Ausgabe 
7.9.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 209

Zweites Blatt

Dienstag 7. September 1909

Erscheint tügllch mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gberheffen

be.

Erläuterungen zum Reichsstempelgeseh.

vom

159. Jahrgang

Wir vermuten, daß SpahnS Rede vielen Erörterungen gcgnen wird.

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am" längere dti: lu packten gciuäit idjrinl- Angeboic M« W ....... gfrtlPläftÄ

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniverfttätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

RedattioniS-^ 112. Tel.»Adru AnzeigerGießen.

rretung der Neichscisenbahnvertoaltung dort übernehmen. Men technisd-en Dezernenten der 6km craü>irtftion und der ®ctncbd- inspeklion werden mittlere technische Beamte zur Unterstützung zugewiesen. Die Vercinsachung im Bureau wesen ermöglicht cs, die Zahl der vorhandenen Betriebs kontrvllen um 3 zu crnuiühicn und außerdem eine erhebliche Anzahl von Stellen ber nicht- teämisch^n Sekretäre und Assistenten entgehen zu lassen. Tie hier­durch erzielten Ersparnisse belaufen sich auf runb öO 000 Mk."

Viel weniger angenehm sind die Hotclverhälknisse, um nrich einmal recht euphemistisch auszudrücken. Auf ben Pserdestationen einen japanischen Raum mit ein paar Decken zum Schlafen, das ist so ziemlich alles. Wenn man mit genügend eigenen Vorräten reist, kann man das, übrigens durchweg gleichmäßig gute, wenn auch der Europäerzunge wenig mundende, japanische Essen wenigstens mitverwerten. Am wenigsten erfreulich ist, daß man nte allein schläft, sondern mit allerlei kriechendem und hüpfendem Getier sein kärgliches Lager leckt. .Darin leistet der Hokkaido Erstaunliches, und dieses Getier ist leider viel, tveniger europäer- feindlich und unfreundlich, als em großer Teil der Bewohner. Es schmiegt sich an und schließt, für den andern Deck unangenehme Bekanntschaften. Liber es isr fast das einzige Getier, das man im Hokkaido trifft. Hirsche und Bären gibt es in den Bergen, aber sie sind scheu und nicht zu sehen. Nur im Winter, toemt sie der Schnee tiefer treibt, können sie geschossen werden. Aber sonst gibt cs so ziemlich nichts. In den II Dagen sah ich außer einem Stein Huhn und ganz wenigen Singvögeln nichts, reim nichts, trotz der Riesemoälder in ihrem stillen Frieden, der aus-

Di« ^Oietzrner Famlltendlätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Krebblatt für txn Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Dierandwtrlschastlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Zn der Befreiungsvorschrift deS Reichsstempelgesetzes 15. Juli 1909, wonach dieGewinnantctlschein- und Z i n s- bogen, die vor Inkrafttreten des Gesetzes ausgegeben und von der Steuer befreit sind, erließ der Bundesrat eine Bestimmung,

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gesetzbuch, vielleicht auch ein neues Seeunfall- und ein Kur- pfuschereigesetz. In Verfassungsfragen halten wir fest an der Reichsverfassung als der Hausordnung des deutschen Volkes. Mit Stolz dürfen wir jetzt wie immer die Fluge Einordnung aller Parteimitglieder in das große Ganze, ihren, ich möchte sagen, freudigen Gehorsam, ihr herzliches Vertrauen zur Frak­tion beobachten, wie es für das Blühen und Gedeihen einer so großen und starken Partei unerläßlich ist. Ich habe einmal der Berechtigung der Geistlichen zur Betätigung in d e m politischen Leben und ihrer Pflicht dazu sowie meiner Wertschätzung für dieje Betätigung Ausdruck gegeben. Ich foerbe von Ihnen nicht mißverstanden werden, wenn ich bemerke, daß der Satz, daß bei Versagen der Hilfe der Geistlichen im Wahl­kampfe die Fraktion zerschmettert sei, eine Unterschätzung der Laien enthält.

Der letzte Satz enthält ein bemerkenswertes Geständnis. Nämlich daß die Geistlichen bei Wahlagitationen starke Hilfe leisten, wodurch die Religion mit der Politik verquickt wird.

Die Reife der Reid)stagsabgeoröneten.

Bekanntlich wollen die deutschen Volksvertreter, die in Friedrichshafen hoffentlich nicht mir zum Vergnügen geweilt, sondern chre Eindrücke durch Bewilligung neuer Luftschiffe -für das Reich auch nutzbar machen werden, an die Besichti­gung von Zeppelins Ballon noch eine weitere Informa­tionsreise knüpfen. Eine auf 60 Herren zusammengeschmol- yeue Abteilung war gestern in Ulm:

Ulm, 6. Sept. Der Einladung der hiesigen Stadt­verwaltung zum Besuche der Stadt Ulm waren 6 0 R e i ch s- lagsabgeo rdnete gefolgt. 3)tit dem Direktor des Ueichstags, Geheimrat Jungheim, kamen die Abgeord- neteu heute vormittag hier an und wurden vom Ober» Lrügerm erster v. Wagner und den bürgerlichen Kollegien mn Bahnhofe empfangen. Auf der Fahrt durch die Stadt Vurden die Hauptsehenswürdigkeiten besichtigt. Hierauf folgte ein von der Stadt gegebenes Mittagsmahl zu 110 Gedecken.

Bei dem Mahl hieß der Oberbürgermeister die Gaste «mrens der Stadtverwaltung und Bürgerschaft herzlichst Willkommen. Abg. Bassermann dankte namens der Gäste und bezeichnete den Besuch in Friedrichshafen als den Höhepunkt der schönen Fal)rt durch die deutschen Lande und rühmte dann den Wohlstand und den Kunstsinn der reichsdeutschen Stadt Ulm, sowie die für ganz Deutschland vorbildliche Boden- und Wohnungspolitik der heutigen Stadtverwaltung und schloß mit einem Hoch auf dir Stadt und die Bürgerschaft. Die Abgeordneten reisen frvfr» abend wieder von hier ab.

politische Tagesschau.

Eine Programmrede Peter SpahnS.

Welchen KurS da« Zentrum nach dem Schellern des Blockes nehmen will, deutete der Abg. Oberlandesgerichts- Präsident Spahn an in einer großen Rede, die er am Sonntag in einer ZentrumLoersammlung zu Rheinbach hielt. Bei dec ausschlaggebenden Stellung, die Spahn in seiner Partei ein- nimmt, sind seine Ausführungen von doppeltem Interesse. Es geht daraus hervor, daß das Zentrum unter dem neuen Kanzler vorsichtig abwarten will und Herr Spahn seinen be­rühmten Zylinder nicht eher wieder zu ergreifen gedcnlt, als bis er gerufen wird. Spahn spricht sehr stolz und selbst­bewußt von der Stärke der Zentrumspartei. Er sagte nach einem Bericht der ,$L Vztg.":

Wenn der Ruf erhoben wird, zurück zu Windthorst, so muß auf das entschiedenste betont roeroen, daß ein Zurück in Fragen des Programms nicht in Frage kommen kann, weil wir uns in diesem von Windthorst nicht entfernt haben, weder in politischen, noch in wirtschaftlichen, noch in religiösen Dingen. Wenn gar von Strebertum, vom Linsenmus eines kaiserlichen Händedrucks gesprochen wirb, so muß auch die Fraktion von heute das Schorlemersche Wort für sich in Anspruch nehmen: Nachdem man einerseits von den wahrhaft konservativen unb anderseits von wahrhaft liberalen Grundsätzen abgewichen ist, erstreben wir beides in richtiger Weise; nur eines erstreben wir nicht: wir sind niemals servck." Unser Programm ist un­verändert. Veränderlich ist unsere Taktik, sie muß den Um­ständen angepaßt werden. Das Schick unserer Partei steuern wir scibständig mit ruhiger Hand in allen Stürmen, die uns um­toben. Wir wahren und unsere Freiheit gegenüber den kon­servativen und liberalen Pari ei en sowie gegenüber Der Regierungspolitik. Der neue Reichskanzler war bereits 1906 als solcher m Frage gekommen. Als Blockmiuistcr war er in Den Reichsdienst getreten. Beim Reichsvereinsgesetz waren wir sein unterlegener Gegner. Das ist für unsere Beurteilung der politischen Slluation nicht maßgebend. Wir kommen ihm ohne Mißtrauen entgegen. Wir haben gelernt, die Bedeutung der Einzelperson für unsere geschichtliche Entwickelung ruhig ein» zuschatzen. Die neuen Staatssekretäre sind uns bekannt. Die Pflicht zwingt uns zu nimmer rastender Mitarbeit mit ihnen. Kommen wird die Rerchsversicherungsorbnung, deren Entwurf eine Verstärkung des Beamtenelemcntcs vorgesehen hat, die Wecker­beratung der Gewerbeordnungsnovelle, Arbeckslammer- unb vckfs- lassengcsctz, Strafprozeßordnung und die Novelle zum Straf-

vriese aus Japan.

Von Dr. Fritz Wertheimer.

V. Der Hokkaido. ,

Muro ran, 10. August.

Der Hokkaido" oder dernördliche SeekreiS" war lange Seit ein Stiefkind Japans^ In kaum sechs Scanden mit bem Dampfer über die ruhige Tsugarustraße zu erreichen und trotz- tem eigentlich bis zur Restauration int Jahre 18öb so aut tote mnbetaimt. Das ist ein Widerspruch, der schwer zu la>en ist. Mer es ist Tatsadfe, daß Vezo (so hieß die onfet früher) zwar schon in frühester Zell bekannt Mr und daß man verschieden fta end) Kolonisationsverfuche machte, daß aber alle diese Versuche fehlschlugeu und das Interesse un Jpauptlanfcjur Die &>tome Tedit gering war. Rian mutz damit die heutig«- ~age öt X) kaido, was in ihm schon getan worden ist und vor allem ferne Envvickelungsmöglichkecken vergleichen, um zu erlernten, wie grop der Fehler der Vernachlässigung war. st-enn der. ^^aido ist ein von der Natur geradezu Verschwendern ch ausgestattetev ~ttnb mit ausgezeichnetem Boden für Landtoirtsmck rzugliche n

Lüsten für die Fischerei, mit unermeßlich grofeais->ern unb reichen Badens elsätzen an Kohle und Cnsen, ^, imt heißen ^mellen auch unb Schwefelbädern von großer Heilkraft. Dazu kommt ein ausgedehntes System von Flußläusen, man zahlt allem loü Msse vemje üb^-r 25 englischen Mecken Lange und das Vor- -aubenseiti von einigen ganz guten Hasen.

Allerdings ist der Hokkaido nur ein Sommerland. Im Winttr xbaft ihn fünf Monate lang 68 putz hoch 'der jl)iice und eine Häsen find meist vereist. Weim man bie Gtwllntze

nn Juli und August erlebt, begreift man, bau dem ^mner idjtoer fällt, sich vier oben anzusiedeln, da er doch fem milderes .'Ltima vom Hauptland gewohnt ilt und ungern verlaß. -- 'ft wohl mit die Ursache, >Deshalb der ^kkatdo y«Ue nur ctw über eine Million Elltwohner hat, wahrend achtsache Zahl ernähren tonnte. Erst die Not -.U bl 2^*0^ aus Kolomsieren verwiesen, zum -peil der Zwang, neu 5 *ür die wachsende Bevöllerung zu sittdeii, zum P

an Geld unb der Wunsch, sich solcyes durch die ju-Rijng der üodeiischätze zu schaffen. <oo datiert die ganze Entwickel g Hokkaido erst eigentlich aus den letzten zloatlztg '

i)at man sich am inteiyivsten mit ihm nna, dem ru'utcl,- , o befaßt. £>cmc bietet er ein iucere^aittes '-oild pme» aasMM Landes. Ein verhältnismäßig großes Bahmietz von a.i bU' << üjcheu Mocken in schon erstanden, iciber, roeuu auta naturn^,

Eine österreichische Mahnung an England.

Das offiziöse Wiener Fremdenblatt bat in der letzten Zell bekanntlich besonbers lebhaft sich mit England über die beiderseitigen Beziehuiugen auseinandergesetzt, und mehrmals fiel der schroffe Ton des Wiener Blattes auf. Oesterreich hat Englands Verl-alten in der bosnischen Sache eben noch nicht vergessen, rmb es saßt sich an der Selle des Italien deutschen Bundesgenossen den Mut, den Engländern unverblümte Vorhaltungen zu machen. Diese Auseinauderse^ingen illustrieren baß nicht ganz l-erzliche Eno- vernehmen -wischen König (Qniarb und Kaiser Franz Josef, wie es bei dem Besuch König Eduards auf österreichischem Boden in die Erscheinung getreten ist.

Wien, 6. Sept. In Besprechung ber jüngsten Artikel der englischen Presse über die Beziel-imgen zwischen Cefterreidf* Ungarn und England spricht dasFrembeublatt" seine Besriedigung über den konzilianten Ton der Aussührungen auß und sagt: Dem erneuten Wunsch, daß die Beziehungen zwisä-en Oesterreich- Ungarn und Englaub wieder auf den alten Grad des Ver­trauens und der Freundschafllichkeit gebracht werden mögen, antwortet hierzulande ein sympathisches Eck-o. Wenn, an die Tiroler Jahrhundert feier anknüpfend, der Stolz auf die Ver­gangenhell und das wiedererwachte Vertrauen tu die Zukunft als die psychologische» Wurzeln unserer durch die Anarchien ein­geleiteten neueren Politik bloßgelcgt werden, freuen wir uns eines solchen wachsenden Verstündnisseß für das untere Leben unserer P Monarchie. Nur an die Versuche, den Umfang unb die Selbständigkeit unserer Pvlllik -u desinieren, wollen wir einige Bemerkungen knüpfen. Internationale Beziehungen Eoiuicr nur aufstrengprinzipiellerGegenseitigkeit beruhen. Wir haben nick-ts dagegen ellizuwenden, daß England seine ientere Haltung und gegenüber von dem ckidividuellen Charakter unserer Politik abhängig mack-t, der in der Tat der hierfür allein zu- lässige Alaßstab ist. Dasselbe Recht beanspruchen aber selbstver­ständlich auch wir für und. Audi wir werden unfer Verhältnis zu England lediglich danach beurteilen und entrichten, ob die eng­lische Polllik eine cittgegenlbnuncnbe und eine konziliante ist, kurz, eine auf ein Einvernehmen abzielende Haltung ein- nel-men, oder aber, wie dies in der Dmexioiißkrise der Fall war, Rücksichten walten lassen wird, die sich in nur losem Zusammen­hang mit den auf uns bezüglichen Traditionen und den bis­herigen Prinzipien der englischen Politik befinden.

Heer rrn- Flotte.

Wie das Mlitänvochenblatt meldet, ist Prinz Hein­rich von Preußen zum Großadmiral und General» Inspekteur der ALarine ernannt, in ber Armee zum General­oberst mit dem Range als Generalfcldmarschall befördert worden. Ferner wurden folgende Aenderungen in den höheren Kommandostellen ber Ptarine belanntgegeben: Vize­admiral b. Holzendorsf zum Ches der .Hochseeflotte, Adiniral b. Fischel zum Ehef des Admiralstabes der Ma­rine, Mmiral Gras Baud iss in zum Ehes der Nordsee­station, Kontreadmiral Pohl zum Chef des ersten Ge­schwaders, Kontreadmiral Jacobsen zum Inspekteur der Schiffartillerie ernannt. Kontreadmiral b. Krosigk wurde in das Marinekabinett kommandiert.

Der neue Chef der Hochseeflotte, Henning von Holtzenborff, gehört der Marine feit 1869 an, er wurde 1873 Leutnant zur See, 1877 Oberleutnant z. S. und acht Jahre darauf Kapitänleutnant. 1891 zum Korvettenkapitän betört)ert, fand er bald beim Stabe des Marinegeschwaders Ver­wendung. Dann führte er in Ostasien den LireurerPrinzeß Wilhelm", deren Besatzung zusammen mit jener vom Flagg­schissKaiser" und vorn kleinen KreuzerCormoran" am 14. No­vember 1897 die Kiaickschou-Bucht für Deutschland in Besitz nahm. Auch später führte den mlltlerwecke. zum Kapitän z. S. Beförderten fein Beruf wiederholt nach den ostasiatischen Ge­wässern. Er ging im Jahre 1900 dorthin als Kommandant des LinienschifsesKurfürst Friedrich Wilhelm" und zum dritten Male 1903 als 2. Admiral des Kreuzergeschwaders. 1904 er­folgte seine Besörderung zum Konteradmiral. Zwischen diesen besagen, aber eine zielbewußte Kolvnialpolllit muß über die nächsten Jahrzehnte hinweg in die Zukunft sehen. Allzu ziel- bewußt scheint aber das Vordringen nicht zu sein. Eine gründ­liche und systematische Kolonisatwn verlangt zunächst gut aus­gebaute und bequeme Verkehrswege. Die kennt der Hokkaido iwch nicht. Es ist geradezu erstaunlich, wie man mit diesen Psaden unb einer solch lebensgefährlichen Ueberbrücfung ber zahl­reichem Bäche aus kommt. Freilich der Verkehr im Innern ist auch noch entsprechend gering. Im nordöstlichen Teil ber Insel trifft man kaum einen Reiter am Tag und üt den meisten Dörfern und Niederlassungen bestaunte man in mir Den ersten Europäer, der seit vielen Jahren Den Ritt wagte, unb besonbers oie junge Generation, die sich hier wie im Hauptland Japan in einer ganz beängstigenden Fülle findet, sah hier »oohl überhaupt Den ersten Weißen. Dabei ist Das Reisen nicht einmal so schtver. Die großen Wiesen und Brachländer des Hokkaido begünstigen in hohem fNaße die Pferdezucht unb so bekommt man überall reichlich Pferbe, Die nicht allzu teuer sind, bis zur nächsten größeren 'Sterbeitation, und es hat sich sogar manchmal so eine Art Relais­system hermisgebckdet. Freckich das Pserdematerial ist alles andere als gut. Auch hier wird Raubbau in übelster Form getrieben. Stuten mit ganz jungen Fohlen sieht man schon wieder tragend, unb das Zuchtmaterial von Hengsten bunt durcheinander gewürfelt unb schlecht. Trotzdem muß man sagen, daß Die Pferde ziemlich -äh und ausdauernd sind, unb daß sie vor allem auf den schlechten

daß die Steuer auch dann zu entrichten fei, wenn die Aktten- gesellschaften keine Getoinuantecksd-eine ausgeben unb daher die Steuer nicht nur einmal, sondern auf zehnjährige Zeiträume berechnet, wiederholt entrichtet werden muß.

Zu der Bestimmung gibt dieNordd. Allg. Ztg." eine Er­läuterung, die sich zunächst gegen die Auslegung von Professor Dr. Laband-Straßburg wendet, wonach dem durchaus etnöeutjgen Wortlaut der Vorschrift zufolge die Befteiung für die Gewinn» miteckschein- unb Zmsbog^n, die vor Inkrafttreten der Vor­schriften außgegeben wurden, allgemein unb ohne alle Modalitäten zu verstehen ist. DieNordd. Allg. Ztg." sagt: Wenn der Zweck beß Gesetzes in seinem Wortlaut nicht ausdrücklich genannt sei, liege hier nicht ein unrichtiger, sondern ein unnoUftänbiger Aus­druck vor, dessen Bedeutung mir aus seinem Zusammenhänge mll dem Rechtsganzen, baß jedes Steuergesetz dar stelle, zu ersorschen sei. Weld-en steuerlichen Zweck das Gesetz mit der Zinsbogen- steuer verfolgt habe, sei flar. Es habe damit der in Ättien und in für ben Handelsverkehr bestimmten Schuldverschreibungm angelegte Kapitalbesitz getroffen werden lollen. Ist aber, so heißt es wecket, die Tatsache des Kapitalbesitzes, nidjt die Ausgabe von Ge-vimiantecksd-cinen der Zinsbogen, Das Wesentliche für Die Steuuerpflicht, so muß nach Absicht des Gesetzgebers nud) Der vor Dem Inkrafttreten angelegte Kapitalbesitz gmnDsätzlich von der Steuer mitbetrofsen werden. Eine sinngemäße Einschränkung Der Befteiungsvorscyrist kann nur dahin gehen, baß allein die Zinsbogen besrell sind, welche vor Inkrafttreten des Gesetzes nach Dem in Deutschlanb geschäftsüblichen Verfahren außgegeben waren. Ta die Zinsbogeiisteuer aber nichts weiter ist als eine Wieder­holung des Emissionsstempels, so ecgiot sich, daß die Zahlungs- periodeii in Der anschließenden ununterbrochenen Folge ber ersten Ausgabe der Papiere anzurechnen sllid und Daß die Befreiungs­vorschrist nur dort Anwcnbimg finden Emen, wo es sich um regel­mäßige, von der Ausgabe Der Wertpapiere an beginnende Zell­abschnitte hanbelt inib eüi neuer Bogen erst außgegeben wird, wenn der alte aögelausen ist.

Sparsamkeit in der Eisenbahnverwaltung.

Während die allgemeine Vertoaltungsresorm in Preußen nod) üt besonderen Ausschüssen vorbereitet wird, scheint man in der Reichseiseiivahnberwaltung schon sest zugreisen zu wollen. Ueber die urll Beginn Des nächsten Äionats in Der Verwaltung Der Reichs- eisenbahiien ein tretende wichtigen Aenderungen schreibt mau Der "b*Tie Stellen von 11 Eisenbahiiüetriebsdirektvren, sowie 3 Bau- unb Betriebsinspektoren und ber Vorstände ber Tele- grapheu-Jnfpettion, ber JtonftruPiiondabteilung uub des maschinen- lechmsd-en Bureaus loerben aufgehoben. Dies wird dadurch er­reicht, daß die bei der Gcneraldircttion bestel-enden 7 Betriebs- bireüionen unb 4 technischen Bureaus eingchen. Die Dienst- uerrid)tungcn biefet Abteilungen gehen teils auf Die General­birektion, teils auf die BetriebsinspeküoN über. Hierzu erhalt die Generaldirektion zwei neue Abteilungen, während Die Zahl ihrer Mitglieder von 19 auf 26 erweitert wird. An Stelle des in Fortfall kommenden Elsenbahnbetricbsdirektors in Olden­burg wird ui Zukunft ein Mitglied ber Generaldirektion Die Ver-

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in der japanisd-cn Sd-malspur unb eingeleijig, unb cuie grofee Ausdehnung des Netzes über Die ganze Insel ist geplant. Erst wenn Die Bahn ganz audgebaut sein werb, kann bas 2anb richtig ausgenutzt werden, kann der kolonisierende Bauer langsam Vor­dringen. Heute beschränkt sich der Bau Des Bodens so zienckid- aus die Täler, Die Die Eisenbahn burchsährt, aus ganz locnige Seitentäler unb Strecken an Der Küste. Verläßt man aber Die Bahn und bringt ins Innere, so findet man ungeheure Urwälder, durch 'die mir schlechte Reitpf ade führen unb in denen selten entlang einer Telegraphenleitung vielleicht Der Anbau versucht ivorden ist. Elli merfroürbigeß Bild, Dieses Neulan). Ta das Gelb sür Das Hanbtocrlszeug fehlt, mangelt es an Instrumenten, die Wurzeln unD Stöcke, Der Bäume aus Den Feldern zu entfernen. So haut uni) sägt man nur Die Stämme ab und läßt Die stumpfe im BoDen, um ringsl-erurn Das LanD zu bebauen. Schön sehen diese FelDer nicht aus unD sie sind in dieser Art Der Bewirt­schaftung auch nur möglich, weil Der Japaner ohne Zugtier unD fast ohne Ackermajchine FelDarbell treibt. Zudem mindert dad natürüd) die Gröge der FelDer unb Den Ertrag. Leiber aber wirb eben infolge Dieses Geldmangels auch mit dem Holze ein Raubbau getrieben, der den Reinertrag schmälert.

Will man ein Feld hier anlegen, so brennt man zuerst das Unkraut nieder. Dann brennt man zumeist auch dre Bäume an, anstatt sic umzulegen und zu verwerten unb fährt mit dreier Arbeit fort, bis eben nur noch Stümpfe stehen. Manchmal kommt dann ein Sturm und treibt das Feuer von der zu rodenden, Stelle ioeg und facht es zu riefigen Waldbränden an, die sich Ixinn nicht mir üt ber Ebene halten (nxo sie ja nach japanifcher Kolonisationsmanier mtr Rutzen stiften würden-, lonberu nutzlos unb Schaden bringenb ganze Berge glatt rasieren und groxe Waldbefiände varmd'ten. Oft milch fliegen Die Funken zu den Stroy- und Schckshütieii der Bauern und eine unverhältnismäßig qroße Zahl von Wohi'.hütten fällt Diesem Raubbau zum Opfer. Plan hat ja Holz in Menge im 5>oktaiDo unD eine ber größten JuDustricn ist hier ja Der Betrieb der Sägemühlen und der Export der Holzbretter unb Holzschw^len für den Eisenbahnbau, aber wenn man das Smtbinnere durchstreift, so l-al man doch den Eindruck, daß auch hier mir verbraucht, mast genügend für die Zukunft gesorgt wird. Ich habe jetzt 14 Tage zu Pferde das Imiere des Landes bereist und gmiz ungeheure Meiigen ge- icbLagenen Holzes, gejagter Balten und Bretter, arbmenoer sage- uiü^en mit Hand- unb Maschinenbetrieb gesehen, aber mcht ein e nziges Mal traf ich eure oröemliche Aufforstung, eine aut migeiegie und gut geieüeie Baumschule. Das imll ja bei dem Holzrestlstuiu. Lmibes für die nächsten paar »iMS

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