Ausgabe 
4.12.1909 Viertes Blatt
 
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Viertes Blatt

Nr. 285

159. Jahrgang

Samstag 4. Dezember 1909

Eichen« täglich mtt Ausnahme de» Sonntag».

D<e ^Otttzenet LamiltendläNer- werden dem tlnAfiaer* viermal reochenthd) beigelegt, da» *Kret$blati für öe» Kreil Siehen" zweimal E-chentlich Die .Fandwlrlschaftltchev Seit» fragen" etld)einen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Rotanonfbrutf and vertag de» vr üblich« UniDerludtl Brich- and Stemöruderet R. Lange, Dietzen.

Nedaktton. Ervedition und Trurferet: 6dnrf« ftraye ?. Ervedmon und Vertag 6L Redaktion.£ eL-2lbra91nieiger (Ätcfeetb

Und sie dreht und wendet das eine oder bttS andere hin und her, und die 0>ebanken gehen von heute auf aeftem oder morgen. Und es ist doch, wre man sagt, eine der tiainbreffclrt der angeblich! so schweren Erziehungsichre, dem Verständnis den Deg zu ebnen vom Kleinen zürn Groften, von dec Enge in die Werte. Ich habe versucht, diesen Weg zu gehen, und das Spielzeug war mir das Gele tt. Bon ihm selbst habe ich ja nur wenig geredet, ^Zch hätte ja reden können von dem törichten Luxus, den man mit ihm treibt, und der ein Gift ist für die Seele des Kindes. Hätte vielleicht auch soziale Töne bei dieser Gelegenheit onüfilagcn oder mich gar über Kunst und Kunstgewerbc der Neuzeit und seinem Wert für das Kind auslassen können? Nun ich wollte nur reden von dem Spielzeug als Erzieher für uns selbst auch, wie für unsere Buben und Madels.

£amilicit*Kacbricbten.

Geboren. Herrn Schütte in Wetzlar eine Tochter.

Verlobt. Frl. Anna Lny in Wetzlar mit Herrn Richard V,ehl in Lollar. Frl. Anna Rnaf mit Herrn Wilhelm Schmück in Büdingen.

Weit erben. Herr Meter Arnstein m Friedberg. Frau Marie Schütz, geb. Bachmann, in Friedberg. Frau Helene von Hessen, geb Ködert, tn Darmstadt. Iran Eitle Schübel- lntih, geb. Döring, in Lauterbach. Fran Cberiörfter Ellen, beiger, geb. Nagel, in Lauterbach. Herr Gbiiftian DorlaS. Rotz' niüble b. Bonbaben. Herr Heinrich Chli) in Niederkleen. verr Johannes Taub in Ermenrod. Herr Heinrich Scharmann in Frtedbeig. - Herr Ernst Wilhelm Fatzbinder in Büdingen. verr Heinrich Brenzel in Wetzlar. Herr Konrad Gläser in 'Bübingen.

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Das also soll das Spielzeug als Erzieher sein? Jawohl, das und nichts anderes. Vielleicht auch noch mehr. Aber ich

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Bas Spielzeug als Erzieher.

Eine Betr achtu n g vor Weihnachten.

Von Th. Ebner.

ES hat eine Zeit gegeben und cs ist noch gar nicht lange Lj, da warf man mit dem SchlagwortErzieher" nur so [ j sich. Seit Langbehns phantasttschllangatmigem BucheRem- [ lndt als Erziel-er", von dem heute kein Mensch mehr spricht, j <it man förmlich Jagd aus grafte und kleine Menichcn und ^«chehnisse, die man unter dieser Etikette einer literarischen L ;3be ben Zeitgenossen wieder ein bitzchen mundgerecht machen b inte. In Sck^rz und Ernst muftlc zuletzt alles herhalten, was [ vnt in den Weg kam. Und als dieseErzicherperrode" ohne tjt nachhaltige Wirkung überwunden war, besann man sich erst ! nauf, daft man vor lauter Erziehern das Erziehen und die Erstehung vergessen hatte. Und doch stand und steht die Pflicht teilt Tag um Tag vor uns. In Sckmle und HauS, in Buch und . üb, in Wort und Tat. Vielen freilich ein unbequemer und j'fler Mahner. Wenigen nur eine jener kostbaren unb^ heiligen Keruben, an denen unser Leben durch unsere eigene Schuld so

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unterer eigenen Jugend am Spieltisch sitzen und wie ton selbst, aus einem inneren Drang heraus, berichten wir ton dieser Zeit bescheidener und doch so graftet preuben. Und dabei geht eins hinter dem anderen, ein Faden schlingt sich in den anderen, und em Moit formt da5 andere. Um das Spielzeug in unserer Hand legt sich ein leuchtender Schein der Vergangenheit.

Wir können erzählen, wie man dereinst Weihnachten feierte! Können erzählen von der Lebensführung derer, die sie mit uns feierten, von Eltern und Gesinde, sehen wieder vor uns die Stube mit allen ihren Einrichtungen, in der uns der Weih­nachtsbaum strahlte, sehen den Klingelzug an der Wand und das Talglicht mit der Putzschere; sehen den graften Kachelofen' und die Ocllampe aus ihrem Gestell; sehen Vater und Mutter in ihrer altmodischen Tracht und uns selbst im Gewände von einst. Wir beiden ber schweren Wege, die all bie Weihngchtsschachtcln und Weihnachtsbriese machen muft'.en, bis sie in unsere Hände tarnen, und denken alles dessen, auf bas sich damals das Herz der Kinder freute, ton dem Schaukelpferde an bis zu dem graften Bilder­buch m.t seinen wilden Männern und Tieren, ton der billigen Blechtrampete bis zum Struwelpeter. Und dieweil wir davon unseren Kindern berichten, nicht in langatmigen und gefühlvoll- romantiidren Ergüssen, sondern kurz und knapp nur bann und wann, bis die M-eihnacktsherrlichkeiten wieder in Kisten unb Kasten verpackt sinb unb der Tannenduft verschwunden ist, tun wir nicht eine Erziehungsarbeit, wie sie derbrillanteste" Haus­lehrer und dasgewin'enhaf teste" Fräulein nicht besser tun können? Lenken wir die Gedanken unserer Kinder nicht zu dem Quell, aus dem sie sich allzeit frisches Leben schössen können, zu der Vergangenheit, in der die Wurzeln unseres schassens unb Wollens versenkt sind, zur Achtung vor dem Kleinen und An­schaubaren und zur dankbaren Freude an dem, was ihnen bie Gegenwart mit all ihren kleinen und graften Errungensck?asten auf allen nur möglichen Gebieten schenkt? Lehren wir sie nicht Ordnung und Püirttlicksteit im Graften, indem wir die Ordnung lehren am Spieltisch und in der Puppenstube, unb öffnen wir ihnen nicht einen Blick in den Wert und Segen ber Arbeit, intern wir ihnen Vergleiche zeigen zwischen dem, was unsere Kinder­hände hielten, und dem, nach dem bie ihrigen greifen?

Ist cs nicht eine stille und segensreiche Erziehuna zum Schönen und Hohen, wenn wir ihnen einmal das Bilderbuch- von einst neben das von heute legen unb ihnen berichten, daft wir uns an diesenilluminierten" Tafeln unb Heften ebenso ergötzten, nrie sie das tun an den Gestalten unb Bildern, für deren Schäftung sichKünstler" nicht für zu graft halten? Und wenn wir über dies alles mit unseren Kindern plaudern, wie wir mir ihnen reden von den Dingen des Alltags, geht da von einem zum andern nicht ein Strom warmer Freude und innigen Vertrauens, das mächtiger und dauernder ist als alte wohlweisen Reden und tiefsinnigen Ermahnungen? Unsere Knder sehen Tag und Nacht, daß wir mit ihnen uns ergötzen an dem, was die Zeit für sie ersonnen unb errungen, daft wir abhold sind jeher neidischen unb verbitterten Regung darüber, daft unsere eigene Kindheit uns so viel bescheidenere Gaben brachte, unb sie nehmen vom Spiel­tisch fort die Erinnerung daran in die kommenden Jahre. Sie lernen verstehen und achten, was uns freute, lernen begreifen, daft ihnen auch einst die Gegenwart Vergangenheit fern wird rote uns, und daft auch sie das, was sie ihnen bot, nicht werten' müssen nach dem, was neu und graft unb unerwartet vor ihnen steht.

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htjt ist.

Unb nun kommt da einer und will uns vorpredigen von «mtm neuenErzieher" unserer Kinder, vom Spielzeug. 91 di L freilich! Weihnachten ist bod) in ber Nähe! Und so termurbt »cd zerdrückt ton der hastenden Jagd des Daseins find wir ö nicht, daft wir verlernt hätten, wenigstens in dieser fröhlichen £ ften Weihnachtszeit unserer Buben unb Mädels zu gcbcnlcn. Cyr bod}? Es lässt sich zwar kaum ausdenken, aber es gibt i nte, bie behaupten, daft es Eltern gebe, die nicksts wiften willen ton Weihnachtsfreuden unb Weihnachtssorgen für ihre j rber, traydem ihnen die Mittel dnzu in Hülle und Fülle zu [»tot stehen. Die auch bas als widerwärtige Störung ihrer i. lienssührung denen zuschieben, die sie bafür bezahlen, unb auch Ltait zwlsdien sich und ihren Kindern einer Entfremdung Raum elfen, an deren Früchte sie offenbar nickst denken mögen. Zu rtnen reden wir aber auch gar nicht ton unserem Thema: dem kpelzeug als Erzieher. Wir reden davon auch nickst zu denen, K» uns da mit allerlei pädagogischer Schulweisheit in bie Quere k®men und uns damit die Freude daran gründlich verderben rillen. Nur zu denen reden wir, die sich die Liebe zu ihren' Hubern noch nicht in allerlei Kunstregeln schematisieren lieften, Ottern als ihre besten Freunde mit ihnen vor dem Spielzeug it Tisch sitzen, mit ihnen Häuser zusammenwerfen unb Paläste iiftaucn, Schlachten schlagen unb Schienen über ben Fuftboden ,-ttn. bie da leibst wieder Kinder werden und sich freuen an hc Freude ihrer Buben und Mädels. Denen wird unter der :anb das Spielzeug zum Erzieher.

Tann unb wann hören wir vielleicht ent kluges Wort der Erinnerung an die Vergangenheit, da man sich noch mit viel ! '.facherem Spiellram unterhalten mutzte. Wo die Puppen noch olzerne Köpfe trugen unb mit Sägemehl au-gestopft waren. . ) man sich die Puppenstuben noch selbst aus Zigarrenschachteln ii aminenbaute unb mit Erbsen und hölzernen Kanonen nach h.iiten Pappsoldalen schoß. Wo man seine Häuser und Bäume agier wieder aufstellte und man seineArche Noah" mit ihrem ktrfomcn Gerier tagtäglich über ben graften Tisch fahren lieft.

uns ein Hampelmann aus Holz oder Pappe Kostenpunkt |m ober zwei Kreuzer, dessen Glieder an einer Schnur zappelten,

l ebste Spielkamerad war unb wir uns reicher dünkten als schild, wenn die Kasse unseresKaufladens" einenGroschen" gar einenSechser" aufwies. Wo wir doch wozu noch .-

eines dieser Kindheiisereignisse an das andere reihen? wills ja stehen vor uns wie lebendige Bilder, dieweil wir mit | Kinder.

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