Donnerstag ÄV. Oktober 1908
Zweites Blatt
Nr. 255
158. Jahrgang
Lrlchelni tSgNch mll AuSnahine des TonntagS.
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rcitag, 30. Oktober
Abend» 8 Uhr
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51. Oktober 8 Ubr- VolWr‘
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Icbcn über der Völker
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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 6L
Rebaktion:e^ll2. Tcl.-AbruAnzeigerGießen.
Die „Gießener §amtltend!8tter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krclsblati für öcb Kreis Gießen" zweimal
Seite übertrieben beurteile. Es sei unleugbar, daß seit bau
lle Vorstellung gnot.
der Aillensbeei». iypuose. (9htr durib
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scheu zu gewinnen, „ . .
er in Paris erfahren, daß Franken, . _ _
Politik befolgen wolle, keine Diskussion der bosnischen Annexion auf der Konferenz und keine territorialen Konrpensationen an Serbien nnd Montenegro wünsche. Schließlich seien Zugeständnisse
unablässig danach, die Beziehungen „
SU verbessern, dieses aber entgegne, er sei dessen Erbfeind.
Rotationsdruck an» Verlag der vrühNch« UnwersuälS - Buch- und Sremdruckerel. BL Lange, Gießen.
politische Tages^ehan.
Kultusminister Holle.
In einem Berliner Telegramm der „Kölnischen Ztg." heißt es: Es ist nach allen Nachrichten ans unterrichteten: Steifen leider nicht mehr daran zu zweifeln, daß miniftcr Holle sehr ernstlich erkrankt ist und daß nur diese Erkrankung den Minister daran gehindert hat, zu Beginn des Landtags sein Ressort zu vertreten. Ms völlig unzutreffend wird es uns bezeichnet, daß an irgeitdeiner amtlichen Stelle Mißstimmung gegen den Minister vorliegt und irgendwo der Gedanke aufgetreten ist, ihn durch eine andere Persönlichkeit zu ersetzen. Es wird vielutehr aufs tiefste bedauert, daß der zufällige Umstand, daß die Erkrankung Holles mit dem Beginn des Landtags zusammentrifft, zu allerlei Kombinationen und einer Kritik des Schwererkrankten geführt hat, die schon das Gebot der gewöhnlichen Rücksichtnahme auf einen durch Anstrengung und Aufreibung im Dienst Schwererl'rankten hätte verhindern: sollen.
daß ein Mangel an Verschwiegenheit der Ocsfentlichbut gegenüber ‘ 'cbeutc. Deshalb, so fährt der
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r die Annahme eines Konferenzprogramms nach russischen Wun- als gescheitert anAusehen sei. Ueberdies habe eine unabhängige Orient-
Der deutsche Aaifer und die Engländer.
Wie man weiß, hat der deutsche Kaiser namentlich in den letzten zehn Jahren keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um den Engländern seine aufrichtige Freundschaft zu beweisen. Aber man glaubte jcnselts dcS Kanals diesen Freundschaftsbeweisen nicht. Nun erscheint in der englischen Presse eine Aufsehen erregende Veröffentlichung über den deutschen Kaiser, worin die vielen Freund» schailsbewelse Kaiser Wilhelms gegen England gewissermaßen chronologisch ausgelührt werden. .Daily Telegraph" reröfientlicht in zivei SpaUen eme Unterredung mit dem deutschen Kaiser, die kürzlich statlgesuudcn habe und nach der Versicherung des Blattes einer unantastbaren Autorität entstammen soll. Der Verfasser bemerkt zunächst in seiner Emleuuug, daß die Verschwiegenheit die erste und die letzte Eigenschaft sei, die man von einem Diplomaten verlangen und die selbst von denen noch bewiesen werden müsse, die, wie er,
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Konzert
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längst aus dem öffentlichen Leben ausgeschiedcn und ins Privat- langen seien. Dennoch Eönne cs in der Geschichte
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dige falsche Ansle gu ng und Verdrehung seiner wiederholten Freundfchaftsanerbieten seitens eines Teiles der englisdjen Presse. Diese Haltung macht seine Aufgabe, die schon nicht leicht fei, sehr schwierig. Die in weiten Kreisen der mittleren und unteren Klassen des deutschen Volkes vorherrschende Gesinnung sei feine freundschaftliche für England. Daher spreche er gewissermaßen int Quanten der Minorität im eigenen Lande, aber es sei eine Minorität aus den besten Ele- menten, gerade so, wie dies in England mit Beziehung auf Deutschland der Fall Teil, und bad sei ein weiterer Grund, warum der Kaiser es übel vermerke, daß man sich weigere, sein verpfändetes Wort, daß er der Freuno Englands sei, hiuzunehmen. Er strebe u England
Besuche des Kaisers die eifrigen Unfriedensttfter in der englischen Presse in einem sehr bemerkenswerten Grade abgenommen haben. Schwerlich werde das Mißtrauen des Engläieders, der der wieder - hoU erklärten Freundschaft des Kaisers bisher nicht geglaubt hat, beim sorgfältigen Lesen der kaiserlichen Worte bestehen bleiben. Es sei denn, daß des Kaisers außerordentlicher Freimut als ein krasser Beweis machiavellistischer Absicksten mißdeutet werde. Welches immer die richtige Lesart dieser bedeutsamen Unterhaltung ein möge, sie fei ein direkter Appell an das- engl. Volk, an die Aufrichtigkeit der Freundschaft zu glauben, die der Kaiser bewiesen haben will, sowohl wenn der politische Himmel bewölkt war, wie dem tatkräftigen Widerstand gegenüber den Vorurteilen eines großen j Teiles seiner eigenen Landsleute.
Mehr als das Kaiser-Interview interessiert in London, wie man bem „Verl. Tagcbl." berichtet, die Frage, wer dem „Daily Telegraph" das Material geliefert haben könne. Ein Diplomat in hoher Stellung deutete an, daß eigentlich nur zwei Personen hier in Betracht kommen: der ehemalige Botschafter in Berlin, Sir Franc Lascelles nnd der frühere Botschafter in Wien, Sir Horace Rumbold. Nach der Meinung des erwähnten Diplomaten zuxifÄN die Liberalen in England nicht an des Kaisers
Verfasser fort, habe ich mich entschlossen, die Grundgedanken einer längeren Unterredung zu veröffentlichen, die mit dem deutschen Kaiser zu führen ich jüngst die Ehre hatte. Ich tue dies in der Hoffnung, daß die Veröffentlichung dazu beitragen werde, eine Verständnislosigkeit, der die Gefühle des deutsch. Kaisers Englands gegenüber begegnen und die, wie ich fürchte, dies in der Brust des Turchschnittsengländers eingewurzelt ist, aus der Welt zu schaffen. Es ist des deutschen Kaisers auft-ichtiger Wunsch, datz sie ausgerottet werde.. Seine Majestät hat mit impulsivem, ungewöhnlich großem Freimut zu mir gesprochen. Der Verfasser berichtet weiter, der Kaiser sagte, er empfinde als persönliche Beleidigung die bestän-
Ms der Verfasser auf die Mißbilligung Euwpas betreffend die Rückkehr deS Konsuls Vassel noch Fez und den Vorschlag der Anerkennung Muley HafidS hinwies, ermiberte der Kaiser, dies wäre ein ausgezeichnetes Beispiel der Art und Weise, wie das Vorgehen Deutscl-landS falsch dargestellt würde. Vassel wurde nach Fez allein deshalb zurückgesandt, weil die deutsche Regierung wünschte, er solle auf die Pvivatinterefsen der deutschen Untertanen, die um Hilfe und Schuh ersuchten, achten. Außerdem fei der französisch«? Kionsularvcrtreter bereits mehrere Äöonate in Fez gewesen, bevor Bassel aufbrach. Was Muley Hafid angehc, so erklärte die deutsche Regierung für entscheidend und maßgebend die Mitteilung Muley Hafids an die Regierungen Deutschlands, Frankreichs und Englands im vergangenen Juli, worin er versprach), alle VerbindlichLiten Wdul Asis anzuerkennen. Daher läge kein Grund vor, eine zweite Versicherung vor seiner 2ln- ertennung abzuwarten. Es fei in dem jüngsten Vorgehen Deutschlands in Marokko nichts, waS mit den ausdrücklichen Erklärungen der Friedensliebe in feiner Rede im Rathause &u Strafe bürg in Widerspruch stände.
Der ftaifer ging bangt Über auf die Beweise feiner Freundschaft, die er England gegeben hätte. Er sagte, dafe die Engländer im allgemeinen der Ansicht seien, Deutschland sei ihnen währettd der Dauer des südafrikanischen Krieges feindlich) gesinnt gewesen. In der Tat hätte sich die öffentlich^ und private Moinung feindlich verhalten; ober als dann die Abgesandten der Bttren eine Intervention Europas zu erlangen versuchten und in .Holland und Frankreich gefeiert wurden, da habe er, der Kaiser, es ab gelehnt, sie zu empfangen. Ist diese Tat, so fragte der Kaiser, die die Reifet der Aurengesandtcn zum endgültigen Mißlingen brachte, die Tat eines ^imlichen FeindeS gewesen? Und weiter: Als der Burenkrieg auf seiner Höhe war, haben die Regierungen von Frankreich und Rußland an Deutschland daS Ersuchen gerichtet, sich mit i h n e n - u vereinigen und England anfzufordern, bdm Kriege ein Ende zn machen, um die Durenrepubliken zu retten und England in den Staub zn demütigen. Da habe er, der Kaiser, ccwiedert, daß Deutschland sich immerdar von einer ^Politik fernhalten müsse, die es mit einer Seemacht wie England in Verwickelungen bringen könne. Die Nachwelt, so fügte der Kaiser erwidert, daß Deutschland sich immerdar von einer Telegrammes lesen, das jetzt in den Archiven von Windsor Castle liegt und in dem ich den König von England von der Antwort •in Kenntnis gesetzt habe, die ich den Mächten gab, die damals danach trachteten, England zu Fall zu bringen. Die Engländer, die mich heute dadurch beleidigen, daß sie meine Worte in Zweifel ziehen, werden dann erlernten, wie ich in der Stunde der Gefahr gehandelt habe. )
Der Kaiser fuhr fort: Im Dezember 1899, in düsteren Unglückswochen, erhielt ich einen Brief von meiner verehrten Großmutter, auf den ick) eine mitfühlende Antwort schickte. Ich tat mehr, ich liefe durch einen Offizier einen genauen Bericht über die Zahl der Kämpfer auf beiden Seiten in Südafrika und die gegenwärtige Stellung der einander gegenüberstehendeu Streitkräfte beschaffen. Mit den Plänen vor mir, so fuhr der Kaiser fort, arbeitete ich einen Feldzugsplan, den nach meiner Ansicht besten Feldzugs plan, auS, unterbreitete ihn meinem Generalstab zur Kritik und sandte ihn dann nach England, und dieses Schriftstück ist ebenfalls unter den Staatspapieren im Windsor Castle. Als merkwürdiges Zusammentreffen lassen Sie mich hinzusügen, daß der von mir ausgestellte Plan demjenigen sehr nahe kam, welcher wirklich von Lord Roberts angenommen und glücklich von ihm ausgeführt wurde.
Der Kaiser schloß damit, dafe er über die deutsche Flotte sprach und sagte: Deutschland, das junge emporblühende Kaiserreich, habe einen weltweiten, sich schnell ausdehnenden Handel; ein berechtigter Ehrgeiz verbiete es allen patriotischen Deutschen, diesem irgendwelche Grenzen zu setzen. Deutschland müsse eine machtvolle Flotte haben, um seinen Handel und seine mannigfaltigen Fnteresseu auch in den entferntesten Meeren zu schützen. Deulsch- kand müifc für alle Eventualitäten im fernen Osten gerüstet sein. Wer könne im voraus wissen, was sich in kommeichen Tagen im Stillen Ozean ereignen werde, in Tagen, die nidjt so fern seien, als manche glaubten! Der Kaiser schloß: Nur auf die Stimmen von Mächten mit starken Flotten wird mit Achtung gehört werden, wenn die Frage der Zukunft des Stillen Ozeans sich lösen wird. Es kann wohl einmal geschehen, daß England selbst froh sein wird, daß Deutschland ejne Flotte hat, wenn beide Läicher gemeinsam auf derselben Seite ihre Stimme erheben werden ui den großen Debatten der Ankunft.
„Daily Telegraph" sagt zu den von ihm berichteten Aeuße- rungen, daß der Kaiser offenbar das Mißtrauen auf englischer
böfk ein
K. Ruth.
Die Krifts im Grient.
Cs ist nicht wenig, was Serbien verlangt: 1. einen territorialen Str ei) en Bosniens für (Serbien und einen Streifen der Herzegowina für Montenegro; 2. eine Richtigstellung der Grenze an gewißen Punkten; 3. daß die Türkei diese Forderungen unterstütze. Wenn die Forderungen nicht gewährt würden, werde Serbien für Bosnien die Autonomie verlangen nnd wenn auch dies abgelehnt würde, werde es Banden in die beiden von Oester- reich-Ungarn okkupierten Provinzen entsenden. Mit diesem Verlangen hat Serbien in Konstantinopel kein Glück gehabt, auch in St. Petersburg scheint den Serben fein Glück zu blühen, denn nur so läßt ein auffallender Artikel verstehen, den die Belgrader „Prawa" veröffentlicht. Der Arttkel ist bezeichnenderweise überschrieben: „Nicht mit Rußland!" Es wird darin u. a. auSgeführt: Rußland hat mit Oesterreich-Ungarn eine Vereinbarung bezüglich der Balkan-Angelegenheiten getroffen und ist durchaus nicht geneigt, die nationale Aspiration Serbiens zu unterstützen. Rußland interessiert nur Konstantinopel nnd die Durchfahrt durch die Dardanellen, und zur Verwirklichung seiner Wünsche geht es entschieden mit Oesterreich-Ungarn, dessen Unterstützung es schon seinerzeit erwartete, als es mit den revolutionären Elementen ftn Lande Abrechnung hielt. Serbien und Montenegro sollen nur Werkzeuge in der Hand der russischen Diplomatie sein. Wir müssen uns daher vor dem unaufrichtigen Bruder in Acht nehmen, der nnS unter falscher Maske zu verkaufen bestrebt ist.
Der Konferenzgedanke hat inzwischen auch nicht an Stärke gewonnen. In St. Petersburg hält man die Konferenz nach den geringen Erfolgen der Rundreise Iswolskys beinahe für unmöglich. Zn Wien hält man die Stellung Iswolskys
Deutsches Reich.
Der Kaiser h..t ge.rer.l ter feierlichen Investitur der neuen Aebtissin des Klosters Drübeck beigewohnt. Abends sand im fürstlichen Sd)loffc zu Wernigerode Galatafel statt.
Der Reichskanzler Fürst Bülow empfing am Dienstag den von Berlin scheidenden großherzoglich-hessi, schon Gesandten Dr. v. Neidhardt.
Einwirkungen gegen das Zentrum. Gegenüber dem Dementi der „Nordd. Allg. Ztg." über Einflüsse im Vatikan gegen die deutsche Zentrumspresse, worüber Dr. Schädler kürzlich maliziöse Aeußcrungen tat, bemerken heute katholische Blätter, Dr. Schädler fjabe mit seiner Silbe erwähnt, daß Fürst Bülow selbst Beeinflussungen versucht habe. Dr. Schädler habe nur gesagt, daß solche Umtriebe im Vatikan stattgefuuden haben und daß der Kanzler davon wisse.
bewilligen, zu beschranken. Mag es Heißsporne unter den Lehrern geben, die lieber die Gleichheü auf einer niedrigen Stufe wollen, als daß sie städtisck>en Lehrern das Aussteigen zu höheren Stufen gönnen: im Interesse des GesamtstandeS liegt das wohl nicht. Denn die höheren Gehälter wirken hier hiliausziehend, auch au/ die, die einstweilen noch zurückbleiben.
Etwa aus diesen Erwägungen heraus kam Abgeordneter Schiffer, der mit großer Frische sprach und den nicht allzu sckpver zu nehmenden Vorwurf auf sich lud, durch beit Schwung seiner Ausführungen seine Parteigellossen zu der verpönten Bci- fällsäußerung des Händeklatschens hiuzureißen, zu einer Ablehnung derjenigen Vorschriften dös Entwurfs, die die Gemeinden in der Gewährung von Zulagen auf bureaukratische Weise in Schablonen einzwängen wollen. Es würde durch diese Beschränkung auch gar nicht der Gleichheit Vorgearbeitet, sondern cS würde die Ungleichheit gesetzlich feftgelegt werden.
Der Regierungsvertreter Ministerialdirektor Schwartz- k o p s f rechtfertigte die Politik der mittleren Linie und wieS die Wünsche nach weiteren Aufwendungen entschieden ab. Daß die Regierung auf einer Art mittlerer Linie -wischen dem Abg. v. Zedlitz, der scharf die Behandlung der Landlehrer angriff, und dem Abg. Cassel, der vielleicht noch schärfer die Einschränkung der Selbstvertvaltungskorper rügte, schreitet, erscheint richtig. Ob diese mittlere Linie mich vermittelnde Kraft hat, ist nach dem bisherigen Verlauf der Beratungen noch nicht abzusehen. Ansätze zn einer Verständigung zeigten sich nod) nicht.
Ausland.
Kaiser Wilhelm ttifii am 6. November nachmittags in strengstem Inkognito auf der Rückreise von seinem Zagd- ausenthalt in Eckartsau in Wien ein. Der Besuch bei Kaiser Franz Josef im Schönbrunner Schloß wird nur von kurzer Dauer jein, worauf der Kaiser nach Berlin weiter reist.
Neue Ruhestörungen in Prag. Der „Neuem Freien Presse" wird unter dem 28. ds. aus Prag gemeldet 7 Auch heute abend sanden wieder auf dem Graben urü> auf dem Kcrrlsplatze Ruhestörungen statt. Die Polizei hielt aber
Willen, aber das übrige England erwägt beständig, daß cm großer Teil der deutschen Nation, darunter viele offizielle und offiziöse Personen den Engländern nicht wohl wollen. Die Ver- fid}crimg des deutschen Kaisers verdiene zmeifÄlos vollen Glauben, aber cS fei leider unvergessen, daß es gerade des Kaisers Telegramm an Kruger war, das zu jener Zeit die britische Nation tief verletzte, so daß sie seitdem alle Reden und Unternehmungen deS Kaisers sehr kritisch betrachtete. Gleichwohl nimmt man eS in England mit Dank zur Kenntnis, daß des Kaisers Einfluß allein es war, der die Aktton der ehemaligen Gegner Englands paralisierte. Staunen müsse man aber, und alle Abendblätter verleihen dem Ausdruck, daß der Kaiser so umfassende Erklärungen abgab, ohne daß seine Minister dämm iDufeten. _______
parlamentarisches.
Die Vorlage zur Reichssinanzresorm.
Tie „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Tie gestern vom Bundes«, rate angenommenen Vorlagen zur Neichsfinanzrewrm wurden alsbald zum Druck gegeben. Sie werden dem Reichstage unmittelbar bei feinem Zusammentritt zugehen. Ten Vorlagen ist eine allgemeine Begründung beigegeben, welche die der neuen Reichsftnanz- reiovm zu Grunde liegenden Gesichtspiliüte zusammeiifaßt, die damit verbundenen Zwecke klarlegt und die als Grundlage der neuen Forderunaen festgeslellle Bedarkrechnimg enthält. Der Begründung soll eine Reihe von Zusammenfellungeu beigesugt werden, die sich beziehen auf die Entwickelung uni) den derzeitigen Stand der beut- sehen Finanzen im Reiche, in den Bundesstaaten, in den Kömmunal- oerbänben unb Gemeinden, sowie in den sonstigen für die Er- füllung öffentlicher Zwecke geschaffenen unb zur Erhebung von öffentlichen Abgaben, sowie zur Kontrahierung von Schulden berechtigten Körperschaften; ferner auf die Finanzen einer Reihe von anderen Staaten, auf die Entwickelung des Wohlstandes und dec Steuerkraft, unb sthtießlich auf die Zusammenhänge zwischen dem Geldmärkte und der öffentlichen Finanzgebahrung speziell im Schuldenwesen. Das offiziöse Blatt ivill heute mit Auszügen ander allgemeinen Begründung beginnen.
Die Znseratensteuer.
Der Vorstand des Vereins deutscher Zeitungsverleger hat in, seiner gestrigen Sitzung zu dem zu erwartenden Projekt der Jnse- raiensleuer Stellung genommen und aus feiner Mitte zur weiteren Behandlung eine Kommission ernannt. Die Kommission wird am 4. Nov. foforl nach Einbringen der betreffeiiden Vorlage im Reichstage eine Sitzung abhalten.
Gewerbeordnungs-Kommission des Reichstags.
Zil § 137 stellte die Zentrumspartei gestern den folgenden Antrag: Verheiratete Frauen dürfen höchstens 9 Stunden täglich unb SamstagS höchstens 6 Stunden beschäftigt werden. — Der Regier- imgsvertreter erklärte, die Regieruiig sei n i d) t in der Lage, dem Antrag zuzuslinimen. lieber den Zentrumsantrag ivirb getrennt abgeflimmt. Die Forderung der neunftünbigen Arbeitszeit für verheiratete Arbeiterinnen wird abgelehnt. Ter zweite Teil des Antrages, am Samstag die sechsstündige Arbeitszeit für verheiratete Frauen feftzujetzen, ivird gegen dieStimmon der Nationalliberalen, Konservativen u n b 5 r eifinnigen angenommen. Angenommen wird ferner ein Antrag der ReichSparlei, der bestimmt, daß für alle Arbeiterinnen die Arbeitszeit an Samstagen auf 8 Slnnben festgesetzt wird, deren Tauer über 5 Uhr nachmittags nicht hinausgehen soll. Weiter findet ein Antrag der Sozialdcmokraicn Annahme, dem zufolge die- Nachtruhezeit für Arbeileriiincn zwischen 8 Uhr abends und 6 Uhr fallen soll.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheßen
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Englands in der Meerengenfrage an foldjc Bedingungen geknüpft, daß auch in biefem Punkte von keinem mssiscyen Erfolge gesprochen werden könne. Es werde Iswolsky unter diesen Umständen schwer fallen, sich zu halten. Leider sind die Nack>folger, die für ihn genannt werden, nämlich Tfcharikow und Botschafter Murawiew, eingeftcifchte Panslawisten, die wohl an der gegenwärtigen Situation nichts ändern können, von denen aber für die Zukunft eine hetzerisch Politik am Balkan -u befürchten sei.
Zn Könftantinopel und überhaupt in der Türkei zeigt sid) wieder Fremdenhaß. „Newyork Hcrald" berickstet aus Kvnftanti- nopel, daß vergangene Wod>e die Absicht bestanden habe, den Kaiser Wilhelm-Brunnen in Stambul zu zer- stören. Der Brunnen sei angeblich von Reaktionären, die den Plan in die Wege geleitet haben, umstellt worden. Der Plan wurde durck, die sofort getroffenen Maßregeln der Polizei vereitelt. Der Brunnen wird feitbem von Truppen bewackst. Dasselbe Blatt beridjtec weiter, daß während der letzten vier Tage der vergangenen Woche nicht weniger alS 50 000 Revolver in Stambul getauft worden feien. Die Nachfrage nach Patronen fei eine so große, daß der Preis von 20 auf 80 bis 100 Paras gestiegen ist.
Der Berk. Lokalanz. meldet aus Konstanttnopel: Gestern abend begingen in der Nähe von San Stefano zwei Sofias und ein Militärschmer auf dem christlichen Friedhöfe Grabschändungen. Sic stürzten Kreuze uni und zerstörten Grabhügel.
Vie Lehrerbesolöung im preutz. Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 28, Oktober.)
Etwa vier Stunden hatten die Mittwvchberatungm des Ab- geordnetcnhuses den Kronprinzen zum Zuhörer; sein Mentor aus dem Finanzministerium v. Tschammer, dessen dienstlühcr Chef vvu Rheiiibaben, der Präsident deS Abgeordnetenhauses von 51'röcher und der Schriftführer von Bockeiberg gaben Erläuterungen und machten die Honneurs. Die sehr angespannte Auftnerksamkeit des Königssohnes wirkte sympathisch und vielleicht auch anspvrnend für diesen und jenen Eintagstribunen- bcsucher, dessen Nerven den erschlaffenden Wirkungen einer langen Sitzung nicht ganz standhielten.
Tie Konfervativen stellten Abg. von Ditfurth, das Zentrum Dr. G l a 11 f e l t e r, die Nationalliberalen Abg. Schiffer, die F-reikonfervativen Freih. v. Zedlitz, die Freisinnige Volkspartei Abg. Cassel heraus.
Eine der Grundfragen der Reform ist, ob die Gleichstellung aller Lehrer, derjenigen des platten Landes und derjenigen der größten Städte, eintreten soll. Im Prinzip ist lidjerlid) die Gleichstellung zu erstreben, denn die Lehrer leisten heute, bei der Beweglichkeit der Bevölkerung, nicht nur Arbeit für die Gemeinde, sondern für den ganzen Staat. Ein gleiches AnfangSgehalt von 1800 Mk. würde nicht ungerechtfertigt fein, aber das legte dem Staate eine Mehrbelastung von 70 Millionen auf. Diese sind beim besten Willen nicht zu beschaffen. Weil aber dies der Fall ist, ist der andere Weg bedenklich, den die VoÄage einschlägt: die Freiheit der Gemeinden, Zuschüsse zu
/pnotiseur. Nea! icut ber Gegenwart, weben erregte.
and tiesany. Neo! n. XeuA "W in LhaÜier's SÄliw Ui5. AdendkassellM , Schüledarten: U’lms ibtanc.__M
ederkranz citag, den 30. Oktober, abends 9 Itfo


