Ausgabe 
3.12.1909 Drittes Blatt
 
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fitzern unb Protokollführern eine von der Gemeinde Vertretung Testzusetzende Emschädigung gezahlt werden kann.

Die Beratung wird darauf abgebrochen.

Nächste Sitzung: Freitag 9 Uhr.

Dcvmilcbtes.

* König Eduards Debüt alsSchaus vieler. König Eduard, der eine so hervorragende Rolle auf der Weltbühne spielt, hat auch einmal mit großem Erfolg sich als Schauspieler betätigt Zur Zeit als er noch Prinz von Wales war, gall er als Freund verschiedener Schauspieler, von denen er auch bei den häufigen Besilchen in ihren Ankleidezimmern die Kunst lernte, eine wirkungsvolle Maske mit Schminke, Wachs und Kohlestift herzustellen. Eines Tages beschloß er, seine Kunst zu erproben. Er schminkte sich als Landstreicher zurecht, und erschien in diesem Aufzuge iwr seiner Mutter, der Königin Viktoria. Die Königin, die glaubte, daß ein wirklicher Landstreicher Eingang in den Palast gefunden hätte, rief erschreckt um Hilfe. Der Prinz riß schnell die Maske und den struppigen Vollbart, den er sich <uv geklebt hatte, vom Gesicht und beruhigte seine Mutter. Sehr entzückt soll jedoch Königin Viktoria von dem Witz ihres Sohnes? nicht gewesen sein.

* Eindrücke einer Sehendgewordenen. In einem! Londoner Hospital hat eine Frau von 36 Jahren, die seit ihrer; Geburt blind war, infolge einer Operation die Sehkraft erlangt. Sie wurde sofort natürlich von zahlreichen Journalisten bestürmt. Die Frau erzählte, daß alle Dinge, die von ihr berührt worden waren, als sie nichi sehen tonnte, in ihrer Phantasie und in ihrer durch nur vier Sinne bewirkten Wahrnehmung eine Gestallt hatten, die durch das wirkliche Erschauen nicht die. geringste Aenderung erfahren habe: sie sehe alles, was sie betastet, genau so, wie sie es sich vorgestellt habe. Staunen und eine oewisse Verwirrung unb Furcht riesen bei ihr nur die Dinge hervor, die sie nie berührr hatte: es schien ihr, als ob sie sich unten dem vielen Neuen, das sich ihr plötzlich darbot, nie würde zu­rechtfinden können. Von den Farben machte den größten Eindruck auf sie das Grün, das ihr auch jetzt noch eine gewisse Furcht ein* flößt. Verwirrt iind/manchmol geradezu erschrecke wurde sie durch»! den Anblick solcher Dinge, von denen sie durch häufige Schil­derungen und Erzählungen eilte gewisse Kenntnis hatte. Sta hatte z. B. nie cm Pferd berührt, wußte aber ganz genau, was ein Pferd ist, und wie es aussieht. Als sie jedoch zum erstKtz Mal ein solches Tier erblickte, begann sie, obwohl sie auch während ihrer Blindheit sich sehr oft in von Pferden gezogenen Wagen befunden hatte, am ganzen Leibe zu zittern, und dieses vrtmitive Angstgesühl steigerte sich zum Entsetzen, als sie das Pferd laufen sah. Sie konnte zuerst durch nichts, auch nicht durch die Ver­sicherung, daß das Pferd ein ganz harmloses Tier sei, beruhigt werden; trotz alledem freut sie sich sehr, daß sie alles, was sie bisher nur geahnt hat, jetzt wirklich sehen kann.

lürd?lid?e Nachrichten.

LvangeiNHe wemeiiioe.

Sonntag den 5. Dezember. 2. A d v e n t. Gottesdienst.

3n der Ltadtkirche.

Vormittags 9'/.. Uhr: Piarrer Schwabe.

Vormittags 11 Uhr: Klnderkirche für die Markusqemeinde.

Piarrer Schwabe.

Abends 5 Uhr: Piarrer D. Schlosser.

Beichte und heiliges Abendmahl für die Matthäusqemeinde, wozu besonders auch die fonfirmierte Jugend eingeladen wird. Anmeldung vorder bei dem Piarrer der Gemeinde erbeten.

Momag den 6. Dezember, abends 8 Uhr: Vereinigung der- konfirmierten weiblichen Jugend der Matthänsqemeinde.

Donnerstag den 9. Tezbr., abends 8 Uhr, im Markussaal: Bibelstunde. (Bilder aus dem- Leben Jesu.)

Pfarrer Schwabe.

Nächstkunktigen Sonntag, als am 3. Advent, sindet im Abend­gottesdienst Beichte und heil. Abendmahl für die Markusgememde statt, wozu besonders anch die konfirmierte Jugend eingeladen wird. Anmeldung vorder bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten.

3n der Jodanneskirche.

Vormittags 91/? Uhr: Pfarrer Ausield.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde.

Pfarrer A u s s e l d.

Abends 5 Uhr: Pfarrer BechtolSheimer.

Beichte und heil. Abendmahl für die Lukasgemeinde. An» Meldungen vorher bei dem Psarrcr erbeten.

Abends 8 Uhr im Johannessaal: Versammlung und Bibel- besprechnng.

Momag den 6. Dezember, im Johannessaal: Bibel st unde.

Pfarrer A u S i e l d.

Nächstkünstigen Sonntag,.3..Advent, Beichte unb heil. Abend­mahl für die Johannesgemeinde nn Abendgottesdienst. An­meldung vorher bei dem Pfarrer erbeten.

Am Sonntag, 3. Advent, wird eine Kollekte zum Besten der Diaspora-Gemeinde Rockenberg erhoben werden.

katholische Gemeinde. Gottesdienst.

Samstag den 4. Dezember:

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegercheit ziir heil. Beicht.

Sonntag den 5. Dezember, 2. Advents-Sonntag:

Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur hell. Beicht.

Vormittags um 7 Uhr: Tie erste heil. Niesle.

um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.

Vormittags um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

um 11 Uhr: Heil. Messe mit Predigt.

Nachmittags um 5'/, Uhr: Christenlehre: darauf Advents-Andacht.

oölkerung das politische Vertrauen verloren. Deshalb sei irn Interesse des Richterstandes gelegen, es bei der seitherigen Ucbuncj zu belassen.

Aog. Molthan (Zentt.) schließt sich dem Vorredner an. Xie Trennung in Richter und Lokalbeamic hält er nicht für lutge'eigt. Er bittet, dem Ausschußantrage zuzustimmen.

Abg. Ulrich (Soz.): Durch die Ersahrung gewitzigt, hätte >ctne Partei ihren früheren Standpunkt aufgegeben. Politisierende Beamte, Geistliche und Lehrer, die nicht gewählt werden können, leien weit gefährlicher als solche, die das passive Wahlrecht be- säßen. Er tritt für Strich des Art. 15 ein.

Abg. Noack (Natl.) ist Gegner des Art. 15, wünscht diesen .edoch im Falle seiner Annahme dahin erweitert, daß auch die Bürgermeister, Beigeordneten und Geistlichen mit hineingenommen werden.

Abg. Dr. Osann macht dem Abg. v. Brentano den Vor­wurf der Inkonsequenz, weil er bei der Beratung im Jahre 1902 gegen dje betreffenden Bestimmungen gesprochen habe, deren An­nahme er jetzt als Ausschußreferent befürworte.

Abg. Tr. v. Brentano (Zentt.) weist diesen Vorwurf zurück.

Abg. Uebel (Zentt.) weist darauf hin, daß durch Art. 15 nur eine teilweise Beschränkung für die Wahl von Beamten ein- treten solle. Er Halle diese für gerechtfertigt. Wenn z. B. ein Kreisrat in seinem Dicnstbezir! als Kandidat auftretc, so würde natürlich gleich der ganze Apparat der Bürgermeister unb sonstigen Gemeinbebeamten mobil gemacht werben. Eine Beschränkung ber Wahl von Geistlichen unb Lehrern kann ber Rebner nicht befür­worten.

An der toeiteren Debatte beteiligen sich noch die Abgg. Orb, Wolf und v. Brentano. Bei der alsdann erfolgten Ab­stimmung wird zunächst ein Antrag Fulda auf Streichung des ganzen Artikel 15 gegen 7 Stimmen abgelehnt, ebenso mit einer starken Minderheit der Antrag Dr. Osann auf Streichung des zweiten Absatzes. Der Ausschußantrag aus Genehmigung der Regierungsvorlage wird darauf gegen 9 Stimmen an­genommen.

Nach der Pause gibt der Vizepräsident Korell zunächst be­kannt, daß das Geburtstagsgeschenk ber Zweiten Kammer, eine silberne Fruchtschale, bem Präsidenten Haas gestern überreicht worden sei. Er sage hierdurch bem Dause herzlichen Dank.

Sodann wird in ber Beratung sortgefahren.

Zum Abschnitt III, von ber Wahl ber Vertreter der adeligen Grundbesitzer und von dem Vorschläge der Vertreter der Bcruss- ftänbe für die Erste Kammer, werden nach dem Ausschußanttage Art. 16 bis 18 angenommen.

Beim Abschnitt IV, von der Wahl der Abgeordneten zur Zweiten Kammer, entspinnt sich bei Art. 19 zur

Frage der Proportloualwahl eine längere Debatte.

Geh. Staatsrat Krug v. Nidda erklärt, daß man mit dem Proportionalwahlgesetz erst sehr geringe Erfahrungen gemacht habe. Er empfiehlt Annahme der Regierungsfassung.

Abg. Tr. .Heidenreich bezeichnet die Annahme des Pro- vortionalwahlsystems als einen Sprung ins Dunkle. Er bittet, der Regierungsvorlage zuzustimmen.

Abg. v. Brentano (Zentt.) erhebt hiergegen Widerspruch unb erklärt, daß er entschiedener Anhänger des Proportional- wahlsystems sei. Auch der Ausschuß habe sich einstimmig für dieses System erklärt.

Abg. M o l l h a n (ZentrJ erachtet die Stellung des Aus­schusses ebenfalls für wertvoll. Die Ablehnung der Verhältnis­wahl müsse er bedauern.

Abg. Dr. Osann führt an Hand von Beispielen aus, daß das Proportionalwahlsystem, wo cs eingeführt ist, nicht so wirtt, wie seine Anhänger es wünschen. Auch bei den Gemcinderatswahlcn habe es sich nicht bewährt. Ebenso sei das Proportionalwahlrecht für das ganze Land nicht angängig, desgl. das für die Städte. Theoretisch könne man wohl dafür sein, praktisch aber auf keinen Fall.

Abg. v. Brentano (Zentt.) legt nochmals seinen Stand­punkt bar: besonders verstehe er den Standpunkt des Abg. Tr. Osann nicht. In Bayern seien durch die Verhältniswahl große Mißstände beseitigt worden. Tiese Wahl sei die einzig gerechte.

Staatsminister Dr. Ewald hält die Wahlkreiseinteilung der Städte nicht für richtig, da durch Eingemeindungen immer wieder Acndcrungen vorgenommen werden müßten.

In der folgenden Abstimmung werden die Ausschußantrage abgelehnt und der Antrag Osann auf Wiederherstellung der Re­gierungsvorlage gegen drei Stimmen angenommen. Damit ist Art. 19 erledigt. Er lautet: .....

Diejenigen Städte, welche mehr als einen Abgeordneten zu wählen haben, werden für die Wahl in so viel räumlich abgegrenzte Wahlkreise cingei.ilt, als Abgeordnete zu wählen sind. In jedem Wahltteis wirb ein Abgeordneter gewählt. Tic Wahlkreise sollen ic ein zusammenhängendes Ganzes bilden und eine annähernd gleich große Zahl Einwohner enthalten.

Die Abgrenzung der Wahlkreise erfolgt im Wege der Ver­ordnung, nachdem die städtische SSertretung hierüber gehört ist.

Diejenigen Städte, von denen jede einen Abgeotdneten zu wählen hat, bilden je einen Wahlkreis für sich.

Nach Art. 20 soll die Provinz Starkenburg 18, Oberhessen 14 und Rheinhessen 11 Abgeordnete erhalten. Der Artikel wird ohne Debatte angenommen, ebenso Art. 21, 22, 23, 24, die nähere Bestimmung über die Wahl der Abgeordneten treuen. Bei Art. 25 regt Abg. 3 to g l e r (nat-.-lib.) eine genauere Präzisierung über die Rechtsgültigkeit der sestgestellten Wählerliste an; nach kurzer Debatte, an ber sich die Abgg. Best, Heidenreich, v. Brentano, Ulrich, Leun unb ber Staalsminister be­teiligen, wirb ber Artikel an ben Ausschuß zurückverwiesen. Tie Art. '26, 27, 28, 29 unb 30 bestimmen Näheres über die Wähler­listen, die Feststellung der Abstimmungsbczirke und das Vcrsahren bei der Wahi unb werden nach den Ausschußanttägen angenommen. Art. 31 setzt fest, unter welchen Umständen eine Wahl als Wahl­vorsteher, Stellvertreter, Protokollführer oder Beisitzer abgelehnt werden kann, nämlich bei anhaltender Krankheit, Alter über 60 Jahren oder sonst hinreichender Entschuldigung. Art. 32 bestimmt, daß die Wahl um 10 Uhr beginnt unb um 7 Uhr nachmittags geschlossen wird. Die Art. 33 u. ff. enthalten Vorschriften über bie Stimmzettel, die in amtli.ch abgestempelten, unverschlossenen Umschlägen von 1215 Em. Größe unb undurchsichtbarem Papier abgegeben werden müssen. In Art. 50 wird bestimmt, daß die Wahlhandlung, sowie die Ermittelung des Wahlergebnisses öftent- lich sein sollen. Im Absatz 2sollten nach der Regierungsvorlage die Wahlkommissionen das Recht erhalten, zur Aufrechterhaltung ber Ordnung aus eine Gelbstrafe bis zu 30 Mark zu erkennen. Auf Anttag bcs Ausschusses wirb jedoch dieser Passus gestrichen unb dufür bestimmt:Zur Ausrcchterhaltung der Ordnung wttd ben Ortswahlkommissionen unb ben Kreiswahlkommissionen bie Befugnis eingeräumt, Personen, welche die Ruhe unb Ordnung des Wahlgangs frören, sofort aus bem Wahllokale zu verweisen. Ferner wird noch Art. 51 nach ber Regierungsvorlage an­genommen, worin bestimmt wttd, daß ben Wahlvorstehern, Bei-

Meteorologische Beobachtungen der Station Stehen.

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Höchste Temperatur am 1. bis 2. Dezember = 4- 6,1 C.

Niedrigste , , 1. , 2. , = 3,9 tiC.

Nieberichlag: 9,2 mm.

1909

^Daroniclcr nuf 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

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Wind- richlung

Windstärke

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Wetter

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Slürm. Wind

Nr. 284

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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>-Vorstellung ne abends.

Rotationsdruck und Verlag ber BrühlNchen UnwerstlälS - Buch- unb Steindruckerei. R. Lange. Gießen.

Rebaktton, Exvedition unb Druckerei: Schul­straße 7. Exvebinon unb Verlag: fRebaftwme^ 112. Tell-Abru Anzeig erGießen.

DieGtetznrer FamiliendläNe:" werben bem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, baS Krcisblati für ben Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLaobwirtschaftr^en Zeit« fragen" erscheinen monatlich jroeu^4.

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Äiig-n. Mll ^mselben Rechte, toie sich ein Be ttgskandidat proklamieren lassen könne, solle ihm bas auch als - (wchtagskandibat möglich sein. Ter Rebner ist für Sttich des utsatzos.

Abg. Schönberger (Natl.) tritt für die Regierungsvorlage jl Besonders der Richter nehme in der Bevölkerung eine solche cllöhte Stellung ein, daß eine Beeinflussung bei der Wahl unter :*len Umständen eintreten müsse. p

<vrL-, Tr Osann Mall.) macht darauf ausmerkiam, daß ... . Zeit Artikel 15 mit seiner Beschränkung auf Antrag öeS i)zülldemvkratisck)en Abg. Tr. Tavib mit 26 gegen 11 Stimmen genommen mürbe. Die Beamten sollen am politiickren Leben ' iuv Kampfe teilnehmen könnett, da unter ihnen viele dazu Be- I rriene seien. Diese sollten nicht ausgeschclltet werden, da heute iiP Wenige zur Betätigung im politischen Leben befähigt seien, -«shalb habe er ben Anttag gestellt. Den zweiten Mzatz zu strcicken.

Abg. Tr. Winkler (Natt. : Durch Art. 15 sei.ein ecfiue i Beamten nicht geschafsen. Tas Recht der Frerheit im Poli- chen Leben solle ihnen nicht gekürzt werden.

Abg. .Hauck (Bbd.) spricht sich dafür aus, daß die Beamten außerhalb ihres Tienstbczirkes gewählt loerden sollen

Abg. v. Brentano iZentt.) sieht eine merkwürdige Er- Einung darin, daß bie Sozialdemokraten früher, im Gegenm« 'a,_ jetzt, gegen das passive Wahlrecht ber _ Beamten Iffammt haben. Der Redner ist dafür, auf ber Versauung stehen ;4 bleiben, da sie der Würde des Richterstandes mehr diene; es iei Aet, wenn ber Richter für eigenen Bezirk nicht in die polttuche ttma eintreten könne. Wer sage, ber Einfluß eines cingejenen.cn Junten fei unbedeutend, ber sei doch etwas meld fremd, (^ehr 'lcktig!j T Richter habe bei einem großen Teile ber Be-

Hessische Zweite Kammer.

R.B. Darmstadt, 2. Dez.

A« Regierungstische: Staatsminister Tr. Ewald, Geh. Staatsrat Krug v. Nibda, Ministerialrat Lvrbacher.

In der um 9V-, Uhr vom Vizepräsibeitten Dr. Schmitt eröffneten Sitzung wird sofort in der

Wahlrechtsberatung

fortgefahren. Zur Beratung steht zunächst Art. 6 a, das Pkitra l v a h l r e ck t betreffenb.

Abg. Tr. Weher beantragt mit Unterstützung des Bauern­bundes, als Art. 6 a zu beschließen: Der Wahlberechtigte, der das 50. Lebensjahr zurückgelegt hat, ist berechtigt, zwei Stirn vren bei der Wahl abzugeben.

Abg. Orb (3oz.) sieht in dem Anträge eine neue Enttechtunr der Arbeiterklassen, die ein Durchschnittsalter von 50 Jahren nie erreichen.

Abg. No a ck (Natl.) kann sich ebenfalls nicht für dasPlural- rahkrecht erwärmen.

Abg. Tr. Weber (Bbd.) verteidigt nochmals den van ihm -mgebrachten Anttag, der bezwecken soll, den jungen Wählern ein Gegengewicht entgegenznstellen.

Der Antrag wird abgelehnt.

Zu Art. 7, den

Au?schlnh vom Stimmrechte bett.

ivcrden die Pos. 1 bis 5 angenommen; danach sollen öoüt Stimm «»auSgefchlossen sein 1. Personen, die unter Vormundschaft ikr wegen geistiger oder körperlicher Gebrechen unter Pfleg­schaft stehen: 2. Personen, über deren Vermögen der Konkurs ^öffnet worden ist, während der Dauer des Konkursverfahrens: Personen, die zu Zucl)thaussttafc verurteilt worden sind, von le Rechtskraft des Urteils bis 5 Jahre nach Strafverbüßung; 4 Personen, denen die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt find iitr die Dauer ber Aberkennung; 5. Personen, die des Verlustes (ffentlieh,er Acmter und aus öffentlichen. Wahlen hervorgegangenen itediten entfleibet worden sind, auf 5 Jahre. Ein Antrag wollte : 6erall bie 5 jährige Verlustdauer gestrichen wissen. Der Anttag murbc jedoch ab gelehnt.

| Tic Positionen 6 und 7, nach welchen auf dem Tisziplinar. □eg entlassene Beamte und von der Anwaltschaft ausgeschlossen? s'iechtsanwälte aus die Tauer von 5 Jahren vom Stimmrecht susgeschlvssen sein sollen, beantragt der Ausschuß, einem Antrag Ä. Fulda entsprechend, zu streichen.

Abg. Dr. Fulda (Soz.) plädiert für eine Streichung dieser 'Stimmungen, bie eine ganz unmotivierte Erschwerung des Wahl rMs bedeuten unb auch seither nicht vorhanden gewesen seien.

Abg. Reh (Freißi weist darauf hin, daß schon der 32. Land- ag einstimmig bie Pos. 6 unb 7 gestrichen habe unb wenn bie icmmcv b' damals getan, so werde sie es wohl auch heute nm können.

, Abg. Tr. Winkler (Natl.) spricht sich ebenfalls fur Stteich- intg der beiden Posttionen aus.

Tas Haus beschließt darauf mit gwßer Mehrheit die Streichung j^of. 8 unter Polizeiauflicht stehende Personen, 9, ber Landes- vcklizei überwiesene Personen, 10. Personen, die zur Zeit der ^öahl zu ihrem Lebensunterhalt eine nicht bloß vorübergehende 'Urmertuntcrftüfrung aus öffentlichen Mitteln beziehen, ober in bot *|t£ii zwölf Monaten vor der Wahl bezogen haben, werden nach AussckMßanträgcn mit allen gegen 5 Stimmen angenommen in Anttag Tr. Fulda, auf Streichung, wird abgelehnt), ebenso ^s. 11, Personen, die zur Zeit der Wahl mit der Entrichtung >3 direkten Staats- ober Gemeindesteuer länger als zwei Monate ck im Rückstände befinden.

Artikel 8 des Gesetzentwurfes enthätt die Bestimmungen, nach enen bas Wahlrecht ruhen foIL Artikel 9 bestimmt, daß Mit- nieder der Ersten Kammer und stimmberechtigte adelige Grunb- 'rfifcer nicht an den Wahlen zur Zweiten Kammer teilnehmen imen. Nach Artikel 10 können die geborenen Mitglieder der ersten Kammer von ihrem Rechte nur Gebrauch machen, wenn .1 bie hessische Staatsangehörigkeit besitzen, das 25. Lebensjahr i urücfgelegt haben und mindestens 3 Jahre im Großherzogtum ?ohncn. Diese Artikel werben ohne Debatte angenommen, ebenso Artikel 11, 12, 13 und 14. Tie einige nähere Bestimmungen

Drittes Blatt 159. Jahrgang Freitag 3. Dezember 1909

Mehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesien

I treffen.

Artikel 15 lautet: Mitglieder der Ministerien, sowie ber 'ierrecknungskarnmer, können nicht zu Abgeordneten für die Zweite llgnrmcr gewählt werden.

Amtsrichter unb Gerichtsschreiber bei den Amtsgerichten, Kreis- Ale, Kreisamtmänner, Kreisärzte, Kreisassistenzarzte, Krcisschul- rrjpeftoren, Krcisvcterinärärztc, Krcis^oometer, Polizeikommiflare, vouinspettvren und Bguajscsforen, Finmizamttnänner, Bezirks- Irfficre und Kontrollhcamte ber Lokalkassestellen, Lbersteuer-Jn-- iiitttoren und Obcrsörster, sowie die diesen Beamten untergebenen Beamten, bie ihren Gehalt aus der.Staatskasse empfangen, können Ifia Walfltteise, bie ganz ober zum größten Teil zu ihren Ticnst- b?iirten gehören, reicht zu Abgeordneten gewählt werden. Tas- kure gilt von den Beamten, auf die in der Folge die Amts- tnridi'imgen der vorstehend bezeichneten Beamten übertragen wcr- S bm sollten.

i Hierzu liegt ein Antrag Tr. Osann vor, den ganjen zweiten r Ulf ab zu streichen.

Abg. Wolf (Bbd.) spricht sich gegen den Strick dieses Ar- k k kicks aus.

StaotSminiskcr Dr. Ewald: Es lassen sich für unb gegen iit Auftechterhaltung des jetzigen Zustandes wichtige Gründe an- rihren, aber bienfllidie Gründe haben uns benimmt, Tür die Aus- Wrnhleihaltung des schon bestehenden Zujtandes einzutreten.

Äbg. Dr. Fulda (Soz.) siebt ben Grund nicht ein, warum tiat hier unterscheide zwisdien Sota (beamten und Beamten im Mll demselben Rechte, wie sich ein Beamter als Reichs ' " "" solle ihm das auch als