Ausgabe 
28.11.1908 Fünftes Blatt
 
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Nr. 281 Fünftes Blatt 1L8. Jahrgang Samstag 28. November 1808

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

DieGiehener Zamilien''lätter" werden dem ^Anzeiger* viermal wachen lich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis lhietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Tderhesien

Rotationsdruck und Verlag der Drühftschen Universuäls Buch- und Steindruclerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: es® 5L Redaklwn:L^N2. Tell-Adr^ AuzeigerGreßen.

vuchkunstaurftellung.

Die Ausstel l u n g in der Univerfitälsöiblrothek erfüllt ihre doppelte Ausgabe in ausgezeichneter Weise, oie will nichc nur wissenschaftlichen und fachmännischen Zwecken bienen, sondern zu gleich den weiten Kreis der Hjinstfreunde in die Schönheit und Eigenart der früheren Buchkunst einsähren, zur Anregung und cum Genuß, lotoie zum besseren Verständnis der Ijeuügen B> sticbungeu auf diesem wichtigen Kultnrgebiett. Dazu ist dos reiche, nach künstlerischen und hiftorischcir Gesichtspunkten aus- aenahlte und übersichtlich ungeordnete Material, das sämtlich der Universität^ chlirthek gehört, in hervorragender Weile geeignet. Lier kann nur eine Uebersicht über den Inhalt der Ausstellung gegeben werden, aus einige besonders interessante Stücke werden wir zurückkommen. Auf beigefügtcn Zetteln sind die einzelnen Handschriften, Druckwerke und Holzschnitte kurz erläutert.

In der Gruppe der Handschriften vvm 6. bis 15. Jahr­hundert werden Schrift- und Zierformen der verschiedenen Zeiten und Länder, Ausmalung und Schreibmaterial vvrgeführt, von den markigen Unzialbuchstaben bis zu der zierlichen Minuskel- schcist. Auf Palmblättern, auf Seide, mit Silberstift sind orien­talische Manuskripte geschrieben. Bon besonderem Reiz sind die prächtiger! Miniaturen, in Blattgröße ober dem Text eingefügt, darunter die in krästsgcu Farbentöucn ausgcsührten Bilder bet Evangelisten in einer Bivelhandschrist des 11. Jahrhunderts und ein großes Doppelblatt mit zwanzig Porträtfigurcn der Grafen von Toulouse nach einer Vorlage aus dem Jahre 1300. Hervor- «uhcben sind ferner Handschriften mit Noten der ältesten Form, den Neumcn, bis zur entwickelten Notensckkrift des 15. Jahr­hunderts, dann mehrere durch ihren Inhalt wichtige und in der Literatur bekannte Manuskripte, die Handschrift des Jwein von Hartmann von Aue und die Bruchstücke desFriedberger Christ", sowie das mit Malereien versehene Schachspielbuch des Meisters Ingold von 1450.

Die künstlerischen Vorzüge der Handschriften haben die ersten Drucker am reinsten bewahrt, die großen Bibel- und liturgischen Drucke Gutenbergs und Fust-Schofsers schließen sich in Ein­richtung und Ausstattung eng an die Handschriften an. Eins der schönsten Druckwerke aus der Frühzeit der Tyvographie ist die ausgestellte Mainzer Bibel von 1462, wohl das vollendetste Werk Peter Schössers. Tas geschlossene Saboild, die einheitlichen und kräftigen Buchstaben, die mit der Hand dem gedruckten Text frugefügten Initialen, bunt gezeichnet ober mit Farbe gemalt, haben btc Schönheit und technische Vollendung dieses Mcrstcr- wcrkes bis zur Neuzeit noch nicht wieder erreichen lassen. Zu Gutenberg selbst führen die beiden Bruchstücke des Donatus, einer mittelalterlichen lateinischen Schulgrammatck, von der 30 zeitigen und der mit der ältesten (42 zeitigen) Gutenbergischen Bibeltype (um 1450) hergestellten Ausgabe. Dieselbe Type ist auch in einem Pergamentdruck von 1480 verwendet. Einen besonderen Schatz der Universitätsbibliothek bilden ihre zahlreichen Drucke aus dem Kloster Marienchal im Nheingau, die große Seltenheit sind. Dort hatten die nadj ihrer Kopfbedeckung so benannten Kogelherren um 1470 eine Druckerei eingerichtet, die nicht lange bestand. Durch die Kogelherren des AlarkuSstiftes in Butzbach sind diese Drucke bann in die hiesige Univerj'tätsbiblioth.'k gekommen. Griechische Inkunabeln, darunter eine Aldine von 1496, deutsche, italiemsche, französische und holländische Frühdrucke schließen sich an, durch Ausstattung und Zierrat bemerkenswert. Daß auch noch längere

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Zeit nach Ersindung her Vuchdruckerkunst die großen Ansangö- unb Zierbuck staben mit Dec .Hand eingcmalt wurden, zeigen in schönster Ausführung Drucke von Straßburg und Nürnberg.

Jnbesug aus den Lilderschmuck der Druckwerke waren die Ansprüche dec Leser und Verleger rasch gewachsen. Der Holz- schnitt hatte sich im Verlaufe des 15. Jahrhunderts an Einzel- blältcm entwickelt; immer mehr zur Illustration gedruckter Texte herangezogen, schreitet er vom einfachen Umrißstil zu immer reicheren Schattierungen fort, bis ibn Albrecht Durers Kunst zu höchster Vollendung führ.'. Vortrefflich wird dieser Entwicklungs­gang durch das ausgcsdellte Material zur Anschauung gebracht. Unter den Einzelblättern in Holzschnitt ift ein bisher nicht ver­öffentlichet Neujahtswunsch mit intcresfantev bildllck-er Darstel­lung hcrvorzuheben, unter den Büchern der Z-olioband der Hart­mann Sö/cdelschen Weltchwnik, Nürnberg 1493, mit mehr als achtzclmhunbert Holzschnitten von Pleydenwursf und Wohlgemulh, Dem Lehrer Dürers. Bon diesem selbst sind seine von ihm illustrierten Bücher ausgestellt und WwLc aus seiner Schule, darunter die Schriften Der mittelalterlichen Tia-tecin Hroswitha (1501) uno die Ämores des Konrad Celtcs.

Durch die Künstler empfängt daSLucp der deutschen Renaissance den neuen Geist; an Gehalt unb Frische der .Illustrationen limint keine andere Schule dem gleich, was Täter und seine Zeitgenossen, Sck)äuffeilein, Burgkmair, Holbein unb so viele andere geschastcu haben. Durch die Darstellung bürgerlichen Levens sind bicje Bilder auch von großer kulturgeschichtlick)er Bedeutung. Neven den geiftteidjen Holzschnitten zu Scvasttan Brants Narrenschiss in der Ausgabe der Predigten Geilers von Kaiserberg, den feinen Zeichnungen und Titelsassungen Holbeins für Den Lc.ö.cr Drucker Ftoben, der Tante-Ausgabe von 1497 als Beispiel bet italienischen Nenaissanee in ihrer reinsten kuustler sck-en Z-otm, ist hier in Giftet Linie das Petgamentexemplar der Originatausgave des Theuerdank" von 1517 zu nennen, der Hoch.zeitsfahrt Kaiser Maximilians nach Burgund. Mit seinen 118 großen Holzschnitten, meist von Schäuffelein, und der bewunbernsiverten Druckschrift bildet der herrliche Land Die Krone dieser Abteilung. In den beiben elften Jahrzehnten des 16. Jahrhunder s geh: die Deutsche Buchkunst allmählich zu neuen Formenkceisen üoer. Statt Der eckigen gothisck-en und flüssigeren rundlichen Druckschrift werben die in den üanzleieu gebräuchlichen verzierten Züge mehr angc- roenbet, unb cs bildet sich der Schristcharakter heraus. Der a.s Fraltur" das deu.sck^ SckttifVvcsen vis in unsere Zeit vehcrcscht. Tas schönste Tenttnat dieser neuen Frattucschnfc ist derTheuer- bant". Für Werte in lateinischer Schr.ft hatte man aus Italien dieAntiqua" übernommen.

Himveisen wollen wir noch auf die reiche Sammlung von Nittcrromanen des 16. Jahrhunderts, auf die mannigsachc künst­lerische Verwendung des Hol'zichnittcs im Tienste der Naturtv.sscn- schaften, besonders in den bckanntcnÄräuteruiimern", der Medizin, Astrologie, Wappenkunde unb sonst: bann aus die seltenen illu­strierten Fechtoücher ans den Jahren 1570 bis 1664, auf die Zierschriften unb Schreibvorlagen De» 17. unb 18. Jahrhunder.s unb mefn-crc Bucheinoünbe mit kostoaren Beschlägen. Auf Hessen besonders beziehen sich die für die Topographie und zugleich künst­lerisch bedeutsamLn Ansichten hessischer Lrtschasten von Dilich, das Ritterspiel zur Kindtause der Prinzessm Elisabeth in Kassel 1596 unb andere hessisch^ Drucke des 16. Jahrhnnder.S.

Nur ein Umriß konnte hier gegeben w'reen er wird aber hinreichen, von der Art und Bedeutung der Ausstellung ein un­

gefähres Bild zu bieten unb zu einem Besuche, der für alle Kreise sich sehr lohnt, zu ermuntern. Tie ^lussttttung (im Erdgeschoß links) ist zunächst 'MontagS von 12 bis 1 Uhr bei freiem Antritt geöffnet __________________________________________Ve.

Vermischtes.

* Nach Gewicht gekaufte Braut. In dem unga­rischen Dorfe Kolted herr,cht die Stttc, daß der Bräutigam Den Ettern seiner Erwählten vor Der Hochzett eine tieinc Entschä- Digung zahlt Ter reiche Lauer Lactvois konnte mit den Eltern seiner Braut nicht über den .Kaufpreis einig werden. Der Bürger­meister von Kolted, ber zur Entscheioung angcrufcn war, bestimmte, daß der Bräutigam für das Pfunb Leoendgcwichit 2 Mark 50 Pfg. zahlen soll. Ta die Braut nur 86 Pfund wog, so bezahlte bet glückliche Bräutigam 215 Mark unb war fwh, so leichten Kaufes davongekommcn zu sein. __________________________________

Oie nach- AprUn sind Sonntag, 29. Novbr., nur von -lebenden 4ÄC 1 6 < v 12 Ihr mittags bis 12 ehr nachts für (Irinm-nd'i Fiille sicher anzutreßen : |D!9/U

1>r. tieyer, Seltersweg ' 4. l>r. Klein, Ost-Anlage 37.

___________Snmtfits at Br. Zinsner, Goet liestras.se 10.__________ Sonntag, 29. Aiov., vuu nachiu. »I

4 Ubr bis 0 Uhr abends nurgeögnotc N?^6t«300lU6K6.

Giessen, dgn 2H. fsov. 1908. r

Grossli. Polizeiamt. Reinhart. B*/t

Auszug o. d. Stondesamtsregiitern öer Stadt Gietzen.

Uufgebole.

November. 20. Konrad veutel, Lackierer, mit Anna Bauer, beide m oiicüen. 23. sDlüviui Roller, 'UiüUer, mit Maria Arnend, beide in Vfteven. 24. Paul Dunkel, Aiaschiuculechuiker in Chemnitz, mit Ptnlippine Schön in Giesten. 25. '-lulhelm Geitzler, Sergeant in (Sieben, mit Railjauna Sciv in Hattenrod. 25. Heinrich Bögler, Balmbedienfteier, mit Anna Stonvaö, beide in (Siegen 26. Start Deibel, Sattler, mit Maria Horst, beide in (Siesten. 26. Johannes Bogel, Maschinenschlosser, mit strieda Lenz, beide m (Sieben.

Ehefchlictzungen.

November. 21. Ludwig Ruvv, Schlosser in Diesten, mit Katha- ri'-.a Schütz in Marburg. 21. Adott (Stößer, Lackierer, mit ÜJiarie (Säde, beide m (Siegen. 21. Louis Walther, Maschinenarbeiter, nut Maiia Lwp, beide m (Sieben. 2i. Johannes Müller, Postbote, mit Margarete Stein, beide in Güsten.

Geborene.

November. 17. Dem Buchhändler Franz Haustein ein Sohn, Woligang. 17. Dem Färbermeiner Johann Christian WallenielS em Sohn, Erich Rail Ludwig. 18. Dem Schlosser Karl Diehl eine Tochter, Auguste Minna Lina. 19. Dem Gerichtsassessor Friedrich Wilhelm yieuroit) em Sohn. 19. Dem Glaser Ludivig Plättner eine Tochter. Elisabeth Lina. 20. Dem Taglöhner Heinrich Arnold em Sohn, Peter Georg. 22. Dem Stukkateur Karl Kallenbach eine Tochter, Elfriede. 24. Dem Schremermeister Karl Bell eine Tochter.

Gestorbene.

November. 20. Marie Minna Graf, 24 Jabre alt, Alice- straste 20. 21. Wilhelm Hol, 1 Jahr all, Bahnhoistraste 4. 23. Johannelte Atalkomesius, geb. Zimmer, 64 Jahre alt, Ludwig- slraste 80 25. Ataigarere Siegel, 77 Jahre alt, Stephaustraste 41.

Das Offenhalten der Lädsn LMtwmiMMckÄWÜ

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Donnerstag den 3. Tczember, abends 8Ve Uhr präzis im

vor Weihnachten

7 Uhr gestattet.

Alle Mitglieder, besonders die Frauen, sind freundlichst eingeladen

Der Vorstand des Detaillisten-Vereins.

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Nervöse besseres

Wider mit den KonsnrMMM"

Interessenten ist der Zutritt gestattet.

Der Vorstand.

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Die Bestimmung über den 8 Uhr - Ladenschluss tritt vom 9. Dezember ab äusser Kraft; von da ab dürfen die Geschäfte an den Wochentagen bis abends IO Uhr geöffnet bleiben.

An den drei Sonntagen, den 6., 13. und 20. Dez., ist der Verkauf von vormittags 11 Uhr bis abends

großen «aale des Gcwerkschaftshauscs (Schanäenftr. 18)

Versammlung

in der Herr Prof. Dr. Standlnser-Xttrmftabt referieren wird über:

und daher auch vom ftörpec sehr leicht ausgenommen werden. Für Herzlcidende, und Kinder, denen Bohnenkaffee durchaus nicht zuträglich ist, giebt es kein Getränk als da ihm jegliche Reizstoffe völlig fehlen.

Zu haben daS Paket zu 30 Pfg. in allen einschlägigen Geschäften.

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