Ausgabe 
1.11.1909 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Ein Deutscher aus Neu-Guinea ermordet.

Sydney, 30. Oft. Nack ans Herbertshöhe in Neu- pommern eingetroffenen Meldungen wurde der in Neu­guinea weltbekannte Deutsche Dammkoehler auf einer Expedition in das Innere der Insel bei einem Kampfe mit Eingeborenen durch einen Speerwurf getötet. Eine Gesellschaft unter Führung Tammkoehlers war nach dem oberen Laufe des Markhain crufgebrochen, um Gold zu suchen. Als eines Tages Dammkoehier mit einem Gcfäl)rten allein im Lager zurückgeblieben war, während die übrigen Teilnehmer der Expedition weiter in das Innere gedrungen, griffen plötzlich Eingeborene das Lager an; bei dem sich ent- spinnenden heftigen Kampfe erschossen die beiden Deutscl>en 15 Eingeborene, bis Dammkoehler von einem Speer tödlich getroffen wurde. Dem Gefährten Dammkoehlers gelang es, zu entkommen; er konnte nach vielen Mühseligkeiten die Küste wiedererreichen, wo er im Hospital Aufnahme fand.

Die neuen Austausch Professoren hielten am Samstag in der Aula der Berliner Universität in Gegenwart des Kaiservaares, des Kultusministers, seines Vorgängers, des kaiserlichen Gefolges, des Lehrkörpers der Universität u. a ihre Antrittsvorlesungen. Nach der Bewillkommnungs­ansprache des Rektors, Prozessor Erich Schmidt, sprach der Präsi­dent der Universität Berkeley (Kalifornien», Professor Wheeler, über die Macht der öffentlichen Meinung von Amerika und so­dann Pro'essor George F. Moore von der Harvard-Universität in Cambridge über die Aufgaben der Neligionsgeschichte. Beide sprachen in deutscher Sprache.

Das Modell in der Villa Malta. Fürst Bülow ist im Begriff, seinen Wintersitz in Villa Malta zu nehmen. Wie sie vermutlich letzt das Ziel vieler neugieriger und wißbegieriger Leute sein wird, so ist sie einst das unendlich vieler schonheits- durstiger gewesen. Und das kam so. Die Villa Malta war be­kanntlich, noch ehe sie in den Besitz des Königs Ludwig von Bayern gekommen war, das Palais des hannoverschen Gesandten gewesen. Im Sommer 1820 nun hatte der damalige hannover­sche Legalionsrat, spätere Gesandte August Kestner, der Sohn von Charlotte Kestner geb. Busch Wert Hers Lotte, in Albano em wunderschönes Wmzermädchen, Viktoria Caldont, kennen gelernt und sich wohl auch gründlich m sie verliebt. Er bewog die Ge-

Ein Ausstand der Koreaner?

London, 30. Oft.Star" meldet ans Kobe: 300 Koreaner haben die Eisenbahnstation in der Nähe von Soenl angegriffen. Heber das Schicksal des japanischen Bahnpersonals verlautet noch nichts. _____

Die golgen Oes Vorfalles in Lhardin.

London, 31. Okt.New Bork Herald" meldet ans Peking, daß als Ergebnis des Besuches des russischen Finanz Ministers in Charbin, Rußland den Mächten vorgeschlagen habe, eine kleine internationale An sie de lang außerhalbCharbins zu schassen. Sier geht die diplomatische Meinung dahin, daß dieser Vorschlag unannehmbar ist, weil in seiner Annahme eine Anerkennung des von der russischen Eisenbahnverwaltung erhobenen Anspruchs liegen würde, die politische Macht über alle Bewohner der Eisenbahn^one in der Nordmandschuvei anszuübcn.__________

Das erste Lonzert des ttonzertvereins.

Gießen, 1. Nov. 1909.

Mit Beethoven, dem größten unter den Großen, dessen Musik in unanshaltsamem Siegeszuge die ganze Welt er» obert hat, und die, wo auch immer dem Musendienst eine Stätte geweiht ist, unumschränkte Macht ausübt, eröffnete der Konzertverein seine dieswinterliche Spielzeit. Zwei iriner beoeutendsten Werke zierten das gestrige Programm. Die Ouvertüre zur Musik über Goethes Egmont und die herrliche, unvergleichliche Eroika-Sinfonie.

In der Musik zu Egmont ist jedes einzelne Stuck in Beziehung auf das Trauerspiel tief durchdacht. Beethoven ^tätigt hier auf cstmz außerordentliche Weise sein Vermögen als Clmrakterzeichner. Der Sck)werpunkt tn der Ouver^ tiire liegt wohl in der Vorstellung vom geknechteten, nach Freiheit ringenden Volke. Das despotische Auftreten cklba^, das drohende Aufwallen der empörten Gemüter alle* dies gelangt zu entsprechendem Ausdruck. Die Wiedergabe des Werkes vom Palmengarten-Orchester tn Frankfurt a. M. CDirigent Kärnpfert) hier unter Leitung des Univerittats- Vusikdirektors G. Trautmann kann eine glanzende ge-

sein. Frau Possart schmiegte sich den beiden Instrumenten geschmackvoll an. Sie kam hier nicht so zur Geltung als Geige und Cello, deswegen hat man wohl auch noch die beiden Solo stücke für Klavier dem Programm zugefügt. Die Frage, ob dies ganz passend war, will ich nicht erörtern. Ich wäre am liebsten mit den Eindrücken, die ich durch die so herrlich wiedergegebene Eroika empfangen hatte, nach Hause gegangen. Nach dem Anhören eines solchen gewal­tigen Werkes bedarf man der Ruhe und Sammlung. Meine Pflicht hieß mich dableiben. So kann ich denn feststellen, daß sich Frau Rieder-Possart in dem poesiereichen Schu- bertschen Impromptu, das sie ohne jede Gesuchtheit, ein­fach und warm, und in dem mit Recht so viel gespielten Scherzo von Chopin, als eine mit tüchtiger Technik aus- gestattete Klavierspielerin gezeigt hat. Auch ihr wurde viel Beifall und Hervorruf zu teil.

politische Lagessehatt.

Ein politischer Automobilboykott.

Von einem Automobilboykott gegen die Nativnal- lib er alen bei der Landtagsersatzwahl in Moabit be­richtet dieNationalztg.":

Wie im letzten Wahlkampf, wollten sie auch diesmal einige Automobile mit Plakaten,Wählt nationalliberal", durch die Straßen fahren lassen. Die Wagen waren ge­mietet, der Eigentümer der Wagen mit dem Vorhaben ein­verstanden, die Plakate beschafft. So weit war alles in Ordnung, als nun aber die Plakate an den Wagen befestig! werden sollten, erklärtendieWagensührer:Nein mit solchen Plakaten fahren wir nicht, das könnte der Sozial­demokratie schaden." Eine Rückfrage an den Eigentümer der Wagen, einen gewerbsmäßigen Unternehmer, ergab noch Erstaunlicheres. Sämtliche Wagenführer streikten, um von ihm die Zurückziehung der Zustimmung zu der Anbringung nationalliberaler Plakate zu erzwingen. Das national(ibc> rale Parteibureau trat mit den Streikenden in Verbindung, wurde aber an die Vertrauensmänner der Gewerkschafi gewiesen. Als dann die Nationalliberalen auf die Er­füllung des Vertrages durch den Unternehmer verzichteten, wurde der Streik für beendet, erklärt.

ParitatSschmerzen des Zentrums.

Wie das Zentrum bemüht ist, die Katholiken dauernd in seinem Bann zu behalten, beweisen die vielen Klagen über Verletzung der Parität, an welche die ultramontanen Artikelschreiber im stillen wohl selbst nicht glauben. Den neu ernannten Staatssekretär des Reichsjustizamts hat man ^var nicht feindselig empfangen, trotzdem sickert die Kritik in einer andern Form in die Zentrumspresse. Wir lesen in derKöln. Bolksztg." :

Durch die Ernennung des neuen Staatssekretärs der Justiz ist dernormale" Zustand wiederhergestellt, daß die Katholiken, welche annähernd zwei Fünftel des deutschen und preußischen Volkes ausmachen, von alle o Staatssekretariaten im Reiche und sämt­lichen preußischen Ministerposten au§ge schlossen sind. Die höchsten Beamten sind jetzt wieder alle Protestanten, also wiederunter sich" und brauchen nicht zu fürchten, daß katholische Ohren irgend welche Dinge hören, die nicht für sie bestimmt sind. Die liberalen Blättrr, welche immer 'n. furchtbare Aufregung geraten, wenn sie sehen, daß ein Regiment fast nur adelige Offiziere aufweist, behaupten mit dreister Stirn, die völlige Ausmerzung der Katholiken aus den höchsten Staats­ämtern seiZufall", aber die Bevorzugung der Adeligen in der Armee sei Absicht. Wenn die schlimmen Zentrums­leute von hohen Staatsämtern ausgeschlossen werden, so kann das niemanden mehr wundern. "

Demgegenüber ist darauf zu verweisen, daß gerade die Löln. Volksztg." mehrfach Artikel veröffentlicht hat, in jenen darüber geklagt wurde, daß verhältnismäßig zu wenig Katholiken dem akademischen Studium sich zuwendeten. Es tomrnen bei hohen Aemtern also nichtZwei Fünftel" der Bewerber als Katholiken in Frage, sondern viel weniger. Im übrigen entscheide! die Tüchtigkeit und nicht die Konfession.__

nannt werden. ., , ,,

Das Orchester zeigte sich als eine ausgezeichnet geschulte Künstlerschar. Streicher sowohl als Blaser hatten hier vollauf Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. Hervorzuheben ist die starke Besetzung des Streichkörpers, der stch im Allegro der Ouvertüre in vollem Glanze zeigte. Man sah und fühlte, wie alle Dirigent und Orchester von Beethovens Tönen hingerissen waren, diese Hingabe übertrug sich mit faszinierender Gewalt auf die Zuhörer. Reicher und wirk­lich wahrhaft verdienter Beifall ward den Aus führenden

erschüttert uns. Die Macht der Töne hier zeigt sie sich in ihrer vollen Entfaltung. Die Widmung Beethovens, Dem Andenken eines Helden", gibt uns Klarheit über Sinn und Geist der Komposition. Die Ausführung kann ebenfalls eine vorzügliche genannt werden, wenn auch manchmal eine plastischere Darstellung erwünscht gewesen wäre. Oder liegt dies an den akustischen Verhältnissen unseres Theaters? Die Baßfiguren am Schlüsse des ersten Satzes waren beispielsweise nicht zu hören, das Orchester er­drückte sie vollständig. Ebenso unklar waren die Trio len der Bässe im zweiten Satze nach dem Asdur-Akkorde. Am meisten vermißte ich die Triolen^.guren der Klarinette kurz nach Eintritt desPoir-Andante" im letzten Satze. Dagegen muß die Wiedergabe des Scherzos eine geradezu virtuosen- fjafte genannt werden. Klar und deutlich kam alles zu Ge­hör. Wie prächtig und sicher klang die ungemein schwierige Hornstelle eine Klippe für viele Orchester, sie gelang ganz tadellos. Kurz, die Sinfonie erfuhr eine Wieder­gabe, die alle Zuhörer packte. Prof. Trautmann wurde besonders durch reichen Beifall geehrt.

Ms drittes Werk Beethovenscher Muse brachte uns das Programm das so selten zu Gehör gebrachte Tripelkonzert für Pianoforte, Violine und Cello mit Orchester. Nach Schindlers Angabe schrieb es Beethoven für den Erzherzog Rudolph, sowie für den Violinisten Seidler und Cellisten ftraft Gewidmet wurde es dem Fürsten Lobkowitz. Beet­hovenscher Geist ist wohl unverkennbar, doch nicht in dem Maße vorhanden, der den anderen größeren Werken des Meisters innewohnt. Immerhin ist es ein Werk edelster Gestaltung. Der erste Satz ist wohl der bedeutendere. Die Führung der Soloinstrumente zeigen die Meisterlmnd. Frau Rider-Po ssart, und die uns wohlbekannten Herren Redner und He gar, hatten den solistischen Teil des Werkes übernommen und, dies sei gleich erwähnt, gut ans- neführt H. Redner führte den schwierigen Violinteil mit Ruhe und Sicherheit, auch temperamentvoll, aus. H. Hegars Ton ist nicht sehr groß, auch dürfte sein Spiel etwas warmer

zuteil.

Die Eroika-Sinfonie zeigt uns den Meister zum ersten male ganz frei von Haydn's und Mozart's Einfluß. Hier spricht Beethoven in seiner unerreichten Größe. Der große Tondichter ganz er selbst. Das kolossale Werk weckt alle Empfindungen in unserer Seele. Es überwältigt und

Nr.ÄS6 Erstes Blatt 159. Jahrgang Montag 1. November 1909

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General-AnMger für Gberhessen LM

Botatfonsörui und Verlag der vrSHI'schen Univ.-Vuch- und Steluörnderd R. tauge. NedaNlon. LrpedMon und Druckerei: Schulstratze 7.

h« vormittags 9 Uhr. ______ ______

Heev und Flotte.

Der bisherige Entwurf zur SchießVor­schrift für die Infanterie ist vom Kaiser endgültig genehmigt worden und gelangt nach erfolgter Drucklegung demnächst zur Verausgabung an die Kommandobehörden und Truppenteile. Die hauptsächlichsten Aenderungen be­ziehen sich auf die Erhöhung der Uedungsmunition für die Kompagnien. Nach den Übergangsbestimmungen können die bisherigen Ring- und Ringkopfscheiben an Stelle der neu einzuführenden Scheiben bis zum 1. April 1910 aufge­braucht werden; die bisherigen kleinen Schießbücher werden mit geringen Aenderungen verwendet werden können. Für die Militär-Gerichtsordnung ist bestimmt worden, daß die Verhandlungen nach Abschluß der Ermittelungen dem Ge­neral-Kommando zur Prüfung in disziplinärer und recht­licher Hinsicht einzureichen sind, sie werden demnächst dem höheren Gerichtsherrn erster Instanz zur Aufbewahrung zu- rüd^egeben. Der Kaiser hat bestimmt, daß im Jahre 1910 K'aisermanöver des I. gegen das XVII. Armeekorps statt­finden sollen. '

Deutsches Resch.

Der Großherzvg von Hessen hat den Geheimen Kom­merzienrat Dr. Ludwig Strecker in Mainz zum Mit- gliedderEr st err Kamme rderStändedesGroß- herzogtums auf Lebenszeit berufen.

Der Kaiser hat am Samstag vormittag im König­lichen Schlosse zu Berlin den Vortrag des Chefs des Marine­kabinetts, Vizeadmiral v. Müller, entgeaengenommen.

Die feierliche Eröffnung des sächsischen Land­tages wird am 11. November nachmittags um 1 Uhr im Thronsaal des Königlichen Schlosses zu Dresden statt­finden.

Die Morgenblätter melden aus Berlin: Die bisher in losem Zusammenhang stehenden Beam t en-Wa hl- vereine haben sich am Sonntag zu einem Bunde der Festbesoldeten mit dem Sitze in Berlin vereinigt, der die Interessen der Reichs-, Staats-, Kommunal- und Privat­beamten vertreten soll.

Der Untersuchungsrichter des Landgerichts I in Mün­chen erließ gegen den Schriftsteller Erich Mühsam, zuletzt in Berlin, einen Haftbefehl. Bis Freitag mittag hatte

Das Ergebnis der Stichwahlen in Vaden.

In 35 Wahlkreisen war gestern in Baden die SticAvahl äi vollziehen, und für die 24 Bezirke, in denen der Groß- Hl ock sich zu gemeinsamem Handeln zusammengefunden hatte, M dieses Abkommen wirksam gewesen. In den restlichen 11 Bezirken wurde der Wahlkampf zwischen den Parteien -e§ Blocks und der Sozialdemokratie offen getanen. Die Sozialdemokratie kandidierte somit in insgesamt 17 Ve- ! wirken, der Nationalliberalismus in 20, die Demokratie m " der Freisinn in 3. Zentrum und Konservative waren cm zusammen 30 Stichwahlen beteiligt; sie verzichteten aber in einer Reche von Wahlkreisen (beispielsweste Konstanz, Triberg, Karlsruhe) auf einen zrveiten Wafsengang und »ogen ihre Kandidaten dort zurück.

Mr erhalten über das Gesamtergebnis folgende Meldung:

Karlsruhe, 30. Okt. Der künftige Landtag setzt sich nach dem Ausfall beider Wahlen zusammen aus: 17 Nationalliberalen (1905 : 23), 26 Zentrumsleuten (28), 30 Sozialdemokraten (12), 6 Demokraten (5), 1 Freisinniger (1), 2 Konservativen (3) und 1 Bund der Landwirte (1).

Das Zentrum hat also eine Niederlage erlitten, die «n sich sehr erfreulich ist; freilich hatte man in liberalen Kreisen sich noch eine größere Schwächung der Ultramon- tanen versprochen. So schreibt dieFrkf. Ztg." i

Der Stichwahltag hat nicht ganz gehalten, was der Tag Stxr Hauptwahl versprochen hatte, denn von den 35 Mandaten, ilber die er die Entscheidung zu bringen hatte, sind noch sechs txn Parteien der Rechten zugefallen, und zwar drei dem Zentrum »nb drei den Konservativen und Bäudlern, während sie nach i*m Stimmenzisfern der Hauvtwahl auf diesen Mandatszuwachs richt mehr hatten rechnen können. Sie verdanken aber bieien l Verfolg nickt etwa einer Lässigkeit der Gegner oder gar einem Mangel an Disziplin in deren Reihen, sondern einzig und allein t>em Umstande, daß beträchtliche Wählermassen, die in der Haupts E trabt aus Verdrossenheit der Wahlurne ferngeblieben waren, dank i>.*r ungeheuren und wie die Berichte in den Blättern zeigen, in skrupellosester Weise betriebenen Agitation des Zentrums sich . :ir Ausübung ihres Stimmrechtes noch bewegen ließen. In ^rribnrii siegte Herr Fehienbach trotz alledem mit nur 49 Stimmen Mehrheit über seinen nationalliberalen Gegner, tn Bruchsal Wiede mann mit nur 50 Stimmen über den Demokraten Hoffmann, In Mosbach der Konservative Banschbach sogar mit nur 27 Stimmen. Schmerzlich für das Zentrum ist der Verlust des lHießlerschen Mandats in Engen, das in nationalliberalen Be sitz kam.

Von den 29 übrigen Stichwahlmandaten sind 13 den Harionalliberalen zugefallen, 5 den Demokraten, 1 den Frei- jlnnigeii uub 10 den Sozialdemokraten. Den erheblichsten Mandatsverlust haben die Nationalliberalen zu beklagen Sie verlieren 6 Sitze und gewinnen nur einen, so daß sic mit 17 Mandaten an die dritte Stelle rücken. Ganz besonders schmerzlich ist für sie das Ausscheiden ihres Führers Obkircher.

Die Stellung des Zentrums und der Rechten wird mit hem Gesamtergebnis zwar hart gerioffen, ob aus demRuck nach links" für die badische Politik im Sinne eines maß­vollen Liberalismus Ersprießliches herauskommen wird, muß die Zukunft lehren. Jedenfalls bleibt es wahr, daß mich durch den Ausfall der badischen Landtagswahlen dem Liberalismus die eindringliche Lehre nahegelegt wird, bei dm künftigen großen Fragen im Reiche nützliche Lehren fir ziehen und mehr die eigenen Interessen als die der Sozialdemokratie zu verfolgen.

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