Ausgabe 
5.3.1908 Zweites Blatt
 
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ziemlich nahe Beziehungen. ($ciierfe*t) Wenn Tabaks-' die Konfektionsverordnungen in zehn Jahren zwei-, dreimal ge­ändert werden, welchen Respekt soll man da vor den Bundesrats- Verordnungen noch haben! Auch wir haben für denGrasen Posadowsky die größte Bewunderung für feine überaus großen Kenntnisse, seinen nie erlahmenden ^leitz, iw glaube, es gibt im ganzen Deutschen Reich keinen Mann, der so tätig ist. Aber leider hat er dabei die Fühlung mit dem pral- tischen Leben verloren. Die Gerechtigkeit erfordert es anzu­erkennen, daß die Vorlage, die der jetzige Staats;ekrc.ar über den kleinen Befähigungsnachweis eingebracht hat, auf das «omo des Grafen Posadowsky zu schreiben ift; er hat endlich s^n hand­werkerfreundliches Herz entdeckt, leider sehr spät. Deshalb danken wir dem neuen Staatssekretär, daß er wieder die Fühlungnahme mit den Arbeitgebern gesucht hat und daß er den nach der 12 00 Mark-Affäre ohne Grund zerrissenen Faden zwiiwen der Regie­rung und dem Zentralverband Deutscher Industrieller wieder ge­knüpft hat. Es gibt keinen Arbeitgebcrstand m der, Welt, der em solches sozialpolitisches Empfinden hat wie der deutsche, der o große Opfer an Zeit und Selb für die Arbeiter bringt Lie Firma Krupp leistet in einem Jahre an öffentlichen Ausgaben, gesetzlichen und freiwilligen, zugunsten der Arbeiter ebenso vul wie die Dividende beträgt. Tie Elberfelder Farbenfabriken haben für jeden Arbeiter im Jahr 35 Mk. an gesetzlichen und 120 Mk. an freiwilligen Beiträgen geleitet. (Zuruf des Abg. Giesberts.) Ach, Sie haben ja nicht die geringste Ahnung davon, sonst würden Sie nicht eine so leichtfertige Bemerkung machen. Ist es Ihnen bekannt, daß die Farbenfabriken zuerst den Reun- ftundentag einqeführt haben? (Abg. Giesberts: Ja!) ^a. 91a- dann führen Sie chn auch in Ihren sozialdcrnokra ttsckeri- Betrieben ein. (Heiterkeit.) Man sollte einmal aus den Geschäftsberichten der Aktiengesellschaften die Summen feststellen, die freiwillig zur Verbesserung der Lage ihrer Arbeiter ausgegeben werden; bin überzeugt, es kommen viele Hunderte von Millionen lahrllch heraus. (Lachen der Soz.)

Herr Bassermann hat bereits betont, daß diese R e s o ° lutionsflut jede sachliche Beratung unmöglich macke. Ick gehe noch weiter: sie diskrediert, sie entartet die ganze Arbeit des Reichstags. (Sehr wahr!) Wenn die wichtigsten Fragen z. B. über die Kartelle in Resolutionen abgehandelt werden, als ob cs abgeschloffene Erfahrungen sind, wenn wir die schwierigsten und wichtigsten Probleme des wirtschaftlichen Lebens mit einer solchen Oberflächlichkeit behandeln, dann können Sie es den ver­bündeten Regierungen gar nicht zumuten, das ernst zu neh­me n. Darunter müssen auck Forderungen, die einen berecktigten Kern haben, leiden. Der Redner spricht über die Kartell- und Trust frage. In bezug auf das Kohlensyndikat stimmen wir mit dem Zentrum und Lerrn Strcsemann durchaus überein. Aber daraus darf man doch nicht schließen, daß nun die ganze Or­ganisation nichts wert ist.

Was soll ein Kartellamt, richtiger ein Anti- kar te l l a m t , wie es das Zentrum will, für einen Zweck haben? In bezug auf Armenunterstützung und politisches Wahlrecht stimme ich Herrn Kaempf durchaus zu. Herr Schmidt hat über die Ar. beitslosenfrage gesprochen. Wir auf, dem Lande haben keine. Ich kann nicht sagen: schicken Sie die Leute aufs Land I Denn vor den Leuten, die Sic schicken würden, habe ich eine gewisse Angst. (Heiterkeit.) Aber die verständigen Arbeiter sollten nur zu uns kommen. Da sind sie sicher, nicht arbeitslos auf die Straße geworfen zu werden. (Bei­fall rechts.) Gamp spricht über Streiks und Arbeit­geberorganisationen und geht auf jeden Zuruf von den Sozialdemokraten und vom Abg. Giesberts ein, sodaß es Vizepräsident Dr. Paasche verschiedentlich

Arbeiter überzeugen ihnen Steine statt Werbckraft. Lassen Lage der Arbeiter.

rüat Er spricht dem Handelsminister Delbrück seine An­erkennung dafür aus, daß er die Verhältnisse in den Walz- und Hüttenwerken durch kontradiktatorische Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern regeln will, und gibt daun unter beifälliger Heiterkeit des Hauses eine drastische Schilderung von dem V a I l a st a n D r u ck w c r k u n d S t a t i sti k, mit dem die Aemter und das Haus belastet werden. Zum Bei,Piel die Denkschrift über die Bekämpfung der Reblauskrankhciten I Mit welcher Liebe wird jede einzelne Reblaus behandelt! Es würde den Rebläusen mcht besser bekommen, aber vorteilhafter sein wenn die Gelder statt, für die Denkschrift zu ihrer Bekämpfung verwendet würden. Ich bin über­zeugt, mindestens zehn Beamte haben mit dem Material zu tun gehabt. Das Reichsvcrsicherungsamt ist ja eine sehr nützliche Sache. Aber wenn die Kosten dafür von 240 000 Mk. im Jahre 1888 auf 2 200 000 Mk. im Jahre 1908 gestiegen sind, so muß doch ein Fehler in der Gesetzgebung vorliegeu. Es ist ganz unbe­rechtigt , wegen jeder kleinen Lumperei an das Reichsversicherüngsamt heranzugehen. (Giesberts ruft: Lumperei! Die Arbeiter, das ist Lumperei!) Ich meine auch die Arbeitgeber mit. Viel interessanter als die Mitteilungen über die Arbeitskammern, die wir, nach einigen Monaten ja so wie so gehört hätten, wäre uns gewesen, wenn der Staatssekretär uns über die Vereinheitlichung der Ver­sicherung was gesagt hätte. Er wird ja wohl bei der Fülle seiner Arbeiten noch nicht Zeit gehabt haben, sich über diese Frage eingehend zu informieren. Reif für die Gesetzgebung aber ist ledenfalls die Krankenkassenreform. (Sehr wahr!) Die sollte er herausheben und möglichst bald eine Vorlage machen. (Lebhcy>.s Zustimmung. Zuruf von G'esberts und von den Soz.) Der Staatssekretär tollte seinen Einfluß als preußischer Minister einsetzen, daß die Krankenfürsorge auf dem Lande geregelt wird Die jetzigen Zustände sind unhaltbar. Weiter fordert der Redner die Einführung dcr obligatorischen Haftpflichtversicherung bei der landwirtschaftlichen Beruisgcuosscnschaft und regt an, die Festsetzung einer M a xt mal­en t s ck ä d i g u n g. Es kommt doch nur darauf an, die wirtschaft- licke Existenz des Geschädigten sicherzustellen. Wer sein Leben und seine Gesundheit zu hock bewertet, möge sich selbst versichern.

Der Redner schließt: Der Rückgang der Sozialdemokraten bei der letzten Wahl war keine vorübergehende Erscheinung. Die sich mehr und mehr, daß die Sozialdemokratie

Brot gibt. Ihre Schlagworte verlieren an Sie uns weiterarbeiten an dec Besserung der

Vizepräsident Dr. Paasche

erteilt dem Abg. v. Gamp einen Ordnungsruf wegen seiner Aeußcrung über die törichten Bundesratsverordnungen.

Abg. Frhr. v. G a m p verlangt das Wort zur Geschäftsordnung.

Vizepräsident Dr. Paasche:

Ich gebe es Ihnen nicht und am allerwenigsten in Sacken des Ordnungsrufes. Sie können sich schriftlich über den Ordnungsruf beschweren und das Haus wird morgen früh darüber entscheiden.

Abg. Frhr. v. Gamp Np.):

Ich wollte den Vorwurf ja nur zurücknehmen.

Abg. Naab (Wirtsch. Vgg.):

Ein Antomobiltcmpo wollen auch wir nicht. Aber kräftig muß die Sozialpolitik ausschreitcn. Der Redner wendet sich gegen die Bemerkungen Gamps über das Reichsversicherüngsamt und stellt fest, daß auch dieser eine Anzahl von Gesetzen gefordert hat. Er gibt seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß der Staatssekretär nicht nur für den vierten Stand, sondern auch für den Mittelstand sorge nnd äußert sich in diesem Zusammenhang

über Den unlauteren Wettbewerb, den Befähigungsnachweis, die Pensionsversichcrung ustv. In den Verhältnissen der Bureau- angestellten ist noch manche Besserung erforderlich. In der Arbeits­losenfrage spielen die ausländischen Arbeiter eine Rolle; sie sollte man fernhalten. Gegen die Syndikate und Kartelle müssen wirnach dem Gesetzgeber rufen. Im Gc Heimmittelwesen hat sich eine Schwindelindustrie aufgetan, und selbst Aerzte schreiben Gutachten gegen Bezahlung, wovon das , Publikum nichts weiß. Raab fordert die Sonntagsruhe für die Binnenschiffahrt und spricht über die Arbeitsverhältnisse im Ham­burger Hafen unter Bezugnahme auf den Prozeß gegen die Schauerleute. Wie im vorigen Jahr erhebt er den Vorwurf, daß seeuntüchtige Schiffe auf hoher See fahren und greift die Schiffahrtsgesellschaften wegen ihrer Sucht nach Schnelligkeitsrekorden an. Herr Vallin hat gesagt, in zwanzig Jahren wird man über unsere jetzigen Begriffe von Ge­schwindigkeit lachen. Wohin soll das führen? Raab befürwortet die Errichtung eines R e i ch s s e e f a h r t s a m t e s. Dieses soll Zustände herbeiführen, daß das Wort, unsere Zukunft Hegt auf dem Wasser, auch eine soziale Bedeutung erhält.

Abg. Dove (frs. Vgg.):

Den Ausführungen über die Resolutionsflut können wir nur beistimmen. Wir können aber noch stolzer sein als die Konservativen, sie haben von zwei Resolutionen eine zurückgezogen, wir keine einzige eingebucht. (Heiterkeit.) Gegen Auswüchse des Kartellwesens bietet unsere Zivilgesetzgebung wohl jetzt schon Schutz genug. Diese Dinge liegen auf wirtschaftlichem, zollpolitischem und tarif­politischem Gebiet, und hier zu wirken, dazu sind Zollpolitik und Eisenbabntarifpolitik berufen. Den Ausführungen Kaempfs gegen Stresemann in bezug auf dieAußenhandelsstelle stimme ich unbedingtzu. Von einer gewerblich-technischen Reicksanstalt halte ich nichts. Ich schätze die Technik hoch, aber eine bureaukratiscke Abstempelung fördert sie nicht, hemmt sie sogar. Man zieht damit nur ein Mandarinentum groß. Der Redner geht dann auf Fragen des Patentre chts in unseren Beziehungen zu Eng­land ein. Wir müssen wie mit der Schweiz auch mit England zu internationalen Abmachungen gelangen. Raab wünscht den Ausschluß ausländischer Arbeiter; aber wenn wir sie bei Hochkonjunktur brauchen, können wir sie nicht gut bei rückgängiger ausschließen. Dove erörtert den eigen­tümlichen unklaren Rcchtszustaud, den die preußische Legi­timationsverordnung geschaffen hat. Man unterscheidet da zwar zwischen ländlichen und industriellen Arbeitern, aber eigen­tümlich wird die Sache in den landindustriellen Gebieten. Hier ist die Rechtskompetenz gegeben und das Reichsjustizamt beteiligt, denn der Erlaß schafft eine Judikatur von Ortspolizeibehörde und Landrat. Ueberdies ist die Landarbeiter-Zentralstelle, durch deren Vermittelung die Legitimation erteilt wird, doch eigentlich eine private landwirtschaftliche Organisation, wenn sie auch einen Staats­zuschuß erhält. Entschieden ist auch das Reichsamt des Innern beteiligt, schon wegen der Fremdenpolizei, und erst recht das Aus- wärtige Amt wegen der Möglichkeit internationaler Verwickelungen, schon weil man im Auslande auf den Verdacht schikanöser Aus­weisungen kommen kann. Daher soll die Reichsregieruug der Sachs näher treten.

Weiterberalung Donnerstag 1 Uhr.

Es sind vier Interpellationen eingegangen: von den Konservativen, den Nationalliberalen, den Linksliberalen und dem Zentrum. Sie enthalten sämtlich die Frage, wann dieBeamten- besoldungsvorlage komme und ob in ihr für rück- wirkendeKraft vom 1. April gesorgt werde.

Schluß nach 5| Uhr.

Komische Sagesschan.

, Die Justiznovelle

irft nunmehr dem Reichstage zugegangen. Wenn sie in ihren Grundzügen auch schon bekannt sind, so dürfte es sich doch empfehlen, die wesentlichsten Bestimmungen einmal im Zu­sammenhänge zu betrachten. Rach dem Entwurf zum Ge- richtsverfass'ungsgesetz soll die Zuständigkeit der Amtsge­richte bis zu 800 Mark beibehalten werden., Man hatte vorgeschlagen, für Objekte bis zu 50 Mark keine Berufung Fuzulassen': hiervon ist im jetzigen Entwurf Abstand genom­men. Die Handelskammern sollen in Zukunft auch für Streitigkeiten aus dem Gesetz über den unlauteren Wett­bewerb, aus dem Börsengesetz und aus dem Rcichsstempel- gesetz zuständig sein.

Nach der neuen Novelle für die Zivilprozeß­ordnung soll der Anspruch auf Erstattung der Prozeß­kosten nur auf Grund eines zur Zwangsvollstreckung ge­eigneten Titels geltend gemacht werden können. Jeder Zeuge ist zu b e e i d i g e n und zwar nach der Vernehmung. Die Beeidigung von Sachverständigen findet nur auf Ver­langen statt. Erfolgt eine Verurteilung zur Vornahme einer Handlung, so kann der Beklagte zugleich, sofern nicht die Handlung binnen einer vorbestimmten Frist vorgenommen worden ist, zur Zahlung der Entschädigung verurteilt wer­den. Die Höhe der Entschädigung unterliegt dem freien Ermessen des Gerichts. Tic Novelle zum Gerichts­kostengesetz bestimmt nm, daß zur Deckung der von den Parteien nicht zu ersetzenden Laren Auslagen Pauschsätze 'erhoben werden, im Falle einer Klageerhcbung von min­destens 1/2 Mark und höchstens 100 Mark. Die Novelle zur Gebührenordnung für R e ch t s a n w ä l t e be­stimmt neu: In der Berufungsinstanz und in der Revisions- instanz erhöhen sich die Gebührensätze um drei Zehnteile. Ein Zeitpunkt für das Inkrafttreten oes Gesetzes , wird nicht genannt.

In den Ueb er gangsbestimmun gen wird be­stimmt, daß auf die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes an­hängig gewordenen Prozesse bis zur Beendigung der Instanz § 48 des bisherigen Gerichtstostengesetzes Anwendung findet.

Ui8ivcii6täts»Iiad?vicbten.

Göttingen, 4. März. Tie Freie Stttüeutenfchast richtete km allgemeines studentisches Ehrenschiedsamt ein. Dieses soll Ehren handel in friedlicher und st an des- gemäßer Weise schlichten, auch zwischen Tuellfreunden und Duellgegnern.

Auf eine 25jährige Tätigkeit als Hochschulprofessor kann dieser Tage der Vertreter der Elektrotechnik in Ha nn ov e r, Geh. Reg.°Rat Dr. Wilhelm K o h l r a n s ch zurückblicken. 1855 zu Marburg geboren, studierte er in Darmstadt, Würzburg und Göttingen. 1883 wurde er a. o. Professor sür theoretische Physik in Straßburg und 1884 Professor zu Hannover. Gchenurat Kohl-- rausch ist Mitglied des Kuratoriums der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt.

Zum Direktor des neu zu organisierendenMuseums sür Hamburgische Geschichte" zu Hamburg ivurde zum 1. Aprck der Direktor des Frankfurter Städt.-Hislorischen Museums Dr. Otto L a u s s e r berusen.

seits ersordcrteu die Verwaltungskosten ' 18,762.492 Mk. (im Vorj. 16,906.462 Mk.); für die Anfertigung von Banknoten wurden 942.008 Mk. (678.968 Mk.) ausgegeben. Die Noteusteuer erforderte 6,600.697 Mk. (3,692.349 Mk.) Besonders gestiegen ist der Betrag der auf zwerfelhaste Forderungen zu reservieren ist, nämlich von 59.501 Mk. auf 2,706.748 Mk. Das Institut war u. a. mich bei der Insolvenz Hatter, Säble & Cie. beteiligt. Die Gesamtum­sätze bei der Reichshauvtbauk betrugen 106.796.137.700 Mk. und bei den Neichsbcmkanstaltcn 199.201.213.900 Mark, insgesamt 298.997.351.600 Mk.

X. Hanau, 4. März. Ueber die Lage der in den Kreisen Hanau und Gelnhausen sehr stark vertretenen Zi­garrenindustrie schreibt die Hanauer Handelskammer in ihrem Jahresberichte für 1907: Die Fabrikation von Zigarren war im Berichtsjahre 1907 durchgehend stark be­schäftigt und der Absatz gestaltete sich noch lebhafter als im Jahre 1906. Dies wird auf die Fortdauer der Hoch­konjunktur während des größten Teiles der Berichtsperiode öwie namentlich auf die gesteigerte Konsumfähigkeit der Arbeiterschaft zurückzuführen sein. Einige Fabriken unseres Bezirks mußten ihren Betrieb vergrößern bezw. neue Fi­lialen errichten und doch vermochten einzelne mangels ge­nügender Produktion ihre Aufträge teilweise nicht ganz oder doch nicht rechtzeitig zu erledigen. Gerade in dem Hanauer Handclskammerbezirk zeigt sich deutlich eine zu­nehmende Dezentralisation der Zigarrenindustrie, indem teils einheimische, teils westfälische, Hamburger und andere norddeutsche Großunternehmer in wachsender Zahl Filial- betriebe, namentlich in den ländlichen Distrikten, begrün­den. Dadurch hat sich eine so starke Nachfrage nach Ar­beitskräften herausgebitdet, daß im Jahre 1907 sich vielfach empfindlicher Mangel an solchen bemerkbar machte, was zu lebhaften Klagen Anlaß bot. Andererseits wird auf solche Weise vielen H'inden Arbeit und lohnender Verdienst verschafft, und auch im letzten Jahre sind die Löhne noch erheblich gesteigert worden. Die Lohnsteigerungeu erfolgten teils wegen der verteuerten Lebenshaltung, teils um Lohn­bewegungen oder Streiks zu vermeiden, zu welchen die starke Nachfrage nach Arbeitern leicht Veranlassung geben konnte.

Englische Diskont-Ermäßigung. Angesichts der Kräftigung des Status der Bank von England und der neuer­lichen Goldzuflüfse wird eine Ermäßigung der Bankrate aus 3V,°/n für heute, Donnerstag, bestimmt erwartet. Doch wird baräiti biugcwiesen, daß dann eine weitere Ermäßigung bis 3°/? schwerlich bald cintreien wtrd, da auch iii England in der nächsten Zeit große Altleiheansprüche bervortreten werden.

* Eine Aerzte-Strrlrstrt. Aach demRecord medi­cal" gibt es gegenwärtig 228 234 diplomierte Aerzte in der Welt. Von diesen kommen auf Europa allein 162 334, die sich folgendermaßen verteilen: England 34 967; Teutschlaird 22 518; Rußland 21489; Frankreich 20 348; Italien 18 345. Tie für Deutsch land angegebene Zahl ist allerdings nicht richtig. Nach dem medizinischen Jahrbuch gibt es 31416 deutsche Aerzte, von denen 19 000 allein auf Preußen kommen. In den großen deutschen Städten kommen zwei bis drei Aerzte auf 1000 Ein­wohner, in Berlin 1 Vi auf 1000. Unter den deutschen Aerzten sind etwa der fünfte Teil Spezialisten.

Hande!.

Deutsche Reichs!) auk. AuS dem Geschäftsbericht der Bank ist zu entnehmen, daß die Jnauspruchuayme des Instituts int vergangenen Jahr einen Uinsang errelcht hat, wie nie zuvor. Die Anlagen sowie der illotenumlauf übertreffen ble Durchschnitts ziffern aller früheren Jahre. Auch sind die Umsätze und die Er­trägnisse die höchsten, welche die Neichsbank bisher verzeichnet hat. Es gelangt bekanntlich eine Dividende von 9,89 Proz. zur Ver­teilung gegen 8,22 Proz. i. V. Von dein Bruttogewum in Höhe von 82,560.423 Mk. (i. V. 64,205.920 Mk.) entfallen oiti Wechsel 63,966.058 All. (49,110.307 Alk.), auf Lombardgeschälte 6,766? .8 Mk. (5,040.998 Alt.,, auf Provisionen 3,246.215 Mk. (3,850.682 J'-t , Zinsen und Luchsorderungcn, diskontierten Effekten 7,294.264 All. (6,395.029 Alk.), Gewinne aus Reichsanleihe nnd Reichsschatzan weifungen 848.662 Alk., Gewinn auf eigene Effekten 20.788 All. und Gewinn auf Gold 155.113 Alk. gegen 53,793 Alk. Anderer-

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

März

1908

Barometer au' 0° reduziert

p

Q X es

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

745,2

5,6

4,7

69

SW

2

Vew. Himmel

4. | 9

, AA A

2,1

5,0

93

SSW

4

Regen

v. . <

746 3

1,2

1 -1,0

92

w

2

Bem. Himmel

h/i 3 pi

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A.Ft

März

= +

5,9 ° C.

Nie

)rig]le

II

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4.-5.

2,7 0 C.

Telefonisch© SCursbericnte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen.

Frankfurter BJörse, 5. März, 1.15 Uhr.

3%°/0 Reichsanleihe . . 92.20 3% do. . . 82.75 3^°/o Konsols .... 92.50 3% do. .... 82.65

Hessen 91 50 3%°/o Oberhessen . . . 92.00 4 % Oesterr. Goldrente. 99 30

4V6 % Oesterr. Silberrente 99 60 4 % Ungar Goldrente . . 94 30 4% Italien. Rente . . .. 3?6 Portugiesen Serie I 60.90 3% Portugiesen III 61.50 4^°/0 russ.Staatsanl. 1905 94 05 4^°/0 japan. Staatsanleihe 87.25 4% Conv. Türken von 1903 94.90 Türkenlose 149 60

Griech. Monopol-Anl. . 49.80 4% äussere Argentinier . 85.70 3°/0 Mexikaner .... 65.50 4>6°/0 Chinesen .... 96.40

Aktien:

Bochum Guss 197.50

Buderus E. W 111.50

Teuden:: behauptet.

Berliner Börse,

Cauada E. B 141.10

Darmstädter Bank . . . 124.10

Deutsche Bank .... 237 50

Dortmunder-Union C. . . 54.50

Dresdner Bank . . . 136.60

Tendenz: still.

Elektriz. Lahmeyer . . . 115.00 Elektriz. Schlickert . . . 103 20 Eschweiler Bergwerk . . 204 50 Gelsenkirchen Bergwerk 181 20 Hamburg-Amerik. Paket! 112.40 Hrtrpener Bergwerk. . . 194.75 Laurahtitte 209.50 Nordd. Lloyd . ... 101.40

0beischles. Eisen-Industrie 95.00 Berliner Handelsges. . . 158.40 Darmstädter Bank . . . 123.80 Deutsche Bank .... 238 20 Deutsch-Asiat Bank . . 137.00 Diskonto-Kommaudit. . . 174.40 Dresdner Bank .... 137.00 Kreditaktien 202.20 Baltimore- und Oliio-

Eisentahn 79.80

Gotthardbahu Lombard. Eisenbahn . . 25 40 Uesterr. Staatsbahn . . . 143.70 Priuce-Henri-Eiseubahn . 117.00

5. Mälz. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk. . . 194.10

Laurahütte

Lombarden E. B. ... 25.30

Nordd. Lloyd 100 80

Türkenlose 149.90

Warimn sehen

viele Frauen und Mädchen so bleich aus?

Weil sie blutarm sind, und sich infolgedessen matt, elend, müde, ab' gespannt usw. fühlen. Großholum bei Esens, den 19. Juni 190/. 4® teile Ihnen mit, daß sich der Krastezustand meiner Frau, die das Bioson gegen Bleichsucht und Blutarmut anwendet, zusehends ge­bessert hat. Der Appetit ist gestiegen und das Aussehen ist auch em anderes geworden. Ich werde nicht verfehlen, auf dieses gute Präparat gelegentlich empfehlend aufmerksam zu mackicn. -vom» achtungsvoll! Lehrer Holtmann. Unterschrift beglaubigt: Gemeinde Seriem, Kreis Wittmund. Der Gemeinde - Vorsteher Becker. Bioson, das beste und billigste für Kranke und Schwache ist in Apotheken, Drogerien usw. das Paket drei Mk. erhältl., welches für ca. 14 Tage ausreicht. (by/a

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