige Blatt nun die Ant­wort nicht schuldig. TieVoss. Ztg." schreibt:Daß der Frei­sinn die Finanzresorm mit der Wahlreform verkoppelt habe, wider- svricht den Taffachen. Dieser Gedanke ist vielmehr von der großen Mehrheit der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft zurückgewiesen worden.- Er wurde von den Gegnern der Linken alsErpresser­politik" bezeichnet. Wenn aber jetzt die Konservativen zuge­standenermaßen in der Erbanfallsteuer nicht so sehr diese Steuer an sich als vielmehr diekonservativ-liberale" Politik der Ne­gierung befehden, was ist das anders alsErpresser- p o l it i k"?"

An einer anderen Stelle heißt es nun in derKreuzzeitung" von der T u r ch p e i t s ch u n g der Reichsfinanzreform:Die positive Mehrheit des Reichstags ist fest entschlossen, schon mit Rücksicht auf die Reichsbeamten, die am 1. Juli ihre versprochenen Gehaltszulagen bekommen müssen, die Finanzreform in vierzehn Tagen zu erledigendurchzupeitschen", wenn man diesen Ausdruck schöner findet." Sehr richttg bemerkt hierzu dieFrei­sinnige Zeitung":Es ist nicht etwa die Rücksicht auf die Beamten, wie dieKreuzzeitg" glauben machen möchte, sondern die Erkenntnis, daß, wenn erst in den weitesten Kreisen ber Be­völkerung der wahre Charakter der klerikal-konservattven Gesetz­gebung durchschaut worden ist, dann eine Flut des Unwillens und der Empörung entstehen wird, der die ganzen famosen Projekte wegfegt. Darum also Hals über Kopf die binnen weniger Stunden dicht vor Pfingsten in der Jiumpfkommission beschlossenen Gesetz­entwürfe durch das Plenum durchpettschen, ehe das Volk zur Besinnung kommt!"

Wie man übrigens in Regierungskreisen über die konservativ- klerikal-polnische Reichsfinanzreform denkt, läßt die letzte Wochen­schau derNordd. Allg. Ztg." erkennen. Tort wird es zunächst als bedenklich bezeichnet, wenn von der Kommission in den Finanz­gesetzentwurf neue materielle Steuervorschriften hineingearbeitet wurden, die mit den Vorschlägen der Regierung nicht zusammen­hängen. Tann fährt das ofsiziöse Blatt fort: Noch schwerer wiegen die sachlichen Bedenken, insbesondere gegen drei der ein­gefügten Steuerprojekte: die Steuer auf Wettpapiere, die Mühlen­umsatzsteuer und der Kohlenausfuhrzoll. In erster Linie ist es die sogenannte Kotierungssteuer, welche für den Handel und die Industrie, wie überhaupt für die gesamte deutsche Volks- wittschaft verhängnisvolle Folgen haben würde. Tie Steuer ist ungerecht, denn sie trifft den Aktionär, auf den sie abgewälzt wird, nicht nach seiner Leistungsfähigkeit; sie verstoßt überdies gegen die anerkannte Notwendigkeit, den gesamten Befttz heranzuziehen, unb enthält einen Eingriff in bie Rechte unb Interessen ber deutschen Einzelstaaten, da sie als Einkommen- oder Vermögens­steuer die diesen zustehenben Einnahmequellen angreift. Ter bem Reich daraus zufließende Gewinn würde in feinem Verhältnis zu der schweren Schädigung des Handels unb ber In­dustrie stehen, bie die unausbleibliche Folge einer derartigen Be­lastung wäre. Nur eine nach ber Lefftungsfähigkett abgeftufte Steuer auf den gesamten Besitz kann den Anforderungen sozialer Gerechtigkeit entsprechen. TieNordd. Allg. Ztg." gibt sodann die Einwendungen der Reichsschatzsekretäre gegen diese Steuer nach dem nunmehr vorliegenden Stenogramm im Wortlaute wieder unb bezeichnet es als durchaus verständlich, wenn die berufenen Organisationen des Handels unb der Industrie sich zu einem Protest zusammengetan hätten, den weder ber Reichstag noch bie oerbünbeten Regierimgen würben unbeachtet lassen bürfen. Auch )urch bie Mühlenumsatzsteuer würbe einem großen blühen­den Gewerbe ein schwerer Nachteil zu gefügt, ohne baß bie Reichs­kasse oder andere Erwerbszweige 9tufcen daraus ziehen mürbes. Ls müßte als ausgeschlossen gelten, daß die großen SRühlen die ihnen auferlegten hohen Staffelsätze würden tragen können; sie oürben aber der kleinen Müllerei fast gar nicht helfen, da diese .um weitaus größten Teil aus Lohnmüllern sich zusammensetze, vährend ihnen durch das Gigenmüllern über die technischen Ur­sachen ihrer teilweisen Schwäche im Wettbewerb nicht hinweg- jebolfen werde. Unter diesen Umständen würden auch bie Erträge für die Reichskasse nicht erheblich sein; vor allem aber roiber- - spreche es ben Grundsätzen steuerlicher Gerechtigkeit, eine Abgabe .inzuführen, die, wenn sie aus den Produzenten liegen bleibt, fsich als eine unverhüllte Sonbergewerbesteuer barstellt, wenn sie Ebgewälzt wird, ein unentbehrliches Nahrungsmittel toeiter ver­neuert.

Die Orientbahn.

9unf) langwierigen schwierigen Verhandlungen hat man nun endlich die Grundlage für ein Uebereinkommen zwischen der Pforte und der Orientbahn gefunden. Erstens: die Pforte zahlt für die ostrumelische Linie 20 Mill. Franken; zweitens: auf Grund des ersten Schiedsspruches zahlt die Pforte 11/2 Mill. Franken und konzediert außerdem der Orientbahn eine Erhöhung des Anteils an den Einnahmen, soweit diese den Betrag von 10 333 Franken überschreiten, von 55 auf 70 Prozent. Bezüglich der Nachricht, daß die Orientbahn eine ottomanische Gesellschaft geworden oder werden wird, ist zu bemerken, daß dies wohl von türkischer Seite angestvebt wird, bezw. vorgesehen ist, daß jedoch etwas Definitives darüber nicht vereinbart worden ist.

Dieselben Erwägungen ließen den Ko hl en au s f u h r zo 11, i erhielt 1907 25 249 Stimmen, wc Ber, leichter als jede andere indirette Steuer auf die Verbraucher Gegner 21 941 Stimmen hatte. «cb gewälzt, der deutschen Industrie den internationalen Wettbewerb bergische Landtagsabgeorbnete für Herrenberg,

Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag 8. Jnni 1 »09

Eichener MMe?

General-Anzeiger für Oberheffen

Frhr. v. d. Goltz.

Wie dieVoss. Ztg." hört, ist der Kaiser geneigt, dem Generalobersten Frhrn. v. d. Goltz auf dessen Bitte im Lause des Sommers zunächst einen kurzen Urlaub nach Konstan­tinopel zu erteilen. Diesen Urlaub will der Generaloberst dazu benutzen, Führung mit den leitenden Persönlichkeiten und mit seinen alten Freunden in der Türkei zu nehmen und sich ein Bild über die Art und den Umfang der ihm zu­fallenden militärischen Aufgaben aus eigener Anschauung zu machen, v. b. Goltz, der in seiner bisherigen Stellung als Kgl. preuß. Generalinspekteur natürlich verbleibt, kommt dadurch einem dringenden Wunsche der türkischen Regierung entgegen.

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