Ausgabe 
31.3.1908 Erstes Blatt
 
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Herrschaften begeben sich zunächst nach Zarskoje-Selo zum Besuch der Kaiserlichen Familie und werden später voraus­sichtlich in Moskau die Großfürstin .Sergius besuchen. Die Rückkunft nach Darmstadt wird in der ersten Woche des Mai erwartet. Der Erb groß Herzog fährt am 1. April abends bis Berlin mit, wo die Herrschaften mit I. K. H. Prinzessin Heinrich von Preußen Zusammentreffen; der Erb- großhcrzog reist sodann mit der Prinzessin Heinrich nach Kiel, wo ec während der Dauer der russischen Reise ver­bleiben wird.

* Finanzbeamten-Verein. Anläßlich der An­stellung des Klinik-Verwalters Kinkel veranstaltete der neu gegründete Finanzbeamten - Verein Gießen am 28. d. Mts. im Restaurant F. Dickste einen musikalischen Abend, der zahlreich besucht war. Tas musikalische Programm, das von zwei Kollegen unter Mitwirkung anderer guter hiesiger Kräfte zur Ausführung kam, übertraf alles Erwartete, und diese so genußreichen Stunden werden jedem der Teilnehmer- recht lange in Erinnerung bleiben.

* 2 5 jähriges Jubiläum. Am morgigen Mittwoch, 1. April, feiert Bezirkssparkassc-Aontrollcur Ehr. Haas sein 25jährigcs Jubiläum als Beamter dieser Kasse. Er hat sich während dieser langen Zeit nicht nur durch gewissenhafte Dienft- führung und liebenswürdiges Entgegenkommen gegen das Publi­kum die hohe Achtung und Wertschätzung seiner Vorgesetzten und des an der Kasse verkehrenden Publikums erworben, sondern seine Kraft nod) in uneigennützigster Weise in den Dienst all­gemeiner Interessen gestellt. Herr Haas trat am 1. April 1883 int Alter von 20 Jahren., nachdem er vorher sich int Kaufmanns- bernf betätigt hatte, in den Dienst der hiesigen Spar- und Lcih- kassc, jetzt B e z i r k s f p a r k a s s c , ein. Später wurde er zum Bud;haltcr befördert und am 1. Oktober 1906 bei der Neu­organisation der Verwaltung der Kasse zum ständigen Kontrolleur ernannt. Leit 1894, dem Gründungsjahr der Baugenossenschaft des Evang. Arbeitervereins zu Gießen und der damit verbundenen Elisabetl)-^ leutlinderschule ist er hierfür als Rechner tätig; ebenso versieht er seit 1893 das Rechncramk des hiesigen Ortsgewcrbc- vereins und der Gcwerbesd)ule mit den verschiedenen Fonds und seit Jahren dasjenige des Bezirksverbands Gießen int Landes­gewerbeverein gewiß ein reiches Arbeitsfeld! Möge es dem Jubilar besd)ieden sein, nod) lange Jahre in voller Rüstigkeit in seinem Berufe und den anderen verfdjiedenen Stellungen in gleicher erfolgreicher Weise zu wirken!

* Das Kaiser-Panorama führt uns in dieser' Woche eine Serie aus dem Feldzug 1870/71 vor. Die Darbietungen zeigen dem Beschauer ein treffendes Bild von dem Entsetzlichen eines Krieges, z. B. Sturm auf den Spicherer Berg, Eingriff französischer Kürassiere bei Wörth, Gefecht bei Gravelotte, Angriff bei Sedan usw. Alsdann sehen wir zerschossene Kasernen, Bahnhöfe und Häuser. Für- Viele bietet diese Serie Gelegenheit, Selbsterlebtes und Ge­schautes wieder zu erblicken und für die, die jenen Begeben­heiten fern standen, bilden die Bilder einen wahren Schatz zur Bereicherung ihres Wiffens.

O Laitbach, 29. März. Tie für heute angekündigte Versammlung, in der Bürgermeister Stöpler über Elektrizität sprach, war sowohl aus Laubach, ivie den umliegenden Orten gut besucht. Bürgermeister Jochem- Lauterbach begrüßte die Erschienenen und übertrug sodann ben Vorsitz Geh. Regierungsrat Schönfeld-Schotten, der in oft launiger Arisprache die Geschichte des Beleuchtungswesens wiedergab und schließlich zu dem von Geh. Rat Dr. Breiderl im Verein mit Oberförster Dr. Weber-Konradsdorf und anderen Männern gefaßten großartigen Plan der Anlage einer elek­trischen Zentrale in Lißberg überleitete. Den derzeitigen Stand der Vorarbeiten skizzierte sodann Geh. Rat Dr. Br ei de rt selbst; wir eritnehmen seinen Ausführungen, daß die Ein- führung der Anlage bereits gesichert ist, namentlich an Ab­nehmer für Kraftelektrizität schon jetzt mehr Nachfrage sei, wie man gerechnet. Zu den den Mittelpunkt der Verhand- hingen bildenden Darlegungen über Elektrizität in ihrer Ver­wendung zu Licht- und Kraftzwecken im Privatgebrauch wie zu kommunalen Anlagen, ergriff Bürgermeister Stöpler- Lauterbach das Wort. Nach einer kurzen geschichtlichen Ein­leitung über Entwickelung der Elektrizität kam er auf die Vor­teile derselben gegenüber den anderen Beleuchtungsmüteln, insbesondere dem Gas, zu sprechen. Seine Darlegungen wußte er durch mteressante Mitteilungen aus seinem Wirkungs­kreise als Bürgermeister der Stadt Lauterbach, die bereits acht Jahre ein eigenes Elektrizitätsiverk besitzt, das vorzüglich prosperiert, zu belegen. Wie im Haus, itn Kleingewerbe und Handwerk sowohl, wie auch in der Fabrik die Elektrizität sich vorzüglich bewährt und geradezu fördernd auf die Konkurrenz­fähigkeit gewirkt, schilderte er an den ihm bekannten Verhält­nissen. Auch die ausgezeichneten Erfahrungen der Stadt Lauterbach mit dem elektrischen Licht als Straßenbeleuchtung wurde erörtert. Mit einer vergleichenden Zusammenstellung der mit den verschiedenartigen Anlagen verbundenen Kosten schloß der Vortragende die mit reichem Beifall gelohnten Worte. Oberingenieur Müller-Gießen gab sodann an der Hand einer Wandzeichnung ein klares Bild der gepanten An­lage selbst. Hervorzuheben ist, daß das Unternehmen selbst die Leitung den Gemeinden zuführt und diese mir die Ver­teilung selbst zu bewerkstelligen haben; vollständig kommen daher in Wegfall die Kosten der Erbauung und Verwaltung, wie sie eigene Anstalten einzelner Gemeinde fordern. Bürger­meister Jochem sprach den Wunsch aus, daß auch die Stadt Laubach sich dem Unternehmen anschließen möge, Anwesend war auch Se. Erl. Graf Wilhelm zu Solms-Laubach.

t S o r b a d), 29. März. Mit dem Herannahen des Früh­lings und dem Eintritt trockener Witterung naht auch wieder die Gefahr der Waldbrände. Wohl durch das unvorsichtige WegK. werfen eines brennenden Streichhölzchens oder eines glimmenden Zigarrenstummels hervorgerufen, fing im hiesigen Distrikt Waat- ch e s b e r g das dürre Gras und Laub Feuer, das sich so schnell fortpflanzte, daß in kurzer Zeit eine Fläche von drei bis vier hessischen Morgen davon in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nur dem Umstande, daß Waldarbeiter auf den Brand aufmerksam wurden und durck) Aufhacken der Erde dem Elemente eine Grenze setzten, ist es zu danken, daß nicht größerer Schaden entstand. Die von dem Brande betroffenen Fichtchen müssen zuin Teil durch Neupflanzung ersetzt werden, an den jungen Buchen und Eichen ist der Schaden geringer. Jugendliche Spaziergänger sollen den Brand verursacht haben.

Provinzial-Ausfchuß der Provinz Oberhessen.

L. Gießen, 28. März.

Nachdem in der Cache: Enteignung von Gelände zur Erbauung eines Schulhauses m Büdingen am 26. Februar d. I. durch den Provinzialausschuß unter Zu­ziehung der Parteien Augenschein an Ort und Stelle statt- gefunden hatte, kam heute der Antrag der Stadt Büdingen auf vorläufige Eimveisung in den Besitz des (in den Darnrn-

ländern) beanspruchten Geländes zur ZÜerhandlung. ^ach Anhörung des Vertreters der Stadt und der Exproprianden, sowie des Vorsitzenden der Lokalkommission entsprach der Provinzialausschuß dem gestellten Antrag, indem er die Dringlichkeit der Sache anerkannte und die Besitzeinweisung gegen Hinterlegung der begutachteten Entschädigungssumme für zulässig erklärte.

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GerSchts-aaU

Frankfurt a. M., 28. März. Vor dem Schöffengericht gelangte heute eine interessante Verhandlung zur Aburtellung. Der Kaufmann Philipp Heinz bewarb sich um eine öffentliche Lieferung für eine Eisenbahnbehörde. Er hatte die besten Aus­sichten, die Lieferung zu erhalten. Am 3. Januar reiste ein Regierungsrat nach Frankfurt a. M., um die Fabrik zu besich­tigen und zu prüfen, ob sie genügende Leistungsfähigkeit besitze. Während sich der Regierungsrat nach der Besichtigung der Fabrik Notizen machte, erfuhr Heinz int Laufe der Unterhaltung, daß die Tochter des Regierungsrats musikalisch sei und bat diesen, seiner Tochter eine Karte mit den WortenHerzliche Grüße dem Fräulein Musika" mitzunehmen. Der Regierungsrat lehnte dies jedoch ab. Heinz steckte die Karte in ein Kuvert und schob sie dem Regierungsrat in die Tasche. Als dieser später das Kuvert öffnete, fand er einen Taujendmarkschein darin. Der Regierungsrat gab das Geld zurück und erstattete Anzeige wegen B e st e ch it n g. Heinz wurde unter Annahme mildernder Umstände zu einer Geldstrafe von 1500 Mark verurteilt. Der Tausend- markschein wird als verfallen erklärt. (Franks. Ztg.)

W. Stuttgart, 30. März. Die Strafkammer verurteilte heute den Redakteur und Landtagsabgeordneten Hey mann des jozialdemokratijchen WitzblattesTer wahre Jakob" wegen Be­leidigung der Breslauer Polizei, begangen durch Veröffentlichung des BildesTas P s i n g st w n n d e r von B r e s t a u", zu 160 Mk. Geldstrafe. Tein Polizeipräsidium wurde außerdem Publikationsbesuguis zugesprochen.

Chur, 28. März. In dem Prozeß wegen eines Bom­benanschlages gegen Arbeitswillige während des Schneiderstreits in Davos int September v. Js., wobei drei Arbeitswillige verletzt wurden, fällte das Graubündener Kantons­gericht nach mehrtägiger Verhandlung das Urteil. Der Haupt­schuldige, der flüchtige Schneider Johamtes Pühringer aus Oester­reich, wurde in contumaciam zu 10 Jahren und 4 Monaten Zuchthaus, sowie leb.nulanglicher Landesverweisung, der Spengler Otto Doppler aus Bayern wegen Beihilfe zu 2 Jahren 7 Monaten Zuchthaus und lebenslängl. Landesverweisung verurteilt. Ferner er­hielten wegen Begünstigung bei der Flucht Pühringers 4 bis 16 Wochen Gefängnis der Maler Johann Maier, der Schreiner Wilhelm Möller aus Preußen, der Maler Karl Wiedemann aus Württemberg und der Schreiner Madjensen aus Dänemark.

LLnive^ ßiLats-Nachrichten.

Leipzig, 30. März. (Original'Telegramm des «Gieß. Anz.") Ter Domherr des Hochsliftes 'Meißen, Geheimrat Prof. Dr. der Theol. und Philosophie Gustav Adoli Fricke, Senior der Universität Leipzig, ist heute vormittag, 86jahrig, gestorben. (Fricke war em geborener Leipziger. Er war Vorsrtzeiider des Zentraloorstaiides des Gustav-Adolf-Vereins, uni den er sich große Verdienste er- worben hat. Von feinen zahlreichen Schrillen seien genanntLehr- blich der Kirchengeschichte", 1850,Metaphysik und Togmaiik", 1882, -Ernste Gedanken", 1890,Aus dem Feldzug 1866", 1891, Ist Gott persönlich", 1896. Leipzig hatte den nun Dahingejchiedenen zu seinem Ehrenbürger ernannt. D. Red.)

Vermischtes»

ipc. Ein zweistüudtger Besuch in S ü dain erika. Eine unfreiwillige Reise nach Südamerika hat der Pastor von Tylers Green bei Liverpool, der Reverend Ashley Spencer unternehmen müssen. Er hatte sich zu seiner Er­holung nach Madeira begeben, wo er einen Monat zu bleiben gedachte. Am 26. Februar erhielt er unerwarteten Besuch eines Freundes, welcher mit dem DampferAraguaya" nach Südamerika reiste. Spencer ging an Bord des Schiffes, welches in Madeira Station machte, frühstückte mit feinem Freunde und die beiden Herren überhörten und übersahen, daß der Dampfer den Anker aufholte und abfuhr. Alles Klagen nützte dem Reverend nichts. Die Passagiere und Mannschaften trösteten ihn so gut sie konnten über fein Miß­geschick, halfen ihm auch mit Kleidung und Wäsche aus, und er genoß das Vergnügen einer Gratisreife nach Pernambuco in Brasilien. Hier benachrichtigte er sofort telegraphisch seine Angehörigen und ging dann an Bord eines Dampfers, welcher ihn wieder nach Madeira zurückbrachte. Vor der Ab­fahrt dieses Schiffes hatte er volle zwei Stunden Zeit, um den amerikanischen Kontinent zu erforschen. (Dieje kleine Geschichte erinnert uns an die kuriose R o msahrt des ewigen Jenenser Studenten Lutterkorth, der einst auf seiner Kneipe einem jungen stud. archaeol. den Vorschlag machte, mit ihm staute pede nach Rom zu reifen. Ohne irgend welche Vorbereltilngen zu treffen, fchritten die beiden selbander direkt von der Kneipe zum Bahnhof, fetzten sich in einen O-Zug und fuhren nach Rom. Dort tranken sie auf dem Bahnhof eine Taffe Kaffee und dabei meinte Lutter- lorth, das alte Rom fei doch im jÄrunde nichts als ein langweiliger Trümmerhaufen, den er obendrein schon mehrfach gesehen habe. Kurz und gut, er, der mehrfache Millionär, zwang den völlig mitteüofen jungen Archäologen nach einem Aufenthalt von 10 Minuten auf dem Bahnhof zu Rom den nächsten D-Zug wieder zu besteigen und nach Jena zurückzukehren I D. Red.).

* Ein streikender Dorfbarbier. In Freienhagen (Kreis Heiligenstadt) läßt seit einigen Tagen der Dorfbarbier Schere und Messer ruhen, und alles Bitten und Flehen seiner Kunden vermag nicht, ihn zur Wiederaufnahme seiner um die Verschönerung der männlichep Einwohnerschaft des Dorfes so überaus wichtigen Tätigkeit zu veranlassen. Mit demStreit" hat es eine ganz eigentümliche Bewandtnis: Der Dorfbar­bier, ein im Orte recht beliebter Mann, der fchon infolge seines Berufs einen großen Freundes- und Anhängerkreis hatte, stand zur Stichwahl bei der letzten G e m e i n d e v e r t r e t e r w a h l. Der Barbier rechnete mit Bestimmtheit auf feine Wahl, doch das Unerwartete geschah: er fiel durch! Der Gute hatte sich im Vertrauen ans feine Freunde so schwer verrechnet, daß er ent­setzliche Rache nimmt und seine gesichtsverschönernde Tätigkeit

ruhen läßt. Es ist ihm ganz einerlei, toenn_ die Gesichter der Männer und Jünglinge Freienhagens wie Stoppelfelder aus sehen. Man sieht: So ein Dorfbarbier ist furchtbar in seinem Zorn!

Spielplan der vereinigten Zranksurter Stadttheater.

Opernhaus.

Mittwoch den 1. April, abends halb 8 Uhr:Ein Walzer­traum." Donnerstag den 2. April*):Ter Prophet.". Freitag den 3. April, abends halb 8 Uhr: Neu einstudiert:Die Puppe." Samstag den 4. April:Tannhäuser." Sonntag den 6. April, nachmittags halb 4 Uhr:Martha." Abends 7 Uhr:Hoffmanns Erzählungen.'' Montag den 6. April, abends halb 8 Uhr:Die luftige Witwe." Dienstag den 7. "April:Ein Walzertraum."

Schauspielhaus.

Mittwoch den 1. April, abends halb 7 Uhi5: Viertes Gastspiel von Josef Kainz:Faust." Erster Teil. Mephistopheles: Kainz. Donnerstag den 2. April*): Letzter G a st s p l e l v o n I o s e i K a i n z:G e s p e n st e r." Oswald : Kainz. Freitag den 3. April:Erde." Samstag den 4. April: Emilia Galolti." Sonntag den 5. April, nachmittags halb 4 Uhr: Bei uns da drüben." Abends 7 Uhr:Manövertage." Montag den 6. 'April:Erde."

) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

3n dcc Ltadtkirche.

Mittwoch den 1. April, abends 6 Uhr: 5. ,P a s s i o n s - A n d a ch t. Pfarrer D. Schloss er.

Briefkasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.»

Abonnent K. St., Lteinstraße. Tie Haftpfticht der Eisen­bahn für die Beschädigung eines Frachtgutes bestimmt sich nach den §§ 456 ff. H. G. B. und § 75 ff. der Eisenbahnverkehrsordnung vom 26. Oktober 1899. Danach haftet die Eisenbahn grundsätzlich für jeden Schaden, der in der Zeit von der Annahme des Gutes bis zur Ablieferung entsteht. Tie Haltung tritt nicht ein, wenn der Schaden durch ein Verschulden des Absenders, durch höhere Gewalt, oder durch äußerlich nicht erkennbare 'Mängel der Verpackung ver­ursacht lvorden ist. Für Kunstgegenstände, Geld und Wertpapiere ivird nur gehastet, wenn der Inhalt oder WeN des Gutes bei der llebergabe zur Beförderung angegeben ist. Soweit letztere Be­stimmungen in Betracht kommen, wird wohl das Erforderliche in dem Frachtbriefe angegeben jein.

Sofern äuße r l i ch erkennbare Mangel der Verpackung vorliegen, ist vorgeschrieben, daß diese von dem Absender schriftlich auf dem Frachtbriefe anerkannt werden. Ist dies nicht geschehen und hat auch die Eisenbahn die Annahme nicht verweigert, so haftet sie für jeden an dem Gute entstandenen Schaden.

Es wird bei Ihrer Cache daher darauf ankommen, ob Mäiigel der Verpackitng vorhanden waren. War dies nicht der Fall, so hastet die Eisenbahn. Sofern aber Mängel vorhanden waren, ist zu unterscheiden, ob diese äußerlich erkennbar waren oder aber nicht. Ersteres ist anzuiiehmen, ivenn aus der Art und Weise der Verpackung die Mangelhaftigkeit bet ordnungsmäßiger Prüfung fest- zustellen war, oder durch einen besonderen Vermerk (z. B. Vorsichtl Bilder! Zerbrechlich! usw.) darauf hingewiesen ist. Waren die Mängel der Verpackung äußerlich erkennbar und hat die Eisenbahn das Gut, ohite sich die Mangelhaftigkeit der Verpackung von dem Absetider auf den Frachtbrief anerkennen zu lassen, zur Beförderung angenommen, jo haftet sie für jeden an dem Gut entstandenen Schaden; sie kann sich aus die 'Mangelhaftigkeit der Verpackung lind das darin liegende Verschulden des Absenders nicht berufen. Waren dagegen die Mängel, die den Schaden veranlaßten, äußer­lich nicht erkennbar, so haftet die Eiseiibahn nicht.

' Zu ersehen ist die aus Grund der Beschädigung eingetretene Minderung des Wertes im Verhältnis zu demjenigen, den das Gut zur Zeit der Absendung an dem betreffenden Ort Halle. Der Ersatz- anspriich erlischt mit Zahlung der Fracht und Annahnie des Gutes. Dies gilt nicht, wenn vor der 'Annahme Feslslellung der Be­schädigung durch die Eisenbahn erfolgt, was hier wohl zutrifft.

L. G. in D. Tie Vornahme der Taxation eines Grund­stückes im Hinblick auf eine beabsichtigte Hypothekerrichtung kann nur durch das Ortsgerichl erfolgen, in dessen Bezirk das Gruiidstück liegt. Nach der Dienstanweisung für die Orlsgerlchte vom 24. Nov. 1899 ist bei der Abschätzung der laufende Verkauiswen zu ermitteln. Es sind dabei die in der letzten Zeil slallgehabteii Verläufe des zu fchätzeuden Grundstückes und anderer Grundstücke von gleicher Lage und Beschaffenheit und bei Gebäuden auch der Braiidversicheruiigü- anschlag zu berücksichtigen. Ist der Werl nur vorübergehe n.d ein besonders hoher, so ist dieser anzugeben. Es ist allerdings nichl verständlich, wie ein Haus, das vor drei Jahren 11 000 'Mk. kostete, auf nur 5000 'Mk. geschätzt iverben konnte. Nach den gesetzlichen Besliniinungen ist die, Tatsache, daß em Haus als Geschäftshaus eingerichtet ist und öarin ein gutgehendes Geschäft betrieben wird, wie bei jedem Verkaufe auch bei der Schätzung als iverterhöhend zu berücksichtigen. Wir empfehlen Jhneii, sich einen Auszug aus dem Brandkataster von dem zusländlgen Steuerkominissarial geben zu lassen, aus dem Sie ersehen können, wie hoch Ihr Anwesen bei der Brandversicherung taxiert ist. Verlangen Sie von dem Orts­gerichl eine erneute Taxation unter Hinweis auf den Brandkataster und den Verkaufspreis des Hauses vor drei Jahren. Eventuell können Sie auch die zulässige Zuziehung von Baii-Sachversländigen bei der Schätzung anregen. Jülls Sie kein besseres Resultat er­zielen, fönnen Sie sich beschwerdeftihrend an das zuständige Amts­gericht wenden. Sonnige Behörden sind nicht ziiständig.

TeieioDiisctitö

des Giessener Anzeigers, jnitg« und Industi

Friinkiurter Kör 3%°]0 Beichsanleihe . . 91.90 3% do. . . 82.10 3>$°/0 Konsols .... 91.75 "6% do 82.10 o^°/o Hessen 90.90 °/0 Oberbessen . . . 91.90 4?ö Uesterr. Goldrente. . 98.75 4* l/6 % Oesterr. äilberrente 99.60 4-t> Ungar. Goldrente . . 93.70

4% Italien. Heute . . . 103 70

356 Portugiesen Serie I 61.00

3% Portugiesen III 61.50

4>$°/0 rnss.Staatsanl. 190o 94.95 4)4% Japan. Staatsanleihe 98.10 4% Uonv. Türken von 19Uö 95.50 Türkenlose 150.40

Griech. Monopol-Anl. . 49.00 Co äussere Argentinier . 86.00 uv/0 llexiKauer . . . 07.20 4>$u/0 Chinesen .... 95.30

Aktien:

Bochum Guss 204.25 Buderus. W 112.40 Tendenz; fest.

Berliner Börse, 2

fiCursbericiite

teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.

se, 31. März, 1.15 Uhr.

I EJektnz. Lahineyer . . - 120.00 Elektnz. tichuckert . . . 105.00 Eschweiler Bergwerk . . 2U8.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 187.90 Hamburg-Amerik. PaketL 113.50 Harpener Bergwerk. . 196.6^

Laurahütte 212.50 Isordd. Lloyd . ... 99.30

Obeischles. Eisen-Iudustrie 97.50 Berliner Handelsges. . . 163.75 Darmstädter Bank . . . 126 20 Deutsche Bank .... 233 90 Deutsch-Asiat Bank . . 137.00 Diskouto-Kommandit. . . 179.75 Dresdner Bank .... 141.25 Kreditaktien 204.30 Baltimore- und Ohio-

Biseulahn 82.75 Gottbardbahn -^-"7 Lombard. Eisenbahn . . 26 2o Uesterr. btaatsbahn . . . 146.70 l'rince-Henn-Eiseubahu . 119.00

. Mälz. Anfangskurse.

Cauada E. B. . . . . . 152.70 Darmstädter Bank . . .. Deutsche Bank .... 233.60 Dortmunder-Union C. . . 58.30 Dresdner Bank . . ..

Tendenz: ungleichmässig.

Harpener Bergwerk. Laurahütte . . .

i.ombarden E. B.

Nordd. Lloyd . . . furkenluse . » . -

. . 212.50

. . 25.20

98 90

. 150.40

1 ln jeder beliebigen Schriftart und «aNSA»

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