Gedicht „Der Venuswagen", 1781, daS vom Dichter selbst unter-, drückt wurde, gingen um 245 Mk. weg; die Erstausgabe bet „Verschwörung des Fresko" sand um 230 Mk. einen Käufer, die zweite Auflage der „Räuber" von 1782 um 210 Mk., ein Exemplar der „Horen", der von Schiller herausgegebenen Monatsschrift, um denselben Preis. Die Erstausgabe der Novelle von M ö r i k e „Maler Nolien" kam um 190 Mr. an den Mann.
Hieran des Neuen Gießener Städttheaters.
Sonntag den 1. März, nachmittags 31/, Uhr, bei Volks- vreisen: Kindervorstellung, unter Mitwirkung der Kapelle des hies. Ju^attterie-Regiinents: „Die verzauberten Frösche" oder arie, das P1 a p v e r nr ä u l ch e n'1. Kindenuärcheu in sechs Bildern mit Musik imb Tanz von Herman n S t e l n g o e t t e r. Ende gegen 5'/, Uhr. Abends 7*i2 llhr, bei kleinen Preisen: „Der Verschivender."' Ende gegen Ist'/, Uhr. Dienstag, abends 8 Uhr: 17. Tienstag-Abonnement-Vorstellnng: „Der Bibliothekar." Schwank in 4 Akten von G. v. Ai o s e r. Ende gegen 10'/- Uhr. Mittwoch, abends 7 Uhr: 13. Mittmoch-Abonnements-Vorslellung: „Tie Ehre" von Hermann Sudermann. Ende gegen 9'/, Uhr.' Freitag, abends 8 Uhr: 18. Freitag - Abonnemeilts-Vorstellung : „Ein idealer Gatte." Ende gegen 10'/j Uhr. Sonntag dem 8. März, iiachmittags 3'/, Uhr, bei kleinen Preisen: „Zwei Wappen."' Ende 6 Uhr. Abends 7'/, Uhr, bei gewöhnlichen Preisen: „Fräulein Iosette — meine Fran." Ende 10 Uhr. Dienstag den 10. März, abends 8 Uhr : Gastspiel von Gertrude E y s o l d t vom Deutschen Theater in Berlin: „Die Wildente." Schauspiel in 4 Akten von Ibsen.
Viertes Blatt.
SamStag- 39, Februar 2908
158. Jahrgang
Nr. 51
xrschtinl t2gN- «ti AuSnahm» befl Sonntags.
Hermann Plank &
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ALeiues LernlleLon.
empfiehlt läßlich |nij toig Töll, Sm Marktitra^c 32.
rentiireu in (W Grünberg: Jcüus Ciri; Isidor Schulhoi
RokattsnSdruck txnß Verlag ber NrÜ-Nchm UniperfUätl • Buch- ant etetnbnidetd.
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dir n@iegenet LamiNendlätter- werden dem Anzeiger" viermal wSchentltch beigelegt, daS ^LretsdlaN fßi Öen Kreis Stehen" zweimal !vöchenUu-. Der ^hessische Landwirt" erscheint monatlich etnmaL
Redaktion. DxVedtttrm tmb Druckerei r Schul- ftratz« 7. 6rpebttton anh ßedag . 5L Redaktion: 112. Lel^-Adru An-eigerGtetzen,
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefftn
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^^isel, 26. Febr., wird uns geschrieben: Fedor unk e PQt.^fc märkischen Bauern st ücke „Ohne Ge- yjbit uZt z'^a5 eigene Blut" geschrieben, ferner hat er Lust- i -un^ modern gehaltene Drama „Die eiserne
। fitj ,-r)aÜ.en- ^lber ebensowenig wie diese Werke wird auch , ^heaterschöpsung dauernde Spuren auf der beut» i]^r-Xc ^uuerlassen, bad auf ber Kasseler tzofbühne zur Ur- Phantasiespiel „Das Lied vom Meth". - -K 'ots ker Novität war kein ungünstiger, der Dichter ÜÜ'tgn, ?llcn Aktschlüssen immer wieder dankend vor der ; :t i irr^? cn^ Phantasiespiel ist jedo chein krauses durcheinander von allerhand ernst-dramatischen, n . n' 'chwankartigen, parodistischen und symbolistischen cti'en. °u noch melodische hinzukommcn. Zobelritz schildert, !?e>chuh!lausendes SchriststeUerehepaar in einer Blockhütte lät). gehLminisvollen Alten mit Meth bewirtet
Max. ^Eth, der von dem Schriftsteller sogleich als echter ÜÄWirf> annt wird, schmeckt dem kurz vorher no chanti- *8i«ät ur?h 1 otrefflich das; es ihm reichlich
„ ÖQ” ^.Sckzriftsteller schließlich in einen Begeiste» er seiner Frau ein historisches Schau- bn?, w^niichrömischer Zeit zu diktieren beginnt. Damit f(x^o.rfplel, und in den folgenden Akten wird das im »vorgHührt. Der Zuschauer wird Zeuge eines <ci°™ ■
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werden wir ihnen zustimmen, wenn einige Mängel beseitigt sind. Ter Redner fordert neunstündige Arbeitszeit für die technischen Angestellten, Regelung der Arbeitsverhältnisse der Steiger und anderer Bergbeamten, bauswirtschaftlichen Unterricht für junge Arbeiterinnen, obligatorische Einführung von Arbeiteraussck-issen, gleichen Schutz für die Werkstätten und die Fabrikbetriebe, Deftei- ung der Lohnbücher von lässigen Vorschriften, 6.W o ch e n s ch u tz für Wöchnerinnen, Verlängerung der Arbeitspause für verheiratete Frauen, Einbeziehung von Straßenbahnen in landwtrt. schastlichcn Betrieben in den Versicherungsschutz, weitere Regelung Der Sonntagsarbeit. Die Arbeitszeit in der Zigarrenbausindustrie müsse gesetzlich festgelegt werden. Vollmachten für den Werkstäl, tenbetrieb seien erforderlich. , k
Abg. Sielermmm ffonf.):
Auch wir wünschen die Fortführung der sozialpolitischen Gesetzgebung, aber in ruhigen Bahnen. Die Arbeiterinnen sollen mehr ihrer Häuslichkeit zngesührt werden; in meiner Heimat hat man Wanderhau shalt ungSschulen eingerichtet. . Die Herabsetzung der Arbeitszeit für w e i b I i ch e A r b e i t e r wird allerdings einen LohnauSfall bringen (Widerspruch); aber das muß ertragen werden im Hinblick auf die Vorteile.^ SDer Redner bespricht auf Grund eingehender Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse aus seiner Heimat im Mindener Bezirke die Verhältnisse der Tabak-Heimarbeit. Die Einschränkung der Heimarbeit müsse auf jeden Fall verhindert werden. (Beifall rechts.)
Abg. Frhr. v. Hcyl (nL):
Meine Fraktion begrüßt die Vorlage mit besonderer Genug« tnung; insbesondere die Schutzbestimmungen für die Heimarbeit und den Maximalarbeitstag für Arbeiterinnen. Denn wir haben in unseren Anträgen Bassermann-Prinz Schönaich- Heyl schon oft diese Regelung gefordert. Der Staatssekretär verdient unsere vol l'st e Anerkennung, daß er, nachdem wir 14 Jahre mit der Vorarbeit zugebracht haben, unmittelbar nach seinem Eintritt in'das Amt so rasche Arbeit gemacht hat und eine Novelle vorlegt, die mit so großer Umsicht, aber auch Vorsicht ausgearbeitet ist, die die Materie besonders auf dem Gebiete der Heimarbeit erfordert. Die deutsche Industrie blickt dankbar auf die 5£atigfeit der verbündeten Negierungen, die den Nrbeiterschutz so sorgsam durchgeführt haben. Die Industrie erkennt an, daß die Durchführung der Sozialpolitik auch für die wirtschaftlichen Verhältnisse eine Kräftigung herbeigeführt hat. Ist auch diele Novelle, insbesondere die Regelung der Heimarbeit, in Verbindung mit dem Kinderschutzgesetz, erst durchgeführt, dann stehen lvir sozialpolitisch an der Spitze aller Kultur st aatea (Lebhafte Zustimmung), und namentlich, wenn wir dazu noch die Versicherungsgesctze in betracht ziehen. (Lebhafter Beifall.)
Der Redner streift kurz eine Reihe von Bestimmungen der Novelle, begrüßt als Mitglied der arbeitsstatistischen Kommission die Ausgestaltung der Lohnbücher und ändert seine Genugtuung über die Ausdehnung des ortsstatutarischen Fort- bildungsztvanges auf die weiblichen Arbeiter. Er wünscht wie in der' Schweiz die Ausdehnung ber ununter« brochenen Mindestruhezeit bei den Jugendlichen bis zum 18. Jahre. Der Annahme des Vorredners, daß ber Maximalarbeitstag einen Verlust an Lohn bedeute, widerspricht er entschieden. Im Gegenteil, nach meinen Erfahrungen und nach den Mitteilungen der Handelskammer sind die Industriellen jeweils bereit gewesen, die bisherigen Löhne aufrecht zu erhalten, und die Akkordarbeit wird erfahrungsgemäß leistungsfähiger. (Lebhafte Zustimmung links.) Schwierigkeiten gibt es zunächst nur für die Tagelöhner. Eine Verkürzung der Arbeitszeit ist durchaus erforderlich. (Lebhafte Zustimmung links.) Wer diese Anschauung nicht hat, der mutz durch dieGesetzgebnng dazu gezlvungen werden. (Lebhafter Beifall links.) In diesem Zusammenhang kommt Frhr. v. Hehl auf die Verkehrs- Verhältnisse in Hessen und hat große Anerkennung für daS Entgegenkommen der Cisenbahnvertvaltung, die auf den leisesten Wunsch der Industrie die Arbeiterzüge so gelegt hat, baß die Arbeiter von der Verkürzung ber Arbeitszeit auch einen wirklichen Vorteil für ihr Familienleben haben. Das war früher bei ben Privatbahnen durchaus nicht der Fall. Deshalb ist es außerordentlich bedauerlich, daß man in Süddeutschlaud den großen Vorteil ber Cisenbahngemeinscvaft nach der sozialpolitischen Seite nicht zu schätzen weiß. (Zustimmung und Widerspruch.) Ich möchte das besonders meinen Kollegen in Baben, Württemberg u n b Bayern sagen. (Beifall und Wider'prnch.)
Wir vermissen in der Novelle ein Verbot der Mitnahme von Arbeit nach Hause, ferner einen größeren Schutz für Wöchnerinnen nnd die gesetzliche Einführung ber Versicherungsgesetzgebung auch in bie Heimarbeit. Wir müssen auch überlegen, in welcher Weise bie Fabrikinspektion spezialisiert werden kann. Der Redner schließt: Von einer U e.b erst ü r z u n g unserer Sozialpolitik kann man gewiß nicht reden. Die Fassung des Gesetzes ist allerdings schlecht; ein achttägiges Studium gehört dazu, sich in seinen Wirrsalen zurechtzunnden. fDiit den Zielen ist er durchaus einverstanden. (Lebhafter Beifall links.)
Abg. Molkenbnhr (Soz.): *
Ich kann in bas hohe Lob des VorrebnerS nicht einstimmen. Die Novelle genügt nicht ben vescheibensten Ansprüchen. Der Redner trägt nunmehr bie in ber Presse ber Sozialbemokratie und der freien Gewerkschaften erhobene Kritik an bet Novelle eingehend vor. • -t '
Weiterberatung Sonnabend 1 Uhr. / > , /
Schluß 7 Uhr 10 Minuten.
ouiujuuci. iviLu x-ui^y Doklordissertation aus dem Jahre 1780: „Versuch über wieder das Lob des köstlichen den ZusanunertlMtg der tierischen Natur des Menschen mit feiner wird, es folgt ein Krieaszna geistigen" brachte 4Hd Mk. .Weitere Werke von Schiller, so das
Deutscher Reichstag.
111. Sitzung, Freitag, 28. Februar. .
Am Tische des Bundesrats: v. Bethmann-Hollweg, Saspar.
Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr j. 8 Minuten.
Die Genehmigung zur Vernehmung beS Abg. Schefbeck '(Ztr.) als Zeugen ui einem Privatklageverfahren wird n i ch t er. feilt Dagegen wird dem Anträge des Abg. Held (b. k. P.) ent» sprechen, die Staatsanwaltschaft tn Hannover zu einem Einschreiten t-tgen ihn selbst zu ermächtigen. . * -
Der kleine Befähigungsnachweis.
(Zweiter Tag.), * , /
Abg. Malkewitz (konf.)
(rllärt gegenüber der gchtrigen Bemerkung des Abg. Linck, es sei ijn mit keinem Wort eingefallen, die nationalliberale Partei an. Schwärzen. Er erkenne ihre Haudwerterfreundlichkeit an. Und ir« solle er dazu kommen, eine befreundete Partei anzugreifen? Daher feien auch die Schlußfolgerungen, bie die „Nationalzeitung" tu einer Besprechung der gestrigen Sitzung gezogen habe, unberech- :ift. Er bittet ben Abg. Linck, zu erklären, daß von einer An. (ftvärzung der Nationalliberalen seinerseits keine Rede sei.
Abg. Cuno (freif. Vp.)
!>emängelt die Fassung des Gesetzes, die für einfache Handwerker I! geradezu unverständlich sei. Die ganzen Vestirnnmngen seien viel ,u formalistisch, daß sie eine Hebung des Handwerkerstandes ringen könnten. Namentlich die Ausfi'chrungsbestimmungen \ rieben viel Schwierigkeiten bereiten. Eine Stärkung ber Be- ■ iirebungen auf Einführung des allgemeinen Befähigungsnachweises ti nicht zu befürchten. Die Praxis toürde die Handwerker bald j; topi bringen, von selbst darauf zu verzichten Der Entwurf müsse noch manche Abänderungen erfahren, ehe er annehmbar sei.
Abg. Göring (Ztr.)
b-strtvortet die Anlegung von Handwerkerregistern und eine neue 'legdung des Hufbeschlagwescns. Er bemängelt die Z u s a m . Einsetzung ber Hanbwerkerkammern. Manchen nippen von Handwerkern sei es jetzt unmöglich gemacht, an den Zahlen teilzunehmen. Er könne dem Abg. Euler nicht bcistimmen, 'j; die Nationalliberalen Handwerkerfreundlich seien. Wenn sie j, ich aufspielen, so tun sie es der Not gehorchend. Not lehrt beten!
Heiterkeit.) Mit schönen Worten sei c5 nicht getan, man müsse 'Mich Taten sehen. Die Freisinnigen seien immer Handwerker- .'nh auch Zentrmnsfeindlich gewesen. Sie wollen angeblich nur die .bcrechtigien" Forderungen unterstützen. Als berechtigt erkennen .r aber keine an. (Heiterkeit.) Die Handwerker hätten mit . limbimbereinen nichts zu tun. Die Sozialdemokraten ■ölten sich an der eigenen Nase fassen, ehe sie so etwas behaupten.
Handwerk habe immer noch einen goldenen Boden. Freilich -lihews und in Mengen hole man das Gold nicht heraus, sonst Titben viele Sozialdemokraten heute noch Handwerker sein, iWeiterleit.X f?v
Abg. Binbewalb (Rfp.)' laicht die Hoffnung aus, daß ber Handtverkerstanb sich politisch ^esr regen werde. Der kleine müsse nur ein Vorbote des großen Icemeinen Befähigungsnachweises sein. Die bombastischen sozial- ' vokratischen Angriffe und Floskeln gegen das Handwerk seien ^erlich. (Lachen der Soz.) Ihr affektiertes Lachen ändert daran »ctztS. i,
Abg. Schefbeck (Zentr.)'
J *^rf die bayerischen Handwerker gegen den Vorwurf der .Drlingszüchterei. <
Die Debatte schließt. 1. '
Abg. Bassermann (nafL)' 1
rrit eine persönliche Bemerkung: Im Jahre 1897 ist der kleine - i'ahigungSnachweis nicht am Widerstand der Nationalliberalen, or-bern an dem ber Negierung gescheitert. Die Mehrzahl ber '^ibtoerfcr wollte damals nichts davon wissen.
Die Novelle geht an eine Kommission von 28 Mit - 1 'edern.
.rW» Die große Gewerbenovelle.
ES folgt sodann bie erste Lesung ber großen Gewerbenovelle ^ Verbindung mit der ersten Lesung des Gesetzentwurfs be= Menb bie Herstellung von Zigarren in der Hausarbeft, sowie •ts internationalen Berner Abkommen über das Verbot ber Nacht- i^'eit der gewerblichen Arbeiterinnen und das Verbot der Ser» iwibung von weißem (gelbem) Phosphor.
Die Gewerbenovelle enthalt ein Konglomerat von Nenbe- ^""isgen: über die Ausstellung von Zeugnissen für iHni an ^r^e^er (dom Tage ber Kündigung an statt bisher ^gange): zweckmäßigere Gestaltung ber Bestimmungen ^tr Die Lohnbücher und Arbeitszettel — bie bisher nur für bie Ä ^nb Klerderkonfektion erngeführt sind — (Umgestaltung P "-ohnbuches zu einem Abrechnungsbuch usw.); ortsstalutarischer ?o ^ungsschulzwang auch für Arbeiterinnen ct.Jahren (also für Arbeiter unter 18 Jahren überhaupt); trn-6 Un£ .l)cr Ermächtigung des Bundesrats zur Bekämpfung -.•ifUÜCri<n°^®en Arbeitszeiten herrührenden Gefahren auch auf nge erbo18manabmen in gesundheitsge- i w V-7 e n betrieben (Mitnahme von Nahrungsmitteln in urbeitSräume, Rauchen bei der Arbeit, Benutzung der Schutz» .usw.); Arbeiterschutz in ber Hausarbeit (u. a.
Verbotsbefugnis des BundeSrats für solche Arbeiten, bie mit erheblichen Gefahren für Leben, Gesundheit oder Sittlichkeit der HauSarbeiter oder für die öffentliche"Gesundheit verbunden sind); Ergänzung der Strafvorschriften (insbesondere nach ber Richtung hin, baß für wiederholte Vergehen gegen gewisse Arbeiterschutzbestimmungen ein erhöhtes Strafmaß und ein erhöhter Mindeststrafsatz eingeführt wirb); Regelung der Nechtsver. hältnisse der Werkmeister, Techniker »nd dergleichen in bezug auf Kündigung und Gehaltszahlung wie bei den Hand« lungsgehilfen; Beseitigung der Begrenzung der A ^eiterschutzbe» stimmungen auf die Fabriken; Einführung einer nächtlichen ununterbrochenen Ruhezeit der weiblichen und fugend» lichen Arbeiter von mindestens elf Stunden; Einführung des Zehnstundentages für Arbeiterinnen vom 1. Ia» nuar 1910 an. Lr
Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg:
Die beiden Novellen werden die Uebersichilichkeit unserer Ge. werbeordmmg sicherlich nicht bessern. Herr Malkewitz hat gestern von einem neuen Flick auf da? alte Kleid gesprochen. Ganz richtig. Unser Gewerbe gleicht eben einem jungeu Menschen in den fruchtbarsten Jahren seines Wachstums, ber alle Augenblicke <ni3 seinem Anzuge herauswächst und dem man fortwährend mit Flicken und Stücken kommen muß, um die Blößen zu bdbe5en. Wie bunt würde dieser Nock erst auSsehen, wenn wir alle Wünsche, die innerhalb und außerhalb des Hauses laut werden, erfüllten und erfüllen könnten. Wenn wir erst einmal zu Atem kommen, bann werden wir uns auch nach einem anderen Anzuge umsehen; zunächst kommt eS daraus an, bie dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen.
Der Staatssekretär beschränkt sich in seinen einleitenden Ausführungen auf die F r a g e ber Hausarbeit. Schon die große Zahl der in der Hausarbeit beschäftigten Personen würde das Interesse völlig rechtfertigen. Die Hausindustrie ist nahezu über das ganze Deutsche Reich ausgedehnt und beherrscht den wirtschaftlichen Charakter einzelner Gegenden und Orte vollkommen. Ich glaube wohl nicht zu viel zu sagen, daß in der Hausindustrie die allerverschiedensten Kreise ber Bevölkerung von den ärmsten und niedrigsten beschäftigt sind bis herauf zu denjenigen, die in der Nebenarbeit einen Zuschuß für ihren Lebensunterhalt suchen. Die größten Mistände bestehen in bezug auf die Beschaffenheit der Räumlichkeit, ber Herrichtung der Vetriebsgegenstände, der teilweise absolut ungenügenden Lohnverhältnisse, die Gefahren in sittlicher und s anitärör Beziehung. Gerade die Hausarbeit bringt eine Unmenge verschwiegener Sorge und verschwiegener Not, eine Hausarbeit, die in billiger und vielfach übe.rbilliger Arbeit geleistet wird. (Sehr wahr!)
Diese Zustände sucht die Novelle zu bessern durch Nebertragung der Schutzvorschriften, die bereits für andere Gewerbe bestehen. Die Kritik besonders in der Publizistik hat die Vorsicht bemängelt, ja bie Schüchternheit, mit der die Regierung an bie Bearbeitung dieses Stoffes herangetreten ist. Man hat die Vorschriften ungenügend genannt, weil sie sich nur auf diejenigen Betriebe er. strecken sollen, die eine besondere Gefahr für Leben und Gesundheit und Sittlichkeit bilden. Insbesondere hat man bemängelt, daß man an Stelle zwingender Vorschriften ihren Erlaß in den Willen des Bundesrats, der Landeszentralbehörde und der Polizeiverordnungen stellen will. Aber die S ch w i e r i g f e i t en auf diesem Gebiete sind doch ungemein groß. (Sehr wahr!) Die Formen, in denen sich die Hausindustrie abspielt, sind außerordentlrch mannigfaltig und bann bedenken Sie: auf der einen Seite fordert man die staatliche Gewalt auf, entschiedener und mit zwingenden Maßnahmen vorzugehen, während man doch auf der anderen Seite nicht verkennen darf, daß auch der Aermste den Wunsch hat, in seiner Häuslichkeit nach Belieben frei zu schalten (Sehr wahr!), und daß jeder polizeiliche Eingriff in die Häuslichkeit gerade ihn umso schwerer berührt (Sehr wahr!), als bei der Hausindustrie das häusliche Leben in ber Arbeit aufgeht. Ich habe in den letzten Tagen einen Aufsatz von einer Dame erhalten, die sehr beachtens, wert ausführt, daß die vom Bundesrat erlassenen Vorschriften doch auch im Einzelfalle kontrolliert werden müßten. Aber welche Gefahren könne eine solche Kontrolle in sich bergen?
Wie unerträglich müsse es für die e t n z e l st e h e n d e Arbeiterin werden, wenn die Polizei oder der Arbeitgeber, dem ja eine gewisse Verantwortlichkeit auferlegt wird, das Recht haben soll, jederzeit bei Tag und Nacht in die Wohnung ein. zudringen! (Sehr richtig!) Das sind ungeheure Schwierig, leiten, und Sie dürfen es der Regierung nicht zum Vorwurf machen, wenn sie mit Vorsicht an bie Regelung dieser Angelegenheit I) er an tritt. Täte sie es mit rauher Hand, so könnte sie Werte zerstören, wirtschaftliche und ethische Werte (Sehr richtig!), die wir hochhalten wollen. (Sehr richtig!)
Es ist auch der Vorwurf erhoben worden, daß die verbündeten 1 Regierungen nicht nur zu wenig, sondern gar nichts brächten. Der : Staatssekretär beschäftigt sich mit einem Aufsatz des Abg. Molken. 1 buhr in der sozialdemokratischen „Neuen Zeit", ber die Novelle so. ! gar als Rückschritt hinstcllt. Der Staatssrekretär weist nach, daß ; die Auffassung des Artikelschreibers, daß der Bundesrat die Vor» , schristen des § 120a schon nach dem geltenden Recht auch auf Haus- ; arbeitet zur Anwendung bringen könne, mißverständlich ist. Der Staatssekretär schließt seine Ausführungen mit ber Bemerkung, er halte es nicht für unmöglich, beide Novellen, die große Gewerbe. Novelle und die über bie Tabakindustrie, in ein einheitliches Gesetz zu verschmelzen. Die Regierung werde in der Kommission sachlich ' Mitarbeiten und hoffe auf ein gutes Ende. (Beifall).
Abg. Dr. Pieper (Ztr.):
Eine gesunde Sozialreform ist ein Gebot wirtschaftlichen Fortschritts. Auch die Vorlagen bringen Verbesserungen, darum in das nordische Land, mit allerhand Äbenteuern u.ro Meth«- gelagen, Liebesgeschichten und merkwürdigen Schicksalen eines germanischen Königssohnes, der irr seiner Jugend als Geisel entführt war und nun in seine S^eintat zurücklehrt, wo er zum Befrcree seines Volkes und zmn König gekrönt wird, und zum Schluß tritt in einem Nachspiel wieder das Schriftstellerel-epaar ans, das Über das diktierte Drama disku.iert und nicht ins Mine kommen kann, ob es sich um eine Tragödie oder Komöoie handelt . . . Der Stint wird es in diesem Punkte ebenso gehen. In allen Teilen des Stückes wird der Meth in dithyrambischer Weise gefeiert als der „Quell der Begeisterungsfreudigkeit, die unsere entgötterte Welt mit neuer Schönheit schmückt." Es scheint, daß der Meth dem Verfasser als das Symbol einer vom Begeisterungsrausch und Liebe erfüllten Weltanschauung vorsäpoebt, die er der nüchternen Denkart der Gegcuioart entgegenhallen will. Aber diese Absicht ist nur in schrvachlichcr, rhetorisckzer Andeutung zum Ausdruck gebracht und nicht zum dramatischen Leben erweckt. Die teils in Prosa, teils in burlesken Knittelversen, teils in poetischen Lyrismen gehaltene Sprache wirkt mit ihrer ewigen Verherrlichung des Meth ermüdend. Die Darstellung des, Phantasicspieles im Hoft theater war namentlich nach der szenischen öeitc hin glänzend. Ernst Zulauf hatte zu eins einen Teilen des Dramas eine sehr ansprechende Musik komponiert. R. S.
— 1210 Mark für die Erstausgabe der „Räuber"
wurden in einer Auktion in Berlin erzielt. Schillers


