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Nr. SOS Zweites Blatt
158. Jahrgang
Freitag 4. September 1908
Erscheint tägstch mit Ausnahme des Sonntag«.
Die ,,-tetzever Lamllienblätter" werden dem ^Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da? „Kreisblatt für den Kreis Liehen" ziveimal wöchentlich. Tie „Landwirtfchastlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gverheffen
Rotationsdruck und Verlag der Drühftfchen UntoerftiälS - Buch- und Eteindruckerei. 9L Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Tnickerei: Schul- firafec 7. Expedition und Verlag: e-sN öl. Redaktion:^S112. rel,-?ldruAnzeigerGießen.
von Saatgut befassen muß, sei daraus aufinerksam gemacht, bag die Saatbaustellen der Landwirtschaftskammer, berat Felder einet Besichtigung unterzogen werden, in der Lage sind, Saatgut ertrag- reichster Sorten zu liefern. Tie Landwirtschaf l s k a m m c r, Darmstadt, Rheinstraße 341 versendet au, Wumch Saat-- liftcn, sowie Proben des Saatgutes. 1
Lustschisfahrtwesen.
politische Tagesscharr.
Abdul Asts verzichtet.
In Paris beginnt man jetzt die Lage in Marokko wesentlich ruhiger zu beurteilen. Die Erregung über den Vorschlag Deutschlands har sich gelegt. Es wird offiziös berichtet, daß Pichon die Berliner französische Botschaft von dem Inhalt seines durchaus angenehm verlaufenen Gesprächs mit dem deutschen Geschäftsträger Frech, v. d. Lancken telegraphisch verständigte und daß man, gestützt auf die von Pick-on dem Geschäftsträger gegebenen mündlichen Erläuterungen Deutschlands Stellungnahme zu den französisch-spanischen Vorschlägen ohne Beunruhigung erwarte. Mehrere Blätter vermirtcn, daß irgendein noch unbekanntes Vorkommnis die Haltung Deutschlands beeinflußt haben müsse. „Petit Parisicn" hält im Interesse der Verständigung eine offene Aussprache über die tieferen Ursachen dieses Wandels in den Anschauungen Deutschlands für höchst wünsckienswert. Zu einer toeitercu Beruhigung über die maroklänische Lage wird ohne Zweifel auch die Nachricht beitragene daß Abdul Asis verzichtet habe. El Mokri erklärte ttämlifo bei einem Interview in Medium einem Korrespondenten des „Malin", Abdul A s i S verzichte nach eingehenden Erwägungen und in U e b tr e i nft imm u n g mit seinen Ministern auf einen weiteren Kampf und überlasse den Thron Mulcy Hafid. Er beabsichtige eine ein- bis zweijährige Pilgerfahrt nach dem Heiligen Lande zu machen. Er hoffe dann in Fez, Marrakesch oder Mekines seinen Wohnsitz nehmen zu dürfen. Frankreichs Antwort auf die deutsche Marokkonvte tft übrtgens nunmehr in ihren allgemeinen Umrissen dem deutschen Auswärtigen Amte bekannt gegeben worden. Wie der ,^Lok.- Anz." erfährt, stattete der Botschaftsrat bei der französischen Botschaft in Berlin, Graf von Berckheim, gestern nachmittag dem Unterstaalssekretär Stemmrich einen Beruch ab, und legte ihm mündlich dar, was zwischen Frankreich mrd Spanien bezüglich der Anerkennung Muley üafibö verabredet worden ist. Der Standpunkt der beiden Mächte ist hiernach der folgende: Frankreich und Spanien sind der Meinung, daß die Anerkennung Muley ^asids durch die Mächte erfolgen kann, nachdem ihnen seine Thronbesteigung offiziell von Muley Dasid mitgeteilt und dieser alle von Abdul Asis übernommenen Verpflichtungen in bestimmter und offizieller Form als auch für ihn bindend anerkannt bat. ________________________________
Deutsches Reich.
Der Kaiser ist gestern nachmittag um 3 Uhr in Straßburg eingetrvften. Abends wohnte der Kaiser einer Vorstellung des Elsässischen Theaters bei.
Ernennung. Zum Negierungsprasrdenten in Frankfurt (Oder, ist, wie jetzt amtlich bekannt gegeben wird, der Vortragende Rat im Ministerium des Innern, Geh. Obcr-Regierungsrat von Schwerin ernannt worden.
Die Militärvorlage. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Vor einigen Wochen brachten mehrere Zeitungen die Nachricht, daß die Einbringung der neuen Militärvorlage bevorstehe. Wir bezeichneten damals die Nachricht als eine blanke Gründung, trotzdem wird sie jetzt in gewissen Blättern wiederholt. Auf Grund von Erkundigungen an zuständiger Stelle sind wir zu der Erllarung ermächtigt, daß auch diese neueren Mitteilungen feder tatsächlichen Unterlage entbehren. Eine Verquickung der Reichsfmanzreform mit einer solchen Vorlage, von der in einigen
Zeitungen dieser Tage die Rede war, war niemals in Aussicht genommen.
Aus der Sozialdemokratie. Tie am 26. August abgebrochene und gestern fortgesetzte Versammlung des s^ialdemo- tratischen Vereins Nürnberg hat nach abernials fünfstündiger Debatte eine Resolution angenommen, welche die Zustimmung der bayerischen La n dt agSsr a ktion zum Budg et billigt.
Ausland.
Baron Aehren 1 hal hatte gestern eine lange Audienz beim Kaiser Fran- Josef. Wie verlaufet, svurde dabei hauptsächlich die Zusammenkunft Llehrentl^ls mit Tiltoni besprochen, zu der Freiherr von Aehrcnthal mit dem Gesandten Freiherrn von Gagern gestern nachmfttag nach Salzburg fuhr.
Das Komitee der Internationalen Schiedsgericht- und Friedensoereinigung in London nahm wlgende Resolution an: In Hinsicht auf gewisse unbedachte Ausführungen in der Presse und aiiderswo, die die Gefahr eines Krieges zwischen England und Deutschland herauf» befchwören, legt das Komitee der Regierung Seiner Majestät die Pflicht nahe, mit Deutschland ein Abkommen von ähnlicher Art zustaiide zu bringen, wie es glücklicherweise zwischen diesem Lande und Frankreich besteht, dadurch die Gefahr eines Krieges zu beseitigen uiid ein gegenseitiges Ucbcrcintommen zur Besckrränkung derjenigen Rüstungen möglich zu machen, die für die Bevölkerung beider Länder eine so fdauere Last sind. Das Kvnntee nimmt die Gelegenheit wahr, diejenigen, die in Deutschland an demselben Werke arbeiten, seiner herzlichen Achtung zu versickern.
DieVersammliiiigdesÄereinsdeutscherEisen- bahti Verwaltungen wurde gestern in Amsterdam eröffnet. Sie erledigte in ihrer ersten Sitzung 23 von den 28 auf der TagcS- ordnung stehenden Anträgen, die säurtticl, ohne Debatte angenommen wurden.
s)ieuc Kämpfe in Marokko. General d'Amade telegraphiert unter dem 2. d. M. adendS, daß ein sehr ^ftiges Gefecht zwischen Mtugi und den beiden Glaui stattgefunden habe. Der eine El Glaui, der Gouverneur von Marrakesch, soll von seinen Truppen getötet tvordcn sein, die Mahalla seines Bruders sei vollständig geschlagen und anseinandergespvengt. Im Ministerium des Auswärtigen ist eine weitere sltack-rccht eingegangen, welche bestätigt, daß der Kack der Anfluß, el Glaui, im Gefecht gegen Mlugi gefallen sei.
Landwirtschaft.
** Guter Weizen. Durch die energische züchterische Tätigkeit deutscher P flanzenzüchter sind die deutschen Landwirte heute in der Lage, Weizensorten und »war Square head anzubauen, bie im Ertrag den englischen Züchtungen, der ursprünglichen tzeimat des Square head - Weizens, nicht nachstehen und in der Qualität des Korns diese sogar übertreffen. Diese Square Head-Zuchten sind aber in erster Linie nur für bessere, feuchtere, tiefgründige Böden geeignet, während für höhere Lagen und für trockene leichtere Böden sich andere langäbrige Weizensorten besser bewährt Haden. Es sind hier in erster Linie zu nennen: Criewener Weizen 104, Urtoba, Main's stand uv, sowie der Notweizen. Der letztere ist dem früher in der Wetterau angebauten Wetterauer Fuchsweizen sehr ähnlich. Für deu Landwirt, welcher sich jetzt mit her Frdge der Beschaffung
Der Vertreter Wrights begab sich nach Wien und wird nriti der österreichisch-ungarisa>en L>eeresverwaltuna wegen Verkaufs deSs Wrightschen Aeroplans imterhandcln. vierzu wird erklärt, daß der Vertreter Wrights ohne Auftrag nach Wien konune- uick daß Die osteirerch>jch-nng a rische Regierung jedenfalls daS Angebot ablehnen werde.
Wright unternahm mehrere Ausstiege in Lonans. von denew einer 10 Minuten 40 Sekunden dauerte. Er erreichte eine Geschwindigkeit von GO Kilometern.
In Waterville (Newyork) unternahm der Luflschifser JoneS^ auf seinem lenkbarm Ballon einen Aufstieg. Er stürzte habet auS> einer Höhe von 150 Metern herab und mar sofort töt.
&crmi totes.
* Septemberschnee. Aus Innsbruck werden starke Schneefalle gemeldet. In den Schutzhütten sind zahlreiches Touristen eingeschneit. Zn ganz Galizien ist gleichfalls Schneefall eingetreten. Seit Mittwoch Nacht ist ferner an einzelnem Stellen des Thüringer Waldes bei starkem 9tüdgang ber, Temperatur der erste Schnee gefallen. — Der holländische! Segler „Arnoldina" ist am Mittwoch 12 Meilen von Lanaelaiid im Nordweststurm untergegangen. Die Besatzung trieb sechs Stunden im Boot und wurde in veiligcnhafen gerettet.
* Beschlagnahme einer La nbtarte wegen Beleidi-' aung der preußischen Polizei!! Die Beschlagnahme der Raven-- steinschen Straßenverbotskarte für Deutschland hat, wie die „Rad- welt" berichtet, der Herr Landrat von SVablenj bei der erftat Staatsanwaltschaft in Frankfurt a. M. beantragt, weil durch die Angaben dieser Karte — die Polizeibeamten beleidigt werden!. Dem bekannten Kartographen Hans Ravenstein, welcher im Auf- Auftrag des K. Ä. K. die Karte bearbeitet hat, wurde auf dem Polizeirevier die Anzeigeschrift vorgelesen. In dieser führt der anzeigende Herr Landrat etwa folgendes aus: In der Straßenverbotskarte sind Orte, au5 denen besonders zahlreiche Anzeigen gegen zu schnell fahrende Automobile kommen, als „Automobilfallen" bezeichnet. Tarin wird eine Beleidigung (!!) der Polizeiorgane erblickt, weil z. B. in Capellen a. Rh. der dort stationierte Beamte mit einer Stoppuhr ausgerüstet ist und fomi£ die Geschwindigkeit der Wagen ganz genau feststellen kann. Tatsächlich kämen auch meist Anzeigen von dort her wegen Geschwindigkeit zwischen 15 und 20 Kilometer, während nur höchstens 15 Kilometer erlaubt seien. Man darf gespannt sein, wie die König!. Staatsanwaltschaft sich zu der Frage stellen wird.
* Verlobung Olga Molitors. Eine Familnnnach^ nachricht, die über bie Streife der Familie hinaus Interesse erregt, meldet das „Berl. Tagebl." aus Lauterbach, ohne jedoch huizu- jufügen, welches Lauterbach gemeinr ist. Jedenfalls handelt eS sich nicht um das oberhessische Städtchen, sondern um eines» der süddeutschen, da die Nachricht aus Stuttgart flammt. C- ist! also immer noch die Wahl zwischen Lauterbach bei Donau-Wörth, oder schließlich auch bei Dachau. Olga Alolitor, die im Miltel-
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