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31.12.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 3V 7 Zweites Blatt

158. Jahrgang

Donnerstag 31. Dezember 1908

Erlchelni t-gNch mit Ausnahme deS SormtagL.

Die ^Otetzener HamtliendlStter" werden dem ettn<eiaet* otennal roörhenihd) betgelegt, das _Hretsblati Mr öci Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Tie ..Landwirtichastlichen Seit- krage»" erlernen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Sderhejfen

RotoNon-druck and Vertag bei Vrüdllcha» Uniöcrfuäi* thid)- and Stemb ruderet.

9L Lange. Greben.

Redaktion. Ervedrtion and Truderet: Schul» st rage 7. (irpeDition und Verlag bl. iReDutttorufc^ 112. ieL-Hbu 21 njeig erließen.

parlamentarisches aus Hessen.

Don ücn n a 11 o u a II i u e r o I e n Abgeordneten sind fol­gende'Anträge bei dcr zweiten Kämmet eingegangcn:

Derlanaerung der Nebenbahn WeinheimFürth biS Reichelsheim.

Tie Lahn Reinheim Reichelsheim soll gemäß Z 18 der Kvnzesswnöurk.rnde vom Oktober 1909 ab in Staalsoe- tricb genommen werden. Die Verhandttingen sollen alsbald ein- geleitet werden.

Tas Uebersahren der Station Mainz Kastel durch einzelne Schnellzüge soll, gemäß tun bei den Dcrhand- lungcn über den Eisenbahnv^rtrag gegeocncn Z''saaen, vom nmostcn Sommer ab aushören. Die Großh. Negierung soll ersucht werden, hierüber in direkte Verhandlungen mit dem. preuß. Eisenbahn- Minister zu treten.

Gemeindesteuern der Hess. Beamten der Elfen- dahngemein schäft. Die Großh. Negierung soll daraus h.n muten, baß, solange prcustisclfe Beamte dcr Eisenbahngcmeinjchasl nxgfn der von ihnen zu zahlenden Gemeindesteuern EntschldigungLN oder Vergütungen aus <1/emciuschastsmittcln gewährt werden, die­selben Vergütungen auch den hessischen Bcanr.en der Eisenbahnge- ncinschost zusließcn.

Artikel <4 deS Gesetzes bstr. Ausführung deS bürgerlichen Gesetzbuches sott eine derartige Fassung nhatten, daß die z. Zt. in Hessen bestehende Ntästsunsicherheit über den Sinn dieser gesetzlichen Bestimmung und gleichzeitig auch bie Rechtsuiiglcichyeil in der .Haftung für Sachschudcn im Gebiete bet Eisenbahngemcinsä-aft beseitigt wird. (Ein gleichartiger Aw- lrag nnirde von der Zcntrumsparlei gestellt)

Dre Errichtung einer Oberbürgerschule - u Lid) beantragt Abg. Köhler unter folgender Begründung:

Angesichts des ttmstortdes, daß die Bjimu°iuxn Jahre so wie so tine totale Umgcftaltung des Volksicu-utlehrerbildungs- ivrfens bringen werden, medje ich den Vorschlag, ber befannten Zdce des Schulrates Scherer zu Büdingen von zu begründendi-n io- zenannten Ober-Bürgerschulen, als Vorichulcn für Die Uehicr-Lemlnare, einfhixden Gestalt zu Derleiben durch Qdnridh tung einer solchen Schule anstelle und unter Benutzung des Hausis und der Lehrmittel dcr P rLpa ra nde non statt ->u Lich.

Temnack beantrage ich:

Tie Zweite jtxmtmer wolle deschLtesten, die Grosth. Regiert ng M ersuchen:

1. Zu Lich, unter Benutzung deS HauleS und der Lehrmittel der Pcäparandenanstatt daselbst, nach dem Vorsd>ag des Schul­rats Scherer zu Büdingen, eine sogenannte Ober-Bürger- sctule sowohl zum Zivecke dec Volksschullehrer-Vorbildung zum Seminar, als auch ber allgemeinen Volksbildung über­haupt einzurichten;

2. mit dem Ncisezeugnis der obersten Klasse dieser Anstalt die Beiechtiguug zum einjährig-freiwilligen Mttttärdicnst zu verbinden.

Em Antrag der Abg. Köhler und Bähr zum Haupt Voranschlag 1009 torbert, daß die Staatszuschüsse zur Ver­fügung der Landwirtschaftskammer, deren Verwen du>»g b'c- in alle Einzelheiten hinein benannt und feflgclegt ist, in Zutuns' ber Landwnlschailskannner zur freieu Qjer'ügung überlassen werden, so daß die emzeltien Kredite uniereumnbei übertragbar werden. Zur Begründung tvub angeführt, baß durch tie jetzige Festlegung für bestimmte Zwecke die einzelnen Beiträge Lurch Die Landwirrschaitskammer ui schablonenha'ter und darum 4iU unzweckmäßiger Werse verwendet werden uniffen. Dre Land- rüirt'cha lskarnrner, die gesetzliche, berrüssländische Vertretung der Hessischen Landwirtschaft solle als durchaus zuständig in allen ine Förderung der einzelnen laiidwirtschasllichen Betriebszweige be­freienden fragen und Maßnahmen auch von Regierung und Landtag anerkannt werden und man solle ttir nicht länger in üieier Beziehung das ersorderlrche Vertrauen vorenthalten und ihr ;taS trete Verüigungsrecht tn diesen rein technischen und fachlichen fragen und Angelegenheiten z.igestehen.

Aus SeaSt unS LauS.

Gießen, 31. Dezember 1908.

* Der Wandkalender für 1909 gelangt heute -m die Stadtabonnenten des Gießener Anzeigers zur Ver­teilung, während er den auswärtigen Beziehern zu Anfang ber nächsten Woche zckgehen wird. Ter Entwurf dazu stammt von Professor Otw Hupp in Schleißheim bei 'München, dem bekannten Maler uno Zeichner der Heraldik, der u. a. auch die SchriftLiturgisch" nebst Zierrat für Äebr. Klingspor in Offenbach entworfen hat.

bei Offenlegung der Bonitierung und Zuleitung die Frist bei größeren Gemarkungen auf 6 Wochen, bei kleineren auf 3 Wochen verlängert wird, und während dieser Zeit stets ein Kommiss.onsmi g ied zur Auslunfiserlci ung anwesend ist, und daß kleinere Kulturarbeiten durch die örtliche Kom­mission und nicht durch tie Kulturinspek ion ausgefährt Wer­ren können. Tie Versammlung beschloß ferner, die Land- wirtschaftskammer wolle Großh. Regierung erfudyen, ein Gesetz oder eine Verordnung zu erlnsfen, in welcher die Grundstückbesitzer unter Androhung v"n Strafe verpflichtet werden, die aus ihren Grundstücken st^findlichcn D i st e l n von dem Saamenansatz zn v c r t i 1 g .

Zulassung zu r Re ch i » a v wa 11 scha ft. Am 6. 91oocnibcr wurde der GenchlSasstslor H. Schmitt zn Mainz zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Lampert- heim, am 9. Tez. wurde der GcrichtSaffesfer Rnb. Wen deck er zu Alzey zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Wörr­stadt zugclasstn.

Gehaltszahlung durch Postscheckkonto Tas Hess. Ministerium ber Finanzen hat im Einvernehmen mit der Ober-Nechnungskanuncr bestimmt, daß mit Wir- ung vom 1. Januar L I. ab SJeamtat aus Antrag die monatlichen Gehalts- und Ruhegcholtsbezüge auch mittels Ueberweifung auf Postschccklonto durch Zählkarte (§ 2 A der Posrscheckordnung) vergütet werden können, und zwar an den Terminen, an denen nach den bestellenden Bestim­mungen Gchaltszahluagen re. frühestens erfolgen dürfen. Beatnte, die von dieser Eutiichtung Gebrauch machen wollen, Haden alsbald an die für Auszahlung des GehalteS zu- ständige Lasse einen entsprechenden schr.st.i.l)en Antrag un­ter Angabe deS Posts.hcckamtes, ber K>nttvnummer und des Betrags, der regelmäßig ihrem K-ouw überwiesen wer­den full, zu richten. Sofern dieselben von borstiger Quitlnngserieilung bcfeett werden rovllvn, haben sie zugleich der Lasse gegenüber wi/druck, ich und schrtjtlich zu ec Hären, daß die Einzahlung und Ueberweifung aus ihre alleinige Gefahr erfolge, und daß ber der Kasse einmal erteilte Auf­trag nur schriftlich zurückgezogen oder abgeändert werden könne. Die Verpslichtung zur Ausstellung einer General­quittung am Jahrcsschluß wird h.crdurch nicht berührt. Bei Todesfällen genügen zur Beurkundung der verausgabten Gehalte die mit Postvermerk versehenen Einlieferungs­scheine. Für die Zukunft können auch Wilwenpensionen und Waisengelder, sowie ständige Vergütungen im Wege des Lank- oder Postüberweisungsverlehrs zur Auszahlung ge­langen.

40 Jahre Geschäftsinhaber. Mit dem hen- tigen Tage kann Herr Emtl Fischbach aus eine 4«»jährige Tätigkeit als Inhaber des von ihm gegründeten Kolonial-, Material- und Farbwaren-Geschäftes, zurückbltcken. Das Ge­schäft, das bas älteste dieser Branche am Platze ist, erfreut sich seit seiner Gründung emeS guten Rufes.

**DieBeerdigungdesermorbetenkreinen Abel, die gestern vormittag 11 Uhr aus dem Friedhof am Rodtberg stattfand, hatte trotz des rauhen Wetters eine große Anzahl Leidtragender in der Friedhofslapelle ver­sammelt. Pfarrer BechtolSheimer von der Lukas- Gemeinde sprach über den erschütternden Fall des heiligen Abends, dem ber unschuldsvotte Knabe zum Opfer ge­fallen und spendete den Angehörigen tiefempfundene Worte des Trostes. Lehrer G ö r l a ch von ber Stadtknaben­schule legte am Grabe des so jung dahingerafften Knaben namens der Schule und seiner Mitschüler einen Kranz nieder. Das Grab hat sich nun über dem Opfer bes Ver­brechens in unserem Stadtwald geschlossen. Möge es ber Gerechtigkeit gelingen, den Mörder zu überführen, damit bie schwere Tat Sühne erhalte.

2age§Talenber iür 5 r e i t a g, 1. Januar: Stadt- :Iheater: Nachmittags 3'/, Uhr: .Tie Piippewee"; vorher: .Guten Morgen, Herr Fischer/ Abends 8 Uhr: «Die Tür ms Jie Kolosseum: Programmwechsel. KölnerBurlesken-Ensemble 'Vrang, Man de Wirth.

K i n e m o t o g r a p h e n - T h e a t e r: Täglich Vorstellung.

Katserpa norama: Täglich geöffnet.

Konzert der Reguuentsmusik in Stein* Garten. An- lang 5 Uhr.

iHeiiaurnnt Metroool: Konzert von Mitgliedern der 'üegimemsmusik. Anfang 7 Uhr.

- Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Joh. Erlel zu Sulzheim eint Lehrerstelle an bei lath. Schule zu Hirschhorn.

** Bezirksausschuß der Land wirtsck^ fts- lamm er. Am Dienstag fand bie 3. ordentliche Sitzung des Bezirks-Ausschusses Gießen unter dem Vorsitz des Be- jirksausschuß-Vorsitzenden Weil-Langgöns statt, der als Vertreter 'der Regierung, Regierungsrat Dc. Merck, bei- vohnte. 1. Punkt der Tagesordnung war: Aufstellung eines planes über Abhaltung von Borträgen. Es werden die iDrtc für 1908/09 und 1909/10 bestimmt. ZurGem einde - ßeuerreform beschloß die Versammlung: Die Land- virtschastskammer wolle bewirken, daß bei der ^Gemeinde- iteuerreform, bie bei der Veranlagung zur Vermögenssteuer in einzelnen Gemeinden zu Tage tretenden enorm hohen Nrnndstückspreise, die in keinem Verhältnis zu dem Ertrag stel-en, nicht zum Nachteil der bäuerlichen Besitzer als ge­meiner Wert angesehen werden. Zum F-eldbereinigungsver- |al)rcn wird beschlossen, bie Lanowirlschaftskammer wolle bei Großh. Regierung beantragen, daß bei Einleitung des ^eldbereinigungsverfahrens in der ersten Hauptversamm- lung beschlossen wird, ob die Kosten für Dramage durch .Landabzug ober durch Umlage gedeckt werden sotten. Weiter joll dahin gewirkt werden, daß -bei ber Zuteilung ber neuen Orunbstücke auf Wunsch der Eigentümer die größeren Par- äeUen mit mehreren Nummern versehen werden sollen^ daß

Kunst verein. Die«»Gemälbe-Ausstellung am Brand bleibt morgen, am NeujahrStage, geschlossen.

** I m Kolosseum gastiert ab 1. Januar das in Gießen bestbelannte Kölner Burlesken-Ensemble PeterPrang. Tie Gesellschaft ist aud) die erste derartige Truppe gewesen, die im Ausland dos Banner rheinischen Humors erfolgreich entfaltete. Zn Riga z. B. weilt» sie in diesem Jahre allein vier Monate, ein Beweis ihrer Er­folge und ihres abwechslungsreick)cn Spielplans. Das Gast­spiel in Rußland hat in der Bühnenwelt weitgehende Be­achtung gefunden und Direktor Prang sind daraufhin An­gebote gemacht worden, aud) in Holland und 9ioid-Amerika zu gastieren. Er gedenkt diesen ehrenden Angeboten im kommenden Jahre zu entsprechen und wird in Gießen bie neuesten Schlager zur Aufführung bringen, mit denen er in Amerika seine größten Erfolge erhofit- Die Stücke halten sich von allen Sck)lüpsrigleiten fern und sind durchaus ge­diegene Kost für das Fanttlienpubtikum.

* 3D t c Frankfurter Wach- unb Schliebg esell- schalt, Filiale Gießen veröffemlichl eine Statistik ihrer Taugten iür das Jahr 1908. Danach wurden vorgeiundcn: Osfene ^>anS- türen ohne Schlüssel 93u, offene Hanslüren geschlossen 607, offene Geschähe, Fabriken, Weikstäuen, Lager, Itofaluäien, unb geschlossen bezw. Schließen veranlaßt 213, üedengebliebene Schlüffel vorge- innben 217, defekte Schlosser 9, offene Fenstern 271, Licht anszil- löschen uetgefien 836, Personen, bie Einlaß begegnen, geöffnet 63, «renide Personen aus den Häujen» ent'enit, bezw. der Polizei über­geben 19, Personen bei groben Uniug bezw. Sachbeschädigung er­tappt 15, fünf mal der Polizei Huse gcleiuei, losgekoppeUe P'erde angebunden bezw die Besitzer gewecU 11, Wasserschäde»» vereitelt, bezw. WasserleitnnAen offen geiunbeu 28 unb 4 liebe iestgenommeu bezw. der Polizei übergebe,u

= Ettingshausen, 30. Dez. Am Abend des zwei­ten Weihnachtstages feierte unser Gesangverein seine Abendunterhaltung, verbunden mit Theater und Tanz. Von den Vorführungen, die sämtlich mit großem Beifall aufge- genommen wurden, gefiel am besten Otw Reutters neuerer SchlagerZippel, Zappet, Zeppelm", den der Präsident des Gesangvereins« H»err Opper« sehr hübsch vortru^.

):( Nieder-Ofleiden, 29. Dez. Die oberhalb unseres Ortes in der Richtung auf Ober-Ofleiden gelegene AumÜh 1 e", eine der größten Mühlen im Ohmtale, hat schon einige Zeit ihren Betrieb cinstetten müssen. Die Ohm, welche die Mühle treibt, hat oberhalb des Wehres daS User zernagt und sich mit großer Gewalt einen neuen Weg ge­bahnt, um sich dann unterhalb des Wehres wieder inS alle Bett zu ergießen. Dadurch ist bie Wasserrinne vor beut Triebwerk völlig trocken gelegt, unb es ist bis heute noch nicht gelungen, das Wasser wieder auf bie Rader zu führen. Tie Fluten spülen alle zum Eindämmen benutzten Gegen­stände weg. Gegcnwürttg sucht eine auswärtige Bausirma die Durchbru'chSsiclle zu versiopsen, eine bei dieser Mite schwere und unangenehme Arbeit. Tie entstehenden Kosten werden im günstigsten Falle immerhin einige tausend Mark betragen. Im neuen Jahre wird in hiesiger Gemarkung ein neuer Basalt st einbruch angelegt werden. Der Untcrnchmer^hat das Gelände von der Gemeinde pachtweise und von den Privatbesitzern Eäuflid) erworben. Eine große Anzahl Arbeiter soll in dem neuen Beirrebe beschäftigt werden.

Bad-Nau beim, 30. Tev Bei der gestrigen Wahl der Hanbclstamuier-Verlrclcr wurdc bas seitherige Milglieb Philipv Müller mit 32 Stimmen ivieber- unb Hartmann Stoll mit 29 Stimmen neuZcivahlt. Hotelbesitzer I. P. Aletrer erhrell 28 St.mmen. 5 stimmen waren zersplittert.

8. D a t in li a b I, 30. Dez. Polizemmtmann Emmerling, ber nach Zjähriger Tätigkeit nach 'Alsjclü als SUfiSomlmann versetzt wurde, vcrabschiebele sich heule vonnitlag im Pottzei- qebäube von den Polizcibecunten, der freno. Feuenvchr unb der SanilälSkolonne. RcgicrungSrat Dr. Kranzbühler gedachte der oecbienÜDollen Täugkcit bcS Schrnbenden m ehrenben Worten. Dem Scheibenden wurde eine kunstvoll auSgcjütjite Abcess- überreicht.

sc. Mainz, 30. Dez. Das Ministerium ber Justiz hat verfügt, baß vom 1. Januar 1UU9 ab am Amtsgericht (Schöffengericht) Mainz bie Bearbeitung aller Angelegen­heiten, bie Jugendliche betreffen, in die Hand eines Ju- gcndrid)ters vereinigt werden. Um die Wirkung dieser auf eine bessere Jugendjursorge gerichteten Maßnahmen zu er­höhen und zu sichern, sreht sid) das Ministerium veran­laßt, besondere Grundsätze für die gerichtlichen und staats­anwaltlichen Behörden festzusetzen.

[] Marburg, 30. Dez. Heute wurde hier bei zahl­reicher Beteiligung bie 6. Generalversammlung der Bereinigung der deutschen Rabbiner abgehatten. Refe­rate hielten die Rabbiner Dr. Ehrentrcu-Akünchen, Dr. (Boitem* Burgkunstadt, Dr. Kohn-Ansbach, Dc. Lecner-Allona und Dr. Lewin-Wreschen. Tie hiesige Luslbahn-Geselljchaft Hai jetzt die Riodelle der projektierten Luftbahn zur Be- sid)ligung ausgestellt.

h. Franksurt a. M., 30. Dez. Gestern wurden 5 Personen auf den Straßen geunben, bie durch Hunger und Ralle erschöpft waren. Sie wurden durch bie Rettungsmannichast nach den Krankenhäuieru gebracht. Ter GeldbesteUer R r e k e i uom Postamt I ist teil 24 Tezember nach Untei|d)lagnng der ihm auvertrauten amtlichen Gelder ftüchng. Rrcfel ist verheiratet und hat Rinder. Wie hoch sich die uetunireule Summe belduit, ist noch nicht leügeHellt.

h. Frankfurt a. TL, 80. Dez. Der Besitzer und Begründer des hiesigen großen Eljcnwerls August Rlönne |iatb im Atter von 79 Jahren.

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(ßerictytsjaaL

Karlsruhe, 30. Tez. Die Slra kammer verurteilte de» srühcreu Drrellor ber P'orzheimer Filiale der Süböeiiijchen Tis- kouiogesellicha't unb kauinrämuichen Leiter der Akttengejellichait deS füU)ouicl)en Beremshaiiies in Pforzheim, Alay Groß wegen Ver­gehens gegen § 312 H. G. B. unter Anrechnung von 4 'Ttonglen ilnterfuchiingShaft zu 1 Jahr ® e f ä n g n i und 150u Ti. Geld­strafe. Groß hatte von den Eiunahnien des Ratholl'chen VeremS- hauses die Summe von über 30 uuu Ti., die er bei der Diskonto- gejelljchait anlegcn joitte, für SpetiiianonSzweae verbraucht.

Dl e iu - y o r k, du. Dez. In dem Bestechungsprozeg in San Franzisko erhielt Raes 14 Jahre Ge'ängnis.

Das Sröbcben in Süöitalien.

Konnte man bei den ersten Nachrichten, die üoer das grauend bolle Unljeil betannt wurden, noch annehmen, baß sie in bet Er­regung des Augenblickes stark übertrieben waren, "so zeigen bie jüngsten Nachrichten nur zu deutlich, daß bas (rrbbeben von Ti essina unb Reggio in seinen schcecklülMN Wirkungen bis Erdbeben von San Francisco unb Lalparijo noch übertrifft Außer Messina unb dleggio liegen eine gaitze Anzahl kleines Orte in Trümmer, ohne oaß es ben 3rettungsutannschasten mög­lich wäre, sofort und uberau Hilfe zu bringen. Der AdgeorbiiLtü Defelice meibete aus Messina: Die Opfer zählen nach Zehn tau senden! unb brese Worte fiubcu leider ihre furcht­bare Bestätigung.

T ie Iaht der U mgclommencn wird in ben einM getroffenen Depeschen a u i mehr a 1 s 10 0 0 00 be­rechnet. Unter ben Trümmern des HotelsTri- nacria" in Messina finb 93 Engländer unb über 40 Deutsche begraben. In Reggio wie in Me,sina lieget viele Tausende von Mensü)en noch unter ben Trümmern.

Die Erdstößebauern nvchan. Strom euber Sic». gen vermehrt das ungeheure Elend. Professov Palazzo, ber Direktor bes römischen meteorologischcn Obser­vatoriums, vergleicht das Erdbeben mit einem Schüttelfrost bec Erde. Las rvmilche Obscrvawrium verzeichnete wahrens deck Erdbebens fünfhundert Stöße.

Die Schiffahrt in der wreerenge von Messinck ist so gut wie gesperrt, da sich der Meere sbode« oänzlich neu gestaltet hak und die Leuchtfeuer jet­zt ö r t sind.

Eine drahtlose Meldung an den üalienischen Marineminister' bestätigt die Verwandlung ber Gestatt bec MeereSenge von M e ssina. Tie ^ärchricht hat bei ben offiziellen Behordenl tiefen Einbruck gentaaü, da bie Lmimerzicllen wie auch militärischen: Folgen unbereajsnoar sind. Die Regierung hat große Summen auf bie Befestigung der Meerenge verwandt, bie Befestigungen! werden nun Dieueiujt nutzlos. Es rönnte aud), wenn bie Meerenge unbejahrdar wirb, bet intcrnationate Verkehr 3ioifd>en Eucopch, Asien unb Afrika fürs erste um 24 Stmiben verzögert werden.

Tem B. T. wirb aus diom gemewek: I n de m z e r stö r tetf Valmtallcinliegen tiochckOOLodeunt erber Lrü nv» metn. Tie Bevölkerung in bec gan^n Ungmdygcgcnb hun- iaert Die NoWA aller zerstörten Städte, Ortichaitm unb Wtft^