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6.4.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 81

Zweites Blatt

189. Jahrgang

Dienstag 6. April 1909

Gießener Anzeiger

Erscheint täglid) mit Ausnahme der Sonntags.

Eeneral-Anzeiger für Oberheßen

Rotationsdruck und Verlag der vrühllch«, UniversitätS - Buch- und Stetndruckerei.

R. Lange, Gießen.

DieGießener $air.iIienblätterM werden dem .Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das ..Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeil- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Drucker«: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Reüaktionr^^KIlL. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen-

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®as Ende unserer heutigen Zoll- und Steuerpolitit

Während man im Deutschen Reichstage noch bemüht ist, die Einnahmen des Deutschen Reiches seinem heutigen Bedarf gemäß um 500 Millionen Mark zu erhöhen, rückt die Gefahr immer näher, daß andere 500 Millionen Mark sicherer Ein­nahmen iviedcr verloren gehen. Mit der überraschend schnellen Entwicklung der Flugtechnik hat der Gedanke der Luftschiff­fahrt immer mehr an Boden gewonnen, und es wird jeden­falls nicht mehr lange dauern, bis das Luftschiff zum all­gemein benutzten Verkehrsmittel geworden sein wird. Was wird aber dann au§ den bisherigen Zollgrenze der Länder und den großen Einnahmen, die durch die Zölle erzielt werden. Die Frage ist ernst genug, um schon jetzt erwogen zu werden, und sie kann unter Umständen schneller aktuelle Bedeutung gewinnen, als es der langsam arbeitenden Gesetz- gebungSmaschine lieb sein wird. In der Oeffentlichkeit ist diese Frage denn auch schon neuerdings mehrfach erörtert worden, aber überall zeigte sich dann eine Verlegenheit und Ratlosigkeit. Eine befriedigende Lösung dieser Zukunstsfrage hat sich bis jetzt nicht gefunden. Einig scheint man sich bis jetzt nur darin zu sein, daß es unmöglich sein würde, die bisherigen Zollschranken aufrecht zu erhalten. Das Lnftschiff fährt über die Landesgrenze mit Leichtigkeit unbemerkt himveg, denn es ist ja doch nicht möglich, kilometerhohe Grenzmauern um die eiuzelnen Länder zu ziehen. Auch Luftzollkreuzer würden versagen; man würde ihrer eine so ungeheure Menge brauchen, daß ihre AnschaffungS- und Unterhaltungskosten die Einnahmen aus den Zöllen ganz bedeutend verringern müßten. Dazu käme eine geradezu inS Ungemessene gehende Vermehrung der Zollbeamten.

Die verschiedenen Landungsversuche des Zeppelinschen Luftschiffes haben in neuerer Zeit ja auch gezeigt, daß das Luftschiff durchaus nicht an bestimmte Landungsplätze ge­bunden ist. Zudem könnten Waren ja auch ohne eigentliche Landung des Luftschiffes ausgeladen werden. Etwa bei Nacht und Nebel und an abgelegenen Orten. Von einer Zollkontrolle kann also in solchen Fällen nicht mehr die Rede sein, und dem Einschmuggeln von ausländischen Handels­produkten wäre Tür und Tor geöffnet. Damit würden sich dann natürlich nicht nur die Zolleinnahmen verringern, sondern auch die indirekten Steuern würden illusorisch, da man ja die im Jnlande hochbesteuerten Artikel durch billigere eingeschmuggelte ausländische Ware ersetzen könnte. Welche Unmenge von Beamten gehörte dazu, um hier auch nur die schlimmsten Ungesetzlichkeiten zu verhüten. Wollte man nun gar jedes einzelne Luftschiff während seiner ganzen Fahrt kontrollieren, angenommen, daß es überhaupt möglich wäre, welche entsetzliche Belästigung ergäbe das für das neue Verkehrsmittel.

Das beste wäre unter diesen Umständen schon, man ließe dann die bisherige Zoll- und Steuerpolitik gänzlich fallen und beschränkte sich auf die allein sichere direkte Besteuerung. Sie hat ja auch den unleugbaren Vorteil, daß sie besser als jede andere Steuer nach der Leistungsfähigkeit bemessen werden könnte. Was die Freihändler der einzelnen Länder einstmals so lange vergeblich gefordert haben, das wäre nun mit einemmale auf dem Wege der natürlichen Entwicklilng zur Wahrheit geworden.

Daß diese neue Entwickelung auch ihre dunklen Schatten­seiten haben wird, wer kann das leugnen. Vor allem würde die deutsche Landwirtschaft unermeßlichen Schaden erleiden, wenn sie sich nicht bei Zeiten auf die kommenden Verhält­nisse vorbereitet. Ob und wie das möglich ist, kann hier

nicht untersucht werden, aber daß unsere deutschen Landwirte diese Dinge nicht aus dem 9(uge verlieren und daß sie der Unerbittlichkeit zukünftiger Kulturentwicklungen gewappnet und vorbereitet entgegen treten möchten, das ist es, was dringend zu wünschen ist Zu bangem Verzagen ist freilich auch noch keine Veranlassung vorhanden. Unser ganzes wirtschaftliches und politisches Leben wird durch die Entwicklung des Luft­verkehrs naturgemäß eine durchgreifende Aenderung erfahren, und wie sich dann alles im Einzelnen gestalten wird, das vermag heute wohl noch niemand zu sagen. E. A.

politische Tagesschau.

Wechselnde Mehrheiten.

Die Finanzreforrn wird durch die Verbreitung der Auf­fassung, daß die einzelnen Vorlagen je nach Lage d.er Sache unter Heranziehung des Zentrums ober der Liberalen ver­abschiedet werden könnten, behindert. Wie das Zentrum denkt, beweist von neuem ein Artiöel derKöln. Votkszstg", in dem es u. a. heißt: Der Kanzler hat den Karren der Reform verfahren: ihn wieder auf ebenen Weg zu bringen, ist seine Sache. Bulow muß bleiben, bis das Blockexperimeut zu Ende geführt ist, so oder so; dann aber muß er gehen. Wir können keinen Mann brauchen, der mit aller­hand Tricks regiert, Pardon: wurstelt, wir brauchen einen geraden, aufrichtigen Staatsmann, wir wollen kein persönliches Regiment des Kanzlers, der zudem nicht mehr das Vertrauen und die Autorität besitzt. Und dabei hofft man immer noch, daß das Zentrum seine feste Position verlassen und als Hilfstruppe des Reichskanzlers ein­schwenken könnte! Wir würden uns mit diesen Wahnvor­stellungen nicht weiter befassen, so bemerkt hierzu dieNetti. Storr.", wenn nicht durch solche Treibereien die Einigung der Liberalen und Konservativen erschwert unL immer von neuem Mißtrauen in die Blockfraktionen getragen würde. Wer wird zu opferwilliger Mitarbeit und zu ftoit&efi tonen auf Kosten seines Programms bereit sein, wenn er nicht wissen kann, ob nicht am nächsten Tage wieder Zentrum Trumpf ist!

Die Volksschullehrer als Schöffen.

Die endgültige Entscheidung über die Hinzuziehung der Volksschullehrer zum Schöfstnamt steht bei' Bundesrat und Reichstag. Tie Willensmeinung des Bundesrats liegt nun imEntwurf eines Gesetzes betreffend Aenderungen des Ge- richtsversasfungsgesetzes" vor, die soeben dem Reichstage zu- aegangen ist. Hier werden die Vvllsschullehrer nicht mehr bet den Lerufsgrupven verzeichnet, die zu dem Amte eines Schöffen (oder Geschworenen) nicht berufen werden sollen. Um falschen Auffassungen zu begegnen, sei übrigens immer von neuem darauf hingewiesen, daß eine Zurücksetzung der Volksschullehrer ursprünglich durch ihre Nichlsch offenbar leit in keiner Weise beabsichtigt war: sie befanden sich in guter Gesellschaft, und auch hinfort werden u a. Minister, Mitglieder der Senate der Freien Hansestädte, Religions­diener und aktive Militärpersouen dem Laienrichtertum ent­zogen fein. Für die Voltsschultehrer hat man aber jetzt ge­nerelle Behinderungsgründe nicht mehr anerkannt, dagegen ihre Mitwirkung an der Rechtsprechung auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt. Im zweiten Absatz vom § 118,4 heißt es nach dem Entwurf:Volksschullehrer sollen nur zu dem Amte eines Schöffen bei den Jugendgerichten berufen wer­den." Man wird diese Aenderungsvorschläge als einen Er­folg der Bestrebungen betrachten können, die im preußischen 2lbgeordnetenhau.se am Abg. Schiffer einen Fürsprecher halten. Es ist von dieser Seite auch immer besonders auf die Geeignetheit der Volksschullehrer zur Teilnahme an den Jugendgerichten hingewiesen worden. Der Zweck des Antrags Schisser ist durch den neuen Gesetzentwurf zum

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großen Teil erfüllt, und über die Einzelheiten wird man sich nun im Reichstag zu unterhalten und zu einigen haben.

Zur Lage auf Samoa

wird amtlich gemeldet: Tie vom Chef des Kreuzerge-- schwaders gemeinsam mit Gouverneur Tr. Sols eingeleiteten Maßnahmen haben nach heute aus Apia eingetroffenen Telegrammen zu dem Erfolge geführt, daß d.ie Rädelsführer der unruhigen Samoaner ohne Anwendung von Gewallmaß- regeln gefangen genommen worden sind. Das gesamte Geschwader wird nunmehr eine Rundfahrt um die Insel vornehmen, von welcher der Gouverneur und der Chef des Kreuzergeschwaders eine Sicherung des wied.erhergestellten Friedens erwarten.

Saatenfianö am April.

Deutsches Reich:

Tie Preisbcrickststelle des Deutschen LandwirtschaftsratS ist in der Lage, melden zu tönnen, daß die schlimmsten Bcsiirchtungen der Landwirte hinsichtlich der Wintersaaten sich jetzt beim Eintritt der ersten Frühlingstage glucklickwrwci.se im allgemeinen als unbegrün - bet erwiesen haben Die Mehrzahl der gleichmäßig über das gesamte Prvduktionsgebiet des Inlandes verteilten Berichterstatter, deren Zahl über 1000 beträgt, hat der Preisberichtstellc Ende März mitgeteilt, daß der Stand der Wintersaaten, selbst auch der spätgefäten, lvidec Erwarten besser ist, als man bisher zu hosfm gewagt hatte. Verhältnismäßig am günstigsten lauten die Berichte aus dem norddeutschen Flachwnde, abgesehen von den lieber- sch-vemmungsg ebieten, während die Berichte au5 bein Südwesteu und Süden Deutschlands nicht so hoffnungsfreudig gestimmt sind. Wenn somit auch das Schlimmste abgeroeitbri zu fein scheint, so ist damit der Stand der Wintersaaten keineswegs allgemein be­friedigend, geschweige denn gut, namentlich die späten Saaten sind infolge der schwierigen Hcrbstvcrhältnisse nach wie vor schwach eiihtridelt, und ausschließlich von der Gunst des Frühlings, be­sonders von dem Fernbleiben der Nachtfröste, wird es abhänaen, ob die Wintersaaten sich gesund und kräftig entwickeln werden, und ob Umpflügungen, die setzt von der Mehrzahl der Bericht erstatter, besonders auch aus der Provinz Sachsen, wider Erwarten nicht oder nur wnrig für erforderlich gehalten werden, doch noch in größerer Ausdehnung statt finden müssen. Bisher wird Nur in Hessen-Nassau unb Der Rheinprvvinz mehrfach mit größeren Umpflügungen gerechnet. Die Vegetation ist, zumal bei dem außergewöhnlich langen Winter zu wenig vorgeschritten, um schon ein sicheres Urteil zu gestatten, waren doch die Saaten zur Zeit der Bericksterstattung an verschiedenen Stellen noch von Schnee eingehüllt oder standen noch unter Wasser. Der auffallend wenig nachteilige Einfluß des strengen Winters auf die Saaten wird darauf zurückgefiU)rt, daß der Boden bei dem wiederholt ringe» treten en Tauwetter fest gefroren blieb, so daß das Wasser nicht eindringen konnte, nno daß bei dem letzten langen Zwo st die Saaten durch eine starke Schneedecke geschützt waren. So wird aus Schlesien berichtet, daß die im Herbst infolge der Trockenheit nicht gcEcmiten Römer stellenweise unter der Schneedecke auf­gegangen feien, und aus Posen wird mitgeteilt, daß im Treib-- hause angestellte Reimoersuche ergeben haben, daß der Roggen, lebenskräftig durch den Winter gekommen ist. Vereinzelt wird sogar darauf hingewiesen, daß die späte Saat gerade wegen ihres unentwickelten Zustandes verhältnismäßig durch den Frost wenigen gelitten habe, als die frühe öaai. Die Frühjahrsbestel­lung ist noch weit im Rückstände, vielfach um 24 Wochen gegen normale Zeiten.

Aus Obe r h essen liegen folgende Berichte vor:

Kreis Alsfeld. Der Stand der Wintersaaten ist sowohl bei Weizen wie bei Roggen ein sehr guter. Die Saaten haben eine ge­nügende Schneedecke.gehabt und weder durch Frost noch duvch Ueberschwernmung gelitten. Der im Icooember gesäte Weizen kommt gut nach und wird hier im Bezirk überhaupt ferne Fläche umgepflügt werden. Die Feldarbeiten sind durch 'den langen iyro)t 14 Tage zurück, doch ist man der Ueberzeugung, das uach-- 1-olen zu können.

Kreis Gießen. Weizen ist in der Entwickelung gleich weck zurück, einerlei, ob im Oktober oder November gesät. Wie wert ein Umpflügen stattfinden muß, läßt sich jetzt noch nicht entscheiden. Die Vegetation ist noch sehr weit zurück. Die jungen Pflänzchen sitzen zum Teil noch fe)t, so daß noch nicht alles verloren ist; die Aussichten sind aber schlechte. An eine Frühjahrsbestellung ist auf ** Mi 'iirurnr' jnxf g-arren*jictct mmi a

^Meines HeuMeton.

Adolf von Sonnenthal f. Sonnenthal, der in Prag ein dreitägiges Gastspiel abhalten wollte, erlitt um 1/38 Uhr nachmittags in seinem Hotel- zimnrer einen Schlaganfall; sein Zustand war sofort überaus ernst und besorgniserregend. Die rechte Körper- hälfte war vollständig gelähmt. Um 8 Uhr abends ist er, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, gestorben.

Adolf v. Sonnenthal war am 21. Dezember 1834 in Pest geboren. D'ie^ plötzliche Verarmung seiner Eltern nötigte ihn, das Schnetderhandwerk zu ergreifen. Der schauspielerische Drang ließ sich jedoch umsoweniger zurück- halten, als er die Bekanntschaft Dawisous machte, der ihm hie ersten Unterweisungen gab. Seine erste Rolle war der Phöbus imGlöckner von Nvtredame", den er 1851 in Temesvar spielte. Die nächsten Jahre führten ihn nach Hermannstadt, Graz und Königsberg, wo er bald der Lieb­ling des Publikums wurde.

Heinrich Laube, der damauge Direktor des Burgkhea- ters, ließ ihn im Mai 1853 probeweise gastspielen und ver­pflichtete ihn schon nach drei Jahren au, Lebenszeit an das Wiener Burgtheater.

Bei seinem 25jährigen Dienstjubiläum als Burg^Schau- spieler wurde er int Jahre 1881 durch Verleihung des Ordens der eisernen Krone in den Adelsstand erhoben. 1884 erhielt er den Titel eines Oberregisseurs, und vom Juni 188/ an 'ibcriiafjm er die Leitung dieser Bühne auf iy2 Jahre.

Sonnenthal hatte die warme Hingebung des Herzens, den bezaubernden Fleiß der Rede uno das Ritterliche der Gesinnung so vollendet in seinen Rollen verkörpert, daß er in seinem Fach einen modernen Stil der Schauspielkunst schuf und vielfach, wenn and) nicht immer mit Glück, nach­geahmt wurde.

Zu seinen besten Rollen zählte außer di^n Nathan noch Wallenstein und König Lear, die er mit bewunderns­werter Meisterschaft spielte.

Eine Ehrung für Constantin Meunier. Tie Stabt Loewen schickt sich an, dem Airdenken des einst in ihren Mauern wirkenden Bildhauers Constantin Meunicr zu huldigen. Zm Monat Mai soll eine Ausstellung eröffnet werden, die alle Werke des Meisters in sich vereinigt. Auch fein berühmtes Teilt- not der Arbeit soll in dem Garten der neu errichteten Hochschule fc Chemie ausgestellt werden, und sich wohl zum erffgynat genau

so zeigen, wie Meunier sich innen Verivelwung gedacht hat. Das Romitcc, das diese höchst bedeutsame Ausstellung, die drei Äionate geöffnet bleibt, vorverritet, wird auch au dem Haus, in dem 'wreupiers bcsc!;rideues Atelier war, eine Gedenktafel anbringen lassen. Durch düse Ehrung holt das künstlerisch gesinnte Belgien nach, was es zu Lebzeiten eines bedeutenden braunes versäumte.

Ibsens M o delle. Im neuesten Hest des März kün­digt Erik Sparte ein bevorstehendes höchst interessantes literarisches Ereignis an. Ein junger norwegischer Schriftsteller will den Nachwe.s erbringen, daß der Ranim-.rherr Aiving in den Gespenstern wirklich gelebt habe, und dabei zu Dem Ergebnis gelangen, daß Ibsen die Wirklichkeit sehr zu unguuften eben -dieses Modells dichterisch umgewandelt Hai. Dieser Aiving der Gespenster soll ein Rittmeister a. D. gewesen sein, namens Aoiker, der in Süd- norwegen em Landgut besaß. Rittmeister Anker war nun ein flotter, lustiger" Lebemann, der fleißig jagte, gern heitere Ge­sellschaft uni sich hatte und rin Freund einer guten Flasche loar, int übrigen aber gar fein Unrecht tat, so daß insbesondere von den Dingen, die in den Gespenstern eine so wesentliche Sw Ile Ipielen, keine Rede jein formt. Er hatte eine Kwifmannstochter geheiratet, und seine Frau geriet in die Hände orthodoxer Pastoren, io daß sich in dem Hause rin pietistisches Treiben mit Andachts­übungen usw. herausbildrie, dem auch die Tienstboteir unter­worfen wurden, wobei der arme Rittmeister schließlich sich kaum mehr rühren durfte. Er galt schon als großer Sünder, wenn er sich einmal selber eine Flasche Wein heraufholte. So wuriw die Ehe allerdings sehr schwierig und dic'e -Schwierigkeit steigerte sich zur vollen Entsiemdung, als der Rittmeister eines Tages sich einen zwar nicht gerade sehr passenden, aber doch im Grunde harmlosen Scherz mit dem Stubenmödd-en erlaubte. Schließlich kam cs zur Scheidung, die in den Gesellschaftskreisen, denen das Ehepaar Anker angchortc, großes Anffehen erregte. Man hat l'chon lange gewußt, daß Ibsen für seine Stücke Modelle und nirklichc Errignifsc benutzt hat, so bei Hedda Gabler und vor allem in Baumeister Someß. Hier wäre also eine neue Spur dieses Verfahrens gefunden, das für uns tveuigstens etwas sehr UnerquidHdycd hat. Der Dichter mag ja Modelle benutzen, und vielleicht die meisten können ohne wiche Niodelle nickst arbeiten, aber sie sollten einerseits in der Weise unigearbeitet werden, daß sie die Lebensähnlicksteit verlieren und anderseits sollten sie nioji entstellt, in ihr Gegenteil verzerrt werden. Es ist ein eigentüm- lidstr und gar ^nickst sympathischer Vorgang in der Seele eines Dichters, wenn er ein fremdes Menschenleben in der Weise be> nutzt, daß er einen Toten oder Lebenden in seinem sittlichen Werte kränkt. Eine feillsiihlige 9catur wird sich gegen ein solä>cs Verfahren sträuben, das dadurck) nickst edler wird, daß es ja un geheimen betrieben und nur durch zufällige Umstände öiolcidjt entdeckt wird. Wenn dazu mich kommt, daß dieser CntsteklunZ des Modells die .Gestatt einer scharfen Gesellschaftskritik vcrr- liehen wüd, ^ohh wirkt biß AUtzeckmig der WahcheiL jchr peinlich.

T as Zeitalter, Alberts und Isabellas. Aus Brüssel wird der V. Z. geschrieben: Tie ursprüngliche Idee des Ministers der )d)öncn Knuste, Baron Descamps-David, der Well- ansstcllung vom Jahre 1910 eine tunlichst vollständige Espositton Rubcnsschen Werke anzugliedcrn, ist nunmehr erivritert worden, um einer glänzenden Ejwche niederländischer Runü rin historisches Älvnurnent zu errichten. Im Jubelpark wird die Regiemngszeü des Erzherzogs Albert und feiner Gemahlin Isabella sechs Monate hindurch auferftcljcn und zwar nickst nuv in Gestalt einer Kunstr- auSucliung, sondern auch durch Veranstaltung von IesUichkeiten, Zeremonien und höfischen Empsänaen, wie sie im 17. Jahr Hunden üblich waren. .Dian wird deshalb nicht nur Werke von Rubens und van Dyck, sondern auch solche von Teniers, Voenius, Suh- dets, den Sehnen de Brueghel, Pourbons und anderen bewundern körnten, und wird hierdurch ein Milieu schaffen, wie es fünit- lerischer und bodenständiger nicht gedacht werden kann. Temi es wird die Hauvtaufgabe der Arranaeure fein, den Stil Alt-Ant­werpens, bekanntlich der klassische Boden der südniederlärwischen KUnst zu wahren. Man wird deshalb neben der naturgetreuen Miniaturbildung des Rnbensschen Wohnhauses die Bücher der itdtbefanntcn Buchdruckereificma Plantin sowie viele Crigüuxl- gobelmö und Dibbel aus der Regierungszeit Alberts und Isabellas bewundern formten, um sich in jene Zeit zurückzuträumcu, die während etwa vier Jahrzehnten die belgischen Provinzen zu einem Tusculum freien und unabhängigen Künstlertums machte.

- Ein wertvoller Luther-Fund. Ein sehr wert­voller Fund ist in dem an der Bitterfeld-Stumsdorf er Neben­bahn gelegenen preußischen Dorfe Ostrau auf dem Boden des Pfarrhauses gemacht worden. Neben Gedenkblätrern, die eigen­händige Aufzeichnungen von Kaspar Grusiger (1542-, Philipp Melcmchthou (ohne Zeitangabe-, Paul Luther (1582), Johannen Ernst Lutlstr (1582) und Johannes Friedrich Lutl>er (1582) ent­halten, finden sich auch Abschristcn einiger Briefe Dr. Martin Luthers. Das Wertvollste aber sind 16 Octginalseiten des Bibel- ükerietzmtgs-Manu'.krtptes mit Teilen aus dem Buche des Pro­pheten Jeremias. Die Schriftstücke beftnden sich im Gewahrsam dcs Kirchenaltesten von Ostrau. >Tas Pfarrdors liegt nicht weit von Wittenberg, was den Fund erklärlich macht.

. Kleo do rlchvon K0 n g 01ien. Ms Derttn erzähll

derB. B.--C. solgende Zeniurgeschickste. In dem etwas loderen Opercltcnkonig Klcodorich von Kongvlien, der ün Theater des Westens m Mi>ch-Vollonders OperetteDer Jockeyklub" tanzt, singt und den Hoi macht, witterte die Zenfur einen Dionarchen, ber mehr m Parts als m seiner ebenfalls Französisch sprechM« i>et^ Kbt. Zuerst verwandelte sie daher Kvngolien

und Dtongolten, dann drang sie daraus, daß der Name Klcodorich seine ^Unsaligshuclylaben weckffelc, uno zuletzt schnitt sie sogar dem Darsteller den langen loergen Volloort ab, den man aus io vielen Witzblättern kennt. Armer König! Ist Mannheim haben sie dich anabmer behandelt.