Kargestem von Milgliedecrr der Frauenabtelluug. Auch dieses Stück fand ob seiner guten Durchführung ungeteilten Beifall. Da in den Zwischenpausen die Lose alle verkauft worden waren, konnte die Verteilung der Gewinne alsbald vorgenommen werden. Zunächst wies der erste Sprecher darauf hin, daß die Weihnachtsfeier den M. T. D- als eine große Familie zusammengeführt habe, und daß der Familienüberlieferung entsprechend als erste die beiden Tu'rn- warte zu bedanken seien. Er sprach diesen und insbesondere dem ersten Turnwart W. Weis den Dank des Vereins aus für die Mühe und Arbeit, die er im abgelaufeuen Jahre mit der Durchführung des Turnbetriebs und der Vorbereitung für die einzelnen Feste hatte und überreichte ihm namens des Vereins einen Wandschrank und ein Bierservice. Der zweite Turnwart erhielt ebenfalls ein Geschenk. Darauf ließ die Frauenabteilung dem ersten Sprecher als ihrem Leiter eine wohlgelungene Gruppenaufnahme überreichen, wofür dieser danüe. Auch der erste Turnwart svrach seinen Dank für die Geschenke aus. Turner Sandstete hatte dem Verein seine Siegerurkunde vom deutschen Turnfest überreicht, die an dem Abend ausgesteM war und viel bewundert wurde. Dann ging die Verteilung der Gewinne vor sich, worauf ein flotter Tanz bis zur frühen Morgenstunde die Festteilnehmer zusammenhielt. Wie groß der Besuch war, zeigte allein schon die Zahl der Paare, die zur Polonaise angetreten waren, es waren 116. Auch der am dritten Feiertage nach dem Philosophenwald unternommene Familienausflug erfreute sich eines guten Besuches, ebenso der am zweiten Feiertag auf der Kneipe abgehaltene musikalische Frühschoppen, an dem 53 Turnerinnen und Turner ^teilnahmen. Zwischen den Zähren ruht der Turnbetrieb. .Sein Wiederbeginn wird durch Annonce bekannt gegeben.
-t-Friedberg, 28. Dez. Die Weihnachtsfeier des Evang. Arbeitervereins am 3. Weihnachtsfeiertage war außerordentlich stark besucht. Liedervorträge der Gesangsabteilung des Vereins, ein Weihnachtsfestspiel, von Kindern aufgeführt, Musikvorträge des Posaunenchors und bergt mehr gaben Unterhaltungsstoff. Den Mittel- punkt des Abends bildete der Vortrag des Vereinsvorsitzenden, Pfarrers Ritter, der einige von ihm auf Grund Mündlicher Mitteilungen gesammelte Sagen mitteiltc, sich auch dabei über Wesen und Ursprung von Sagen und Märchen im allgemeinen verbreitete. Die mitgeteilten Sagen hörten sich ganz vorzüglich an und gaben wirkungsvolle Bilder von den handelnden Persönlichkeiten und den Oert- lichkeiten (letztere in und um Grünberg gelegen): dem düster abgelegenen 'Obstgarten, der den vergrabenen Schatz birgt; der unheimlichen, gemiedenen Dorfgasse, genannt Wahner- gasse; von dem im nächtlichen Dunkel liegenden Hohlweg, aus dem man langsam eine Laterne sich nähern sieht: von der mitternächtlich strahlend beleuchteten und dann plötzlich im Dunkel versinkenden Kirche; vom Bösen, der den Schatz hütet und Geldgierige um ihre Seele zu betrügen sucht; vom spukenden Nachtwanderer, der ruhelos den Grenzstein umhertragen muß, den er zum Schaden des Nachbars verzückt hat, usw. Der Vortragende wies zum Schlüsse darauf hin, daß diese Sagen den Aberglauben aus früherer Zeit wiederspiegeln, daß ihnen aber auch ein gesunder Kern innewohne: die Verurteilung böser Gesinnung und schlechter Handlungsweise, und daß dieser Kern und ein nützliches Verständnis dann gefunden werden, wenn die Sagen auf- gefaßt werden int Sinne der Lehre des, dessen Geburtsfeier die heutige Versammlung vereinigt habe. — Die Sagen, die nach Mitteilung des Vortragenden Quellenmaterial sind und die stellenweise offensichtlich die volkstümliche Grzähl- weife getreu wiedergeben, sollten als in ihrer Act höchst wertvolle Kundgebungen des hier in künstlerischer Gestaltungsform sich manifestierenden Volksgewissens im Druck festgehalten und weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden. Dies wäre sehr zu wünschen.
-1- Krofdorf, 28. Dez. Die Weihnachtsfeiertage sind hier in der üblichen Weise verlausen. Am ersten WechnachtZfeiertage fand am Abend um 6 Uhr in der Kirche bei einem großen Weihnachtsbaum die Besch e er un g für die Schulkinder statt, die aus kleinen Gebrauchsgegenständen für Schule und Haus bestanden, nebst einem kleinen Quantum Gebäck. Auch im nahen Gleiberg fand zur selben Zeil die Bescheerung für die Kinder statt. An Vergnügungen für die ältere Jugend war auch diesmal wieder reichlich gesorgt. So fand am ersten Feiertage auf der Burg Gleiberg ein größeres Konzert statt, das sehr stark besucht war. Am zweiten Feiertage hielten die hiesigen Vereine ihre Weihnachtsfeiern, die au§ Theater, Vorträgen, Gesang und Turnaufführungen und darauffolgendem Ball bestanden. Die Feiern verliefen in ruhiger und angemessener Weise, was auch den jungen beurlaubten Vaterlandsoerteidigern zu statten kam. Mit dem Heutigen muffen sie jedoch wieder ihre Standorte aufsuchen.
Aus Stadt und Land.
Glegen, 30. Dezember 1908.
* * Tageskalender für Mittwoch, 30. Tez.: Stadttheater: .Die Pfarrerin" Awang 7 Uhr.
* * Vom Großh. Hofe. Der Fürst und die Fürstin z u SolmS-H ohenfolms-Lich nebstKindern, sowie Prinzessin Dorothea zu Solms-Lich trafen am Montag mittag 12 Uhr 30 Mm. un Auto zu mehrtägigen Besuch im Neuen PalaiL '.zu Darmstadt ein.
* * Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Eduard Pfeiffer in Lützel-Wiebelsbach eine Lehrer- stelle an der Gemeindeschule zu Klein-Welzheim; dem Schul- amtsaspiranten Wilh. Göbel aus Treis a. d. Lda. die achte Lehr erstelle an der Gemeindefchnle zu Schlitz.
**40jährigesDozenten-Jubiläum. Gestern beging tu aller Stille der Professor der Forstwissenschaft, Geheimerat Dr. Richard Heß, die 40jährige Wiederkehr des Tages, an dem er als Dozent unserer Ludoviciana nach Gießen kam. Professor .Heß, der in seinem Fach als her- vorragender Gelehrter anerkannt wird, hat seiner Zeit einen Ruf, den er nach Wien und einen anderen nach München erhielt, abgelehnt. Er har allezeit unsere Stadt Gießen als seine zweite Heimat betrachtet und sich, wie er öfter selbst bekannte, bei seinem Wirten als Gelehrter in Gießen wohlgefühlt Professor Dr. Heß ist wissenschaftlich-literarisch /besonders auf dem Gebiete des Forstschutzes bedeutsam und
bahnbrechend hervorgetreten. Seiner unermüdlichen Tätigkeit verdankt der akademische Forftgarten Bet Gießen seine fast europäische Berühmtheit. Bedeutende Männer des Jn- und Auslandes besuchen den Garten, um Studien zu machen und um von dort wichtige Anregungen für die Praxis mit nach Haus zu nehmen. Dr. Heß ist aber noch weiter gegangen, er hat den wundervoll gelegenen Forstgarten den Einwohnern Gießens und auch der Umgegend geöffnet, er trat seiner Zeit beim Ministerium dafür ein, daß in dem Institut eine ländlich eingerichtete Wirtschaft zugelassen wurde und erst hierdurch wurde der Forstgarten das, was er heute ist: eine zahlreich und gern besuchte Erholungsstätte für alle Kreise der Bevölkerung. Die zahlreichen Schüler des Mannes, von denen der größte Teil heute als praktische Forstmänner vielfach im Auslände tätig ist, werden es sich nicht nehmen lassen, ihrem nun 73 Jahre alten Lehrer aus Anlaß seines 40 jährigen Wirkens eine Ehrung zu bereiten, zu welchem Zwecke sie nach den Ferien anfang Februar k. I. sich hier versammeln werden.
* * Eine essenstiftung" bei der Marine. Aus den im ganzen Großherzogtum veranstalteten Sammlungen für eine Schiffsglocke auf dem Linienschiff Hessen" war ein Ueberschuß von 5000 Mk. verblieben, der jetzt nach Maßgabe der Ankündigung des s. Z. erlassenen Aufrufs zugunsten hilfsbedürftiger Marine-Unteroffiziere und Mannschaften aus dem Großherzogtum Hessen Verwendung finden wird. Der Betrag ist zu diesem Zweck dem Staatssekretär des Reichsmarineamts von Tirpitz überwiesen worden. Daraufhin ist nunmehr dem Vorsitzenden der hessischen Abteilung des Deutschen Flottenvereins, Dr. W. Merck, folgendes Schreiben zugegangen: Se. Maj. der Kaiser haben die Genehmigung zur Annahme der Stiftung zu erteilen geruht und mich beauftragt, den Spendern Allerhöchst dessen Dank zu übertnitteln. Indem ich Euer Hochwohlgeboren hiervon in Kettntnis setze, bitte ich meinerseits, den Spendern auch den Dank der Kaiserlichen Marine aussprechen zu wollem Gez. v. Tirpitz. — Mögett Hessenglocke und Hessenstiftung unsere Landsleute auch in der Ferne stets an die engere Heimat erinnern.
• • Aus der Freiherrlich von Weyherischen (Eleonoren» Stiftung sind zwei Pensionen zu vergeben. Alle die auf Grund der Verordnung vom 19. Januar 1848 um eine solche Pension nacksuchcu wollen und nicht bereits früher um eine solche eingenommen sind, müssen spätestens bis zum 25. Jan. 1909 ihres Gesuche unter Anschluß ihres Geburtsscheines bei bcm'2)Hnifteriuni des Innern einreichen. Tie Gesuche sind ftempelfrei. (In Betracht kommen unverhei- rnte, unbemittelte und unbescholtene eheliche Töchter van verstorbenen hessischen Offizieren und Stabspersonen gleichen Ranges: Red).
— Hessische Organisten. Die zweite Generalversammlung des Vereins evangelischer Organisten des Großherzogtinns Hessen fand gestern im Kaisersaale zu Darmstadt statt. Von den zirka 40 Mitgliedern des Vereins waren 26 erschienen. Ten Vorsitz führte Reallehrer Muller, Friedberg. Von geladenen Gasten waren Ober- Konsisiorialrat D. Petersen, Klrchenmusikmeister Professor Mendelsohn, sowie Professor Dr. Heyl anwesend. Die Ver- dandlungen dauerten bis 2 Uhr nachmittags. Nach 3 Uhr fand eine Besichtigung der Orgeln in der Stadt- und Pauls- kirche statt.
^Während des V ortrag s ku rs us für präk- tische Land wirte, der vom 5. — 8. Januar in der Turnhalle in Gieß en abgehalten lvird, soll auch eine Besichtigung deS städtischen Schlachthofes in Gießen und zrvar Donnerstag, 7. Januar, stattsinden. Schlachthof- bucEtor Modbc ioirb hierbei den Kursusteilnehmern Demonstrationen über Fleischbeschau zeigen. An be mselben Tag wirb auchdas lanbw. Jnstitlit ber Landesuniversität besichtigt werben. Professor Dr. Gisevms hat hierfür eine Haf erallsstellung vor- bereitet.
** In ber Lu st Mordangelegenheit geht die Untersuchung weiter und ihr Gang bestärkt immer mehr den Verdacht, daß in dem verhafteten Reif der Täter gefunden ist. So wurde inzwischen weiter ermittelt, daß Reif am Tage des Mordes um y3 5 Uhr abends zwei kleine Mädchen angesprochen hat und ihnen sagte, daß. er ihnen 50 Pfg. geben wolle, wenn sie ihn zur Bänningerschen Fabrik führten, in der er als Werkmeister angestellt sei. Die beiden Kinder gaben ihm aber kein Gehör und liefen fort (Reif hat übrigens den Sommer einige Monate an dem Fabrikneubau gearbeitet) An den beiden auf den Mordtag folgenden Tagen trieb sich R. in der Umgegend umher, u. a. in Klein-Linden und Heuchelheim. Mit der Untersuchung seiner Kleider, der abgeschnittenen Fingernägel usw. ist dem Vernehmen nach Gerichtschemiker Dr. Popp in Frankfurt beauftragt worden.
— Brand. Gestern mittag entstand im Keller eines Hauses auf ber Mäusburg ein Branb, ber aber von herbei- geeiltcn Schutzleuten alsbalb gelöscht werden konnte. Einige alte Killen brannten. Tie Entstehungsursache bedarf noch der Aufklärung.
** DaS Abbrennen von Feuerwerk, sowie baS Schießen ist auf den Straßen uub innerhalb ber HofreUen verboten, worauf mit Rücksicht auf bie Silvesternacht be- sonbers aufmerksam gemacht sei. Jnsbesonbere wirb auch vor dem Wersen von Feuerwerkskörpern aus ben Fenstern gewarnt. Die Händler für Feuerwerkskörper seien auf die heutige amtliche Bekanntmachung des Großh. PolizeiamtS hmgewiesen.
4" Watzenborn-Steinberg. 29. Dez. Auch in diesem Jahre sind wiederum eine ganze Anzahl hilssbedürs» tiger Familien unserer Gemeinden von der C. W. Fernie» schen Verwaltung (durch Herrn Aug. Pascoe-Gießen), sowie von der Direktion des Braunstein - Bergwerkes mit reichen Gaben am Weihnachtsfeste bedacht worden.
? Hungen, 29. Dez. In ber vielerörterten Schultz au s- fvag c ist volliicmbige Ruhe eingetreten. Vielleicht ist bas die „Ruhe vor dem Sturm", benn^ziifriebcngeben lverben sich viele Gemüter m dieser Sache noch nicht. Wie man von zu- verlässiger Seite erfährt, lvird entweder das neue Schulhaus an ben vorn ©emeinberat ursprünglich vorgesehenen 'Platz zu stehen kommen, oder es wird überhaiipt kein neues Schulhaus gebaut. Falls sich keine Einigung erzielen läßt, soll, um ben bringend nötigen Raum zu erhalten, ein iveiteier Stock auj
das alte Schulhaus gebaut werden. Tas wäre sehr zu bei« dauern, denn ein neues Schulhaus wäre für Hungen bringend nötig. Wenn aber bte Gcmeinbe an dem ursprünglichen Projekte allein am Platz ca. 20000 Mk. sparen kann und es wird von verschiedener Seite nicht gebilligt, so ist eS ber Gemeinde« Vertretung, die auch an ben Stabifäcfel bcnken muß — „nd biefer ist in letzter Zeit sehr in Anspruch genommen rootben__
nicht zu verdenken, wenn sie an ihrem Projekt festhält unb lieber ein Stockwerk auf das alte Schulhaus bauen läßt, als ein neues auf einen anderen Platz zu stellen.
O Grünberg, 29. Dez. Eine angenehme Weihnachts- freubc erlebte unsere Stadt biirch die Erbschaft von 11000 Mark, welche Summe die verstorbene ledige'Katha- rine Blößer der Stadt testamentarisch vermachte. Für Münz- sammler ist es von Wichtigkeit zu erfahren, baß sich unter der Summe auch alte Krontaler befinden. — Sein 25 jähr. Jubiläum feierte ber städtische Förster Büttel.
CvM. Rieder-Ohmen, 29. Dez. Kurz vor Beginn' des Gottesdienstes am Helligen Abend brach inderKii. - Feuer aus. Der freiwllligen Feuerwehr war es mö;v den Brand mit den zur Verfügung stehenden drei Spri schnell zu löschen, so daß nur ein unbedeutender Schaan entstanden ist. Das Ofenrohr des neugesetzten Ofens hatte einen Holzbalken zum Glimmen und Brennen gebracht und auch das Dach tour leicht angebrannt. Die gefüllte Kirche, entleerte sich trotz der Gefahr ohne jeden Unfall.
v. Aus dem Ohmtale, 29. Dez. Eine Temperatur von 12 Grad Kälte, wie sie heute morgen das Thermometer zeigte, gehört zu unseren härtesten Din- tertemperaturen. Es ist eine eigentümliche Erscheinung, so oft auf Weihnachten ein Wetterwechsel stattfindet. Im vorigen Jahr trat genau um dieselbe Zeit, also am zwecken Weihnachtsfeiertage, Schnee und Kälte ein. Für das frei- liegende Saatfeld ist der harte Frost nicht zuträglich, umsoweniger als die Saat, insbesondere der Weizen, in ihrer Entwickelung noch zurück ist.
k. Homberg a. d. Ohm, 28. Dez. Bei dem allzu- häufigen Wechsel bcS Dienstpersonals wirb von ben Herrschaften nur zu oft unb mit Recht geklagt, baß bas Gesinde nicht mehr so treu unb znverlässig sei als früher. Dem ist lciber nicht zu wibersprechen. Es gibt aber auch Dienstherrschaften, bie für langjährige treue Dienste kein Verständnis haben, wie nachstehenber Fall gewiß zur Genüge zeigt: Em braves Mäbchen auL einem kleinen. Dorfe in unserer Nähe hat von feiner Schulentlassung bis letzte Weihnachten 7 Jahre lang ununterbrochen bei einer wohlhabenben Herrschaft eines Nachbarborfes in Diensten gestanbcn, niemals roeber burch Krankheit noch burch anbere Veranlassung ben Dienst versäumt. Letzten Herbtt mußte es nun etwas über 14 Tage Urlaub nehmen, um zu Hause bem alleinstehenben Vater ben Haushalt zu führen, ba bie Mutter auf ärztlichen Rat sich zur Operation in bie Klinik nach Gießen begeben hatte. Statt Prämie ober Weihnachtsgabe zu erhalten, sinb bem Mädchen 20 Mark dafür an seinem Lohne abgewogen worden. Weinend verließ dasselbe baS Haus, woselbst es so lange in größter Treue gebient hatte.
§ Aus bem Vogelsberg, 29. Dez. Mit Interesse nimmt man hier bie Bewegung an ber Bergstraße wahr zur Wlebereinführung ber Spinn ft üben, pnb bamit ber alten Sitte, felbftgefpomiene§ Leinen herzustellen. Während in Baben bie alten Spinnstuben im Schwarzwalbe noch teilweise bestehen, sinb sie in unserem Vogelsberg völlig verloren gegangen. Zwar ist noch ein Rest vorhanben; biefer besteht aber nur in ben allabenblichcn Zusammenkünften. Die eigentlichen Spinnstuben, m benen bie Spinnräber surrten, sind mit Dem Einstellen bes Flachsbaues cingegangen. Statt des Leinen kauft man jetzt auch in unserem Gebirge Baumwollc, doch kann letztere nie bas schöne, schneeichte Leinen ersetzen, bas früher bie Lanbmäbchen in ben Spmnsluben spannen uub bas in ber Heimat zu haltbarer, sauberer Leimvanb verwoben wurde. Daher fam auch baä ebenfalls verloren gegangene Sprichwort: „Selbstgesponnen, selbstgemacht — das ist reme BauerntrachtEs wäre gewiß in vieler Hinsicht zu begrüßen, wenn in unserem Vogelsberg loiebcr ber Flachsbau zu Ehren käme unb bamit bie alten Spinnstuben in neuer Aufmachung entstäuben.
Friedberg, 29. Dez. Ber her heutigen tz an d els- kammerwahl wurden hier die alten Mitglieder Landsdorf, Fertsch, Rausch und Kann wiedergewählt In Butzbach wurde das sellherige Mitglied Melchior wieder und für Landtagsabg. Joutz Kaufmann Vogt gewählt.
< Friedberg, 29. Dez. Im Jahre 1854 ging ein gewisser Valentin Zaun von hier ins Ausland, angeblich nach Indien, ohne daß man jemals etwas wieder von demselben erfuhr. In den letzten Tagen wurden vom Auswärtigen ÄOnte die Erben des genannten Zaun öffentlich aufgefordert, ihre Erbansprüche unter Vorlegung des Nachweises als erbberechtigte Nachkommen des Verstorbenen geltend zu madjen. Gleichzeitig hat die Bürgermeisterei Nachforschungen in den StandeSamtsregifteru, sowie in den Kirchenbüchern zur Errnittluug von Erbberechtigten angcstelll- Die Arbeit würde sich auch schon lohnen, denn die Erbschast beträgt 200 000 Pfund Sterling, nach unserem Geld 4 Million Mark.
(b.) Ockstadt, 29. Dez. Vom 1. zum 2. Feiertag wurden durch Raureif von der Marienlaube bis an den Weg nach dem Winterstein gegen 100 junge Bäumchen umgeknickt, und zwar nur am Waldrand entlang, int Innern des Waldes fand mau nicht einen einzigen Bruch. — Einen eigenartigen Streik vvllführten die hiesigen Bäcker auf die Feiertage. Sie hatten nämlich den meisten Bauern das Kilchenbacken versagt, weil dieselben ihr Brot nebst Brötchen fast das ganze Jahr von Friedberger Bäckern beziehen. Ein Konsortium hatte sofort einen eisernen Backofen bestellt, welcher zwei Tage vor Weihnachten eintraf.
h Mai nz, 29. Dez. Die Beerdigung bev enuor- beteii Familie Racke fand Heine vormittag unter An- ivefenheit bet engeren Angehörigen bet Familie statt. Ter Verteibiger bes wlörbets ivicb ben Antrag stellen, diesen auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen.
r. 91 ob beim a. d. Bieber, 20. Dez. In bet Nacht zum brilien Wcihnachtstage gegen 2 Uhr wurde vom hiesigen Nachtwächter eine ältere Frauensperson angc- halten, die jedenfalls einer Pflegeanstalt entsprungen war. Sie verweigerte jede Austunst, so daß man ihre Personalien.


