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4.12.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

159. Jahrgang

Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.

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National liberal 2828

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lersländigec. Tage nach tonnen. (D1,.'

Hießen (mit Schiffenberg)

Wieseck

Heuchelheim

Sozial­demokratisch 1673 390 296

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Nr. S8L tei -ietzener Anzeiger trfctiftni täglich, außer Sonntag«. - Beilagen: A viermal wöchentlich JS »i«k»ener§amilitnblätler, LD iiöfiinal mikfieiitl.KietS: blatt für öcnKrri$ 6iefcen (Ttenstag unbRreitaa); «r rwemial monatl. Land- *L wirNchastliche Scitfrcgcn sterniprech -Anfchlüsfe: für die Siedaklion 113, Verlag u. Expedttton 51 Abreise ffit Deveschenr

Anzeiger Gießeu.

Samstag 4. Dezember 1909 __ vezu gspret»: monatlich 7öW^ viertel-

Gießen soll in Zukunft, znei gleichgroße Wahlbezirke bekommen, und diese Wahlbezirke sollen im Berordnungs- mae nach Anhörung der S.adtverlretung festgesetzt werden. ----- v--o- ,----- . , . . . - .

.'Jn dem Augenblick, wo Wieseck und ^euchclhetm in ein auch eine bloß formale Lache, ^.enn wenn die mtltelpartet- unb denselben Wahlbezirk kommen, ist" sein Schicksal be-glichen Schichten nicht alles Ansehen verlieren, nicht das

Die Gießener Landtagrwahl der Zukunft.

Von geschätzter Seite erhalten wir folgende Zuschrift, die einen für Gießen Gefahr drohenden Beschluß der Zweiten Kammer beleuchtet, und der wir besonders in dem Dunkle rückhaltlos bei- pklichten können, daß die beiden hiesigen liberalen Gruppen zur Abwehr Hand in Hand gehen sollen:

Nach der neuen hessischen Wahlrechtsvorlage soll die Stadt Gießen in Zukunft zwei Ditze in der Zweiten .Kammer «halten. In der ersten Lesung des Gesetzentwurfs ist diese Bestimmung angenommen worden, freilich mit einem Arnen- dement Brauer und Genossen, das von w'ittragcnden Folgen ein kann. Es sollen nämlich zu dem Dtadtwahlkreise noch ne beiden Arbcitergemcinden Wieseck und Heuchelheim hin-

Giefzerrer Stadttheater.

Gebildete Menschen.

Volksstuck von Viktor Leon.

Der als Operettenschriftsteller bekannte, Verfasser, der sich nun auch die ernste Bühne erobern will, führt in seinem Stück den Nackstoeis, daß gebildete Menschen infolge ihrer Ltelkeit und falschen Scham oft auf einer tieferen Stufe 'leben als die sog. Ungebildeten, die sonst nichts als das Zeven bestanden haben. Um diesen alten Beweis aufs reue zu erbringen, hat Lson einen ganz netten Stoff er- nnben. Zwei Brüder, von denen der eine Dr. jur., der uchere Schlosser und später Fabrikherr ist, leben seit Fahren n Feindschaft, seitdem dem Herrn Doktor der Verkehr mit )em ungebildeten Handwerker zu gewöhnlich schien. Durch .Zufall gerät der Doktor in die bitterste Not, aus der chm ein ungebildeter Bruder bereitwillig hilft, als sich seine Nichte an ihn wendet. Durch Zufall, den ein heiterer f Äusiker geschickt ausnutzt, kommen die beiden Bruder zu- 'Lmmen und nach einer heftigen 9lussprache^versöhnen ste sich. Ihre Kinder werden ein Paar und die älteste Tochter öes Juristen geht auch nicht leer aus.

Manche treffende Bemerkung und mancher gut gegebene Vitz können nicht über die Handlungsarmut des Ltuckes I weg täuschen, das an sich recht geschickt aufgebaut tit, obwohl die Vorgeschichte gar zu langatmig ist. Auch entbehren die Vorgänge zu sehr der d r a m a t r s ch e n Spannung es ist mehr die rein stoffliche Wirkung, dre den Zuschauer bannt. Die Zeichnung der etwas schematischen Charaktere ist im allgemeinen recht gut gelungen, aber sie werden lediglich) durch äußerliche Umstände getrieben und entbehren tor allem der vollen 'Rundung. So kommen war denn zum Schluß, daß das Wert zwar kein Schauspiel ist, weil es der durch die Menschen bedingten Handlung entbehrt, aber seine wirkungsvollen Rollen werden ihm als Volksstuck dm Beifall der Zuschauer sichern.

Die Aufführung war unter Hermann Nordens Umg im allgemeinen sehr anerkennenswert. Karl V o l ck lieh dem gebildeten" Juristen eine anmutende Innerltch- keit, die das Verhalten zu seinem Bruder aber eiwas un- wrhrscheinlich machte. Der Dünkel hätte wohl etwas mehr betont werden dürfen. Seine Gattin wurde v»^ «tu-

Die kärglichen Brosamen, die unsere Reichsregierung dem Bolksinlere.se an der auswärtigen Politik gew dinet hat, werden an Nüchternheit durch hie Ankündigung.n d.r Thron­rede bei der Eröffnung des Reichstages über die innere Politik des Reiches vielleicht noch übertroffen., Tie preußische Sparsamleit scheint auch auf das Redebedürfnis des neuen Kanzlers abzufärben. Weil die Raben noch um den Berg fliegen, verbirgt er jein.Haupt. Das rote Tuch der neuesten Finanzreform wird sorgsam verborgen gehalten, denn der Rückfall in die Wildheit wird befürchtet. Ta kam zuerst die Präsidentenwahl. Graf Stolberg wird als Präsiden! wieder­gewählt, alier an die Stelle des .Herrn Paasche kommt als zweiter Vorsitzender der Erwählte des Zentrums, Herr- Spahn. Wenn die Nationall bera'en darauf Herrn Paasche die Wahl zum zweiten Vizepräsidenten ablehnen ließen, wird man das vielleicht bedauern, aber nicht schelten tonnen. Es war ja, so meinte die parteiamtlicheKorrespondenz", nur eine Frage schlichter Konsequen'. Wir möchten hinzufügen:

Luftschiffahrt und Gesundh eit- Man hat bisher allgemein angenommen, daß ein stark ve-mindcrcer Luftdruck, besonders dann, wenn er sehr schnell sich ergeben hat, der Gesundheit schädlich sei. Die Versuche, die man darüber auf hohen Bergen gemacht hat h ben ci - rermindcrie Sauerftoffzufuhr sowie eine durch die Truckabnahmc ver­ursachte Erweiterung der Haut- und Schleimhautgefäße, die durch Zerreißung schlimme Blutungen nach sich ziehen können, alts gefährlich erscheinen lassen. Indes hat man nun dank den Fortschritten der Luflschiffal)rt eingehendere und vielseitigere Beobachtungen anstellen können Nach der Medizinischen Klinik" bat Professor Dr. Stähelin bei Ballonaufstiegen des niedersächsischen Vereins für Luftfchif - fahrt die Verhältnisse auf ihren wirklichen Werl hin geprüft. Er konnte erst bei sehr niedrigen Druckwerten, die ungefähr denen der Montblanchöhe entsprechen, eine mäßige Atemnot fes^vellen, die nur ganz allmählich zunahm, und dabei eine -.war schwache iLber deutlich wahrnehmbare bläuliche Ver­färbung des Gesichts. Ties waren die einzigen ungünstigen Erscheinungen, die srch bei einer sehr raschen Verminderung des Luftdrucks feststellen ließen. Ter Organismus z.igte a so hierin eine außerordentliche Anpassungsfähigkeit; sie er.ri.s sich auch bei der zweiten in Bedacht kommenden Gefahr, der verminderten Sauerstoffzufuhr. Diese müßte von nach­teiligem Einfluß auj den Körper sein, wenn nicht durch

Gühne recht lebenswahr dargestellt. Erna Güldener war eine bescheiden sorgende Cäcilie, Gusti Neh eine etwas allzu lebhafte Josefine. Sehr nett war Luise von G l ö d e n als sprudelndes ,/aules Emmchen". Ein schöner reckenhafter Einjähriger war Ferry Daubal. Famos in seiner knor­rigen Derbheit war Hermann Norden alsungebildeter" Kommerzienrat, wenn er auch etwas überhöhte. Eine schöne Leistung hatte auch Karl Marx als Lohr aufzulveisen. Hermann Da kos war als Lucius von der wahrhaftigen Lebensfülle, die wir so sehr an ihm schätzen, schien aber stimmlich etwas unpäßlich zu sein. Paul Urban war als Fritz ebenfalls recht nett. Von den übrigen sind namentlich noch zu erwähnen: Edgar Pauly als Dirnbach, Rolf Gu- n o l t als Burmann und Wolfgang L e ß l e r als Pröhle.

Karl Neurath.

Anti­semitisch 324

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fetzt im Reichstag an praktischer, positiver Arbeit iniihelsen. Schon l)aben das Zentrum und die Sozialdemokraten beim Einzug in den Reichstag mit demagogischen Mitteln nach außen zu wirken versucht: in der Mitte wird man das Iw teresse der politisch Indifferenten nur dann wieder beleben können, wenn man an die Stelle unfruchtbarer Prinzipien mmpfe und Parieischablone eine praktischere und großzügige Rechnung aufslellt. Sie wird aber unseres Erachtens in die Brüche gehen, wenn man die Uebertreibungen aus den Reichsfinanzreformlämpsen noch immer als Maßstab an, wendet und die krankhaften Anfälle eines allzu zarten Parteigewissens auch künftig sich widerholen läßt.

Gestern l>at die Reichspartei dem Reichstag nach kurzer Unentschlossenheit den zweiten Vizepräs.denien gestellt: der Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg wurde mit 178 S.cmmen gewählt. Hoffentlich werden über die Präs.den enwahl nun nicht mehr viel Worte verschwendet! Tas Zenlruin behält, trotz der Wahl des Erbprinzen, der die Blockpolitik mit- gründen half, seine kühle Ruhe, und erst gestern noch menCc eines seiner führenden Blätter spottend, wer nun eigentlich recht habe: die Nationalliberalen, die bei der letzten Wahl dieGnade des Zentrums" mit,pielen ließen, oder der übrige Liberalismus, der einenCanossagang" des Zentrums fest- stelle. Hinterher kommt natürlich dann das alte Selbstloü der einzig und allein für das Zentrum maßgebenden sach­lichen Ge.ichtspunlte. Wir wolien hoffen, da,; im liberalen Lager der Gedanke an eine Selbstausschaltung immer ent­schiedener von der Hand gewiesen wird!

' Was die Arbeiten der hes.ischen Zweiten Kammer in dieser Woche ergeben haben, darf im allgemeinen mit Zu­stimmung genannt werden, wenn auch einzelne Beschlüsse in der zweiten Lesung noch geändert werden müssen. Das Ergebnis der Beratungen bietet, darüber darf man sich freuen, eine geeignete Grundlage für die Annahme des direkten Wahlrechts. Da man zugleich der ersten Kammer in den von ihr gewünschten verfassungsrechtlichen Kautelen entgegengekommen ist, darf man auf das Zustandekommen des Gesetzes rechnen. Was die Zahl der Abgeordneten für die beiden Kammern anlangt, so sind am Ausschußantrag einige Abänderungen angebracht worden, die in der zweiten Lesung noch lebhafte Auseinandersetzungen bringen werden. Die fünf größeren Städte sollen nach dem Beschluß der Zweiten Kammer zwar die Vermehrung ihrer Mandate er> halten mit der bedenklichen Steuerung für die stadt Gießen, die an anderer Stelle unseres heutigen Blattes besprochen wird, aber die Mandate her drei kleineren Städte sollen wegfallen. Auch an der geplanten Zusammen­setzung der Ersten Kammer wurden Aenderungen angebracht Auf Vorschlag der gesetzlichen Berufsvertretunaen sollen künftig ein Landwirt, ein Vertreter von Handel und In­dustrie, ein Handwerker, ein Arbeiter und ein Vertreter der Technischen Hochschule der Ersten Kammer angehören. Wäh­rend man über die angenommenen Bestimmungen über die Voraussetzungen zur Wahlberechtigung im neuen Gesetz ver­schiedener Meinung sein kann, sind nach unserer Meuiuug die Beschlüsse zu begrüßen, die vom Proportwnalsystem für die Städte absehen und das Reichstagsstichwahlverfahren auch für Hessen einführen. Daß das Pluralwahlrecht für Leute, die ein bestimmtes Alter erreicht Haben, abgelehnt wurde, wird das Aussehen des neuen Gesetzes nicht schädigen, sondern im Gegenteil es bessern. Daß die Sozialdemokratie die neue Vorlage so scharf bekämpft, ist wohl nur der Rücksicht auf das allgemeine Parteiprinzip zuzuschreiben, nach dem bekanntlich niemals Zufriedenheit bei den Wühlern erweckt werden darf. Viel wird, sich mit dem neuen Agi­tationsmittel nicht anfangen lassen!

Beschleunigung des Blutkreislaufs und durch Vermehrung der Atemzüge ein Ausgleich erfolgte. Dadurch ergibt sich eine Zunahme der roten Blutkörperchen und eine Ver­mehrung des Hämoglobingehalts des Blutes, die den Körper vor Schaden bewahren.

* Der Lohn der Tugend. Wie ein modernes Märchen klingt bie Geschichte des Hotelpagen Michael Dunphy, die aus San Francisco berichtet wird. Vor einigen Monaten trat der junge Michael im Hotel Argenaut in San Francisco eine Stellung an Er mar Neuling und die Kameraden nutzten die Unerfahrenheit des Neulings gründlich dazu aus, ihm alle unangenehmen Ge­schäfte und Aufträge zu übertragen. Im Hotel wohnte damals eine alte Dame, Mrs. Potter aus Salem, Massachusetts: sie war bei dec Dienerschaft wenig beliebt, beim sie war kränklich, mißgestimmt, zänkisch und obendrein dafür bekannt, daß sie keine Trinkgelder gebe. Dem neuen Pagen nbertrua man die undankbare Aufgabe, diesen Gast zu bedienen. Trotz aller Spöttereien seiner Kollegen tat der junge Michael getreulich und frohen Mutes seine Pflicht und bediente die alte Dame so cmsmerk'am und willig, wie er cs vermochte. Als im Juni dann Mrs. Poller das HotÄ verließ, war Michael Tunvhy die Zielscheibe alles Spottes und Hohnes der Kameraden, denn die Dame schied, ohne ihren Be­dienten auch nur einen Cent Trinkgeld zu geben. Doch der Spott verstummte, als der junge Page drei Wochen später von der kranken alten Dame als Lohn für seine treue Pfichterfüllung einen Scheck über 400 Mark bekam. Vor zwei Wochen bekamen die Hotcldireltoren einen Brief von den Rechtsanwälten Brown und Carlisle aus Boston, in dem mitgeteilt wurde, das Mrs. Poller gestorben sei und dem Hotelpagcn Dunphy 10 000 Mark vermacht habe. Das (Mb wurde dem überglücklichen jungen Menschen sofort ausgezah t: er verwandte es dazu, ein Stück Land zu kaufen und tras Vorbereitungen zu dem Bau eines kleinen Hauses für seine alten Eltern. Mit dem Rest der Summe aber lud er feine Eltern zu einer kleinen Erholungsreise nach Tenver. Tie Hoteldircktoren erstatteten den Testament Vollstreckern den ge­wünschten Bericht über die Verwendung des Legates. Darauf traf aus Boston die Nachricht ein, die von einer bisher geheim­gehaltenen Klausel in dem Testamente von Mrs. Potter Kunde gab: die alte Dame halle verfügt: Wenn Michael Dunphv das Geld gut und weise anlegt, so soll er noch weitere 190 000 Mark erben. Nach dem Urteil der Testamentsvollstrecker hat der kleine Hotelpage diese Bedingung erfüllt und heute besitzt Michael Dunphy dank seines Eisers und seiner Pflichttreue ein Vermögen von 200 000 Mark.

ukommen. Diese Wahlkreiserweiterung ist von der aller- größten Bedeutung, denn Heuchelheim und Wieseck wählen rüberwiegend sozialdemokratisch. Bei der bisherigen in­direkten Wahlmethode kam für den Landtag die Sozial­demokratie nicht in Betracht. Wir haben deshalb auch keine licheren Anhaltspunkte, wieviel sozialdemokratische Wähler in Zukunft bei der direkten Wahl etwa in Betracht kommen, tenn das Reichstagswahlrecht ist bekanntlich ein freieres i.I3 das zum Landtage. Immerhin sind die Unterschiede leine sehr erheblichen, so daß man aus den Stimmenzahlen , er letzten Reichstagswahlen ungefähr darauf schließen kann, I iirie stark sich die Sozialdemokcatte bei der nächsten Landtags- I erweisen wird. Es wurden 1907 an Stimmen ab­gegeben:

sich bei den Landtagswahlen rächen. Jeden al.s mahnt die ganze Situation zur Vorsicht, zur Einigkeit und zum Ein­halten bestimmter fester Richtltnien in der politi|chen Be­tätigung.

politische Woche,fclictn.

Gießen, 4. Dez.

Die Arbeit der Parlamente hat überall, im Reiche und den Bundesstaaten, wie im gesamten Auslande, die mehr oder weniger unverbindliche politische Unterhaltung ab­gelöst. Ueber dem Kanal ist die seit Wochen angefaate wichtige Entscheidung gefallen, das Lberhaus hat seine Zu­stimmung zur Verab ch e^ung des Finanz Gesetzes verweigert, oas Unterhaus hat gleich darauf diefe Weigerung als Vcr- sassungsbruch bezeichnet, und jetzt kann auch die Auflösung des Parlamentes, können die Neuwahlen nicht mehr auf sich warten lassen. Auch in Italien ist durch einen Kammer­beschluß über neue Steuervorlagen eine Kabinetls.r se ent­standen, indem der Ministerpräsident Giolitti au§ seiner vor­aussichtlichen Niederlage Lte Kons quenze.i g zogen und seine Entlassung gegeben hat. In Frankreich Hai die Regierung im Parlament nicht nur die Zustimmung zur auswärtigen Politik, sondern auch zu den Vorlagen der inneren Än- aeleaenheiten erhalten. Der Marolkosieg ihrer Regierung bat oen Patrioten des Nachbarlandes die Gefühle der 2>ink- barkeit erweckt. Deutschland erhält in den welschen Blät ern ein gnädiges Lob für seine Nachgiebigkeit, und das amtliche Wolsf'sche Bureau hat diese zweifelhaften Zustimmungs- kundgebunaen zu den marokkanischen WeiZheitssprüchen der deutschen Thronrede mit demselben Eifer mitgeteilt, mit dem gestern auch ein paar nichtssagende deutsch-freundliche Phrasen des ,^,Popolo Romano" über die italienische Drei- bundtreue werterverbreitet wurden.

Wahlberechtigte waren es damals 7136. Man sieht, daß bie Sozialdemokratie nach den abgegebenen Stimmen hinter 1 ben bürgerlichen Parteien, wenn man die antisemitischen MÄinnnen dem liberalen Kandidaten zurechnet, um 1100 U urückstehen, aber man darf nicht übersehen, daß nicht weni- qer als 1.278 Wähler nicht gewählt haben. Daß die Sozial- I btmofralie über erhebliche Reserven verfügt, hab^n wir bei bir Stichwahl im Jahre 1903 gesehen. Hier kam der MnionalliberalL mit dem Sozialdemokraten in die Stich- I stahl. In Gießen {liegen die sozialdemokratischen Stimmen te non 1565 auf 1773; in Wieseck von 365 auf 434, in Heuchel- I heim von 271 auf 283. Nimmt man die Zahlen von 1903, I nw der bürgerliche Kandidat schließlich 2698, der sozial- E bemakratische 2489 erhielt, so findet man, daß die Parteien 1 beinahe gleich stark waren. Dec Vorsprung der bürgerlichen betrug nur noch 209 Stimmen. Dieser Vorsprung dürfte E üeme nicht mehr vorhanden sein. Es sind sechs Jahre ins i and gegangen, die Arbeiterschaft hat start zugenommen, | und alle Wahlen in der letzten Zeit haben, da sie unter ben üblen Nachwirkungen der Reichsfinanzreform standen, S eine gewaltige Zunahme der Stimmen der Arbeiterpartei bewiesen.

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liegen. Dieser Wahlbezirl bekommt dann mit großer Wahr I Vertrauen der Wähler völlig einbüßen wollen, mu)|cn jto scheinlickkeit einen sozialdemokratischen Vertreter. Auch in dem anderen Falle ist es mehr als zweifelhaft, daß zwei bürgerliche Kandidaten durchdringen. Bei der geringsten Unstimmigkeit in den beiden liberalen Lgaern ist vielmehr der F'all durchaus nicht ausgesckstossen, mb bie Provinzial­haupt- und Universitätsstadt Gießen sogar durch zwei Soz al demokraten vertreten sein wird. Tie geringsten Chancen haben jedenfalls, so wie die Verhältnisse liegen, die National­liberalen: zumal wenn sie im Hinblick auf die späteren Reichstagswahlen den agrarischen Wäl lern zu große Kon­zessionen machen. Die freisinnige städtische Wählerschaft w l.

nun einmal von einer solchen Tattik nichts w ssen und wird