Ausgabe 
28.11.1908 Zweites Blatt
 
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Nr. 381 zweites Blatt

158. Jahrgnttg

Samstag 28. November 1908

Erscheint töglich mit Ausnahme des Sonntag!.

DieSietzcner ZamlllenblStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelcgt, das Kretsblatl für öen Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tie ..Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheften

Rotationsdruck und Verlag der Drüblfchea UnwersitätS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange. Gießen.

Redaktion, Eyvcdition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Bering: 5L

Redaktion: ^^112. LeU-AdroAnzeigerGießen.

Stimmungsbild aus dem Reichstage.

Berlin, 27. No".

Fivanzreform.

Hier sichst du ihre krümmer rauchen, her Nest ist nicht mehr zu gebrauchen." Ter Sang von Wilhelm Busch, dem Dr. M ü l l er- M.iningen diesen Epilog auf die Reick)ssinanzrcform entnahm, ist jedenfalls kurzweiliger zu lesen, als die nun fcfjon sechstägige Finanz- und Stcucrdebattc. Morgen geht cs zu Ende, der Seniorenkonvent hat ein Einsehen gehabt. Es kann auch nichts mehr gesagt werden, was der Kommission, auf deren Arbeit es jetzt ankommt, noch Anregung oder Richtung geben kennte. Und von mehreren Seiten wurde es auch heute ausgesprochen: eine Hauptgrundlage für die Beurteilung der Steucrvorlagen muß dem Reichstage noch geaeben werden, der neue Etat. Tie negative Kritik an den einzelnen Steuern wurde heute noch er­heblich verstärkt, auch aus den Reihen der Rechten. .Hier war es zuerst der frei konservative Tabaksindustriclle Schmidt aus Alten­burg, zweiter Vorsitzender des deutschen Tabalsvcrcins, der, frei­lich abweichend von dec Stellung seiner pvlitisckien Parteifreunde, nicht nur die Banderole, sondern ziberhaupl jede Neubclastung des Tabaks ablchntc und, nahezu mit denselben Worten wie die Redner der freisinnigen Linken, eine gerechtere Verteilung der Lasten forderte: und dann der würtlembergische Bündler Bogt aus Crailsheim, der ebenso wie sein volksparicilicherLands­mann Schweick Hardt besonders das Branntweinmonopol be­kämpfte und einen größeren Mchdruck auf die .Heranziehung des Besitzes durch direkte Besteuerung gelegt wissen ivollte. In der Hauptsache gehörte der heutige Tag den F-rei>innigen. Herrn Dr. Müller-Meiningen war von seiner Fraktion die Aufgabe zugeteilt worden, die Gründe für die Ablehnung der Elektrizitäls- und der Jnseratensteucr zum Bortrag -zu bringen. Er tat das mit dem ganzen Ungestüm, der diesem ,üddeutsa>'n Parlamentarier eignet, und die durch die geplante Steuer auf die elektrische Kraft in seinem engeren Baterlanoe Bayern benrorgerufene Stimmung brachte er in voller Scharfe zum Ausdruck. Politische Gesichts­punkte fand er nicht nur hier, sondern auch bei der Jnseratensteucr, die er abgesehen von den in der Presse und der bisherigen Rcichs- lagÄtebattc schon zur Genüge betonten Gründen auch deshalb verwirft, weil er der Regierung kein Mittel in die Hand geocn will, ein ihr unbequemes politisches Blatt zu schikanieren. Auch Mommsen, der als zweiter Redner der frciiinnigen Bereinigung das Wort halte, beschäftigte «ich aus den gleicistn Gesichtspunkten mit diesen beiden L^r lagen. Daneben aocr unterzogen beide frei­sinnigen Redner den Rcformwert der verbündeten Regierungen im ganzen einer scharfen Kritik, und sie blieben, wie zu erwarten war, auch auf die gestrigen Angriffe vom Zentrum und der Rechten die Antwort nicht schuldig. Sehr aufmerksam folgten das Haus und die Herren auf den Regierungsbänken ihren Aus- lührungcn über den inneren Zusammenhang der ganzen Finanz- mesere mit dem Scheinkonstitutionalismus, bei dem der Verwalter ter Reichsfinanzen in Wahrheit nichts ist als ein Reichssteucr- falfulator und der Prügelknabe der Ressoctverwaltungen für den Reichstag. Bon den naliormlliberalen Bänken fanden sie laute ouftimmung, als sie betonten, daß das mündige Volk eine ge­rechte Lastenvcrtcilung und daneben gesteigerte Anteilnahme an den StaaEigeschäften beanspruche. Hiermit sei der innere Zu­sammenhang zwischen Finanzrcforni und Berfassungsfrage <je=> geben und darum lehnten sie die in die Form einer Drohung gekleidete Erklärung des Grasen Schwerin-Löwitz ab. Dr. Müller- Meiningen erklärte ausdrücklich, daß das Wort des Abg. v. Aayer von der Parallelaktion auf dem Einverständnis der Frak- lionsgemcinschaft beruhe. Der Abg. Adommsen fügte hinzu, daß bie freisinnige Linke nicht beabsichtige, sich in die Ecke stellen zu lassen. Ein Klagegesang des antisemitischen Reformers Binde- v a l d über die deutsche Nation, die in die Schuldknechtschaft der wldcnen Herde geraten sei, machte für heute den Schluß. Ter Sirelter im Reicyssclntzamt K ü h n bekräftigte das offiziöse De­menti der Behauptung, daß der Gedanke des Branntweinmonopols len Kreisen der Spiritnszenlrale entstamme.

Aurzeichnungen zu Grohherzogs Geburtstag.

iv.

Tas a [(gemeine Ehrenzeichen mit der Jnschrist: »Für lang­jährige ireue Dienste": Geiaugcnaufieher an der Zelleustraianslatt :önlzbach Anton Hainstadt, Orlsgenchlsmau Gg. Loth II. in löarbad); den Charakter als .Rechnungsrai": Gerichiskoslenrcvisor liubiuig 3 u u q in Darinstadt; den Charakter alsCberaftuar'':

Kunftoerein.

Bon bett Ausstellungcit ou^s WmierS ist bisher nichts bcson- ideres zu berichten gewesen. Man sah in der gewohnten bunien Mischung, an der sich nur durch gelegentliche strengere Aus­scheidung etwas ändern läßt, die Durchschnitlsware des Kunst- rrereinsturnus. Modernes und Acltcves friedlich nebeneinander, neben anspruchsvollen Stücken auch manchs Billige, so daß auch Ilie Kauflust selbst angeregt wurde. Bon der gegenwärtigen Aus- fiellung, die zum Teil anfang nächster Woche verschwindet, darf man rühnren, daß sic sich über den Durchschnitt erhebt. Sie rrerbanft das hauptsächlich der stattlichen Sammlung des Mlin­dener Malcrpaares Oskar Graf und Caecilie Graf-Pfaff, farbenfrohen, kräftigen Lanüschafisbilocrn, die, an den beiden -auptwändcn vereinigt, vortrefflich zu einheitlicher Wirkung Bimmen. Sic erinnern in ihrer breiten Formgebung, ihrer Vor­liebe für massige Gruppierung von Bäumen, Wolken, Architek- tric an Richard Kaisers wohlbekannte Art, die man an zwei keinen Bilvcrn (bei Golling ' undan der Elbe bei Magde- üierg") bequem mit ihnen vergleichen kann; was sie von leiten unter)rficiber, ist vor allem ihr wärucerer Ton, ihre derbere Bunt- Deit, dic ausfallende Lieohaoecei für hohe Perspekliven, aus denen Ich just einig; besonders hübsche, trauliche Städtcbiidcr ergeben. Auf Staffage im gewöhnlichen Sinne ist meist verzichtet; dagegen i nb manchmal ernste, finnige Gestalten in die Landschaften lüneingestcllt, die wic Verkörperungen ihrer Stimmung wirken ifÖerbftgtbanFeir von £.,eommeriag" von (Saec. Graß. Im «llgcmc.uen febeint die Malerin oem Maler bei aller Wcscnsvcr- ffljanötichaft etwas nachzustehen, insoesondere int Figürlichen, wo jf.e leicht etwas Gezwungenes, Hartes bestimmt. Mit den Ra­dierung, n beider steht es ähnlich; die reinere Freude hat man an beiten des Mannes, der sich mit einigen Prachtstücken (Kind iin Lehnstuhl",Haus des Dorfschulzen"^ sofort das Herz des Äesuchers gewinnt. Neben diesem großen Aufgebot von ge- sshtoifener eindringlicher Wirkung Haven andere Landschaften einen schweren Stand. Die am meisten ins Auge fällt,Sonnenunter- cing in Griechenland" von H. S ch w i to e n - Ctzarlottenburg, ist yi matt in der Farbe und wirkt dnrckxrns nicht überzeugend $cicajiici:, n'ährend erct ita.ienifche Sirandaquarelle von M. Pie­per-Bergen auf Rügen gerade koloristisch recht glücklich sind. Oie feinen Klein iandscyaften des hier wohlbekannten Eronberger 5. Wucherer leiten zur modernen Art über, die durch F. Dor- j.ctte, einen Schüler Kallmorgcns, (Stille auf dem Wasser") laib die Düsseldorfer A. Holz und H. Deiher-Rom vertreten wird; das kleine, prächtig leuchtende Hcideöttd des letzteren sei besonders der Beachtung empfohlen.

Das Figürliche tarnt neuen oen Landschaften, auch wo cs aa Umiang mit ihnen wetteifert, ja sie überbietet, nicht recht auf- hmmen. Am erfreulichsten sind die in der Glut afrikanischer Sonne leuchtenden KamelreitoN von E. O st er m e y e r- München, wid die BilderauS der Huiarenmjerne" von C. Geist-Kassel.

Aktuar bei dem Amtsgericht Darmstadt I Johann Geora Franz Lchnellbächer; den Charakter alsKanzleirai" : dem Konzlci- inivertor bei dem Landgericht der Provinz Siavfenbnvq Ludwig Bach; dos Ritterkreuz I. Klosse des Berdicnslordens Plnlwvs dcs Großmütigen: Sieuevfommifiär des Stcnerkommisiariats A'ichcl- ftabt i O., Reaierungsrat Dr. Friedrich Gartner, Steuer- kommiffar des Sleneikommiffariats Langen, Regierungsrai Kart Greiner, Sleuevfonuniffär dcs Ctcucrkommissaricns Büdingen, fstcaierunqsrat Kart Fr e s e n i u S, Cbeviövftec der Cberiöviievet Büdingen, Forstmeister Ludwig Sveugler, Cberförftcr der Cbeviorflerci Winw'en, Forstmeister Wilhelm e cb a 11 n 5 , Cbei- lörster der Dlieriörflcrei Atitteldick, Forstmeister Joh. ö i (1 e r i ri) zu Langen, Oberiörstcr der Oberfövfterei Aiüusler, Forstmeister Friedridi Stork zu Sieburg, Muglied der Königlich Preußischen Eisenbahndireklion Frankiurt a. M Regissrnngsral Cito Drescher; bas Ritterkreuz 2. Klasse deS Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen : Eelictariaisaisiskent bei dem Ministerium der Finanzen. Rechnuugsrat Heinrich S ch a r m a n n , ledmiidjen Ajsislcnten bei dein bauicdiiiiidjen Bureau der Mimsterialableilnng für Bamckeien, Baliafsistenk Paul Eberl ein, dem Geoinctcr bei dem bau- icd)mfchen Bureau der Minislerialabtcilung für Bamvesen, Herm. Faul, dem Revisor bei dem Kalafleramt, Rcchnungsrat Ferd. Eckslorm, dem Katasteringenicur bei dem Kalafleramt Joliann Heil, dem Bezirskaisier der Bczirkskusie Sdiolten, Rendant Gg. Ken her, dem Bczirkskasficr der Bezirkskasse Lauterbach, 'Renbani Joh. Fließ, Bezirkskafsier der Bezirkslasfe Mainz I, Rendant Helnr. Rink, Salincnrenlmeister, öicchnungsrat Gg. Kiffet zu Bad°9laul)cim, dem Hillskassier bei der Hauvlslaatskasfe, iliechnungs- rat Lconh. Lang zu Atarnz, dein Cisenbahnbelriebsingenieur Wil­helm W i n lz z»i Darmstadt; die Krone zum Riltcrkreiiz 2. Klasse dcs Bcidicnstordens Philipps des Großlnuiigcn : Maichincriedirellor Fricdr id; Kkr a u i ch in Atontc-Carlo; das ^lllgcmeine Chrcnzcid)cn mit der Inschrift:Für treue Dienste" : Sieneraufichcr Hemrick) Schneider zu Friedbcra, Forslivart der Foislivarlei Haindien, Förster Hcinrid) G r ü n e iu a l b , Forstwarl der Foislivarlci Wmb- Ijaufeu, Förster Johannes Jacob«.

Tas AUgememe Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für treue Arbeit: Waldarbeiter Gg. Schäler I. zu Ziömgslädlen, Will). Bär zu Rainrod, *2lun. 'S ch m i d t I. zu Rainrod, Will). Kon­rad JIL ah Rainrod, Hol Hetzer Jobs KalbNeisch 11. zu Grcbcnan, Holzbaner Karl Geisel zu Grebenau, Jak. Euler zu Bicben, Hch. Becker VII. zu Teckenbad), ilulturarbcitevin Kalb. Kratz Wive., geb. Fiicdr cb, zu Blcioenrod, Holzhauer Adam Engel zu Cber-Glecn, Friedr. Götz I. zu Cber-Lais, Holzsetzei Gg. At ü Iler IV. zu Großen-Lindcn, Bergmann Karl 'M ä u n üj e zu 'Melbacb, Bahuho'sarbciler Jobs St e 11 e r zu Laiilerbach.

Teu Cyarakler alsyiedmimgSrai": den Ministeiialrevisoren bei der Budibaltimg der Finauzcu Georg Leiser und Jakob Lohr u m, Revisor bei dem Katasteramt Friedrid) S ch ö m c r , Haiiplstcueramtsrendameu bei dem öauptiieucramt Tannsladt, Adam Leißler, Buchhalicr bei der HauptKaaiskasse Wilbelm AI a t l e r n , Oberbahnhoisvorsteher Karl o h m a n n zu Worms, Eiseubahnfekreiär Georg At e t; zu Tarnisladt, Cbersassenvoisleber Wilycim Stock zu Hanau; den Charakter alsRendam" : Be- zirkstafsier der Bezirkskasse Groß-Gerau Wilhelm Schivöbel, Bezirlskassier der Bezirtslasse Kastel Peter Beruh. F e u e v b a d), Bezirkskasfier der Bezirkskasse Alzey JR). Keil; das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen Komiiier- zienral Ernst Heyne zu Cfscnbach a. Ai.; das Ruterkreuz ziveiter Klasse des Verdicnslordeus Philipps des Großnu'ikigeu: Kau'maun Jul. l)l o l h f d) i l d zu Cfseubach a. Ai.; das Allgeineuie Ehren- Aeidien mit der Julchrist:Für treue Dienste": Geiueinderedinei Daniel Glock I V. und Landwirt und Waguermeister August Ai ö v i d) e l zu Ilbenstadt.

Das Allgcineine Ehrenzeichen mit der Jnschrilt:Für Ver­dienste" : Lazarus (Louis) L ö b zu Bad-Rauheim; das Komiur- kreiiz 1. Klasse des Bervicuslordeus Philipps des Großmütigen: Rat int K. Prcuß. Ministerium der öffenll. 'Arbeiten, Wirlt. Geh. Oberregierungsrat von der Leyen; das Komiurlreuz 2. Silane des Verdienstordens Philipps des Großmüligen: Vortragenden diai im K. Preiiß. Minisieriuni der öffenitidic.i Arbeiten, Geh. Cber- regicrungsrat Szyskowitz; das Rillcrkrenz 1. Klafft des Ver­dienstordens Philipps des Großmiitigen: Ailtglied d. Preuß. und Hess. Eiseubahudireklion Aiamz, Geh. Baiirai L i e p e , Ainglled der El'enbahudirekuon Frankfurt a. Ai. Geh. Baurat Lohrn ey er; das Ruterkreuz 1. Klaffe nut der Krone des Verdieuflordcns Philipps des Großmütigen: Reichsbevollmächugteu für'Zölle und Steuern, K. Württ. Wirkt. Cbcrfinanzral Röck.

Ein brav gemalter, auer aus dein Aiodelistndium nicht recht lterausgekvmmcner Akt ist dieNymphe" von G. Backhaus- vannover, der günstiger mit seiner allerdings zu großen und an» tpruchsvvllenWeinernte in Italien" wirkt. DieLesende" von P. v. Wa echter, dasLied" von R. B a hl-Danzig, von dem auch der beschneite Danziger Langemarkt recht Habich ge­malt ist, sind einfache und aniprechende Genrestudien. Alan ist umso mehr geneigt, solck-es Mittelgut anzuerkennen, je prätontiöser sich daneben die Stümperei gebärdet. Der Ruh-rn manches nw- dernen Triptychons hat den durchaus altmodischen A. W. R o c s - ler-Wien nickst schlafen lassen. In einem dreiteiligen, umfang­reichen Bild schildert ec symbolisch die ftLachl; links wacht die junge Mutter am Bett ihres Skindes, rechts an seinem Schreiotiich der ernste Forscher,^im Hauptvild aber schlummert auf weichem Rasen eine nackte Schöne, auf die, mit dem Pfeil drohend, ein Amor zuspaziert, während mit unbegreiflicher Verspätung die Göttin der 9iacht über sie hereinfchwevl, leider ohne dic nötige nächtige Stimmung mitzubringen. Wie mit den Gedanken, so hapert es hier mir Form und Farve. Im allgemeinen bleiven derartige Machwerke hinter den Kulissen unserer Ausstellung Der- vorgen; von Zeit zu Zeit aber schauet es wohl nichts, einGe­genbeispiel" aufzustellen und die guten Eigenschaften ernster und ernst zu nchmenoer Stunftroerte dadurch um so nachdrücklicher vor Augen zu rücken.

Um mit Erfreulichem zu schließen, sei rühmend auf die künst- lerifdjcn Photographien von Reinickc hingewiesen; cs sind wert­volle Beispiele einer tijattung graphisck-cr Sfunst, die erst im letzten Jahrzehnt bewußt gesiegt woroen ist unu schnell einen erstaunlichen Aufschwung genommen hat. Wie der Maler übt hier der Photograph die Kunst des Sehens, während er aus dic Darstellungsmitlel, mit denen jener arbeitet, verziclstcn muß; es gehört viel Erfahrung, lang geschulter Takt dazu, dcr un­persönlichen Aklion dcs photographischen Apparates Wirkungen abzuringen, die neben eigentlich malerischen sich behanp.cn tönnen.

D. S.

Kleine Chronik aus K n n st und Wissenschaft. Prolessor Ernst Grosse in Freiburg i. B. ist nad) einer Snidicn- i_e«ie in 3 n P an von der dcuifcheu Regierung zlun iui|jeind)aiilid)cn Sachveriiäudigeu bei der Kaiserlichen Boiichait m Lotio crnanm ivordcu.H o i i in a u u s l h a l sElelir a" wurde in eine: geicyickien, ivemigleidj freien Ucbcmagung von Paul Slrozzi iind Liephane Evsteiu ziirn e.fien Atale durch das Tbeatre de 1 Oeuvre zu Paris nut großem Beilatl au'ge'ührt. Iu Der Gro­ßen Cucr zii Paris wird gegeuwärtig eineDlonna B a nu a" mit Aiusit von Henri Fövrier eiusludieri. Maeierlint, dec Beriasscr ves Dramas, erijebt dagegen gendjltiche Eniprache und verlangt für jede Aufführung, die dessen ungeadjtet ftaufmben sollte, einen Schadenersatz von IV UUO Frcs.

Börscn-Wochcnbcrichk.

= Frankfurt a. TL, 27. Nop.'

Tie politischen Besorgnisse bilden nach wie vor den größten Hernnischiih für die Unternehmungslust an dcr Börse. Zeigen fid> wirklich einmal kleine Ansätze zur Auswärtsbewegnna, sorgen schon bald wieder politische Meldungen dafür, daß die Bewegungen int Sande verlausen und wiederum allgemein größte Zurückhalttmg beobachtet wird. In dieser Woche roar.n cs haupt­sächlich die von Men ansgegangenen N...vrichten, die flärlvccit Druck auf die Stimmung der Börse ausgeübt Haven. Tort sah sich die Spekulation und teilweise and) das Publikum ju Ab­gaben vieler Werte veranlaßt, woraus man ungünstige Schlüsse auf die Lösung der Balkanscage ziehen zu müssen glaubte. In der Hauptsache war die Verstimmung wohl darauf zurückzuführen, daß der ungeschwächt fortdauernde Boykott österreichischer Waren in der Levante in einer Reihe von Artikeln eine beklagenswerte! Stockung des österreichischen Handels zur Folge hat, bereit Ende angesichts der Ccsterreidj-Ungarn immer noch feindseligen poli­tischen Stimmung in der Türkei nickst abzusehen ist Außerdem scheint man and) oie Gefahr von kriegerischen zpomplikationen noch immer nicht ans öcm Bereich der Möglichkeit zu sehen. Ist man hier darin and} weniger pessimistisch gestimmt, so beiuiri. dock» die Ungewißheit über den Ausgang der OrienlkrisiS forlgesctzt große Beklemmung. Ein weiterer Faktor der Unsidjerhcit ist auch Amerika. Wohl liegen Anzeichen vor, daß die wirt- fdjtiftlidjcn Verhältnifie drüben einer Besserung entgegengehen, indessen ist das Vcrtcaucn gesd-wnnden, daß die Ailfivär.soewegung sich so rasch vollziehen werde, wie man cs nad> der Präsidenten«' wähl vielfach erwartet hatte. In Bezug auf die Newyorker Börse, die in dcr letzten Zeit stark schwankende .Haltung erkennen ließ, hält man eine weitere Ermäßigung des dortigen hod-geschraubten öriirsniveaus nickst für aiisgesdstossen, wennglcidj die großen Cli­quen, in deren Hände sick> das Haufiemalerial hauptsächliü) befindet, kaum zu einer forcierten Liquidation schreiten werden, so lauge bie Gcldveidältnisse aud) drüben so flüfiig bleiben wie bisher Die Flüssigkeit am Geldmarkt ist übrigens aud) baö einzige Moment, was gegenwärtig anderen Börsen ebenfalls, iiameiitlid) aud) den demfeycn, eine gewfisc Stühe verleihe. In London ist der leidste Gridstond in jüngster Zeit allerdings weniger scharf zum Ausdruck gekommen, auaj haben die Geldsätze dort etwas angezogen, so daß man sogar mit einer Diskonterhöhung der Bank von England glaubte rechnen zu müssen. In den letzten Tagen haben sich jebod) die Verhältnisse wieder etwas günstiger gestaltet, so daß eine solche Maßnahme bis jetzt unterölicu, zumal man jetzt als sicher annchinen zu können glaubt, daß dic neue große russische Anleihe in diesem Jahre die Geldmärkto nickst mehr belasten wird. Speziell an bett deutschen Märkten herrsch; gegen­wärtig infolge dcs Taniederliegcns von Handel und Industrie eine Geldslüffigkeit, wic sie seit einer langen Reihe von Jahren^ um diese Zeit nickst beobadstet wurde. Ultimogeld stellte sich) diesmal auf den täum jema.s dagewefenen Satz von 2Vs Proz. Auch für den Jahresschluß erwartet man keine größere Anspannung, da die Reichsöank bei ihrem jetzigen Goldbestände in der Lag« sein dürfte, etwaige erhöhte Ansprüd)L ohne Diskontomaßnahnien zu befriedigen. Auf wirtschaftlichem Gebiete war in. diefer Woche die vom rheinisch-westfälischen Kohlensyndikat be­schlossene Ermäßigung der -tolstenpreise das Hauptereignis, dem die Börse eine beifällige Aufnahme bereitete. Es bleibt aller­dings jetzt abzuwarten, welche Wirtung die jetzt gemachten Kon­zessionen einerseits auf Förderung und Absatz, andererseits auf die Erträgnisse der Zechen Haven werden und oo sie imstande sind, der verbrauchenden JndusLrie fühlbare Hilfe zu leisten. Lazu bedarf es aber zwar vor allem auch einer Besserung der all­gemeinen wirlschaftlichen Verhältnisse. Von Einzelheiten des Ver-- kchrs ist wenig bemerkenswertes zu berichten. Heroorzuheven) bleibt bie Heftigkeit heimischer Fonvs und die schwackje Hutung österreichischer Werte, namentlich von Lombarden. In Banken: und Montanpaptercn fanden gleichfalls einige Positivnslöiungen statt. Jndustriepapicre sind wenig verändert, nur W-e.sel Por­zellan verloren 7 Prozent. Privaldiskento 2Vz Prozent.

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Cauada E. B. . ... 175.70

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Tendeuz schwach.

28. November. 1.15 Uhr. . Elektnz. Lahmeyer . . . 116 25 Elektnz. Schlickert . . . 118.65 Escbweiler Bergwerk . . 188 50 Gelsenkirchen Bergwerk . 187 60 Hamburg - Amerik. EaketL 11110 Harjiener Bergwerk. , . 193. ,0 Lauralilitte 193 75 Aordd. Lloyd . ... 89.30

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