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5.9.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. LOS Erstes Blatt 158. Jahrgang Samstag 5. September 181)8

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&m^Srtnioubt Rotafionsörut! ttnö Verlag dervrühl'fchen Univ.-Vuch- and Steinbraderet 8. Lange. Heöaftion, GrpedMon und Druckerei: Zchulftratze 7. E.i,S?W5

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Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.

Apolitische Wochenschau.

Gießen, den 5. September.

In Straßburg hat es der Kaiser als feine innerste Neberzeugung ausgesprochen, daß der europäische Frieden nicht gefährdet sei. Der Frieden beruhe aus zu festen Grund­lagen, als daß sie durch Hetzereien und Verleumdungen, von Neid und Mißgunst Einzelner eingegeben, so leicht um» gestürzt werden könnten. Bürgschaften des Friedens sieht der Kaiser im Verantwortungsgefühle der Fürsten, im Wunsche der Völker selbst, den ^rieben zu bewahren und in unserer Wehrmacht.

Aus diesem Gefühl der JriedenSsicherlzeit heraus hat es nun die deutsche Negierung unternommen, eine Rege­lung der marokkanischen Frage vorzuschlagen. Der Vorschlag der deutschen Regierung bezweckte nichts ande­res, als die Unklarheit und Ungewißheit der Lage in Ma­rokko zu beseitigen. Der Vorschlag wollte vielleicht auch die Franzosen sehr zart daran erinnern, daß eine dauernde Besetzung Marokkos sich nicht mit den internationalen Ab- machungen von Algeciras vereinbaren ließen. In Frank­reich hat man den leisen Wink verstanden und glaubt bereits, daß Deutschland den Franzosen einen Zwang auferlegen wolle. In England ist der deutsche Vorschlag natürlich auch wieder auf Widerstand gestoßen und man meint, daß Deutschland wieder einmal einen Knüttel in das Rad des französischen Vorgehens in Marokko schieben wolle. Tie Die Sprache der englischen Presse über Deutschland wäre jetzt vielleicht noch weit unfreundlicher, rvenn nicht England selbst von anderen Sorgen gequält würde. Seit dem Um­schwünge in der Türkei gährt es in der ganzen mohamme­danischen Welt, und in Indien allein sind der britischen Krone nicht weniger als 60 Millionen untertan. Die in­dischen Mohammedaner l>aben sich zwar in letzter Zeit von politischen Umtrieben sreigehalten, aber in London wartet man doch mit Mißtrauen die Wirkung ab, die das Beispiel der Türkei machen wird. In Aegypten zeigt sich schon eine Wirkung: man verlangt dort nicht ohne Ungestüm die Selbstverwaltung und die Verfassung. Ist die mohamme- danische Frage für die Engländer in diesem Augenblicke auch noch nicht aktuell so verlangt sie doch die vollste Ausmerl- famkeit der britischen Politiker, damit man vor plötzlichen unangenehmen Erfahrungen verschont bleibt.

Da nun die Türkei aus ihrem jahrzehntelangem polst- ttschem Schlummer erwacht ist, um sozusagen über Nacht ein Verfassungsstaat zu werden, hat es eigentlich nichts be­sonders Ueberraschendes mehr, daß nun auch China ein Verfassungsstaat werden will. Durch em kaiserliches Edikt ist dori jetzt die Verfassung angetündigt worden. Wenn sie kommen wird, kann also nur noch als eine Frage der Zeit angesehen werden. Wie sich eine Verfassung in China bewähren würde, darüber gehen vorläufig noch die Urteile aller ftenner des Reiches der Mitte weit auseinander.

An markanten politischen Ereignissen ist, wie wir eben gesehen haben, die abgelausene Woche sehr arm gewesen. Auch auf dem Gebiet der inneren deutschen Politik ist wenig neues zu registrieren gewesen. Das meiste Interesse ge­bührte oer neuen Strafprozeßordnung, deren Ent­wurf jetzt endlich bekannt geworden ist. Man sieht in diesem Entwürfe durchaus nicht alle Wünsche erfüllt, aber man ist doch zufrieden mit den mannigfachen Verbesserungen, die er bringt. Nur der berühmte Berliner Srrafrechtslehrer Professor v. Li s z t finde, an der neuen Strafprozeßordnung

vieles auszusetzen. Er meint, es sei schon zu viel gesagt,, wenn man die neue Strafprozeßordnung eine halbe Reform nenne; man könne sie höchstens eine Vlertelresorm nennen. Die kleinen Verbesserungen nützten nichts, man könne sich auch ohne sie behelfen, bis man wirklich reformiere. Nack- Liszts Meinung müsse eine einschneidende Verbesserung des Strafprozesses beim Anklageverfahren einsetzen. Und selbst damit wäre noch nicht viel geleistet, solange unsere Züchter aus einer Kaste stammten. Es seien bei uns noch sehr vielen guten Elementen die Wege zum Richteramte ver­schlossen. Die österreichische Strafprozeßordnung, die in eine liberale Aera entstanden sei, müsse der deutschen Straf­prozeßordnung samt den Aenderungen des Entwurfs bei weitem vorgezogcn werden. Die österreichische Strafprozeß- ordnung vorn Jahre 1871 sei aus einem liberalen Guß geformt, während man bei uns allerhand Kompromisse ge- lchlossen habe.

Von der neuen Reichsfinanzreform ist bei uns noch immer so gut wie nichts zu hören; Herr Sydow hüllt sich in mysteriöses Schweigen, und da liegt der Schluß nahe, daß der Staatssekretär des Neichsschatzamtes selbst kein rechtes Zutrauen zu der Lösung der Finanzreformsrage habe. Was man von den Finanzplänen der Regierung bisher er­fahren hat, ist in der Tat nicht sehr ermutigend, denn man glaubt einen einheitlichen, von großen Gesichtspunkten ge­leiteten Plan zu vermissen. Man hört verschiedene neuen Steuern nennen und erfährt, daß die Regierung für den Notfall auch noch eine zweite Garnitur von Steuern auf Lager habe. Geht oie eine Steuer vielleicht nicht durch, dann will man dem Reichstage gleich eine andere an deren Stelle anbieten. In den einzelnen Parteilagem werden berat auch schon bie einzelnen Steuermöglichleiten zur Genüge erörtert.

Der Reichstag soll dieses Mal in den ersten Tagen des Novembers zusammentreten. Bis dahin hätten die Block­parteien nun allerdings noch Zeit genug, wenigstens ihrer­seits einen gemeinsamen Plan auszuarbeiten und sich da­rüber klar zu werden, nric der Block sich zu der Reichsfinanz­reform stellen solle. Von solchen Erwägungen hört man aber leider nichts. Innerhalb der Blockparteien tritt viel­mehr immer deutlicher das Bestreben zutage, sich bei erster bester Gelegenheit z>t trennen.. Lie Mockmüdigleit zeigt sich namentlich im Lageroer Freisinnigen, deren Unter Flügel nicht müde wird, zu versichern, daß das Zutrauen zum Fürsten Bülow geschwunden sei. Man mißtraut dort auch den übrigen Blockparteien und selbst den freisinnigen Führern. Der Abg. Müller-Meiningen vor allem wird aufs schärfste angegriffen, weil er trotz der trüben Erfahrungen, die der Liberalismus in Preußen gemacht hat, noch im Block ausharren will. Man erhofft von einem entschiedenen Ruck nach links allein das Heil, hofft, daß Fürst Bülow dann einen heilsamen Schrecken bekommen wird und womöglich sofort für die erwünschte Ministerverantwortlichteit und die Demokratisierung der Verwaltung sorgt. Das erscheint ja unmöglich, aber das Berliner Tageblatt erklärt die Politik als die Kunst, Unmögliches möglich zu machen. Ueberfchätzt der demokratische Flügel des Freisinns da nicht ein wenig seine Kräfte? Eine Verfassungsänderung zu erzwingen, schon heute zu erzwingen, das vermag der Liberalismus bei der heutigen Verteilung der politischen Kräfte nicht, und er wird es erst recht nicht erzwingen können, wenn er sich mit der Sozialdemokratie verbündet. Erst muß der Liberalismus in sich erstarken, aber er wird nicht erstarken, wenn er sich in das Fahrwasser der Sozialdemokratie begibt. I Das wissen die besonneneren Elemente im Freisinn sehr

gut und darum sehen sie beit allein gangbaren Weg zum allmählichen Erstarken des Liberalismus in der Blockpolitik. Mag diese an sich auch noch so schlecht sein und noch so viele liberale Wunsche vorläufig unerfüllt lassen, so ist sie doch einem Zustande vorzuziehen, bei dem die Macht Der Reaktion nur wachsen kann. ________________ E. A.

politische Tagesschau.

Salzburger Ministerbegegnuug

Gestern nachmittag hat in Salzburg eine dreistündige Unterredung zwischen Aehrenthal und Tcktoni stattgesunden. Hauptgegenstand der Verhandlungen ist die Türkei gewesen. Die ,91(116 Fr. Pr.* meint, man könne schon jetzt feststellen, daß die Gedanken und die Ansichten der beiden Staats­männer in allen maßgebenden Punkten übereinstlinmen. Die beiden Staaten hätten erkannt, daß die Interessen Italiens und Oesterreichs auf dem Balkan von einem einheitlich ge­schloffenen und festgclegten Vorgehen der beiden Mächte am besten gewahrt würden. Beide Staaten müßten darauf achten, daß das ottomanische Reich unverletzt erhallen bliebe, und der Wechsel, der sich jetzt mit der Konstitution vollziehe, sei ein Vorzeichen für die gute Entwickelung der Verhältnisse und gäbe die Möglichkeit einer friedlichen Beilegung der Kämpfe und Unruhen in Macedonien. Die beiden Staatsmänner seien von der Notwendigkeit überzeugt, daß an den bestehenden Verträgen in keiner Weise gerüttelt werden dürfe, und daß der Berliner Vertrag bedingungslos beachtet werden müsse. Minister Tittoni, dec sich von einem Journalisten hatte auS» fragen lassen, hat bei dieser Gelegenheit auf die ruhige Ent­wickelung der Ereignisse in der Türkei hingewiesen und be­merkt, daß Italien nur ein ruhiges Anhalten dieser ruhigen Entwickelung wünsche. Bemerkenswert ist es, daß Aehrenthal heute eine Zusammenkunft mit dem deutschen Staatssekretär v. Schoen in Berchtesgaden haben wird. Ob bei der Be­gegnung zwischen Tittoni und Aehrenthal auch, wie eine Korrespondenz behauptet, eine Begegnung zwischen Kaiser Franz Josef und dem König Victor Emanuel besprochene worden ist, entzieht sich natürlich der Kenntnis. E. A.

Ausland.

König Eduard har gestern seine Kur in Marienbat» beendet unb ist nach England abgereist.

Der König von R u m ä n ie n leidet, wie jetzt fest­gestellt ist, an einem Magentatarrh mit neuralgischen Be­gleiterscheinungen. Man hofft, ba)> der König rasch seine Kräfte wieder erlangen werbe und daß keinerlei Grund zur Besorgnis für die Zukunft vorliege.

Reaktionäres aus Rußland. Die reaftionäxei Partei ist in letzter Zeit in Rußland wieder erstarkt. Sie will die Duma beseitigt sehen und führt, wie man jetzt aus nachstehender Meldung erfährt, einen keineswegs er,vlglosen. Kampf gegen die Kadettenpartei. Das Tumamitglied Prof. Petraschitzti ist vom Ministerium für Vollsaufklurung auf­gefordert worden, aus der Kadettenpartei auszutreten oben die Universität zu verlassen. Der Befehl hat große Auf­regung unter den Professoren und Studenten erregt. Wie verlautet, steht ein gleicher Befehl an den Rektor der Peters­burger Universität, Borgmann, den Prorektor Professor Braun unb Professor Grimm bevor.

EinLand, wo diefremdenGesandtenzwecki los s i nb. Der Kvrrespondent desNewyorker Heralb" iw Carracas berichtet; Präsident Castro habe in einer Ver-

Au; dem Leben einer Tageszeitung.

Redaktionsschluß!

DerSpiegel" ist immer dichter beschrieben der Spiegel: so nennt man nämlich die Ueversickst der Artikel und 9toti3*en, die ins Blatt kommen müssen oder doch sollen. Und nun möchte man, da alles gesetzt ist, das Blattumbrechen", d. h. den ^toff auf die einzelnen Seiten, Spalten, über und unter den Strich verteilen. Ja wohl! London bat eben telegraphiert: Der Ge­sandte geht von dort weg. Ein Revirement in der Diplomatie. Ist's aud) keine Ente, die morgen beschämt? Das Telephon klingelt dorthin. 3m auswärtigen Amt spricht man vorsichtig von einer Möglichkeit eni anderer gut Informierter hat auch schon waS lauten hören. Also ins Blatt. Und nicht nur die Aacknickst. Jetzt muß auch ein anderer politischer Artikel kommen. Weg mit dem bisher vorgesehenen! Und eilig, eilig schreibt der Politiker, schickt Blatt für Blatt m die Druckerei, wo fieberhaft gearbeitet rvird, dainit die Ausgabe noch zur rechten Zeil fertig wird.

In der Redaktion ists dann ja für_ein paar Stunden Mmse ruhig geworden. Aber unien, ivo die Setzer, Maschinisten, Revi­soren, an ihrer Spitze der Metteur en vages und der Redakteur, der die richtige Fertigskllung des Blattes zu überwachen Hal, an der Arbeit sind, geht jetzt der Teufel um.

Geschwärzte Hande und oft auch rußige Gesichter selbst in den neuesten Prachtbauten. Denn das Material, das Zinn, so schön es glänzt, gibt erst in der Berührung mit,der Druckersä-wurze den geheimen Sinn preis, und die Druckerschwärze ist einmal schwarz, fett, klebrig und anhänglich. Die alte Druckerei batte getrennt Setzerei und Gießerei und Druckerei: bei manckxm großen Btalt wird auch noch so gearbeitet. Aber Vie neue Technik hat da durch eine anscheinend kindlich ti'arc Ersindung die Ar­beitsweise geändert. Es ist die Aionoline- oder Monotype- oder Typograph-Majchine erjunden worden, die eine Att ^a,imbmajchme zum Setzen ist. Der Setzer sucht nickst mehr seinen, Buchstaben mit drei Fingern aus dem Typenkasten heraus .nur für einzelne Rubriken des Blattes benützt man noch die alten räcchchinen,, sondern tippt wie auf der Schreibmaschine, und anwmatiicy formt sich der Buchstabe, der Zwischenraum, oer nächste, und eine einzige Masse bindei so das chanze z-um Guß. Tie ciiiöeinen so her- gestellten Stücke der Manuskripte müssen nun natürlich tarrigiert und revidiert werden. Ta sitzen also die Korrektoren, ie zwei, oder der eine liest bfn oft gar nicht lieblich geschriebenen Text, der andere t»ergleicht, ob der Setzer sich nicht geirrt, die Orthographie des Landes beachtet, den Druckanorb nungen tyojse geleistet, fot Das ist die erste Korrektur. Der komplette Artitm unterliegt dcx HausrevisioL, bei irgend wichtigeren Aussätzen noch

der des Slutovs oder Ressortredakteurs und zum Schluß muß einer das ganze Blatt lesen, ob nicht trotz allem ein Unglück geschehen ist. Und alles das in 100 Minuten so ungefähr!

Aber diese Satzstücke, groß oder Hein, auf Tafeln in Klammern festgehalten, sind ja lose Dinge. Aus ihnen muß eine Zeitung werden, in bestimmtem Format, so und so viele Spalten auf jeder Seite, so und so viele Seiten das Blatt. Das ist nun Arbeit des Metteur en vages, der die Seite herstellt. Der Leser muß ein Reckst bekommen, aber Papier ist teuer, und vor allem sollen die Rubriken im Einklang sein; so fällt denn manches schon Gesetzte wieder weg, für morgen, oder für nie. Die Bürstenabzüge sind gelesen, und dann geht es endlich ansUmbrechen", d. h. ans Einteilen in Spalten und Seiten. Ein österreichischer Erzherzog hat einmal sehr leutselig einen Journalisten gefragt: ,La, wie macksen Sie das, mit einem Feuilleton z. B., daß cs gerade so viele Spalten l-at und der Leitartikel drüber aufs Wort ausgeht und alles so Platz hat?"

9hm liegt das Blatt in zusammengepreßten Zinntafeln da; die werden steveotyp.ert, d. h. mechanisch umgegossen; dann arbeiten die?Raschinen, die gleichzeitig drucken, das Papier biegen, falzen, klicken und auf der anderen Seite kommt das fertige Blatt heraus.

Tie Setzer yehen nack) Hause Wer in der Expedition warten schon Ausl rageriiinen, Austräger, Kinder die in die verschieden­sten Teile der «stabt lausen und die frischgebackene Zeitung ab- geben. Automobile und Wagen stehen bereit, bringen die Provinz­auflage an die Bahn. Da oder dorn luartet vielleicht schon einer sehnsüchtig auf die Zeitung, ein Dichter, dessen Drama gestern gespielt wurde, oder ein schauspieler, der aufsUrteil" wartet. Oder einer, der die Wellgeschichte nicht rasch genug belauschen kann. Oder ein Börsenspekulant, dessen Vermögen von einer Nachricht abhangt.

Die das Blatt gemacht haben, ruhen ein paar Stunden, bis das Tagewerk von neuem beginnt. Dasselbe Tagewerk und doch täglich ein anderes.

Mulai Hafid als Dichter. Ein fesselndes Kon­trastbild von beit oeiden Brüdern, bereit erbittertes Ringen um den oultansthrou von Marokko mit dem Siege Mnlai Hafids letzt seinen Wschluß gesund.n zu haben scheint, zeichnet Vico Manlegazza im Corriere della fern. Ws bei einen Seite steht der sckzrvaniende Abdul Aziz, der die Erbschaft des krie­gerischen Mnlai Hassan dazu benu:;:, in kindischen Liebhabereien die Zeit ''ich zu vertreiben, der sein Volk sich entfrembei, fein Haus mu allerlei europäischen to)tjSeligen Spielereien an;ullt und fast wie ein launisches Kino die harten Pflichten eines Herrscher von MaroKtz weder aussüllr noch erfeniu. In diesen.

Tagen wird in London ein Buch von Cunningham Graham über? Marokko erscheinen, das zweiscllos bie zahllosen wahren Anek­doten von der Launenhaftigkeit AR>ul Äziz um neue Beispiele bereichern wird. Graham war einmal Zeuge einer Szene, die üt ihrer Komik begreifen läßt, wie Abdul 2^iz einem energischen ent­schlossenen Rivalen schneit unterliegen musste. Als Gast des Sul­tans wurde er eingeladen, einer Truppenverlegung von eiuemt Ott zum anderen beizuwohnen, die der Sultan selbst leiten wollte. Es war schon Abend, säst dunkel, unb ein starker Regen ging her­nieder. Man kam zu einem Fluß, durch den eine Furt führte. Langsam passietten die Truppm. In diesem Augenblick traf eine Kamelkarawane ein; sie führte eine Anzahl Klavier« mit sich ein Dutzend ober vielleicht mehr, bie der Sultan; vor einiger Zeit bestellt hatte und die er mit großer Sehnsucht -u erwatten schien. Er spttngt vom Pferde, lässt sofort ein In­strument auspacken, es wirb in den Sand gestellt und inmitten des strömenden Regens beginnt der Sultan mit einer Hand bie Matchiche zu spielen. Es gab niemand, der es gewagt hätte, den Sultan darauf hinzuweisen, daß dies eigentlich nicht der ge­eignete Augenblick fei, um Klavier zu spielen. Die Truppen: mußten Hatt machen, und wir alle, so erzählt Graham, mußten im Regen warten, bis der Sultan des Spieles müde wurde. Der Bruder, der heute die Herrschaft von Marokko tatsächlich in den! Händen hält, ist der direkte Gegensatz zu ^lddul Aziz. Mu lat Hasid ist von hoher Gestalt, und aus jeber seiner Bewegungen spricht die verhaltene Energie des zielbewußten Mannes. Ein dichter schwarzer Batt umrahmt das gebräunte Antlitz. Scharf heftet er das lebhafte uno bewegliche Auge aus jeden, mit bem! er spricht, und es scheint, daß er alle Geheimnisse und Gedanken des Gegenüberstehenden prüft, abwägt und ergründet. Er ist fanattscher Mohammedaner, aber im Gegensatz zu feinem Bruder, der niemals einem ernsten Studium abgelegen hat, cm Mann von ernster Bildung^ bis vor kurzem noch liebte er es, ftunoenlang einsam in das Studium arabiicher Dichter sich zu öerfaiteiL Er selbst hat viele Gedichte geschrieben und beabsichtigte auch, sie in einem Band v erein ig t hcrauszugeben. Die Ma­nuskripte zu diesem Gedichtbuche wie auch das Rianuskript eines gcschichiliü)en Wettrs hat er durch einen Freund nach Kairo ge­sandt, wo sie veröftentlicht werden sollten. Seine unbeugsame Willenskraft bewundern selbst seine Gegner. Auch vor Grausam.- leiten, so sagt man, macht sie nicht immer £>alt. Aber in dem Strudel der imigfien Ereignisse war Mnlai Hafid sich klar, daß alles darauf anüim, zu zeigen, wie fest ar einmal ergriffene Zügel zu fuhren we^, unb io deckt sich sein Wesen mit jenem popurnretr Bilde eines ^uttans, oer als ein nnericrjrfencr zu Pserdq in die Schlacht zieht, seine Feinde zncheigr uno mit Lapseckch bie Klugheit des Meabewußren Füi/rers. vereinigt