Ausgabe 
29.6.1908 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 150 Zweites Blatt

158. Jahrgang

Montag 30. Juni 1008

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

Dießtcfienet Zamtiiendlätler" werden dem «An-eiger* otermal wöchentlich beigelegt, das Krdsblati für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit» fragen erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für GberWrn

Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen Uuioersitats - Brich» und Steindruckerei, R. Lange, Gießer».

Redaktion, ExpedUion und Druckerei: Schuld straße 7. Expedition und Verlag.» e-ZA 5L Redaktion 148- isl.-Adr.:AnzeigerGießen.

Neuß ä. L. (Neuß-Greiz) 1902 starb, war sein körper- ganz stattlich entwickelter Sohn Heinrich XXIV. wegen

schwerer geistiger Krankheit (Blödsinn) an der Negierling

91.551 Elektriz. Lahineyer

3Si

III

89.35

84.80

156.20

195.20

. 136.10

ruitgcn feiner Miomreuc und Denen, was er oou mjuij 15 n n ö nn Die Reiseaeselljchaii besteht aus 250

Biel Scttsamcs -rf-chrcn wir davon d" V » »I>ll Hl t »atuntev 80 Sänge'?. Der Bore!» hat den Auftrag, 'TbeÄoIl ^merbenÄ Nachlaß- SW« an da- deutsche Volk -u überbringen.

96.30

147.20

206.70

109.00

24 40

148.90

118,80

von lich

86.20

66.60

96.40

Harpener Bergwerk Laurahütte . . Lombarden E. ß. Nordd. Lloyd . . Titrkenlose . . .

Canada E. B. . .

Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Tendenz: ruhig.

3%

Wlt

Reichsanleihe do.

Konsols . . do. .

Hessen . .

Oberhessen

228.10

129.00

169.75

136.25

194.25

Elektriz. Schuckert . . , Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. PaketL Llarpener Bergwerk. . . Laurahütte Nordd. Lloyd Obeischles. Eisen-Industrie Berliner Handelsges. . . Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . . . Deutsch-Asiat Bank . . Diskonto-Kommandit. . . Dresdner Bank .. . . Kreditaktie n Baltimore- und Ohio-

Eisen! ahn Gotthard bahn Lombard. Eisenbahn . . Gesten. Staatsbahn . . . Prince-Henri-Eisenbaha .

Öesterr Goldrente. . lo Oesterr. Silberrente Ungar Goldrente . . Italien. Bente . . . Portugiesen Serie I .

4% Conv. Türken von 1903 Türkenlose 4% Griech. Monopol-Aul. .

äussere Argentinier .

o°/0 Mexikaner . . . 4>j°/o Chinesen . . . .

Aktien:

Bochum Guss

Buderus E. W

vom 26. bis 30. Lebensjahre 5 Proz. abgezogen. Die Ab­züge von Vio des Lohnes sind schon recht, empfindlich und dürften wohl manchem den schweren Schritt zum Ehestand etwas erleichtern: für die niedrigste Lohuktasse macht das bereits etwa 9 Mk. im Monat aus. Der Stadtrat scheint die Hoffnung aufgegeben zu haben, nach dem 30. Lebens­jahre noch einen zum Heiraten zu bekehren. Mas den bösen Junggesellen abgezogen wird, bekommen die braven Leute, die als Familienväter ihre Pflicht tun: wer mehr als drei Kinder hat, die unter 16 Jahren sind, erhält eine Zulage von 5 Proz., wer mehr als fünf hat, 10 Proz., und wer es gar auf mehr als sieben bringt, 15 Proz. des Grund­lohnes als Belohnung.

Eine Zulage an kinderreiche Familien ge­währt auch Halberstadt. Tie städtischen Arbeiter, die drei und vier Kinder unter 14 Jahren haben, bekommen 1.50 Mk. wöchentlich, die fünf und mehr solcher Kinder haben, 2 Mk. Zulage, die monatlich an die J-rauen ausge­zahlt wird.

verfehlt", sowie seine Rede gegen das Waldschutzgesetz waren rhetorische Meisterwerke und trugen Alexander Meyers Ruhm als Redner in alle Welt hinaus. Jahrelang entzückte Alexander Meyer auch die Teilnehmer am Goethetage in Weimar durch seine herrlichen Damentoaste, in denen sich >er ganz im Goetheschen Geiste lebende genaue Kenner >er Schriften des Altmeisters enthüllte. Auch die entschie­densten Gegner seiner politischen Ideen folgten mit lebhaf­testem Interesse seinen Ausführungen, die, wie dieVoss. Ztg." sich ausdrückt, stets einen erquickenden sapor ver- naculus (heimischen Wohlgeschmack) ausströmtcn.

*

Aus Neuß 'ältere Linie.

Als der wunderliche reichsfeindliche Fürst Heinrich XXII.

115.00

104.00

202.00

184.00

188.30

195.00

199.00

92.80

96.75

158.00

82.-0 91.60

82.20, 90.60

99.50

98 50 99.00

93.30

62*80 63 50

24.20

92.30

146.60

Von Dr. Joh. Friede, v. SchultesL'ebenserinne- t u n g e n ", die demnächst bei Roth in Gießen erscheinen werden, liegen uns vorerst die vier ersten Druckbogen vor. Der bekannte Bonner, früher Prager Universitätsprofesfor der Rechte ist der Sohn eines aus Westfalen stammenden Arztes, der zu Amang des zweiten Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts hier tn G t e s; e n studiert hat unter Wilbrandt, Balser, Nebel, Hegar. Das Fahr 1814 entriß ihn dem Studium, er trat als Freiwilliger in oie Großh. hessische Armee ein das Herzogtum Westfalen war 1803 an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt gekommen, wurde aber sofort als erster Chirurg dem Preußis chen Feld­lazarett in Butzbach überwiesen und blieb in dieser Stel­lung sechs Monate. .Es war dies eine Zeit, m welcher er Diel lernen konnte, aber auch eine kaum zu bewältigende Last t».ug. Er kehrte nach Gießen zurück und setzte durch anderthalb Jahre das medizinische Studium fort, vor allem das klinische. ^mzwnchen war sein Vaterland preußisch geworden und er ging nach Berlin, wo er promovierte. Er hat sich dann in Westfalen al^> >lrzt niedergelassen und in Winterbcrg am Hohenastenberg ist tm Jahre 1827 der heutige hervorragende Rechtsgelehrte zur Welt gekommen. Aus den ersten uns vorliegenden Blättern^ seiner Lebensbeschreibung sind von besonderem Interesse die Schilde­rungen seiner Romreise und beijen, was er dort in sich ausnahm.

4?L 4l/6

4/6 4% 3?o 3%

Der Prozeß Eulenburg.

. Deute, Montag, wird Fürst Philipp zu Eulenburg vor den Geschworenen erscheinen, um sich gegen die schwere Anklage des Meineides und der Verleitung zum Meineide zu verantworten. Natürlich wird dabei auf das ganze Leben des Fürsten, sein Ver­halten in sittlicher Beziehung wie die Tätigkeit, die er im poli­tischen Leben entfaltet hat, zur Sprache gebracht werden. Fürst Eulenburg ist seit langen Jahren starker Morphinist und hat dieses Veläubungsmittcl auch während seiner Untersuchungshaft tceiter erhalten. Auf diese Angewohnheit des Angeklagten wird, so heißt es in Berliner Blättern, bei der Prozeßführung weitest­gehend Rücksicht genommen. Morphinisten sind des Morgens in der Frühe von dem Gift, das sie an dem vorangegangencn Tage dem Körper zugcsührt haben, noch erschöpft und müssen erst, um wieder voll in den Besitz ihrer körperlichen und geistigen Kräfte zu gelangen, eine neue Dosis Morphium zu sich nehmen. Daher beginnen die Verhandlungen immer erst um elf Uhr vormittags und währen nicht länger als drei Stunden. Außerdem erhält Fürst Eulenburg alle drei Tage einen Ruhetag.

Bei den Verhandlungen wird, wie ziemlich sicher verlautet, die Oeffentlichkcit nicht nur bei einzelnen Punkten, sondern im ganzen Umfang ausgeschlossen werden.

Der Angeklagte, Philipp, Fürst zu Eulenburg und Herle­feld, Graf v. Sandels, wurde 1847 in Königsberg i. Pr. als ältefter Sohn des Grafen Philipp zu Eulenburg geboren. Er studierte von 1872 bis 1875 in Leipzig und Straßburg und legte 1875 in Gießen die Prüfung als Dr. jur. ab. Die einzelnen Etappen seiner diplomatischen Laufbahn sind im wesentlichen fol­gende: 1878 Attache, 1880 Legationssekretär, 1888 Legationsrat, 1888 bis 1890 Gesandter in Oldenburg und Braunschweig, 1890 bis 1891 in Stuttgart, 1891 bis 1894 in München, 1894 bis 1902 Botschafter am Wiener Hose. 1898 wurde er in den erb­lichen preußischen Fürstenstand versetzt, nachdem er bereits in­folge seiner Vermählung mit Auguste v. Sandels, mit der einst das Geschlecht der schwedischen Grafen von Sandels ausstcrben wird, die Erlaubnis erhalten hatte, sich Graf von Sandels zu nennen. Seit 1900 ist Eulenburg erbliches Mitglied des preu­ßischen Herrenhauses und seit 1903 StiftshauptmaNn des Tamen- stists Zehdenick. Seiner Ehe entsprossen sieben Kinder, von denen sechs am Leben sind.

Zwei ausgezeichnete historische Schriften

Jet en hier kurz angezeigt, von denen die eine sich ausschließlich mit den stürmischen Jahren 1848/49 beschäftigt, die andere diese Zeit geflissentlich umgeht, um heute noch nicht so weit zurück­liegende bedeutsame Beziehungen eines Gelehrten zu Kirche und Staat darzulegen.

Veit Valentin hat ein 5i/2 Hundert Seiten umfassendes Werk geschrieben,Frankfurt u n d d i e Revolution von 18 48/4 9", das soeben bei Cotta in Stuttgart erschienen ist. -Dessen oberster Wert besteht iii der erstmaligen Verwertung bisher «unbenutzten Materials aus dem Frankfurter Stadtarchiv. Und es ist eine durch einseitige Parteistellung nur äußerst selten getrübte wissenschaftliche Arbeit von hoher Tüchtigkeit. Valentin ist Nationalist und läßt daher Männern wie Robert Blum und Karl Vogt nicht die rechte Anerkennung zuteil werden. Für Valentin leistete Blumseine größten Krasistücke im schnupfen linb int Poltern", und Vogt, der Gießener Professor, ist ihm einfrivoler Spaßmacher". Wilhelm Jordan lvird er, roenn auch nur mit wenigen Zeilen, im ganzen gerecht: er steht ihm zum -mindesten verständnisvoll gegenüber. Zutreffend charakterisiert er Gage r n und Rado w i tz, den konservativen Generch,. und den > glänzenden geistreichen, aber in Wahrheit frivolen Fürsten -tch- mowsky. Sehr hübsch und anregend schildert er den Retchsver- weser Erzherzog Johann und seinen Hof. Dem Stile des Erz­herzogs rühmt er u. a. das Gelingen mancheskurzen plastischen Ausdruckes nach Bauernart" nach. Das Buch besitzt auch nicht unbeträchtliche Reize in der Art der Darstellung. Eme erschöp­fende Würdigung des gediegenen Werkes an dieser Stelle müssen wir uns leider versagen.

Portugiesen

4 % (70 xuss. Staatsaul. 1905 95 30

4>iVo Japan. Staatsanleihe

Der Vor st and der historischen Kommission für Hessen und Waldeck erwähnt in seinem Bericht liber die wissenschaftlichen U>ikernehmu>igen, daß bei der Bearbeitung der PnbUkaiionU r f u n b cn b ud) der Wetteraner R eichs. ft ci b t c" Dr. Wiese ans Marbilrg die Archivalien des Fürstlich Solmsschen Archivs zu Braunfels, des Maricnstists in Wetzlar und die Allmenrödersche Sammlung im Wetzlarer Staatsarchiv, sowie die Bestände des Stadtarchivs von Frankilirt teils vollständig bis 1550, teils bis 1400 erledigt hat. Es erübrige noch ein Besuch der Archive in Lick) und Büdingen, worauf nut dem Druck deö ersten VaiideS begonnen werden wird. Die Fortsetzung desFried­berger Urkundenbuches" hat Oberlehrer Dreher in Friedberg seit dein Herbst 1907 in Angriff genommen und zinlächst das umfang-, reiche, von Dr. Foltz, dem Bearbeiter deS erstell Bandes, gesammelte Matenal durchgearbeitet. Tie Wiederauinahme der Arbeit hat die ersreiiliche Wirkung gehabt, daß die Stadt Friedberg einen geeigneten Raum der Stadtkirche für die Aufnahme ihrer Archivalien in Stand gesetzt hat und daß zahlreiche städtische Archivallen, dar­unter and) Nachträge ziun ersten Bande, zum Teil aus Privatbesitz m das Stadtarchiv zurückoesührt worden sind.

Kleine Chronik aus Kunst und W i s s e n s ch a f t. Eine Sonderkommission desDeutschen Ausschusses für gesund­heitliche Einrichtungen in den Kur- und Badeorten" tagte am 21. Juni in Misdroy, um die Grundlagen für Schaffung einer Zentrale für bal neologische Fors ch u n g c n fest­zustellen. Unter dem Vorsitz des Hosrats Dr. Röchlmg-Mlsdroy nahmen Geheimer Obermedizinalrat- und Negierungsrat Dr. Dietnch-Berlm, Geh. Baurat Dr. E s e r - N a u h e i in und Prof. Dr. Kionka-Jeua an der Besprechung teil, welcher eine Denkschrlt des Geh. Samtätsrates Dr. Thilenius - Soden, zugrunde gelegt wurde. Es wurde als zweckmäßig anerkannt, daß eine solche Zentrale aus neutralem Boden, nicht m einem Kurort, aber in der Nähe Der deistschen Quellenzentren errichtet werden müsse. (Da wäre ja Gießen ein Höch st geeigneter Ort dafür! D. Red.) Zu der Affäre des bekanntlich vom Kaiser abgelebten V ircho w - Denkmals in Berti n erfahrt der Korrespondent derFranks. Qtq.", daß Prof. Klimsch die Einladung, einen neuen Ent- w u x i anzufertigen, mit der Begründung abgelehnt hat, daß er nach seiner bisherigen Erfahrung an eme allgemein zufrieden­stellende und daher künstlerische Leistung nicht glaube. (Aian wird dem aufrechten Künstler, der sich seine Ideale nicht kommandieren läßt, nur Beifall zollen können. Rückgratfestigkeit ist eine der wünschenswertesten Eigenschaften unserer Zeit. D. Red.) Der Brooklyner Gesangverein trat am 27. feine Jieije

Ein Ausflug nach dem schönen Wcittmrs bietet Gelegenheit,

Ämc Gewervs-AussteUttttg

politisch?

Tr. Alexander Meyer$-.

In der Nacht von Freicag aus Samstag ist der frühere freisinnige Reichstagsabg. Dr. jur. Alexander Meyer im Alter von 76 Jahren in Friedenau bei Berlin gestorben.

Alexander Meyer war in Berlin 1832 geboren. In den Jahren 18641866 gehörte er der Redaktion der Weser- Leitung in Bremen an und trat dort mit vollem Eifer für die deutsche Politik Bismarcks ein. Von Bremen wurde er als Sekretär an die Handelskammer in Breslau berufen; 1871 wurde er Generalsekretär des Deutschen Handelstages. Er wurde 1876 in Breslau in das preuß. Abgeordnetenhaus gewählt, und 1892 übertrug der 2. Berliner Wühlkreis sein Landtagsmandat Alexander Meyer, der inzwischen als Ver­treter von Halle-Saalkreis auch in den Reichstag eingezogen war und in ihm eine wichtige Rolle bei d'er Abwehr verkehrs­feindlicher Politik spielte.

Meyer hatte ursprünglich der nationalliberalen Partei angehört, machte aber mit Forckenbeck, Bamberger, Rickert, Lasker im Jahre 1880 die Sezession mit und gehörte mit den Genannten später zur Freisinnigen Partei. Meyer gehörte zu den beliebtesten und eindrucksvollsten Rednern der Volks­vertretung. Er liebte es, auch ernste Gegenstände mit einem geradezu bezwingenden H u ;n o r zu behandeln. Seine Bierrede", in der er das geflügelt gewordene Wort prägte: Das Bier, das nicht getrunken wird, hat seinen Beruf

Provinzial-Ausschuß der Provinz Oberhessen.

L. Gießen, 27. Juni.

In der Gemarkung Bntzbach liegt der Wald distrikt Bo den Hardt", von dem die Jagdberechtigung dem Großh. Fiskus zusteht. Der Wald gehörte Privatwaldbe­sitzern von Kirchgöns und der Gemeinde Pvhlgöns gemein­sam. Den Kirchgönser Teil hat aber der Fiskus inzwischen käuflich erworben. Schon 1892 fanden Verhandlungen zwischen den damaligen Eigentümern und dem Fiskus wegen Ablösung der Jagdberechtigung statt, die sich aber zer­schlugen. 1903 erneuerten die Eigentümer den Antrag auf Ablösung und boten die, bei den ersten Verhandlungen vom Fiskus geforderten 2000 Mk. als Ablösungssumme. Darauf ging aber der Fiskus nicht ein und so wurde durch Sach­verständige der Wert der Jagdberechtigung auf ,7650 Mk. taxiert. Da diese Summe den Eigentümern zu hoch er­schien, hatte sich.der Kreisausschuß des Kreises Friedberg mit der Sache zu beschäftigen, der den Wert der Jagd­berechtigung auf 5500 Mk. festsetzte. Gegen dieses Urteil rekurrierte der Vertreter des Fiskus an den Pro­vinzial-Ausschuß. Nachdem durch eine Kommission Augen­schein an Ort und Stelle genommen worden war, wurden in der heutigen Sitzung Vergleich svcr Han dl ungen angebahnt und die Verhandlung einstweilen vertagt.

Bereits int Jahre 1830 ist der Wunsch der Gemeinde Nieder -Rosbach nach einer Teilung der mit der Gemeinde Ober-Rosbach gemeinschaftlichen Gemarkung hervorgetreten. Ein auf Veranlassung der Gemeinde Nieder- Rosbach von einem Geometer entworfener Verteilungsplan wurde von der Gemeinde Ober-Nosbach abgelehnt. Nachdem eine Teilung des Gemarkungsgebietes ans Grund des Ge­setzes vom 14. Juli 1871, die Ausführung des Unterstützungs- wohnsitzaesetzes betr., in 1883 vereinbart worden war und Großh. Ministerium des Innern entschieden hatte, daß die Teilung stattfinden solle, wurde von der Gemeinde Nieder- Nosbach die Einleitung des Teilungsverfahrens vor dem Kreisausschuß beantragt. Nach umfangreichen Erhebungen setzte der Kreisausschuß schließlich die den beiden Gemeinden im einzelnen zusallenden Teile der gemeinschaftlichen Ge­markung genau fest. Das bezügliche Urteil fochten aber sowohl die Vertreter der Gemeinde Nieder-Rosbach, wie die- enigen der Gemeinde Ober-Rosbach mittels Rekurs an den Provinzial-Ausschnß an, indem sie den Teilungsmodus als falsch bekämpften. Der Provinzial-Ausschuß beschloß heute, zunächst durch eine Kommission unter Zuziehung der Par­teien Augenschein an Ort und Stelle nehmen zu lassen.

TeSefomsch© tiCMrs&eräcMe des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Glessen.

Frankfurter Börse, 29. Juni, 1.15 Uhr.

GereehtsscraL.

Liegnitz, 26. Juni. Tie Strafkammer verurteilte, das 13jährige Kindermädchen Anna T s ch a r f c ans Kunitz zu vier Jahren Gefängnis. Die Verurteilte war bei dem Kräuterbesitzer Otto in Kunitz als Kindermädchen in Dienst. Um aus dem Dienst zu kommen, schabte sie von etwa 20 Streichhölzern den Phosphor ab, löste ihn in lauwarmem Wasser auf und goß dies den K indem in d i e Milch. Nur ein Junge trank davon. Es ist ihm aber nichts passiert. Einige Tage darauf setzte die 'Angeklagte eine Scheune des Otto in Brand.

Für Politik in Vertretung verantwortlich: P. Witt ko.

dauernd behindert. Infolgedessen übernahm Fürst Hein­rich XIV. von Neuß j. L. (Neuß-G e r a) als nächster Agnat die Regentschaft, obgleich er wegen seiner späten zweiten Heirat mit einer kleinen Schauspielerin von seinem Geraer Theater schon seit einer Reihe von Jahren mit der Regierung seines Landes seinen Sohn, den Erbprinzen Heinrich XXVII., beauftragt und seinen Aufenthalt in Dresden genommen hatte.

Fürst Heinrich XIV. hatte sich rasch die Liebe und das Vertrauen der Greizer Reußen erworben und die Beamten nahmen gern den neuen Mrs an, der vollkommen ver­ändert war. An der Stelle der engherzigen Tendenzen trat auch im Fürstentum Neuß ä. L. ein moderner Zug. Mäh­rend früher ohne Zustimmung des schrulligen alten Fürsten kaum ein Chausseestein versetzt werden durfte, konnte man nun in Stadt und Land sich frei bewegen. Das gerechte Wesen des Fürsten wurde ganz allgemein anerkannt, und es war für die gesamte Bevölkerung eine wirkliche Freude, wenn er in Greiz weilte. Der leutselige Herr hatte schon in dem Städtchen Sch leiz, in dem er gern gelegentlich ver­weilte, wenn er einmal von Dresden nach Reuß j. L. kam, sich ungemein beliebt gemacht durch die Schlichtheit und gemütliche Behaglichkeit seines Wesens, und es war nichts Seltenes, daß er mit den H o n o r a t i o n e n des Städtchens an einem Abend munter und ungezwungen kegelte.

Nun ist seit etwa drei Jahren in dem Befinden des Fürsten eine tiestraurige Veränderung eingetreten, nach Ansicht der Aerzte infolge Gehirnschwundes, der bei dem Alter des Fürsten er hat sein 76. Lebensjahr vollendet nichts ausfallendes ist. Was sich in der ersten Zeit nur als Gedächtnisschwäche und Zerstreutheit äußerte, hat sich im Laufe der Zeit so bedenklich gesteigert, daß die Aerzte er­klärt haben, sie müßten den Fürsten für unzurechnungs­fähig erklären und jede Verantwortung für seine Teilnahme an der Regierung ablehnen. Schwer begreiflich erscheint es, daß von seiten der Landesregierung, an deren Spitze Geheimrat v. Meding steht, nichts geschieht, um dem staats­rechtlich unhaltbaren Zustand^ein Ende zu machen.

Eine Art Junggefellensteuer hat die Stadt Straßburg in ihrer sozialpolitisch hervor­ragenden Arbeitsordnung für die in ihrem Dienst stehenden Arbeiter eingeführt. Die Löhne, die in ihrer Lohntafel als Grundlöhne festgesetzt sind, gelten nur für Familien­väter mit bis drei Kindern. Ledigen Arbeitern wird vom Grundlohn bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres 10 Proz., bringen soll, in nicht weniger als drei Bänden. Denn seit 1848 hat Schulte Beziehungen mit Personen aus allen Streifen, bis zmn Souverän hinauf knüpfen dürfen und wir werden in diesen Bänden bedeutenden katholischen Kirchenfürsten, hervor­ragenden Staatsmännern und Parlamentariern begegnen: Fürst Bismarck, von Rvggenbach, Falk, Goßler, den Oesterreichern Graf Lev Thun, Graf Beleredi, Schmeeling usw. Band II und III sollen einen hochinteressanten Schatz geschichtlicher, sozialer, polit. und kirchenpolitischer Aufsätze, bergen.

Tendenz: ziemlich fest.

Berliner Börse, 29. Juni. Anfangsknrse.