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4.8.1908 Erstes Blatt
 
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Soimenichei" Klarer Hiiiunel äonnenschtin

Völker unter dem Schutze äußeren und inneren Friedens in ewiger Eintracht und regem Austausch fortfahrcn werden an oen großen Kulturaufgaben zu arbeiten, die ihnen ge­stellt sind. Möge dieses schöne Land und dieses markige Volk unter Eurer Majestät weiser, fürsorgcnder Leitung einer immer schöneren Zukunft entgegcngchcn und die Er­wartung erfüllt sehen, zu denen seine geistigen und mate­riellen Schätze in so reichem Maße berechtigen. So erhebe ich mein Glas auf das Wohl Eurer Majestät, des Königs« Hauses und des gesamten schwedischen Volkes.

Ter König von Schweden verlieh dem Kaiser daS Grvß- krcuz des Wasaordens. Der Kaiser empfing eine Deputation des 34. preuß. Infanterie-Regiments; zum Ehrenobcrst dieses Regiments ernannte der Kaiser die Königin Viktoria von Schweden.

Kaiser Wilhelm ernannte König Gustav zum Admiral der deutschen Flotte.

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bekannte ewige Jenaer Student Lutterkorth sei bei einer Fahrt auf einem Bodenscedampfer ins Wasser gestürzt und ertrunken. Tie Bodenseedampscrgcsellsä)aft ben;entiertc jedoch diese von Lutter­korth zweifellos selber verfaßte Nachricht umgehend; indes ist er seitdem verschollen geblieben, und gerichtlich ist er bereits längst für tot erklärt und sein Vermögen seinen ostpreußischen Ver­wandten zugesallen. P. W.

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Anchroxolsgen-Aongreh.

St. Frankfurt a. M., 2. Aug.

Deute abenb begann die 39. Jahresversammlung der Teut^ scheu anthropologischen Gesellschaft, die vom 2.6. August hier abgehalteu wird, mit einer zwanglosen Zusammenkunft der aus allen Teilen Deutschlands und auch aus dem Auslande zahlreich erschienenen Kongreßteilnehmer, in der Alemania. Im Jahre 1882 hat bereits die Deutsche anthropologische Gesellschaft in Frank­furt a. M. getagt. Schliemann und Virchow bildeten damals den Mittelpunkt des Interesses. Ter diesmalige Kongreß wird indezug auf die Funde von urzeitlichen Menschurresten hervorragend in­teressante Mitteilungen bieten. Dr- Schölensack>Deidelberg wird den neuesten Fund aus diesem Gebiete, einen in den diluvialen Sanden von Mauer bei Hcidelberg gefundenen menschlichen Un­terkiefer vorzeigen und darüber berichten. Dr- Gorjanovie-Kram- beraer-Agram spricht überAnomalien und pathologische Er« fdxinungen am Skelette des Urmenschen von Krapiua", Dr. Wolss- Franksurt a. M- über die Besiedelung der südlichen Wetterau in der neolithischen Zeit. Im ganzen sind 33 Vortrüge angemeldet, die sämtliche Gebiete der anthropologischen Forschungen berühren n-crden.

Professor Dr. R- Andree-München eröffnete die heutige Sitzung mit einem Rückblick auf die letzten 26 Jahre anthropologischen Sckjassens. Er gedachte der Frankfurter Tagung im Jahre 1882, in der Miquel die 500. Anthropologen begrüßt und die uneigennützige Tätigkeit derselben in Worten voll von

2luslanfc.

Erkrankung der russischen Kaiserin. Die Voss. Zig. meldet aus Petersburg: Dem Vernehmen nach ist die Kaiserin- Witwe ernstlich erkrankt. Alle anläßlich) ihres Namenstages in Aussicht genommenen Feierlichkeiten wurden abgesagt.

An der türkisch-montenegrinischen Grenze wütet seit zwei Tagen ein heftiger Kampf zwischen Albanesen und Montenegrinern. Truppen befinden sich aus Lieniza auf dem Wege.

Tie türkische Kammer ist auf den 14. November ein» berufen. Tie Wahlen werden nach dem von der zweiten Kammer- session 1876 ausgearbeiteten Entwürfe einberufen, desgleichen in den drei Villajets. Hilmi-Pascha erhielt die diesbewglichen Ju struttionen. Die Eidesleistung der Truppen von Kpinlantiuvpcl auf die Konstitution wurde beute in den einzelnen Kaserneir fort­gesetzt. Es verlautet, die Gardetruppen im Hildiz werden morgen den Eid leisten. Ferner geht das Gerücht, daß in Adrianopel der Belagerungszustand verkündet worden sei. Eine Abordnung des Komitees von Saloniki ist heute vormittag hier eingetroffen und mit Begeisterung empfangen worden. Sie hatte eine lange Unter­redung mit dem Grobvezier. Tie neuerlichen sensationellen Gi- rüchte von Kundgebungen gegen den Sultan sind unbegründet. Prinz und Prinzessin Andreas von Griechen­land und Prinz Ehristoph sind hier eingetroffen, um, wie es heißt, über ein griechisch-türkisches Bündnis zu verhandeln, und be­geistert empfangen worden.

M ü n z k ri s i s in Jena. Eines schönen Tages gab er in der Jenaischen Zeitung bekannt, daß erbis auf weiteres Nickel- und Küpfergcld zu kaufen gedenke, und zwar werbe er für 25 10- Pfennigstücke, und für 5-Pfennigftücke und LlUpfermünzen im Be­trage von 2.20 Mk. je einen Taler zahlen". Und alle kleinen Leute Jenas, namentlich die Handwerker und Krämer, trugen ihm bald alles Kleingeld ins Haus und ftedten dafür schmunzelnd die schönen blanken Taler ein. Aber es währte nicht lange, und aller Handel und Wandel in Jena begann zu stocken. Allenthalben fehlte das Kleingeld, die Preise mußten nach oben abgerundet werden und die Steiften waren zum Borg gezwungen. Lutterkorth aber zog das Kleingeld im wahren Sinne des Wortes auf Flaschen, d. h. alle die ihm ^getragenen Nickel- und Kupfermünzen füllte er in Wein- und Selterswasserslafchen ab, die sich in ungeheuren Batterien in seiner Wohnung ansammelten. 3000 blanke Silber- Taler soll er auf diese kuriose Weise unter die Leute gebracht und sie gleichzeitig ihres Meingeldes beraubt haben.

Ms schließlich die Behörden darauf aufmerksam wurden, machte er sich mit ein paar Freunden aus dem Staube, und zwar wieder auf die seltsamste Weise. Die zahlreichen Flaschen mit dem Kleingelde wurden verladen und sie selber steckten sich iämtlid) in orientalische Gewänder. 9hm war er persischer Prinz und seine Freunde bildeten fein Gefolge, lieber Frankfurt, Hom­burg, Baden-Baden ging die Reise in die Schweiz und nach Vorarlberg, und die Blätter brachten Berichte über die vermeint­lichen exotischen Gäste und deren fabelhafte Freigebigkeit; und überall, wo sie sich sehen ließen, erregte es das größte Aufsehen, daß der persische Prinz stets nur mit kleiner Münze zahlte, und daß er sein Geld in Flaschen aufbewahrt hatte. Auch davon sprachen die Blätter, namentlich die Frankfurter, und alsbald ließ sich ein gelehrter Orientalist hören, daß dies nicht allgemeiner morgenländischer Brauch Jei; doch die Stämme ein­zelner tatarischer Wörter deuteten aus Flaschenbörsen und trink­geldspeiende Gefäße hin, und ihren Ursprung habe diese Sitte in Turkestan.

Doch auch nach Jena drang endlich die Kunde von den orien­talischen Flaschengeldmännern, und die Jenaische Zeitung sprach alsbald die Vermutung aus, daß diese vermeintlichen turkestani- schen Flaschenportemonnaies jedenfalls Jenaer Weinflaschen seien, und daß die ganze Perserreise nichts als ein Jenaer Studenten- ulk sei.

Ties sind die drei berühmtesten Scherze Lutteriorths. Als er älter und des tollen Vagantenlebens überdrüssig wurde, verließ er Jena auf Nimmerwiedersehen. Und eines Tages war in den größten deutschen Blättern die gleichlautende Notiz zu sehen, der

Tie Rundreise des Brooklyner Männerge­sangvereinsArivn" durch Deutschland fand, nach Fest­lichkeiten in Bingen und Bonn, am 31. Juli in Köln einen glänzenden Abschluß durch ein von der Kölner Großen Karuevals- gesellschaft im Zoologischen Garten veranstaltetes karnevalistisches Fest, dem auch der Gouverneur General v. Sperling und der Regierungspräiident Dr. Steinmeist.r beiwohnten, v. Sperling eröffnete die Reihe der Reden mit einer Ansprache, in der er der staunenswerten kulturellen Leistungen der großen amerikanischen 9latioii und deren machtvollen Entwickelung unter Führung einer Reihe hervorragender Präsidenten, besonders des Präsidenten Roosevelt, gedachte. Der Redner erwähnte auch die Freund­schaft des deutschen Kaisers für Roosevelt und das amerikan. Volk. Zum Schluß brachte er ein Hoch auf den Kaiser aus. Nach weiteren Reden überreichte der Präsident der Kölner Großen Karnevalsgesellschaft Josef Wind.-nger Dem Dirigenten desArion" einen silberbeschjagenen Dirigentenstab und dem VorsitzendenArion", Führer, einen goldenen Pokal, der von Professor i'tdolf Meyer entworfen war. Führer sprach daraus im Därmen desArion" dem Kaiser seinen Tank aus für die

Anordnung des Empfanges beim Kronprinzen, und dem Kron­prinzen dankte er für die liebenswürdige Aufnahme. Ferner dankte er für die über alles Erwarten glänzende Auftiahme, die der Verein in den verschiedenen Städten gefunden habe, und sprach die Hoffnung aus, daß das Band der Freundschaft znrschen Amerika und Deutschland sich immer fester knüpien werde.

Meldung von Sven Hedin. Ter englische Ge­sandte in Kopenhagen erhielt die Nachricht, daß Sven Hedin wohlbehalten in Nnkyok eingetroffen ist und im Sep­tember Ladakh (eine Landschaft des Berglandes Kaschmir) er­reichen will.

K l c i n e K u n st ch c o n i k. Ce. Königl. Hoh. der G r o ß- h erzog hat dem jungen VollSschullehrer Heinrich Werte in Kasrel-Mam;, der sich durch eine Reche von Kompositionen hervor­getan hat, die Mittel zum dreijährigen Besuch dec Akademie der Tonkunst in München zur Verfügung gestellt.

von einem Jenenferewigen Studenten".

Die Erinnerung an ein urfideles bemoostes .Haupt, das vor mehreren Jahrzehnten zu den populärsten Persönlichkeiten Jenas gehörte, wird durch die gegenwärtige Jenaer Jubelfeier wach- ßcrufen. Lutterkorth, ein junger Student, war durch den plötzlichen frühen Tod seines Vaters, eines Papiersabrikantcn in Tilsit in Ostpreußen, ganz unverhofft in den Besitz eines großen Vermögens geraten. Nun hatte er das Brotstudium nicht Li ehr nötig, und er entschloß sich, unter der akademischen Jugend JenaS solange zu verweilen, als cs ihm gefiel. Dasliebe Erische Nest" aus Goethes Tagen, das sich damals noch wenig freräubert hatte, hatte cs ihm angetan, und so ward er denn rroscssioneller ewiger Student, Spaßmacher und Tunichtgut. Im Erdenken wunderlicher Streiche war er von geradezu genialer Erfinderiraft, und es verlohnt sich, in diesen Jubeltagen der Jenaer Hochschule wenigstens die besten seiner Scherze der Ver- icssenheit zu entreißen.

Der berühmteste war seine N o m f a h r t. Eines frühen Mor­gens bei der Heimkehr von einem Gelage in der Rasenmühlc faßte er den Entschluß, eines jungen und schwärmerischen Stu­denten der Archäologie und Kunstgeschichte brennende Sehnsucht zu erfüllen und spornstreichs mit ihm nach Rom zn reijen. ivhne jegliche Reiseausrüstung, ganz in dem Auszuge, in dem itc Leide sich gerade befanden, trotz des Einspruches des jungen Kommilitonen, wenigstens s i ch mit dem Nötigsten versorgen zu Lürsen, begaben sie sich schnurstracks zum Bahnhof und rersten mit dem nächsten Zuge über den Brenner nach Rom. Auf dem Lahnhofe zu Rom setzte er sich zn einem dauerhaften Karteniprele mit seinem Freunde nieder, dessen heißes Her^ in wilder Er- martung des zu Schauenden fast zu springen drohte, und dem das Kartenspiel eine entsetzliche Qual war. Doch Lutterkorth blieb unerschütterlich und räsonnicrte fortwährend auf Rom und dcqen »jämmerliche Trümmer". In immer größeren Zorn^ schien er zu geraten über diesennichtsnutzigen Haufen von Schutt und Scherben" und seinenwiderlichen Modergeruch". Schlietzlich sorang er ganz empört auf, packte den Freund am Arm, und indem er ihm klar zu machen versuchte, daß es ihreMren- pslicht" sei, einem solchen Orte sofort unter Protest den Rücken zu kehren, zog er ihn hinaus auf den Bahnsteig und in den nächsten Zug und dampfte mit dem fürchterlich Enttäuschten nneder dem heimischen Jena zu, ohne ihn in Rom (das er selber längit linntc) mehr haben sehen lassen als die 4 Wenzel des Karten­spiels, und von weitem die Trünunerpracht der Thermen des Diokletian.

Ein anderer wunderlicher Streich war die Hervvrrufung einer

Das Kaiferpaat in Stockholm.

Das deutsche Kaiserpaar ist gestern programmäßig in Stockholm eingetroffen und von der köniblichen Familie und oer Bevölkerung aufs herzlichste empfangen worden.

Auch die schwedrschen Zeitungen bieten in ihren Leit­artikeln dem deutschen Kaiserpaare Willkommen. Vier Zei­tungen schreiben in deutscher Sprache.Stockholms Dage- bladet" schreibt: In friedlicher Hochsommerpracht liegt un­ser schönes Land zum kaiserlichen Besuch bereit und es ist unser aller lebhafter Wunsch, das; Kaiser Wilhelm und seine Gemahlin, die angenehmsten Erinnerungen an diese Som­merreise mit sich nehmen mögen.Svenska Dagebladet" schreibt: Unser Aller Wunsch ist vor allem, im Frieden zu leben. Im Gefühle quellender Kraft sieht sich Deutsch­land in der Welt um. Welche Verschiedcuhciten auch zwischen ben Staaten und ihren Bahnen verursacht werden mögen, das uns einende Band der Erinnerungen wird niemals gelöst werden.Stockholms Tidningen" schreibt: Kraftvoll und im Bewußtsein seiner Kraft steht Deutschlands Kaiser in vieler Beziehung vor uns als Typ der deutschen Natio­nalität, die ihre politische Einheit in dem modernen Deut­schen Reiche hat. Als höchste Repräsentanten des uns nahe verwandten deutschen Volkes begrüßen wir das Kaiserpaar im JNamen des schwedischen Königshauses und unseres Volkes.Dagens dchheter" schreibt: Wir können ebenso gut und ohne Vorbehalt die starke Stellung Deutschlands in den Berührungspunkten der Jetztzeit anerkennen, wie in unseren historischen Erinnerunaen. Wir sind sicher, daß eine Gemein­schaft mit Deutschland uns in keiner Weise Beschwerden machen wird. Wir können uns an das bekannte Königs­wort halten, daß die schwedischen Waffen und die deutschen Waffeu niemals gegeneinander werden gewandt werden.

DieNordd. Allg. jtg." schreibt: Mit warmer Sympathie werden in Deuftchland die Empfindungen er­widert, die in den Willkommcnsgrüßen der schwedischen flZresse für unser Herrscherpaar zum Ausdruck gelangen. Die lief in die Vergangenheit zurückreichenden engen Bezieh­ungen auf weiteu Gebieten gemeinsamer Kulturbestrebungen der beiden stammverwandten Rationen haben allen Wechsel der politischen Gestaltungen Europas überdauert und sind in weiten Kreisen beider Völker heute so lebendig wie in rgend einer früheren Geschichtsepoche. Auf der Errichtung des Deutschen Reiches und der Sicherung und Entfaltung seiner Machtstellung beruht in erster Linie seit bald vierzig Jahren die ununterbrochen friedliche Entwicklung in unse­rem Weltteil, und diese Entwicklung ist die vornehmste Vor­aussetzung gewesen für den wirtschaftlichen und kulturellen Auft'chwung nicht nur Deutschlands selbst, sondern aller benachbarten Staaten. Mit wohlbegründetem Recht kann das schwedische Volk daher die Zuversicht hegen, daß das freundschaftliche Verhältnis seines Landes zu Deutschland Schweden niemals in die Kreise einer erobernden jExpan- siouspolitik ziehen werde. Wir brauchen, wie der steigende Wohlstand unseres Volkes beweist, zu unserer Wohlfahrt weder territoriale Ausdehnung, noch aggressives Vorgehen legen andere Staaten mit dem Ziele, ihr friedliches Fort- chrcitcn in eigensüchtigem Interesse uiederzuhalten. In riedlichem Wettbewerb mit anderen Nationen will unser Volk sich des Daseins freuen. Gewöhnt, im eigenen Lande . eine große Mannigfaltigkeit von Stammeseigenarten blühen zu sehen, wissen wir Deutschen fremde Eigenart zu schätzen und begrüßen sie mit aufrichtigen Sympathien besonders Sann, wenn sie sich, wie dies beim schwedischen Volke der Fall ist, im Sinne enger geistiger und kultureller Verwandt­schaft kundgibt. An den Besuch der kaiserlichen Majestäten

Nr. 181 Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag 4. August 1808

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in Stockholm knüpfen wir den innigen Wunsch, daß dieses Ereignis dazu beitrage, das Bewußtsein solcher Gemein­schaft neu zu stärken zum Segen der schwedischen und der Deutschen Nation.

Bei der Gala täfel, die gestern abenb im Reichssaale des Königlichen Schlosses stattfand und zu der ungefähr 300 Einladungen ergangen waren, hielt der König fol­genden Trinkspruch in deutscher Sprache:

Eure Majestät. Es ist mir und Der Königin eine ganz besonders tief empfundene Freude, Eure Majestät hier be­grüßen zu dürfen, eine Freude, die noch dadurch erhöht wird, daß Ihre Majestät die Kaiserin die Gnade gehabt hat, Eure Majestät hierher zu begleiten. Wir danken Ihrer Majestät für diese liebenswürdige Aufmerksamkeit, durch welche die Königin und ich hochbeglückt sind. Es ist das erste Mal, daß Ihre Majestät Stockholm mit Ihrer hohen Gegen­wart beehren und möchten wir aus diesem Grunde Ihrer Majestät ein ganz besonders herzliches und.tvarmes Will­kommen zurufen. Eure Majestät haben schon oftmals unser Land besucht und ich kann mit Recht sagen, daß Eure Majestät fein Fremder in Schweden sind. Wir schätzen uns glücklich, daß dem so ist und ich weiß mich eins mit meinem Volke, wenn ich Eure Majestät aus Herzensgrund in Schweden willkommen heiße. Tas schwedische Volk begrüßt in Eurer Majestät den hohen Herrscher eines befreundeten und stamm­verwandten Volkes und wir sehen in dem heutigen Besuch einen 1 vetteren teueren und werten Beweis Eurer Majestät freundschaftlicher Gesinnung meinem Lande gegenüber, der da^u beitragen wird, die Bande noch enger zn knüpien, die Scyloeden mit Deutschland verbindet. Vor wenigen Wochen haben Eure Majestät mir und der Königin einen ebenso groß­artigen wie herzlichen Empfang in Berlin bereitet. Die Er­innerung an jene schönen Tage und an die Güte und Gast­freundschaft, Sie wir genossen, wird in unseren Herzen un­vergessen bleiben. Wenn wir äußerlich auch nicht denselben Glanz entfalten können, so mögen Eure Majestät doch über­zeugt sein, daß unsere Gesinnungen an Wärme und Innigkeit der Empfindungen m nichts zurückstehen. Mögen die guten und herzlichen Beziehungen zwischen unseren Häusern und Völkern wie bisher so auch in aller Zukunft unverändert fortbestehen und sich, wenn möglich, noch vertiefen und weiter entwickeln. Ju dieser sicheren Zuversicht erhebe ich mein Glas auf das Wohl @uv<r Maje>it, Ihrer Majestät, der Kaiserin und auf das Wohlergehen des Deutschen Reiches.

Der Kaiser erwiderte : i

Aus tiefstem Herzen danke ich Eurer Majestät zugleich im Namen der Kaiserin für die warmen Worte der Be­grüßung und für den eben,o glänzenden wie herzlichen Emp­fang, den uns Eure Majestät und Ihre Majestät die Königin owie die Stadt Stockholm bereitet haben. Wie Eure Ma­jestät bemerkten, bin ich kein Fremder hier und wahrlich ist es mir und der Kaiserin eine wahre Herzensfteude, einige Tage inmitten teurer Anverwandter und eines befreundeten Volkes -u verweilen. Mcht ohne Wehmut und innere Bewegung stehe ich heute an dieser durch so manche Erinnerung geweihte Ställe, denn ich gedenke Seiner Ma­jestät des unvergeßlichen Königs Oskar und alles dessen, was seine Freundschaft und Güte für mich un^ meinen in Gott ruhenden Vater, ja für diesen noch in den kctzlen Stun­den seines Lebens gewesen ist. Eurer Majestät aber kann ich nicht genug für die Zusage danken, daß Sie dieses für mich unaussprechlich teuere Erbteil der Freundschaft erhalten und pflegen wollen. Ebenso lebhaften Widerhall findet es in meinem Herzen, wenn Eure Majestät hervorheben, daß die gleichen Bande des Blutes und der Freundschaft auch unsere Völker verbinden. Ich vertraue sest darauf, daß dieses schöne und ruhmreiche Verhältnis ewig bestehen bleibe und unsere