Freitag 8. Jammr 1909
1S9. Jahrgang
Die heutige Nummer umfatzt 10 Selten.
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huirgcn am Zahrerwechfel.
Hungen, ün Januar.
Während bis vor wenigen Jahren in unserem Städtchen sich auf allen Gebieten em Stillstand oder doch Launt ein Fortschritt bemerlbar machte, herrscht jetzt überall ein neuer Um- und Aufschwung. Schon wenn man um Bahnhof etn- trifft und seine jetzige Ausdehnung mu der vor fünf Jahren vergleicht, bcmerit man die großen Veränderungen. 2le Gleisanlagen und der Bahnkörper sind sehr erweitert, neue Stellwerie und Maschinenhallen sind erbaut und Personenunterführungen hergestellt worden. Nur das alte enge Bahnhofsgebäude erinnert noch an frühere Zeiten. Es wird bald einem geräumigeren, stattlichen Neubau Platz machen müssen. Verläßt man den Bahnhof, so sieht man gleich an der Langsdorfer Straße das neue Stadtviertel, das innerhalb zweier Jahre entstanden ist. Ein überaus günstiges Baugelände, das nach Süden sanft ansteigt, breitet sich hier im Westen der Stadt aus. Prachtvolle Gebäude in schmuckem Baustil erheben sich dort. Die Villa des Bürgermeisters Fendt macht einen stattlichen Eindruck. Daneben verdienen Erwähnung das Steuertommissariat, das Kreisvermcffungs- amt und die Billa von Dr. Wagner. Weiter oben erhebt sich die seit Sommer vollendete katholische Kapelle und daneben die im Bau befindliche Villa Seibert. Auch der Gemeinnützige Bauverein hat hier zwei niedliche .Häuser erbaut und weitere Bauplätze erworben. Tas Gelände ist bereits zu Bauplätzen eingeteill. Besonders ist heroorzu- heben, daß die Straßen zum Teil schon gebaut sind, obwohL auf den Bauplätzen erst in den nächsten Jahren sich Neubauten erheben werden. Das gesamte Bauterrain i)t nach seiner Lage und anderen günstigen Verhältnissen besonders für die Weiterentwickelung der Stadt geeignet. Sowohl Wasserleitung, als auch Kanalisation lassen sich mit geringer
Anarchie in Persien. _
Wie es scheint, ist n o.» Schahs, der sich bald
für, baiD gegen das Parlament ausipraa), schalo daran, batz die Revolution üvn zu ^ag stegrc.ä-er gewmoen ift. Die letzten 'jJceu)uiujCH auä Jfpal-an berichten, daß die Revolutionäre auf der ganzen Linie iiegteid) jnü). Die revolutionären Behörden wigen jur die Aufrechterl-attung der Ordnung. Sie verfügen über 40ÜUO iiJiaitn gut bciuaunetcr Soldaten. Tie Regierung rüstet eine Expedition aus, tue gegen Jipahan uuforemen soll. Man bd-, tuLiyu! die Ausbreitung der auirührerischen Bewegung. In Peteis^urg ist eine Anordnung der konstilutionetlen Partei eur- gctioiien, um die russtsche Regierung üuer den anarchiichen ^u* band in Persten aufzu klären, und dieselbe zu oeranlaj.en, gemein? Idjüitiid) mit Engmnd zu intervenieren.
politifdpc Sagesjchc»«.
Zur sächsischen Wahlrechtsreform.
Der Wahlrechtsreform tn Sachien will man jetzt das Plnral- walstrecht zu Grunde legen. In der ersten Tepmalion iWabst rechlsdepntalwn) der Ersten Kammer, der wiederum eine längere Besprechung mit dem Präsidium und den Fretsinns'ührern der Zweiten Kummer vorausgegangen war, wurde eine grundsätzliche Einigung darüber erzielt, daß daS P l u r a l w a b l - recht der Rewrm zu Grunde zu legen sei. TieS soll gejcheben unter Vermeidung schrosser Gegenjätze in der Zuleitung occ Zu- atzsummen und dementsprechend tn einer mäßigen Abstumng bei- jelben sowie in einer gerechien Berücksichlignng der Lebensstellung der Wähler. Äiaßgebend Nir oieZusatzitimmen ist die Setbiiändig- feit (Wahlrecht zur Gcwerbelammer oder zum Landestntinirakf, Aniäjsigkeit, feste Ansieltuug, Einkommen unD Alter. Tie höchste Zahl der Zusatzslimmen ist auf drei festgesetzt. Tie Veimehrung der Wahlkreise soll Dadurch criolgen, da» den drei großen etäbten je zwei neue Wahlkreise zugeteill werden und dag ans sechs be- onders großen und stark bevölkerten ländlichen Wahltreijen nenn jebilbet werden. Von der Enuührung der Verhäliniswanl soll abgesehen werden, dagegen ist eine regelmäßige Fntegralerneuerung der Kummec nach Einführung des neuen Wahlrechts beschlossen worden.
Etfenbahnwlinsche.
Eine Deputation des Verbundes oer reisenden Karlsteute Deutsch- lands hat iceben dem preußischen Eiienbahmnnilster eine Rewe Wünsche umerbreuet. Diese gipfelten in einer Verbesjeimig des Gepäckiaxl'S, der auf dem Grimdiatze: 10 Kilometer und 10 Kilogramm — 2 Plg. mit gerechierer' Ltasjelung au-geburst toeiDcn soll, damit den reisenden Hiuiflenien un vlahverkehr nicht eine jo erhebliche Verteuerung verursacht wird. Ferner m dem Wunsche, daß Älulterkosfer gegen eure eutiprciiienbe Legstmtation oime vorherige Lösnng einer Fahrkarte arligegeven werden lönnen, daß das Gepäck bei nrehrcren Wegen zrim Reiseziel auf dem kürzeren Wege unbeschadet des Weges der Fahrlarte gehen kann, dag den Ptr»ster- (oft ex n eine fürsorglichere Behandlung zrueil loiiö, daß Fahrkarten der Reisenden auch au» eine andere Rorlle umgeschrleben werden können, ivenn bieie fiel) für beit Reisenden oorlellhaiter erweist, ohne daß eine erheblich größere EnUernrmg in Frage kommt, daß beun lieber dang der Fahri m eine höhere Klasse allgemein nur eine halbe Fahrkarte der Klasse zir entnehmen ist, ans der man übergeht, daß die Llasselung der SchirellzngSzrischläge eine bessere wird und dag diese Zuschläge nur am v°Züge beschraulr werden, und Mil der Fahrkaxleiisteuer ein Ende gemacht wird. Der 'JHi- ntfier Hörle bie Deputation an und äußerle sich dahin: An emo Abänderung des Gepäcktarxses sei nicht zu denken. Er bringe allerdings dem reisenden Kanimann im Vlahvcxkehr Härten, die aber in Kau' genommen werden müßten, da un übrigen große Vorteile geboten würden. Alle übrigen Wünsche versprach er prü'en zu lassen und stellte bei einigen (Sc- pad über den kürzeren Weg, Aufgabe der Viusterkofser ohne ^ahr- tarle, Wahl der Route und Abänderung derselben am der Fahr- karte) deren Er'üllimg in Aussicht. Hu,sichtlich der Fahrkariensteucr meinte er, die reisenden Kaufleute möchten nm damr sorgen, daß die Sleuervorlage angenommen werde, dann fiele bie Fahr- Carlen ft euer von selbst.
Gewaltige Arbeiter-Tumulte auf der Ferdinand-Grube m Katloiv > tz erregen in ganz Ober- Ichiesien das größte Aiifsehen. Die Ernbcnverwaltimg halte un vergangenen Monat viele Arbeiter entlüften und an ihrer eleUe arbeitslose Hafeirarbelter anö Stettin eingestellt. Diese Hafenarbeiter gaben nun ihrer Unznfriedenheit mit den angeblich schlechten Wohn- uiib Lebens-Verhaltnisjen in den Zechen-Schlathätlsern durch wüste AuSschreimugen kund. Ein katholischer Geistlicher wurde aut der Siroße utinUiext. 1Uit Revolvern, Gumnuschlauchen, Zamr- laiien u. s. w. gingen die Tnntnltltaiiten vor und geberdeleir sich wie toll. Polizei, Gendarmen und Feuerwehr wurden auigeboreu, die aber gegen bie wütenden Tentonstramen nichts ausrichren konnten. Unter Voramragung einer roten Fahne zogen sie durch die Schlaihäuser, bemoliettc« boxt die Einrichlruxgen, schütteten bte Speisen au« und mißhandelten bte Verwalter. Erst gegen Abend trat Rn he ein. Als man zur Verhaftung schreiten wollte, stellte sich heraus, baß em großer Teil der Demonstranten sich bexeus entfernt Halle. In dieser Woche sollten weitete 200 arbeitslos Hafenarbeiter hier eintrefsen. Tie Grubenverivaltung hat aber ihre Etnstellinig rückgängig gemachst
taum mehr identisch mit dem blinden und tauoen Greise, der am Ellde seines Lebens üereinfaiiit und well,tüchtig diese Blätter schuf, ssteproduktionen von den meisten Btloern Goyas, die in öffentlichen Sammlungen hangen, und zwei große (vortreffliche) Qel-Kopien zweier sehr beruhm.er Bilder (die „bekleidete Maja" und der „Straßenkamps") vervollständigen die Ausstellung, die von den Knnst>reundcn schon heute eifrig studiert wurde. — Vom Theater ist zu melden, daß „Der tavfere Soldat", der Saison- schlauer von-Oscar Straus, auch am hiesigen Opcrn- Hause sehr gefallen hat. Am Schauspielhaus t,i bie nächste „Novität" Shakespeares „Macbeth".
Kleina Feuilleton.
Z. Aus de m F i a u x, u r r e c öx u n stleb en. Aus Frankfurt a, M. wird uns uttlerm 6. ds. geschrieben: Heute hat der Frattkfurter Kunst verein, der in den letzten Jahren durch manche Kollektiv-Ausstellung (z. B. die französischen Neu-J mpress io nisten, Mar Liebermann, Rodin, Klinger, Zuloaga) den neuen Geist seiner Leitung bekundet hat, eine zusammenfassende Schau über das Werk Francisco de Goyas eröffnet. Es sind kaum 2 Jahr- fünfte her, daß man bei uns auf den großen'spanischen Meister wieder aufmerksam geworden isr, und man darf wohl behaupten, daß das durch Max Klinger neuerweckte Verständnis für die Kirnst dcö Radierens Die Brücke für das Interesse an Goya gebildet hat. Als 9tabicrcr hat Goya auf jeden Fall unserer Zeit am meisten zu sagen. Sein außerordentlich umsangreiostS malerisches Leoenvwerk, das übrigens auch sehr vcrschiedenwertig ist, werden: nur die wenigsten zu würdigen imstande sein, da die Bilder allzuweit verstreut sind. Und so können denn auch die wenigen Gemälde Goyas, Die der Kunstverein zusammen gebracht hat, uns nicht viel fügen. Es find zum größeren Teil steife Reprüsentationsporrrüts, und Goyas Domäne war die wildeste, leidenschaftlichste Bewegung. Dagegen tritt uns der ganze Goya aus Den vier großen Radier-Zyklen entgegen, die von einer Genialität der Zeichnung, einer furchtbar grimmigen Schule des WitzeS, nito einer geradezu erschreckenden Wildheit der Phantasie sind. Es s.nd vier Blldersolgen: „Einsalle" (Los Eaprichos-, „Träume" (Los Suenos), „Die Schrecken des Krieges" (Los desastres de la guerra) und ,Ftierkamps" (La taucomaquia\ Namentlich die „Träume" mit ihren grotesk-schauerlichen Alpdruck- Lisiolten und die „Stierkantp>-Vlat.er" mit ihrer noch ,von keinem Modernen erreichten Sicherheit im Ersassen der stürmischsten Bewegung muß man immer von neuem studieren und immer von neuem bewundern. Bon dem Goya, der die Korträts im großen Saale gemalt hat, zu dem Goya der
- Johannes von Kronstadts. Aus Petersburg wird uuterm 2. geschrieben: In Kronstadt ist gestern der berühmte Geistliche Johannes gestorben. Anläßlich seines Todes strömen Tausende von Gläubigen dorthin. Die Zuge werben gestrmtü. Im Hafenplatz Oranienbaum find mm* vestens öOUO Personen angcsammelt, die mangels aus» reichender Fuhrwerie auch übers Eis nach Kronstaot ptlgeru und dort unter freiem Himmel kampieren wollen, um der Beisetzung beizuwohnen: des rorherrjchenden Frostes wegen Utiglucksiälle durch Erfrierungen be?ürchtet. Es ist zahlreiche Polizei aufgeboten. Im Volke ist verbreitet, man habe bcu Priester Johann morgens in feurigen Wolken gegen Himmel auffahren gesehen, aubete sind überzeugt, Johann werde gleich Christus am dritten Tage lebendig wieder- kommen. Erne sanatische Suggestion durchzieht weite Kreise, obschon Johxinnes Bedeutung seit dem Tode Alexanders UL wesentlich rückgängig war. Johann von Kronstadt erfreute ,ich als Wundcrpriejter einer großen Berühmtheit, und von nah und fern kamen Leute zu ihm, die sich von feinen Wundcrkraft die Erfüllung ihrer Wünsche erhofften. Er war der Beichtvater Alerandcrs UI.( zu dessen Lebzeiten er daber einen großen Einfluß besaß. In der letzten Zeit macyte Johanii von sich reden durch die Begründung der sogen. Jvhannielrsekte, von der er allerdings behaupiete, daß sie gegen seinen Willen entstanden fei, und von der er sich aus Anordnung der geistlichen Behörden volllommen loö* sagen mußte. Er war ein ausgeprägter Nationalist und Wunderlüter, eine Erscheinung, wie sie nur in Rußland möglich ist. Die Grüiidung der Johanniterfette gab Anlaß zu alelrlei Slandalaffären. Zu den Vorkommnissen in Kifchinew nahm Johann von Kronstgdt in eüter aallehenerregenden Weise Stellung.
Nr. 6/X Erstes Blatt
Tor Eletzen/ Anzeiger erichexnl tä(flid), außer Sonntags. - Beilagen: a
viermal wöchentlich A
«IrbencrKamilirrdlätter; M W
jroennal wöcöentl.Kveist Mtz |SS JF
blatt für den Ureis Gietzen M M W BO
(DienstagundFreirag); M W W tz
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wirtschaftliche Zeitfragen ?
Eine Verschwörung m L-sfabon.
Deur Daily Eycvume iuiro aus Lina^on berichtet: Tiefer Tage sand bei §wse ein großes Bankett statt. Plötzlich erhob iich em dem Patastoienste zugeteilter junger Leutnant und sagte, des Königs Jugend Hape fein Mitleid derartig erregt, oaß er nicht schn-eigeu Ixmue, er müsse ihn vor einem großen Unglück warnen. Es sei eine große Verschwörung int Gange, die den Zweck habe, den König zu stürze >u Seine Majestät sei von epbncn und Verrätern nmgeuen, vieleder hohen Würdenträger, Höflinge und Politiker, dieaugenbticklich an des Königs Tafel säßen und die er sür seine Freunde halte, feien feine tödlichen Feinde und hatten! sich gegen ihn verschworen. Die Wirkung der Rede war eine ungeheuere. Unter atemlosen Schweigen setzte sich der Zeedlier wieder aui seinen Platz. Alte Augen richteten sich auf das wten- ulajie Autntz des jungt..1 s.uä)iiaeujin. Er sprach Lin Wort. Tas Bankett eilig lauiw» zu Ende, dkach aafgehooener Tafel belahl dec König den Vorgesetzten des Leutnants z-n sich unb untenagto ihm, Den jungen Osiizier zu uefuaicn, auch gab er Besehl, datz, nur Personen, die ajjolut int tunigLicben Haushalt nötig seien, iurberhm Den Palast betreten sollen.
Reform der Strastechts. ,
Dieser Tage hat Die Landes gruppe, der Internationalen Kri- i minalistiscl-en Vereinigung in Berlin der Amsassung von neuem : Ausdruck gegeben, daß eine Durchgreifende Reform des Straf- . Prozesses im Zusammenljang mit einer Reform des Strafrechts i vvrgenonnnen werden müsse. Als eine erste Stufe zu einer solchen Reform ist nun das gwße von dem rouleiiidjaitiid^n Komitee für die Vorbereitung Der deutschen Strafrechtsreform au, Ver- anlaiiung des Neiäjsjuftizamls herausgegebene Werk: „Vcrglei- cbcnDe Darstellung des Deutschen und Ausiänoxschen Strafrechts" aitjuieljeu. Welche Bedeutung dieses Werl für die »ieform des Strafrechts hat, erörtert ein ObcrlandcsgericlMpra,ident a. D. Dr Stamm in Bonn nun in der deutschen Jurisdenzeitung in sehr ausckjanlia-er Weise. Die Vergleichung der auslänDi,ä)en Strafrechte bat sich^ wie Stanrni ausfichrt, vielfach als sehr wertvoll erwiesen.
Die Klarlegung, wie sie die verschiedenen Teliktsbegrisfe geschichtlich entwickel haben, hat befruchtend auf die Reformvorschlage eingcwiitt. Sa stützt v. Lisü seinen Vorschlag, bie Ueberlegumj al» Unteischeiduiigsimrkmal zlvischen Ntocd unD Totschlag fallen zu laijui, in wiiksamer Weise damit, daß er eine starke Bewegung nach dieser Richurng bei einer Reihe von Volkern nachipcilt. Lössler zieht ans der Hervorhebung bet Mißstchide. die die in verschiedenen Slrafrecl>ten eivhaliene große Wciie beß Begrisss der Körperverletzung hervorgeoracht hat, den Schluß, daß nau, btm Vorgang des schn>eizeri,chen und Dc3 revidierten rufsischen Entwurss und in Rückkehr zum Älig. Laiiarecht von der Körperverletzung als ein Delikt Niedrigerer Gattung auszuscheiden seien bie bloßen Tätlichkeiten, bas bloße Vergreisen an einem Körper ebne ernste Folgen. Auch der nicht minder erwägungswerte Boischlag vvn Kitzinger. bte „tätige 3icue"z welche unser Sttap aesetzduch nur bei der Brandstiftung berücksichtigt, allgemein als Straiausschtießuugsgrund Auznlafsen^, lehnt sich an eine ältere Lehre und Gesetzgeoung wie an bad Ualienifche Strafgesetzbuch an.
Was die Schnldsrage bei Der Tötung betrifft, so iiitü englische und amerikanische (Strafurteile, wonach A., der auf ein fremdes Huhn in seinem Garten schießt und durch Unglück den B. trifft unD erschießt, als Mörder oeftrast wirb, dem gegenwärtigen deutschen Rechtsbewußtsein völlig unverbindlich. Freilich mag die Festsetzung des deutschen Strafgesetzbuchs, daß der töbiidje Ausgang eine Erschwerung der vorsätzlichen Körperverletzung, bildet, aus einer ähnlichen Anschauung beruhen. Aber wenn die Mehrzahl der deutschen Strafrechtslehrer die Ausrottung dieser Bestimmung verlangen und in solchen Fällen nur wegen vorsätzlicher Körperverletzung (in Jdca^konkurrcnz mit fahrlässiger Tötung) strafen wollen, so hält das NechlsoewußtsLin des Volkes hier nicht Schritt mit der den.schcn Rechtswissenjchast und erockstet eine Strase, bie nichr wegen des tödlichen Erfolges erheblich höher bemessen ist, nicht als eine gereäjte Sühne der Tat.
Die gesetzlichen Tciitte und ihre Tatbestände müssen ans dem Leben, aus dem Rechtsoewußtsein des Volks hervorgehen. Neue Delikte dürfen nur, wo ein praktisches BÄrürsnis dazu hervorgetreten ist, geschaffen und dann in der diesem Bedürfnis entsprechenden konkreten Fajsung umschrieben, werden. Aus der Theorie geborene abjlxaLe VergehenSvegrifse fuhren bie groge Gefahr mit sich, daß sie, worüber schon jetzt bei niandjen umerer Straspesllmmungen geklaat wird, in streng logischer Folgerichtigkeit auf Fälle des praktiichen Lebens angewandt werden, die für das Rechtsgefühl nichts Strafbares haben. Auf dem Zusammenhang der einzelnen Tatoest.lni)e mit dem allgemeinen Rechtsbewußt- sein, auf der im Volke lebendigen Anschauung, daß Diebstahl, Unterschlagung, und wie bie alten, meist Jahrhunderte bestehenden Deliktsformen alle lauten, strafbar sind, beruht auch die einzige Berechtigung zu der für die Rechtsprechung uneittoehrlichen Annahme, das, jeder zurechnungsfähige Täter die Strafvarkett Der ün Strafgesetz unter Strase gestellten Handlungen kenne.
Den von Stamm ausgesprochenen hossnungsoollenE.Wartungen kann man sich getrost anfcblleßen. Ein gesunpes, jeitgeiiuiljcö, der humanen und sozialen Ausfassung der Strafe als Mittel zur Besserung des Taters gerecht werdendes Strafrecht ist ein Ziel, das mit allen Kräften erreicht werden muß. Ter Anfang hierzu ist gemacht, möge der weitere 3-ortgang dieser Bestrebungen ebenso glücklich sein.
— Alpengarten. Die Wissenschaftliche Gesellschaft in St. Gallen hat, dem „G/ogr. Anzeiger" zufolge, den Plan gefaßt, im Säntisgebiet einen großen schweizerischen Alpengarten anzulegen. Ausersehen ist dazu ein südöstlich vom .Hohen Kasten mit herrlichem Ausblick nach dem Rheintal 1700 Meter hoch gelegenes, mit prächtigen Legföhren und A1 p e n e r l e n bestandenes Felsplateau. Dieser Alpen- garteu soll nach seiner Vollendung ein Bild des gesamten Pflanzenlebens der Schweiz darstellen. Don ihm aus soll späterhin die Bergwelt mit den im Llussterben begriffenen Alpenpflanzen neu besiedelt werden. Auch sollen in diesem alpinen Garten Hochgebirgspflanzen aus anderen Gebirgen und Erdtellen hemiisch gemacht werden.
— Englische Wagner-Aufführungen in London. AuS London wird berichtet: Am 16. Januar beainut im Covent Garden die Londoner Opernsatson, deren Dauer zunächst auf einen Monat sestgeseht rstt Unter der Leitung von Hans Richter werden daber der „Kintz' und „We MeisPrrfingLv" dreimal üt Szene gehen; dre
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bis vormittags 10 Uhr.


