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5.4.1909 Erstes Blatt
 
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Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. fteuifle- ton unbVerinijchteS" K. Neurath; für ^Sladt u.Land" undGerichts-

Nr. 80 Erstes Blatt 158. Jahrgang Montag 5. April 1908

Der Siehener Anzeiger äikctb r

Erscheint täglich, außer

WGlchener Anzeiger

iür die Redaktion 112, f\Jr

WM General-Anzeiger für Oberheffen

°°mMaN"suh" Hotflfiensbratf unö Detlag »«r VrLhrschen Uni».-vuch- unb Steinbruderei R. Sange. Rebaftion, Srpebiiion unb Druckerei- Schulftratze?.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Die Lösung -er Grienttrlsts.

Die österreichische Regierung wird, wie verlautet, demnächst eine Note an die Berliner Signatarmächte richten und sie darin um die Anerkennung der Annexion Bosniens und der Herze­gowina ersuchen. Den bereits getroffenen Vereinbarungen ge­mäß wird diese Anerkennung selbstverständlich ohne weitere Schwie­rigkeiten von allen Mächten ausgesprochen werden. Hinsichtlich der Frage, ob trotzdem noch eine Konferenz stattfinden soll, ist noch nichts endgültig entschieden. Daß die Konferenzfrage neuer­dings von irgendeiner Seite wieder in den Vordergrund gerückt worden sei, wie behauptet wird, ist jedenfalls unzutreffend. Die deutsche Regierung insbesondere steht auf dem Standpunkt, daß zwar eine Konferenz nicht mehr nötig sei, daß sie aber einberufen werden mag, falls ihr lediglich die Aufgabe zugewiesen wird, die vorher unter allen Berliner Signatarmächten getroffenen Ver­einbarungen zu sanktionieren.

Das WienerFremdenblatt" schreibt: Es steht außer Zweifel, daß die Mächte das an sic gerichtete Ersuchen des Wiener Kabi­netts hinsichtlich Aufhebung des Artikels 25 des Berliner Ver­trages zustimmend beantworten werden. Die Gegenäußerungen der Mächte iverdcn die Wirkung haben, die materiell bereits erledigte bosnische Angelegenheit auch im Hinblick auf die Form endgültig aus der Welt zu schaffen und zwar auf dem Wege eines Notenwechsels, den das russische Kabinett auch für die Erledigung der montenegrinischen Frage empfiehlt. Was den Inhalt des gegenwärtigen russischen Vorschlages anbelangt, so wäre darauf binzuweiscn, daß bekanntlich Frhr. v. Achrenlhal bereits während der letzten Delegationssession die Bereitwillig ieit des Wiener Kabinetts aussprach, auf die in Artikel 29 des Berliner Vertrages der Monarchie eingeräumten Rechte zu ver­zichten. Der russische Schritt ist daher bei uns der sympathischen Aufnahme gewiß. Der angeregte Modus des Notenwechsels kann nur dazu beitragen, eine rasche Erledigung auch dieses Punktes durch die Anwendung des Gedankens zu bewirken, den das Wiener Kabinett eben int Interesse einer raschen Erledigung der schweben den Fragen vom Anfang an den Mächten zur Berücksichtigung empfahl. Ta nunmehr die russische Regierung ebenfalls diesen Weg "vorschlägt/ zeigt e-s sich, daß sich auch in Petersburg die Uebcrzengung Bahn brach, daß er sich, ohne irgend eine völker­rechtliche Auffassung zu verletzen, als gangbar und praktische be­währt bat.

Auf das Ersuchen des österreichisch-ungarischen Geschäfts­trägers. in Paris, der im Namen seiner Regierung die Anfrage stellte, ob Frankreich der Aufhebung des Artikels 25 des Ber liner Vertrages zustimme, hat der Minister des Aeußeren Pichon inzwischen schon in günstigem Sinne geantwortet.

Interessant ist es, daß nun auch von St. Petersburg aus die Darstellung derNordd. Allg. Ztg." über die Beilegung des serbischen Konfliktes bestätigt wird. Die offiziöseRossija" sprich, ihre Genugtuung aus über die mit ihren Informationen über einstimmcnde Erklärung derNordd. Allg. Ztg.", die deutschc Regierung habe in der Frage der Aushebung des Artikels 25 der Berliner Vertrages auf Rußland keine Pression ausgeübt unk fick) an Rußland gewandt, beseelt von den traditionellen, freund schastlichen Gefühlen. DieRossija" ist überzeugt, daß nunmehr alle Vermptiingen bezüglich des vvn der deutschen Regierung in dieser Frage angeschlagenen nicht genügend freundschaftlichen Tones schwinden werden. Zur richtigen Beurteilung der russischen

Antwort auf den deutschen Vorschlag sei in Betracht zu ziehen, daß, als Deutschland in Petersburg mit dem Vorschlag hervortrat, die österreichisch-serbischen Beziehungen den Höhepunkt der Span­nung erreicht hatten. Daher trat das Berliner Kabinett mit einem Plan hervor, der, wie der deutsche Botschafter erklärte, den Ausgang aus der gefährlichen Lage sicherte, ohne die der russischen Politik zu Grunde liegenden Prinzipien zu'verletzen. Die Einzelheiten des Planes sind bekannt. Der deutsche Bot­schafter erklärte dabei, falls Rußland es nicht für möglich findet, der freundschaftlichen Vermittelung Deutschlands entgegenznkom- men, werde dieses seinem Bundesgenossen die Wahl der durch die Umstände bedingten Mittel überlassen müssen. Daraus geht zur Genüge der Ernst des Moments hervor, und in welch' hohem Grade das Schicksal Serbiens von Rußland abhing. Rußland mußte einerseits die Unvermeidlichkeit eines bewaffneten öster­reichisch-serbischen Konflikts mit allen Folgen, andererseits die Ersetzung eines Mittels, um den Kollektivwillen Europas aus­zudrücken, durch ein anderes in Betracht ziehen. In die Auf­hebung des Artikels 25 einwilligend, gibt Rußland keineswegs sein Prinzip auf, daß zur Abänderung der Vertragsbestimmung die Zustimmung aller Traktatmächtc erforderlich sei und hat auch die Frage der Einberufung einer Konferenz nicht vorher entschieden. Dieses Zugeständnis nahm von der russischen Re­gierung die schwere Verantwortung für das Serbien etwa drohende Unheil und erleichterte den friedlichen AuSgang aus einer äußerst zugespitzten Lage. Wie schmerzlich auch für die russische Diplo­matie die gegen sie gerichteten Vorwürfe sind, so werde doch vor der Geschichte zweifellos die Beschuldigung fallen, die russische Diplomatie habe es nicht verstanden, zur Vorbeugung des drohen­den Unheils die Eigenliebe zu opfern. Durch die Annahme des deutschen Vorschlages sicherte Rußland auch das baldige Zusammen­kommen einer Verständigung zwischen Bulgarien und der Türkei und die Aufhebung des Montenegro betreffenden Artikels 29 des Berliner Vertrages. AuS Gesagtem folgt: daß der im kritischen Augenblicke zwischen Rußland und Deutschland statt- fehabte vollkommen freundschaftliche Gedankenaustausch zweifel­ns die Lösung der Frage auf einer Grundlage gefördert hat, die keineswegs die Würde Rußlands tangiert. Sobald die durch andauernde politische Krise hervorgerufene Erregung schwinden wird, wird sicherlich anerkannt werden, daß in diesem Fall weder von der einen Seite eine Einschüchterung stattfaud, noch auf der anderen Furcht vorhanden war, sondern nur beiderseits der auf­richtige Wunsch bestand, einen friedlichen Ausweg aus der für jen Weltfrieden gefährlichen Sage zu finden.

politifdbc Tagesycha«

Die Folgen der Verzögerung der Neichssinauzreform.

In ihrem Wochenrücll-lick über die innere Politik skizziert diedcorddeutsche Allgemeine Zeitung" den schleppenden, sachlich ourchaus unbefriedigenden Gang der Arbeiten, der Reichst-igskom- Mission für die Finanzreform, beklagt die hemmenden Eingriffe acr Interessenten, speziell des deutschen Tabakvereins, und schließt angefichts der bisher erzielten minimalen Ergebnisse mit folgen- Jen Worten: Damit ist "eine überaus schwierige Situation ge- chaffeu. Wenn in der bisherigen Weise weitergearbeitet würde, ,o würde die Kommission nicht nur bis Ende Juli, sondern bis n den Wintersanfang zusammenbleiben müssen. Die verbüu- jetcn Regierungen werden an dem vom Reichskanzler in seiner hebe vom 31. Äiarz airsgesprochenen Verlangen, daß der Reichs­tag noch in dieser Session die Finanzreform erledigt, unter allen Umständen festhalten. Hierbei befinden sie sich in voller lieber- cinftintmung mit den Wünschen des weitaus größten Teils des deutschen Volkes. Dieses besteht nicht, wie man manchmal nach

überlauten Aeußerungen der Fachpresse in den letzten Monaten hätte annehmen können, ausschließlich der Interessenten. Es leidet auch nicht an einer tiefgründigen Abneigung gegen die Erbschaftsbesteuerung: vielmehr haben die zahlreichen starken und spontanen Kundgebungen, wie sie überall, in konser­vativen und liberalen Vereinen, während der letzten Wochen in immer steigendem Umfange" stattgefunden haben, gezeigt, daß das deutsche Volt in seiner ganz überwiegenden Mehrzahl von der Notwendigkeit durchdrungen ist, die Finanzreform noch in diesem Sommer ohne irgend welche Rücksicht auf Parteigegensätze zu einem gedeihlichen Abschluß zu führen. Es ist bereit, hierzu große Opfer zu bringen und verlangt von seinen Abgeordneten ganze ernste Arbeit. Es ist berechnet worden, das; icder Tag der Verzögerung das Volk I1/2 Millionen Mark dauernde Belastung kostet. Das Liegenbleiben der Reform über den Sommer hinaus würde eine Verzögerung mindestens um ein volles Jahr bedeuten und dem deutschen Volke eine weitere Schuldenlast von mindestens 500 Millionen und eine jährliche Zinsausgabe von über 20 Mill. Mark aufbürden.

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Ein preußischer Richterverein.

In einem Saale des preußischen Mgeordnetenhauses ist gestern der erste preußische Richtertag zitsammengetrcten, um einen preu­ßischen Richterverein zu gründen. Anwesend waren etwa 250 Richter und Staatsanwälte, unter beiten eine große Zahl Dele­gierte von Richtervereinen. Landgerichtsnräsibent be Nim (Lim­burg) wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Te Nim bemerkte, die Gründung eines preußischen Richtervereins sei um so not- uendiger, als wohl kaum ein Stand so viel Angriffen ausgesetzt ist wie der Richterstand. Mit aller Entschiedenheit müsse der Behauptung entgegengetreten werden, daß ein Richterverein ge­bildet werden soll, lediglich, um eine Gehaltsaufbesserung zu er­reichen. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Alsdann wurde nach längerer Erörterung einstimmig die Bil­dung eines preußischen Richtervereins beschlossen. § 1 wurde in folgender Fassung angenommen: Ter preußische R i ch t e r v e r e i n bezweckt die F ö r d e r u it g b e r fR c cf} t 3 ^ pflege und der Standes angelegenheiten der Rich­ter und Staatsan walte in Preußen unb 'hat seinen Sitz in Berlin-Mitte.

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Koloniales.

Zu dem im Reichstage mehrfach erörterten Fall des früheren Distriktschef Räbe, gegen den ein Strafverfahren vor dem Bezirks­gericht Swakopmund schwebt, liegt die Meldung einer Zeitung vor, daß ein RcchtSauwalt als Vertreter Rabes im Reichs) ustizantt ausgedehnte Konferenzen über den Fall gehabt habe und daß ein eingefordertes Gutachten noch ausstehe. Hierzu stellt nun die Nordd. Allg. Ztg. fest, daß ein solches Gutachten vom Reichs­justizamt nicht cingeiorbcrt worden ist,, wie es sich überhaupt bei der Sache um Fragen handelt, die endgültig nicht von den Ver­waltungsbehörden, sondern lediglich von den Gerichten entschieden werden können. Zutreffend ist nur, daß der betreffende Rechts­anwalt im Reichsjustizamt auf seine Bitte empfangen wurde und hier unter Angebot und Vorlage von Material den Wunsch aus- sprach, eine Darstellung des Falles zu geben. Daraufhin wurde ihm' eröffnet, daß daS Neichsjustizamt mit der Angelegenheit nicht besaßt worden sei, unb ihm anheim gestellt werde, sein Material dem Reichskolonialamt vorzulegen, welches die zuständige Stelle sei.

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Ter frühere Kronprinz von Serbien.

Nach Meldungen ans Belgrad ist es zwischen dem Prinzen Georg und dem Minister Paschitsch zu einem sehr scharfen Konflikt gekommen., Paschitsch machte dem Prinzen-Vorstellungen, warum er nicht sofort, wie er ihm und dem russischen Gesandten versprach, Serbien verlassen I-abe, da seine Aufnahme in die russische Armee gesichert sei. (Prinz, Georg soll geantwortet haben:Ich verlasse Serbien jetzt auf keinen Fall. Ich s«he, daß die radikale Partei

sKoppe.-

noch zei eigen ist. Vor uns lag das Schloß, inmitten eines grünen Wiesentälchens, von einem Weiher umgeben, von hohen Bäumen umrahmt, ein wunderheppliches Bild.

Im Morgenscheine sah Schloß Mespelbrunn ich liegen,

Nordwärts führte uns Jxr Weg, am Forsthaus Echterspfahl vorüber, nach der Lohver Straße. Tiefe führt an einem Bäch­lein her, bei jeder Wegbiegung bietet sich unseren Blicken ein neues Bild dar, eines fast schöner als das andere. Wald mit seinen Köhlerhütten und Meilern, grüne Wiesen, muntere Bäche und wieder Wald, stundenweit. Menschen trafen wir fast nicht. Gegen Abend kamen wir in Lohr an, einem alten, betriebsamen Städtchen an: Main.

Anderen Tages führte uns am frühen N^orgen die Bahn über Gemünden nordwärts über Jossa, Bad-Brückenau nach Stadt Brückenau, am Fuß der hohen Rhön. Wir folgten der Chaussee bis Oberbach, bogen dort rechts ab nach dem heiligen Kreuzberg, zu. Rechts grüßten die hohenschwarzen Berge" und vor uns

lag bald der gewaltige Rücken des heiligen Berges mit seilten I Kreuzern und seinem freundlichen Kloster. Zusammen mit einer Wallfahrerschar gelangten wir oben an. Mit jlatternden Fahnen kam der Lchar ein Pater mit drei ServitialeN entgegen, |uni> unter Beten, Singen und Trompetenblasen verschwanden sie in ber Kirche. Wir gingen lieber unser leibliches Wohl zu fördern in das Klojter, freundlich empfangen vom Bruder Pförtner, der uus als Willkommenstrunl ein Schnäpschen trebciijtc. Als die Sonne untergehen wollte stiegen wir auf ben Gipfel des Berges, vorbei an den drei kleineren Krenzen zu dem großen Kreuze. Wie in einem Meer von Feuer schienen die Berge ringsum zu stellen. Bald aber trieb uns ein eisigkalter Wind hinunter ins Kloster- itubchen Die Anzahl der Maßkrüge, deren Inhalt von köst­lichem, selbstgebratttem Klvsterbier, wir hier hinter die Binde goswn, verschweigt des Sängers Höflichkeit! Ter nächste Morgen war wtnterlich kalt. Ganze Scharen von Wallsahreren, in den! bunten Gewändern der Rhönbauern, mit Fahnen und Kruzifiren kamen von allen Seiten den Berg herauf. Es war irgend ein großer Wallfahrtstag. Wir nahmen Abschied von den freund­lichen Klosterbrüdern und wandten uns norbwestwärts, vorbei an der Ruine Osterburg, nach dem Eiechauck. Lange begleitete uns bas freundliche Bimmeln der Klosterglocken und lange noch konnten wir zurückblicken auf bas gastliche heitige Haus. Die Besteigung des Eierhauck ist als Bergtour sehr empfehlenswert, lieber Ober- Wettzenbrunn nahmen wir ben gewaltigen Berg in scharfent An- stieg. Die Aussicht ist einzigartig. Abwärts gings durch das ltebltche Tal des Steepler Wassers und des Kiesbaches über Spar­brod nach Gersseld, einem sauberen Städtchen am Fuße der großen Wasserkuppe. Der Weg auf die Wasserkuppe führt verhältnismäßig bequem bergauf über grüne Matten, an Hoch­mooren mit ihrer eigenartigen, schönen Flora vorüber, nach der öuttiaquet(e, die falt auf der!>e des Berges entspringt Aus dem Gipfel selbst '950 Meter) steht ein eisernes Schutzhaus mit Wirlichatt unö Gelegenhe-t 5um Uebernacyleu Unten int ^ale war es iehr warm, fast heiß, aber hier auf dem Gipfel herrschte eine starke Kwste (2 Grad Celj. . Die .Aussicht war herr CTw geirnnteJKlion, der --pepart, Taunus, Vogelsberg, Wester- walch, bm Thnringerberge altes lag zu unseren Füßen, unb als bte Sonne unterging unb mit ihren letzten Strahlen die toiiifrr pergolbete, baitoj ein Bild vor uns, daswttnieve^eK werden. . Wir stiegen hinunter nach Abtsroda, wo wir in einem ein njen Wirtshaus über Nacht blieben. - Ter nächste ±aQ der letzte unserer schönen Reise, führte uns zur Milseburg, einem stellen,^etgenattig geformten Basalttegel, auf dessen Höhe r >-in& cinc bcin heiligen Gangolsus

Ziel war Schloß Bieberstein, dessen

-n? bunfelit Kastanien hervorleuchtend, uns von ^on Bieberstein führte uns die Bahn über CUlda zur Heimat zurück. q

Eine zchtorir durch Spessart unö Rhön.

Jetzt, wo ber Frühling mit Macht ins Land bricht, wo der Wanbertrieb- rege wirb, der uns Germanen allen so tief im Blute steckt, will ich von ber Wanberung erzählen, die »viv, zwei lustige Studenten int vergangenen Jahr durch Spessart unb Rhön unternommen haben.

Die Bahn führte uns vorbei an Aschäffenburg mit seinem roten Schlosse, vorbei an den prächtigen MaiNstäbtchen Klingen­berg und Klein-Heubach, nach.Miltenberg, dem alten reizenden Miltenberg. Schon von weitem grüßte uns das oben auf dem Berge thronende Schlößchen. Wir hatten es gut getroffen, aus der Umgebung waren Scharen von Landleuten zum Markte I;erbeitjekommen. Namentlich vor dem uralten Gasthaus 5um .Riesen" war großes geschäftiges Drangen. Es war wahrlich nicht schwer, sich inmitten der malerischen alten Häuslein und inmitten der Leute in ihrer alten Bauevutracht sich um einige 100 Jahre ins tiefe Mittelalter zurückversetzt zu fühlen.

Rüstigen Schrittes gings weiter am Main her, vorbei an beut zu Baden gehörigen Frendenberg, vorbei an den reichen Weinbergen, die uns links begleiteten, während rechts der Main mit feinen Schiffen, Boten und Flößen strömte. Nach drei- Hünbiger Wanderung erreichten, wir Stadtprozelten. Hier bogen pir nordwärts ab "in den Spessart hinein. Bald fanien wir in den alten Saupark. Hohe Eichen, Buchen und Sannen schauten auf >rns hernieder. Stunbenlang waren wir schon gewandert und immer noch nahm der Wald kein Ende. Es wurde dunkel, endlich finster und wir trafen keine menschlichen Ansiedelungen, wir mußten uns gestehen, daß wir irregegangen waren. Kleinmütig, iast verzweifelt geworden hatten wir uns schon einige Male ent­schlossen, im Wald zu kampieren und immer hatte uns die ooffnung wieder weitergetrieben. Ms einmal sahen wir eine Rchtting und im Nebel, vom bleichen Niondlicht beleuchtet, lag in Haus vor uns, es war das HauffscheWirtshaus im Spessart", tar Rohrbrunn. Einsam im Walde, meilenweit vvn jeder Ort- chast entfernt, liegt hier an der großen Straße Aschaffenburg ckürzburg ein einiames Försterhaus, ein kleines Jagdschloß des bayrischen Prinzregentcn und das uralte Wirtshaus, in dem jene Hauffsche Erzählung spielen soll. Wie schnell waren wir munter, wie mundete uns das einfache Abendessen und das gute Layrische Bier nach all der ausgestanbenen Mühe! Am nächsten Morgen ging es weiter, einem idyllischen Waldbächlein entlang 11 ber Hainbuchentlwl nach derPerle des Spessarts", nach Mespel- fcrnmi: Im Jahre 1342 erhielt Haman Echter, Bicedonl des 5 urfürsten Johann II. von Aschaffeiiburg, jenes Plätzchen, die ^.Espelborn", als Schenkung, weil er dort für den verschmachtenden K urfürsten aus einer unter Mispelbäumen verborgenen Quelle Labung gebracht haben soll. Er begann ben Bau des Schlosses, den feine Nachkommen Vollenbeten. Nach dem Ansüerben ber Cchter kam der Besitz an die Grasen von Jngesheim. denen er heute |

Ta naht sich leis Frau Fantasie, In Träume mich zu wiegen. Sie sang ihr altes Zauberlied, Und Bilder ferner Zeiten, Vergangner Tage Herrlichkeit Sah ich vorüber gleiten. Mir war's, als hört' ich von dem Turm Des Wächters Horn erschallen Und heller Stimmen lauten Ruf Im Jagdschloß widerhallen. Es wieherten die Rosse laut, Und Spieß und Armbrust klirrten, Tazwischen minnig aus dem Dach Die Taubenpärchen girrten. Der Riegel knarrt', am Bogentor Senkt rasselnd sich die Brücke, Es stürmt hinaus, voran mit Hast Die Ment mit gierem Blicke.

Und hinterdrein, ein Zauberbild, Gefolgt vom reifgen Trosse Umringt von edler Ritter Kreis, Die schöne Frau vorn Schlosse. Und Reiter, Roß und Rüdenschar, Gebell und Hifthorntönen, Verschwunden ist's im grünen Wald, Das Tor schließt sich mit Dröhnen.

Vom Licht umflossen liegt das Schloß, Es spiegelt sich im Weiher, Und knorrig grüner Efeu rankt Sich innig ums Gemäuer.