Ausgabe 
27.4.1908 Erstes Blatt
 
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Trotz der Hundekälte, die dort oben aus der Höhe herrschte, hatte sich doch alles, was Hundeverstand besitzt oder besitzen will, zu dem kynologlschen Ereignis cingcfundcn, so daß ün ganzen 2000 zahlende Personen die Kasse passierten.

Die Prämiierung, die in 9 Ringen vor sich ging, wickelte sich dank der Tätigkeit der Ordner und der Ausstcllungslcitung vor­züglich ab. Das Gesamturteil der Jury über das aus der Aus­stellung vorgesührte Material ging dahin, das; in den verschie­denen Rassen nicht nur ganz vorzügliche Tiere, sondern im ein­zelnen sogar unerreicht schöne Exemplare vorgeführt worden seien, wie man solche selten aus Ausstellungen antrifft.

Um 6 Uhr wurde die Ausstellung geschlossen und die Aus­steller beeilten sich, mit ihren Lieblingen nach Haus zu kommen, da eS diesen doch gegen Abend bei der rauhen Temperatur zu ungemütlich geworden war. Ein kleiner Teil der Hunde wurde gestern nicht abgeholt, nämlich die Tiere, die aus weiterer Ferne mit der Bahn eingetroffen waren. Das Ausstcllungskomitee hatte für sie ein geschütztes Unterkommen für die Nacht herstellen lassen. Der Verein Hundesport kann mit seiner Veranstaltung zufrieden sein, sie schloß ohne jeden Mißton ab und selbst die Aussteller, die in ihren Erwartungen getäuscht waren, bcschieden sich gern mit dem Bewußtsein, daß unparteiische Richter ohne Ansehen der Person die ausgestellten Hunde geprüft und geroertct hatten. Nur in einem Falle wollte ein Aussteller, daß der Spruch des Richters durch das Ausstellungskomitce berichtigt werde, doch lehnte dieses ganz entschieden ab, mit der Erklärung, daß mir der Preisrichter allein zuständig sei, einen von ihm gemachten Fehler zu korrigieren Tie offizielle Prämiierungsliste, die heute vormittag zusammengestellt worden ist, werden roir morgen ver­öffentlichen.

Aus Stadt uud Land.

Gießen, 27. April 1908.

** Landes Universität. Bei den Anmeldungen zum Besuch der LandeZuniversität int Sommerhalbjahr 1908 sind folgende Bestimmungen zu beachten. Studierende, die bereits hier immatrikuliert sind und ihre Studien hier fürtsetzen wollen, haben sich auf dem Universitäts-Sekretariat, Bismarckslraßc 22, anzumelden, um die Ausweiskarte umzutauschen und ihre Wohnung anzugeben. Die Anmeldungen werden vom 27. April bis 23. Mai, vormittags von 912*/, Uhr ange­nommen. Anmeldungen zur Immatrikulation werden vom 2 7. April bis 2 3. Mai vormittags von 912*/2 Uhr angenommen. Nach d'.n 23. Mai werden Anm.ldungen nur rann angenommen, wenn die Verspätung in genügender Weise entschuldigt wird. Bei der Anmeldung zur Jinma- tcikulation sind die zum Abschluß des gewählten Studiums gemäß reichsrechtlichen oder hessischen Prüfungsvorschriften erforderlichen Zeugnisse über die Vorbildung einzureichen.

"Zulassungen zur Rechtsanwaltschaft. Der Rechtsanwalt Eduard Stadel zu Offenbach wurde, mit Wirkung vom 23. März an, zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg zugelaffen, nachdem er die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei der Kammer für HandelSsacheit in Offenbach und dem Amtsgericht Offenbach mit Wirkung vom gleichen Tage aufgegeben hatte; ferner wurden zugelassen: der Gerichtsaffrssor Wllh. Schmidt zu Darmstadt zur Rechtsanwaltschaft bei dem Oberlandesgericht, der Gerichtsassessor Herrn. Bergheimer zu Alsfeld zur Rechts­anwaltschaft bei dem Amtsgericht Alsfeld, der Gerichtsassessor Dr. Herrn. Wolf zu Darmstadt zur Rechtsanwaltschaft bei dem Oberlandesgericht.

** Zur Ausführung des Denkmalschutzgesetzes enthält das letzteVerordnungsblatt für die evang. Landeskirche des Großherzogtums Hessen" nähere Bestimmungen über die Auf­bewahrung, Unterhaltung und Bezeichnung von Urkunden. Die Verzeichnisse und Berichte über den Bestand an Urkunden der Pfarrämter müssen bis zum 1. Oktober d. Js. beim Großh. Oberlonsistorium eingereicht sein. Um die Aufsicht über die int kirchlichen Besitz befindlichen Urkunden, die dem Großh. Ob.'r- konfiftorium in G meinschast mit dem Großh. Haus- und Staats­archiv zusteht, ausüben zu können, wurden einige in der Ge- schichts- und Urkundenforschung besonders bewährte Theologen als Urkundcnpfleger bestellt, und zwar vorerst Dr. Becker in Alsfeld, Pfarrer D. Dr. Diehl in Darmstadt, Oberlehrer Lic. Herrmann in Darmstadt, Pfarrer Lie. Jakob in Mainz, Pfarrer Michel in Kriegsheim, Pfarrer D. Dr. Preuschen in Hirschhorn. Die Urkundcnpfleger werden im Laufe der nächsten Jahre die Archive der einzelnen Fonds, wo dies nach dem Umfang der Urkunden angezeigt erfa)eint, besuchen. Es wird sich bann Ge­legenheit bieten, etwaige Zweifel hinsichtlich der Richtigkeit deS auszuftellendcn Verzeichnisses zu beseitigen oder Anregungen wegeu der Aufbewahrung usw. der Urkunden zu geben.

** Frommapns Karte von Hessen. Seit Jahr­zehnten ist die von unserer einheimischen Verlagsfirma Emil Roth hcrcmSgcgebene Karte vom Großherzogtum Hessen mit Be- rüMichtigung der angrenzenden Länder von Maximilian From- mann eine der bekanntesten und beliebtesten kartographischen Dar­stellungen unserer engeren Heimat und es wird alle Benutzer früherer Auflagen interessieren, daß nunmehr die 30. Auflage der Karte erschienen ist. Die Vorzüge der Karie sind bekannt, bei nicht übermäßiger Größe (Maßstab 1:280 943- und unter Vermeidung alles überflüssigen Beiwerks enthält sie alles, was für den VcrwaltungSbeainten, den Geschäftsmann und für Untcr- richtszwccke von Wichtigkeit ist. Ein üeivi iberer Vorzug der Kürte ist die verschiedenfarbige Bezeichnung der eutzeluen Kreise. Selbst- ver,ländlich berück,ichtigt die Karte alle in letzter Zeit eingcirctcrten Veränderungen (Balmlinien usw.). Besonders wertvoll für den Handgcbrauck) wird die Karte durch ihre Textbeilagen, die Uever- sichten über die Kreise und Provinzen, ihre Großen und Eui- wohuerzahlen, die Verteilung der wichtigeren Aemter auf die drei Provinzen, die Vildungsanstalten und Die tabellarische Ueber- sicht über sämtliche Gemeinden mit Einwohnerzebi, Pust- und Bahnitatwu.n, Provinzen, Kreisen und Amtsgerich.en. Durch diese Beigaben w.ro die Karte gleichsam zu einem kleinen typographncy- statisipchen Lexikon Hessens, das sich durch Uebersichllichkeit, Zu- Dcrlaingti'il , und handliches Format auszeichnet. T Karte ist un Tchcheu^rmat und auf Leinwand aufgezogen t- Holzrvlle oder in Karton) zu haben und kostet 3 Mi. bezw. 4,.. Mk Sie jfi nmch ihrer ganzen AusMrung hervorragend dazu geeignet

Erstes Blatt

Montag 2?. April 1^8

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33

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

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158. Jahrgang

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Rendezvous gaben. Es waren etwa 300 Hunde, darunter eine große Anzahl aus edlem Geschlecht, die sogar ihren Stammbaum aufweifen konnten, vorhanden, um von den dazu berufenen Preis­richtern gemustert und gewürdigt zu werden. Schon in der- Frühe konnte man das Gebell der Ausstellungstiere in allen Nuancen weit über die Stadt hinaus vernehmen und wenn man die Ausstellung selbst betrat und ein guter Beobachter war, konnte man alle Gefühle der Tiere aus dem Bellen der einzelnen heraushören. Hier die unbändige Freude eines Schoßbündchens, das von seiner Herrin besucht wurde, dort das Wutgekläff zweier Bulldoggen, die beide ausrecht in den benachbarten Boxen standen, aber durch die Kette verhindert waren, sich aufeinander zu stürzen. Dort wieder das temperamentvolle Bellen der Terriers und gegenüber die langgezogenen Töne eines Pudels, der dabei darein I ciiante, als wenn ihm die ganze Geschichte zu dumm vorkomme. Gelangweilt schienen auch die deutschen Vorstehhunde sich zu fühlen. Sie schienen sich zu vornehm zu dünken, um von jedermann begafft zu werden, find sie doch dazu da, dem Men Midwerk obzulikgeu.

5. Allgemeine Hunde-Ausftellung des Vereins Hundeipott".

th. Gießen, 27. April.,

Der gestrige Sonntag stand unter dem Zeichen der Hunde,

Nr. 98

Der Lietzener Anzeiger erschein« täglich, außer SonnlagS. - Beilagen: oteimal wöchentlich -tetzenerZamilicndlätter; zweimal loöchentl.llreis- blatl kurven kreis Gietzen U ' (Dienstag und Freitag); zweimal nionatl Land» wirtschaftliche Sertfratzen sterusprech - Anschlüsse: (üt die Redaktion 112,

Loletsfehe Sagesschau.

Die deutsch-französischen Annäherungsdesirebungen.

Ter ,(Sauloi§* hat seinen Berliner Slorreiponbenten beauftragt, verschiedene maßgebende deutsche Persönlichkeiten über die AnnäherungSbestrebungen zwischen Frank­reich und Deutschland zu befragen. Heute werden die Anworten des Reichstagspräsidenten Grafen v. Stollberg, des Herzogs von Trachcnberg, der Generale v. Löbell und v. Fetter und des Freiherrn v. Hertling veröffentlicht. Alle diese Herren sind Mitglieder des Komitees, das sich zuin Zweck der Förderung der Annäherungsbestrebungen gebildet hat. Sie sprechen sich demgemäß für jede ernsthafte Bemühung in diesein Sinne aus, heben aber fast sämtlich hervor, daß diese Bemührmgeil nur dann Aussicht auf Erfolg haben, wenn sie durch ein ähnliches Komitee in Frankreich unterstützt würden. Am ruhigsten urteilt der Herzog von Trachenberg, der vor jeder Unterstützung warnt; unüberlegte Hast könne den guten Zweck gefährden.

Var Aaiserpaar auf Korfu.

Die Kaiserin und die Prinzejsin Viktoria Luise besuchten Freitag odend die Kirche in Gasturi, wo aus Anlaß des griechischen Kar­freitags ein feierlicher Gottesdienst und emc Prozession staltsand. Kegen Miilernacht verließ derAbukir" mit dem Herzog von lionnaught an Bord unter den Salutschüssen derHamburg" rind dem Hurra der Mannschaft Korfu. Montag morgen begab sich der Kaiser undPrmz August Wilhelm mit sämtlichen Herren des Gefolges an Bord desSleipper" nach Albanie n. Der Kaiser machte bem Vertreter des Sultans, Turkhan Pascha, auf besten Jacht Santi Quarami einen Besuch und besichtigte dann Die dortige Garnison der türkischen Truppen, über die er den Parademarsch abnahm. Er richtete an den Sultan ein in sehr warmen Worten gehaltenes T e l e g r a m m. Die Rückkehr zum Lchilleion erfolgte bis Korfu mit demSleipner", sodann mit dem Automobil. Im Achilleion empfing der Kaiser den griechifchen 'Himfterpräfibenten Theotokis, ber zur Mittagstafel geladen wurde. Das österreichische Geschader ist in den Ha en von Korfu eingelaufeu. Die von Süden herkommenden Schiffe des Ge­schwaders salutierteii beim Passieren des Schlosses Achilleion die Raiierftanbarte. Beim Dejeuner am Samstag betonte der Kaiser dem Präfekten und bem Bürgermeister von Korfu gegenüber, welchen vortrefflichen Ernbruck er von Korin und feiner Bevölkerung er- galten habe. Er sowohl wie die Kaiserin hoffen nächstes Jahr vleberzukornmeu. Ter Kaiser hat, da die Nachrichlen über den Gesundheitszustand in Bari unsicher lauten, die Reise dorthin aufgegeben. Tie dortigen Behörden wurden so'ort ersucht, etwaige Emp'angs-Vorbereuungeii einzustellen. Die An- funU des deutlichen Kaisers in Pola wird für den 6. Mai erwartet, jm Arsenal werden große Vorbereitungen getroffen, weil e5 wahr­scheinlich ist, daß der Kaiser die Werst besichtigen und die Schiffe ber Reserve inspizieren wirb.

lieber ben vorgestern gemeldeten Vorfall an der albanischen Küste erfährt berTag" noch folgendes: 27 Albanesen wollten am her Segelbarke' des korfiokischen Kapitäns Michalopiiloff rtach ihrer Heimat fahren. Da sie erst später erfuhren, daß die albanische Hüfte wegen des unerwarteten Besuches des Deutschen Kaisers von iürkischen Truppen besetzt sei, sie aber, obwohl der türkische Konsul ihnen angeraten hatte, sich keine Pässe verschafft hatten, so ver- juchten sie, an einer militärisch nicht besetzten Stelle zu landen. Sie wurden jedoch entdeckt, und gegen 11 der Gelandeten, die sich nud) mit Waffen, oie sie durchschmuggeln wollten, zur Wehre gesetzt hoben sollen, eröffneten die Soldaten das Feuer. Vier Albanejen iclen. Tie vorsichtigerweise in der Segelbarke Zurückgebliebenen ifloUte ber Kapitän reiten, allein wahrend der Fahrt erhielt er von heu türkischen Soldaten den tötlichen Schuß. Sein junger Sohn übernahm die Führung des Segelschiffes r,s* brachte 17 Albanese.i i.od) Storm in Sicherheit.

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sich in allen Rassen und Färbungen am Nordabhang des Seltersberges in der ehemaligen Faßhalle der Aktienbrauerei ein

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Zur Affäre Eulenburg.

Nach berK. K." iuuroc sofort nach der Urteilsfällung im Münchener Harden-Prozeß, dem Kaiser telegraphisch von bem_ Ergebnis der Verhandlung Bericht erstattet. Aus Mler- I)öd)ften Befehl wurde daraus eine ausiührlichere Darstellung ge­fordert, worauf das SitzungSProtokoll wörtlich und) Körfu telegraphiert wurde. Auch der Kronprinz ließ sich, gleid> falls nach der Urtcü5iälimtg, noch in der Dkrcht ausführlich Vor­trag halten.

Wie verlautet, wird die Berliner Staatsanwaltschaft nachEintrefsen des amtlichen Verhandlungs-Pro­tokolls über die den Fürsten Eulenburg belastenden Aussagen und des GerichtSerlenntnisscs die beiden Zeugen Riedel unb Ernst dem Fürsten Eulenburg gegenüberstellen und von dem Resultat dieser Konfrontation toeiterc Entschließungen abhängig niadjen. Am 26. April hat inzwischen auf L.ranlassung der Berliner Staatsanwaltschaft in Starrnberg die Vernehmung aller Zeugen stattgefunden, die in dem Hardenprozeß in Berlin und München nidjl zu Worte gekommen waren. Der Fischer Ernst aus Skaren- berg hatte der Berliner Staatsanwaltschaft drei Zeugen brieflich angegeben, die Aussagen über Eulenburg zu machen bereit sind. Ter Zeuge Riedel, der im Prozeß gegen Harden nickst ver­nommen wurde, weil er angeblich unglaubwürdig sei, genießt den Ruf eines rechtfchaffenen Mannes, dem man aus seiner Jugend nur Nachsaat, was im Wen Vr.-z ß festaest. ' v'i w^roc. Ter Zeuge Er.ist wüßte, baß man ihm sexuelle Verirrungen nachsagt, kannte auch bk Verbreiter dieser Gerüchte über ihn, ging aoer trotzdem nie mit gerichtlichen Klagen gegen die Verbreiter vor. Ernst be­zichtigt sich jetzt, wie die Leute, denen er es mitteilte, erz-ählen, der Undankbarkeit gegen den Fürsten. Nur der Vorsitzende mit seiner überzeugenden milden Art habe ihn dazu bewegen können, endlich zu sprechen. Er sei zu Gerickst gegangen mit bem festen Vorsatz, sein Geheimnis nicht zu verraten. Aver schließlich, sagte er, wollte er doch keinen Meineid leisten und nicht ins Zuchthaus wandern. Er werde auch, wenn er dem Fürsten gegeriübergeftellt werde, alles ausrecht erhallen, was er in ber Verhandlung gesagt habe.

Maximilian Harden erklärte in einem Interview über die Gulenburgaffäre: Id) bin überzeugt, daß Fürst Eulenburg nie­mals wieder weder als, Zeuge noeh als Angeklagter vor Gericht erscheinen wird. Erscheint er, so wirb er vernichtet; doch hat die ganze Kpankhcitskomöbie, die er schon in meinem Prozeß mit einem großen Apparat ausgefühct hat, ja nur den durch,lästigen Zweck, ihn in einem kritischen Rio ment als vernehmungsunfähig bei Verhandlung zu entziehen. Der Fürst kann erklären und erklären lassen, was er will, er hat als beeideter Zeuge ausgesagt, daß er niemals Geschlechtsneigiing zu männlichen Personen gehabt und niemals mit solchen geschlechtlich verkehrt habe. Diese Aussage ist ein glatt etaueislidjei Meineid. Auf die Frage, ob Harden noch mehr Material habe, antwortete er:Ja, viel mehr, und nicht nur gegen den Für st en Eulenburg."

Vor dem Dresdener Landgericht hat inzwischen die Verhand­lung gegen den Dr. Phil. H a r st stattgefmwen, der früher im Hause des Fürsten Eulenburg als Erzieher tätig war und wegen Vergehen gegen § 175 Str. G. V. augetlagt war. Das Gericht beschloß, den Angellagten aus seinen Geisteszustand zu untersuchen.

Wie ba5 Berlin. Tagebl. meldet, roicb der M-oltle-Harden-- Pwzeß demnächst ein neues gerichtliches Nachspiel zeitigen, ab­gesehen von den neuen Prvzef,eit, die eine notwendige Folge der Aussagen bei Zeugen Ern,c und Riedel im letzten öc-üncrener Prozesse sein werden. Wegen Beleidigung des Auitsrichters Kern, der in dem im Oktober 1907 in Berlin verhandelten ersten Be- lcldigungsprvzesse Moltke-Harden den Vorsitz führte, werden sicp> In-ckMi Zeit einige Personen zu verantworten haben. Die Angeklagten sollen die sinnlose Behauptung ver^r^itet hauen, Amis- riäMr Kern habe sich von Harden bestechen lassen. Amtsrid)ter Kern unb Maximilian Harden find als Zeugen geladen.

Die höhere postlausbahn.

Die seit dem Jahre 1898 geschlossene höhere Laufbahn der i ^tichs-Postverwaltung ist mit bem 25. Avril d. IS. mieber er- llinet worden. Die Vorschriften und Ausführungsbestimmungen I hier die Annahme, Ausbildung und Prüfung der Anwärter l'iib soeben vom Staatssekretär des Reichs-PostamtS beiannt ge­geben und aud) bereits in Kraft gesetzt worden. Hiernad) müßen btt künftigen Anwärter der höheren Lanfbahn, ebenso lote bte bisherigen, bas Zeugnis der stteife von einem Gyiunasuun, einem stwlgymnasium oder einer Oberrealschule erworben haben. Naci) täner Annayme sollen sie sich im ersten Jahre der Vorbereitungs- | feit unter Anleitung von lehibefühigcen Beamten mit dem tech- niidjen Dienste bei ben Post- unb Telegraphenanstalten so weit vertraut machen, baß sie chn selbstänbig zu versehen und in isinem Zuwmmenhange zu überblicken vermögen. An diese prak- lijche Ausbildungszeit soll sich das dreijährige akademische Stu- btnm ansästießen, das vornehmlich die Grundlagen der Staats- I Eigenschaften (Volts- und Staatswirtsd;aslslehre), die Ein,uh- mng in die Rechtswissenschaft, Post- und Telegraphenrecht, Physik, itlemie und Elektrotechnik zu umfassen hat. Dabei soll der Äksuch einer technischen Hock-schule bis zur Dauer von zwei Jahren QU die Studienzeit angerechnet werden. Nach Vollendung der oiubicu, spätestens aber sechs Jahre nad) dem Beginn der Vor- de:eitungSzeit hat sid) der Kandidat zur ersten Prüfung zu melden, uir diese werden bei den Ober-Postdirektionen in Berlin, Königs- öerg (Pr.) und Straßburg (Els.) Prüsungsräte gebildet, bestehend aus bem Ober-Postdirektor als Vorsitzenden unb vier Mitgliedern pei Posträten und zwei akademischen Lehrern), sowie u. a. einem 2 Fachlehrer. Die Prüfung zerfällt in eine schriftliche (Anfertigung -irfter Arbeiten in Klausur) unb eine münbliche und erstreckt sich auj die vorbezeichneten Wisienschasten, auf Post- und Telegraphen- bciricb unb auf die französische und englische Sprache. Der ienbibat, der die Prüfung bestanden hat, wird zum Postrefercndar u Rannt und eidlich als Beamter der Reick)spost- und Telegrapheii- öertoQltung verpflichtet. Die Referendare sollen nach einem be- fartnitw Plane während eines wenigstens dreijährigen ZcürauniS bei einer Ober-Postdirektion, bei größeren Post-, Telegraphen- und iicnfprechämtern, unter Umständen auch beim Telegraphen--e-er- H 98ümte weiter ausgebildet weiden. Die Ausblldung ist darauf btiechnet, daß die Referendare die während der Elevenzeit er» Engten Kenntnisse des praktischen Dienstes erweitern und ber» tejen, den Verwaltungsdienst eingehend kennen lernen und sich a>ii allen technisd-en. Einrid)tungen vertraut machen. Dre all- meine Beaufsichtigung und Leitung der Ausbildung llegt dem h-tcr-Postdirektor persönlich ob. Nad) Beendigung der Neserendar- i«: ist vor dem beim Reichs-Postamt eingesetzten Ober-Prüsungsrat uie zweite Prüfung abzulegen. Sie zerfällt gleichfalls in eine östliche (Anfertigung von drei Arbeiten in Klausur) und eine Endliche und erstreckt sich auf folgende Gcgenffande: Post- und chlegraphenrecht, Staats- und Verwaltungsredit un vteich und in mit größeren deutschen Bundesstaaten. Volkswirtschaftslehre und ^Ranzwisschenschaft, sozialpolitische.Gesetzgebung, Betriebs- und ^cwaltungsbienst im Reichs-Post- und Telegraphenwe,en, Wech- ülterkehr und internationale Post- und Telegraphenvertrage, teci)- mihe Einrichtungen des Reichs-Telegraphen- und^Ferniprechweiens lttrs ihre wissensd)asllichen Grundlagen. Die Prüfung yoll dariun, der Referendar für befähigt anzusehen ist, eme lelbstanbige Stillung im höheren Dienste der Reichs-Post- und Telegraphen- ?E5iUQltung einzunchin.n. Die Referendare, bie die zw.ite Pru- W bestanden habcii, werden zu Postassessoren ernannt. Die 5| essoren rücken nach ber sid) bietenden Gelegenheit in dw höheren tatsmäfcigcn Stellen der Reichs-Post- und Telegraphenverwal- tog ein. Bis dahin werden sie gegen feste Vergütung zu AnS- Ajeu unb Vertretungen verwandt.

Eezubil» eilen, ankei _Jhen^ Hclthuieg tQnbaibf.'ÄI ''-'anneu^i unb. Vagi

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v' monatlich 75Pf., viertel»

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Berank wörtlich

General-Anzeiger für Gberheffen

ynnabmc von Anzeigen 9/ 1 6 M u. iianb" unbGerichts-

KZ vormittags u^ «Moffoitsbrutf «nd Verlag der Vrühl'schen Aniv.-Vuch- und ZteindruSerei. R. Lange. Redattlon, Expedition und DnrSerek: Zchttlffraße 7. 8lnzeigemell^Ä